Mrz 302017
 
Wir glauben, wir müssen nicht viele Worte über die Situation in der Türkei verlieren. Eine Quasi-Diktatur will nun auch noch die letzten kleinen Fitzelchen Demokratie abschaffen und jeder der irgendwie was dagegen hat, ist ein Terrorist und wird wegen irgendwelcher fadenscheinigen Begründungen verhaftet und/oder angeklagt. 
 
Und sollte er dann auch noch irgendwie das Wort „Kurden“ in den Mund genommen haben oder irgendwie auf deren Schicksal hingewiesen haben, dann ist er noch mal Terrorist. 
 
All diese Menschen verdienen Solidarität und viel mehr Druck auf die Herrschenden in der Türkei. Der Fußball hat es immerhin geschafft, Belek diesen Winter zu meiden und es ist zu hoffen, dass noch viel mehr Druck aufgebaut wird. 
 
Auch wenn das heißt, dass unsere Bundeskanzlerin in Naziuniform in irgendwelchen türkischen Blättchen abgedruckt wird. Nebenbei mal ehrlich liebes antideutsche 😉 Boulevard: Das Ding hat so einen Bart. Und so ein Godwin disqualifiziert euch eigentlich von jeder Diskussion. 
 
Stellvertretend für all diese Menschen sei unser Ex-Spieler Deniz Naki genannt, der sich Anfang April erneut vor einem türkischen Gericht verantworten muss. Im ersten Prozess wurde er durch die letzten Zuckungen eines Rechtsstaates freigesprochen. Was ihm vorgeworfen wird? Könnt ihr hier nachlesen.
 
Es ist nicht nur der Fakt, dass Deniz international in den kurdischen Communitys bekannt und beliebt ist, der ihn zum Ziel für die (höchstwahrscheinlich staatlich motivierte) Verfolgung macht. Deniz ist – so der verlinkte Beitrag des WDR – einer der besten Spieler des einzigen relevanten kurdischen Vereins im Profi-Fußball Amedspor. Sein Anwalt vermutet, dass die Ermittlungen gegen Deniz auch als Angriff auf den Club zu verstehen seien, dessen Aufstieg in die zweite türkische Liga man offenbar nicht gerne sehen würde. So gibt es eine ganze Reihe weiterer repressiver Maßnahmen, beispielsweise eine drakonische Geldstrafe wegen politischer Gesänge im Stadion und ein generelles Auswärtsfahrverbot für die Fans. Der Fall Amedpsor und Deniz Naki zeigt uns dieser Tage auf eine sehr unschöne Art und Weise erneut, wie hochpolitisch der Fußball ist.
 
Wir haben Deniz als unangepassten Spieler kennen und lieben gelernt. Wir begrüßen, dass er – bei allem Risiko für sich selbst – sich weder im Fußball noch im Leben die Schnauze verbieten lässt. Deniz, bleib stark, hold your head up high und wir sind solidarisch bei dir. Das ist das wenige was wir tun können um die Welt zu ändern. 
 
In diesem Sinne möchten wir gerne eine ganz praktische Bitte an euch richten: Bis zum nächsten Heimspiel ist noch etwas Zeit. Holt Pinsel, Farbe und Tapeten aus den Kellern, teilt einen oder mehrere Beiträge über Deniz‘ Situation online, macht auf das Thema aufmerksam. Jan van Aken, Hamburger Bundestagsabgeordneter der Linken, der beim ersten Prozess dabei war, mutmaßte, dass das mediale Interesse und die Anwesenheit von drei deutschen PolitikerInnen (zwei davon aus HH) maßgeblich für den ersten Freispruch verantwortlich waren. Wenn wir auf St. Pauli und darüber hinaus es wieder schaffen, eine Öffentlichkeit für das Thema herzustellen, können wir Deniz ganz pragmatisch helfen. Ob wir das schaffen, scheint angesichts der U-Haft für Deniz Yücel trotz des Einsatzes diverser Institutionen und Organisationen mindestens fraglich, aber lasst es uns zumindest versuchen! Die erste Verhandlung hat gezeigt, dass Solidarität wirken kann.
 
