Apr 292016
 

 

„Auch durch Platz 4 wird kein Milch und Honig fließen“

In so einem Fußballverein ist es eine besondere Kunst das Gleichgewicht zwischen Transparenz und Betriebsgeheimnis zu finden. Der FCSP versucht dieses Gleichgewicht herzustellen, in dem er mit Presse, Funk und Bloggern regelmäßig Gespräche vereinbart, die mal ab vom offenen Mikrofon stattfinden und die auch über das Tagesgeschäft hinaus gehen sollen. Vielen Dank an den FCSP, dass er hier Blogger genauso wie die Presse behandelt.

So ein Gespräch fand letztens wieder statt und führt zu diesen allgemeinen Überlegungen über den FC St. Pauli.

Zum Zeitpunkt, wo diese Zeilen geschrieben werden, sind wir auf dem vierten Platz in Liga zwei. Der letzte Platz, der zum Ligaverbleib zwingt oder berechtigt. Je nachdem wie man das gerne sehen möchte. Wir machen kein Geheimnis daraus, dass in diesem Blog eher ein „zwingt“ gesehen wird und wir schon gerne mal wieder Bayern München schlagen würden.

Wenn man so auf Platz 4 steht, dann könnte man relativ schnell zu der Idee kommen, dass man ja eigentlich „nur“ ein paar Verstärkungen braucht, um dann Platz 3 oder 2 zu erreichen. Man investiert also kurzfristig in die Mannschaft um aufzusteigen und an die Töpfe der 1. Liga zu kommen. So wird es immer wieder gerne vertreten und das ist ja auch relativ naheliegend.

Aus diversen Faktoren ist das natürlich nicht ganz so einfach. Es ist schon deswegen nicht so einfach, weil nicht jeder Transfer sofort einschlägt. Gerade der FCSP hat mit der Zahlung hoher Ablösesummen nicht wirklich gute Erfahrungen gemacht. Weder Inceman, noch Budimir konnten am Millerntor die in sie investierten Gelder wirklich rechtfertigen. Wenn 70 % aller Transfers gelingen, dann hat man als Verein wahrscheinlich schon sehr viel Glück.

Auf der anderen Seite muss man als Verein seinen Spielern, seinen Fans auch etwas anbieten. Denn seien wir ehrlich ein „wir wollen nur mitschwimmen“ geht im Fußball nicht. Es geht insbesondere auch deswegen nicht, weil immer Platz 16 bis 18 droht, der die Katastrophe Abstieg zur Folge hat.

Hinzu kommt, dass Spieler spätestens nach 2 bis 3 Jahren frei den Verein wechseln können. Man kann das gut finden und es ist wahrscheinlich auch entsprechend dem Verständnis von Arbeitnehmerrechten in der EU. Aber ob ein Fußballprofi wirklich immer so ein schützenswerter „schwacher“ Arbeitnehmer ist, sei mal dahin gestellt. Aber anders als im US-amerikanischen Sport, wo Spieler teilweise 5 bis 7 Jahre zwingend unter „Team Control“ sind, kann ich eben nicht Spieler so lange an mich binden und sie gemächlich entwickeln.

Dies alles vorausgeschickt muss ich als Verein eine Strategie finden, wie ich überleben und wie ich mich weiter entwickeln möchte.

Ich kann dies mit externen Geldgebern machen und mir so eine Hebelwirkung erkaufen. Das mag funktionieren, man kann dies in Hoffenheim oder Leipzig bewundern. Es mag aber auch schief gehen, wie man bei 1860 sehr eindrucksvoll sehen kann. Egal, es ist nicht der Weg des FC St. Pauli. Man hat sich aus guten Gründen dafür entschieden ein Verein ohne Ausgliederung und ohne Investor zu bleiben.

Fernsehgeld regiert die Welt

Unseren Weg kann man schlagwortartig mit den Worten „Steine statt Beine“ zusammenfassen. Aber im Einzelnen:

Gucken wir uns die Einnahmenseite an. Wenn man sich das so anguckt, dann haben 8 Vereine mehr als 21.000 Zuschauer. Den höchsten Schnitt hat der Club mit 29.500 Zuschauern. Wir sind knapp dahinter. Selbst wenn man einen durchschnittlichen Ticketerlös von 20 Euro annehmen würde, wäre das gerade mal eine Spanne von 2,72 Millionen Eur Einnahmen zwischen Nr.1 und Nr. 8 auf dieser Liste.

Dann verkauft der eine vielleicht ein bisschen mehr Business Seats, der andere vielleicht ein paar weniger. Der eine verkauft für eine Million seinen Stadionnamen, der andere nicht. Der nächste verkauft ein bisschen mehr Merch, der andere ein bisschen weniger. Egal, wie man es dreht und wendet, wenn man die Fernsehrechte mal außen vorlässt, dann ist das Einnahmepotential dieser Vereine vielleicht 3 bis 4 Millionen Euro auseinander. Alle spielen irgendwo in einer Liga um die 25 Millionen Euro Einnahmen, wenn man mal das Fernsehen außen vor lässt.

Und nun kommen die Fernsehgelder hinzu. Diese werden nach einem etwas komplizierten Schlüssel verteilt, der die Leistung in den letzten 5 Jahren berücksichtigt. Guckt man dies in den letzten 5 Jahren für die 8 Vereine mit den höchsten Fernsehgeldern an (das sind nicht die 8 mit den größten Zuschauerzahlen!), dann liegt hier zwischen Platz 1 und 8 unfassbare 60 Millionen. D.h. 12 Millionen pro Jahr. Wenn ich in 5 Jahren 60 Millionen mehr eingenommen habe, als ein anderer Verein, dann kann ich mir (außer ich schmeiß das jede Saison für irgendwelche Vollpfeifen raus, wie es gerne im Volkspark gemacht wird) auch ein gewisses Polster für schlechte Zeiten anfuttern oder auch in Steine investieren, die sich andere mühsam von der Hand absparen. Und wenn ich dann wie der SC Freiburg in der Bundesliga garantiert nicht am Limit gearbeitet habe mit meinen Kaderkosten, dann kann ich eben auch mal einen Petersen so finanziell für 2. Liga entschädigen, dass er mich zum Aufstieg schießt. Das ist natürlich einmal gut haushalten, es ist aber auch diese starke Spreizung der Einnahmen, die durch die Fernsehgelder entsteht.

