Nov 282016
 

Auch wenn die lateinische Überschrift Qualität suggeriert, lasst euch bitte nicht täuschen. Es folgen die belanglosen und langweiligen Aufzeichnungen über eine belanglose und langweile Tour irgendwo dort unten. Im Staate und auf der Tabelle.

Wenn sich erst gegen späten Freitagnachmittag dazu entschliesst, in ein Auto nach Heidenheim zu steigen, hat das den Nachtteil, dass man nicht mehr ausreichend vorschlafen kann. Also durchmachen! Kein Problem! Aber in solchen Nächten will es einfach nicht spät werden. Und so fällt man nach ein paar Gläsern und Zügen doch noch für 1,5 Stunden ins Bett, kurz vor 3Uhr wieder hoch und mit der S-Bahn nach Altona. Gute Vorausssetzungen für eine erfolgreiche Fahrt quer durch den Nationalstaat. Im Auto schlafen geht selbstredend nicht und gibt es stundenlang nichts zu sehen außer der A7 und Nebel.

Im Süden wird immerhin die Sicht und das Bier besser. Das Navi führt uns durch einmal quer durch Heidenheim, was allerdings auch nicht so dramatisch ist, denn allzu groß ist die Stadt mit ca. 40.000 EinwohnerInnen dann auch nicht. Kurzer Einwurf: Ihr könnt wirklich froh sein, dass dieser Bericht nicht von dem Blog-Beauftragten für vorchristliche Völker geschrieben wurde. So bleiben Euch diverse Wortwitze ob des Stadtnamens erspart.

magischerfc-heidenheim-vs-st-pauli-november-2016Sightseeing erscheint wenig lohnenswert und so geht es direkt Richtung Stadion. Ein nahegelegenes, sehr rurales schwäbisches Wohngebiet bietet einen Parkplatz und die nachfolgende Suche nach Frühstück führt uns immerhin zum einem Discounter mit Bäckerei. Man will als Gast ja auch nicht wählerisch sein.
Vor dem Stadion ist alles etwas kleiner als anderswo. Und auch vergleichsweise entspannt. Die ca. zehn stationierten Kräfte der Polizei beschränken sich darauf, ein bisschen böse in die Richtung zu gucken, aus der eine Gras-Wolke durch die Landluft hinüberwabert. Wirklich außergewöhnlich ist das Stadion dann allerdings nicht. Ziemlicher Standard in jederlei Hinsicht. Mit 13.000 Plätzen eher klein, aber vollkommen ausreichend für einen Ort dieser Größe.

Touren in den Süden erfreuen sich innerhalb der organisierten Fanszene ja immer des zweifelhaften Vergnügens, dass hier – etwas zugespitzt formuliert – der Ultra neben dem Sympathisanten aus Crailsheim steht, der sein erstes „Pauli-Spiel“ besucht. Und wenn dieser dann bei jedem angetrunkenen, euphorischen Hochreißen der Arme dir den Kopf anhaut und 27 mal „Wir sind Zecken“ anstimmt, dann ist das schon eher ungeil. Naja, lassen wir das vielleicht auf sich beruhen. Das ist ja auch nicht die größte Baustelle aktuell. Ihr könnt euch ja vorstellen, was wir meinen.

Das bringt uns zum Support. Die Choreo „Kein Weg zu weit für die eine große Liebe“ sieht ganz ordentlich aus und passt natürlich hervorragend zu dieser Tour. Ansonsten subjektiv gesehen eher leise. Mit zunehmender Dauer eher noch schlimmer. Auf der Heimseite war man ganz bemüht, aber größere Teile der gegenüberliegenden Tribüne konnte man selten mobilisieren.

Ach ja, Fußball. Schwieriges Thema. Die Niederlage geht auf jeden Fall in Ordnung. Heidenheim spielt zwar nicht überragend, aber ein Tor machen reicht gegen uns aktuell offensichtlich. Der zweifelhafte Elfmeter gegen Ende des Spiels tut das Übrige, um die Moral zu brechen. Was hier die grundlegende Spielidee ist, entzieht sich unser Kenntnis. Egal, ab ins Auto. Es liegen sechs Stunden vor uns.

