Aug 222016
 

Leute, dieses Pokalding ist ja eigentlich nicht so unser. Statistisch sind wir zwar „nur“ 14 mal bei 30 Versuchen in der ersten Runde gescheitert. Dies ist jedoch nicht wirklich eine gute Quote, wenn man bedenkt, dass wir meistens der deutlich Klassenhöhere waren. Sagen wir es mal so: Die Quote von Bayern ist garantiert ein bisschen besser.

Das Losglück wollte es aber, dass wir nach Lübeck durften. Und so schön ja all diese überdachten Arenen sind, so schön ist es mal wieder ein richtiges Oldschool-Stadion zu sehen.

Die Anreise unserer Vertretung war einmal sehr spontan, einmal sehr geplant. Die geplante Reise wurde aber eine doch sehr spannende Angelegenheit, da Schleswig-Holstein eine einzige Baustelle ist. So waren wir am Ende in solchen Orten wie Klein Gladebrügge. Was will man eigentlich mehr? Spontan mit dem Zug fahren ist hingegen ganz angenehm. Zumindest wenn man die Polizei ein wenig hintergeht und sich in den fast menschenleeren Waggon setzt, der von staatlicher Seite für Heimfans ausgelegt war. „Die Lübecker erkennen Sie an den grün-weißen Sachen. Wenn Sie Hilfe brauchen, können Sie ja zu uns kommen“, sagte ein Beamter.

Nun gut, irgendwann waren wir in Lübeck, stehen da am Kreisel und warten auf den Marsch. Zu viert, daher noch neutral, denn ganz ehrlich: Wenn man zu viert ist und nicht wirklich so die Streetfighter-Qualitäten hat, dann verhält man sich so. Mit uns stehen da noch ca. vier andere Leute. Lübecker oder wer auch immer. Der Marsch kommt, schweigt, bleibt stehen, guckt in unsere Richtung und brüllt „Lübecker Arschlöcher“. Damit war dann das Niveau für diesen Abend bestimmt. Mal ehrlich Leute, wann sind wir eigentlich auf dieses Pimmelfechten der gegenseitigen niveaulosen Beleidigungen abgebogen? Ich mein, Lübeck ist echt nicht die hellste Kerze am Weihnachtsbaum (zu allem anderen siehe den Bericht des Übersteigers), aber muss man sich dann gleich auf dieses Niveau begeben? Und das bei einer Gruppe die zu 50 % aus FCSP besteht?

Ansonsten gab die Stadt sich provinziell. Traurig das leider. Bei Twitter wußte auch niemand eine Antwort auf die Frage, wann Lübeck eigentlich jegliche kulturelle Relevanz verloren hat und nur noch nostalgisch verklärter Kitsch geblieben ist. In der Weimarer Republik war Lübeck noch ein Zentrum kulturellen Lebens und heute stehen die EinwohnerInnen an den Fenstern und begutachten den Marsch, so wie man es eher in Sandhausen oder Heidenheim erwartet. Welch ein Treppenwitz der Geschichte wäre es, wenn die in der Heimkurve heißgeliebten Nationalsozialisten letztlich die Stadt in die Bedeutungslosigkeit getrieben hätten!

Zurück zum eigentlichen Spiel. Der Eingang zum Gästeblock erwies sich als ordentliches Nadelöhr und neben genauen Kontrollen war da auch eine gewisse Überforderung Grund. Mal ganz ehrlich: Wir sind nun garantiert niemand der Pyro ablehnt. Und wir amüsieren uns immer wieder, dass genau dann gezündelt wird, wenn am Eingang die super derben Kontrollen aufgefahren werden und Polizisten mit Sturmhaube und Helm auf (!) diesen Eingang sichern. Trotzdem darf man hier mal die „Muss es wirklich so sein?“-Frage stellen. Dies als Teaser für später.

Wir wissen ja nicht viel über Sicherheit und Fluchtwege und so, aber bei einem vollen Gästeblock den Getränkestand so zu stellen, dass seine Schlange mitten im Hauptfluchtweg steht, das kann nicht im Lehrbuch für Sicherheit stehen. Das vier Verkaufsleute für 2.200 durstige Gästefans mehr als zu wenig sind, war jedem außerhalb Lübecks klar.

