Okt 282016
 

Tja, nun der Pokal

Vorweg, immerhin haben wir es in die zweite Runde geschafft. Haha.
Beginnen wir am besten ganz vorne, wie man das halt so macht. Die Vorzeichen des Spiels waren – das ist kein Geheimnis – sehr schlecht. Zuhause gegen Aue verloren, in diesem Vorort von Heidelberg ebenfalls unterirdisch präsentiert und folgerichtig keinen Punkt mitgenommen.

Lienens vielbeachtete Brandrede und die Aktion der Spieler, sich vor dem Anpfiff nochmals den Tribünen zuzuwenden, zeugte zwar von einer leicht veränderten Einstellung innerhalb der sportlich Verantwortlichen und dem Team, aber reicht das alleine? Nein, natürlich nicht. Die Probleme, die wir in den vorherigen auf dem Platz gesehen haben, lassen sich nicht durch eine Rede und ein kurzfristiges Umdenken beilegen. Also das Spiel vielleicht als ersten Schritt in die Richtung ansehen? Hätten wir mit der Leistung wie in Sandhausen vielleicht sogar 0:12 verloren? Möglicherweise.

Der neue Hipsterverein Berlins also zugegen am Millerntor

Während wir im Beitrag zum Spiel gegen Aue noch kritisierten, dass man in der Basch (wenn auch nur in einem Nebensatz) und bei der Schickeria Verständnis für das reaktionäre Aufstreben gegen „der Tradition widersprechende“ farbige Auswärtstrikots zeigt, bewies Herthas organisierte Fanszene in der folgenden Woche eindrucksvoll, welch homophoben, menschenfeindlichen Habitus Teile ebendieser kultivieren. Schaut man in die Ostkurve, fühlt man sich eben weniger an Berlin-Mitte 2016 erinnert, sondern eher an Berlin-Olympiastadion 1936. Warum also nicht mit dieser besten deutschen „Tradition“ brechen und ein wenig rumhipstern, lieber BSC? Schlimmer macht es das auch nicht mehr.

Hertha ist in der gegenwärtigen Verfassung gut zwei Spielklassen über den Boys in brown. Von daher ist eine Niederlage nicht unbedingt unerwartet. Das spiegelt sich übrigens auch nicht gerade selten auf dem Spielfeld wieder.
Trotzdem sei hier daran erinnert, dass der Kampf seitens der Braun-Weißen angenommen wird und auch wenn blöde Fehler zu Gegentoren führen, das doch deutlich mehr Hoffnung macht als die Spiele zuvor.

magischerfc-st-pauli-vs-hertha-bsc-november-2016

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts

Pokal heißt natürlich auch volle Ränge. Es ist wirklich physisch eng. Woran liegt das eigentlich? Sind doch auch nicht mehr Leute da als bei ausverkauften Ligaspielen, oder? Die Anspannung und die Uhrzeit passen natürlich hervorragend zusammen und so nehmen wir die Stimmung als überdurchschnittlich wahr, wenigstens in der ersten Halbzeit bis zum ärgerlichen ersten Gegentor. Die Choreos auf Süd und Gegengerade sehen ebenfalls amtlich aus. Der Gästeblock phasenweise mit ganz ordentlichem Auftritt, die Pyroshow … Geschmackssache. Kreativ und außergewöhnlich ist es jedenfalls nicht. Passt ja gar nicht zum trendigen Hipster-Image!

Wie weiter?

Klar, Nürnberg weghauen! Den Kampfgeist behalten, weiter konzentriert arbeiten und dann wird das schon irgendwie. Es kann nur besser werden. Forza!

Okt 242016
 

Es ist immer so einfach im Fußball. Der Sportdirektor, der Trainer, der Investor, wer auch immer ist schuld. Und der muss dann gefeuert werden und alles wird gut.

Dass dies so einfach nicht der Fall ist, beweisen die Abgründe im Volkspark. Denn dort geht es auch unter dem 100sten Manager und dem 1000sten Trainer drunter und drüber. Der einfache Austausch der handelnden Personen hat also eigentlich gar nix gebracht.

Aber wir wollen nicht über den Volkspark reden. Wir stecken bis zum Hals in der Scheiße. Wir haben gerade gegen ein extrem schwaches Sandhausen verloren und haben auch gegen Aue nicht wirklich gut ausgesehen. Der Trend geht in die falsche Richtung, und Leben ist in der Mannschaft nicht zu erkennen.

Man macht sich daher natürlich so seine Gedanken. Die vielleicht nix mit der Wahrheit zu tun haben, denn wir wissen nicht, was hinter verschlossenen Türen so passiert. Wir können es vermuten, aber wissen tun wir es alle nicht.