Mrz 202017
 

FCSP – Hannover 96

„Irgendwas muss man ja schreiben“

Seien wir ehrlich, dieses Spiel, das ist Fußball zum Abgewöhnen. Und noch schlimmer wird es, wenn man – wie 1/3 unserer Redaktion – nicht in Hamburg ist und den ganzen Blödsinn bei Sky sehen muss. Dass das sportliche Niveau in der zweiten deutschen Liga so gering ist, dass man oftmals nicht weiß, welche Sportart da eigentlich betrieben wird und das Werben mit Begriffen wie „Fußball“ fast schon als bewußte Täuschung der KundInnen angesehen werden kann, daran haben wir uns gewöhnt. Aber die Präsentation dessen bei Sky war mir – ich schreibe hier als besagtes Drittel – als nicht gerade begeisteter Fußball-Fernsehzuschauer gar nicht bekannt. Die Darstellung der Begegnung war mindestens so gelangweilt und uninspiriert wie der Kommentator. Hilfe, ganz ernsthaft. Dabei kann Sportfernsehen so gut sein. Man sollte halt nicht in Deutschland gucken. Und vor allem keine zweite Liga.

Das wird hier jetzt ein Dialog. (Gibt es eigentlich auch Trialoge?) Ich stand im Stadion, kann aber dem Sky-Gucker von meinen Sky-Erfahrungen nur zustimmen. Ich werde nie verstehen, warum man zwei Zweitligaspiele auf den Samstag legt, nur um diese dann – selbst in der Konferenz – mehr genervt und gelangweilt herunter zu senden. Ich habe noch nicht gehört, dass jemand sagt: „Oh die zwei Zweitligaspiele am Samstag, die haben mich überzeugt, Sky zu abbonnieren.“ Gleiches gilt auch für die beiden Bundesligaspiele am Sonntag. Ja, die sind auch Europa-gemacht, aber die noch voneinander freizustellen, um dann zweimal Bundesligahausmannskost zu senden, das lockt doch niemanden zusätzlich hinter dem Ofen her. Da wäre eine gut gemachte Zweierkonferenz doch schon mehr wert, oder? Man darf nie vergessen: Für die Vereinsjunkies gibt es ja sowieso die Einzeloption.

Aber letzlich passt zu diesem provinziellen, farblosen Charakter der Spielberichterstattung Hannover als Gast natürlich ganz hervorragend. Einer der wenigen Vorteile des TV-Erlebnisses ist es ja, einen hervorragenden Blick auf den Gästeblock zu haben und tja … was für Klischees und Gestalten dort.

Magischer FC St. Pauli vs. Hannover 96 Maerz 2017

Konfetti-Inferno

Puh, im Stadion bekommt man wenig vom Gästeanhang mit, wobei ich immer nicht weiß, ob das ein akustisches Problem ist oder ob da wirklich nicht viel passiert. Zu Spielende dreht der Gästeblock gerade frei, ohne dafür wirklich einen Grund zu haben, aber den brauchen Fußballfans ja auch nicht immer.

Für mehr zu dem Auftritt des Gastanhangs verweisen wir gerne auch auf die kundigen Analysten bei Ultras.ws. (Achtung, Witz!) Wobei wir in diesem Zusammenhang nicht verheimlichen wollen, dass es nach dem Spiel noch U-Bahn Feldstraße richtig am Krachen war. Beobachter sprachen von Volksparksorks, die sich unter die Leinenjünger gemischt hatten und nun meinten, da einen auf Krawall zu machen. Dumm bleibt dumm, da helfen keine Pillen.

Stimmung!

Zumindest durchweg lauter als Hannover. Tolles Intro auf der Süd mit den älteren Doppelhaltern. Immer wieder sehr cool, wenn die Keller nach alten Stücken durchsucht werden.

Die sportliche Einordnung hängt sehr davon ab, wie man die Stärke von Hannover bewertet. Auf der einen Seite sind diese Tabellenvierter, auf der anderen Seite in einer solchen Krise, dass sie selbst gegen Karlsruhe verlieren.

Und seien wir ehrlich: Die erste Halbzeit verschlafen wir komplett. In dem Lauf, den wir hatten, war unsere Stärke eine gute aggressive Spielweise bei den sogenannten zweiten Bällen. Das fehlt völlig. Und so hat Hannover viel Platz, viel Ballbesitz und kann wenig damit anfangen. Und was uns weiterhin auszeichnete war, dass wir Chancen eiskalt nutzten. Klar, da muss es auch mal wieder einen Rückschritt geben, weil sich so etwas immer ausgleicht. Und der passiert halt heute. Denn selbst in der ersten Halbzeit sind einige ansehnliche Dinger dabei.