Nun denn, im Block ging man zu den förmlichen Begrüßungen über, die sich auf ähnlichem Niveau wie oben dargestellt bewegten. Wann haben wir eigentlich jegliche Hemmungen verloren uns da mit in die Niveauspirale nach unten zu begeben? Haben denn alle schon die Zeiten vergessen, als wir noch Mentalitätsbananen in den Volkspark schicken wollten und infantilen Lübeckern eine Prise Stil wünschten? Mentalität und Stil erscheinen immer mehr als Fremdwörter, wenn man das so betrachtet.

Immerhin sorgte die Rauten Sexmachines (so zumindest seine Zaunfahne) für Erheiterung mit seiner Fahne und seinem Rumgeprolle neben dem Gästeblock. Was aber echt Abzüge im Style gibt war, dass sein Rautentrikot nicht die Rückennummer 69 hatte. Wenn schon dann konsequent. Die Zaunfahne wurden übrigens nach wenigen Sekunden von Ordnern entfernt. Aber er ist sicher der Typ Fußballfan, der auch die ganzen gruseligen deutschsprachigen Party-Fußball-Songs zuhause im Regal stehen hat, die im Stadion angehört werden mussten und gegen die sich jedes ästhetische Empfinden sträubt.

Die Stimmung war eher so naja und auch das Spiel auf dem Rasen kam über das Niveau eines netten lockeren Trainingsspiel selten hinaus. Dass man als Profiverein Probleme hat, in solchen Spielen eine gewisse Intensität zu erreichen, ist geschenkt, aber auch Lübeck entwickelte nie irgendeinen Pokalfight. Was aber auch daran lag, dass nie irgendwas wie eine wirkliche Stimmung aufkam. Im Heimblock sang man Schmähgesänge gegen den FCSP und auf der sonstigen Tribüne träumte man von Marzipan. Wieviel Dampf entwickelte gerade die neue Haupttribüne früher bei Spielen gegen den FCSP? Nicht im Sinne von Dauersupport, aber da klingelten die Ohren vom bepöbeln. Auch wenn im Gästeblock wenig verständlich war, erzählten „Zecken“ (die trotz aller Ankündigung nicht verwiesen wurden!) aus dem Heibereich später, dass rechtsextremen und antisemitischen Repertoire nicht viel fehlte. Nicht wirklich verwunderlich, traurig trotzdem. Provinzialität und so.

Kommen wir zum Pyro. Irgendwie steht bei uns Pyro für Feuer, für Energie, für Emotionen. Aber wenn man bei einem Buchmacher getrost 1.000 Euro darauf setzen kann, dass beide Seiten zündeln werden und dies auch teilweise komplett unabhängig von Spielgeschehen passiert, dann nutzt sich das ab. Es fehlt dann genau diese Emotion und irgendwie auch der Nervenkitzel, das Adrenalin. Und mal ganz ehrlich liebe Lübecker, diese „wir schmeißen Kram auf den Platz“ Nummer, die macht man entweder so konsequent, dass das eine „Sieg oder Spielabbruch“ Nummer wird, oder man lässt es.

MagischerFC VFB Lübeck FC St. Pauli August 2016 Pyro

Weiterhin nervt es, dass es bei Pyroaktionen immer ein paar Trottel gibt, die nicht wissen, dass es auch hier einfach Grenzen gibt, die man auch aus guten Gründen einhalten sollte. Und dazu gehört es diese komischen Leuchtraketen/Leuchtstifte/Leuchtkugeln, was auch immer das für Dinger waren, zu Hause zu lassen. Weil man die in einer sich bewegenden Menge eben nicht kontrolliert abschießen kann. Und dann gehen die flach weg und in einen Block. Und da gehen wir jetzt mal davon aus, dass niemand absichtlich auf den Polizeiblock gezielt hat. Auszuschließen ist dies natürlich auch nicht. Aber Leute, da stehen auch unsere Rollis und ihr seid alle nicht Olympiasieger im Schießen. Also lasst es einfach. Mal ganz davon ab: Wenn die BFE Eutin soviel Bock gehabt hätte, wie bei anderer Gelegenheit, wäre ein flächendeckendes Pfeffer für alle passiert und das ist auch nicht wirklich schön.