Was gibt es nun zu tun?

Arbeiten alle?

Erstmal abchecken, ob jeder seine tägliche Arbeit macht. Einen Kaffeetrinker, Lowperformer, was auch immer können wir uns zur Zeit nicht leisten. Wir gehen erst einmal davon aus, dass sowohl Manager als auch Trainer als auch Spieler jeden Tag ihr Bestes geben. Ist dies nicht der Fall, dann muss man da handeln.

Man muss sich so einen Mannschaftskader als nicht unproblematische Gruppe vorstellen. Um die 30 Egos, 30 Ideen und 30 Einstellungen müssen sich zusammenraufen, und der Stürmer muss den Fehler des linken Verteidigers ausbügeln, auch wenn der Grün wählt und man selber Linkspartei. Oder so. Dass eine solche Gruppe sowohl gute als auch schlechte Dynamiken entwickeln kann, weiß jeder, der schon mal einen Mannschaftssport betrieben hat. Sollte es hier Spieler geben, die sich als toxisch beweisen, dann muss man die bei allem Personalmangel eingrenzen und aus der Gruppe entfernen. Und das ist nicht mal ein persönlicher Vorwurf. Spieler A kann in Gruppe 1 super ankommen, aber in Gruppe 2 kann er sich als absolut fehl am Platz beweisen. Dies vorher zu erahnen ist nebenbei die hohe Kunst des Managers und Trainers bei Neuzugängen. Eine Kunst, die niemand fehlerfrei spielen kann.

Was macht der Trainer?

Unser Trainer ist ein Querkopf. Das ist wohl aus allem, was man so von ihm erlebt, eine feste Tatsache. Man muss sich immer fragen: Wirkt dieser Trainer noch auf die Mannschaft ein? Zu Beginn der Saison hatte man uneingeschränkt dieses Vertrauen, denn obwohl nicht immer die Ergebnisse da waren wurden taktische Änderungen übernommen und ausgeführt. Man kann das bei Spielverlagerung nachlesen. Ist dies noch der Fall? Kann man aus der Mannschaft noch etwas rausholen?

Erneut: Auch hier gibt es wenig persönliche Vorwürfe. Mal passt ein Trainer wie Arsch auf Eimer, mal passt er nicht. Und man arbeitet hier in einem Bereich der Hochleistung, wo Motivation teilweise auch kurzfristig und über Adrenalin gesteigert wird. Eine flammende Rede kann einmal wirken, zweimal, aber irgendwann nutzt sie sich vielleicht ab. Die Kunst des Trainers ist dann noch eine zweite, dritte, vierte Art der Motivation zu finden. Ihr selber wisst das. Was heute noch einen richtig kickt und motiviert, das ist morgen schon fade und langweilig.

Und kommt nun nicht mit dem „aber die verdienen viel Geld damit“. Springt Ihr des Montags morgens immer jubelnd aus dem Bett, weil Ihr nun zu dem Job müsst, der „viel Geld“ – hoffentlich – einbringt? Nein! Tut niemand.

Und etwas ist auch klar: Ist erstmal eine miese Dynamik drin wird die Motivationsansprache schwieriger. Weil sie bisher schon nicht funktioniert hat. Da stimmt dann der Spruch der neuen Besen, die gut kehren.

Wir können hier Ewald nicht beurteilen. Wollen wir nicht. Aber das gilt es zu überprüfen.

Klar hat auch Lienen offensichtliche Fehler gemacht. Dies fängt schon damit an, dass er die jungen Nachwuchsspieler bringt, um sie dann zur Halbzeit auszuwechseln. Viel deutlicher kannst Du so einem Spieler nicht das Vertrauen entziehen. Und gerade bei einem Nachwuchsspieler wird dies nicht zu einer Steigerung der Leistung beitragen.

Manager?

„Die Öffentlichkeit“ hat sich auf den Manager eingeschossen. Klar, das mit dem fehlenden zentralen Mittelfeldspieler sieht jeder. Ist dies der Fehler des Managers? Hat Thomas Meggle das verschlafen? Leute, dieser Gedanke ist schon ein bisschen naiv, oder? Mal ganz davon ab, dass er in der Winterpause 14/15 und in der Saison 15/16 noch für seine super Transfers gefeiert wurde. Zum einen entscheidet den Einkauf eines Spielers ein Manager nicht mehr alleine in einem dunklen Zimmer. Auch der FC St. Pauli hat Analysten – Leute, die beobachten, Leute die Kader planen und einen ganzen Stab an Leuten, die sich mit dem Thema „wie plane ich eine Truppe“ auseinandersetzen. Sind die alle unfähig? Wissen wir nicht, wenn ja, dann haben sie schon viele Körner als blinde Hühner gefunden. Selbst wenn man jetzt Meggle vor die Tür setzen würde, könnte ein neuer Manager nur auf den Daten dieser Truppe aufbauen. Oder wieder wie in der Steinzeit arbeiten und sein individuelles Notizbuch abarbeiten und Spieler holen, die er – ohne Rücksprache mit einem Team – für geil findet. Mal so gefragt: Welche Methode haltet Ihr denn für langfristig erfolgreicher?