In der zweiten Halbzeit folgt dann eine Sturm- und Drang-Phase unserer Jungs, das sieht fein aus und da kann sich Hannover bedanken, dass das entscheidende Tor nicht fällt. Denn das an diesem Tag mehrere Tore fallen, davon ging wahrscheinlich kein Beobachter aus.

Leider merkt man dann unseren Jungs die Intensität der letzten Wochen an und die Floskel „stehend K.O.“ macht in den letzten 20 Minuten die Runde. Hier können wir uns wiederum bedanken, dass Hannover kein Tor macht. Harnik steht wohl viel zu frei, um den zu machen. Ob es vor dem einem Ball im Netz nun Foul ist oder nicht, das können wir aus der Stadionperspektive nicht beurteilen.

Schade, dass Schnecke dann den letzten Ball nicht formvollendet an Tschauner vorbei bekommt. Das wäre natürlich so ein Herzensmoment gewesen.

Nun denn, letztendlich ist ein Unentschieden wohl gerecht und für beide Mannschaften verdammt wenig. Ja, so ein Punkt ist dann scheiße, wenn fast alle anderen Konkurrenten gewinnen. Klar, nüchtern sieht das wahrscheinlich ganz anders aus, aber ein Punkt aus zwei Heimspielen ist erstmal nicht so dufte. Auf der positiven Seite sei aber gesagt, dass wir mit den ersten Fünf der Tabelle in der Rückrunde durch sind. Und diese sind anscheinend ja doch eine andere Qualität als das sehr lange Mittelfeld der zweiten Liga. Und zwei Siege, zwei Niederlagen, ein Unentschieden gegen diese Fünf ist ja auch vollkommen in Ordnung.

Man kann es aber drehen und wenden, wie man will: Nun halt Endspiel in Aue. Dazu folgender Dialog: A: „Einfach – hahahahaha – in Aue gewinnen.“ B: „Stichworte: Thy und Pimmelpropeller.“ Machen wir so.

Ein paar Dinge noch, weil sie in der Diskussion waren:

  • In sozialen Netzwerken wurde gefragt, warum Tschauner so abgefeiert wurde. Nun ist es garantiert kein „Abfeiern“, wenn sein Name ein bisschen verarschend als jeder Nachname der Gästeaufstellung gerufen wird. Und warum soll man einem Spieler, der nun auch lange genug für den FCSP gespielt hat, nicht ein bisschen Liebe entgegen bringen?
  • Hornschuh: Bisschen verwundert war man über das komplette Fehlen von Hornschuh. Kein Grund vor dem Spiel, nach dem Spiel hieß es dann „angeschlagen“. Hoffen wir mal, dass dies auch der Grund ist und da nicht irgendwas anderes vorliegt.
  • Terminierungen: Irgendwie fehlt einem die Kraft sich darüber aufzuregen. Dienstagsheimspiel um 17:30, vier Auswärtsspiele hintereinander am Freitag 18:30. Immerhin damit sieben Auswärtsspiele – wenn wir uns den nicht verzählt haben – von 17 an einem Wochentag. Was bei einer Verteilung von 4/9 Spielen an Wochentagen keine so schlechte Quote ist. Schön ist es trotzdem alles nicht.
  • Die Entlassung von Daniel Stendel. Fußball ist ein unmenschliches Geschäft. Aber einen Trainer zu entlassen, wenn man drei Punkte hinter dem Saisonziel steht und die letzten beiden Spiele 4 Punkte gebracht haben, das ist schon eklig. Und den dann noch wieder Scheibchen für Scheibchen zu demontieren. Man fragt sich schon, was die denn gemacht hätten, hätten sie am Samstag gewonnen? Dann wäre man punktgleich mit dem Saisonziel sein … ganz ehrlich: Nun sollen sie gerne Platz 5 holen. Trotz der ganzen Ex-FCSPler.
Mrz 132017
 

FCSP – FCUB

Werte Leser*innen (heute mal mit Gender*, weil warum nicht?), aus einem kaputtem Laptop und einem drogenreichen Wochenende resultiert ein leicht verspäteter Bericht. Dafür ist die Qualität auch schlechter als sonst und eigentlich werden nur virtuelle Schellen im Form von Text verteilt. Aber eigentlich ist ja ohnehin alles Text. Shoutout an Derrida (intelligenter wird es nicht mehr).