MagischerFC VFB Lübeck FC St. Pauli August 2016 Polizei

Nach dem Spiel 30 Minuten Blocksperre wurden angekündigt, dann aber nicht eingehalten. Der Sinn dieser organisierten Freiheitsberaubung wird sich uns nie erschließen, denn weder sind dann alle Leute von Heimseite abgezogen, noch bringt es sonst irgendwas.

Noch was zur Mentalitätsbanane? Wann genau ist es eigentlich cool geworden sich wie 80er Jahre Hooligans zu kleiden und einen auf klandestine Gruppe zu machen? So mit „ey hier stehen wir schlecht, wenn noch was gehen soll, lass uns mal in die Büsche“ (sinngemäßes Originalzitat). Und dass diese Gruppe ordentlich riesig geworden ist bei uns, lässt auch ein Fragezeichen in unserem Gesicht.

Man muss aber auch erwähnen, dass nix mehr passierte und so die besondersten Vorkommnisse eine geworfene Mateflasche blieben. Nun gut. Auch die Polizei verhielt – sofern für uns übersehbar – in den meisten Situationen vergleichsweise besonnen. So war auch der Großteil des Rückwegs zum Hauptbahnhof absolut entspannt. Ein auch sehr witziges Bild waren die langen Schlangen, die sich vor den Getränkeautomaten an den Bahnsteigen bildeten um noch was zu trinken und Müsliriegel zu bekommen. Um Freitag Mitternacht hat in Lübeck nämlich auch nichts mehr auf bis auf die Filiale einer Kette, die nicht gerade für ethisch vertretbares und delikates vegetarisches Essen bekannt ist. Auch während der Heimfahrt herrscht nicht gerade Feierlaune. Ganz ehrlich, hier mussten wir gewinnen. Mal sehen, wer als nächstes kommt. Unser Tipp: Mittwoch Abend nach Stuttgart.

Aug 152016
 

Oder:
Dann können wir uns ja ganz auf den DFB-Pokal konzentrieren.

Es ist Sonnabend, der 13. August. In diesem kühlen Sommer hat die 43. Saison der 2. Bundesliga begonnen. Nun soll das erste Heimspiel für den heißgeliebten FCSP steigen und wir sind frohen Mutes, dass da was Brauchbares herauskommt. Noch.

Kinder, Anpfiff um 15.30 Uhr, daran könnte man sich glatt gewöhnen! Um die Mittagszeit schmeckt das erste Bier nicht mehr ganz so unanständig wie in den Morgenstunden, zu denen man sich üblicherweise auf die Anreise zum Heiligen Rasen begibt. Auf dem Weg durchs Viertel sind zahlreiche Braunschweiger zu sehen, die sich noch den einen oder anderen gönnen. Von irgendwelchen Reibereien bekommen wir nix mit, die scheinen friedlich zu sein. Es sind ganz schön viele Gäste angereist – wenig überraschend bei der geringen Distanz und der ausnahmsweise mal fanfreundlichen Ansetzung.

Nach der langen Sommerpause die vielen bekannten Nasen wiederzusehen, das ist schon was Feines. Leider sind wir zeitlich etwas im Verzug und haben zu wenig Gelegenheit, alle Hände der guten Menschen zu schütteln, die da vorm Stadion herumwuseln. Also rein in den Block.

Millerntor, altes Haus, lange nicht gesehen

Hast dich kaum verändert! Frisches Grün in deiner Mitte, steht dir gut. Mit 9.000 (neuntausend!) Fahnen auf allen Rängen wirst du heute geschmückt, das dürfte sich doch sehen lassen. Und das tut es, so weit wir das selbst, im brandenden Fahnenmeer stehend, überhaupt wahrnehmen können. Ganz viel <3 für die fleißigen SchneiderInnen und FahnenverteilerInnen!

MagischerFC St. Pauli Eintracht Braunschweig August 2016-1

Im Fahnenmeer

Zwischendurch heißt es noch Abschied nehmen von Klaus Rummelhagen. Der schon vor einigen Wochen verstorbene Ex-Vizepräsident war einfach ein Guter – nun hat er leider den Kampf gegen den Krebs verloren. RIP und You’ll never wak alone, Klaus! Was ein bisschen wundert: In anderen Fällen verstorbener Vereinsgrößen gab es doch eine Schweigeminute oder nicht? Die jedenfalls fällt heute aus. Applaus gibt es dennoch für Klaus.

