Feb 292016
 

Unsereins fährt ja nicht mehr so häufig mit dem Fanladen-Bus auswärts. Man wird dann ja doch äl bequemer und nach gut 15 Jahren regelmäßigem Auswärtsfahren hat man auch schon alles gesehen.

Aber ab und zumal muss man dann doch mal wieder ran. Und so wird es Bus 1 und mit einer entspannten sozialen Bezugsgruppe geht es in Richtung Duisburg.

Man kann ja das Engagement der Ufftas immer nur wieder loben. Aber wie man auf die Idee kommen kann, nach Duisburg noch eine Stunde eher los zu fahren, erschließt sich uns nicht. So hübsch ist es da irgendwie nicht. Aber das muss dieses brennende Feuer der Jugend sein.

Alles wie immer? Nein, wir lassen die A 7 wirklich mal A 7 sein und fahren nicht über Allertal. Ja klar, würde kein vernünftiger Mensch machen, um nach Duisburg zu kommen; aber unterschätzt nicht diese Magnetwirkung, die Allertal auf Busfahrer hat.

Also die A 1 runter. Wir in dem überbuchten Bus, der am Ende vier Plätze frei hat, während der andere Bus, obwohl nicht zu voll, am Ende zu wenig Sitzplätze hat. Weil er auch nicht der andere Bus, sondern der Bus der Skinheads ist. Was dann zu einem Bustausch auf der Raststätte führt. Denn heutzutage haben Skins solche Gedanken wie „Was ist mit der Versicherung, wenn was passiert?“. Nimmt da jemand die Worte „alt“ und „spießig“ in den Mund? Wir nicht, denn die Mädels und Jungs wissen immer noch, wie man eine Busparty schmeißt. Ach ja, die haben dieses Jahr 20-Jähriges und schmeißen eine fette Party. Wird garantiert super.

Zivilisiert ins Ruhrgebiet

Alles ruhig im Bus, da auch nur eine CD an Bord, sodass wir sabbelnd dahin gleiten. Nur der Chefstatistiker hat eine extrem kurze Lunte. Leute, der ist immer knapp davor, die Rentner umzuboxen.

Wie zivilisiert dieser Bus ist, zeigt sich, dass der berühmte „LAUTER“-Brüller von hinten nach der Befolgung dieser Anweisung mit einem „DANKE“ vervollständigt wird.

In Duisburg dann noch eine kleine Stadtrundfahrt, weil Navi und Anfahrtsempfehlung des Vereines nicht wirklich zusammen kommen wollen, aber auch dies wird von Stefan und dem echt angenehmen Busfahrer elegant und cool gelöst. Und wir sind sowieso viel zu früh.

Der Gästeblock ist nicht wirklich eine Perle. Der Zugang in ihn eine gepflegte Frechheit (enger Tunnel) und die Sicht eher so naja. Aber wer will schon Fußball sehen? Die Sicht wird nicht dadurch besser, dass jeder noch irgendwo sein Banner aufhängen möchte. Das wird man aus Fußballfans nicht mehr herausbekommen. Nun gut. Die Tore kann man beinah noch sehen und lieber bei vielen Hamburger Gesichtern stehen als bei irgendwelchen Paulis. Sorry, zu viel erlebt. Gerade in Duisburg.

Fußballkultur ist ja immer ein schwieriges Wort. Häufig genug meinen Leute bei dem Erhalt von Fußballkultur nur, dass sie sich möglichst straffrei möglichst derbst daneben benehmen können. Das ist nun wirklich keine Kultur, die in einer guten Tradition steht. (Ihr merkt, wir werfen hier mit problematischen Begriffen um uns.) Der Zebratwist hingegen, der ist erhaltenswertes Fußballkulturgut. Und so ist auch der gesamte Gästeblock am Twisten, als diese Perle der Fußballmusikgeschichte eingespielt wird. Wahrscheinlich gibt es auch irgendwelche Gästefans, die da noch pfeifen und eskalieren; aber bei uns war die Aussage dazu: „Ich habe versprochen nicht laut mitzusingen.“

Duisburger Fans? Och nee.

Ansonsten kann man über Duisburg bzw. seine Fans immer nur wieder den Kopf schütteln. Viele vernünftige Leute, aber eben auch ganz viel rechtes Volk, die offen ihre Fahnen aufhängen können. „Neudorfer Aktionsfront“ z. B. hängt im Oberrang. (Befragt Google, falls ihr es genauer wissen wollt). Da wird man dann als Fan auch mal mit einem zünftigen „Wasch dich mal du Zeckenf…“ begrüßt. Steht für Dienstag im Kalender, danke.

