Apr 292019
 

“Kommen wir zum Positiven, wir haben ein Spiel gewonnen.”

63 Tage sind vergangen, seitdem wir den FC Ingolstadt am Millerntor zu Gast hatten und gewannen. Es bedurfte einer anderen Mannschaft aus dem Bundesland Bayern, um mal wieder dieses Gefühl eines Heimsieges zu haben.

Vor dem Spiel der übliche Flohmarkt am Millerntor: Fanräume mit Schlussverkauf, eine neue Ausgabe des vorzüglichen Presseerzeugnisses “Out of Control” von der G.A.S. und ganz viel Kleber etc. gibt es zu erwerben. Nur die Vorfreude, die fand sich nicht wirklich. “Soll ich hingehen oder soll ich es lassen?” ist ein häufig geäußertes Gefühl. Und viele entscheiden sich für “lassen”. Selten sieht man so viele hochgehaltene Karten am Millerntor, selten bleiben so viele Plätze frei. Wichtig dabei: Wenn ihr nicht wollt, könnt, mögt, dann gebt eure Karte frühzeitig weiter. Sei es über den Clubsale, sei es über Tommy, sei es in eurer Bezugsgruppe.

Lest das “Out of Control”, denn es ist gut. Meinungsfreudig, sehr zum Lachen und alleine der Iran-Reisebericht ist die 1,50€ wert.

Rein ins Stadion

Man muss echt mal Shirt-Spenden für Gästefans beginnen, ständig können sich die jungen Herren kein Shirt leisten. Ganz ehrlich: Wir wollen Eure Hühnerbrüste erst sehen, wenn das auch jede weiblich gelesene Person so machen kann. Und euren Schweiß haben eure Kumpanen auch besonders gern. Lasst die doch einfach an. Wir wissen, ihr findet Mackertum geil. Wir halt nur bedingt.

Regensburgs Vereinslied ist schon zu Turnvater Jahns Zeiten geschrieben worden und drehte einem echt den Magen um. Sowieso ist der Bezug auf den völkischen Antisemiten Jahn mehr als fragwürdig und der SSV Regensburg sollte sich vielleicht mal einen anderen Namenspatron suchen. Bemerkenswert: Der Verein in seiner jetzigen Form erst 2000 entstanden ist, also zu einer Zeit, in der jedem klar sein sollte, wie problematisch die Person Friedrich Ludwig Jahn ist.

Fußball

Nun denn, auf dem Platz entwickelt sich in der ersten Halbzeit ein ähnliches Geschehen wie in den vergangenen Wochen. Fehler, körperliche Unterlegenheit und geistige Unsicherheiten führen zu einem Rückstand. Böse Stimmen im Kollektiv meinten, dass wir im gesamten Spiel nur ein Laufduell gewonnen haben: das der beiden Physio-Crews zu dem jeweils verletzten Spieler.

In der Halbzeitpause twittern wir die Behauptung, dass wir das noch drehen, mit dem Hashtag, welches nun die Überschrift bildet.

In der zweiten Halbzeit zeigen unsere Jungs dann nämlich tatsächlich Herz, kämpfen sich irgendwie rein und haben auch ein bisschen das Glück des Tüchtigen. Sei es beim Freistoß durch die Hosenträger zum 3:2, sei es beim 4:2, wo auch eine Abseitsentscheidung möglich wäre. Das ist garantiert nicht alles das Gelbe vom Ei, aber a. war es mit Herz und b. einige hübsche Züge sind dann doch drin.

Es ist extrem ärgerlich, dass wir so viele Punkte liegen lassen haben, weil wir nicht immer dieses Herz gezeigt haben. Konstant eine vernünftige Kampfleistung abzurufen, wäre schon echt eine gute Grundlage.

Dass es immer noch eine Restwahrscheinlichkeit auf Platz 2 und 3 gibt, spricht nicht gerade für diese Liga. Andernfalls haben wir uns damit abgefunden, dass wir in dieser Saison etwas für unsere Platzierung in der Ewigen Tabelle der zweiten Liga getan haben werden.

