Mrz 212016
 

Spielterminierungen am Samstag um 13 Uhr sind weniger ansprechend. Und dann noch in Sandhausen! Da stellt nicht mal die DB eine brauchbare Verbindung bereit. Günstiger und entspannter erscheint der Nachtbus zu sein. 22 Uhr Abfahrt in Hamburg, 6:20 Uhr Ankunft in Heidelberg, kein Umstieg. Ok, alles klar, gebucht! Ein Fehler.
Als ich kurz vor Zehn in der S-Bahn zum Haupbahnhof sitze und schon einen langen Tag hinter mir habe, aber und dementsprechend müde bin, denke ich mir, das kann doch nicht so schwer sein, in acht Stunden mal ein wenig zu schlafen. Weit gefehlt!

No Sleep till Sandhausen!

Vor der Ankunft in Hannover geht schon mal gar nichts. Bei Whatsapp schlägt man mir unterdessen Alkohol zur Förderung der Schlafbereitschaft vor. Mit dem Bier fühle ich mich zwar etwas asozial, aber selbst schuld. Dürftet ihr halt nicht so laut schnarchen. Der Gerstensaft tut sein Übriges und noch vor Kassel bin ich eingeschlafen und bleibe das sogar bis kurz vor Frankfurt. Fast zwei Stunden. Immerhin.

Danach geht allerdings gar nichts mehr. Wie in Trance betrachte ich das Rhein-Main-Gebiet und scrolle durch meine Timeline, in der bereits alle schlafen oder bekifft sind. Also was nun? Mein Blick fällt auf das mitgenomme Buch „Anarchy in the UKR“ von Zhadan und ich denke an die ersten Kapitel, in denen er das Reisen durch die Regionen Donbass und Lugansk beschreibt. Dagegen ist meine Reise doch vergleichsweise langweilig und das Problem des wenigen Schlafs erscheint relativ unbedeutend. Erleuchtet von dieser Erkenntnis rollt der Bus weiter bis Heidelberg.

Tourismus in eigener Sache

Die erste Schritte nach über acht Stunden und 600km Sitzen fühlen sich noch etwas komisch an. Doch zielstrebig steuere ich die Schließfächer an, verstaue mein Zeug und nehme den nächsten Bus in die Altstadt. Mein Unkenntnis der Heidelberger Innenstadt beschert mir dann noch einen kurzen Fußweg, doch kaum eine halbe Stunde nachdem ich den Nachtbus verließ, stehe ich vor dem Heidelberger Schloss. Um sieben Uhr morgens. Ganze alleine. Um diese Zeit verirrt sich noch kein Tourist, nicht mal ein übermotivierter Jogger auf den Berg über dem Neckar.

Der Blick auf die Altstadt und die Ruinen sind ein wirklich erhabenens Gefühl, insbesondere vor dem stimmungsvollen Hintergrund der aufgehenden Sonne und der zwitschernenden Vögel. Das Schloss öffnet seine Tore erst in einer Stunde. Die Zeit bis dahin verbringe ich mit Wandern durch die Gärten und den Blick auf die Überbleibsel des Schlosses aus verschiedenen Perspektiven. Auch um acht verirrt sich noch keiner hier hoch, So seh ich mir auch den Innenhof und die öffentlich zugänglichen Teile des Schlosses ganz alleine an. Tourismus ohne Touristen. Der Traum eines jeden Kulturpessimisten.

Zu Fuß geht es zurück in die Altstadt, die ich leider vergleichsweise uninteressant finde. Nach über drei Stunden in der subjektiv empfundenen Kälte zwingt es mich in ein Café. Es ist halb zehn und die Innenstadt füllt sich einer Mischung aus touristischen und studentischem Leben. Beide Gruppen stehen bei mir nicht gerade hoch im Kurs und trotzdem gehöre ich zu beiden. Na toll. Der Blick in die App der Deutschen Bahn suggeriert, dass es erst in knapp 1,5 Stunden Sinn ergeben würde, aus der Innenstadt nach Sandhausen aufzubrechen.

Also, was nun? Das Café eignet sich jedenfalls gerade mal zum Aufbessern der eigenen Spanisch-Kenntnisse, die auch viel besser sein sollten. Also wieder raus auf die Straße. Ich laufe am Kurpfälzischen Museum vorbei, drehe abrupt um und frage mich, warum denn eigentlich nicht? So erspare ich mir für 1,80 € die Kälte. Natürlich bin ich auch hier der erste (und während meiner Anwesenheit der einzige) Besucher. Insbesondere die Ausstellung zur Vor- und Frühgeschichte der Region ist erstaunlich positiv und so bereue ich es fast, dass ich nach einer Stunde zum Fußball in die Vorstadt muss.

Feld, Wald, Wiese

Am Bismarckplatz bekomme ich dann die ersten anderen Fans zu sehen. Und die wissen sogar, wie man schneller und entspannter zum Stadion kommt, als die App es vorschlug. Hier dieser Bus, dauert keine 20 Minuten und wir stehen direkt vor dem Stadion. Stimmt. Im Bus trinke ich dann das erste Bier des Tages. Es schmeckt für die Uhrzeit erstaunlich gut und nun liegt der Fokus auf dem Fußball und es fühlt sich nach Auswärtsfahrt an.
Die Fahrt mit dem Linienbus hat noch einen anderen Vorteil zur S-Bahn, die ich für meine vorherigen Besuche in diesem Kaff nutzte. Ich bekomme, wenn man so will, den Kern der „Stadt“ zu sehen. Erschien mir Sandhausen früher überhaupt nicht urban, musste ich meinen Eindruck doch etwas korrigieren. Eine Kleinstadt ist der Ort mit ca. 15.000 Einwohner_innen durchaus, die erscheint mir heute aber eher braun-weiß als schwarz-weiß zu sein.

