Jul 152016
 

Worte vor den Worten

Gestern war die Pressekonferenz zur Trikotvorstellung und wie es langsam gute Praxis ist, wurden neben der versammelten Presse auch Blogger eingeladen.

Empfangen wurde man im Vorraum der Geschäftsstelle, wo Under Armour (UA ab jetzt) aufgefahren hatte. So reichte man kleine Cocktailhappen. Ein Vorgeschmack auf das, was man wohl so ein bisschen mit Clash of cultures beschreiben kann. Klar, das ist ein leeres Stichwort und sehr plakativ, aber wir wollen es trotzdem mal benutzen.

So richtig denkt man beim FCSP ja immer noch nicht an Cocktailhappen und hochwertiges Fingerfood. Aber nun gut. Das ist ein Sponsor und der will sich damit natürlich auch ein bisschen wohlwollende Presse erkaufen. Das ist aus unserer Sicht vollkommen legitim, aber man muss das eben auch werten können.

Die Kampagne

UA hat die ganze Kampagne unter das Stichwort „Welcome hell“ gestellt. Warum man hier das „to the“ weggelassen hat, wissen wir nicht, es waren auch auf dem Podium keine Nachfragen vorgesehen, sonst hätten wir mal gefragt. Kann natürlich rechtliche, inhaltliche oder auch werbetechnische Gründe haben. Diese Sponsorenschlagwörter existieren, man kann sie nervig finden, man muss sie aber wohl als Realität hinnehmen. Sie müssen einen ja nicht ansprechen. Und besser als „First never follows“ ist das definitiv.

Oke begrüßte den Mob (Achtung: Alle Zitate bitte mit Vorsicht, weil wir nur ganz schnell mit-geschrieben haben und Fehler absolut nicht auszuschließen sind. Einen unserer Fehler korrigierte Oke gestern schon per Twitter, danke dafür. In Klammern ein paar Anmerkungen von uns.) mit den Worten, dass dies unsere Heimat sei (war das so eine kleine Spitze gegen die Happen?) Dies sei eine Partnerschaft wo man sich auch in einigen Dingen gegenseitig herausfordern würde. (Für einen reinen Werbetermin wurden die gewissen Zweifelsfragen die man bei UA haben kann doch relativ deutlich und offen angesprochen. Das gefiel.)

Gehen wir durch den Gang

Das Programm startete mit einer Führung durch einen massiv umgestalteten Kabinengang. Ach ja, wir verzichten jetzt mal größtenteils auf Fotos, die findet ihr viel besser auf der offiziellen HP und in der Presse.

Man hat nicht nur Heim- und Auswärtskabine getauscht, was einem Wunsch der sportlichen Leitung entsprach, sondern man hat auch den Kabinengang umgestaltet. Sven Brux erläuterte dieses und meinte, der Gang hätte vorher ja den Charme eines UKE (Universitätsklinikum Eppendorf für die Nicht-Hamburger) Kellerganges gehabt. Nun sei das mehr St. Paulimäßig. Man habe das sowieso umgestalten wollen und da UA sich dort auch habe präsentieren wollen, hat man das gemeinsam gemacht. Dann wären die Werber gekommen und hätten einige crazy Ideen gehabt, die man auch teilweise hätte wieder einfangen müssen, weil es gewisse Vorgaben bei Laufwegen und ähnlichem gäbe.

Ja will so man nun den Kabinengang beschreiben? Schwarz, auf der linken Seite ein „I will“ (als Trademark gekennzeichnet) und darum Unterschriften unserer Spieler. Das ist natürlich SEHR amerikanisch, wo solche Motivationssprüche im Kabinengang bei Sportteams die Regel und auch eine lang gepflegte Übung sind (in Europa fällt uns gerade spontan nur das „This is Anfield“ Schild als Klassiker ein.), es sollen dort weitere Spielerunterschriften über die Jahre gesammelt werden. Dann viele Künstler, die sich an der Wand verewigt haben. Sven Brux sprach von einem Drogentrip („Wobei ich natürlich nicht weiß, wie sich das anfühlt“, fügte er unter Gelächter hinzu) und das trifft es schon sehr gut. Letztendlich ist ein dreidimensionaler Totenkopf aufgebracht, der in die Mix-Zone endet. Diese ist nun wie ein Bolzkäfig (das ist nicht unsere Beschreibung, sondern die von Brux benutzte, unsere Assoziation war eher Kaiserkeller, der sah mal ganz früher so aus, wie unser Opi sagte) gestaltet. Gitter und Metall prägen das Bild. Auch der Spielertunnel hat nun eine entsprechende Optik und ist aus Metall und auch hier ist ein dreidimensionaler Totenkopf verewigt.