Und nun? Klar, es sieht düster aus. Ja, es wird vermutlich in absehbarer Zeit nicht besser. Wir melden uns auf jeden Fall, sobald wir ein Patentrezept gegen die Krise haben. Bis dahin und lasst euch nicht unterkriegen. Forza FCSP!

Nov 212016
 

Was willst du so einen Auftritt noch im einzelnen analysieren? Da funktioniert auf dem Platz zur Zeit von 1 bis 11 gar nix.

Willst du nun den Trainer tauschen? Seien wir ehrlich: Hier geht es nicht mehr um Qualität des Trainings oder um die tolle taktische Spielidee. Trainer, die da eine garantiert höhere Qualität liefern, werden sich einen abgeschlagenen Tabellenletzten nicht antun. Das einzige – wahrscheinlich sehr stichhaltige – Argument für einen Wechsel ist dieser neue Funken, dieser letzte verzweifelte Versuch einer Trendumkehr. Kann klappen, hat schon häufig genug geklappt und ist irgendwann wahrscheinlich die letzte realistische Chance. Denn ob man im Winter den Wunderspieler findet, der alles alleine rumreißt, kann auch getrost bezweifelt werden.

Machen wir uns nichts vor. Unsere Lage ist mehr als bescheiden. Man kann die Teams, die nach einem solchen Start noch die Klasse gehalten haben, wahrscheinlich an einer Hand abzählen. Alles spricht gegen uns. Insbesondere, weil nun alle drei Länderspielpausen nicht zu einem Neustart und einem Ausbruch geführt haben. Und es gibt auch wenig Anzeichen, die auf eine Besserung deuten würden. Uns fehlt alles. Ganz einfach. Das Ganze ist ein Prototyp einer Abstiegssaison, wie Herr @leuchtetnurhier richtig anmerkte.

Jedoch: Es sind eben auch noch 63 Punkte zu vergeben und unser Rückstand zum rettenden Ufer beträgt gerade einmal 5 Punkte. Es ist eben nicht vorbei, bis der Schiedsrichter am 34. Spieltag abpfeift. Das sind jetzt Pfiffe im sehr dunklen Wald. Das ist uns auch klar. Aber was wollen wir machen? Uns jetzt auf einzelne Spieler einschießen? Wie armseelig ist das denn? Geht mal ins Archiv und blättert alles über Stefan Hanke nach. Und dann lasst ihr das bitte. Insbesondere wenn dieser Spieler Buballa heißt, der nun auch schon häufig genug Spiele sehr großartig bestritten hat und gegen die Fortuna nun wirklich nicht schlechter war als alle anderen.

Und realistisch ist weder abmelden, noch die E-Jugend schicken, noch Bruno holen. Also bleibt nur ab jetzt zu gewinnen.

Noch ein, zwei, drei Anmerkungen: Viel wurde gemeckert über „auf den Rängen“ und gerade individuelles Gepöbel war auch in unserer Hörweite mehr als grenzwertig. Aber nennt uns mal ein Stadion, wo es die Ultra-Truppe in der Schlussviertelstunde schafft, noch mal große Teile der Ränge zu Support zu bewegen.

Danke an Daggi für das „unser Tabellenplatz ist bekannt“. Und da stimmt nach all den Jahren mal der Termin auf der Anzeigentafel (der ist sonst IMMER falsch) und dann verhaut sie den Termin des nächsten Spieles. Passiert. Schwamm drüber.

Ach ja: Anstoßzeiten 3. Liga: 19 und 14 Uhr. Ob das nächste Saison so bleibt, werden wir eventuell bemerken.

Nov 182016
 

Achtung. Dies ist kein Text für Menschen, die sich einfach empören wollen und aufregen wollen. Dies ist kein Text, der die Blödzeitung als den personifizierten Teufel ansieht. Dies ist ein Text zum Nachdenken, wenn die Aufregung vorbei ist.

