Mai 132019
 

Hamburg bleibt zusammen

Rosa Luxemburg soll mal gesagt haben, dass sich der Charakter einer Frau nicht zeige, wenn die Liebe beginne, sondern wenn sie ende. Das gilt anscheinend nicht nur für Frauen (Sowieso – was für ein Klischee, warum soll das nicht auch für Männer und Diverse gelten?), sondern auch für Kommentatoren unter Postings des Lokalrivalens.

Das war der schöne Teil des (bevorstehenden) Saisonendes. Der unschöne war, dass wir nicht gleichzeitig die Chance beim Schopfe gepackt und uns auch sportlich zur einzigen Bundesligamöglichkeit in dieser Stadt gekürt haben. Denn auch unsere Rückrunde war ziemlich unschön.

Die Kommentare unter den Postings des FCSP sind trotzdem deutlich entspannter. Nein, auch sie sind immer wieder mit hanebüchenem Blödsinn durchsetzt (“Warum nicht Stani???1??”), aber an die Quali Nichtqualität einiger Menschen mit Liebe zu schwarz-weiß-blauen Vereinen kommen sie einfach nicht ran.

Ein Twitterer schrieb folgendes:

Mit dem #HSVplus wird alles besser! Endlich nur Fachleute in der Führung und keine dummen Fans.
Mit Häme habt ihr die aktive Fanszene übergossen damals. Oh wie ich es euch Vollidioten gönne. #SCPHSV

— Nicolai (@nicolaido) 12. Mai 2019

Man wird ihm wohl mit diesem Tweet und den folgenden schönen Grüßen an die Hamburger Sportmedien recht geben müssen. Da ändern auch die “Aber dann wären wir 2014 pleite gewesen!”-Antworten wenig. Das ist genau das, was euch die Hamburger Sportmedien erzählt haben. Mal ganz davon begann die ganze Geschichte ja schon vorher. Genauso wie sie euch alle zwei Jahre erzählt haben, dass ihr nun unbedingt Experten wählen müsst, um euch nach zwei Jahren zu erzählen, dass die ja alle keine Ahnung haben und ihr nun endlich Experten wählen müsst. Und das soll keine Kritik an unseren Ligakollegen im Volkspark werden. Eher an der Hamburger Medienlandschaft, die ihre eigene Rolle nie reflektiert.

Womit wir den Bogen zu unserem Verein schlagen. Wir nörgeln ja gerne – und natürlich immer zu Recht – an Entscheidungen unserer Führungskräfte herum. Aber insgesamt sind wir bei aller Kritik im Detail glücklich, dass wir „dumme Fans“ in allen Führungspositionen haben und keine „Experten“ von Abendblatts, MoPos und Bilds Gnaden.

Tschüß Jungs

Der Tag gegen Bochum beginnt mit einem Abverkauf von altem Fanräume-Merch. Das funktioniert ganz gut und viele Sachen gehen zu den verbilligten Preisen über den Tresen. Trotzdem können die Stufen, welche die Welt bedeuten, früh eingenommen werden und dies ist auch gut so. Es ist nämlich voll im Stadion. Es wird zwar jedes Spiel ein „Ausverkauft“ gemeldet, aber gerade auf den Stehplätzen der Gegengerade ist der Füllungsgrad schon sehr unterschiedlich. Warum er diesmal so hoch ist, wissen wir nicht. Fanfreundliche Anstoßzeit? Letztes Spiel? Oder doch die Han-Solo-Rechnung mit zwei Union-Niederlagen, höchstens einem Rautenpunkt und zwei hohen Siegen von uns? Wir wissen es nicht. Wir würden uns aber allemal wünschen, dass die Karten regelmäßiger genutzt werden. Alleine schon, weil ein anwesender Besucher auch noch ein Bier trinkt und irgendwas isst und damit dem Verein zusätzlich Geld einbringt.

Auf dem Platz werden Spieler verabschiedet. Allagui nicht, Meier nicht, diverse andere nicht, siehe Vereinstwitter. Das heißt nun nicht gerade, dass die beiden (oder die Anderen) auch nächste Saison am Millerntor auflaufen werden; aber man scheint zumindest noch unsicher genug über die Situation, um keine Verabschiedung vorzunehmen.

