Dez 122016
 

Nein, wir machen jetzt keine Witze über die Jungs und Mädels aus dem Volkspark. Die frisch nach dem Motto „Back to the roots“ mal wieder einen Ex-Funktionär zurückholen und das Thema „Rente bis 70“ aktueller den je machen. Unser Manager hat im Millernton schon mal erläutert, was er an Heribert B. schätzt.

Aber wir fahren dieses Wochenende nach Fürth. Deutscher Meister 1914, 1926 und 1929. Dann lange vom Erdboden verschwunden und nach der Vereinigung mit Vestenbergsgreuth wieder im Profifußball beheimatet. Wo Vestenbergsgreuth liegt, wissen nur fränkische Insider und auch die Fankurve wird – wie Plakate zur zweiten Halbzeit belegten – nur ungern an diesen Namenszusatz erinnert.

Fürth ist ein Symbol für einen sympathischen Dorfverein

Bevor es jetzt Mecker gibt: Die Bezeichnung „Dorf“ ist hier nicht abwertend gemeint! Sie war es bei Meppen nicht, sie ist es bei Fürth und Sandhausen nicht. Da wird an kleinen Standorten einfach solide Arbeit geleistet. Hinzu kommt eine Fanszene, die schon mehrfach durch intelligente Stellungnahmen aufgefallen ist und nicht so tut, als ob sie die Geilsten und Härtesten der Welt seien.

Das Stadion liegt nicht nur mitten in einem Wohngebiet, was heutzutage schon echt ein Plus ist, es ist auch ein wunderbares Baukastenstadion mit vier Tribünen, die irgendwie nur halb zu einander passen. Auch das hat was. In Zeiten der genormten Stahlbeton-Arenen fällt das schon positiv auf. Gerade wird eine neue Haupttribüne errichtet, die zur Zeit nur einer teilweisen Nutzung zugänglich ist.

Der Gästeblock ist zumindest im oberen Bereich ganz okay und man sieht alles, was auf dem Spielfeld passiert. Auch er wurde in den letzten Jahren vergrößert und überdacht. Und die absurden Sponsorennamen sind auch Vergangenheit.

Vor dem Spiel herrschte immerhin beim Stadion-DJ Optimismus vor.

Unterhaltsam ist nun nicht das Wort, was uns in der ersten Halbzeit über die Lippen kommt. Kampf und Krampf sind eher prägend. Wenn man es positiv sehen will, dann lassen unsere Jungs nicht viel zu. Wenn man es negativ sehen will, dann bekommen sie die sehr hoch spielende Viererkette von Fürth nicht einmal zu einem schnellen Zurücklaufen genötigt.

Was einen so ein bisschen das Regelwerk beim Fußball hinterfragen lässt: die auf dem Foto gezeigte Aktion

Dafür gibt es die gleiche Strafe wie fürs Trikotziehen. Wohlgemerkt, der Ball ist weit weg und der Fürther nimmt doch ordentlich Anlauf und verhindert, dass Cenk an der Seite durchstarten kann.

Halbzeit

Und Optimismus ist eine seltene Pflanze im Gästeblock, der nebenbei 90 Minuten halbwegs ordentlich mit den Vorsängern mitzieht.
Zu wenig geht nach vorne und man überlegt schon, ob eigentlich Thomas Müller oder der FCSP länger nicht getroffen hat. (Für Statistikfreunde: Müller 999 Minuten von Tor bis Tor. FCSP 508 Minuten laut Kicker.)

Aber in Halbzeit 2 passiert etwas, was Hoffnung macht. Unsere Jungs werden von Minute zu Minute stärker. Das,was nun die nächsten 15 Minuten folgt, lässt sich als „offener Schlagabtausch“ bezeichnen. Keine Mannschaft bekommt ihre Linie klar durchgesetzt und es geht hin und her, endlich auch mit Torchancen für uns.

