Mai 022016
 

Bevor wir uns allen anderen Dingen widmen:

Herr Kircher, egal ob Sie nun schlechter, besser oder gleich wie alle anderen Schiedsrichter gepfiffen haben. Egal ob Sie nun Freitag mal mit einem Pfiff daneben lagen oder richtig: Alles Gute für den Schiedsrichterruhestand. Wer 243 Bundesligaspiele und 127 Zweitligaspiele (Zahlen laut weltfussball.de) pfeift, der hat sehr lange seinen Kopf hingehalten und ist selten zurecht und meistens zu unrecht von den Hobbyschiedsrichtern auf der Tribüne bepöbelt worden. Dafür sei ihm nach seinem letzten Spiel auch mal ein riesiger Respekt gezollt. Einer unserer Schreiberlinge sah damals vor mehr als fünfzehn Jahren sogar sein erstes FCSP-Spiel unter Ihrer Leitung. Daher noch mal alles Gute!

So Freitag. 1860. Nicht gerade das Team, was am Millerntor viele Sympathien genießt. Das mag mal anders gewesen sein, hat sich aber auch aus diversen Gründen geändert. Eine Horde juveniler Sechziger großmäulig vor dem Spiel an der Gegengerade entlangkrakeelend ist ein Teil davon. Immerhin ein Team, was einen vollen Gästeblock macht. Das ist insofern bemerkenswert, dass wir diese Saison zu häufig Spiele hatten, wo sich nur leere Betonstufen und 150 Leute über einen Auswärtssieg gefreut haben, während man sich selbst geärgert hat. Überhaupt ist eine Heimschwäche nicht von der Hand zu weisen. Und ein Herz für Abstiegskandidaten. Gegen die letzten sechs der Tabelle lassen wir am Ende 23 Punkte liegen. Davon nur ein Drittel holen und Nürnberg würde weinen. Muss Ewald besser machen mit seinen Jungs. Kann er zum Glück noch zwei Jahre besser machen, wie der Verein gerade eben verkündete (Zeitpunkt des Schreibens).

Magischer FC St. Pauli 1860 Muenchen April 2016 Supportblock TrommelNormaler Ablauf vor einem Freitagsspiel

Viele kommen spät, viel Hektik, später viel Bier. Die Stimmung auf der Gegengerade ist zu Beginn weit über dem Durchschnitt und bleibt dies auch. Ja, wir hören sie schon wieder die ganzen Nögler und Zyniker, die immer glauben, sie müssten überall die Gegengerade hören, ständig, dauerhaft. Vielleicht wäre mal auch ein bisschen Grundwissen an Akustik ganz hilfreich in der Beurteilung von Tribünen, die nicht die eigene ist. Es gibt eine Änderung. Der Supportblock hat sich eine Trommel zugelegt. Die Aktivisten haben gehadert, lange mit sich gerungen, wir haben es letztens auch provokativ gefordert. Und der Versuch ist aus der im Nebenblock stehenden Perspektive ein Erfolg. Der Supportblock dringt lauter, häufiger ins Ohr und Fangesänge brennen mal länger als ein Strohfeuer. Trotz der besagten schwierigen Akustik. Hoffentlich hält das eine Weile an! Schön auch die bunte Chroeo, zu sehen u. a. bei Groeni.

Leider kann die Mannschaft nur bedingt das Feuer des Blocks aufnehmen. Der Gegner rennt wie von Löwen gehetzt und wir halten halbwegs vernünftig dagegen. Typisches 0-0, wenn uns jemand fragt. Denn wirkliche Torgefahr strahlen beide Mannschaften nicht aus. Der Gast kommt nicht so weit, der Gastgeber schon, aber die meisten Angriffe enden in einem genervten „Schieß doch!!!!“ von den Tribünen. Wer hat unseren Jungs eigentlich abgewöhnt, aus der sogenannten zweiten Reihe zu schießen? Dabei haben wir doch Leute, die echt Brände aus dieser Entfernung entfachen können. Gerade Maier müsste sich viel häufiger ein Herz nehmen. Die Hamburger Presse schreibt was von „gefährlichen Distanzsschüssen“ durch ihn. Haben wir ehrlich gesagt nicht gesehen. Gilt ebenso für den Rest der Truppe.

Magischer FC St. Pauli 1860 Muenchen April 2016
Dann spielt Alushi einen Traumpass. In den Fuß des Gegners. Das Unglück ist nicht mehr aufzuhalten. 0-1. Ein Spielerbashing werdet ihr hier nicht lesen. Passiert. Schwamm drüber. Draus lernen, auch im älteren Fußballeralter und weiter machen. Macht unsere Mannschaft auch. Kommt regelmäßig bis 20 Meter vor dem Tor, aber dann fehlt halt der letzte Ruck. Vielleicht auch der Spieler, der mit dem Kopf durch die Wand will. Fafa vielleicht? Aber wenn es mal knapp wird, dann springt der Ball auch immer so, dass 1860 das notwendige Glück hat. Es fehlt der Killer. Es fehlt auch ein Abnehmer für die reichlichen Flanken unserer Jungs. Denn auf Außen wird sich mehrfach durchkombiniert und geflankt. Aber Fafa ist kein Hrubesch. Und eine Alternative haben wir da gerade nicht.

Dann spielen wir irgendwann alles oder nix und es wird nix

Auch weil Alushi seinen zweiten Bock schießt, nun aber unter anderen Voraussetzungen. Es muss schnell gehen, es ist spät im Spiel, er geht volles Risiko. Und es misslingt. Wäre beim Stand von 1-0 nicht passiert.

Begeistern kann das alles nicht. Es mag ein halbwegs vernünftiges Spiel aus der Sicht eines Trainers gewesen sein, der Ärger als Tribünenbesucher überwiegt allerdings. Zwar mag ein Klassenerhalt von FSV Frankfurt und 1860 für uns am Ende selbst besser sein als ein Paderborner Klassenerhalt (von wegen Fernsehgelder), aber Rationalität und Fans muss sich schlecht vertragen. Das ist nebenbei auch der vollständige Kommentar zum Thema „Hummels“. Wenn ein Fan nur noch kalt analysiert, dann ist er kein Fan mehr.

Das war es auch schon. Wir freuen uns auf eine entspannte Sonderzugfahrt nach Nürnberg.