Und wie sichere ich eine längerfristige Spielerbeobachtung und Entwicklung, wenn der neue Manager aus seinem Notizbuch alleine im dunklen Zimmerchen arbeitet und irgendwann geht? Fang ich dann immer wieder von Null an? Ja, so ist lange genug beim FCSP gearbeitet worden. Einer der Hauptpersonen, die dieses gerade ändert, ist ein gewisser Thomas Meggle. Wahrscheinlich zu spät. Was der so im Hintergrund anstößt kann man u.a. beim Millernton aus dem November 2015 nachhören.

Und wisst ihr, ob wir nicht den super-duper-zentralen Mittelfeldspieler an der Angel hatten? (oder ihn selbst mit Schahin verpflichtet haben, der Junge aber leider nicht so schnell fit geworden ist, wie alle erhofft haben?) Und dann kam Mainz und bot das Doppelte? Zu einfach ist es da, Ratsche oder Alushi nachzutrauern. Bei beiden gab es Gründe, warum man sich nicht auf eine weitere Zusammenarbeit einigen konnte, und so etwas passiert zwischen Himmel und Hölle. Dass für beide der Wechsel nicht wirklich super gelaufen ist, macht das ganze noch bitterer. Ratsche wärmt die Bank, und seitdem sich Alushi verletzt hat, läuft es bei Nürnberg.

Erzählen wird man uns das nicht. Wie sähe es aus, wenn man nun sagen würde „wir hatten XYZ an der Angel, aber dann kam Mainz“? Viel schlimmer kann man in das Selbstvertrauen der Truppe nicht reinhauen.

Was auffällt: Man wollte definitiv eine offensivere Spielidee umsetzen. Dafür waren die ganzen schnellen technischen Außen gedacht. Diese Idee und diese Spieler haben bisher nicht funktioniert. War die Spielidee ein Fehler? War das Meggles Idee? Lienens Idee? Die Idee des ganzen Stabes? Sie ist in die Hose gegangen. Das muss man sich ehrlich zugestehen.

Nein, das ist kein absolutes Plädoyer für den Verbleib von Meggle. Denn wir wissen nicht, ob er auf seine Kaderplaner hört und welche Kompetenzen wer hat. Wir wissen nur, dass ein eventueller Ersatz jemand sein müsste, der genau diese ganzen Strukturen weiter nach vorne bringt. Kaffeetrinker, die bei Schalke 04 alle Spieler ausleihen, hatten wir lange genug.

Spieler?

Es ist offensichtlich, dass viele Spieler nicht annähernd die Form der letzten Saison wiederholen können. Ob da was im Training schief läuft? Keine Ahnung. Ob da einfach auch die erfahrenen Leute fehlen?

Fakt ist: Wir sind – wenn wir es richtig sehen – bisher nicht zwei Mal hintereinander über 90 Minuten mit der gleichen Viererkette gekommen. Gerade in diesem Bereich, in dem Eingespieltheit und Vertrauen ein extrem hohes Gut ist, haben wir nicht annähernd eine Formation gefunden. Meistens durch Verletzungen, Sperren oder Erkrankungen. Hier wäre Konstanz Gold wert. Und hier passieren auch die meisten haarsträubenden Fehler, die eben aus ganz vielen schlechten 0-0-Spielen ganz viele schlechte Niederlagen machen.

Denn seien wir ehrlich: Auch letztes Jahr hat uns nach Vorne meistens ausschließlich der liebe Gott geholfen. Aber hinten standen wir eben extrem sicher. Auch, weil wir eine relativ feste Formation hatten.

Hinzu kommt, dass ein Spieler wie Avevor, der – so erkennen wir es wenigstens – als Backup für all diese defensiven Positionen geholt wurde, zur Zeit gar nicht funktioniert. Keine Ahnung, wie der Junge an sich und der Welt arbeitet. Persönliche Vorwürfe wären absolut fehl am Platz. Aber auf demselben funktioniert er nicht.

Das Gleiche gilt aus unserer Sicht für Dudziak. Der Junge hat alles, was man eigentlich für einen Offensiven braucht, könnte mit seiner Technik garantiert auch zentral was reissen. Aber er bringt seine PS nicht auf dem Platz. Warum nicht? Das gilt es zu intern erörtern.