Neudecker, Hoogma, Müller, Schneider und Dudziak werden aus dem aktuellen Kader verabschiedet. Bei Nehrig wird die Verabschiedung an diesem Tag nachgeholt. Nehrig kann man eine gewisse Sehnsucht ansehen und der Beifall fällt verdientermaßen auch laut und lang aus. Man kann sich vorstellen, dass dies bei Dudziak genau anders herum ist. Buhrufe, freundliche Erinnerungen, dass sein neuer Arbeitgeber doof ist und ein bisschen Beifall sind die Reaktionen.

Danke euch allen und viel Glück auf euren weiteren Wegen. Ja auch dir Jerry, mögest du als guter Zweitligaspieler dieser Liga noch lange mit deinem neuen Arbeitgeber erhalten bleiben und in ihr für Furore sorgen.

0-0 der taktischen Sorte

Eigentlich hat Tim vom Millernton alles geschrieben, was ihr über das Geschehen auf dem Platz wissen müsst. Wir verweisen auf diesen Artikel und empfehlen sehr das Lesen. Auch seinem Saisonfazit kann man nur zustimmen. Wir müssen in der Rückrunde gerade einmal 26 Punkte holen und wären nun mitten drin im Aufstiegsrennen. Wenn man bedenkt, dass wir sechs Punkte in der Rückrunde gegen Union und gegen Paderborn geholt haben, dann haben wir den Aufstieg mehr oder minder gegen die Abstiegskandidaten dieser Liga verspielt. Das tut sehr weh. Es wäre so einfach gewesen.

Auch wenn wir uns wiederholen: Es war selbst noch brutaler, denn aus den letzten 16 Spielen hätten wir selbst nur 23 Punkte holen müssen für das eben Gesagte. Das ist ein Schnitt von ca. 1,4 Punkten. Ein Schnitt, wie ihn Teams wie Bielefeld oder Regensburg über die ganze Saison hatten. Das sind keine Wunderdinge.

Der Artikel stützt auch wieder eine unserer Thesen der gesamten Saison. An der taktischen Idee liegt unser Scheitern nicht. Das Trainerteam hat Ideen und versucht diese auch mit dem vorhandenen Spielern umzusetzen. Das klappt häufig genug und Dutt sagte auf der Pressekonferenz, dass er ein Kompliment ausspreche, weil er zweimal innerhalb kürzester Zeit zum Umstellen gezwungen worden sei. Das ist also wirklich nicht unser Problem.

Unser Problem liegt natürlich einmal in Verletzungen. Wie sehr bitte fehlt uns Veerman als Bande, als zentrale Anspielstation und als Spieler, der die Abwehr verrückt macht? Nehmen wir doch z. B. die Scorerausbeute von Allagui. Mit Veerman: Drei Tore, eine Vorlage. Ohne ihn? Ein Tor, keine Vorlage.

Ein weiteres augenfälliges Problem ist und bleibt, dass wir – ganz im Gegensatz zur Hinrunde – es nicht schaffen, Tempo und Aggression über 90 Minuten hoch zu halten. Und wenn das einzelne Spieler doch können, dann sind es Spieler, die in der Hinrunde nicht eingesetzt wurden und wahrscheinlich nicht ein Mal 100 Prozent der Zeit bei den Profis trainiert haben. Becker ist hier auffällig. Coordes von der Bank auch. Sowieso ist „Jugend forscht“ angesagt an diesem letzten Heimspieltag und Coordes macht in seinem Kurzeinsatz Lust auf mehr.

Er kommt für Schnecke Kalla, der seinen 150. Einsatz in Liga 2 zeigt. Die geringe Anzahl auf seine unzähligen Jahre spricht auch für die vielen Verletzungen, die seine Karriere auch geprägt haben. Ob diese nun in einer aktiven Spielerrolle noch viel weiter geht, wird sich zeigen. Schon vor dieser Saison hatten wir prophezeit, dass etwas schief gelaufen ist, wenn er viele Einsätze bekommt. Es sind am Ende der Saison 9 (und vielleicht noch 10?) und er hat die beste Whoscored-Note des Kaders. Es zeigt halt, wie wichtig ein guter 12. Mann ist, der dazu noch die absolute Kampfmaschine ist. Der unfassbar intensive lange Zweikampf mit seinem Gegenspieler in der ersten Halbzeit ist exemplarisch.

Haben wir uns jetzt wieder lieb?

Auf den Rängen ist eine ausgelassene Sommerstimmung sehr verbreitet. Das Ergebnis des Lokalrivalens sorgt natürlich für Heiterkeit und für neue wie alte Spottgesänge. Spott muss man sich halt verdienen. Und es ist besser als Mitleid.