Es ist nebenbei jedem Menschen frei gestellt, ob er nach dem Spiel mit der Mannschaft feiern will oder nicht. Dies mit Unmut zu kommentieren, verbietet sich. Spannend war die Unsicherheit der Spieler vor der Süd, als man sich nicht die “gewohnte” Heimsiegsingerei abholen konnte. Ja, hier ist St. Pauli, hier ist Millerntor. Wir pfeifen euch nicht aus. Aber auch hier macht nicht ein einziger erkämpfte Heimsieg die vielen hergeschenkten Spiele und die teilweise unterirdischen Leistungen wieder wett.

Mentalität

Die letzten Spiele haben auch bei dem diese Zeilen verfassenden Teil des Kollektivs Spuren hinterlassen. In der Form, dass dieser in zahlreichen Situationen unkte, was als nächstes passieren würde:
“Toll, dann fangen wir uns jetzt ja zum drölfzigsten Mal innerhalb von fünf Minuten noch das nächste Gegentor.”; “Buchtmann fängt sich gleich ’ne gelbe Karte wegen eines unnötigen Fouls, so wie der gerade mal wieder auf Zille ist.”; “Dass war’s noch nicht, wir fangen uns garantiert noch die zwei ’nötigen‘ Gegentore.”

Gut, dass nur 1/3 der Unkerei und auch nur teilweise zutraf. Man könnte das als Zeichen sehen, dass wir wieder eine gewisse mentale Stabilität erarbeitet haben. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

In der Winterpause, als der Transfer von Hoogma (als Ziereis-Ersatz) bekannt gegeben wurde, hatten Teile des Kollektivs Befürchtungen, dass Carstens nun zu keinen Einsatzzeiten mehr kommen würde. Stimmt zum Glück nicht, Florian hat seitdem 11 von 13 Spielen gemacht.

Und wir haben da ein echtes Juwel mit hervorragenden Leistungswerten: Beste Leistungswerte aller Innenverteidiger über die Saison hinweg, vierbester Spieler insgesamt seit der Winterpause (hinter Schnecke, Knoll und Alex Meier). Und ja, er wackelt manchmal noch unnötig. So auch beim 1:2, als er ziemlich alt aussieht, als Adamyan vor der Flanke in die Mitte mit einer simplen Körpertäuschung an ihm vorbeizieht.

Aber der Junge ist 20 und hat in einer stark verunsicherten Mannschaft seine Leistung seit der Winterpause quasi konstant gehalten (vorher WhoScored-Durchschnitt von 7.07 aus 6 Spielen, jetzt 6.83 aus 11 Spielen) und wir erinnern hier auch noch mal daran, dass er das auch noch geschafft hat, als er positionsmäßig ziemlich durch die Gegend geschoben wurde.

Und Marvin Knoll, meine Damen und Herren. Deinem alten (Ersatz-)Torwart und den anderen ehemaligen Kollegen so einen Freistoß reinzustellen, ist doch ganz schön großartig. Bitte mehr davon, gerne auch gegen andere Mannschaften.

Womit wir bei der Stimmung sind

Die ist echt über weite Strecken im Stadion sehr dünn. Umso mehr Liebe an Vorsänger, Trommler und die ungefähr fünf Prozent des Stadions, die unermüdlich Stimmung machen. Im Supportblock rumst es endlich wieder und zack, trotz des Rennens um die Goldene Ananas geht hier wieder was. Bitte, Herr der Trommel, wenn du das liest: Bleib dran! Ganz viele Herzchen!

Es ist nebenbei auch keine Dienstleistung für eure Unterhaltung, Alarm zu machen, sondern jedermenschs freiwillige Entscheidung.

Nach dem Spiel noch mal Kleber verteilen. Danke an alle, die gespendet haben. Die Braun-Weiße Hilfe freut sich. Und auch ansonsten war das ein interessantes Fußballwochenende. Kussi nach Gelsenkirchen, an die Müllverbrennungsanlage, nach Nürnberg und an all die Orte, die uns dieses Wochenende entertaint haben.

Sonst geschrieben?

Millernton

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