Nov 232018
 

Liebe Leute, wir sind alle im Stress. Und man muss eigentlich auch mal ein Thema so einfach links liegen lassen können. Als überzeugte Zecken haben wir es sowieso nicht so mit Duschgel, sondern singen voller Überzeugung „wir waschen uns nie“.

Aber irgendwie ist dieses Duschgel plötzlich auf so vielen Ebenen ein Spaß, dass wir ihm doch ein paar kurze Zeilen widmen wollen.

Anti-ironische Wortspiele

Der erste Gedanke, als unser Verein das Duschgel bewarb? „Och nö, man muss echt nicht jedes schlechte Wortspiel bringen“.

Geld für „Laut gegen Nazis“ ist auch schön und gut, gerade wenn man bedenkt, dass Roggnroll häufig der Beginn einer Politisierung ist. „Ich habe mehr durch Musik gelernt als durch Bibliotheken“ singt ein Hemmoorer Dorftrubador so schön. Jedoch: „Laut gegen Nazis“ ist nun nicht gerade knallharte Antifa und listet selbst so bürgerliche Organisationen wie die „DFL Stiftung“ als Partner auf. Hätte da nicht eher eine Organisation Empfänger sein können, die durch unsinnige Überprüfungen der Marke „Extremismusklausel“ oder der Marke „Geheimdienstüberwachung“ oder anderem Dünnsinn als „linksradikal“ gelabelt werden, weil sie der CDU mal gesagt haben, wie scheiße eine Rechtsoffenheit in Richtung AfD ist?

Aber dann springen die richtigen an.

Gerade hat man sich in die ewige Nörglerrolle zurückgezogen, da meckert irgendso ein AfD-Schnullernazi. Getroffene Hunde bellen. Wie anstrengend muss das eigentlich sein, sich ständig aufzuregen und über alles hetzen zu wollen? Menschen, ey.

Aber es wird noch geiler. Ja, wir haben Facebook-Kommentare gelesen. Und Leute, Satire ist in der Postmoderne tot. Weil die Leute das ernst meinen. Hier ohne Anspruch auf Vollständigkeit ein „best of“:

Da wird gefragt, ob das nach brennenden Autos und Molotowcocktails riecht? Das ist eigentlich mal eine Geschäftsidee. Der Duft der Revolution! FCSP Vermarktung:Übernehmen Sie! Am besten wäre es natürlich, wenn das dann noch leicht entflammbar wäre. Und wenn Ihr schon dabei seid: Der Astraflaschen-Molli ist auch schon lange als Merchartikel überfällig. Zweidrittel Heizöl, ein Drittel Benzin (Achtung, liebe mitlesenden Behörden: Das war jetzt Satire!).

Auf den Sport konzentrieren sollen wir uns auch mal wieder. Klar, dass wir dann ungefähr die Zuschauerzahlen von Greuther Fürth hätten und einfach nur ein schlechter Fußballverein wären – egal. Und: Ja, liebe „das ist Kapitalismus“-Kritiker, das ist auch zum Geld verdienen da. Hate the game, not the clever player. Nur weil der FCSP sein Image zu einem USP (und wir meinen hier nicht unsere Ultras) gemacht hat, müsst Ihr jetzt nicht rumheulen. Euer Verein hatte da alle Chancen zu. Der FCSP hat sein USP nämlich jahrzehntelang null genutzt.

Bernd P. meint dann, der FCSP sei für ihn gestorben, wie der (setzen Sie hier drei Buchstaben ein) seit 20 Jahren, wenn man Politik und Sport nicht trennen könne. Lieber Bernd, unter welchem Stein hast Du denn gelegen? Nein, wir wollen die Untrennbarkeit von Fußball und Politik nicht wieder durch Katar treiben, aber mal ganz ehrlich, Bernd: Der FCSP ist seit gut 30 Jahren Politik pur (siehe USP).

Ach ja, irgendein Fan wollte nach 30 Jahren auch seine Dauerkarte und alle seine Klamotten verbrennen, wenn der Verein nun so linksradikal ist. Man fragt sich echt, was für Leute das Millerntor bisher betreten haben? Hören die bei Antifa Hooligan immer weg? Leute, wir müssen da lauter mitsingen, bis alle diese Pappnasen weg sind.