Und dies wird sich ja auch erst langsam ändern, denn man schleppt Bundesligasaisons 5 Jahre mit sich. Klar, die zählen langsam weniger, aber sie zählen halt immer noch. Kurz: Ein SC Freiburg würde selbst dann vor uns in dieser Wertung bleiben, wenn er nicht wieder aufsteigen würde. Wir hingegen ersetzen für die nächste Saison gerade mal einen herausfallenden Platz 4 hoffentlich mit einem neuen Platz 4.

Es werden also selbst bei Platz 4 diese Saison Vereine voraus bleiben, die nicht nur in den letzten Jahren viel mehr Geld bekommen haben, sondern auch in der Saison 2016/17 deutlich mehr bekommen werden. Und zwar soviel mehr, dass es egal ist, ob wir unseren Stadionnamen verkaufen, die Ticketpreise verdoppeln oder keine Pyrostrafen mehr zahlen. Es wird diese Lücke nicht ausgleichen. Dies sollte man dann auch immer im Hinterkopf behalten, wenn man Entscheidungen wie „kein Verkauf Stadionname“ „keine Goliathwache“ „Investition in ein Museum“ sieht. Selbst alles verkaufen, würde wahrscheinlich wenig ändern.

Zusammenfassend: Egal wie wir es drehen und wenden, wenn die Absteiger nicht doch noch Ingolstadt und Darmstadt heißen, dann gibt es mindestens vier oder fünf Vereine, die alleine durch die Fernsehgelder so viel mehr finanzielle Mittel haben, dass wir sie selbst bei geilsten Vermarktungserfolgen nicht einholen würden. Frankfurt, Bremen, Hannover wären da natürlich die Gorillas unter den Zweitligisten, da sie nahezu nur Erstligajahre in diese Wertung schieben würden.

Wir werden also zumindest kurzfristig oder mittelfristig keinen Etat haben, der weit von dem Mittel der zweiten Liga entfernt ist. Wir werden also andere Wege finden müssen.

Steine immer noch nicht abgeschlossen

Diesen Weg haben wir 2007 eingeschlagen, indem wir ein Stadion geschaffen haben, was erstmal genug Platz für den gemeinen Pöbel hat, aber auch ordentlich hochpreisige Sitze beinhaltet. Das ist aber erstmal eine Investition, die irgendwann gute „Zinsen“ bereit hält, aber kurzfristig und mittelfristig ist das Geld weg und kann eben nicht in Messi investiert werden. Teilweise waren solche Investitionen auch einfach deswegen notwendig, weil der alte Status Quo Schrott war. Kollaustraße Funktionsgebäude. All diese Steine haben wir – anders als vielleicht der SC Freiburg – in 10 Jahren aufgebaut, in denen wir gerade mal ein Jahr in der 1. Liga gespielt haben. All diese Investitionen sind daher härter zu tragen, als bei anderen Vereinen. Das ist eine bewusste, richtige und auch gute Entscheidung, sie geht aber immer zu Lasten unseres Gehaltsgefüges. Insgesamt hat der FCSP 60 Millionen in Steine investiert, die jeder sehen kann und jeder im Stadion nutzt. Nun sind von diesen 60 Mio auch schon wieder eine gute Hälfte getilgt und 2018 tilgt der Verein noch einmal 8 Millionen Fananleihe. Aber auch das sind Kapitaldienste, die wir leisten müssen und die ausschließen, dass wir jetzt mal kurz Messi loseisen.

Wenn man aber diese Tilgungen leistet und nicht immer rausschiebt oder umschuldet, wie unser Nachbar aus dem Volkspark, dann ist irgendwann die Hütte auch bezahlt und unser. Dann lohnt sich die Investition. Das ist aber ein geduldiger Weg.

Der Weg der Steine ist aber noch nicht abgeschlossen. Auch im Fußball kommt man immer mehr dazu, dass man Spielerleistungen analysiert, in Details zerlegt und per Computer vergleicht. Videoanalyse ist da ein Stichwort. Da wird ja nicht einfach das Skybild gezeigt und ein bisschen geredet, sondern es geht da auch um detaillierte Laufweganalysen, etc pp. In der geschätzten Leserschaft wird sich nur ein geringer Teil mit dem wundervollen Spiel des Baseballs beschäftigen, aber in diesem analysiert man selbst die Umdrehungszahl bei geworfenen Bällen und versucht daraus für sich Schlüsse und Vorteile zu ziehen. Dieser Trend der mikroskopischen Detailanalyse beginnt im Fußball erst und wird in der nächsten Generation Spielern auch eine viel höhere Spielintelligenz und Spielflexibilität einfordern.

Diesen Trend muss der FCSP mitmachen und in entsprechende Systeme und Software investieren. Und er muss in Personal investieren, welches diese Erkenntnisse auswertet und den Spielern mundgerecht serviert. Gerade bei den Systemen und der Software steht der FCSP noch am Anfang. Personell leistet man sich schon ein sehr umfangreiches Scouting, aber bei den Systemen hapert es noch. Das sind dann Investitionen in Steine, die man nicht sieht. Es bleibt ein blinkender Kasten mit einem Monitor, aber er leistet für Thomas Meggle gleich viel mehr. Und dies müssen wir jetzt bezahlen.

Ziel solcher Systeme ist es auf der einen Seite Spieler zu finden, die perfekt zu uns passen und auf der anderen Seite den jeweiligen Gegner so zu analysieren, dass man eine Schwäche findet, die er selber noch nicht kannte.

Das ist natürlich alles eine Idealidee und man darf den Faktor Mensch nicht vergessen, aber wenn man die Systeme gar nicht hat, dann fährt man blind und muss sich nur auf den Menschen verlassen. Der dann nicht einmal eine informierte Entscheidung treffen kann.

Zum Glück ist sich die Leitung aller Ebenen beim FCSP einig, dass dies notwendige Investitionen sind, die man nun machen muss. Die Alternative „kurz mal einen teuren Stürmer holen und hoffen“ sieht man bei uns im Verein nicht. Wir finden das richtig.

Aber auch weitere Baustellen bleiben. Unser Nachwuchsleistungszentrum ist garantiert schon nicht schlecht, aber auch noch nicht perfekt. Ebenso die Kollaustraße. Hier wäre mehr garantiert möglich und auch wünschenswert. Und muss eben auch bezahlt werden.