Das halbe Stadion muss ich als Linienbus-Anreiser umlaufen. Halb so wild. Die umliegenden Wälder und Felder wären zwar ein blödes Klischee, aber bedrohlich wirkt hier nichts. Selbst die Cops verhalten sich (soweit ich das überblicken konnte) absolut unauffällig und zurückhaltend. Daran sollten sich die Hamburger Kolleg_innen mal ein Beispiel nehmen. Es funktioniert doch auch so. Und das Verhältnis zu Paderborn dürfte ja ähnlich unkompliziert wie jenes zu Sandhausen sein. Im Wald vor dem Gästeblock erkenne ich die ersten bekannten Gesichter, es sind leider wenige. Dafür eine bunte Mischung aus Punks, Hipstern und sonstigem Umlandvolk.

Ich weiß, dass es immer wieder Gejammer wegen dem Publikum in süddeutschen Gästeblöcken gibt. Aber mir ist heute nur einer negativ aufgefallen, der meinte einen homophoben Begriff benutzen zu müssen. Schön, dass sofort mehrere Umstehende reagierten. Trotzdem beschäftigt mich sowas. Wie kann das eigentlich sein, dass man Fan eines Teams ist, dass sogar mit Regenbögen auf dem Ärmel spielt, auf dessen Stadion ebenfalls einer weht und das sich bei vielen Gelegenheiten offen und medienwirksam gegen Homophobie ausspricht und sich dann trotzdem homophob äußern? Postmoderne Beliebigkeit? Ihr werdet diese Zeilen vermutlich auch nie lesen, weil ihr euch offensichtlich wenig bis gar nicht mit dem FCSP auseinandergesetzt habt, aber sollte meine Stimme doch irgendwie zu euch durchdringen, lasst euch bitte gesagt sein: Wenn ihr für keine Werte einstehen wollt oder generell einfach ein Problem mit Menschen habt, nur weil sie nicht eurer normativen Vorstellung entsprechen, dann verpisst euch einfach oder überdenkt euer bekacktes Weltbild!

Beobachtungen aus dem Gästeblock

Also rein ins Stadion. Davor die ersten Ordner mit einem Hund, der wohl nach Sprengstoff schnüffeln sollte, sich aber viel mehr für den Boden interessierte. Naja, wer wills ihm verübeln? Terroranschlag an Sandhausen. Na klar. Abtasten wollen heute nur eine Handvoll Ordner. Kein Wunder, dass sich eine gewaltige Menschentraube vor dem Block bildet. Ich hab Glück und gerate an einen, der sich sogar noch dafür rechfertigt in meine Tasche sehen zu wollen. Meinem Nebenmann will man sogar Aufkleber abnehmen. Sticker als Gefahr für Recht in Ordnung. Solche Leute wollen auch das Abendland retten. Zu dem Common Sense im konservativen Baden-Württemberg gehört auch ein restriktiver Umgang mit Alkohol. Und so gibt es beim Catering nur Leichtbier. Naja, am Ende drehen diese Ultras noch durch und kleben überall ihre Aufkleber hin.

Das Stadion wurde übrigens seit meinem letzten Besuch umgebaut. Der Gästeblock ist nicht schlecht; interessant ist jedenfalls, dass er direkt nebem der Block der Sandhäuser Ultras (?) gelegen ist, was einen Einblick in deren Kurve ermöglichte. Der kleine Kreis an Leuten gibt sich schon im Rahmen seiner Möglichkeiten Mühe, beeindrucken kann das trotzdem nicht wirklich. Interessanter schon eher die gelegentlichen Mittelfinger von dort Richtung USP. Waraum auch immer. 18,6 Prozent für die AfD bei den jüngsten Landtagswahlen im Landkreis um Sandhausen lass ich mal als These stehen. Könnte sich aber auch um einfaches Profilierungsgehabe handeln. Oder beides. Auf den umliegenden Feldern sind sie nach dem Spiel jedenfalls nicht mehr gewesen, soweit ich weiß.

Fußball!

Und pünktlich um eins rollt dann endlich der Ball. Und es dauert auch gar nicht lang bis Nehrig und Alushi das 1:0 vorbereiten, welches von Thy exekutiert wird. Toller Treffer, spielstark, Nehrig mit guter Übersicht. Die heutige Leistung der Boys in Brown rechtfertigt meines Erachtens den vierten Platz in der Tabelle absolut. Spielerisch deutlich überlegen, die Partie wird kontrolliert, Sandhausen wird gar nicht ins Spiel gelassen. Warum nicht häufiger so? Sicherlich mag das auch ein Stück weit daran liegen, dass die Gastgeber überhaupt nicht präsent sind und eine unterirdische Vorstellung abliefern. Folgerichtig dann auch das 2:0 nach starken Einsatz und einem tollen Abschluß von Ratsche! Geiles Tor! Überhaupt spielt Rzatkowski verdammt stark und immer mit enormen kämpferischen Einsatz. Ich kann nur hoffen, dass er uns noch ein wenig erhalten bleibt.

