Aug 222016
 

Leute, dieses Pokalding ist ja eigentlich nicht so unser. Statistisch sind wir zwar „nur“ 14 mal bei 30 Versuchen in der ersten Runde gescheitert. Dies ist jedoch nicht wirklich eine gute Quote, wenn man bedenkt, dass wir meistens der deutlich Klassenhöhere waren. Sagen wir es mal so: Die Quote von Bayern ist garantiert ein bisschen besser.

Das Losglück wollte es aber, dass wir nach Lübeck durften. Und so schön ja all diese überdachten Arenen sind, so schön ist es mal wieder ein richtiges Oldschool-Stadion zu sehen.

Die Anreise unserer Vertretung war einmal sehr spontan, einmal sehr geplant. Die geplante Reise wurde aber eine doch sehr spannende Angelegenheit, da Schleswig-Holstein eine einzige Baustelle ist. So waren wir am Ende in solchen Orten wie Klein Gladebrügge. Was will man eigentlich mehr? Spontan mit dem Zug fahren ist hingegen ganz angenehm. Zumindest wenn man die Polizei ein wenig hintergeht und sich in den fast menschenleeren Waggon setzt, der von staatlicher Seite für Heimfans ausgelegt war. „Die Lübecker erkennen Sie an den grün-weißen Sachen. Wenn Sie Hilfe brauchen, können Sie ja zu uns kommen“, sagte ein Beamter.

Nun gut, irgendwann waren wir in Lübeck, stehen da am Kreisel und warten auf den Marsch. Zu viert, daher noch neutral, denn ganz ehrlich: Wenn man zu viert ist und nicht wirklich so die Streetfighter-Qualitäten hat, dann verhält man sich so. Mit uns stehen da noch ca. vier andere Leute. Lübecker oder wer auch immer. Der Marsch kommt, schweigt, bleibt stehen, guckt in unsere Richtung und brüllt „Lübecker Arschlöcher“. Damit war dann das Niveau für diesen Abend bestimmt. Mal ehrlich Leute, wann sind wir eigentlich auf dieses Pimmelfechten der gegenseitigen niveaulosen Beleidigungen abgebogen? Ich mein, Lübeck ist echt nicht die hellste Kerze am Weihnachtsbaum (zu allem anderen siehe den Bericht des Übersteigers), aber muss man sich dann gleich auf dieses Niveau begeben? Und das bei einer Gruppe die zu 50 % aus FCSP besteht?

Ansonsten gab die Stadt sich provinziell. Traurig das leider. Bei Twitter wußte auch niemand eine Antwort auf die Frage, wann Lübeck eigentlich jegliche kulturelle Relevanz verloren hat und nur noch nostalgisch verklärter Kitsch geblieben ist. In der Weimarer Republik war Lübeck noch ein Zentrum kulturellen Lebens und heute stehen die EinwohnerInnen an den Fenstern und begutachten den Marsch, so wie man es eher in Sandhausen oder Heidenheim erwartet. Welch ein Treppenwitz der Geschichte wäre es, wenn die in der Heimkurve heißgeliebten Nationalsozialisten letztlich die Stadt in die Bedeutungslosigkeit getrieben hätten!

Zurück zum eigentlichen Spiel. Der Eingang zum Gästeblock erwies sich als ordentliches Nadelöhr und neben genauen Kontrollen war da auch eine gewisse Überforderung Grund. Mal ganz ehrlich: Wir sind nun garantiert niemand der Pyro ablehnt. Und wir amüsieren uns immer wieder, dass genau dann gezündelt wird, wenn am Eingang die super derben Kontrollen aufgefahren werden und Polizisten mit Sturmhaube und Helm auf (!) diesen Eingang sichern. Trotzdem darf man hier mal die „Muss es wirklich so sein?“-Frage stellen. Dies als Teaser für später.

Wir wissen ja nicht viel über Sicherheit und Fluchtwege und so, aber bei einem vollen Gästeblock den Getränkestand so zu stellen, dass seine Schlange mitten im Hauptfluchtweg steht, das kann nicht im Lehrbuch für Sicherheit stehen. Das vier Verkaufsleute für 2.200 durstige Gästefans mehr als zu wenig sind, war jedem außerhalb Lübecks klar.

Nun denn, im Block ging man zu den förmlichen Begrüßungen über, die sich auf ähnlichem Niveau wie oben dargestellt bewegten. Wann haben wir eigentlich jegliche Hemmungen verloren uns da mit in die Niveauspirale nach unten zu begeben? Haben denn alle schon die Zeiten vergessen, als wir noch Mentalitätsbananen in den Volkspark schicken wollten und infantilen Lübeckern eine Prise Stil wünschten? Mentalität und Stil erscheinen immer mehr als Fremdwörter, wenn man das so betrachtet.

Immerhin sorgte die Rauten Sexmachines (so zumindest seine Zaunfahne) für Erheiterung mit seiner Fahne und seinem Rumgeprolle neben dem Gästeblock. Was aber echt Abzüge im Style gibt war, dass sein Rautentrikot nicht die Rückennummer 69 hatte. Wenn schon dann konsequent. Die Zaunfahne wurden übrigens nach wenigen Sekunden von Ordnern entfernt. Aber er ist sicher der Typ Fußballfan, der auch die ganzen gruseligen deutschsprachigen Party-Fußball-Songs zuhause im Regal stehen hat, die im Stadion angehört werden mussten und gegen die sich jedes ästhetische Empfinden sträubt.