Fun Fact zu den Spieler-Nennungen: „Oi“ heißt nach Informationen einer Nebensteherin „Gurke“ auf Koreanisch. Wirft „Choi – Oi! Oi! Oi!“ in neues Licht.

Dann ist da leider Fußball.

Los geht’s im ersten Heimspiel 2016/2017. Das macht allerdings echt keinen Spaß zu gucken, denn bei den Braunweißen stimmt so gar nichts. EY! Der neue Spielertunnel soll die Gegner einschüchtern, nicht euch! In der ersten Hälfte von Halbzeit 1 spielt sich noch etwas mehr in der Braunschweiger Hälfte ab, aber eine echte Chance springt nicht heraus. Sobiech hat es zerlegt und er muss früh raus, gar kein gutes Zeichen. Und tatsächlich zerfällt jede Stabilität im Anschluss weiter, auch wenn Lasses Ausscheiden sicher nicht der einzige Faktor dabei ist. Von ihrem lauten Anhang gepusht, spielen die Braunschweiger deutlich cleverer als die Boys in Brown. Kumbelas Kopfballtor nach einer Flanke von der Mittellinie (!) aus kurz vor der Halbzeit ist dann der Moment, der kommen muss – so unnötig er auch ist. Alter, Hornschuh ist laut Kicker 16 Zentimeter größer! Was ist das für 1 Kopfballduell?

MagischerFC St. Pauli Eintracht Braunschweig August 2016-2

Etwas, was ein Fußballspiel werden sollte

Halbzeit zwo wird kein bisschen besser. Pässe, die man kaum als solche bezeichnen mag, immer wieder große Lücken, die IKEA-farbenen Spieler kommen viel zu leicht durch und dann leistet sich Gonther noch einen Riesenbock, der zum 0:2 führt.

Wir machen uns Sorgen um die Personalie „Kapitän“. Nicht nur, dass Gonther ja lange Zeit seine Zukunft im unklaren ließ. Ihm fehlt dazu noch Spielpraxis und wirkt, wenn er denn auf dem Platz steht, nicht wie ein Leitwolf. Nur in der Kabine zu führen, das haut in unserer bescheidenen Wahrnehmung nicht richtig hin. Dass nach seinem Fehler zum 0:2 keiner der anderen Spieler auf ihn zukommt, um ihn aufzumuntern, spricht Bände. Und auch von den Rängen kommt nicht sooo viel Erhebendes, ehrlich gesagt kein Wunder. Den Glauben, dass auch in 23 Minuten das Spiel noch zu drehen ist, hat man bei dem Team einfach nicht.

Da ist irgendwie der Wurm drin

Der Zustand der Mannschaft gibt nun also schon – nach gerade mal zwei Spieltagen – Anlass zur Sorge. War die erste Halbzeit in Stuttgart noch ansehnlich und von vergänglichem Erfolg gekrönt, stimmt seitdem nichts mehr. Der Auftritt des FC St. Pauli beim ersten Heimspiel ist nahe an der Vollkatastrophe und es gibt dringenden Handlungsbedarf. Hoffen wir mal, dass Ewald schleunigst Mittel und Wege findet, um der blutleeren Truppe wieder Leben einzuhauchen. Ansonsten müssen wir uns auf eine ganz frostige Saison gefasst machen.

Aug 092016
 

Stuttgart. Eine Stadt mit wenig Platz und vielen Unternehmungen.

Das kann nur zu einer gewissen Enge führen. Wenn man dann noch eine Baustelle der Größe Stuttgart 21 hat, dann wird das schnell zu einem sehr engen Chaos. Nein, wir wollen jetzt hier nicht über die Sinnhaftigkeit von Bauprojekten diskutieren, aber zurzeit ist selbst der S-Bahn-Verkehr in Stuttgart staugeplagt.