Die zweite Halbzeit ist eher langweilig. Solide gespielt und obwohl Sandhausen besser ins Spiel findet, werden sie nicht mehr wirklich torgefährlich. Ich denke, man darf dies als hochverdienten Sieg bezeichnen.
Den Support mag ich ungern beurteilen, da das Empfinden etwas eingeschränkt ist, wenn man direkt neben dem Kern von USP steht. Dass es wirklich gut gewesen ist, bezweifel ich. Aber lauter als die dreißigköpfige Kerngruppe nebenan wird es schon gewesen sein.

Heimreise und Epilog

Das Spiel ist aus, alle sind zufrieden und nun beginnt die große Suche im Wald nach den Shuttlebussen zur S-Bahn. Ich bin dankbar, als mir die Fahrt doch erspart bleibt, denn ich treffe Bekannte aus Hamburg, die mit dem Auto da sind und mich nach einem Bier in dem Vereinsheim eines nahegelegen Hundesportplatzes (geile Location!) mitnehmen können. Wir halten an der Bergbahn und nehmen dieses interessante Gefährt runter in die Heidelberger Altstadt. Ich verabschiede mich dort und fahre mit der Straßenbahn zum Hauptbahnhof. Die Nacht werde ich in Hessen verbringen können, sodass ich nur noch zweieinhalb Stunden fahren muss. Auch wenn eine technische Störung die Fahrtzeit leicht verlängert, komme ich gegen 22 Uhr in Nordhessen an. Nach ein paar Gläsern Apfelwein (dem bedeutensten Kulturprodukt Hessens) mit meinen Gastgebern geht’s dann Sonntagmorgen endlich ins Bett. Was eine Tour!

Lieber Leser, liebe Leserin, ich nehme an, ich muss mich erstmal bedanken, dass du diese ganzen Belanglosigkeiten bis hier hin gelesen hast. Lass mich diese letzte Zeilen noch für einen letzten Appell nutzen. Auswärtsfahren macht Laune. Vor allem diese unmöglichen Touren. Und der touristisch geneigte Mensch sieht sogar noch ein wenig was von dem hiesigen Nationalstaat. Der Besuch in Sandhausen hat gezeigt, dass wir durchaus mehr Auswärtsfahrer_innen gebrauchen könnten, also denk doch beim nächsten mal drüber nach, wenn du noch ein Platz im Fanladenbus angeboten bekommst.

Ein letztes Wort noch zur sportlichen Situation. Die Aufstiegsplätze sind in weiter Ferne, weder nach oben noch nach unten scheint wirklich was zu gehen. Sieben Spiele, acht Punkte. Naja. Auch wenn wir noch gegen Nürnberg spielen. Ich sag’s mal ganz vorsichtig: Ich bin Optimist. Vielleicht lässt sich der Abstand ja doch noch etwas verkürzen. Wir sehen uns gegen Berlin oder in Freiburg!

Forza Sankt Pauli!

Mrz 122016
 

Liebe Menschen,

wer schon mal kulturelle Erzeugnisse rezensiert hat, weiß, dass es sich über besonders schöne oder besonders schlimme Dinge am leichtesten schreibt. Mittelmaß ist weniger inspirierend, wenn es da nicht klar erkennbare Höhen und Tiefen gibt. Dann fehlt schließlich der Unterhaltungswert. Das lässt sich gut auch auf Fußballspiele herunterbrechen.

Fußballspiele, jau, da war wieder eins. Am Ende eine knappe Niederlage unseres FCSP gegen ein Team aus dem Tabellenkeller. Mit einem 3:4 nicht so richtig scheiße, aber auch echt nicht geil. Unterhaltungswert hatte die Partie aber zweifellos. Sie liefert Erkenntnisse und wirft gleichzeitig Fragen auf. Aber der Reihe nach.

Friday, I’m not so much in love

Mal wieder Freitagabend, Feierabendhektik und zu wenig Vorspiel bei all jenen, für die der Freitag kein kürzerer Arbeitstag ist. Der Supportblock motzt wie üblich, wenn man erst eine Dreiviertelstunde vor Anpfiff die Gegengerade entert. Leckt mich, Leute!
Fürchterliches Gedränge gibt es zu diesem Zeitpunkt jedenfalls nicht. Von „ausverkauft“ kann im ganzen Stadion keine Rede sein. Traurig vor allem die Paderborner … hat die eine Allesfahrer-Großfamilie Durchfall bekommen? Das ist ja unglaublich dürftig, wie wenig zahlreich die da angereist sind, Freitagabend hin oder her.

Einsingen und Luftballons aufpusten. Zahllose bunte Ballons zieren die Gegengerade, das dürfte von außen echt was hergemacht haben. Können uns nicht erinnern, wann es das letzte Mal so viel davon gab. Dann noch eine große Blockfahne, mit der die bereits angereisten Celtic-Leute begrüßt werden. Zahlreiche weitere Einzelfahnen in irischen Farben auf der Südkurve. Hm, auch das sind nationale Symbole, die wir eigentlich doch nicht so cool finden, oder? Naja, alter Hut.

