Aug 282018
 

Kurzes Vorwort

Ihr erinnert euch an den Gastartikel zum Stoke Spiel? Wenn nicht, dann liest ihn jetzt!. Es fließt dann Wasser die Elbe runter und wir können nur zu gut nachvollziehen, wenn man die Worte mit etwas Abstand ergänzen möchte. Auch dafür möchten wir Platz bieten, denn es ist sehr wichtig!

Grundsätzliches ändern

Was man ja auch nicht so bedenkt, bevor man einen Gastbeitrag über Belästigung im Stadion hier veröffentlicht: Verdammt viele Leute lesen diesen Blog. Heißt auch: Verdammt viele Leute, die ich kenne, lesen diesen Blog. (Und: Das ist sehr gut. Weil lest diesen Blog, er ist sehr gut!)

Worauf ich aber hinauswill: Ich wurde ziemlich oft auf meinen Beitrag angesprochen. Und das ist nicht immer einfach. Weil über Belästigung reden jetzt echt kein tolles Gesprächsthema ist. Und auch immer mit Scham zu tun hat. Grundsätzlich gilt für mich trotzdem: Ich rede lieber darüber, als es totzuschweigen. Aufmerksamkeit, darüber diskutieren, Betroffenen zuhören – anders hat sich noch nie irgendwas geändert. Und deshalb glaube ich auch, dass jedes Thematisieren mit guter Intention geschah.

Trotzdem bleibt es bei dem eben Gesagten, es ist nicht immer einfach. Auch mich darauf anzusprechen ist sicher nicht angenehm. Und so werden dann Gespräche exemplarisch mit „Du durftest jetzt also auch die dunkle Seite des Millerntors erleben” begonnen. Ich will es echt noch mal betonen: Ich glaube an die gute Intention. Aber frage mich auch, was dieser Gesprächseinstieg über uns aussagt? Wie viele Fälle von Belästigung im Stadion habt ihr mitbekommen (oder sogar selbst erlebt), dass die Thematisierung “Du auch” ein „normaler“ Gesprächseinstieg ist? Neben diesen zahlreichen persönlichen Gesprächen erreichten mich auch noch weitere private Nachrichten von Personen, die ich nicht persönlich kenne. Ein Beispiel: “Mir ist sowas ähnliches auch schon passiert. Danke, dass du darüber sprichst. Mir hat keiner zugehört.” Ich bin also leider – aber wenig überraschend – nicht alleine mit meinem Erlebnis.

(Bis) zum nächsten (Heim-)Spieltag: Ein Verein, der in seiner Stadionzeitschrift den Gastbeitrag abdruckt und sich klar positioniert. Eine Fanszene, die u. a. ein Transparent mit “Klatschen statt Grabschen” hochhält. Ein Podcast, der das Thema gleich in zwei Episoden anspricht. Ein Fanladen, der den Gastbeitrag über seine Accounts verbreitet. Ein Fanclubsprecherrat, der den Beitrag an alle Fanclubs verschickt. Und zuallererst natürlich ein Blog, der sofort den Gastbeitrag veröffentlicht.

Und trotzdem möchte ich wetten, dass es auch beim Heimspiel gegen Darmstadt wieder weibliche* Fans gab, die sich nicht immer sicher gefühlt haben. Oder noch schlimmer: Die auch belästigt wurden. Ohne dass wir es mitbekommen hätten. Wir müssen uns daher fragen: Tun wir alle also genug, um das Millerntor zu einem sicheren Ort für alle Fans zu machen?

Ja, es gibt ein Aktionsbündnis, das tolle Aktionen durchführt und sich schon lange gegen Sexismus und Homophobie engagiert. Das aber auch dringend neue Mitstreiter*innen sucht. Ja, wir diskutieren in der Fanszene gerade über Awareness-Teams, Spieltagstelefone und andere (sehr wertvolle!) Ideen. Und ja, wir sind damit definitiv dem “Durchschnitt” anderer Fussballvereine voraus. Und trotzdem lassen mich alle Reaktionen vermuten, dass viele weibliche* Besucher*innen Erlebnisse ähnlich zu meinem machen. Trotzdem.

Und hier ist dann auch mal der wirtschaftliche Teil des FCSP gefragt, denn das bisher Genannte sind alles Faniniativen.

Da ist dann nämlich auch mittelgroßer Wirtschaftsbetrieb, der im vergangenen Geschäftsjahr einen hohen sechsstelligen Betrag Überschuss erwirtschaftet hat. Der für Öffentlichkeit sorgt (danke dafür! Auch das ist leider nicht immer die Norm) und den Gastbeitrag in seiner Stadionzeitung abdruckt. Der aber u. a. auch damit Geld verdient, dass wir ins Stadion gehen. Während sich seine weiblichen* Fans nicht immer sicher fühlen (und nicht nur die).