Die Stimmung war eher so naja und auch das Spiel auf dem Rasen kam über das Niveau eines netten lockeren Trainingsspiel selten hinaus. Dass man als Profiverein Probleme hat, in solchen Spielen eine gewisse Intensität zu erreichen, ist geschenkt, aber auch Lübeck entwickelte nie irgendeinen Pokalfight. Was aber auch daran lag, dass nie irgendwas wie eine wirkliche Stimmung aufkam. Im Heimblock sang man Schmähgesänge gegen den FCSP und auf der sonstigen Tribüne träumte man von Marzipan. Wieviel Dampf entwickelte gerade die neue Haupttribüne früher bei Spielen gegen den FCSP? Nicht im Sinne von Dauersupport, aber da klingelten die Ohren vom bepöbeln. Auch wenn im Gästeblock wenig verständlich war, erzählten „Zecken“ (die trotz aller Ankündigung nicht verwiesen wurden!) aus dem Heibereich später, dass rechtsextremen und antisemitischen Repertoire nicht viel fehlte. Nicht wirklich verwunderlich, traurig trotzdem. Provinzialität und so.

Kommen wir zum Pyro. Irgendwie steht bei uns Pyro für Feuer, für Energie, für Emotionen. Aber wenn man bei einem Buchmacher getrost 1.000 Euro darauf setzen kann, dass beide Seiten zündeln werden und dies auch teilweise komplett unabhängig von Spielgeschehen passiert, dann nutzt sich das ab. Es fehlt dann genau diese Emotion und irgendwie auch der Nervenkitzel, das Adrenalin. Und mal ganz ehrlich liebe Lübecker, diese „wir schmeißen Kram auf den Platz“ Nummer, die macht man entweder so konsequent, dass das eine „Sieg oder Spielabbruch“ Nummer wird, oder man lässt es.

MagischerFC VFB Lübeck FC St. Pauli August 2016 Pyro

Weiterhin nervt es, dass es bei Pyroaktionen immer ein paar Trottel gibt, die nicht wissen, dass es auch hier einfach Grenzen gibt, die man auch aus guten Gründen einhalten sollte. Und dazu gehört es diese komischen Leuchtraketen/Leuchtstifte/Leuchtkugeln, was auch immer das für Dinger waren, zu Hause zu lassen. Weil man die in einer sich bewegenden Menge eben nicht kontrolliert abschießen kann. Und dann gehen die flach weg und in einen Block. Und da gehen wir jetzt mal davon aus, dass niemand absichtlich auf den Polizeiblock gezielt hat. Auszuschließen ist dies natürlich auch nicht. Aber Leute, da stehen auch unsere Rollis und ihr seid alle nicht Olympiasieger im Schießen. Also lasst es einfach. Mal ganz davon ab: Wenn die BFE Eutin soviel Bock gehabt hätte, wie bei anderer Gelegenheit, wäre ein flächendeckendes Pfeffer für alle passiert und das ist auch nicht wirklich schön.

MagischerFC VFB Lübeck FC St. Pauli August 2016 Polizei

Nach dem Spiel 30 Minuten Blocksperre wurden angekündigt, dann aber nicht eingehalten. Der Sinn dieser organisierten Freiheitsberaubung wird sich uns nie erschließen, denn weder sind dann alle Leute von Heimseite abgezogen, noch bringt es sonst irgendwas.

Noch was zur Mentalitätsbanane? Wann genau ist es eigentlich cool geworden sich wie 80er Jahre Hooligans zu kleiden und einen auf klandestine Gruppe zu machen? So mit „ey hier stehen wir schlecht, wenn noch was gehen soll, lass uns mal in die Büsche“ (sinngemäßes Originalzitat). Und dass diese Gruppe ordentlich riesig geworden ist bei uns, lässt auch ein Fragezeichen in unserem Gesicht.

Man muss aber auch erwähnen, dass nix mehr passierte und so die besondersten Vorkommnisse eine geworfene Mateflasche blieben. Nun gut. Auch die Polizei verhielt – sofern für uns übersehbar – in den meisten Situationen vergleichsweise besonnen. So war auch der Großteil des Rückwegs zum Hauptbahnhof absolut entspannt. Ein auch sehr witziges Bild waren die langen Schlangen, die sich vor den Getränkeautomaten an den Bahnsteigen bildeten um noch was zu trinken und Müsliriegel zu bekommen. Um Freitag Mitternacht hat in Lübeck nämlich auch nichts mehr auf bis auf die Filiale einer Kette, die nicht gerade für ethisch vertretbares und delikates vegetarisches Essen bekannt ist. Auch während der Heimfahrt herrscht nicht gerade Feierlaune. Ganz ehrlich, hier mussten wir gewinnen. Mal sehen, wer als nächstes kommt. Unser Tipp: Mittwoch Abend nach Stuttgart.

  4 Responses to “Arschlöcher vs. Scheiße”

  1. Für den Zwischendurch, Sexmachine auf YouTube: https://www.youtube.com/channel/UC0ZOH9tl9NyZY-hAqHiXVpQ

    u. a. mit dem Spiel in Lübeck

  2. Teilweise voll albern der Text!!! Sitzt du auf der Hauptribüne und redest alles bunt und fröhlich herbei?

  3. Auf der einen Seite meckerst du über die verkommene Szene beim FC und dem niveaulosen Verhalten, um sich dann selber als arroganter Grosstädter aufzuspielen.
    Gleichsetzung von rechten Avancen und Provinzleben, inwieweit eine Stadt ihre kulturelle Relevanz verloren hat, weil du abends um 24uhr nicht mehr einkaufen kannst bleibt dann auch dein Geheimnis. Du solltest wissen das zu der Zeit nicht mehr allzu viel Züge fahren und es sich dann nicht lohnt aufzuhaben, Provinz und so.

  4. Nicht alles was einem so im Kopf rumgeht sollte vielleicht auch direkt veröffnetlicht werden…

 Leave a Reply

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

(required)

(required)

Blue Captcha Image
Refresh

*