Mai 082019
 

Die Gazetten pfiffen es schon einige Tage vom Dach und nun ist es auch offiziell, Andreas Bornemann ist unser neuer Sportchef.

Erstmal herzlich willkommen.

Sportchef. Was heißt das eigentlich genau? Auch beim FCSP ist dies unklar. Wir denken mal, dass das der allgemein sportlich Verantwortliche ist. Viele FCSP Fans und auch Fußballfans stellen sich unter einem Sportchef immer noch den Macher, einzigen Scout und Taktiker des Vereines vor. Sollte der FCSP so agieren, dann ist er extrem rückständig.

Nehmen wir doch mal wieder den – bei uns sehr gerne genommenen – Vergleich zum Baseball. Die vergleichbare Position ist dort die eines General Managers. Der hat das letztendliche Sagen und die politische Verantwortung. Aber bedient sich unendlich vielen Menschen in der Analyse und Zuarbeit. Die Tampa Bay Rays (vom Umsatz eines der kleinsten Teams in der MLB) nennen auf ihrer Website handgezählte 56 Personen, die grob in dem Bereich Scouting und Analyse arbeiten. Und glaubt uns, die drehen jeden Penny zweimal um, bevor sie ihn ausgeben, insofern braucht man auch so viele Leute.

Davon ist der Fußball vielleicht noch weit entfernt, aber die Zeiten des Machers mit seinem Notizbuch, der sich drei VHS Kassetten anguckt und dann entscheidet, wen man kauft, die sind schon lange vorbei.

Bei uns ist z.B. ein Carsten Rothenbach zu nennen, der einen dieser Zuarbeitsposten besetzt und viele Teams haben heutzutage schon einen „Chef Kaderplaner“, der sehr konzentriert dem Sportchef zuarbeitet. Und der dann auch wieder ganz viele Leute hat.

Daher sollte man bei dem alleinigen Austausch des Kopfes nicht erwarten, dass plötzlich sich etwas vollkommen an der Richtung der Organisation ändert. Daher ist es einem GM im Baseball auch überlassen, alle Menschen die in dem genannten Bereich tätig sind auszutauschen, wenn er bei einem Team neu anfängt. Ob wir unserem neuen Sportchef dieses Recht geben, wissen wir nicht.

Fakt ist auch: Wir haben hier garantiert noch Nachholbedarf, gerade in der Analyse fängt der Fußball unterhalb der großen 20 erst gerade an, sich mit Menschen zu versorgen und auch mal „outside the box“ zu denken. Etwas was im Baseball z.B. sehr üblich ist. Die wenigsten Menschen, die da auf der genannten Seite stehen sind z.B. Ex-Spieler. Denn in den USA hat man schon länger erkannt, dass guter Spieler ungleich guter Funktionär ist. Im deutschen Fußball ist ein Sportchef, der den Ball nie auch nur drei Meter geradeaus gekickt hat undenkbar, in den USA ist so etwas Normalität.

Insgesamt ist das eine eher mittelfristige Position. Ein Sportchef macht nicht die tägliche Trainingsarbeit, er ist nicht an der vordersten Motivationsfront, er ist eher der „ChefChef“, der vielleicht bei Krisen und für die grobe Linie gefordert ist und nicht für jeden Kleinkram.

Das es hier in vielen Vereinen gerne mal Reibungen mit dem Trainer gibt, ist bekannt und die Engländer verzichten daher auf diese Position vollkommen. Man muss hier für klare Hierarchien als Verein sorgen, sonst geht das schief. Das war beim FCSP auch in letzter Zeit nicht immer der Fall. Ewalds „der kann nicht mein Chef sein…“ Aussage in Richtung Meggle klingelt noch in den Ohren.

Zur Person

Der FCSP fährt seit Meggle einen eher konservativen Kurs bei der Besetzung des Managerpostens. „Berufserfahrung“ wird groß geschrieben. Erfahrung heißt aber auch immer, dass man als Sportchef schon mal irgendwo entlassen worden ist. Oder wie wir gerne mal – sehr zynisch – im Slack schreiben „ist schon überall gescheitert“.