 
 

Die Ausgaben

Fußball ist wie jeder Profisport so, dass der mit den höchsten Einnahmen mittelfristig auch am meisten Erfolg haben wird. Wenn er denn seine PS auf die Straße bekommt. Dies sichert uns nach unten erstmal ab. Denn viele Vereine in Liga 2 haben gar nicht die Einnahmemöglichkeiten eines FCSP. Z.B. weil sie zwar ein sehr liebenswerter Dorfverein sind, aber eben doch nur 5.000 Leute zu den Heimspiel kommen. Und Logen? Ja, hat man schon mal von gehört.

Dies begrenzt uns aber auch nach oben. Wir werden Bayern München nicht als Rekordmeister ablösen in den nächsten 20 Jahren.

Man kann nur versuchen aus dieser Situation das Beste zu machen. Und dazu muss ich eine Leitlinie beim Spielerkauf und bei der Spielerentwicklung entwickeln und durchziehen. Ajax legendäres 4-4-2 ab der E-Jugend ist die krasse Form einer solchen Idee.

Unsere Vorstellung kann man immer wieder bei den Stimmen zu Einkäufen herauslesen. Es werden flexible Spieler gesucht. Spieler, die nicht nur eine Position bekleiden können oder nur einen „Look“ haben. Man versucht die perfekte Mischung hin zu bekommen. Zwischen Jung und Alt, zwischen neu im Verein und lange im Verein, zwischen Links- und Rechtsfuß, zwischen offensiv und defensiv etc. pp.

Die Idee ist erstmal gut, wenn man z.B. mit Buballa, Hornschuh, Keller (wenn er denn bleibt) und Hedenstad vier Außenverteidiger sein eigen nennt, wo einer klein, einer groß, einer offensiv stark, einer defensiv stark ist. Man kann den Gegner überraschen und mit anderen Systemen auftreten. Auch dies ist im US-Sport nicht unüblich.

Aber auch hier darf man nie den Faktor Mensch vergessen. Nicht nur, dass unser Trainer ein großer Freund von „never chance a winning team“ ist, man stelle sich mal vor, der FCSP würde in Hannover eine große Abwehrschlacht 1-0 gewinnen, Marc Hornschuh macht das Spiel seines Lebens und nächste Woche gegen Sandhausen sitzt er auf der Bank und Hedenstad spielt, weil er offensiv stärker ist und man gegen Sandhausen eben keine Abwehrschlacht erwartet. Das Presse, Funk, Spieler und Fan zu erklären wird nicht ganz einfach.

Aber: Es ist immer noch besser als vier Außenverteidiger zu haben, die alle vier rechtsfüßig sind, alle vier defensiv stark und offensiv schwach sind und alle gleich alt sind. Das kann schon auf dem Papier nicht funktionieren.

Daher leistet man sich ein großes Scouting, damit diese Papierform zumindestens stimmt und ich eben aus meinem Geld das beste machen kann. Das ist richtig und da sind wir schon gut aufgestellt. Und holen eben plötzlich Waldemars aus Belgien. Das sind keine Zufallstreffer, sondern auch Folge einer besseren Organisation in diesem Bereich. Es ist gar nicht so lange her, da holten wir Spieler z.B. nur aus dem Umkreis eines Rainer Adrions oder nur vom BvB II. Das zeigt dann eben, dass das Scouting da noch nicht ausgereift war. Und so waren und sind da Investitionen in Personen und ihre Ausstattung notwendig.

Irgendwann wird dann kein Spieler mehr in Tonga (Fifa Weltranglisten Platz 204) gegen den Ball kicken, ohne dass der FCSP ihn auf dem Schirm hat, aber so weit sind wir noch nicht. Da wird man auch heimliche Steine investieren müssen.

Hat man nun dieses Scouting und damit immer einen Pool von Spielern, die man anfunken will, wenn man einen Stürmer sucht, kommt der schwierige Part des Ganzen. Der muss auch noch menschlich passen. Wer kann denn beurteilen, ob ein Bouhaddouz am Ende menschlich passt? Das ist die Kunst, die auch eher ein Bauchgefühl ist. Habe ich aber gar keinen Pool an Spielern, die ich gescoutet habe, kann ich hier einem schlechten Bauchgefühl nicht folgen. Weil ich keine Alternativen habe.

Dieses Bauchgefühl ist dann aber die absolute – nebenbei auch nicht wirklich kontrollierbare– Kompetenz des Sportdirektors und Trainers. Man kann nur durch genormte Abläufe (der Spieler muss mal in Hamburg gewesen sein, er muss mit Trainer und Sportdirektor gesprochen haben etc. pp) versuchen Fehlerquellen so gering wie möglich zu halten. Passieren werden sie trotzdem. Und wenn Ewald Bouhaddouz geil findet und Bouhaddouz Ewald geil findet, heißt das noch lange nicht, dass Stanislawski Bouhaddouz geil gefunden hätte.

Wir haben mit Hornschuh ja einen Spieler im Kader, der am eigenen Leib erfahren hat, dass die Chemie zwischen Trainer und Spieler auch aus Gründen nicht stimmen kann, die sich nicht zwingend an objektiven Leistungsdaten fest machen.

Hier muss man insbesondere als Fan auch unserer Leitung vertrauen. Und der bisherige Erfolg gibt ihnen Recht. Das man so ein Team dann auch kontinuierlich arbeiten lassen muss, ist die Kunst. Deswegen haben Vereine wie Mainz, Freiburg etc. eben viel Erfolg für wenig Geld.

Zielsetzung?

Es gab mal diese Top 25 Zielsetzung beim FCSP und wenn man sieht, dass wir in einem Pool von ca. 8 Vereinen in der zweiten Liga sind, die ungefähr auf einer Ebene finanziell sind, dann ist dies garantiert keine falsche Zielsetzung. Man kann es auch anders ausdrücken: Man muss sich dann ärgern, wenn ein Verein mit weniger Geld vor einem steht. Sprich letzte Saison musste man sich sehr ärgern, diese Saison etwas weniger. Mittel- bis langfristig muss man dann versuchen die Lücken zu schließen, die Vereine wie Mainz aufgerissen haben. Denn zwingend müssen die nicht vor uns stehen. Aber von heute auf morgen geht dies auch aufgrund von sehr späten (und wenig fremdsubventionierten) Investitionen in Steine nicht.