Es gibt nach einer gewissen Pause mal wieder ein „Aux Armes“ und es den Versuch von Wechselgesängen über alle Tribünen. (Das kann noch besser werden, gerade die Nord kam bei uns gar nicht an, was nicht heißen soll, dass man sich da nicht bemüht …)

Die Gäste sind mit einem Sonderzug angereist, vor dem Stadion dementsprechend gut betankt und im Stadion mit einer Choreo dabei. Diese untermalt von (verspätet?) gezündetem Rauch, was so nicht wirklich beeindruckend aussieht. Nicht auf die Uhr geguckt, liebe Bochumer?

Danach

Gibt es in den Fanräumen noch Büffet und wir besuchten noch kurz das gallische Dorf des Hafengeburtstags namens Jolly-Bühne. Puh, nichts gegen schöne Schiffe und Städte mit Häfen haben ja immer noch Hoffnung, aber das ist ein gewöhnungsbedürftiges Fest. An der Bühne aber viele nette Menschen und ein netter Ausklang zum Wochenende.

Unser Tag wird kommen.

PS: Derbyfluch? Maik der alte Investigationsjournalist hat da mal tiefer gebohrt.

Mai 082019
 

Die Gazetten pfiffen es schon einige Tage vom Dach und nun ist es auch offiziell, Andreas Bornemann ist unser neuer Sportchef.

Erstmal herzlich willkommen.

Sportchef. Was heißt das eigentlich genau? Auch beim FCSP ist dies unklar. Wir denken mal, dass das der allgemein sportlich Verantwortliche ist. Viele FCSP Fans und auch Fußballfans stellen sich unter einem Sportchef immer noch den Macher, einzigen Scout und Taktiker des Vereines vor. Sollte der FCSP so agieren, dann ist er extrem rückständig.

Nehmen wir doch mal wieder den – bei uns sehr gerne genommenen – Vergleich zum Baseball. Die vergleichbare Position ist dort die eines General Managers. Der hat das letztendliche Sagen und die politische Verantwortung. Aber bedient sich unendlich vielen Menschen in der Analyse und Zuarbeit. Die Tampa Bay Rays (vom Umsatz eines der kleinsten Teams in der MLB) nennen auf ihrer Website handgezählte 56 Personen, die grob in dem Bereich Scouting und Analyse arbeiten. Und glaubt uns, die drehen jeden Penny zweimal um, bevor sie ihn ausgeben, insofern braucht man auch so viele Leute.

Davon ist der Fußball vielleicht noch weit entfernt, aber die Zeiten des Machers mit seinem Notizbuch, der sich drei VHS Kassetten anguckt und dann entscheidet, wen man kauft, die sind schon lange vorbei.

Bei uns ist z.B. ein Carsten Rothenbach zu nennen, der einen dieser Zuarbeitsposten besetzt und viele Teams haben heutzutage schon einen „Chef Kaderplaner“, der sehr konzentriert dem Sportchef zuarbeitet. Und der dann auch wieder ganz viele Leute hat.

Daher sollte man bei dem alleinigen Austausch des Kopfes nicht erwarten, dass plötzlich sich etwas vollkommen an der Richtung der Organisation ändert. Daher ist es einem GM im Baseball auch überlassen, alle Menschen die in dem genannten Bereich tätig sind auszutauschen, wenn er bei einem Team neu anfängt. Ob wir unserem neuen Sportchef dieses Recht geben, wissen wir nicht.

Fakt ist auch: Wir haben hier garantiert noch Nachholbedarf, gerade in der Analyse fängt der Fußball unterhalb der großen 20 erst gerade an, sich mit Menschen zu versorgen und auch mal „outside the box“ zu denken. Etwas was im Baseball z.B. sehr üblich ist. Die wenigsten Menschen, die da auf der genannten Seite stehen sind z.B. Ex-Spieler. Denn in den USA hat man schon länger erkannt, dass guter Spieler ungleich guter Funktionär ist. Im deutschen Fußball ist ein Sportchef, der den Ball nie auch nur drei Meter geradeaus gekickt hat undenkbar, in den USA ist so etwas Normalität.

Insgesamt ist das eine eher mittelfristige Position. Ein Sportchef macht nicht die tägliche Trainingsarbeit, er ist nicht an der vordersten Motivationsfront, er ist eher der „ChefChef“, der vielleicht bei Krisen und für die grobe Linie gefordert ist und nicht für jeden Kleinkram.