Die Mittelfeldzentrale ist mit Buchtmann und Nehrig mit zwei Spielern besetzt, die letzte Saison super funktioniert haben. Aber zur Zeit? Kommt da nix. Deswegen mal ehrlich: Wer hätte gedacht, dass trotz dieser beiden Namen dies unser absoluter Schwachpunkt werden würde? Klar „Qualität“ auch im Sinne von „Kadertiefe“ ging verloren, aber so extrem?

Wie voran?

Erstmal die oben angerissenen Fragen beantworten. Das können wir Externen nicht, intern muss aber dran gearbeitet werden und wird dran gearbeitet werden. Da sind wir sicher.

Was noch?

– Kick!

Die Jungs brauchen einen Kick. Klassische Art, diesen Kick zu holen, ist ein Trainerwechsel. Geht es auch anders? Irgendjemand schlug vor, dass die Jungs mit dem Bus nach Stuttgart fahren und den dort verlorenen Spirit abholen sollten, anstatt zu trainieren. Das ist natürlich etwas radikal, aber vielleicht bringen ja die 30 Minuten schweigender Gästeblock und die anschließende Diskussion im ICE etwas. Respekt nebenbei an allen Spielern, die sich dieser Diskussion stellten. Die weiteren Klassiker: Mannschaftsabend, Aussprache etc. pp. Vielleicht wäre ein Besuch am Mittwoch beim USP-Treffen auch das Richtige? Mal sehen, was Leute so Verrücktes machen für diesen Verein? Keine Ahnung.

Fakt ist: Die normale Trainingsroutine wird diesen Kick nicht bringen.

So kommt das Pokalspiel vielleicht doch nicht zur Unzeit? Sicher, man kann nicht an Fehlern trainieren, aber das haben die sowieso schon getan. Die sollten einfach rausgehen und Fußball spielen. Ohne Druck des gewinnen Müssens.

Sportpsychologe? Vielleicht ist das ein Weg. Aber da ist in dem veralteten Führungsstil des Fußballs wahrscheinlich der Trainer gefragt, dass er dies nicht als Untergraben seiner Kompetenz auffasst.

– Fehler abstellen!

Aus den oben beschriebenen Fehlern muss gelernt werden. Das ist einfacher gesagt als getan, muss aber Priorität sein. Nicht das Ergebnis zählt, nicht der schöne Fußball – die Null hinten. Die zählt. Das muss erste Bürgerpflicht von 1 bis 11 sein. Und jeder muss bereit sein, für den anderen zu arbeiten. Über die Kotzgrenze hinaus. Nur so geht es. Wer dies nicht will und kann, der ist fehl am Platz. Aber erstmal trauen wir das jedem zu.

– Zusammenhalten

Wir wissen nicht, wie es im Kader aussieht. Aber was wir wissen ist, dass wir eine Wohlfühloase sind und auch bleiben sollten am Millerntor. Auspfeifen oder beleidigen wird die Jungs nicht weiterbringen. Und intern muss eben an diesem Zusammenhalt gearbeitet werden. Klar, das ist alles pfeifen im dunklen Walde.

– Don’t panic!

Noch ist genug Zeit und auch nach der Winterpause gibt es diesmal 17 Spiele, so dass wir doch mehr Zeit haben als in den letzten Saisons. Ja, es ist gerade alles Scheisse, aber wir haben immer noch nix verloren.

Okt 222016
 

Ich sah zwei Tore. Sie standen auf dem Platz.

Ja liebe Leser, was will man eigentlich schreiben? Habt ihr schon mal versucht einem Nichtsportfan zu erklären, warum ihr da immer wieder hin geht? Oder wie weh es tut in Sandhausen in die Fresse zu bekommen?

„Du wirst hier heute verlieren; wirst dich wieder mal blamieren; hinten Tor um Tor kassieren; Voran FC St. Pauli“

Ja liebe Leser Sandhausen spielte Fußball der Marke Steinzeit. Elf Mann igeln sich ein und man hofft auf den Ballverlust und die Konterbewegung. Die nicht mal gut vorgeführt wird. Aber für uns reicht das. Der Höhepunkt der Unzulänglichkeiten ist ein Arschwackler der Marke „das funktioniert in der Freizeitliga nicht“. In der Freizeitliga vielleicht nicht. Bei uns schon. Bumm. Tor.

„OH ARMES OH ARMES OH ARMES ST PAULI GEWINNEN WIRST DU NIE“

Ja wir haben Ballbesitz ohne Ende aber Tempo Druck all das haben wir nicht. Erst als Ryo und Fafa kommen gibt es mal Spieler auf dem Platz die ein schnelleres Tempo wenigstens versuchen (!) Aber sonst? Jungs! Ja verunsichert, läuft nicht, alles klar. Aber dann tretet den wenigstens mit Macht die Kno äh den Rasen kaputt. Geht mit Blut im Mund raus. Macht. Irgendwas.