MagischerFC St. Pauli SC Paderborn Maerz 2016

Neunundneunzigtausend Luftballons auf ihrem Weg zum Horizont

Während ein zarter Sichelmond hoch im Südwesten steht, wird angepfiffen. Von Anfang an ist viel Tempo drin und es dauert nicht lange, dass Paderborn ein Sonntagsschuss gelingt und es 0:1 steht. Scheiße, das hatten wir uns anders vorgestellt – auch wenn wir um die ersatzgeschwächte Mannschaft wissen, der allmählich die Puste ausgeht. In der Folge St. Pauli mit Chancenplus, aber Paderborn gelingt wenig später nach einer beschissen verteidigten Situation das 0:2. Das auch der Halbzeitstand. Nun könnte man anmerken, dass es nicht das Spiel abbilde; aber Chancenverwertung ist eine wichtige Tugend, die die Paderboring heute mal richtig verinnerlicht hat. Als ob da nach Effes Abgang ein Knoten geplatzt sei.

Zweite Halbzeit … der Support schlummert etwas vor sich hin, da fällt bei einem Freistoß Lasse im Strafraum um und es gibt – wohl zurecht – Elfer für Braunweiß. Den macht er selbst, knallig in den Winkel … wow, der hätte auch echt daneben gehen können! In dem Moment erwacht das Millerntor wieder und es roart acht Minuten lang. Die wohl schönsten Minuten des Spiels, weil es sich wirklich anfühlt, als ob wir das jetzt noch drehen würden.

Dann diese Szene, über die sich Ziere noch lange ärgern dürfte. Nach völlig offenem Raum klatscht Helenius das Leder aufs Tor, Himmelmann ist noch dran und Ziereis könnte den aufs Tor kullernden Ball eigentlich auf die Tribüne holzen. Ein Bruchteil einer Sekunde und eine falsche Entscheidung später eiert der Ball in den Kasten, Ziere noch hinterher. Kopf hoch, Junge! Scheiße passiert.

Und die Moral von der Geschicht‘

Dass wir dennoch fast noch wieder herankommen, obwohl es nach 81 Minuten bereits 1:4 steht, ist ein Stück weit bemerkenswert. An dieser Stelle ist sich das Blog-Kollektiv uneins: Spricht so ein Spiel für oder gegen die Moral der Mannschaft? Nein, es kann nicht sein, wenn ein Team aus dem oberen Viertel der Tabelle zu Hause so gegen einen Abstiegskandidaten aussieht. Ja, es ist stark, wenn man sich nach dem 1:4 nicht aufgibt und noch mal zwei Anschlusstreffer hinterhersetzt. Kaufen kann sich leider aber keiner was davon.

Und so sind die Aufstiegspläne jetzt wirklich mal ad acta zu legen. Spannend – und das sehen wir mit etwas Sorge – wird dann die Folgesaison. Wir haben mit einem Kader, der großteils aus der Fast-Abstieg-Spielzeit zuvor stammt, dieses Jahr über weite Strecken super oben mitgehalten. Wenn dann einige Leistungsträger gehen und die Moral bröckelt, kann es schnell zappenduster aussehen. Nun, bei solchen Prognosen sind wir lieber vorsichtig. In der vergangenen Sommerpause bezeichneten ja auch nur tollkühne oder völlig irre Fans (oder solche mit außergewöhnlichem Fußballsachverstand) den FCSP als Aufstiegskandidaten.

Und dann war da noch:

Kampf ums Viertel?

Es ist schon etwas abartig, was die Polizei Hamburg dort veranstaltet. Immer wieder werden zu unseren Heimspielen massiv Polizeikräfte zusammengezogen und dann wird der nichtigste Anlass dazu genutzt, mit irgendwelchen Robocops Fans zusammen zu knüppeln. Was man eigentlich will und was eigentlich Sinn der Sache ist, außer Macht zu demonstrieren, ist niemanden so richtig klar. Kommuniziert wird ja auch nicht. Außer mit Knüppeln. Anscheinend wollen sich hier sogenannte Szenekundige Beamte als Herrscher über das Viertel aufspielen. Dabei haben die nicht mal die Kompetenz, um über ein Kaninchenkäfig zu herrschen.

USP brachte es richtig auf den Punkt, als sie kommentierten, dass man sich in seinem Viertel nun garantiert nicht von der Polizei vorschreiben lassen würde, wie man in seine eigenen Kneipen, Wohnungen und Projekte geht. Der geneigte Mensch würde das auch einfach „Menschenrecht“ nennen.

Anscheinend hat man solche Gedanken in Hamburger Polizei Kreisen nicht, sondern will lieber zeigen, was man so alles hat. Und so fährt man für ein Spiel gegen Paderborn mehr Gerätschaften und Polizisten auf als bei Hansa Rostock. Wohlgemerkt: Es ist im Jahr 2016 nicht zu wirklichen Ausschreitungen oder anderem gekommen. Nix, was so etwas rechtfertigen würde. Und selbst in Paderborn hätte man im Hinspiel gemerkt, dass es kein Risikospiel ist, und die Bürgerkriegsausstattung der vorherigen Jahre reduziert. Nicht so in Hamburg. Zwei Wasserwerfer, grob irgendwas über 500 Polizisten und Räumpanzer.

Der Marsch

In diesem Besetzungsklima formiert sich also nach dem Spiel ein Marsch. Die Pessimisten erwarten nun, dass es knallt, aber zum Glück passiert das nicht. An den Aufruf, kein Pyro zu zünden, wird sich ungefähr 50 Meter gehalten, aber zum Glück meint niemand, daraus ein riesiges Ding zu machen. Deutlich mehr Leute als bei der Pudel Demo ziehen danach also durchs Viertel.