Und dann macht Sobota den Tank, Aziz macht den Flipper und sein zweiter Versuch erlöst einen Gästeblock und eine Mannschaft.

Folge ist ein nun steigender Puls bei allen Beteiligten. Hat man doch plötzlich was zu verlieren!

Und irgendwie läuft jetzt der klassische Film „Der FCSP verkackt noch durch zwei späte Gegentore der Marke ‚ARGH!'“ Fafà wird eingewechselt, rennt einen Konter und dann muss er nur noch abspielen auf Choi und und und vergessen wir es … ebenso den Eckball, wo wieder Fafà (der Kicker Ticker sagt Avevor, aber das war Fafa, oder?) vollkommen frei aus gefühlt einem Meter zum Kopfball kommt und ihn gepflegt daneben setzt. Bevor das nun als Fafà-Bashing durchgeht: Der Kopfball ist auch viel Pech und der Konter, da war er gerade eingewechselt. Das war wohl ein bisschen überraschend dann gleich so frei durch zu sein. Schwamm drüber.

Viele Fans greifen schon zu den letzten Mitteln:

Aber es kommt alles anders. Cenk erläuft sich einen Ball, geht 1 gegen 1 in Richtung Strafraum durch. Man hat dreimal das Gefühl, dass er den Ball verdaddeln wird und dann macht er was, was wohl nur so Straßenfußballer in einer solchen Situation abziehen können. Er chippt das Ding vollkommen lässig in den Winkel. Auf den Rängen wird ca. 0,3 Sekunden Flugzeit nicht ein Herzschlag registriert und dann explodiert der Gästeblock in Jubelszenen.

Puh, wie wichtig

Und was für zwei schöne überlegte Tore. Wieder zu null gespielt. Man merkt den Jungs an, dass sie daraus auch Sicherheit ziehen. Es ist echt nicht alles Gold, was glänzt, und in den 90 Minuten war auch viel Stückwerk und Kampfkrampf dabei. Aber PUH!

Kleiner Haken an der Sache: Wenn wir auch nur annähernd eine Chance in der Rückrunde haben wollen, dann müssen wir gegen Bochum noch mal gewinnen. Nur zur Erinnerung: 2014/2015 hatten wir nach der Hinrunde genau 13 Punkte und haben uns mit einer wahnsinnigen Rückrunde gerade mal knapp den Arsch gerettet. Vor uns liegt also noch ein langer Weg durch eine trockene Wüste. Aber der erste Schritt, der ist gemacht.

Dez 032016
 

Ach meeh. Ein Punkt sind zwei zu wenig.
Ey. Stabiler Auftritt gegen zwölf Mann und zu null!

Ihr seht, wir sind uns selbst nicht ganz einig, was man aus diesem Spiel gegen die Region mitnehmen soll.

Advent Advent, die rote Laterne brennt. Angesichts des Rückstands in der Tabelle eh unmöglich, daran was zu ändern. Die Anspannung ist groß, der frühe Freitagabendtermin sorgt einmal mehr für unnötigen Stress. Für gepflegtes Vorglühen bleibt keine Zeit, aber immerhin schafft man’s noch rechtzeitig in den Block. Während offenbar draußen auf dem Dom herumgeböllert wird, schallt es „Hooligans, Hooligans“-Rufe durch die Gegengerade. Apropos zündeln: Die Landwirte Lauterer haben ein paar Blinklichter kurz vor Anpfiff am Start, was eigentlich ganz ansehnlich wäre … wenn deren sonstige Block-Dekoration nicht so ein fürchterlicher Plastikkram wäre, der aussieht, als hätten sie das Zeug von einem überdimensionalen Weihnachtsbaum im Baumarkt-Foyer heruntergezuppelt.