Schlusswort

Ob eine solche „kleine Schritte“-Haltung in einer selbsterklärten Medienstadt wie Hamburg durchzuhalten ist, wird die Zukunft zeigen. Man darf nicht vergessen, dass vor der Saison 14/15 die MoPo ihre FCSP Beilage schon mit „Saison zum Aufstieg“ (sinngemäß) betitelte. Wo wir geendet sind, weiß jeder. Der äußere Druck wird vielleicht nicht von Seiten der „aktiven Fans“ kommen, anders als bei anderen Vereinen (hallo 1860), aber er wird an den Verein herangetragen werden.

Apr 262016
 

Liebe Leser, unseren Autor hatte nach dieser Tour zwei Tage die Lustlosigkeit in Worte gepackt. Nicht, dass es nun wirklich so schlimm in Düsseldorf gewesen wäre. Nein, er wird einfach zu alt für den Scheiß. Wann geht es nach Nürnberg?

Der Tag beginnt schon damit gut, dass die Tour mit den zwei wilden Weibern begangen wird. Viel besser als diese Begleitung können Auswärtsfahrten nicht begleitet werden. Und so haben wir eine kurzweilige, unterhaltsame und gerade mal von einem kurzen Stau geprägte Auswärtstour in das südliche Ruhrgebiet. Bevor uns nun Geografiker ohne Humor anschreiben: Das ist ein Scherz; wir wissen, dass wir da im Düsselland sind.

Das ist ja schön, wenn man einen perfekten Anfahrtsweg, große Parkplätze und viel Platz um ein Stadion hat. Aber das Gefühl mitten in der Stadt zu spielen, kann dies nicht ersetzen. Es fehlt irgendwie das heimelige, das schmutzige, das enge Gefühl, was Fußball ausmacht. Immerhin findet sich eine Kneipe, die vor dem Spiel (nach dem Spiel nicht) ein Getränk und notdürftiges Essen an die angereisten Fans ausgibt. Dialog zwischen Fan und Wirt: „Na schon angezapft?“ „Jo, die Polizei war ja schon hier …“ „Die haben aber hoffentlich kein Alt getrunken?!?“ „Ne, Pils!“. Okay. Das erklärt dann wieder vieles.

Voll ist anders

Sonst ist im Umkreis des Stadions ein Schwimmbad und eine Messe. Der Schuhkarton an sich ist und bleibt eher eines der langweiligeren deutschen Stadien. Man muss den Fortuna-Fans mal Respekt zollen. Wenn man die eher bescheidene Akustik einrechnet und dass man selten diese riesige Schachtel voll bekommt, dann machen die ganz ordentlich Alarm. Und das geht auch häufig über die beiden Ultra-Bereiche hinaus.

Immerhin kann man aus dem Gästeblock ganz ordentlich sehen. Der Schreiberling zieht es aber vor, sich in den Ultra-Bereich zu den besagten Damen zu stellen, und so ist die Sicht zu Beginn durch eine Schwenkfahne etwas eingeschränkt. Und das war auch gut so. Bereits vor dem Spiel unkten wir, dass Düsseldorf früh ein 1-0 schießt, dann nicht viel passiert und in der 85. Minute das 2-0 fällt. Man sieht sich nach fünf Minuten bestätigt, als die Leihraute soviel Platz hat, dass sie schon einsam wird und ins Tor einnickt. Kann man da als Torhüter raus kommen? Keine Ahnung. Skyman hat garantiert andere Stärken als das aggressive Wegpflücken von Flanken.

Skurriles aus dem Gästeblock

Aber kommen wir noch mal zurück zu den Rängen. Düsseldorf mit einer Choreo, die ja ganz nett aussieht, aber irgendwie auch Fragezeichen hinterlässt. Nur Schwiegersöhne in der Kurve? Im Gästeblock Luftballons, was auf Fotos auch ganz nett aussieht. Nur wie leer ist bitte der Block? Das ist ein „ausverkauft“? Gefühlt ist am Rand noch Platz für 1000 mehr Leute. Die Stimmung im Block ist ganz okay, aber nicht überragend. Beinah zum Schmunzeln ist unser direktes Umfeld. Erster Auftritt: Mann in seinen besten Jahren. Voll wie ein Eimer. Nachdem der gegangen ist, zweiter Auftritt: Familie, alle mit dem gleichen beflocktem Trikot, die sich vollkommen wundern, als wir das richtige Pöbeln bekommen. Dritter Auftritt: Klischee-BWLer, blaue Steppjacke, Seitenscheitel, Schweinchen-Schlau-Brille. Labern in einer Tour Blödsinn. Und wir meinen Blödsinn. Trauen uns leider nicht zu fragen, ob sie eigentlich wirklich BWL studieren und in einer Burschenschaft sind. Ich mein Jungs, ist ja okay, wenn ihr nach einem harten Tag Uni noch mal chillen wollt, aber muss das in unserem Gästeblock sein?

Gut, zurück zum Geschehen auf dem Platz. In der ersten Halbzeit geht da also gar nix. In der Pause scheint Ewald die richtigen Worte zu finden. Unsere Truppe kommt wie verwandelt aus der Kabine und spielt nun eine Mischung aus „Koffer auf“ haben (Zitat einer Dame) und „Wilde Sau“ so mit Lasse im Sturmzentrum. Eigentlich schon zu spät belohnt man sich für den Aufwand, als Fafa goldrichtig steht und den Ball rein haut. Wer hat den Jungen eigentlich zu einem offensiven Mittelfeldspieler gemacht? Wenn der anscheinend eine Position spielen kann, dann die des Knipsers. Ob er damit einen Platz in unserem Kader der nächsten Saison findet, sei mal trotzdem dahingestellt. Denn trotz seiner Torausbeute in letzter Zeit fehlt es einfach auch an vielen Dingen im taktischen, mannschaftlichen Bereich. Aber wenn man ihn weiter beschäftigen will, dann bitte als Stürmer und auf keiner anderen Position.

Ein Spiel drehen, das geht irgendwie nicht

Es ist ja nicht so, dass unsere Jungs in den letzten zwei Jahren nicht sehr viel geleistet haben. Was sie aber nicht können, ist Spiele zu drehen. Letzte und diese Saison gewannen wir sage und schreibe ein Spiel nach Rückstand (Bochum zu Hause), wenn wir uns nicht ganz doll täuschen. Diese Unfähigkeit, Spiele nach Rückstand zu gewinnen, ist wahrscheinlich auch ein Punkt, der die Differenz zwischen uns und dem Club ausmacht. Die können so etwas, wie man eindrucksvoll am Samstag bewundern konnte.