Der Sachverhalt

Gestern lief ein Tweet über den offiziellen Account, der sich wiederum auf einen Tweet von Kai Diekmann bezog. Dieser Tweet ließ uns erstmal ziemlich sprachlos. Das müssen auch wir zugeben. Und auch wir machten unsere spontane Enttäuschung in Tweets deutlich.

Der Verein kassierte in der Folgezeit das, was man wohl einen mittelschweren Shitstorm nennen würde. Abends fand sich dann ein erläuternder Text auf der Homepage, der jedoch die Aufregung nur bedingt besänftigt hat.

Vorbemerkung

Leute, die Blöd ist Scheiße. Das steht außer Frage. Und das berühmte Max-Goldt-Zitat ist ein absolut erstrebenswertes Idealbild. Ob sich das in einem öffentlichen Mediengeschäft immer so 100-prozentig leben lässt, sei mal dahingestellt. Die wahrscheinlichste Antwort ist „nein“. Das ist dieses Tribünentrainer-Ding, wenn man nicht für 25 junge Männer und 30.000 Abhängige direkt verantwortlich ist, lassen sich Ideale und Haltungen viel freier formulieren, als wenn man diese Verantwortung hat. Dies sollten alle begreifen.

Was man weiterhin begreifen sollte, ist, dass die Bildzeitung langsam der liebgewonnene Aufreger und bei weitem nicht mehr der Rechtsaußen-Tabubrecher überhaupt ist. Habt ihr mal das neue Focus-Titelblatt gesehen? Oder euch mal die Reichweiten solcher Internetseiten wie Compact angeguckt? Und gesehen, was die so schreiben? Dagegen wirkt die Blöd harmlos. Wohlgemerkt: „wirkt“ ist nicht gleich „ist“! Nur damit das niemand falsch versteht. Und was uns an „Journalismus“ blüht, wenn solcher Dreck wie Breitbart in Europa Fuß fasst, möchten wir uns gar nicht ausdenken.

Und noch eine Vorbemerkung

Merkt ihr eigentlich, wie sehr ihr mit diesen Shitstorms der rechten Empörungskultur auf den Leim geht? Wie sehr ihr jedes Maß verliert? Was haben wir gestern lesen müssen? „Lebenslanges Stadionverbot“ z. B. Ja, kann man denken, aber ist euch eigentlich klar, wie scheiße das aussieht, wenn man für Dreck schreiben lebenslanges Stadionverbot fordert? Ist euch eigentlich klar, wie schnell man das für Pyro, Plakete etc. umdrehen kann? Mal ganz davon ab: Lebenslang ist so wie Chaot, Linksradikal etc. es ist eine Schublade, in die man einen Menschen steckt, aus der er nie wieder raus kommt. Ist das ein humanistisches Weltbild? Die bibelfesten unter uns werden von „Kainsmal“ reden. Und dieses verträgt sich mit einem „linken“ humanistischen Weltbild aber so gar nicht.

Anders ausgedrückt: Kai Diekmann mag noch so ein Arschloch sein, er ist weder der Teufel persönlich, noch ist es ausgeschlossen, dass er sein Unrecht einsieht und sich ändert. Das ist unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen.

Daher sollte man vielmehr innehalten, die andere Seite hören, dann sich in Ruhe seine Meinung bilden und diese auch mit einer durchhaltbaren Konsequenz besetzen. Irgendwelche „Brennt die Geschäftsstelle nieder!“-Forderungen sind Unsinn, wenn man sie nicht durchhält. In dem Fall auch, wenn man sie durchhält.

Noch was zu dem Thema Shitstorm: Ist euch eigentlich noch bewusst, worüber ihr euch vor zwei Wochen aufgeregt habt? Was für eine unglaubliche Energie heutzutage in tagesaktuelle Aufregung gesteckt wird, ist einfach nur fürchterlich. Wäre eine langfristige, besonnene Politik der richtigen Schritte nicht viel besser? Es ist echt so: Man kann Kai Diekmann sehr gut ignorieren und ihn doch politisch bekämpfen. Man muss sich auch nicht über jeden Mist aufregen, den Erika Steinbach absondert, und mag sie trotzdem nicht. Geht. Und ist viel gesünder und konstruktiver. Glaubt es uns. Reicht doch, wenn der Blutdruck jede Woche beim Spiel ins Unermessliche steigt.