Thorsten findet den Kampf gegen Rechts ja ganz okay, aber dass wir mit Linksextremen ins Bett gehen ginge ja gar nicht, da könne man sich ja gleich zur RAF bekennen. Also mal davon ab, dass ein fucking Duschgel für „Laut gegen Nazis“ziemlich weit vom wie auch immer zu definierenden „Linksextremismus“ (googelt „Extremismustheorie“) entfernt ist, beleidige nicht uns und unsere Liebsten, die sind in deinen Augen doch alle linksradikal, Todde. Und ob so ein antisemitischer Haufen wie die RAF wirklich „linksradikal“ genannt werden sollte, schmeißen wir hier jetzt einfach nur mal provokant in die Runde. Es fiel dann übrigens auch der Begriff “Linksfaschismus”. Aber auch wir beißen ja nicht bei jedem Köder an.

Und dann kommt die Juristerei

Nicht wirklich begeistert war die Henkel KGaA, denn deren Marke „Fa“ ist.

Es gibt da zwei Ebenen, die sich nicht wirklich miteinander trennen lassen, die man aber doch bedenken muss.

Bei einem Unternehmen wie Henkel, das sich in der Nazizeit nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat, hinterlässt das Bestehen auf „positive[m] Image“ und „nicht Anti“ nicht gerade einen positiven Beigeschmack. Das ist Streisand-Effekt in Reinform, denn wirklich jeder kann Google anwerfen, die Begriffe “Nazizeit + Henkel” eingeben und erkennen, dass Henkel an vorderster Front als Täter dabei waren.

Der Hausjurist möchte aber noch einen weiteren Aspekt einbringen, der nicht ganz davon zu trennen ist, den man aber in der Motivlage einer Unternehmung immer mit bedenken sollte. Marken sind verdammt viel wert. Ihr kauft ein iPhone insbesondere deswegen für sehr viel Geld, weil da ein Apfel drauf ist und es iPhone heißt. Der eigentliche Warenwert (!) ist ein Bruchteil des Preises, den Ihr zahlt. Das gleiche Produkt unter dem Namen „Quitte“ würdet ihr nicht so bezahlen. Das ist – nebenbei – der Unsinn des Kapitalismus in wenigen Worten erklärt.

Jetzt ist es so, dass deswegen Unternehmen ihre Marken schützen wollen. Wer da mal die Komplexität dieses Themas nachlesen wolle, der lese die Entscheidung des BGH zu einer Taxirufnummer und einem kölnischen Wasser, welches man nicht in Kneipen trinkt.

Ganz grob zusammengefasst sagt dieses Urteil, dass gerade berühmte Marken eine sehr weite Wirkung haben und auch gegen Sachen geschützt werden können, die man vielleicht erst auf den zweiten Blick assoziieren würde.

Nun könnte man ja sagen „Klar, Henkel ist im Recht, aber wo kein Kläger, da ist ja auch kein Richter“. Nur leider ist das ganz so einfach im Markenrecht nicht. Denn wenn man eine Nutzung duldet, dann kann das zu einer Verwirkung führen. Und dies heißt nix anderes, als „ein Markeninhaber seine Rechte wegen bereits begangener oder noch fortdauernder bestimmter Rechtsverletzungshandlungen nach einer langen Zuwartezeit unter Umständen nicht mehr durchsetzen kann.“ (von hier )

Als beratender Jurist könnte man solche Sachen auch zusammenfassen mit „lieber einmal zu viel klagen als einmal zu wenig“. Dafür sind Marken zuviel wert.

Bleibt aber noch eine letzte Frage: Wenn man ein Produkt auf den Markt bringt, dann gehört eigentlich die Frage nach der Markenverletzung durch den Namen zu einer absoluten Standardprüfung. Und sowohl der FCSP (Modelabel) als auch der Partner sind ja keine Amateure auf diesem Gebiet. Wäre eine solche Prüfung nicht erfolgt, dann wäre das grob fahrlässig. Und die Nähe zu „Fa“ liegt ja doch ein bisschen auf der Hand, nech? Gut, wir wissen nicht was da hinter den Kulissen besprochen wurde, denn ab und zumal macht man auch ein „komm, das riskieren wir jetzt, das ist mindestens PR. Und wenn wir das danach Duschmolli nennen, die PR ist trotzdem raus.“

Abgesehen von der nachvollziehbaren juristischen Prüfung und gerade in Anbetracht der eigenen Vergangenheit muss man als Unternehmen nun wirklich nicht über jedes Stöckchen, das einem empörte Wutbürger hinschmeißen, springen. Und vor allem nicht mit solch konfusen Statements, die auch jede AfD-Pressestelle hätte schreiben können. Benannter Wutbürger kommt übrigens lt. Twitterprofil aus Regensburg. Und damit nun endlich zurück zum sportlichen. Darauf sollen wir uns ja eh mehr konzentieren.