Nun ist das garantiert auch eine Portion Glück, aber warum wir das nicht können, kann man Freitag in Düsseldorf sehen. Nach dem Aufwand zum 1-1 sind unsere Jungs nicht in der Lage, eine andere ggf. auch nicht so riskante Spielweise zu adaptieren und gleichzeitig ruhig und präzise Angriffe vorzutragen. Es entwickelt sich also ein sehr unterhaltsamer Schlagabtausch zwischen zwei Mannschaften, die körperlich alles reinwerfen, aber bei uns fehlt da die Lässigkeit, die Präzision, um in einem solchen Spiel einfach mal das zweite Tor zu machen. Das ist jammern auf höchstem Niveau, denn Düsseldorf zeigt eine wirklich kämpferisch überzeugende Leistung und so ist letztendlich das Unentschieden auch verdient.

Nur beiden Mannschaften hilft es nicht weiter. Mal Wunder außen vor, spielen wir nächste Saison wieder in Liga 2 – die eventuell etwas nördlicher wird, wenn man Freiburg und Leipzig mal als Aufsteiger bucht. Werden diese durch Hannover (steht ja schon fest) und Frankfurt/Bremen ersetzt, dann sparen wir doch fleißig Kilometer auf der Autobahn. Dass soll ausdrücklich nicht heißen, dass wir nun diesen Vereinen gegenüber anderen den Abstieg mehr gönnen würden. Hannover ist aber aus diesem egoistischen Grund herzlich willkommen in der Liga.

Apr 182016
 

Wow, mal wieder ein Heimspiel am Sonnabend. Das kennt man ja schon fast gar nicht mehr. Und so sind die Blicke ob der Pünktlichkeit überrascht, mit der der Schreibende den Supportblock entert.

Es geht gegen Bochum. Die Saison ist irgendwie ziemlich abgeschrieben, ein vierter Platz wäre aus Fernsehgeldgründen (was für eine Motivation) noch netter als Platz 5. Genau den können wir Bochum heute klauen. Sechspunktespiel auf mittlerem Niveau also. Mol kieken!

Magischer St. Pauli VfL Bochum April 2016

Auweia

Die Hände vor die Stirn klatschen dürfen wir uns das erste Mal bei dem, was die Bochumer da als Choreo probieren. Sind das Plastikplanen oder einfach nur Müllsäcke? Und Grundgütiger, das nennt ihr nicht wirklich Pyro, oder? Blassblauer Rauch quillt kümmerlich unter der Müllplane hervor. Schön ist das wirklich nicht! Choreografisch liefert vielmehr der andere Teil der Nordkurve im Heimbereich ab. Klein aber fein.

Das Spiel ist recht schnell erzählt

Bei anfänglich deutlich größerem Druck der Bochumer in Halbzeit 1 beißt sich Terodde die Zähne an Skyman und seinem persönlichen Pech aus. Tjaha, kann ja nicht jeder Tag gut laufen.
In Halbzeit zwei übernimmt der FCSP öfter die Initiative und es kristallisiert sich mit Fafa Picault bald der Mann des Tages heraus. Uh yeah, wer sagt denn, dass wir keine Stürmer hätten? In echter Knipsermanier netzt der Junge zwei Buden in kurzer Zeit ein und hätte durchaus noch ein, zwei Dinger drauflegen können. Soll fürs erste genug sein. Immerhin hat Picault schon Lob von Klinsmann via Twitter bekommen, da wollte er sicher Schlimmeres vermeiden.

Außerdem erfreulich: Die zuletzt etwas schnarchnasige Gegengerade lässt heute mehr von sich hören. Klar, da ist immer noch Luft nach oben. Die Haltung, man müsse auch ein gutes Spiel sehen, um zu supporten, stinkt außerdem zum Himmel. Wechselwirkungen zwischen Rasen und Rängen, das ist es doch, was Fußball von Hallenhalma unterscheidet und so schön macht! Also auch mal mehr bei Gurkenkicks brüllen und nicht nur, wenn’s läuft.

Magischer FC St. Pauli VfL Bochum April 2016-2

Die Süd zur zwoten Halbzeit

Ob die Saison nun wirklich gelaufen ist? (Für den Bochumer Patrick Fabian, der sich in der Nachspielzeit einen fucking Kreuzbandriss zuzieht, ist sie’s leider auf jeden Fall. Gute Besserung!) Immerhin hat Nürnberg erneut gepatzt und wir spielen bei denen noch. Derzeit sieben Punkte; vier, wenn man unseren Auswärtssieg dort mit einrechnet. Nichts ist unmöglich! (Und auch ein Rauten-Abstieg ist noch immer nicht ganz unrealistisch, harrharr!)

Gut gut, im Großen und Ganzen wird die Spielzeit wohl ohne viel Aufregung zuende gehen und wir können schon mal den Blick nach vorn werfen. Mit Aziz Bouhaddouz steht ein weiterer Neuzugang auf dem Papier, ein Offensiver. Da wäre es doch wirklich mal Sahne, wenn wir 2016/17 um die dicken Pötte mitspielen.

Apr 122016
 

oder

„Ich will dieses Teilbundesland jetzt ganz schnell verlassen“

Liberal? Ihr könnt mich mal.

Baden-Württemberg. Ach was, streicht das zweite Wort. Baden. Freiburg. Klischee von liberaler Studentenstadt mit gutem Wetter und einem sympathischen Fußballclub. Und für uns eines der längsten Auswärtsspiele überhaupt. Am Ende stehen 1400 Kilometer plus ein bisschen auf der Uhr. Trotzdem war der Gästeblock ratzfatz ausverkauft und dies obwohl man sich Sitzplatztickets mit 35 Euro in Freiburg fürstlich bezahlen lässt. Wohlgemerkt, es handelt sich dabei um Gästeblock-Sitzplätze und nicht um die besten Plätze im Stadion.