Wenn man dies alles bedenkt, dann…

… kann man jetzt die Stellungnahme und den Tweet nochmal lesen. Und dann kommen wir zu folgender Bewertung:

  1. Man muss Kai Diekmann uns seiner PR-Maschine nicht auf den Leim gehen. Deswegen ist ignorieren eigentlich immer das Beste, gerade als Verein, Vereinsoffizieller, Vereinsaccount etc. pp. Insbesondere, wenn man wie Kai Diekmann selber ein absolut guter Spindoctor ist und auch noch diverse andere Spindoctors in seiner Hinterhand hat. Wer Interesse hat, kann gerne mal die anderen Twitteraccounts der Blöd-Verantwortlichen googeln. Wir verlinken so etwas nicht.
  2. Ist Andreas Rettig irgendwie verdächtig, ein Blödzeitungsjünger zu sein? Die Frage zu stellen, ist sie zu verneinen, oder?
  3. Kann ein Vizepräsident des FCSP beruflich Kai Diekmann einladen? Ach Leute, da kommen wir wieder zu dem Idealbild. Wir wissen ja nicht mal, was eigentlich Inhalt dieser Konferenz war. Und wir wissen nur, dass er Böh… äh, Varufakis und Dunja Hayali auch eingeladen waren. Wir wissen auch nicht, wozu sein Vortrag war. Ganz ehrlich: Wenn es z. B. um „Wie beeinflusse ich Öffentlichkeit?“ ginge, gäbe es wohl wenig talentierte als Diekmann. Siehe 2.
  4. Muss man dann als Vize ein Treffen zwischen Diekmann und Rettig organisieren? Denn das „spontane“ Treffen ist garantiert nicht so 100 Prozent spontan, was man schon an bereitliegenden Geschenken sieht. Oder haben das alle Teilnehmer bekommen? Wir wissen es nicht. Aber hier bewegt man sich natürlich massiv auf Glatteis. Siehe 2.
  5. Kann man eine Entschuldigung von Kai Diekmann annehmen? Ja, kann man. Man wird sehen, ob sie dann glaubwürdig ist. Man kann da SEHR skeptisch sein. Aber da sind wir wieder oben bei dem humanistischen Weltbild.
  6. Kann man Kai Diekmann etwas schenken und ihn zum FCSP einladen? Ist wieder sehr dünnes Eis. Kommt ein bisschen darauf an, ob man meint noch irgendwie einen guten Funken in das Hirn von Diekmann setzen zu können. Wenn man dies aber meint, dann ist das Kochbuch und ein Besuch im Hort der Revolution das richtige Geschenk.
  7. War der Tweet Murks?
    Jo. Da kommt die dahinter stehende Idee nicht rüber und mit „Lieber“ muss man Diekmann auch nicht zwingend ansprechen. Außer man ironisiert sehr viel stärker. Typische Social-Media-Verkürzung. Und siehe 2.

Fazit

Oh ja, man muss das ganze kritisch betrachten, man muss als handelnde Personen des FCSP daraus lernen. Und dieses Lernen endet nie. Keine Fehler machen nur Polizisten und Leute, die nie handeln. Die Ironie im letzten Satz müssen wir nicht kennzeichnen, oder?

ABER kommt mal runter, macht nicht diese Dauerempörung mit immer härteren Forderungen mit. Das ist Bullshit und mit einer „linken“ Denke nicht vereinbar.

Lest gern auch, was der Übersteiger zur gleichen Geschichte schrieb. Auch ’ne Haltung.

Nov 162016
 

Liebe Spieler des FCSP. Die Startelf, die letzten Montag den nächsten Nackenschlag in einer Saison von Nackenschlägen verkraften musste, war im Schnitt irgendwas von knapp über 23 Jahren alt.