So auch Andreas Bornemann. Erste Station war Freiburg als Nachfolger von Andreas Rettig, die er durch die letzten Finke Jahre begleitete und mit diesem zusammen den Verein verlies. Seien wir ehrlich: Da wird er nicht viel Macht gehabt haben, denn der SC Freiburg war zu dieser Zeit Volker Finke und der hatte das Sagen.

Zwei Jahre nach seinem Weggang stieg der SC Freiburg (wieder) in die 1. Liga auf.

Danach heuerte er in Aachen an und überlebte genau 9 Monate. Als Nachfolger von Schmatke gekommen, wurde er auf Platz 14 liegend entlassen. Das es danach nicht besser, sondern eher schlechter für die Alemannia lief, sagt wohl auch viel über seine alleinige Verantwortung aus.

Danach steuerte er 2010 bis 2014 Holstein Kiel (wo 1,5 Jahre später Uwe Stöver anheuerte), stieg mit diesen im dritten Anlauf in Liga 3 auf und hielt dort noch die Klasse. Danach wollte er nach Fürth wechseln, tat dies aber aus „persönlichen Gründen“ dann nicht. Kiel stieg dann drei Jahre später in die 2. Liga auf.

So wurde seine letzte Station der Club in Nürnberg. Im September 2015 gekommen, stieg er in seiner zweiten vollen Saison mit dem Club auf und wurde letztens entlassen, weil er den Trainer nicht entlassen wollte. Ups, das kennen wir irgendwoher. Ohne jetzt die beiden Situationen vergleichen zu wollen. Damals wie heute war der Club am Tabellenende zu finden.

Man ging anscheinend nicht wirklich im Streit, wenn wir mal dem Spiegel Online Artikel von damals glauben wollen. Worte wie „loyal“ und auch der Fakt, dass er Geduld mit dem Trainer bewiesen hat, wirken schon relativ Uwe Stöver nah, so dass keine vollkommene Änderung des Stils zu erwarten ist. Auch „Kontinuität“ haben wir schon mal von einem Funktionär des FCSP als Idealbild gehört. Wir zitieren aus dem Spiegel:

„Für Bornemann, der den Sparzwang in den vergangenen Jahren immer loyal vertreten hatte und Kontinuität für elementar im Profifußball hält, ist die Trennung also bitter. Wer mit ihm in den letzten Wochen sprach, traf auf einen Überzeugungstäter, der davon überzeugt war, dass auch ein anderer Trainer mit dieser Mannschaft nicht mehr Punkt holen würde.“

Eine konkrete Transferbilanz wollen wir jetzt nicht erstellen, alleine schon weil das oben gesagte gilt: Er ist eher politisch verantwortlich, als allein entscheidend.

Man kann Andreas Bornemann nicht absprechen, dass er nicht schon mal aufgestiegen ist. Meistens hat es nicht sofort geklappt, aber ein Sportchef hat – wie auch schon erwähnt- eher mittelfristigen Einfluss. Und da sind Aufstiege im zweiten oder dritten Jahr doch eher etwas, was man sich auf die Fahne schreiben kann, als wenn man mit dem Kader den sein Vorgänger zusammen gestellt hat aufsteigt.

Fakt ist auch: Wenn wir nicht massiv Spieler mit laufenden Verträgen vor die Tür setzen (und wahrscheinlich Gehälter zumindest teilweise weiter zahlen, während die Spieler irgendwo anders kicken), dann haben wir im Kader nicht mehr sehr viel Platz für Veränderungen. Ein Stürmer scheint das größte Loch zu sein, laufen hier doch Verträge aus. Und es ist nicht davon auszugehen, dass Veerman zu Beginn der Saison 2019/2020 bei 100 % ist.

Ansonsten? Verteidiger, am besten jemand der vernünftig linke Seite spielen kann.

Wir werden es alles abwarten müssen und sehen, was so passiert.

PS: Schade, dass die Zeiten vorbei sind, wo man Personalien beim FCSP als erstes von offizieller Seite zu hören bekam.