Immerhin ist das Klischee insoweit wahr, dass wir einen warmen Frühlingstag erwischt haben. Da kann der Pullover doch gleich mal im Auto bleiben. Die soziale Bezugsgruppe sammelt sich früh am Bahnhof, wo wir in unseren Manager laufen. Der uns alles über den neuen Wunderstürmer erzählt. Nein, tut er natürlich nicht; aber Thomas präsentiert sich gut gelaunt und auch echt auskunftsfreudig. Nun nicht, was Transfers angeht, aber wir reden z. B. über die Fernsehgelder. Wie wichtig das ist, kann man daran sehen, dass er die entsprechenden Zahlen mehr oder minder auswendig runterbeten kann. Und neben unserer eigenen Position macht es für uns einen riesigen Unterschied, ob z. B. Paderborn absteigt oder nicht. Denn es ist ja nicht nur die jetzige Saison entscheidend für die Gelder, sondern auch Saisons davor. Und Paderborn steht mit seinem Bundesligajahr vor uns. Außer sie steigen ab. Dann fallen sie raus. Je nach Konstellation sprechen wir hier laut Meggle nebenbei von einer Million Plus oder einer Million Minus. Das liegt dann aber nicht nur daran, was Paderborn macht. Wohlgemerkt: Bei diesen Rechenspielen gehen wir immer von einem vierten Platz für uns aus. Platz 5 kostet uns auch noch mal richtig Geld. Wir warten jetzt also auf den Forenthread, welcher die Spieler bepöbelt, falls wir noch Platz 5 anstatt 4 belegen. Das kostet mehr Geld als jede Pyroshow.

Viele nette Menschen trifft man bei so einem Spiel. Menschen, die man ohne Fußball wohl nie kennengelernt hätte. Das macht dies aus. Wenn euch jemand fragt, warum ihr euch das antut: Das ist einer der Gründe.

MagischerFC SC Freiburg vs. St. Pauli April 2016-3

Gut, ab zum Stadion. Das liegt schon alleine aufgrund der geografischen Gegebenheiten in Freiburg eher unglücklich in einem engen Talkessel, aber irgendwie auch wieder cool. Stadien, die an eine Wohnbebauung grenzen, sind ja eher ein aussterbendes Ding. Und mit der Straßenbahn ist das auch alles problemlos. Auf dem Weg zum Stadion dann die üblichen fliegenden Händler von nachgemachten Schals. Das diese immer noch auf ihr Geld kommen, zeigt, wie doof Fußballfans sind. Selbst der rot-weiße (!) St.-Pauli-Balkenschal (Schnäppchen für zwei Euro) findet ordentlichen Absatz und wird mehrfach im Gästeblock gesehen. Leute, der ist nicht mal zwei Euro wert. Und darauf zu hoffen, dass der braune Streifen durch den Dreck dazu kommt, ist auch nicht wirklich ein guter Plan.

Die Anreise verläuft nach Farben bunt gemischt und vollkommen stressfrei. Trotzdem meint die örtliche Polizeidirektion, dass man den Gästeblock eingittern und mit einem Sichtschutz (!) vom restlichen Stadionbetrieb abtrennen muss. Käfighaltung allez. Das so ein Setup an sich schon Agressionen auslösen kann, wo gar keine Agressionen entstehen sollten, ist wohl bei der Polizei in Freiburg (liberal und so) nicht angekommen. Die Eingangskontrollen sind für Freiburger Verhältnisse lächerlich. In anderen Stadien würde man von scharf schreiben, aber hier haben wir schon die Abgabe von Gürteln, den Griff in den BH und andere Unsinnigkeiten miterlebt, sodass dies im Verhältnis an diesem Tag Zucker ist. Warum man anderseits einen Pyrohund aus Köln (!) – so zumindest die Auskunft auf dem T-Shirt der Hundeführerin – anfahren lässt, kann man wohl nur mit Übertreibung kommentieren.

MagischerFC SC Freiburg vs. St. Pauli April 2016-1

Gast sein ist nicht schwer, in Freiburg aber sehr

Es gibt in Deutschland echt miese Gästeblöcke. Aber der in Freiburg schießt immer noch jeden Vogel ab. Wir stehen auf der obersten Stufe und sind trotzdem nicht in der Lage, das ganze Spielfeld zu sehen. Viele Leute müssen zwingend hinter irgendjemanden oder auf der Ebene des Feldes in mehreren Reihen stehen. Sonst passen nicht alle Leute in den Block, die eine Karte haben. Platz für Banner ist nicht vorgesehen und muss sich in einer Hauruck-Aktion, die noch mehr Leuten die Sicht nimmt, erkämpft werden. Es ist arschkalt im Gästeblock, da er im Wind und Schatten liegt. Immerhin ist das Catering okay, auch wenn es natürlich nur bleifreies Bier gibt. Und oh Wunder: Auch in Freiburg ist angekommen, dass Fanszenen Vorsänger benutzen. Und nachdem man bei unserem letzten Besuch noch Personalien aufgenommen hat, weil ein Vorsänger gewagt hat, den Zaun zu berühren, gibt es diesmal ein Vorsängerpodest.

Gerade als man es sich notdürftig bequem gemacht hat, beginnt auch schon das Unterhaltungsprogramm. Der Stadionsprecher hat eine Stimmlage, die ein normaler Mensch hat, wenn er in einem brennenden Haus steht. Und das geht von der ersten bis zur letzten Durchsage so. Diese Dauererregung nervt. Das Ganze wird mit einer brutalen Berieselung von Stimmungshits gepaart, dass man eigentlich nach fünf Minuten schon wieder gehen will. Immerhin wird man als sympathisch begrüßt und auch freundlich vom restlichen Publikum aufgenommen. Höhepunkt der unerträglichen Publikumsberieselung? „Spannung, Winken, Schuß“ als Werbelied mit Unterstützung der Anzeigentafel und dann werden irgendwelche Werbeshirts ins Publikum geschossen. Winkquote im Stadion? 90 Prozent! Wir sind ja nun überkritisch mit dem Millerntor, aber wir behaupten, dass bei uns dies die Mittelfingerquote wäre, würde dies ein Sponsor versuchen. Bei uns spielt nebenbei seit neustem ein Herrwegen. Zumindest nach dem aufgeregten Stadionsprecher.

Oh „Insomnia“ von Faithless, das ist ja beinah vernünftige Musik. Der Gästeblock groovt so ein bisschen vor sich hin. Bumms. Abgewürgt. Das Klischee des liberalen Freiburgs wird durch das Badnerlied endgültig zerstört. Auf die deutsche Spießigkeit. Der Gästeblock pfeift vollkommen zu Recht. „Das schönste Land in Deutschlands Gau’n“? Dagegen ist Freiwild ja Progressive Rock. Nun ja, die Heimfans singen mit.