Eine Zahl geht um in Europa

5000. Das ist der aktuelle Kurs, den die Willkürjustiz des DFBs für Strafen aller Art gerade ansetzt. Und dabei ist es auch egal, um was sich eigentlich handelt. Vermeintlich diffamierende Spruchbänder auf der Südkurve gegen Dresdner Nazi-Großeltern, Beleidigungen gegen RB Leipzig und so weiter. Daher lag der Gedanke wohl nahe, dass die ansehnliche Intro-Pyroshow auf der Süd einen ähnlichen Betrag kosten wird. Und quasi reflexartig starten in den sozialen Netzwerken die Diskussionen über Pyrotechnik im Stadion und 5000-Euro-Strafen. Da die Argumente eigentlich ausgetauscht und benannte Debatten unserer Auffassung nach im Wesentlichen Scheindebatten sind und im Grunde über die Berechtigung von Ultrà gesprochen wird, sehen wir uns auch nicht dazu gezwungen, großartige Verteidigungsreden zu schwingen oder lange Solidaritatsbekundungen in den Süden zu schicken. Wir wünschen uns eher, dass es endlich mal ein Ende hat, sich gegenüber den Vertreter*innen der angepassten Langeweile rechtfertigen zu müssen. Geht doch nach Paderborn oder lest die 11 Freunde. Ernsthaft. Dieses obrigkeitshörige „Es ist aber verboten und kostet 5000 Euro, von dem Geld hätte ich lieber ’nem Ersatzspieler die Auflaufprämie bezahlt bla bla …“ nervt unendlich.

Pyrotechnik und die 5000 Euro sind euch doch scheißegal. Es geht euch darum, dass ihr die Ultras blöd findet und ihr braucht einen Grund um sie zu dissen. Dabei ist es grundsätzlich ja erstmal in Ordnung, mit Ultrà nichts anfangen zu können, aber dann eignet euch in eurer Kritik doch nicht den Wertekanon der Organisation an, die die Werte des FCSP bekämpft, wo sie kann, während ein ganzes Blog (ultrapeinlich.tumblr.com) voll mit dokumentiertem widerlichem, menschenverachtendem Scheiß existiert, der offenbar für unrelevant gehalten wird oder der eben zum Fußball dazugehöre. Nein, Leute, kein Frieden mit dem DFB am Millerntor! Erinnert euch, was sie das letzte Mal taten, als deren Team bei uns trainierte.

Sportlich und Gedöns

Das Narrativ der Medien war doch so schön. St. Pauli verkackt die Hinrunde total, trotzdem haben sich alle ganz doll lieb und #allezusammen kommen in der Rückrunde zurück und zeigen allen, dass es nicht immer die beste Option ist, seinen Trainer direkt zu feuern. Tja, da ist sicherlich auch was dran. Aber motivierend ist es nicht, sich auf diese Art und Weise zwei unnötige Gegentore zu fangen und einen Gegner, der nicht überzeugend spielt, trotzdem so dominieren zu lassen. Egal, gucken wir nach vorne und hauen eben Hannover und Nürnberg weg. Einfacher als Union am Freitag werden die es uns zwar auch nicht machen, aber spielerisch ist da immer noch viel Luft nach oben. Den Rest des Spiels könnt ihr euch bei Youtube ansehen, wir wollen diesen Trümmerkick nicht nochmal über uns ergehen lassen müssen. Unglaublich, dass Leute sich solche Spiele ansehen können, die keine emotionale Bindung zu einem der Vereine haben.

MagischerFC St. Pauli vs. Union Berlin Maerz 2017

Hurra, hurra, die Hütte brennt!

Stimmung … ja. Durchschnittlich? Gästekurve: Überdurchschnittlich laut, aber ansonsten auch nicht wirklich spannend. Und liebe Hammer Hearts mit der „Berlin hasst euch!“-Zaunfahne, wir dachten, ihr kommt aus Köpenick? Das hat mit Berlin ungefähr so viel zu tun wie Curslack mit Hamburg. Und die Leute von dort gehen am Wochenende auch nicht zum Fußball oder auf den Kiez und erzählen dir dann was von Hamburg City … oh wait.

Ja, ein Diss gegen uns in einen Diss gegen den HSV umzuwandeln ist jetzt nicht wahnsinnig kreativ, aber die Zaunfahne ist echt auch kein Highlight. Kleine Randbemerkung: Sehr schön zu sehen und auf jeden Fall auch sehr wichtig sind die zahlreichen Spruchbänder gegen den neuen Thor-Steinar-Laden in Barmbek. Den kriegen wir auch wieder weg! Achtet auf Ankündigungen und engagiert euch!