„Oh St Pauli wir folgen dir egal wohin, in 19 Stadien der dritten Liga sind wir dabei und singt die ganze Ultragruppe nur für dich, ja dann wirst du an diesem Tag der Verlierer sein“

Nach 60 Minuten stellten unsere Vorsänger den Support ein. Und das zu Recht. Keine Diskussion. Das sind ja keine Supportmaschinen und auch wenn man immer Details kritisieren kann (heute die Liedauswahl Anm. der Mitfahrerin: Nö!), so ist das Engagement der Jungs (warum sind das eigentlich nur Jungs auf dem Zaun?) echt toll. Diese Emotionen, dieses Feuer mal auf dem Platz.

„Hilfe blanker Fußballhorror; das ist unser St. Pauli; Zitterpässe Gegentore; Zweitligaspiel allesamt Fehlpassspiel und Ballverstolpler; keine Chance auf Raumgewinn; Hilfe blanker Fussballhorror; lala“

Wie nun weiter? Wisst ihr 2014 gab es irgendwie die einfache Antwort. Der Truppe damals fehlte jede Kraft und nach 20 Minuten war sie platt. Da ist es einfach dies zu ändern. Aber nun? Klar ein dominanter Mittelfeldspieler in der Winterpause muss her. Aber wie bekommst du sonst die Zitterfüsse wieder in Zauberfüsse?

Die Mechanismen des Geschäftes fordern schon wahlweise den Job des Trainers und/oder Sportdirektors. Das ist ja immer die einfache Lösung. Hat so etwas von „Verhaften sie die üblichen Verdächtigen“. Und wir wissen was das  in dem zitierten Film gebracht hat. Nix! Außer  einen schönen Titel für einen anderen wunderbaren Film. Aber während der Teufel die Welt davon überzeugen konnte, dass er nicht existierte, sind wir von dieser Lösung nicht überzeugt. Klar wir kennen das Geschäft lang genug um zu wissen was kommen kann und wahrscheinlich ohne drei Punkte gegen Nürnberg kommen wird, aber wer sind wir denn hier jemanden den Verlust seines Jobs zu wünschen?

Und so sitzen wir hier im ICE mit der Mannschaft (anderer Wagen) und dichten Lieder um. Aber so negativ wollen wir nicht enden. Sondern damit was uns aus der Krise bringen wird:

„WIR SIND OOOOOOOOOOOOOHHHH ST. PAULI!“


 

Okt 182016
 

Was willst du nach so einem Spiel schreiben?

Einem Spiel, was die Wende bringen sollte, ja musste. Freitagabend, Flutlicht, volles Haus. Eigentlich die perfekten Voraussetzungen für ein Kampfspiel, einen späten Sieg und damit einen Neustart in die Saison.

Die Lektüre der Basch vor dem Spiel ist ganz interessant und daher mal erwähnenswert. Vorab: Ja, dort äußern sich Einzelpersonen und es wird nicht die Gruppenmeinung dargestellt, aber trotzdem bedarf es hier mal eines Einwurfs. Warum zur Hölle wird die Solidaritätsbekundung der Schickeria beim Spiel gegen Hertha positiv hervorgehoben? Da engagieren sich dieselben Leute, die ihr zusammen mit Babelsberg aus Potsdam gejagt habt und die jetzt Respekt bezeugen, weil sie sich gegen „der Tradition widersprechenden Trikots“ wehren? Nur weil Hertha auswärts in pink aufläuft, muss man sich nicht solidarisieren und schon gar nicht in einer solchen Rhetorik, die viel eher in den Volkspark passt.

Wenden wir uns widerwillig dem Spiel zu

Es geht ja gut los, denn bereits nach drei Minuten bekommen wir einen Elfmeter, den Ducksch sicher verwandelte. Genau, Ducksch, der anstatt von Aziz vorne drin spielt. Etwas verwunderlich auf den ersten Blick, auf den zweiten Blick haben wohl Nationalmannschaftsreisen diese Entscheidung herbeigeführt.

Nun ist der Weg doch geebnet. Frühe Führung, Millerntor, ein Gegner, der nun eigentlich aufmachen muss und mehr Sicherheit bei den Jungs durch die Führung.

Es kommt anders

Gefühlt ist nur Aue am Ball und unsere Jungs erstarrten wie vor einer Schlange. So fällt irgendwann der Ausgleich, auch wenn Aue über weiter Strecken genau so inkompetent wirkt wie die Crew in Braunweiß.