Die Polizei setzt vor dem Café Miller kurz ihre Helme auf, rennt auf den Marsch zu, keiner weiß warum; aber zum Glück behalten auch hier alle Leute die Nerven. Genauso hektisch zieht man sich dann zurück und machte den Paulienplatz zu einer Uniform-Show. Dort löst sich der Marsch dann mit Gesang auf.

Ca. 30 Minuten später stehen aber immer noch ungefähr 100 Polizisten mit Helm auf am Grünen Jäger. Zu diesem Zeitpunkt ist dort schon Business as usual am Freitagabend. Grund? Wissen wir nicht. Was jedoch Angst macht: Heute hat auch Masse unüberlegten Mist der Polizei verhindert. Wird dies auch so sein, wenn nach Union 200 Leute den Marsch bilden?

Ach ja, Herr Lenders und Co.: Anstatt immer über Belastung zu jammern, sollten Sie als Vertreter des „kleinen Beamten“ mal ihre Mächtigen hinterfragen, die solche Besatzungseinsätze befehlen. Auf St. Pauli würde man sich freuen, wenn so ein Spiel nur mit den notwendigen 20 Beamten gefahren werden würde.

Mrz 072016
 

Machen wir es kurz. Was willst du schon zu so einem Spiel schreiben?

Hinfahrt: Mit dem Veteranenauto auf großer Tour

Wer mit den Freaks schon mal auswärts gefahren ist, der weiß, was Vereinsliebe ist. Da macht einer sein 500. Pflichtspiel des FC St. Pauli und der andere sein 998. Liga(!)spiel unseres Vereines. Anekdoten aus 30 Jahren Herumfahren mit dem FC St. Pauli sind garantiert. Viel mehr passiert aber nicht und wegen zu früher Abfahrt sind wir auch zu früh da und haben dafür den Luxusparkplatz …

… dessen Vorteile wir nicht ganz nutzen können, weil wir von letztem Jahr gewohnt sind, dass die Polizei alle direkten Wege absperrt. Aber siehe da: Man ist lernfähig, hält sich mit Präsenz und Absperren sehr zurück und eröffnet so Wege, die es letztes Jahr nicht gegeben hat. Passieren tut natürlich absolut nix. Größter Höhepunkt in der Anreisephase ist der eine Neuner aus Hamburg, welcher sich an das sozialisitische Motto „Vorwärts immer, rückwärts nimmer“ hält und das rückwärtige Einparken komplett verweigert.

Noch ein kurzer Schnack mit der Twitterfraktion und unserem Vorsänger und dann geht es auch schon in den Block, wo über die Heidenheimer Fanbetreuung auf Wunsch zwei Bierkistenpodeste bereitgestellt sind. Das nenn ich mal Gastfreundschaft. So kann man von überall aus dem Block unsere Vorsänger sehen. Und nach einem Fahnenintro entwickelt sich eigentlich auch 90 Minuten guter Support, der lustigerweise seine Höhepunkte nach der feststehenden Niederlage entwickelt.

MagischerFC FC Heidenheim St. Pauli Maerz 2016

Da war nix zu holen

Das Spiel ist schnell erzählt. Fehlende Frische, fehlende Ruhe trifft auf hochmotivierte Mannschaft. Mit der kurzen Pause ist das leider nicht vollständig entschuldigt, denn es fällt auf, dass unsere Mannschaft dieses Jahr massiv Probleme gegen diese „kleinen“ Gegner vom Dorf hat. Man verstehe uns nicht falsch, in Heidenheim wird gute Arbeit geleistet und man muss – ähnlich wie in Sandhausen – diese Vereine dafür respektieren; aber wir als Verein aus einer Millionenstadt sollten uns nicht daran gewöhnen, gegen Dörfer zu verlieren, die auf dem Autokennzeichen drei Buchstaben haben (das umfasst nebenbei ausdrücklich HRO und WOB!). Leider ist hier die Konstanz und vielleicht auch die Motivation, solche Spiele ebenfalls mit 110 Prozent anzugehen, noch nicht vorhanden. Da muss man sich noch weiter entwickeln.

Woran fehlt es?

Picault definitiv an der taktischen fußballerischen Ausbildung. Man Junge, du bist doch motiviert. Das sieht man dir doch an. Aber in der zweiten Liga wirst du nix, wenn bei jeder defensiven Situation Abdel und Ewald das Wort „Fafa“ auf den Lippen haben und dir zeigen müssen, wo du hin musst. Bereits nach zehn Minuten stellten unsere Trainer deswegen taktisch auch um und erlösten Fafa nach 45 Minuten. Man schade, der Junge ist doch schnell und hat Feuer, aber im taktischen Bereich muss der noch arbeiten.

Was fehlt noch?

Zweite Bälle haben wollen. In ganz vielen Situationen setzen wir nach Abprallern, nach Flipperbällen nicht nach. Auch beim 1-0 gucken wir kollektiv nach dem Schuss in die Luft, während der Stürmer reagiert. Wer hier Skyman die Schuld geben will, der kann das gerne tun. Halten wir angesichts von freier Schussbahn, nassem Ball, hartem Schuss für absolut lächerlich. Der ist da die ärmste Sau auf dem Platz. Mal ganz davon ab, dass diese modernen Bälle unfassbar fies flattern.

Das 2-0 ist dann Folge der Verletzung von Buballa, der nach einem Zusammenprall nicht klar wirkt und sofort danach ausgewechselt werden muss; dann das Loch ist, welches Heidenheim nutzt. Hoffen wir, dass er nichts schlimmeres abbekommen hat.