Schweigeminute am Millerntor

Immer wieder ein gewaltiger Gänsehaut-Moment, wenn 30.000 Leute kollektiv still in sich gehen (mit Ausnahme weniger respektloser Spackos, die die fünfzehn Sekunden nicht die Fresse halten können). Wir gedenken des Flugzeugabsturzes in Bolivien Anfang der Woche, bei dem unter anderem der Großteil der Mannschaft von AF Chapecoense aus Brasilien ums Leben kam. Auch wenn wohl nur Verfolger des südamerikanischen Fußballs vorher mit dem Verein was anfangen konnten: ein aufrichtes „You’ll never walk alone“ von uns an die Hinterbliebenen!

Dann aber Fußball

Wenig überraschend bieten wir im 15. Spiel die 15. Startformation auf. Oh mann. Verlieren will heute keiner, nicht zuletzt, weil Ewalds Stuhl wackeliger wird. Auf Gedei und Verderb an einem Trainer festzuhalten, nur weil er cool ist, kann nicht Sinn der Sache sein. Dennoch möchten wir den Kerl echt gern behalten.
Mit dem Rücken zur Wand spielt es sich in den vergangenen Partien leider nicht so befreit, wie die Situation geböte. Heute aber sieht’s echt anders aus. Von Beginn an lassen die Boys in Brown keinen Zweifel aufkommen, wer hier das Sagen hat. Der FCSP macht das Spiel schnell und auch wenn nicht jeder Pass ankommt, wo er soll, und mal ein Ball verstolpert wird: Im Großen und Ganzen wirkt das. Schon nach einer Viertelstunde stehen (Statistiker mögen nachzählen) gefühlt mehr Chancen auf der Haben-Seite als in den vergangenen drei Spielen zusammen.

Allein, es wird nix draus

Lasse köpft an die Latte, ein Abseitstreffer von Bouhaddouz – Kicker schreibt „deutlich“, wir konnten das so nicht sehen – , das langt leider beides nicht. Stattdessen auf der anderen Seite der Schock: robuster Einsatz im Strafraum von Gonther (müsste man auch noch mal als Fernsehbild sehen, dem Eindruck nach muss man den aber nicht geben), Elfmeter für die Falschen. Himmelmann humpelt vor der Ausführung aus dem Strafraum. Geil, ist das jetzt psychologische Kriegsführung, um die Lauterer zu verwirren? Nee, der muss wirklich raus. Oh je oh je. Heerwagen darf, noch völlig kalt, rein … das in so einer Situation.

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Es ist übrigens kalt.

Zum Glück haut Stieber die Pille neben das Tor und alles bleibt offen. Und das bleibt es bis zum Schluss. Trotz Chancenplus für Braunweiß gelingt einfach kein Treffer in diesem Spiel. Zwischenzeitlich pennt der Support auf Gegengerade und sogar auf der Süd ganz schön ein. Apropros Süd: Dürfen wir das Spruchband „Avanti Dilletanti“ als erbauliche Aufforderung an die Spieler verstehen?
Für richtig Feuer auf den Rängen sorgt vor allem das Schiedsrichtergespann. Ob das jetzt faktisch richtige Entscheidungen waren oder nicht, man kann sich des Eindrucks nicht verwehren, dass die Leute in Gelb uns wenig Sympathie entgegenbringen.

Gegen Ende der Partie, es wird entsprechend der vielen Unterbrechungen einiges nachgespielt, stehen dann wie gehabt null Tore und damit je ein Punkt auf der Tafel. Immerhin, es steht die Null und das trotz Torwartwechsel. Kein beschissenes Eigentor, kein in der letzten Minute dumm kassierter Gegentreffer … darauf kann man ja aufbauen, haha. Nee, das ist eigentlich zu wenig. Wir kommen uns vor wie Gollum und Smeagol, die in einem Körper sitzen, aber ziemlich zwiegespalten sind. Scheiße, das hätte heute ein Sieg sein müssen! Hey, das motiviert und mit dem Schwung gewinnst du zwei der nächsten drei Spiele. Ja was denn nun? Wissen wir auch nicht. Befürchten wir das Schlimmste und hoffen wir das Beste.