Die Berieselung mit Musik geht bis zum Anpfiff und erst mit dem Pfiff des Schiedsrichters dürfen dann auch mal die Zuschauer eigenständig und ohne „Hallo“ und „Bitte danke“ oder ähnlichem was machen. Wisst ihr eigentlich, auf was für einem hohen Niveau wir jammern? Fahrt mal nach Freiburg, dann wisst ihr es. Die ersten fünf Minuten ist auch richtig Alarm auf allen Tribünen. Es wird geklatscht und mitgegangen. Das frühe Tor tut dafür natürlich auch noch was. Der Gästeblock braucht dementsprechend ein bisschen um in Wallung zu kommen. Aber was dann passiert, ist uns unverständlich. Man ist Tabellenführer, führt gegen den Tabellen vierten, kann mit einem Sieg zumindest Platz 3 ziemlich klarmachen und außer dem Ultrablock geht schnell gar nix mehr. Null. Kein Klatschen, kein Anfeuern, nix. Die Ultras auf der Heimtribüne wirken engagiert, aber wenn es im Spiel vielleicht zehnmal über ihren Bereich hinausgeht, dann ist das schon wohlwollend gerechnet. Wohlgemerkt, wir sprechen hier von einem mitreißenden Spiel, bei gleichzeitiger Niederlage Nürnberg und bestem Wetter. Bei einem 0-0 im November kannst du da ein Blatt fallen hören, oder wie? Und wir meckern über das Millerntor? Das ist noch tausendmal besser.

MagischerFC SC Freiburg vs. St. Pauli April 2016-2

Der Gästeblock hingegen hat einen Sahnetag erwischt. Von einem guten Vorsänger angeheizt, ist zumindest im Stehplatzbereich richtig Alarm. Inklusive Weitersingen, als der Vorsänger schon ein neues Lied ansagen will. Spielstand? Egal. Nach dem 3-1 mal ein kurzer Hänger, aber ansonsten ein 1a-Sahneauftritt. Auch nach dem Schlusspfiff kommt von der Heimseite „Stimmungsmusik“, während der Gästeblock noch mal freidreht. Gut auch, dass der Vorsänger zwischendurch daran denkt, dass Sitzen ja das neue Rauchen ist und uns zu mehr „Bewegung“ auffordert. Bei dem langen Ritt nach Freiburg kommen wir diesem mit unbeholfenen Tanzschritten gerne nach. Ein bisschen Gemeckere muss dann aber doch sein. Da sind wir schon nah an Frankreich und es wird doch ein deutlich hörbares Aux ArmeS.

Ganz ehrlich: Wenn das Erfolg im modernen Fußball ist, dann wollen wir keinen Erfolg haben. Alles so Event, so künstlich, dass es echt bitter ist. Und dabei hatte Freiburg in den 90ern mal richtig was Eigenes.

Es strahlt nicht nur die Sonne, sondern auch das Flutlicht. Alles für das Fernsehen? Dann sollten man so konsequent sein wie in den USA und den Bau von Tribünendächern einfach lassen. Das ist dann sinnvoller als die Energieverschwendung.

Uffm Platz

Unsere Jungs verschlafen Halbzeit 1 doch deutlich. Und Freiburg reicht so eine durchschnittliche Leistung, um 2-0 in Führung zu gehen. Was diese Saison echt nervt ist, dass wir unfassbar viele Tore im zweiten Versuch bekommen. Da steht ein Freiburger und drei Verteidiger und der Abpraller von Skyman kann vollkommen ungestört vom Freiburger eingenetzt werden. Das hat auch was mit Konzentration zu tun und nicht nur mit Zufall. Das 2-0 durch die Mauer nach einem zumindest aus dem Gästeblock zweifelhaften Freistoß ist auch so ein Ding, was man nicht unbedingt bekommen muss. Was nervt bei Freiburg? Dieses „Argh, ich sterbe … oh ich kann ja doch weitermachen ohne Behandlung“. Als Schnecke – nebenbei zu Recht – die gelbe Karte sieht, wollen wir ob der lebensgefährlichen Verletzungen des Freiburgers schon seine nahen Angehörigen informieren. Glücklicherweise gab es eine Wunderheilung. Selbst ohne die Heilungskräfte der Mannschaftsärzte. Bei aller Liebe: Foul ist Foul und das war ein Foul, aber könnte mal bitte jemand Fußballern dieses Theatralische abgewöhnen? Auch gerade nervt es, dass Schiedsrichter nur noch so etwas pfeifen und wenn sich mal ein Spieler nicht an dieses Theaterstück hält, dann bekommt er auch keinen Freistoß.

In der Halbzeit sind wir uns einig, das drehen wir. Fängt auch gut an, nachdem wir mal einen zweiten Ball reinstochern. Geht dann aber nicht gut weiter, als wir beim 3-1 zum kollektiven Tiefschlaf ansetzen und so den alten Abstand ermöglichen. Weitere Schwäche unserer Mannschaft: „Schieß doch“ ist eine zu häufig benutzte Floskel im Fanbereich. Immer wieder sind Jungs von uns relativ blank in einer Entfernung von 18 bis 25 Metern und anstatt einfach mal draufzuhauen, kommt der nächste Pass. Ja, viele Schüsse aus der Distanz gehen in die Dreisam, Elbe, Düssel, Wupper oder Rhein; aber so lehrt man gegnerischen Verteidigungen, dass sie den Raum 18 bis 25 Meter vor dem eigenen Tor nicht verteidigen müssen. Fehlende Räume näher vor dem Tor sind die Folge. Immerhin nimmt Alushi sich mal ein Herz und zimmert einen rein.

Wieder Spannung, aber der nächste Fehler kommt bestimmt und so steht es auch schon 4-2. Mit einem Elfmeter kommt man wieder ran, aber in Deutschland ist es egal, was vorher passiert ist, es wird in Halbzeit 1 eine Minute und in Halbzeit 2 drei Minuten nachgespielt. Und zwar holzschnittartig. Nicht, dass wir nun unbedingt noch den Ausgleich in Minute 94 geschossen hätten, aber komisch ist das schon. Und bei einem Spiel ohne Tor, ohne große Unterbrechungen gibt es dann auch 3 Minuten.

Unsere Saison war schon vor dem Spiel gelaufen, nun ist sie es endgültig, wenn man mal von diesem eher abstrakten Ziel des möglichst hohen Fernsehgeldes absieht. Was kann man als Saisonfazit ziehen? Es ist gut, dass uns kein Gegner in der Liga wirklich zwingend besiegen muss. Kein Team ist wirklich so viel stärker als wir, dass wir gegen es in 90 von 100 Fällen verlieren. Es ist schlecht, dass wir uns zu häufig aber selber noch ein Bein stellen, um wirklich oben um die ganz großen Fleischtöpfe mitzuspielen. So komisch es klingt, auch heute war Freiburg schlagbar. Nehmen wir es als Basis für die nächste Saison.