Was wohl bei Verhoek leider der Fall ist. Man, da kommt der Junge endlich endlich ins Rollen, kann sich bei seinem zukünftigen Arbeitgeber vorstellen und verletzt sich nach zehn Minuten (und wird nach 14 ausgewechselt, was die zwei Minuten Nachspielzeit schon sehr lächerlich erscheinen lässt. Man sollte auch nicht auf die Uhr gucken, wenn so etwas passiert.

Nach dem Spiel komisch anmutende Szenen. Der Gästeblock feiert eine verlierende Mannschaft beinah in vollständige Personenstärke, während die gewinnende Mannschaft einem vollen Gästeblock und eine sehr leeren Stadion applaudieren kann. Aus unserer Sicht nicht aufklärbar sind die Zeichen von Ewald an die Mannschaft, als diese in die Kabine will. Versucht er sie an Zaun zu holen? Schickt er sie weg? Können wir aus unserer Sicht nicht sagen. Er wird noch ein bisschen gefeiert, während die Heidenheimer immerhin vom kleinen Fanblock noch angemessen gefeiert werden.

Feierabend, schnell nach Hause

So verliert man ja immer nur am anderen Ende der Republik. Dank einer kleinen Stunteinlage sind wir schnell auf der Autobahn und trotz Schnee in den Kasseler Bergen auch zeitig in Hamburg. Danke, liebe Fahrer.

Das Bett wartet und ab morgen heißt es dann Paderborn Probleme machen. Auf geht es Jungs!

Mrz 042016
 

Liebe Freunde des FCSP und liebe andere Leser. Donnerstag ist der neue Montag. Man lebt schon in sehr absurden Zeiten, wenn man über ein Montagsspiel am Donnerstag froh sein muss, weil die normale Anstoßzeit für Wochenspieltage in der zweiten Liga mit „scheiße“ nur unangemessen beschrieben ist.

Wir stellen uns ja auch immer folgendes Gespräch mit der Premiere-/Sky-/Wie-auch-immer-Hotline vor: „Ich wollte sie ja nicht abonnieren, aber dann sah ich, dass sie die zweite Liga bei englischen Wochen schon ab 17:30 zeigen, das hat mich komplett überzeugt.“ Oder ist das wegen des asiatschen Marktes? Wir wissen nicht, welche Windungen in den Gehirnen der Vermarktungsoptimierer da wieder frei gedreht haben, aber die Behandlung der zweiten Liga an Wochenspieltagen ist großer Mist

Nun gut, Europapokal-Feeling am Millerntor. Die Leute kommen spät und gehen früh, da eben alle arbeiten müssen. Nicht gerade toll.

Liebe Freunde, es muss was zum Support gesagt werden. Die Atmosphäre unter der Woche abends zu spielen könnte doch für Lautstärke sorgen. Nun, dem ist leider nicht so. USP wirkt nur phasenweise anwesend, die Gegengerade findet gar nicht statt. Dabei ist sie in dieser Hinsicht doch ein schlafender Riese. Wenn sie will, übertönt sie die Südkurve um ein Vielfaches. Wenn wir wirklich von der Prämisse ausgehen, dass Support sich positiv auf die Jungs auf dem Platz auswirkt und sie nach vorne treibt, muss dieses Potenzial nun endlich mal entfaltet werden.

Es beginnt doch anfangs so gut, der Flow ist da. Nach „Ultras!“ und „Diffidati“ ist davon leider nicht mehr viel übrig. Die Gegengerade verfällt an diesem Donnerstag in einen besonders tiefen Schlaf und wacht nur auf, wenn sie von der Südkurve dazu animiert wird. Also fast wie auf der Haupttribüne eigentlich. Oder in irgendwelchen Clubhotels. Besonders ärgerlich daran ist, dass es nach Aufforderung durch USP ja funktioniert. Mehr kurvenübergreifende Kooperation im Support erscheint dann doch wünschenswert; insbesondere als Rückversicherung gegen vorzeitiges Wegpennen.

Zum Spiel

Auf dem Platz Acker entwickelt sich ein Spiel, was dem neutralen Zuschauer zu Begeisterungsstürmen hinreißen muss. Gelungene Kombinationen, Tempo, massenweise Torchancen. Genau das alles nicht. Wenn eine Mannschaft in der Lage ist, einen Ball mal sicher über vier Stationen zu bringen, dann hat das Seltenheitswert. Das Spielerische ist bei uns zur Zeit echt auf ein Mindestmaß zurückgefahren. Da waren wir echt schon weiter. Das Kämpferische, das stimmt. Hat hier jemand was von „gutem alten Millerntor-Fußball“ gesagt? Ja liebe Leute, so etwas wurde früher noch sehr gewürdigt. Nun wird’s eher als nicht ausreichend angesehen.

Es ist schade, dass im modernen Fußball Gruppen von Spielern nie zusammen bleiben und der Häuptling immer weggekauft wird. Was die Jungs da mit dem kämpferischen Vorbild Ratsche arbeiten, ist schon beachtlich. Schade, wenn der nun nächste Saison irgendwo auf der Bank sitzt, weil jemand mit Millionen winkt. Aber so ist es heutzutage nun mal. Genießen wir es, so lange diese Truppe uns unterhält. Unsere Viererkette kannst du ja zur Zeit zusammen würfeln, wie du magst, sie steht. Keller und Ziereis innen mit großer Leistung, auch wenn man Kumbela nicht 100-prozentig in den Griff bekommt. In Ansätzen erkennt man schon, warum der Junge mal Torschützenkönig von Liga 2 war.