Das es hier in vielen Vereinen gerne mal Reibungen mit dem Trainer gibt, ist bekannt und die Engländer verzichten daher auf diese Position vollkommen. Man muss hier für klare Hierarchien als Verein sorgen, sonst geht das schief. Das war beim FCSP auch in letzter Zeit nicht immer der Fall. Ewalds „der kann nicht mein Chef sein…“ Aussage in Richtung Meggle klingelt noch in den Ohren.

Zur Person

Der FCSP fährt seit Meggle einen eher konservativen Kurs bei der Besetzung des Managerpostens. „Berufserfahrung“ wird groß geschrieben. Erfahrung heißt aber auch immer, dass man als Sportchef schon mal irgendwo entlassen worden ist. Oder wie wir gerne mal – sehr zynisch – im Slack schreiben „ist schon überall gescheitert“.

So auch Andreas Bornemann. Erste Station war Freiburg als Nachfolger von Andreas Rettig, die er durch die letzten Finke Jahre begleitete und mit diesem zusammen den Verein verlies. Seien wir ehrlich: Da wird er nicht viel Macht gehabt haben, denn der SC Freiburg war zu dieser Zeit Volker Finke und der hatte das Sagen.

Zwei Jahre nach seinem Weggang stieg der SC Freiburg (wieder) in die 1. Liga auf.

Danach heuerte er in Aachen an und überlebte genau 9 Monate. Als Nachfolger von Schmatke gekommen, wurde er auf Platz 14 liegend entlassen. Das es danach nicht besser, sondern eher schlechter für die Alemannia lief, sagt wohl auch viel über seine alleinige Verantwortung aus.

Danach steuerte er 2010 bis 2014 Holstein Kiel (wo 1,5 Jahre später Uwe Stöver anheuerte), stieg mit diesen im dritten Anlauf in Liga 3 auf und hielt dort noch die Klasse. Danach wollte er nach Fürth wechseln, tat dies aber aus „persönlichen Gründen“ dann nicht. Kiel stieg dann drei Jahre später in die 2. Liga auf.

So wurde seine letzte Station der Club in Nürnberg. Im September 2015 gekommen, stieg er in seiner zweiten vollen Saison mit dem Club auf und wurde letztens entlassen, weil er den Trainer nicht entlassen wollte. Ups, das kennen wir irgendwoher. Ohne jetzt die beiden Situationen vergleichen zu wollen. Damals wie heute war der Club am Tabellenende zu finden.

Man ging anscheinend nicht wirklich im Streit, wenn wir mal dem Spiegel Online Artikel von damals glauben wollen. Worte wie „loyal“ und auch der Fakt, dass er Geduld mit dem Trainer bewiesen hat, wirken schon relativ Uwe Stöver nah, so dass keine vollkommene Änderung des Stils zu erwarten ist. Auch „Kontinuität“ haben wir schon mal von einem Funktionär des FCSP als Idealbild gehört. Wir zitieren aus dem Spiegel:

„Für Bornemann, der den Sparzwang in den vergangenen Jahren immer loyal vertreten hatte und Kontinuität für elementar im Profifußball hält, ist die Trennung also bitter. Wer mit ihm in den letzten Wochen sprach, traf auf einen Überzeugungstäter, der davon überzeugt war, dass auch ein anderer Trainer mit dieser Mannschaft nicht mehr Punkt holen würde.“

Eine konkrete Transferbilanz wollen wir jetzt nicht erstellen, alleine schon weil das oben gesagte gilt: Er ist eher politisch verantwortlich, als allein entscheidend.

Man kann Andreas Bornemann nicht absprechen, dass er nicht schon mal aufgestiegen ist. Meistens hat es nicht sofort geklappt, aber ein Sportchef hat – wie auch schon erwähnt- eher mittelfristigen Einfluss. Und da sind Aufstiege im zweiten oder dritten Jahr doch eher etwas, was man sich auf die Fahne schreiben kann, als wenn man mit dem Kader den sein Vorgänger zusammen gestellt hat aufsteigt.

Fakt ist auch: Wenn wir nicht massiv Spieler mit laufenden Verträgen vor die Tür setzen (und wahrscheinlich Gehälter zumindest teilweise weiter zahlen, während die Spieler irgendwo anders kicken), dann haben wir im Kader nicht mehr sehr viel Platz für Veränderungen. Ein Stürmer scheint das größte Loch zu sein, laufen hier doch Verträge aus. Und es ist nicht davon auszugehen, dass Veerman zu Beginn der Saison 2019/2020 bei 100 % ist.