Im normalen Berufsleben würde man von jungen Männern in der Findungsphase sprechen und ihnen garantiert nicht die Verantwortung für 150 Festangestellte und über 30.000 Abhängige übertragen. Aber so ist der Fußball, und das euch nicht nur positiv das Herz zittert, wenn ihr ins Millerntor einlauft, das ist in dieser Situation auch klar.

Wir haben ein „Wir! müssen! verfickt! nochmal! gewinnen!“-Spiel vor der Brust. Nein falsch, wir haben bis zur Winterpause davon fünf vor der Brust. Und ihr sollt sie gewinnen.

Wir wissen nicht, ob ihr das auf dem Platz umsetzen könnt, selbst wenn jetzt ein paar „erfahrene“ Spieler den Schnitt immerhin auf 26 Jahre heben. Wir wissen nur, dass wir – egal was passiert – diese fünf Spiele hinter euch stehen.

Ja, wir haben viel genörgelt und, wer uns kennt, weiß, dass dies nicht immer gerecht ist und manchmal sehr schwarz/weiß. Wir haben jeden Spieler schon auf die Tribüne verbannt und in den Himmel gelobt. So sind Fußballfans. Aber als Kollektiv können – und müssen – wir euer 12. Mann sein. Derjenige, der den Unterschied macht.

Also Vegar, Cenk, Brian, Christopher, Lasse und wie ihr alle heißt: Geht da raus, hold your head up high, wie es so schön in einem kitschigen Pathosfußballlied heißt, und ballert die Fortuna aus dem Stadion.

Und ihr da auf den Rängen, egal ob Nord, Süd, Gegen oder Haupt, vergesst Sonntag das Studium, die Kneipe, das Nörgeln über Dauergesang oder zu leise Tribünen, nörgelt nicht nach einem Fehlpass, sondern stärkt den Jungs den Rücken und macht 95 die Hölle heiß. 90 Minuten.

Wir sind St. Pauli! Alle zusammen!

Nov 012016
 

Intro

Montagsspiele. Es wird keine Liebe mehr. Zu spät, zu doll in der Woche und irgendwie nicht schön. Man merkt das am Millerntor. Außer von den üblichen Schwarzmarktgesichtern nur wenig „suche Karte“-Schilder und auch in den sozialen Netzwerken überstiegen die Gebote bei weitem die Gesuche. Es ist eigentlich schade, dass im Fußball keine reale Zuschauerzahl erhoben wird, sondern nur die verkauften Tickets. Die Differenz – die bei elektronischen Einlasssystemen ja einfachst zu messen ist – wäre bei diesem Spiel echt mal interessant.

Entsprechend leer ist es auch auf der Gegengerade, was aber übereifrige Ordner nicht davon abhält, sich in Minute 38 in den Aufgang zu stellen und Leuten verbieten zu wollen, wieder zu ihren Plätzen zu gehen. In Minute 38. Wo ein stetiger Strom von Menschen zum Bier und zum Klo geht. Brilliante Idee. Und sich dann noch aufregen, wenn man nur ein „Ich steh da“ (mit Fingerzeig) antwortet und weiter geht. Wie schon gesagt: Platz ohne Ende in unserem Bereich. Dafür sind die Nürnberger für die Distanz und Montagabend sehr zahlreich erschienen. Ach warte mal, die Lumpen haben ja einen zusätzlichen Feiertag. Scheiß Förderalismus.

Ontro

Das Aufgebot auf dem Platz ist wohl als „die Übriggebliebenen“ zu bezeichnen. Wir haben zur Zeit natürlich auch das Verletzungspech, was zu einer ordentlichen Krise dazugehört. Nebenbei: Nicht immer ist das Pech, aber wir können nicht bemessen, inwieweit es bei uns Pech ist. Klar kannst du in der Viererkette noch diskutieren, ob nun Hedenstad oder Hornschuh, aber das ist ungefähr die Art an Alternativen, die wir zur Zeit haben. Und man kann, wenn man sich richtig gut auskennt, fragen, inwieweit Verletzungsanfälligkeit fehlerhafter Teil des Spielsystems/der Spielanlage ist. Positiv hingegen: Herr Neudecker ist im Kader.