Was Positives zum Schluss

Was macht man also nach einem so frustrierenden Spieltag? 2/3 der Redaktion verständigten sich mit ihrem Anhang darauf, in den hinreichend bekannten Kneipen um den Paulinenplatz ein paar Mexikaner zu trinken. Das ist neulich politischer Aktivismus, denn ein Teil der Einnahmen werden den Protesten gegen G20 gespendet. Wie ihr sicherlich alle wisst, hat Hamburg im Juli die zweifelhafte Ehre das Gruselkabinett aus Putin, Erdogan, Trump und weiteren Persönlichkeiten (in Europa wird ja auch noch gewählt!) begrüßen zu dürfen. Dagegen wird es wahrscheinlich die größten Proteste in Hamburg seit jeher geben. Das zu organisieren ist zeit- und kostenaufwändig und wir sind sicher, dass dort jeder Cent gebraucht wird. Also schnappt euch doch eure Hoschis und geht in eine der zahlreichen Kneipen und genehmigt euch eine Runde oder zwei. Es war selten so leicht, aktiv Politik zu betreiben. Und auch ihr Auswärtigen könnt euch nicht rausreden, fast jede deutsche Großstadt bietet eine Bar mit diesem Angebot. Und ja, natürlich ist Schnaps gegen G20 ziemlich verkürzte Kritik, aber auch in jedem Dorf-AZ gibt es einen Soli-Tresen und das letzlich nicht ohne Grund, sondern weil man die Leute da abholen muss, wo sie sind. Und Hamburgs Kneipen sind da wahrscheinlich ein guter Anfang. Ökonomisch.

In diesem Sinne Prost und eine gute Woche euch allen.

Mrz 042017
 

Spiele die nicht wirklich sofortige Begeisterung beim braun-weissen Mob auslösen: 1860 München.

Unsere Reisegruppe machte sich bereits am Freitag auf den Weg und legte bereits gut 600 Kilometer bis zu den besten Gastgebern der Welt zurück. Die in der Marktgemeinde Feucht leben.

Samstag morgen also erholt und frisch gestärkt in Richtung München. Am Wochenende des Ferienbeginns in Hamburg und des Ferienende in Bayern. Das konnte nur schief gehen und so bewegten wir uns in einer wandernden Staublase über die A9. 144 KM in 2:30 sprechen Bände.

Danke nochmal an unseren Kartenbesorger, der auf uns heldenhaft wartete.

Der Einlass wurde schnell überwunden, die Kontrollen waren eher gelangweilt pflichtschuldig, als genau. Im Block erstmal die Pöbelcrew getroffen, gesabbelt und dann war auch die Bezugsgruppe auf einem guten Platz angekommen.

In dieser fehlte F. der gar nicht nach München gefahren war und J. der woanders stand. Da fehlte richtig der Eckenvibe.

Spät ankommenden Ultras machten ein bisschen Sorgen, aber außer wohl einer komischen Leitung durch die Polizei ist für Münchener Verhältnisse wenig passiert. Das es trotzdem super nervig ist, dass massenweise Polizei teilweise behelmt mitten im Gästebereich steht (gerne auch mal im Weg). Und sich nach dem Spiel mit Kräften auf die Treppe zu stellen ist einfach nur alberne Scheisse.

Die Arena am Kurt Landauer Platz ist unglaublich stimmungsfeindlich. Oben im Block kommt von dem Gesang unten nix an. Nur der Vorsänger kommt an. Das führt eher zu mauer Stimmung, auch wenn die diesmal für Münchener Verhältnisse wirklich okay war. Aber Achtung: Das ist von ganz geringem Niveau her.

Zum Spiel: PUH! 1860 hat das, was Trainer immer „individuelle Qualität“ nennen. Ballsicher, schnell, technisch wirklich klasse.

Und so sah das die ersten Minuten nicht gut aus. Wir liefen massiv hinterher und der Gastgeber hatte das Übergewicht. Unsere Jungs hielten echt gut läuferisch dagegen aber spielerisch ging wenig.