Halbzeit. Positiv hier: Die zahlreichen und gut sichtbaren Spruchbänder und Tapeten für Deniz Naki, der sich gerade in der Türkei für die Vebreitung von Propaganda im Zusammenhang mit der PKK verantworten muss. Auch wir wünschen dir viel Kraft, Deniz!

Zweite Hälfte

Neu gruppieren und nun auf „unsere Kurve“ den Gegner unter Druck setzen.

Es bleibt bei der Hoffnung. Wirklicher Druck kommt eigentlich nie auf. Klar, man könnte, sollte, müsste noch einen zweiten Elfmeter bekommen, aber so läuft der Tag einfach nicht. Die drei Verletzungen von Spielern dezimierten schnell das Wechselkontingent und lassen uns am Ende mehr oder minder mit zehn Leuten spielen.

Und so netzt Aue in letzter Sekunde ein und das Millerntor fällt in eine Art Schock.

Wir wissen gerade nicht, was wir aus diesem Abend Positives nehmen sollen. Dass wir jemanden haben, der Elfmeter schießen kann? Dass es gegen Aue Vollbier gibt? Dass Millerntor immer noch Heimat ist? Ach, irgendwie ist gerade alles scheiße. Tiefpunkt erreicht. Analyse? Alles Kagge! Uns fehlt ein zentraler Spieler. Einer, der ein Spiel lenkt und im Mittelfeld bestimmt. Zwar wurden verbale Bewerbungen abgegeben, aber auf dem Platz zeigt kein Spieler auch nur annähernd Fähigkeiten, die in diese Richtung gehen.

Stimmung?

Die war deutlich ausbaufähig. Liebe Gegengerade, wenn ihr mal loslegt, versteht man in Mittelblock der Südkurve fast sein eigenes Wort nicht mehr. Nutzt dieses Potenzial! Aber irgendwie, wenn dann mal kleine Fünkchen entstehen, so springen die nie zwischen Platz und Rängen hinterher. Und seien wir ehrlich: Stimmung ensteht nicht im luftleeren Raum.

Gut, dass es an den Fanräumen viel Bier gibt.

Okt 042016
 

Wir können die Tabelle drehen. Wir sind unten angekommen. Sehr weit unten. Erinnerungen an die Saison 2014/2015 werden wach und die Parallelen sind unverkennbar. Hohe Erwartungen, eine offensivere Spielidee und irgendwie geht nix zusammen.

In der zweiten Liga ist das Durchbrechen einer abwärtsgerichteten Spirale schwierig. Die Füße zittern und auch eigentlich eben noch zuverlässige Spieler machen zu allem Überfluss individuelle Fehler. Machen wir uns nix vor: Die sogenannten Mechanismen dieser Knochenmühle werden auch bei unserem menschlich hochgeschätzten Führungspersonal greifen. Und nein, das will wahrscheinlich keiner. Es wäre also absolut begrüßenswert, wenn wir jetzt die Spirale durchbrechen und das Feld von hinten aufrollen.
Wie? Keine Ahnung, denn die Probleme sind nicht von der Hand zu weisen und kamen auch in Hannover wieder deutlich zur Geltung. Aber seien wir ehrlich: Wir können garantiert unsere Laienkommentare abgeben; aber wir alle sind keine Fußballlehrer, noch können wir die tägliche Arbeit wirklich beurteilen.

Dies vorweg geschickt, brechen wir nach Hannover auf, mit einem Sonderzug der Marke Metronom. Seien wir ehrlich: Bei einer Reisezeit von knapp unter zwei Stunden ist das eine gute Reisemöglichkeit. Die Kloschlangen sind noch halbwegs im Rahmen, weil in dieser kurzen Zeit eben doch nicht so viel Druck im Tank aufgebaut wird. Paderborn 2015 war da entscheidend länger.

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Ein Blick in den Zug auf dem Rückweg offenbart auch wenig Verschmutzung, was dafür spricht, dass alle Mitfahrer sich an die normalen menschlichen Regeln halten. Leider gibt es anscheinend immer noch Leute im FCSP-Kosmos, für die man Zettel machen muss, auf die man diese Selbstverständlichkeiten abgedruckt sind.

Danke auch an alle, die uns auf der Fahrt im improvisierten Partywagen mit Getränken versorgen. Bei welchem Verein kann man schon sagen, dass zwischendurch die 1. Damen den Partywagen schmeißen?