Ja, S-Bahn, denn unsere Auswärtsdelegation nutzt diesmal den Flieger. Um dann festzustellen, dass immerhin alle 20 Minuten eine S-Bahn vom Flughafen in die City geht. Dafür aber immerhin direkt in Richtung Stadion. Wir müssen aber noch die Guten und die Alten aufsammeln und fahren dann ein Stück U-Bahn, um dann einmal ums Stadion herum zu müssen. Der direkte Weg in den Gästeblock ist dann auch noch verbaut, setzt man doch heutzutage auf „strikte Fantrennung“. Was schlichtweg Bullenscheiße ist, wenn alle Leute auf den Zuwegen sowieso – nebenbei friedlich – nebeneinander her laufen. Oder der Assikram halt nach dem Spiel in der Stadt passiert. Das eine Käfighaltung nun deeskalierend oder gastfreundlich sein soll, das glauben wahrscheinlich nicht einmal die größten Freunde von Betonmonumentalbauten. Der Gästebereich im Stuttgarter Neckarstadion (seit neustem nach der Tochter eines deutschen Ingenieurs benannt), ist aber genau so gestaltet. Beton, Metallsichtblenden und Stachel. Sehr einladend.

Ach was meckern wir, wenn die Fanladen-Bus-Crew entweder Mietwagen auf eigene Kosten buchen musste oder der liegengebliebene Bus dann immerhin zur zweiten Halbzeit vor Ort war.

Der Gästeblock im Inneren …

… ist dann ganz okay. Nicht super toll, alleine schon weil mit diesen unsäglichen Klappsitzen an Hühnerstangen ausgestattet; aber man hat eine ordentliche Sicht und ist auch nicht zu weit weg. Die Zugänge und der „Vorraum“ hingegen ist beklemmend und betonig. Muss irgendwie nicht sein.

Was auffällt ist die Uniformität der Stuttgarter Anhänger. Und das ist jetzt gar nicht negativ gemeint. Eine Quote von gut 90 % aller Zuschauer erscheint mit weißen Trikot mit Brustring. Ob das nun genau zu diesem Spiel aufgerufen war oder da einfach Standard ist, keine Ahnung, aber es ergibt ein schon sehr beeindruckendes Bild.

Der Gästeblock gut gefüllt und insgesamt 60.000 vermeldete Zuschauer sind eine sehr ordentliche Kullisse für ein Montagabendzweitligaspiel (jemand Bock auf Galgenraten?). Wobei die Nennung von Zuschauerzahlen mit vier Nullen am Ende irgendwie witzlos ist. Das ist dann so grob aufgerundet (von abgerundet wird hier wohl keiner sprechen), dass der Informationsgehalt äußerst gering ist.

Zum Spiel

Ja, das ist nett anzusehen, wenn zwei Mannschaften in hohem Tempo Fehlpässe austauschen. Und es ist nett anzusehen, wenn die Gastmannschaft das Konzept der zweiten Liga verlässt und mal versucht, ein bisschen mitzuspielen und das Ganze relativ offensiv zu lösen. Nur ob dies ein wirklich Erfolg versprechendes Konzept ist, da bleiben dann doch Zweifel. In Liga 2 ist „kompakt, kompakt, kompakt“ in den letzten Jahren ein beinah durchgängiger Erfolgsgarant gewesen. Und dies geht beiden Mannschaften doch deutlich ab. Hinzu kommt eine beidseitige Ballunsicherheit. Viele Pässe, die nicht mal wirklich in einer Bedrängnis geschlagen werden, landen beim Gegner. Was normalerweise in Liga 2 tödlich ist. Diesmal erstmal nicht, weil die jeweils andere Mannschaft es schnell nachmacht.

Als dann unsere Jungs endlich mal nicht den Ball verlieren, sondern präzise und schnell durchspielten, steht es nach einer Killerflanke von Fafa auch 0-1. Soweit so gut. Man will nun das Tempo nicht herausnehmen und wenn der Pfosten 10 Millimeter weiter links wäre, dann würde dieser Mut (dieser Wahnsinn?) mit dem 0-2 belohnt. So geht schon zum Ende der ersten Halbzeit der Druck verloren und Stuttgart hat auch seine Chancen.

Halbzeit zwo

… um dann immer unsicherer zu werden. Und eigentlich hat der FCSP das Ding im Sack, nur damit er dann genau in die typische Falle in der zweiten Liga rennen soll. Zu offensiv stehen, ein schneller Antritt eines einzelnen Spielers, einmal nicht konsequent mitgegangen und drauf gegangen und schon steht es 1-1. Und dies erwächst direkt aus dem Ballverlust am gegnerischen Strafraum. Das darf einfach nicht passieren. Ganz dummes Ding.