Und dann?

Will unser Lieblingsschwabe nur noch weg und äußert, dass er dieses Teilbundesland nun unbedingt verlassen wolle. Tun wir dann auch. Schnell nach Hause. Aber vor dem „zu Hause“ hat der liebe Gott noch die Rückfahrt gelegt. Und die ist aus Freiburg lang.

Apr 042016
 

Es geht so nicht weiter wie am Freitag. So vieles ist einfach falsch. Aber der Reihe nach:

Kultur schnell ändern

Erinnert sich noch jemand an die Choreo gegen die Rauten II mit der Mentalitätsbanane? Oder an die Choreo gegen Lübeck mit der Prise Stil? Und warum laufen heute bei uns Leute rum, die aussehen, wie Lübecker und Rauten heute und damals? Was ist eigentlich aus dem Stil geworden? Man verstehe uns nicht falsch, jede Generation soll doch bitte ihren eigenen Style finden. Aber denkt doch mal weiter und nehmt euch nicht 00er Jahre Deutsch-Ultra als Vorbild.

Und warum setzen sich bei Vereinen immer die Trottel durch, bestimmen die Außendarstellung und warum lassen sich die cleveren Leute an die Seite drängen? Gut an unserem heutigen Gegner zu beobachten. Ja auch wir kennen echt helle und gute Menschen, die Union lieben. Aber leider gewinnen auch dort immer mehr die Leute die Oberhand, die rassistische Fangesänge für geil halten (Vorgeführt am Bahnhof) und die meinen, dass Banner klauen und präsentieren Fankultur sei. Sowieso dieses „rumhampeln“ auf dem Zaun mit gegnerischen Bannern. Braucht man danach eigentlich Taschentücher? Langsam müsste man mal das in Nahaufnahme aufnehmen und unter „best of Hampelmann“ präsentieren. Leute, wenn das euer Lebensinhalt ist, dann geht in den Gewalterlebnispark, aber lasst uns mit den guten Unionern in Ruhe Fußball gucken. Es nervt nur noch, ist mit infantil nur nett umschrieben und hat mit einer förderungs- oder erhaltungswürdigen Kultur nix zu tun. Und das sich beim FCSP kein Fanclub auflöst, weil ihr da den Vollidioten auf dem Zaun mimet, sollte auch bei der größten Blitzbirne angekommen sein.

Und wisst ihr, Pyro und das Transpi mit „April April“ zeigt doch, dass ihr die feine Klinge des Humores und der optisch schönen Supports kennt. Und komm mir jetzt keiner mit meckern über Pyro. Wenn ich sehe, wieviele Instagram, Twitter, Facebook Fotos online gestellt werden, finden das zu viele Leute toll.

Aber mal auf die Metaebene: Sowohl an der Alten Försterei, am Müngerstorfer Stadion oder am Millerntor müssen endlich wieder die vernünftigen Leute den Ton setzen und die unvernünftigen einfangen und an den Rand drängen. Sonst müssen wir über eine erhaltenswerte Kultur schnell nicht mehr reden.

Schweigt und trinkt für dich

Liebe Gegengerade, du hast ja immer noch kurze helle Momente, wenn du z.B. Benny Köhler mit Applaus auf dem Feld begrüßt. Aber insgesamt hat das mit einer Fußballkurve nix mehr tun tun. Teilweise war es so leise, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Und ja, eure Woche war berichtenswert und das Handyvideo muss auch gezeigt werden. Aber Astra trinken und sich unterhalten kann man auch woanders. Und ja, es gibt mal Fälle, wo man sich nicht fühlt und schweigt. Geschenkt. Hatten wir Freitag auch. Gedrückt, versucht ihn zu ermuntern, alles gut. Aber das ist ja nicht der Grund für 12.000 Leute zu schweigen.

Wobei halt. Es gibt einige unermüdliche, die machen Choreos (deren Fahnen dann von irgendwelchen Trotteln nicht zurück gegeben werden, sondern über den Dom getragen werden und dann auf Nimmerwiedersehen verschwinden) und versuchen Stimmung zu machen. Und Leute ganz ehrlich: Schafft euch eine Trommel und zwei Megafone an. So ist das zu unkoordiniert und kostet euch zuviel Kraft. Macht euren eigenen Stil, aber macht es organisiert.

Und sollte irgendwer sich beschweren oder noch besser Bier werfen, dann kann er gerne sich bei uns einen Satz heiße Ohren holen. Zur Zeit ist es einfach entsetzlich und man kann dem Verein beinah nur raten das Ganze als Sitzplatz umzubauen. Gelangweiltes schweigendes Publikum kann man auch mehr Geld für seinen Platz abknüpfen.

Und auf dem Platz?

Nein. Das ist gar nix. Das ist ja alles nett und brav und garantiert auch 100 % nach den taktischen Vorgaben, aber es fehlt dieses Gewinnen wollen um jeden Preis. Es fehlt dieser Spieler, der am Ende Blut auf den Stutzen hat. Ja, das mag alles nicht „moderner Fußball“ sein, aber es ist FCSP DNA.

Was war Positiv?

Wir werden nie verstehen, dass Bibi nur zweite Liga pfeift. Sie macht genauso viele Fehler, wie alle anderen. Aber die Spielleitung ist so etwas von flüssig aber doch bestimmt und damit einfach erfrischend. Wenn man dagegen z.B. einen Aytekin sieht, dann müsste Bibi schon lange 1. Liga pfeifen.

Nach dem Spiel?

Hallo Besatzungsmacht Polizei Hamburg. Es ist unser Viertel. Lasst die Kriegsgeräte zu Hause, rüstet endlich mal ab und hört auf mit diesem Scheiß. Ihr nervt.

Und sonst?

Willkommen Vegar. Gefühlt ungefähr der 10000ste Spieler, der „schnell“ ist und auf der Außenbahn zu Hause. Gefühlt ein Überangebot solcher Spieler. ABER wir haben keine Ahnung und es sind ja auch vier Positionen, die man schon doppelt besetzt haben sollte.

Tschüss Zecki. Es war ein Fest. Ja, Aprilscherze sind nicht lustig. Aber der Abgang ist schon süß.

Es schrieben sonst:

Frodo, dem noch mal gratuliert sei zum Geburtstag.

Das Fangirl ist auch in Schwung