Nur offensiv geht bei uns gar nix. Thy hat einen komplett gebrauchten Tag erwischt und Jerry tankt sich zweimal richtig geil durch, nur um dann in bester Slapstick-Manier zu verstolpern. Sowieso Jerry: Dem fehlt es aber so an der Leichtigkeit. Das Talent blitzt immer wieder auf, aber das läuft (noch) nicht rund.

Eigentlich hat sich alles schon auf ein 0-0 geeinigt, als unser Mann für das Juristische seinen Umstehern erklärt, dass er nun ein Tor pinkeln geht. Gesagt, getan, und der Fußballgott meint auch, dass es nun irgendwie ein Schlagloch geben muss. BÄÄÄÄMMM trifft Verhoek. Oh man, endlich, viel zu spät in seiner braunweißen Karriere hat er mal das Glück, dass solche Bälle rein gehen. Der Junge hat eigentlich die Anlagen für einen Stürmer. Aber irgendwie wollte es bei uns nie klickern. Kann er ja seinem neuen Arbeitgeber am Wochenende noch mal zeigen, was er so drauf hat.

Nach dem Spiel Jubel, Trubel, Heiterkeit.

Und die Polizei.

Wer regiert hier wen?

Nun ist es ja so, dass St. Pauli – Braunschweig ein Spiel ist, was man ruhig als Risikospiel klassifizieren kann. Braunschweig bringt doch einige komische Gestalten mit und das kann auch mal unangenehm werden. Nun ist es aber Donnerstagabend und entgegen aller anderen Annahmen müssen auch unangenehme Gestalten da nach Hause. Kurz: Ein paar Einsatzkräfte sind garantiert gerechtfertigt. Aber nun zwei Wasserwerfer, einen Räumpanzer sowie nahezu alle Hamburger Hundertschaften auf die Straße zu stellen erscheint doch etwas übertrieben.

Bereits vor dem Spiel fragt jemand zu Recht, ob Grote (neuer Innensenator Hamburgs) hier nun den harten Mann spielen will oder die Hamburger Polizei ihm mal zeigen will, wer das sagen hat. Und das ist nicht er.

Nun ist Andy Grote im Viertel verwachsen, kennt sich bei allen politischen Differenzen beim FCSP und im Viertel aus und hat sich in früheren Ämtern auch den Ruf eines Politikers erarbeitet, der sich mal für Sachen einsetzt, die nicht ihm sofort die Karrierechancen verbessern.

Aber was passiert nun nach dem Spiel?

Diese Kräfte sind nicht etwa dazu da, die Fangruppen zu trennen, nein, sie sollen gezielt gegen FCSP-Fans eingesetzt werden. Und zwar gegen den Marsch unserer Ultras. Nun ist dies ja kein neues Phänomen. Seit mindestens zehn Jahren spazieren unsere Ultras immer mal wieder nach Spielen grob 20 Minuten durchs Viertel, singen, tanzen und trinken dann Bier. Ist auch zehn Jahre nie wirklich ein Problem gewesen. Schon immer wurde da auch mal Pyro gezündet und angemeldet hat das nie jemand. Hat die Polizei in zehn Jahren nie wirklich gestört. Man begleitete den Marsch und am Ende gingen alle ruhig ihrer Wege.

So sieht für uns grob vernünftige Polizeiarbeit aus. Keine Hektik reinbringen, deeskalieren und bisschen gucken, dass das nicht aus dem Rahmen geht. Und wenn da mal kleiner Mist passiert, kurz abwägen, ob es nun sinnvoll ist, das Ganze zum eskalieren zu bringen. Ist es meistens nicht. Und gut ist. Hat zehn Jahre so geklappt, die meisten Polizisten konnten im Warmen bleiben und alles war gut.

Nun hat sich aber irgendein Hirni in der Hamburger Polizei in den Kopf gesetzt, dass man diesen Marsch auf alle Fälle verhindern müsse. Folge: Man stellt riesige Polizeikräfte direkt in den Weg der nach Hause wollenden Mehrheit der FCSP-Fans. Alleine die dadurch entstehende Enge wirkt eskalierend.

Und wie nun mal Ultras so sind, sie lassen sich doch nicht von den Ideen irgendwelcher Hirnis steuern. Also beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel. Wohlgemerkt: Alternative ist 20 Minuten rumspazieren und nach 40 Minuten sind alle im Warmen. Der Marsch nimmt also Anleihe bei Spontis und sammelt sich irgendwo im Bereich Budapester Straße.


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Würde er in Richtung Gästeblock wollen, wäre das kein Problem, denn dort wenig Polizei und diese auch einfach zu langsam. Als sie eine Kette aufstellen, ist der Marsch schon lange in die Paulinenstrasse abgebogen. Hält man halt ein paar Passanten davon ab auf dem direkten Weg nach Hause zu kommen. Irgendwelche Berechtigung muss man ja haben. Dann rennt man hinterher. Andere Kräfte halten den Marsch nun in der Otzenstraße auf. Wohlgemerkt, die Otzenstraße hoch geht es weg von allem, was irgendwie Konflikte bringen könnte. Die meisten Leute wohnen da oben auch. Man sprüht noch ein bisschen Pfeffer, nur um danach die Leute weiter ziehen zu lassen.