Und danach findet die Mannschaft einfach nicht in eine Ordnung. Offensiv weitermachen? Defensiv werden? Zwei Stürmer raus, zwei rein, macht es nicht besser. Im Gegenteil. Nun ist alles in Unordnung anstatt in Ordnung. Im Stadion denkt man noch, dass der Wechsel okay sei, hatten Fafa und Aziz doch vorne malocht wie die Bekloppten. Rückblickend findet hier aber der Bruch statt. Stuttgart nun mit Oberwasser und mehr Kraft. Der Siegtreffer fällt spät, glücklich, aber eben auch nicht ganz unverdient, weil Stuttgart halt bis zur letzten Sekunde anrennt.

Was uns Sorgen macht …

… ist die fehlende Kompaktheit/Ordnung, wie ihr das auch immer nennen wollt. Genau das war unsere Stärke letzte Saison. Diverse Zu-Null-Spiele von Skyman drücken das deutlich aus. Und die fehlte diesmal, gerade in Halbzeit zwei. Auch wenn Buchti viel wegfängt, hat Stuttgart immer wieder viel zu viel Platz. Und auch wenn wir uns jetzt wiederholen: Genau diese fehlende Ordnung ist in Liga 2 ein absolutes Genickbruchding.

Punkt wäre drin gewesen, aber dann muss man eben die Kompaktheit 90 Minuten haben und auf deutlich weniger Ballverluste kommen. Und wenn man mal einen Ball verliert, dann muss schnell zurück gearbeitet werden. Das fehlt. Und das wird gegen eine Mannschaft, die nicht jeden gewonnenen Ball sofort verstolpert, noch mehr gefragt sein. Zwingend einfacher wird es gegen Braunschweig nicht. Ach ja: Ein, zwei Spieler im defensiven Bereich sehen echt teilweise richtig alt aus bei den Gegentoren. Aber hey, die sind das Ende von Fehlerketten, und wenn sie einen riesigen Tag haben, dann retten sie das cool. Haben sie aber diesmal nicht.

Nun ja, es ging zurück in die Betonwüste und zu unserem Schlafplatz. Danke Paupi. Danke, dass es dich und dein Sofa gibt!

Heute noch mit Präsident und Aufsichtsratsvorsitzende in einer Maschine zurück geflogen und nun schon fertig mit dem Bericht.

Aug 032016
 

Aus gegebenen Anlass heute mal ein kleiner Zwischenruf:

Wie ihr bei den hochgeschätzten Straßenbloggern im Detail nachlesen könnt, ist ein Journalist einer nicht sehr beliebten Zeitung erneut in Klamotten aufgelaufen, die äußerst zweifelhaften Kreisen zuzuordnen sind. Und wir formulieren ab jetzt bewusst vorsichtig und zurückhaltend. Auch weil wir eben nicht diese komische Zeitung sind.

Die Betonung liegt hier auf „erneut“, weil schon vor einiger Zeit ein Vorfall ähnlicher Art von Fans dokumentiert wurde. Es entzieht sich unserer Kenntnis, was damals vom Verein (von der Pressestelle, von wem auch immer) mit dieser Person (oder seiner Redaktion) besprochen wurde. Geht uns im Notfall auch nix an.

Nun also erneut so eine Klamottenwahl. Wir verlangen von niemanden, dass er jede Klamotte kennt, die gerade bei Hooligans, Nazis und anderen finsteren Personen in Mode ist. Das mal vorab. Anderseits ist es ja auch so, dass diese ganzen Klamotten so aussehen und so gestaltet sind, dass sie angeblich „harten Jungs“ gefallen und sie in diesem sehr zweifelhaften Umfeld, produziert, vertrieben und getragen werden. Anders gesagt: Man bekommt so etwas nicht einfach mal so bei C & A. Thor Steinar sollte jetzt auch der letzte Trottel mitbekommen haben, aber bei Yakuza hätten wir auch eher gesagt, dass diese Marke doll nach Türsteher, Muskelprotz, Bodybilder und Hooligan aussieht und daher eher zweifelhaft ist, als dass wir sicher gesagt hätten „beliebt bei Neonazis“. Wobei diese ganze Türsteher- etc. Szene für uns schon eklig genug wäre, um so einen Schund nicht anzuziehen.