Hm. Ja, ganz nett. Wie immer auch sehr Geschmackssache. Diese Spielertunnel mit dem Charme des UKE haben natürlich auch irgendwie was bodenständiges, nicht vermarktetes, ursprüngliches. Aber anderseits ist schwarz, Metall und Totenkopf natürlich auch eine nette Optik.

Wie UA sich sieht

Im Spielertunnel dann die Pressekonferenz. Geleitet von Sascha Bandermann (Sky), was wir erstmal erstaunlich fanden, dass man für so etwas einen externen Moderator engagiert. Aber nun gut. Das ist halt eine Show. Ob eine solche Show für eine Trikotpräsentation notwendig und angemessen ist, sei mal jedem selbst überlassen.

Natürlich folgte nun kein journalistisches Interview, sondern Sascha Bandermann betätigte sich als eloquenter Stichwortgeber. Das machte er selbst nicht extrem anbiedernd, sondern sachlich und elegant. Und machte über seine Rolle noch kleine Witzchen. Dazu noch in einem sehr flüssigen gutem Englisch.

Es gab erstmal ein Werbefilm über UA, der halt amerikanisch war. Freunde des gepflegten Antiamerikanismus werden hier Millionen Angriffspunkte finden (wie in ganz vielen anderen Dingen), ist definitiv nicht unser Ding. Der Film, aggressiv geschnitten, ganz viel Training und „work hard“-Ethos und ganz viel „winning“ und „Team“ etc. Auch sehr amerikanisch, was jetzt keine inhaltliche Abwertung ist, sondern eine rein sachliche Feststellung. Da muss man sich nur die Social Media Auftritte von Amis vs. Europäern angucken. Bei den Amis wird dieses „work hard“ vielmehr nach vorne geholt, als bei den Europäern. Das heißt nicht, dass die nun weniger arbeiten, es wird halt anders verkauft. Und ist natürlich jetzt nur unser subjektiver Eindruck. Dazu wurde die Marke immer als „young“ und „agressiv“ dargestellt und diese Stichworte zogen sich durch die Präsentation. „Make athletes win“ ist so ein anderer Spruch. Das dann relativ schnell gesagt wurde, das würde ja von der „Marke“ zum FCSP fassen, lies uns ob der ja bekannten sportlichen Erfolge des FCSP doch ein bisschen schmunzeln. UA empfindet sich aber als anders und will sich auch so ein bisschen als kleiner, schneller, aggressiver Konkurrent zu den Schwergewichten der Branche präsentieren. Das passt dann natürlich schon zum FCSP.

Die Erfolge nun runter zu reissen, die UA Athleten in den USA erreicht haben, sparen wir uns mal. Der für europäische Ohren wahrscheinlich bekannteste Athlet ist Steph Curry, aber auch Bryce Harper (BÄÄÄÄH sagt unser Baseballexperte) und andere Superstars des amerikanischen Sportes.

Danach sagte Chris Bale (Europachef UA) ein paar Worte (auf englisch, so dass hier die Zitate bitte noch mehr mit Vorsicht zu genießen sind). Er begrüßte die Leute mit „Moin Moin“ und sagte dann, dass dies sein ganzes Deutsch sei (Okay, der weiß wie er Leute begeistert). UA sei 20 Jahre als, der Gründer habe College Football gespielt und damals gab es noch nicht mal Kompression Unterwäsche. Dies habe er dann entwickelt und habe damit Freunde und Teamkollegen ausgestattet, da sein College Team sehr gut gewesen sei und 10 Spieler in die NFL gekommen sei, habe sich die Marke schnell rumgesprochen und damit sei der Beginn gelegt. (Ob dieser Gründungsmythos stimmt, ist wie bei allen Mythen um Gründungen schwer zu sagen, lassen wir mal so stehen).

Man habe vor zwei Jahren begonnen eine Europastrategie zu entwickeln und sei dann schnell auf den FCSP gekommen, weil man „something different“ gesucht habe. Man habe etwas gesucht, was man den US-amerikanischen Direktoren, die keine Ahnung haben von Fußball habe verkaufen können. Als erstes habe man in Europa Memphis Depay unter Vertrag genommen, der sei „our kind of athlete“ er sein nicht der talentierteste, aber würde hart arbeiten. Gleiches wurde über Andy Murray gesagt. Lustigerweise wurde als Fußballer auch Tah genannt.

Danach habe man Vereine gesucht und auf Southampton und St. Pauli gestoßen. (Wo die Gemeinsamkeiten dieser beiden Vereine sind, könnt ihr mal versuchen zu ergründen. Uns ist das unklar.) Was aber hier von allen betont wurde und wohl auch richtig ist UA ist wohl frühzeitig und aggressiv auf den FCSP zugekommen. Das ist wohl eher ungewöhnlich in diesem Geschäft.