Ein Versuch, in Sicherheit zu denken

Man verstehe uns nun nicht falsch: Das was jetzt folgt, ist nicht unsere Meinung.

Nehmen wir mal an, dass dieser Marsch nun ganz gefährlich und so ist. Dann hat die Polizei die Pflicht und die Aufgabe, Gefahren abzuwenden. Dafür hat sie die Mittel des Platzverweises und der Ingewahrsamnahme. Nehmen wir an, es sind böse Straftaten passiert. Dann kann die Polizei Leute festnehmen und auch Personalien kontrollieren.

Was aber nicht Aufgabe einer Polizei ist, selbst wenn man voll in Sicherheit denkt, ist es, sich eine Straßenschlacht mit Schnitzeljagd-Elementen mit Leuten zu liefern. Das bringt weder Sicherheit, noch klärt es irgendetwas auf. Aber genau das macht die Polizei immer häufiger. Es wird nicht kommuniziert, es wird nicht versucht, Bewegung und Hektik herrauszunehmen, es wird durch Rennen durch vollkommen unbeteiligte Menschenmengen (so geschehen Ecke Budapester/Paulinenstraße, wo natürlich Leute ihr Siegerbier vor dem Jolly trinken) Hektik hineingebracht.

Einziges Ziel ist es immer wieder, Leute zu provozieren und damit eine Reaktion hervorzurufen. Das ist aber nicht Aufgabe einer Polizei. Und hat mit Sicherheit nix zu tun. Darüber hinaus ist diese „Wir gegen alle“ -Haltung mehr als unerträglich. Wer es nicht mehr schafft, mit Leuten, die mit der Situation nix zu tun haben, vernünftig zu kommunizieren, der hat ein Problem. Die Damen und Herren im Vollkontaktschutz haben es ja nicht mal mehr nötig, im Dunklen bei dunklen Uniformen mal per Ruf Leute zu warnen, wenn sie durch eine enge Gasse laufen. Wenn man da nicht aufpasst, dann wird man als Passant halt einfach überrannt. So u. a. unserem Mann für das Juristische passiert, der einfach auf sein Handy guckt und kurz nicht alles mitbekommt.

Gefahr? Null

Nun denn, es knallt durch einen Vogelschreck (absolute Unart, diese Teile irgendwo in eine unübersichtliche Situation zu werfen) und die Polizei sperrt nun den Paulinenplatz von der Paulinenstraße ab. Das Absurde dabei: Kurzzeitig sind auch die anderen Zugänge gesperrt, aber als man den Paulinenplatz schon lange über Annenstrasse oder Wohlwillstrasse erreicht, sperren die Truppen immer noch vehement das alles ab. Kurz: Man könnte dem Polizisten ein „Tschüss“ zuwerfen, einmal um drei Häuserecken laufen und ihm dann von hinten auf die Schulter tippen. Auch trennt man Bier trinkende FCSP-Fans von Bier trinkenden FCSP-Fans. Gefahr? Null. Aber auch diese Hinweise mehrerer Leute lässt die Kette nicht erweichen. Es sei wichtig. Und man muss jeden, der fragt oder gerade neu hinzukommt unfreundlich darauf hinweisen, dass man hier nicht durch käme. Auch hier: Wir haben schon erlebt, dass Polizisten so etwas auch mit Humor und einer freundlichen Ansage verkaufen. Das geht. Und kommt doch deutlich besser an, als dieses „Ich habe einen Knüppel und du bist hier mein Untergebener“. Es läuft in einer offenen Gesellschaft nämlich sehr viel falsch, wenn dies die Grundhaltung einer Polizei ist.

Wieder ein Vogelschreck. Die Kette setzt sich in Bewegung. In die andere Richtung als der Knall. Haben die Angst? Ungefähr zehn Sekunden nachdem die weggelaufen sind, rennt eine andere Einheit wieder in diese Richtung. Alles kreuz und quer ohne Plan. Böse Zungen behaupten, sie spielen das Spiel nach.

Wunder oh Wunder, die Wasserwerfer hat keiner gebraucht. Sie würden auch nicht durch die Otzenstraße und andere Gassen auf St. Pauli passen. Die fahren nun nach Hause. Wir auch.

Was bleibt, ist ein Gefühl der Ohnmacht, des Unverständnisses

Was soll so etwas? Ja wissen wir. Aber es läuft sehr viel schief, wenn sich eine Polizei in einem Viertel wie eine Besatzungsmacht aufführt. Es läuft sehr viel schief, wenn man nach zehn Jahren plötzlich meint, die harmlose Ausdrucksformen von Heranwachsenden mit aller Macht (und das ist da mal wörtlich gemeint) zu unterdrücken.

Wo sind eigentlich die Zeiten hin, wo Jugendliche, wo Menschen den Freiraum hatten, sich auch mal nicht 100-prozentig konform zu verhalten? Es ist eine Geißel unserer Zeit, dass alles von oben reglementiert und kontrolliert werden muss. Das ist keine freie Gesellschaft und ist auch für die Entwicklung einer Gesellschaft fürchterlich. Polizei regiert und regelt nicht mehr. Sie will agieren und bestimmen, was Menschen machen. Egal, ob sie gerade einfach nur Mensch sind oder eine Tat begehen. Das interessiert nicht mehr.

Hingewiesen sei auf die Stellungnahme des Fanladens, die sich in vielen Dingen mit unseren subjektiven Eindrücken deckt, aber auch mehr Überblick hat.