Und gerade als man dachte, wir haben uns gefangen, da kommt es im Mittelfeld zu einem Zweikampf, Aziz bleibt liegen und während ungefähr 2 Minuten vorher 1860 lautstark auf das „ins Aus spielen“ bestand, lies man sich jetzt nicht darauf ein und spielte zu Ende. Dazu noch ein Abwehrfehler und schon steht es 1-0.

Man verstehe uns nicht falsch: Dieses rausspielen, wenn jemand liegen bleibt ist ein freiwilliger Service. Aber wenn man selber drauf besteht und es bekommt, sollte man es auch selber machen.

Was wir nicht sagen können, da nicht im Fernsehen gesehen, ob es ein Foul war.

Aber wisst ihr was? Karma is a Bitch. Und so gibt es kurze Zeit Handelfmeter, den Lasse entspannt ins Netz drosch.

Und dann kam Sahin. Ungefähr 100 Flanken heute, davon 99 übelst ins Nichts. Aber egal. Wenn halt die eine entscheidende Flanke den Schädel des Stürmers findet. BÄÄÄMMM 2-1.

Karma is a bitch.

Der Rest des Spieles ist eigentlich schnell erzählt. Wir igelten uns immer mehr ein, 1860 fand kein Mittel wirklich gefährlich zu werden und unsere Konter endeten alle in den 99 anderen Flanken von Sahin.

Noch was zu Bibi: Jo, auch die pfeift mal nicht so toll, aber diese entspannte Souveränität ausstrahlende Spielführung ist viel besser, als andere Bundesligaschiedsrichter.


Ende, Jubel und ab nach Hause. Mehr gibt es aber nun auch wirklich nicht zu berichten.

Mrz 012017
 

oder

WAHAHAHAHAHAHAHAHAWIEGEIL!!!

Also, ihr lieben Sankt Paulianer … wir haben schon miesere Fußballspiele gesehen. Kann man so sagen. Mit einem knappen 5:0 „filetieren“ (Kicker) die Braunweißen den KSC und die Mehrheit im Stadion reibt sich an diesem Abend verwundert die Augen. Wer sind Sie und was haben Sie mit dem FCSP gemacht? Allerdings wollen wir ja mal nicht durchdrehen hier, ne? Da bleiben noch ’ne ganze Menge Chancen auf der Müllhalde liegen! Und nach hinten waren wir auch mal sicherer, mehr als ein mal muss sich Heerwagen lang machen. Da ist also noch Verbesserungspotenzial!!!111einseinsdrölf

– kurze Stille –

WIR! RASTEN! AUS!

Nee nee nee, das hat an diesem Abend mit einem gewöhnlichen Sankt-Pauli-Spiel der Saison so viel zu tun wie die KSC-Hymne mit Black Metal. Ein Kick aus einer Parallelwelt – hat vielleicht jemand irgendwo gesehen, wie sich ein Portal geöffnet hat und außerirdische Wesen in braunweißen Trikots herausspazierten? Normal is das nich, Freunde des Montagsspiels!

Ungewöhnliches zeichnet sich schon etwas früher ab. Wir können uns nicht erinnern, wann wir uns am Einlass mal so lange die Beine in den Bauch gestanden haben. Eine runde halbe Stunde warten wir auf das Erklimmen der heiligen Stufen, was aufgrund der fortgeschrittenen Uhrzeit nur noch bedingt klappt. Supportblock kannste knicken, wenn du ’ne halbe Stunde vor Anpfiff auf die Gegengerade kommst. Wussten wir selbst. (Kurze Ergänzung von einem anderen Eingang: Wenn die Ordner aber auch einen filzen, als ob man zum Präsidenten will, dann dauert das. Das erste Mal am Millerntor am Rücken (!!) abgetastet worden.)

Also ausnahmsweise in Block E, wo sich Menschen darüber austauschen, dass sie am Vortag Labskaus zubereitet und vom Rote-Bete-Schneiden ganz rote Finger bekommen hätten. Hier hörste auch mal den Gästeblock und siehst die bemerkenswert zahlreich erschienenen Karlsruher mehr oder weniger aus der Nähe. Das wird sich später noch lohnen.

Die erste Hälfte

Eigentlich habt ihr alle das Spiel gesehen oder wollt zumindest von uns keine detaillierte Nacherzählung des Geschehens, wissen wir. Kriegt ihr deshalb auch nicht. Nur so viel: Bis zum Ende der ersten Halbzeit überwiegt der Berufspessimismus bei uns wir rechnen noch fest mit ’nem Gegentor. Der KSC kommt nämlich trotz unfassbarem Unvermögens durchaus mal in gefährliche Positionen und kriegt den Ball mehr als einmal in Richtung FCSP-Tor. Das frühe Führungstor (ein Treppenwitz, dass Şahin bis zum Schluss nicht abspielen will und dennoch nicht selbst zum Torschützen wird) gibt irgendwie keinerlei Sicherheit. Zu gut glauben wir unsere Pappenheimer zu kennen.