Man habe dann über Weihnachten abgeschlossen. Lustig: Das ganze wird mit einem Foto des Bunkers mit Pyro (ihr erinnert?) unterlegt und Chris Bale spricht von „our kind of communication“. Ich hoffe der FCSP hat eine Klauseln drin, dass die ab jetzt die Pyrostrafen zahlen, dann liefern wir denen gerne noch ein bisschen ihrer Art der Kommunikation. 😉

Insgesamt sei es ein „perfect match“

Man wolle dem Team helfen zu gewinnen (wir lachen), dies nicht nur über Textilien, sondern auch über die geplanten und schon vorhandenen Apps. (Zur Erklärung: UA hat auch so ganz viele Fitness Tracker und Fitness Seiten im Angebot und will das alles mit dem reinen Textil vernetzen (sic!) und alles in einem anbieten.) UA hat Fitnessplattformen mit ungefähr 160 Millionen Nutzern weltweit. U.A. auch 20.000 in Hamburg, was ein guter Start sei. Die Genderbalance sei 50/50 (wir könnten nicht so richtig erahnen, ob nun weltweit oder in HH), was sehr ungewöhnlich für solche Seiten sei und toll. (Das so etwas in den Vordergrund gestellt wird, ist auch sehr amerikanisch, wo Firmen zumindest in ihrer Präsentation so etwas wie Gender Gleichheit hoch halten.)

In der Zukunft wolle man, dass bei einem Fitnessnetzwerk an UA gedacht werde, so wie man bei Social Network an Facebook denke.

Er fragte dann die Leute, ob sie wüssten, was ihre Blutgruppe sei. Es gingen vielleicht zwei Arme hoch. Und er sagte dann, dies sei normal, die Leute wüssten mehr über ihr Auto, als über ihren Körper. Dies wolle man ändern. (Jo, der Junge kann sich und die Idee seiner Firma verkaufen, das muss man absolut ihm lassen.)

Was wir als nervig empfanden: Man hatte natürlich ganz viele Helfer engagiert, die sich um die Gäste kümmerten und die hier auch als Stichwortklatscher fungierten. Das ist in einer Pressekonferenz eher komisch.

Mehr als ein Sponsor?

Als Willkommensgeschenk bekam dann Oke ein Modell des neuen Gitterraumes überreicht, was er nach eigenem Bekunden in das Museum bringen werden. Oke selber überreichte ein Refugees Welcome-Shirt.

Oke sagte dann, das dies mehr als ein Sponsor sei, man wolle Ideen miteinander anschieben und sei im direkten Dialog miteinander soziale Projekte anzuschieben und habe dafür auch einen eigenen Etat im Vertrag. (Auch dies ist gerade im US amerikanischen Sport absolut Gang und Gäbe.) Details wurden nicht erläutert. (Und natürlich muss man auch abwarten, ob und was sich aus diesen Worten entwickelt. Erstmal sind das nur leere Ankündigungen. Ob die dann mit Inhalt gefüllt werden oder ob man in drei Jahren enttäuscht getrennte Wege geht wird sich zeigen.)

Man habe von einem Sponsor einen so umfassenden Support noch nicht erlebt, dies werde die Spieler auch körperlich besser machen.

Weiterhin habe man vereinbart ein Budget für Nachwuchsspieler zu haben, die man (wie später Rettig ergänzte) so auch hofft an den Verein binden zu können. So nach dem Prinzip „ihr bekommt hier zwar nicht die riesige Kohle, aber die geilste Ausrüstung und Unterstützung“. Auch dieses Budget sei außergewöhnlich, meinte Oke, er habe da auch mal in die Historie der Ausrüsterverträge geguckt.

Man war mit 16 Leuten bei UA (wir verstanden erstmal 60, man entschuldige unser Roggnrollgehör) gewesen, Vertretern von Fanszene, AFM und Amateurabteilungen. Man habe da unterschiedliche Blickwinkel gehabt und auch Dinge kontrovers diskutiert. „Wir haben uns nicht nur gegenseitig auf die Schultern geklopft“. Man habe auch Sachen gegenüber UA kritisch hinterfragt. (Was genau und ob es da nach einer Ansprache auch Bewegung bei UA gibt, wurde nicht gesagt.)

Dann wurde noch die Mannschaft zugeschaltet, so ein bisschen so getan, als ob live, war natürlich nicht live. Unsere Aufzeichnungen dazu lesen sich wie folgt: „blablupp“. Einzige Aussage, die bei uns hängen blieb „das ist schön eng, da ist man nicht so gut zu greifen“. Worauf Spieler so achten. Welcher Spieler da was gesagt hat, war von unserem Platz nicht so schnell mitzuschneiden, wenn wir es richtig gesehen haben, hatte man Lasse, Schnecke, Bernd da platziert, aber unsere Sicht war relativ eingeschränkt.