Tut der genug, um das zu ändern? Was sollte er tun? Was könnte er noch tun? Warum haben wir z. B. keine*n hauptberufliche Awareness-Beauftragte*n?

Was kann „von oben“, „von unten“ noch getan werden?

Eins ist sicher: Wenn “Du auch” ein normaler Gesprächseinstieg ist, dann tut er, tun wir alle nicht genug.

Danksagung der Redaktion

Anmerkung des Redaktionskollektiv: Noch mal vielen Dank an @amhass, die auch diese Zeilen verfasst hat. Wir können ihren Text nur dick unterstreichen und unterstützen die genannten Ideen.

Ergänzend wollen wir uns wiederholen: Mischt euch ein! Steht Betroffenen* zur Seite! Hört ihren Sorgen und Nöten zu! Sagt auch mal eurem Kumpel, dass Dinge nicht klar gehen! Dies reicht natürlich nicht aus, wir müssen über Struktuelles reden, wie der Text mehr als deutlich macht, ist aber erstmal etwas was Jede*r tun kann.

Aug 282018
 

Ach Union. Viele Menschen der aktiven Fanszene meiden dieses Spiel langsam, weil es irgendwie immer doof ist und wir eigentlich auch immer doof da verlieren. Und auch das Jahr 2018 soll da keine Ausnahme von dieser Regel bringen.

Dabei hätte Union eigentlich viele Zutaten für eine angenehme Auswärtsfahrt. Es ist halbwegs nah, der Stadion-DJ spielt Feine Sahne Fischfilet und Neonschwarz und viele Dinge an Union sind ja eigentlich ganz sympathisch. Seien es nun diverse echt gut zu folgende Menschen auf Twitter, sei es ein liebevoller Taktikblog oder sei es der wohl professionellste Vereinspodcast Deutschlands. Die Alte Försterei ist (noch?) eines der schöneren Auswärtsstadien und die ganze Verknüpfung des Vereines mit seinen Fans, sei es nun bei dem berühmten Stadionausbau, sei es bei einer sehr offensiven Verteidigung eben jener Fans oder sei es bei dem Fakt, dass Fans eine der besten Stadionzeitungen machen. Oder sei es der langhaarige Bombenleger, der da auch schon ungefähr seit 100 Jahren den Stadionsprecher macht.

Wir meckern noch

Bevor uns hier jemand Sympathien für Union vorwirft, keine Sorge, wir kommen noch zum meckernden Teil. Aber vor diesen hat der liebe Gott erstmal die Anreise gelegt. Die gestaltet sich insgesamt sehr entspannt, denn wenn es eine Möglichkeit gibt, vernünftig durch Berlin zu kommen, dann ist dies der frühe Sonntagmorgen. Vor Ort dann ein klitzekleines Problem. Denn die Eintrittskarte unseres rasenden Reporters hat die Reise nicht mit angetreten und beschlossen, lieber zu Hause an der Pinnwand bleiben zu wollen. Nun gut, dieses Problem kann mit Hilfe von Skins und Ultras schnell gelöst werden. Danke dafür noch mal.

Der Einlass bei Union ist über die Jahre zwar professioneller geworden und damit nicht mehr reines Chaos, aber es bleibt immer bei dem größten baulichen Problem: Der Zuweg ist viel zu eng. Und natürlich durch einen Kanal begrenzt. Wie das funktionieren soll, wenn die wirklich mal ein größeres Stadion da hinstellen und dann größeren Gästekapazitäten da durchschleusen wollen, ist uns vollkommen unklar. Das ganze Gefilze und so ist professionell und wurde mit einem „Viel Spaß dir“ beendet. Da ist man unfreundlichere Ordner gewöhnt.

Was bei Union im Gästeblock am oberen Ende der Skala ist, ist das Catering für Gästefans. Nein, es gibt nix Besonderes und über die Qualität des Essen kann man auch trefflich streiten. Aber immerhin bekommt man innerhalb einer angemessenen Zeit was zu trinken und die Leute am Zapfhahn wissen, was sie machen. Ja, das ist schon mehr als in den meisten Stadien. Eigentlich ganz schön bitter.

Union ist auch immer ein großes Hallo. Denn einige Gesichter, die früher überall mit hin gefahren sind, haben heutzutage ihren Familiensitz in Berlin. Schön, euch mal wieder zu sehen.

Früher war nicht alles besser …

.. aber es gab mal einen Auswärtsflyer, der z. B. Choreos kommunzierte. Die Ultras haben sehr hübsche Wendepappen vorbereitet, die echt klasse sind. Die Koordination über das Megaphon kommt aber schon bei uns schlichtweg akustisch nicht mehr an, sodass die Wendung wahrscheinlich nicht annähernd synchron erfolgt. Wir wissen ja selber, was für ein Aufwand solche Flyer sind, aber nicht nur bei Choreos sind solche Flyer Gold wert. Auch wenn man Menschen erklären will, dass man kein Bock hat, in ihrer neuen Instagram-Story zu erscheinen.