Ansonsten? Verteidiger, am besten jemand der vernünftig linke Seite spielen kann.

Wir werden es alles abwarten müssen und sehen, was so passiert.

PS: Schade, dass die Zeiten vorbei sind, wo man Personalien beim FCSP als erstes von offizieller Seite zu hören bekam.

Mai 042019
 

Freitag. Einige Menschen sind “raus” weil sie arbeiten müssen. Einige davon vermissen wir, andere kündigen groß an den Dresdener Block zu füllen und sind dann “raus”. Wir sind bei der Arbeit raus, denn der FCSP ist für uns auch an diesem Freitag die einzige Möglichkeit. Das ist unsere Welt und wir machen uns diese Welt wie sie uns gefällt.

Also anstatt in Kittelschürze alle in Rot, gab dies doch die Ultramoderne als Modemotto aus.  

Das GIF zum Lied

Pöbelbus abgeholt und die Gang eingesammelt. Rauf auf die Bahn. Der Mob hatte einen Treffpunkt in Nossen vereinbart. Aber bis dahin hatten wir erstmal 400 km zu überwinden. Diesmal mit geteilter Fahrerschaft, danke dafür. Unsere Playlists sind ja bekannt und gefürchtet, diesmal wurden sie noch passend mit GIFs auf Twitter untermalt. Wir erörterten ansonsten die wichtigen Fragen des Lebens “kocht dein Vater eigentlich Meth?” und kamen gut voran.

Haben wir eigentlich schon mal vom großartigen Menü im Pöbelbus berichtet? Oder wie es eine Mitfahrerin formulierte „wir fahren wie Erwachsene”. Die Zeiten der Dose Bier plus einer Carraza Bifi Pizza als Tagesverpflegung sind definitiv hinter uns.

In so einem Bericht schreibt man selten darüber, dass man irgendwo zu früh ist und wartet. Und doch ist dies kein unbedeutender Teil des Auswärtsfahrens. Diesmal warten auf die Busse. Der geliebte Fanladen hatte einen “ruhigen Tag” mit seinen Bussen. Inklusive kleinem Unfall. Nossen war dann kurzfristig braun-weiß. Alle Busse und ungefähr 50 andere Fahrzeuge sammelten sich um dann gemeinsam nach Dresden zu fahren. Was ein ziemliches Chaos war. In dem Chaos nahmen wir noch kurz eine verirrte Fanladenbusmitfahrerin mit, die wir erstmal wieder beruhigen mussten, da sie doch sehr beschäftigt war, das Bus verpassen zu verarbeiten. Leicht verplant schien sie grundsätzlich.

Hallo Dresden

Geparkt wird beim sympathischeren Dresdener Fußballverein und dann wird man in Shuttlebusse gequetscht. Natürlich in Begleitung von schwarz gekleideten Polizisten. Eine Stadtrundfahrt später sieht man Wasserwerfer und eine Wagenkolonne der Polizei. Schön man ist am Gästeblock. Kontrollen teilweise übergenau, teilweise nicht vorhanden. Absurd dabei immer diese Suche nach Stickern. Es gibt wirklich schlimmere Dinge, als ein paar Sticker. Natürlich waren trotzdem genügend drin, um Köln und Union zu überleben.

Es gab noch rote Shirts für den Hausgebrauch und Gerüchten zu Folge soll es die in nächster Zeit auch mit Aufdruck an den üblichen Quellen geben.

Auf den Rängen

Das Spiel war laut vorab Mitteilungen angeblich ausverkauft. Dafür blieben letztendlich dann aber doch reichlich (Sitz-)Plätze frei. Angeblich soll es noch eine Gästekasse mit Restkarten gegeben haben und da saß auch jemand im Kassenhäuschen, aber zu diesem Ort kam man nur mit einem Ticket.

Der Heimbereich ist von Mitmachquote und Lautstärke über die Jahre zwar weniger geworden, aber wenn es nur darum gehen würde, dann wären die immer noch ziemlich weit oben.

Im Style gibt es aber Abzüge. Natürlich müssen sie wieder ein ebenso langweiliges, wie sexistisches Plakat zeigen. Natürlich untermalen sie dieses mit geklauter Fanshopware. Mal ganz ehrlich: Glaubt eigentlich noch irgendein Ultra, dass alle ehrfürchtig auf ihn herabsehen, weil er irgendeine Touri-Familie auf Dresden Besuch um ihren TK Pulli erleichtert hat? Das Klauen von Sachen ist sowieso schäbig, das Klauen von Normalo Fanshop Sachen ist noch mal schäbiger.