In Hannover ist man ja arg stolz auf sein Polizeikonzept. Was jetzt auch nicht so anders ist als anderswo, man wird nur von Polizisten ohne Helm begrüßt. Aber solche menschlichen Selbstverständlichkeiten wie „Ich darf hingehen, wo ich will“ gibt es natürlich nicht. Das ganze wird dann absurd, wenn man nach dem Spiel über einen Bahnhof sowohl den Sonderzug, als auch den normalen S-Bahn-Verkehr mit Hannover-Fans abwickeln will. Wenn ich dort genügend Gelegenheiten habe, jemanden auf die Fresse zu hauen, warum lässt man dann nicht das Ganze sein und die Leute einfach hingehen, wo sie wollen?

Das es nach dem Spiel direkt vor dem Stadion zu extrem unschönen Szenen kommt, inklusive einem Liegenden noch ins Gesicht treten, sei erwähnt. Liegt natürlich auch daran, dass man auf der einen Seite Leute nicht ihrer Wege gehen lässt, auf der anderen Seite aber auch keine strikte Trennung versucht oder hinbekommt.

Es ist einfach bedauerlich, dass diese Mischung aus Hirnlosigkeit, falsch verstandener Rivalität und überschüssigem Testosteron einfach nicht aus dem Fußball heraus zu bekommen ist. Details haben wir nicht mitbekommen, ist aber auch egal. Wenn man jemanden auf die Nase hauen muss, nur weil er einen braun-weißen (oder auch grün-weiß-schwarz-roten) Schal anhat, dann sollte man sich dringend in ärztliche Behandlung begeben.

Zurück zu vor dem Spiel

Man könne selbstständig gehen, man solle der optischen Führung durch die Polizei folgen. So die Durchsage. Hatten die Polizeihelme statt Brotkrumen verstreut? Da unsere Ultras nicht im Sonderzug vorhanden sind, gibt es ein bisschen Verwirrung und nur sehr zögerlich setzt sich der Mob in Bewegung. Da sind wir schon los und bilden so mit zwei Fanladenhoschis gemeinsam die ungefähr harmloseste erste Reihe, die der Fußball je gesehen hatte.

Vor dem Stadion dann die Kontrollen des Todes. Ganz ehrlich: Diese Untersuchungen, als ob man in ein Hochsicherheitsgefängnis zu Besuch sei, sind einfach nur überflüssig und lächerlich und laden eigentlich dazu ein, sie zu umgehen und eine Pyroshow abzuziehen. Was wird am Eingang gefunden? Massenweise Betäubungsmittel zum Eigengebrauch. Freut sich irgendein Staatsanwalt garantiert richtig drüber, wenn er wieder 40 Verfahren einstellen darf. Uns wird nicht mehr in den Kopf gehen, warum das nun die Aufgabe von Fußballordnern ist, irgendwelche lustig riechenden Zigaretten zu suchen. Ach ja, natürlich war die Kontrolldichte wieder grob unterschiedlich. So wurden zwei sehr ähnlich große Powerbanken einmal zu unerwünschtem Material erklärt, einmal ganz selbstverständlich mit in den Block gelassen. Was für ein Blödsinn.

Immerhin einer der Gästeblöcke, in denen man halbwegs vernünftig sieht. Das ist ja heutzutage auch schon erwähnenswert. Und unter dem Dach, sodass sich doch insgesamt ein guter Support entwickelt.

Kommen wir zu Hannover

Schon als da „Kämpfen bis die Fetzen fliegen“ hängt, meinte unser Zyniker, dass es erstaunlich sei, dass da nicht „Fotzen“ stehe. Dieser Prophet, denn kurze Zeit später ist der Spruch dann in voller Schönheit zu sehen.

Was willst du dazu noch sagen? Irgendwie ist zumindest bei uns nicht mal mehr Feuer für Aufregen vorhanden. Es ist durch eine tragische, lähmende Gleichgültigkeit gewichen. Wir loben uns da doch die Leute, die sich noch aufregen und Hannover 96 fragen, wie es eigentlich sein kann, dass so ein Dreck 45 Minuten entspannt hängen bleibt. Tja, was willst du von einem Verein erwarten, dessen Biermarke im Stadion was von „Männer wollen das“ werbefaselt? Ja Hannover, es ist eben auch interessant, welches Vorbild man in seinen werbenden Aktivitäten setzt.

… oder dessen Matratzenladen werbend behauptet, dass er mehr Matratzen als auf der Reeperbahn habe. Neben der ekelhaften Herabwürdigung der Sexarbeiterinnen zeigt es auch, dass diese Provinzgestalten anscheinend noch nie auf dem Kiez waren, denn die Arbeit auf die angespielt wird, findet dann ja doch eher in den Seitenstraßen statt. Dies nur so ganz nebenbei.

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Habt ihr sicher schon gesehen

Man möchte unser ganzen dort arbeitenden Kolonie eigentlich die Frage zuwerfen, wie es sich anfühlt, bei einem solchen Verein zu arbeiten. Aber vielleicht ist das zu doll unterstellt, dass man bei einem Arbeitgeber wegen einer anderen Sache ist als des Geldes wegen.