Danach wurde dann die Optik präsentiert, habt ihr gesehen, Rettig sagte, man habe vom Verein eher schlicht gewollt und habe dies auch verwirklichen können. Geschmacksdiskussionen könnt ihr im Forum führen.

Danach gab es noch eine Führung durch die Millerntor-Gallery und eine „After Show Party“ im Ü&G, wir mussten jedoch aufgrund anderer Termine dies ausfallen lassen.

Bleibt nur noch eines zu erwähnen: Es gab für jeden ein Trikot mit Wunschbeflockung (immerhin ein 75 Euro Gegenwert), was wohl auch ein relativ simpler Versuch ist Sympathie zu erkaufen. Nun können wir lange über unmoralisch diskutieren, aber hey, wer schlägt schon ein geschenktes „Kalla“-Trikot aus? Wir und der hochgeschätzte Übersteiger Frodo nicht.

Der subjektive Stofftest sagt, dass das relativ dünner, angenehm sich anfühlender Stoff ist. Die Größe L passt unserem Längsten (1,90) und Dicksten (wir schweigen hier über Daten), ist dann immer noch sehr lang, aber auch eng.

Das zur Dokumentation der Vorstellung. Falls ihr Tippfehler oder ähnliches findet, dann be-haltet sie einfach. Wir haben das jetzt für eure Info ganz schnell zwischendurch runtergetippt, so dass es natürlich ein bisschen fehlerhaft sein kann.

  4 Responses to “Die Trikotvorstellung”

  1. Vielen Dank für die Zusammenfassung, sehr gut.

    Kleine Ergänzungen/Anmerkungen:
    Für mich klang die „Drumrum“-Unterstützung bemerkenswert hervorgehoben, neben der Jugendarbeit ja insbesondere im sozialen Bereich. Hier wurde auch betont, dass am Heimstandort Baltimore es auch ähnliches gibt und es wurde ausdrücklich der Bezug zu KIEZHELDEN aufgebaut.
    Hier bleibt natürlich abzuwarten, ob dies auch mit Leben gefüllt wird, aber zumindest klang es glaubwürdig.

    Und bevor jemand bzgl. dem „Bestechungsversuch“ mit Trikot meckert: Dies hat die von vielen so verehrte Firma Hummel bei ihrem ersten Auftritt auch schon gemacht, scheint also keine uramerikanische Idee zu sein 🙂

    Im Abendblatt wird heute von fünf Jahren Laufzeit und einer Million Euro pro Jahr berichtet, bei Hummel hätte es angeblich 300.000€ gegeben.

    Und noch meine persönliche, optische Bewertung: Das weiße Trikot finde ich sehr schick, wobei dies auf den Fotos nicht so schön rüberkommt wie im Original, sicher auch den Lichtverhältnissen im (ebenfalls sehr schicken) Kabinengang und Spielertunnel geschuldet.
    Den Totenkopf auf dem schwarzen Trikot muss ich dann mal an nem Spieler sehen, gefällt aber grundsätzlich auch.
    Und das Braune? Schlicht, ohne Schnickschnack, wie es ja viele auch immer fordern.

    Fazit: Gefällt bisher, sehr.
    Nun muss man abwarten, wie sich das in der nahen und mittelfristigen Zusammenarbeit entwickelt.

  2. Ich habe zum Thema Trikot und „The Hell“ – Kampagne dann auch noch mal eine kleine Kolumne geschrieben: http://www.kiezkicker.de/kiezkicker/2016/der-trikotsponsor-vom-fcsp-under-armour-und-die-entwickler-von-nordpol-klauten-ihre-ideen-hier/ – konnte ich mir nicht verkneifen, lol.
    Insofern:

    UA hat die ganze Kampagne unter das Stichwort „Welcome hell“ gestellt. Warum man hier das „to the“ weggelassen hat, wissen wir nicht, es waren auch auf dem Podium keine Nachfragen vorgesehen, sonst hätten wir mal gefragt. Kann natürlich rechtliche, inhaltliche oder auch werbetechnische Gründe haben.

    Naja, ansonsten wären die Leute halt alle bei mir auf der Seite gelandet, wenn sie das Motto der Kampagne gegooglet hätten. 😀

  3. […] Der MagischeFC, Metalust und KleinerTod waren übrigens bei der Kampagnenvorstellung, an dessen Termin ich keine Zeit hatte, so dass ich nun eben kein von denen geschenktes Trikot besitze (die es dort gab), phö. […]

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