Fußball schafft und verstärkt ja gerne Pseudoidentitäten und seine Pseudo- „ihr gegen wir”, wir wollen da den FCSP und seine Tribünen gar nicht ausnehmen. So lange man das alles nicht zu Ernst nimmt und es auch mal hinterfragt, ist das vielleicht dogmatisch nicht wirklich toll, aber wir sind ja hier auch kein Politzirkel.

Dresden hat da auch den in Westdeutschland gerne aufgeführten „Ost-,Ost-,Ostdeutschland” Identitätsgesang. Mal davon ab, dass Sachsen und Mecklenburger ungefähr soviel gemeinsam haben, wie Hamburger und Münchener, zeigt der Bezug auf “Deutschland” wo die Probleme liegen.

Und wir sprechen hier nicht von einem “unverkrampften” Patriotismus (gibt es sowieso nicht), wie eine kleine Aufführung des Gästeblocks zeigte, der das ganze mit “Nie, Nie wieder Deutschland” parodierte. Plötzlich stand die ganze Nachbarschaft des Gästeblocks und selbst Willy, der noch Ede Geyer bei Dynamo hat spielen sehen, war plötzlich auf Temperatur. Auf einer Temperatur, die man nicht erreicht hätte, hätte ihr suspendierter Torhüter vor dem K Block per Mikro sein Wechsel zu Brause Leipzig verkündet und gleichzeitig das Dynamo Trikot  mit besagter Brause begossen. Und dann noch ein Tattoo eines anderen ostdeutschen Fußballvereins, der auch an der Elbe liegt, offenbart. Oder so. Aber das ist eigentlich noch ein Thema für sich.

Damit haben wir wohl doch einen Nerv getroffen. Wie ein riesiges “Linksfaschisten” Plakat (siehe Foto) es in das Stadion schafft, dort hängen kann und dann noch seelenruhig mit Ordnerhilfe präsentiert werden kann, kann sich Dynamo gerne mal fragen. FCSP: warum eigentlich keine entsetzte Stellungnahme nach dem Spiel? Das kann man bei (angeblichen) Fehlern anderer in Dresden doch auch immer schnell. Ja, wir sind nachtragend.

Nach dem Spiel noch Pathos vom Stadionsprecher inklusive Dank an “die Jungs im K Block”. Das muss den Tapetenmalern doch gefallen haben.

Will hier wirklich noch jemand was zum Spiel lesen?

Es sah besser aus und der zusammen gewürfelte Haufen schlug sich wacker. Ein Handelfmeter der zumindest kuriosen Sorte brachte Dresden die Führung. Wie genau Schnecke verhindern soll, dass ihm der Ball vom Oberkörper an den Arm springt, wäre noch zu klären. Zumal der Schiedsrichter die Situation absolut nicht im Griff hatte. Elfmeter anzeigen, ewig diskutieren, so dass es so aussieht, als würde er ihn zurücknehmen, um ihn dann doch zu geben. Unsere Jungs hatten genügend Chancen um trotz des Rückstandes was mitzunehmen, aber die machten sie mit einer Ausnahme nicht rein, Dynamo nutzte die eine Chance. 

Wir freuten uns wie schon in Heidenheim über Finn-Ole Becker. Guter Junge, technisch super ausgebildet, Spielintelligenz und Mentalität. Gefällt uns. Schön, dass er jetzt im Kader ist und nun auch sein Startelfdebüt hatte. Bitter dagegen ist, dass kein Spieler, der zu Saisonbeginn als Innenverteidiger eingeplant war, auf dem Platz stand. Die Verletztenquote ist echt hoch. Hoffen wir, dass die Fußverletzung von Ryo sich als nichts schlimmes erweist.

Nach dem Spiel

Gab es noch Stress. Details wollen wir hier nicht erörtern. Nur soviel: Ins Gesicht fassen und Worte nutzen, die Dresden auf Tapeten malt, ist ein No Go. Immerhin kam es so zur Überschrift. Danke dafür.

Die Rückfahrt

War lang, dunkel und traurig. Und ob das so war oder ob wir Adele zu acht mit 10 Stimmen gesungen haben, erzählen wir hier nicht. What happens in the Pöbelbus, stays in the Pöbelbus.

Unser Tag wird kommen