Okt 262017
 

Sandhausen. An einem Montag. Das sind so Fahrten, nach denen man sich die Finger leckt. Und so ist selbst der Fanclub des Zeilenschreibers diesmal nur mit zwei Personen vor Ort. Sonst ist drei eigentlich unsere absolute Mindestzahl. Dabei besteht dieser legendäre Fanclub, den niemand kennt, aus gerade mal acht Personen.

Okay, genug der Selbstbeweihräucherung. Sandhausen. „Dorfverein“ ist in diesem Zusammenhang wahrscheinlich wirklich keine Abwertung. Sandhausen ist eine Kleinstadt und im Vergleich zu vielen anderen Vereinen in der zweiten Liga ein Dorf. Natürlich eines mit ganz viel Wirtschaft in der Nähe, die auch Geld in den Verein pumpen kann; aber dass die nun irgendwelche Traumbudgets fahren, kann man nun auch nicht sagen. Um dann so lange in der zweiten Bundesliga präsent zu sein und immer wieder eine gute Rolle zu spielen, muss man schon sehr viel richtig machen.

Und damit der FCSP nahezu konstant schon seit 1 ½ Jahren unter dem SVS steht, muss man am Millerntor verdammt viel falsch machen. Ja, das ist einfach so, auch wenn ihr es alle nicht hören wollt. Die Sandhäuser haben das Potential von ca. 8.000 Zuschauern und vielleicht 100.000 Sympathisanten. Wir hingegen verfügen über ein Potential von 28.000 Zuschauern (jeweils Gästefans rausgerechnet) und Millionen Sympathisanten. Das soll gar nicht großkotzig klingen, aber man muss auch mal ein reales Verhältnis bilden, wenn man Leistungen vergleicht und sich selber einordnet.

Umso erstaunlicher, dass es immer noch FCSP-Fans gibt, die glauben, dass der Klassenerhalt in der zweiten Liga beinah einem Wunder und der Erfüllung aller Wünsche entspricht.

Ein seltener Gast

Nun gut, diese Fahrt bringt einen seltenen Gast in das Fahrzeug des Schreibers, hatte doch J. mal wieder vor, auswärts zu fahren. Nach drei Jahren mal wieder. Dem ganzen liegt eine Vorgeschichte zugrunde, die ich hier nicht vorenthalten möchte.

Auswärtsfahrt nach Bochum.

Tweet des Schreibers (alles folgende sinngemäß zitiert): „QotD: „Panzer sind auch keine Lösung“ „Ja, aber sie machen schöne große Löcher““

Nachricht J. (ca. 20 Sekunden später) : „Ich will auch mal wieder auswärts fahren.“

Antwort Schreiberling: „Wir reden hier aber nicht immer über Panzer“

J.: „Egal“

Danach die Feststellung, dass J. drei Jahre nicht mehr mit war, und das Versprechen, dann gleich die Schocktherapie zu nehmen und nach Sandhausen zu fahren.

Dann kam die Terminierung als Spitzenspiel, aber das Versprechen blieb und so findet man sich kurz nach 11 Uhr an einem Montag auf der Autobahn wieder.

Und beinah viel zu früh in Sandhausen

Aber Getrödel und eine kurze … äh … Abkürzung über Feldwege sorgen dafür, dass wir nur zu früh da sind. Was man langsam echt mal hinterfragen sollte, ist, warum bei einem solchen Spiel auf Feldern vor der Gemeinde Polizei steht. Was soll da passieren? Wenn sich noch irgendein Polizist über Überstunden und ähnliches aufregt, dann kann man ihn immer nur fragen, was für Ackermatches die bei dieser Paarung erwarten.

Dass man in Sandhausen auf irgendwelchen Feldern parkt, entspricht herrlich dem Klischee. Das Parken ist gut organisert. Das ist dann auch eine durchgängige Beobachtung. In Sandhausen weiß man, dass da Menschen kommen, ist organisiert, hat einen vernünftig funktionierenden Einlass, weiß, dass dort Menschen mit Bannern kommen, die sie gerne aufhängen wollen. Das ist top. Und da können sich andere Vereine (Hallo Kiel!) eine Scheibe von abschneiden. Auch die Abfahrt nach dem Spiel ist gut organisiert und schnell möglich.

Über das „1. FC Pauli“ auf der Website des Rhein-Neckar-Fernsehens will man da beinah hinweg sehen. Aber auch nur beinah.

MagischerFC Sandhausen 1. FC Pauli

Gut 2.000 FCSP-Fans aus aller Welt haben sich im Gästeblock eingefunden und dieser macht auch 90 Minuten ordentlich Radau. Respekt dafür. Über das laut hörbare S beim „Aux Armes“ müssen wir aber irgendwann mal reden.

Auf dem Platz …

… entwickelt sich ein Abnutzungskampf zweier Mannschaften, die versuchen, das Spiel intensiv zu spielen und insbesondere hinten nichts zuzulassen. 18 zu 16 Schüsse verzeichnet am Ende das Protokoll, aber auch nur jeweils drei „On Target“.

Die besseren Schüsse haben die Gäste, aber entweder rettet irgendein Fuß oder ein Torhüter oder aber es kommt gar nicht zum Schuss, weil in letzter Sekunde irgendetwas schief geht.

In Halbzeit 2 wird der FCSP noch drückender, hat Möglichkeiten und kassiert dann nach einer haarsträubenden Fehlerkette das Gegentor. So ist es im Fußball. Wenn du deine Möglichkeiten nicht in Tore umsetzt, dann rächt sich das gerne mal. Das Zweikampfverhalten vor dem Tor wird wahrscheinlich noch in mehreren Videoabenden Thema sein.

MagischerFC SV Sandhausen vs. St. Pauli Oktober 2017

Danach werfen die Braun-Weißen alles nach vorne, machen Lasse mal wieder zum Mittelstürmer (in einer anderen Zeit, als Mittelstürmer noch zuerst kopfballstark sein sollten, wäre Sobiech nebenbei niemals Verteidiger geworden) und dieser Aufwand wird durch den Ausgleich von Schneider belohnt.

Dem ist dieses Tor mal ganz stark zu gönnen. Der Junge kommt immer mal wieder von der Bank, rennt sich dann die Seele aus dem Leib und wirkt immer erfrischend. Gut, dass er für seinen Aufwand auch mal belohnt wird.

Trotzdem muss man nach diesem Spielverlauf echt unzufrieden sein. Insbesondere, da Sandhausen sein übliches Betonsystem nicht durchgedrückt bekommt und man eben mehr als ein, zwei Gelegenheiten hat. Klar ist es schwer in Sandhausen zu gewinnen, aber diesmal war es möglich. Trotz der ganzen Verletzten.

Die Verletztenmisere – ohnehin ein Thema

So einen tiefen Kader kann man in der zweiten Liga gar nicht haben, um diese ganzen Verletzungen aufzufangen. Und es ist eben nicht nur alles Pech. Gut ist, dass auch Olaf in der Pressekonferenz vor dem Spiel darauf einging und deutlich machte, dass man an Stellschrauben versucht zu arbeiten.

Zu hoffen bleibt, dass wir nicht auch noch Nehrig auf die Verletztenliste schreiben müssen. Gut sieht das bei seiner Auswechselung nicht aus.

Auf der Rückfahrt haben wir aufgrund einer Buspanne zwei Gäste im Auto, die unsere Runde perfekt auflockern und bei der Unterhaltung des Fahrers bis 5:30 Morgens durchhalten. Da hat uns dann das Millerntor wieder.