Daher ist zumindest eine Sache beweisbar: ein Hang zu hässlichen Klamotten aus hässlichen Umfeldern.

Was im Kopf so eines Menschen vorgeht, das wissen wir nicht. Vier Erklärungsmuster gibt es.

  1. Er ist extrem unsensibel und einfach unfassbar dumm, was die Klamottenauswahl angeht.
  2. Er hat einen Hang zu der „harten Jungs“ Szene, denn nur in diesen Shops bekommt man so einen Kram.
  3. Er ist überzeugter Neonazi.
  4. Er weiß schon ganz genau was er da trägt und will provozieren.

Können wir nicht wissen und wir wollen auch nix unterstellen. Wir sind eben keine Zeitung mit vier Buchstaben.

Aber was wir wissen, ist, dass ein Mensch mit solcher Vorliebe für diese Klamotten nix beim FCSP zu suchen hat. Alleine schon weil unsere Stadionordnung natürlich auch gegenüber Pressevertretern gilt. Und diese in diesem Punkt bewusst allgemein und deutlich formuliert ist. Nun wollen wir – bei aller Sympathie für diese Forderung – nicht gleich schreiben „Schmeißt die Blöd raus und alle ihre Reporter“, aber bei aller Pressefreiheit könnte auch diese Zeitung mal überlegen, ob sie nicht noch irgendeinen jungen Reporter hat, der besser zu uns passt. Und vielleicht kann der Verein diesen Gedanken in aller angemessenen Form unterstützen? Informiert sind die zuständigen Stellen bei unserem liebsten Verein und man wollte das „prüfen“.

Und für den Herren gibt es doch garantiert andere Aufgaben im Konzern Axel Springer. Wie wäre es mit Hauptarchivar? Da werden Klamotten wenigstens schnell dreckig.

Aug 012016
 

Gedanken zum Testspiel gegen den FC Sevilla

Es ist schwer, die zweite Liga vorherzusagen. Während man in der ersten Liga garantiert eine gute Chancen hat richtig zu liegen, wenn man Dortmund und Bayern auf 1 und 2 tippt, wäre ein solcher Tipp in der zweiten Liga immer sehr gewagt. Natürlich gibt es auch hier Favoriten und Außenseiter. Für die beiden Absteiger gibt es traditonell leicht zu benennende Favoriten; Sandhausen und Würzburg die großen Außenseiter. Aber ruft mal in Paderborn oder Darmstadt an. Dann wisst ihr, wie präzise solche Vorhersagen sind.

Und irgendwo in diesem Mix ist der FCSP. Wo genau kann niemand sagen. Man hat versucht, das Team vorsichtig weiterzuentwickeln und Abgänge zu ersetzen. Ob dies geklappt hat, wird die Zeit zeigen.

Erste, vielleicht zarte Erkenntnisse gibt dafür das Spiel gegen Sevilla. ABER solche Spiele sind immer sehr mit Vorsicht zu genießen. Wir zumindest sind keine Experten, ob dies nun der A-, B- oder C-Kader des FC Sevilla war. Ein Vergleich mit der Aufstellung im letztjährigen UEFA-Euro-League-Finale zeigt immerhin einige Übereinstimmungen, sodass dies nicht die erweiterte A-Jugend war, die Celtic ja z. B. gerne mal ans Millerntor geschickt hat.

So dominiert Sevilla an diesem Tag auch das spielerische Geschehen in der ersten Halbzeit, ohne nun Torchance auf Torchance zu haben. Unsere Jungs agieren noch deutlicher in einem 4-4-2 als letzte Saison. Und selbst bei hohem Druck wandelt man die Abwehrkette nicht in eine Fünf-Mann-Kette um, was letzte Saison ständig gemachte wurde. Vielmehr wird versucht, in zwei sehr eng aufeinander spielenden Ketten zu verteidigen. Ob dies dann auch in der regulären Saison der Plan ist, wird sich zeigen. Die Abwehrkette steht dabei höher als letzte Saison und man überlässt dem Gegner nicht so stark das Mittelfeld.