Das Spiel beginnt ordentlich, die Truppe ist heiß und im Gegensatz zu Spielen gegen Aue oder in Sandhausen kann man ihnen 90 Minuten lang den Einsatz nicht absprechen. Das 1-0 ist dann selbst intelligent herausgespielt – mit ein „bisschen“ Nürnberger Mithilfe – und am Ende perfekt von Buchtmann vollendet. Und wieder denkt man „frühes Tor müsste doch Sicherheit geben“ und wieder ist es wie gegen Aue. Sicherheit gibt dieses Tor nur einer Mannschaft und das ist Nürnberg. Die nächsten 25 Minuten kannst du getrost in die Tonne treten. Ein Ausgleich müsste trotzdem nicht fallen, aber erneut gelingt es uns nach einem Standard nicht, zu den Gegenspielern zugeordnet zu bleiben, und so kann Burgstaller in Ruhe ausgleichen. Das ist zu billig. Der hat fünf Schritte Rückstand zum Ball im Vergleich zu unserem Verteidiger und nimmt ihm auf 20 Schritte 30 Schritte ab. Oder so ähnlich.

magischerfc-st-pauli-vs-1-fc-nuernberg-oktober-2016-1

Da ist die Welt noch in Ordnung.

Pause und unsere Jungs kommen geordneter und besser aus der Halbzeit. Es folgt eine wirklich gute Hälfte mit Kampf, Leidenschaft, zwei Kopfbällen, die mit ein bisschen Glück auch drin sind, und einer riesigen Chance von Şahin. Lies keine Kommentare, haben sie uns gesagt. Wir haben es trotzdem getan. Und wie da der Stab über einen jungen Spieler zerbrochen wird, das ist einfach nur menschenverachtend und scheiße. Mal ganz davon ab, der junge Mann ist unser einziger Siegtorschütze dieses Jahr. Nebenbei aus einer ähnlichen Aktion heraus. Diesmal bekommt er den Ball nicht richtig auf den Schlappen und leider ist die Chance vorbei. Passiert. Leider. Kopf hoch Cenk, der nächste sitzt.

Nürnberg hadert nach dem Spiel mit dem Schiedsrichter. Sagen wir es mal so: Das ist einfach anstrengend, wie das Spiel geführt wird. Jeder Einwurf, jeder Freistoß wird von Nürnberg zehn Meter vorverlegt. Jeder zweite Einwurf ist nicht annähernd richtig ausgeführt. Dazu dieses theatralische Ermahnen und eben übliche Fehlentscheidungen. Denn seien wir ehrlich: Wenn das kein Handelfmeter ist, dann ist nur noch fangen Handelfmeter. Diesmal halt zu unseren Gunsten, besser macht es die Leistung nicht.

Miyaichi war dann auch mal insgesamt 45 Minuten oder so fit. Es ist ein Kreuz mit dem Jungen. Diesmal mit Gehirnerschütterung raus. Was dabei in unsere Köpfe kommt: Der Junge spielt noch minutenlang weiter, obwohl der schon direkt nach dem Zusammenprall derbst benommen ist. Gibt es im Fußball eigentlich keine Testprotokolle für die Teamärzte und Schiedsrichter? Wie kann das durchgehen? Man darf nicht vergessen, dass Gehirnerschütterungen alles andere als harmlos sind und Langzeitfolgeschäden haben können (siehe den Wikipedia-Eintrag zum American Football). In den USA ist die Gehirnerschütterung wegen dieser Langzeitfolgen ein riesiges Thema, nachdem man das lange ignoriert hat. Gibt es im Fußball eigentlich feste Regeln? Football hat diese und hat diese auch öffentlich gemacht. Wen es genauer interessiert: Hier entlang. Wohlgemerkt: Da ist u. a. ein neutraler Beobachter vorgesehen, um dies zu erkennen. Man kann sich gut fragen, ob dies im Fußball nicht auch langsam Zeit wird.