Ein riesiges Herz an all die unermüdlichen Geister, die für solche Spiele Choreos vorbereiten, da hinschleppen und noch vor dem Bierstand zusammenkleben. Eure Knochenarbeit wird viel zu selten gewürdigt!

Auf dem Platz entwickelt sich ein typisches 0-0 Spiel, welches wir am Ende verlieren. Dummer Fehler und schon steht es 1-0. Erwartet jetzt keine tiefgreifende Analyse, aber die Jungs sind zur Zeit einfach nicht sicher genug, um a) diesen Fehler zu verhindern und b) offensiv sichere Pässe zustande zu bringen, um mal was zu bewegen. Zum Beispiel gibt es zwei Szenen, wo der Ball nach einer Stafette nur noch einen weitergegeben werden müsste auf einen mit Schwung kommenden und unbewachten Sobota; aber da ist keine Lässigkeit, keine Sicherheit und vielleicht auch keine Qualität, um solche Bälle zu spielen.

Woran fehlt es?

Irgendwie an dem Spieler, der mal den öffnenden Ball halbwegs spielen kann. Die ganze Geschwindkeit über außen kann sich nicht entwickeln, wenn du diesen Spieler nicht hast. Buchtmann sollte das sein, aber zur Zeit ist er es definitiv nicht. Nein, es ist nicht so, dass der Junge sich nicht ständig reinwürfe, aber die geforderte Qualität bringt er nicht auf den Platz. Zur Zeit zumindest. Ja, die Klugscheißer haben das schon immer gesehen, aber seien wir auch mal ehrlich: Solche Spieler gibt es nicht wie Sand am Meer und jeder sucht ihn. Daher tun wir uns hier schwer mit dem Vorwurf der falschen Kaderzusammenstellenung. Klar, z. B. Avevor ist bisher keine Verstärkung, aber niemand kauft nur Verstärkungen ein. Und wir wissen nicht, welchen Preis und welche Überlegungen mit diesem Jungen verbunden sind.

Auch lassen wir uns zu schnell durch ein simples, nicht einmal wirklich aggressives Pressing aus dem Konzept bringen. Es fehlt da auch die Ballschlepperqualität, die ein Ratsche letzte Saison am Millerntor noch zeigte. Es ist für beide Parteien bedauerlich, dass er lieber für Geld in der Operettenliga Österreich auf der Bank sitzt, als sich dieses Jahr am Millerntor sich für die Bundesliga zu empfehlen. Schade, der Junge fehlt dann doch und ist eben leider nicht ersetzt worden. Bzw. der Ersatz hat bisher nicht funktioniert. Und leider ist es ab und zu mal ein Spieler, der den Unterschied macht. Und natürlich der verkorkste Start. Man bedenke einfach, wir holen gegen 60 oder gegen Karlsruhe den Sieg. Dann würden viele Füße schon lockerer, viele Beine leichter sein. Sind sie aber nicht.

Durch die Sperre von Lasse fehlt nach einem 0-1 auch ein Spieler, der den Ausgleich erzwingen will. Zu brav ergibt man sich dann in sein Schicksal. Nein, es stimmt der Einsatz, aber dieses Es-einfach-mal-durch-die-Wand-drücken-wollen, was z. B. gegen Bielefeld da war, fehlt. Es ist sowieso unsere große Schwäche der letzten Jahre. Wir können keine Spiele drehen.

Es gilt nun irgendwie aus der Spirale auszubrechen. Immerhin kommen nun die „einfacheren“ Gegner, die aber eben nicht einfach sind und die absolut auf Fehler lauern werden. Fehler liefern wir genügend ab. Die Sicherheit und das Selbstvertrauen wieder in den Kader zu bringen, ist nun die große Aufgabe des Trainers. Ob er das kann, werden wir sehen. Das diese Aufgabe nie einfach ist, wissen wir auch alle.

Was können wir Fans tun? Wenig. Heute meckern und morgen schon wieder Stimme schonen und beim nächsten Spiel das Millerntor erzittern lassen. Ob es den Jungs hilft, wird sich zeigen. Hoffen wir, dass in der Pause vieles wieder sicherer wird, wir Aue in einem Zitterspiel schlagen und dann schon ganz anders nach Sandhausen fahren.

Nach dem Spiel also das oben beschriebene Gemische mit entsprechenden Folgen. Im Zug dann wieder alles entspannt, wir mit netten Nachbarn und viel Verpflegung (danke noch mal dafür), aber auch Leute, die denken, sie können sich eine Freifahrt erschnorren. Schade, dass es so etwas immer wieder gibt. Siehe oben.