Wir wissen nicht, ob es am Dach liegt oder irgendein anderer akustischer Trick dazu führt, dass sich bei Union viel Support im Stadion verhallt und nicht richtig Druck erzeugt. Denn obwohl man optisch auf der anderen Seite viele Hände klatschen sieht, kommt im Gästeblock nahezu nie etwas an. Und das liegt nicht daran, dass dieser nun gerade alles in Grund und Boden singt und tanzt. Ganz im Gegenteil, der Auftritt bei Union ist extrem peinlich. Wo in Magdeburg oder Wiesbaden noch die Gästeseite gerockt wird, stehen hier die meisten Leute eher unbeteiligt mit den Händen in der Tasche rum. Leute, das ist doof.

Das Geschehen auf dem Platz fasst erwähnter Taktikblock sehr gut zusammen. Wir können das nicht so schön kühl in Worte fassen, aber insgesamt schlagen wir uns diesmal selbst. Das fängt damit an, dass mit einem zurückgezogenen Knoll der Aufbau nur noch die Hälfte wert ist und man die Defizite von Nehrig wieder sehr deutlich sieht. So wirkt das in den ersten 40 Minuten bei uns zwar sehr stabil, wir lassen keinen einzigen Torschuss zu, aber so richtig was nach vorne bewegen tun wir auch nicht. Und dann beginnt wieder etwas, was uns bereits letzte Saison ständig das Genick gebrochen hat: die Unfähigkeit, ein solches Spiel einfach auf 0:0 zu halten. Die beiden ersten Tore fallen in der Freizeitliga nicht. Das ist einfach nur dämlich und vollkommen unnötig. Beim zweiten Tor verschätzen sich um die fünf Abwehrspieler bei einem simplen Einwurf. Das ist schon echt bitter. Klar, individuelle Fehler passieren. Aber doch nicht ständig. Doof ist, dass insbesondere Nehrig und Ziereis mehrfach echt schlecht aussehen. Wenn wir irgendwie erfolgreich sein wollen diese Saison, dann müssen diese beiden Jungs etwas einbringen. Ziereis steht jedoch zur Zeit vollkommen neben sich und ist so ein Kandidat für eine Pause. Und auch Nehrig hat nicht gerade Werbung in eigener Sache gemacht.

Es gibt aber auch Dinge, die gefallen

So schaffen wir es in Halbzeit 2, doch noch Druck aufzubauen. Und das, obwohl auch das dritte Gegentor in die Rubrik „vermeidbar“ fällt. Trotzdem versuchen die Jungs noch mal was, kommen zu einem glücklichen 1:3 und dann hat Union einen Torhüterreflex und Glück, dass nicht das 2:3 fällt. Das 4:1 fällt dann, als wir alles oder gar nix spielen. Es wird gar nix. Henks Annahme und Drehung vor dem 1:3 ist extrem cool, sein Abschluss würde zwar wahrscheinlich eher die Eckfahne treffen, aber wird ins Tor abgefälscht. Das Tor sollte ihm Auftrieb geben und er zeigt gegen Union wieder weitere Ansätze, wie er als Mittelstürmer, Bandenspieler und Vollstrecker wertvoll sein könnte. Hoffen wir, dass diese Andeutungen sich bestätigen.

Was noch positiv ist, dass sich diese Mannschaft wehrt. Wenn bei irgendwelchen Rudelbildungsnummern letzte Saison da unser Spieler meistens alleine blieb, so sind nun sofort alle da und diskutieren mit. So muss das auch in solchen Situationen sein.

Der Unioner Heimanhang feiert den Sieg mit einem „Sieg“-Stakkato und da sind wir auch schon beim Meckern. Sorry Leute, aber das ist echt Dreck und alle Menschen, die in Hamburg groß geworden sind, können euch sagen, mit welchem Wort die Pause in diesem Gesang früher gefüllt wurde. Da gibt es echt coolere Siegesgesänge. Ebenso fällt auf, dass eine Gruppe von Union anscheinend seit neustem mit den Ottos von Gladbach befreundet ist,die ganz unpolitisch mit SS-Totenkopf posieren. Also wir hätten da irgendwie andere Freunde. Aber es passt in dieses unschöne Unpolitische, was Union trotz vieler politisch fitter Leute schon immer prägt.

Nach dem Spiel also schnell weg. Am Bahnhof soll es noch gescheppert haben, aber wir haben davon nix mit bekommen. Feststellung der Abreise: Zu Union fährt man mit dem Fahrrad.