Eventuell sollte der Fußball für solche Fälle auch mal über eine Regeländerung nachdenken. Eine Prüfung der Gehirnerschütterung ist ja auch dadurch erschwert, dass man währenddessen in Unterzahl spielt. Hier so etwas einzuführen, was dem Blood Replacement beim Rugby entspricht, sollte ernsthaft überlegt werden. Ja, dies würde das Spiel ändern, wäre aber trotzdem absolut sinnnvoll. Denn die langfristige Gesundheit der Spieler geht vor.

Offtro

Weiterhin zu bemerken ist, dass 2/3 unserer Stadionsprechercrew krank zu Hause ist. Verletzungspech auch hier! So leitet Klaus alleine durch das Programm, was diesmal (angesicht des Geburtstags?) prall gefüllt mit Ska und anderer Skinhead-Musik ist. (Uns fällt gerade kein besserer Sammelbegriff ein.). Gute Besserung, Daggi und Rainer.

magischerfc-st-pauli-vs-1-fc-nuernberg-oktober-2016

Hahaha. Haha. Ha.

Nürnberg ist auch so eine Öddelfanszene vor dem Herren. Da wird das eigene Lied gespielt und direkt danach stimmt man fröhlich ein „Scheiß St. Pauli“ an. Kann man mal machen. Da muss man auch gar nicht rätseln, ob man für die nun Sympathien haben will oder so. Genauso wenig werden wir dieses 90-Minuten Fahne-schwenken-ohne-Bezug-zum-Support verstehen. Da machst du so einen Hin-Hock-Wechselgesang, was ja selbst noch ganz cool und dynamisch wirkt, aber hey, die Fahne, die muss trotzdem geschwenkt werden. Nun gut. Und über das Plakat hat die Kreativitätskommission der Ultras Nürnberg ungefähr auch 20000 Tage gebrütet. Das war so kreativ. Nicht.

Und nun?

Haben wir nach viel „könnte“, „sollte“ und „offensichtlich“ seit dem Ende des Spiels keinen Sportdirektor mehr. Wir können uns weder an diese „Köpfe müssen rollen“-Mentalität des Fußballs gewöhnen, noch an die Sky-Jurek-(so zumindest der Twittername eines dieser Geier)-Leichenfledderer, die jede nicht News schon mal in die Welt hinausposaunen. Das geht da immer noch um Menschen und im Notfall um deren Job, ihr Arschlöcher!

Aber! Wir können auch nicht beurteilen, ob diese Entlassung notwendig oder gerechtfertigt ist. Wir wissen nicht, was täglich auf der Geschäftsstelle passiert. „Unterschiedliche Auffassungen über die strategische Ausrichtung des Clubs“ vermeldet der Verein als Grund. Das ist ungefähr die größte Leerformel, die einem so auf die Schnelle einfallen kann. Machtkampf? Streit? Sind ja alles nicht die einfachsten Charaktere, die wir da haben. Oder wirklich vollkommen unterschiedliche Ideen, wie der FCSP funktionieren kann? Hätte man diese unterschiedliche Auffassung auch auf Platz 2 gehabt? Wir wissen es alles nicht.

Ist nicht unsere Aufgabe, das zu beurteilen. Wir wünschen Thomas alles Gute. Er hat so oder so St. Pauli über mehrere Jahrzehnte geprägt. Und verlieren tun immer beide Seiten. Denn es war ja ein gemeinsamer Plan, den man mit diesem Angestellten verwirklichen wollte. Und sich dann getäuscht hat. Siehe dazu auch unseren Bericht von letztens.

Ach ja: Zu einfach ist es aber das ganze an den „Fehleinkäufen“ fest zu machen. Zum einen entscheidet das hoffentlich nicht einer alleine und zum anderen: Wer ist denn bitte ein „Fehleinkauf“ aus heutiger Sicht? Man bedenke dabei immer, welche Rolle ein Spieler ohne Verletzungen im Kader gespielt hätte. Was man vorwerfen kann sind Nichteinkäufe, aber dazu hatten wir schon was geschrieben.