… und dann bricht die Hölle los

Was sich in Halbzeit zwei abspielt, ist nicht so ganz leicht, in Worte zu fassen. Wir versuchen es mal so: Die Karlsruher haben so viel Scheiße am Schuh, wie eine Elefantenherde in einer Woche produziert. Und das schaffen sogar unsere Herren relativ eiskalt auszunutzen. Da übersehen wir mal höflich den Lattenkreuztreffer, denn es reicht immerhin zu fünf Buden. Einen guten Tag erwischt haben neben Şahin (trotz seiner Eigensinnigkeit) vor allem Atze (wir sagen nach dem 4:0 noch, ohne Hattrick lassen wir den nicht in den Feierabend), Møller Dæhli (flinker Typ, gefällt immer besser), Dudziak (einige großartige Pässe) und Heerwagen (der bärenstark die Null hinten hält).

Die KSC-Spieler tun uns fast leid. Zwar macht das FCSP-Spiel derartig siegesbesoffen, dass mancher im Kreis grinsen könnte. Doch als die Karlsruher nach dem Abpfiff wie geprügelte Hunde zum Gästeblock trotten, kriegen sie von dort noch einen auf den Deckel. Sichtbares Gepöbel in Richtung Spieler und mehrere fliegende Becher. Die Banner hängen schon seit mitte der zweiten Hälfte nicht mehr.

Von Fans und Konsumenten

An solchen Situationen merkt man immer wieder, wie sich das Verhältnis zwischen (weiten Teilen) der FCSP-Fanszene zu ihrer Mannschaft von dem unterscheiden, wie Anhänger anderer Clubs die Spieler wahrnehmen. Bei uns kämen wohl die wenigsten auf die Idee, sich als Arbeit- und Geldgeber der Profis zu verstehen. Die Haltung „Wir zahlen hier den Eintritt, also damit auch die Gehälter der Spieler, also erwarten wir von denen eine angemessene Leistung, um uns zu unterhalten“ nimmt unserer Einschätzung nach zum Glück kaum jemand im braunweißen Kosmos ein. #allezusammen, das (vom Verein erfundene?) Hashtag trifft unsere Position viel eher.

Das Millerntor reagiert auf den Zwist zwischen Karlsruher Fans und Spielern ganz bemerkenswert: mit „KSC“-Sprechchören und einem zweifellos unironischen „You’ll never walk alone“ für die Verlierer. Wir hoffen, dass das so auch bei der Gästemannschaft angekommen ist und nicht als Verhöhnung missgedeutet wurde. Ohne falsches Mitleid an den Tag legen zu wollen – wir kennen das ja auch in dieser Saison nur zu Genüge, wie das ist mit der Scheiße am Schuh – als Spieler brauchst du in so einer Lage jede Unterstützung.

MagischerFC-St.-Pauli-vs.-Karlsruher-SC-Februar-201

Einfach mal glücklich sein

Damit haben wir uns nun aber hoffentlich genug an dem Gegner des Abends abgearbeitet. Nachdem der Dienstag im Zeichen des debilen Dauergrinsens stand, bleiben von diesem furiosen Spiel drei Punkte und fünf Tore, die allesamt verdammt wichtig sind und noch sein werden. Mehr kauft sich davon allerdings keiner, es muss weiter gepunktet werden! Zehn von 12 möglichen Punkten aus den letzten vier Spielen, das ist eine großartige Ausbeute. Ein Spiel wie dieses gibt weiter Selbstvertrauen. Wenn es nicht aus dieser Phase heraus klappt mit dem Klassenerhalt, wie dann?

In der Winterpause hat sich ganz offensichtlich eine Blockade in unserem Team gelöst und das Trainergespann löst das Vertrauen, das ihm entgegengebracht wurde, voll ein. Nehmen wir diesen Aufwind mit! Es gibt noch zahlreiche Punkte zu holen, von denen wir auch noch immer ganz viele holen müssen. Um mal ein bisschen Wasser in den Wein zu schenken.