Die Spieler in Braunweiß

Vorne mit Fafà und Bouhaddouz zwei echte Stürmer, die viel auf die Flanken ausweichen und die noch nicht perfekt abgestimmt sind. Was aber gefällt, ist, dass der Bouhaddouz sehr beweglich wirkt und mit etwas mehr Auge als Thy in der letzten Saison. Aber wie schon gesagt: Alles Annahmen auf sehr kleiner Erfahrungsbasis. (Die Amis sagen dazu „small sample size“ und das ist so schön, wie es unübersetzbar ist.) Das 1-ist war dann ein sehr schöner Spielzug mit Tempo und Druck. In der zweiten Liga hätte Bouhaddouz den letzten Ball wahrscheinlich verloren, als er ihn doch ordentlich springen lässt. Aber der dann folgende perfekte Abschluss macht auch Hunger auf mehr.

Was uns definitiv fehlt, ist ein Spieler, der aus dem Mittelfeld einen Angriff präzise und schnell einleiten kann. Die mittleren zwei Positionen der Mittelfeldkette besetzen Avevor und Buchti; und bei aller Liebe, aus beiden wird dieser Typ Spieler nicht mehr. Auf Außen mit Kalla und Hedenstad zwei Spieler, die sich extrem bemühen. Wir denken, Kalla wird auch diese Saison eher wieder der zwöflte Mann sein; derjenige, der bei Verletzungen oder Formschwäche alle Positionen übernehmen kann. Auf den Außenbahnen stehen mit Ryo, Sobotta etc. pp garantiert offensiv stärkere Spieler als er zur Verfügung. Oder dies ist der „Auswärtslook“, wo die Außen im Mittelfeld halt eher defensiv denken sollen und müssen. Mal abwarten.

Hedenstad gefällt sehr. Der Junge hat ein gutes Tempo und eine ordentliche Technik.

Was nicht so gefällt? Zwei Abwehrfehler, zwei Tore. Und eben häufig nicht genug Tempo im Umschalten von Abwehr auf Angriff. Da mal schneller den zweiten Risikopass zu spielen ist genauso schwierig wie selten bei uns.

Zum Drumherum

16.000 Zuschauer geben dem ganzen einen ordentlichen Rahmen. Sevilla-Fans eher keine, die lebenslangen Dauerkarten sind vom Verein auf VIP-Plätze eingeladen. Umsonst ist das Catering da ganz nett, wenn wir dafür richtig Geld zahlen würden, sähe das anders aus. Wenn ihr uns fragt. Autogrammstunde, Musik etc. folgten nach dem Spiel.

Wichtige Dinge im „drumherum“? Der FCSP hat das Team der Geflüchteten des FC Lampedusa unter seine Fittiche genommen, was insbesondere ganz viel Unterstützung bei der Logistik bedeutet. Details zum neuen FC Lampedusa St. Pauli findet ihr hier. Ein Spieler von Lampedusa macht dann auch den feierlichen Kick Off unter lautem Beifall von den Rängen. Weiterhin sind viele Geflüchtete im Stadion als Zuschauer. Alles nur kleine Gesten des Miteinanders, die hoffentlich weiter politischen Druck aufbauen und einen gesellschaftlichen Gegenpol zu den Hetzern der Marke Seehofer schaffen.

Und mehr gibt es nicht zu berichten. Erster Test dieser Eindrücke dann am nächsten Montag in Stuttgart.

Noch eine Anmerkung: Kapitän des Haufens ist wieder Gonther, ein Spieler, der eher selten spielen wird, wenn keine Verletzungen passieren. Dies gepaart mit seinen Karlsruhe-Ideen wirkt auf den ersten Blick komisch. Lienen ist aber wohl eher wichtig, dass es ein Spieler ist, der in der Umkleide und auf dem Trainingsplatz führt. Und da kann man sich Gonther sehr gut vorstellen. Ein Spieler halt, der in der Kabine „Schnauze“ sagt und alle sind ruhig. Wir haben mit Kalla, Sobiech und auch bald Hornschuh noch mehr geborene Führungsspieler, sodass es uns an dieser Gruppe nicht mangeln wird.