Puh, was Ewald da auf den Rasen stellte, ist die Ersatzaufstellung der Ersatzaufstellung. Das wir bisher in 50 Prozent unserer Spiele zu Null gespielt haben, liegt ja auch an einer sehr überragenden Saison unserer beiden Innenverteidiger. Die an diesem Tag beide nicht anwesend sind. Ihre „natürlichen“ Ersatzleute nur leider auch nicht. Maier, Kalla, Sobiech, Ziereis, Nehrig, Gonther gar nicht dabei, Sobota nur so mit halber Fitness? Seien wir ehrlich, aus diesen sieben Namen kann man eine sehr ordentliche Zweitligamannschaft machen.

Nun denn, so kommt Keller zu seinem Zweitligadebut und Dudziak musste wahrscheinlich erstmal Google bemühen, um zu sehen wie man Außenverteidiger spielt.

Die Kette hält

Das Bemerkenswerte: Die zusammengewürfelte Viererkette hält, lässt wenig zu, putzt die Fehler des Anderen aus und Hornschuh – Keller stehen Ziereis – Sobiech in nahezu nix nach. Das ist schon bemerkenswert. Gerade Keller gefällt mit seinem abgeklärten Spiel.

Und dann gibt es da ja noch im Mittelfeld diesen letzten Punk (zumindest von der Frisur), der irgendwie immer seinen Fuß dazwischen hat. Ratsche ist eigentlich der einzige Spieler, der von Anbeginn auf Betriebstemperatur ist. Und der das ganze Spiel über immer wieder den Fuß dazwischen hat.

Auswärtssieg! ???????? Super Mannschaftsleistung!#Teamspirit #Johnny #Verhoek #Ratsche #12 #11

Posted by Marc Rzatkowski on Sonntag, 28. Februar 2016

Machen wir uns nix vor, die erste Halbzeit hat nix, aber auch gar nix mit Fußball zu tun. Da siehst du auf jedem Kreisklassenplatz in Deutschland besseren Fußball als das, was da angeboten wird. Gingendie beiden Torhüter ein Bierchen trinken, es würde trotzdem mit einem 0-0 in die Halbzeit gehen.

In der Halbzeit dann ein Auftritt der örtlichen Cheerleader. Nun gibt es ja so einen Reflex bei Fußballfans, immer über Cheerleader zu meckern. Den will zumindest unsereiner gar nicht unterstützen, denn das ist ja grundsätzlich auch eine Sportart, in der viel Herzblut und viel Trainingsschweiß der Ausübenden liegt. Dass sie nicht zu Fußball passt und was von Fleischbeschau hat, sei nur am Rande erwähnt. Nur was die Ausübenden da darbieten, ist eher unterstes Niveau dieser Sportart. Passt sich also der ersten Halbzeit nahtlos an.

Ein Auswärtsblock mit Abwechslung

Widmen wir uns doch an dieser Stelle dem gut gefüllten Auswärtsblock. Der ist – gemessen an der eher zähen Kost auf dem Spielfeld – von Beginn an in ganz ordentlicher Singlaune, steigert sich dann natürlich, als er so etwas wie Fußball zu sehen bekommt. Unsere Vorsänger gehen einmal das ganze Arsenal durch, sodass auch die Freunde der Abwechslung auf ihre Kosten kommen.

Was in solchen Blöcken immer stört, ist die Gruppe von zehn Leuten, die meint, sie bekäme zehn Minuten vor Anpfiff noch einen lockeren Platz für zehn Leute, und zu diesem Zwecke sich dann in einen vollen Block drängelt, Leuten den Platz nimmt und Leute zum dauernden Anlehnen missbraucht. Natürlich strunzvoll und dem Hinweis, dass man auf dem Platz bis eben noch stand nicht wirklich aufgeschlossen. Bzw. das dann mit einem Hinweis auf „Spießertum“ diskretieren. Das man u. a. mehrere Mädels von ihren Plätzen verdrängt, kann man wohl nur als Mackertum deuten. Nun ja, die dürfen sich was anhören und ziehen dann weiter.

Kommen wir zu Halbzeit 2. Es wird besser. Machen wir das doch an Verhoek fest. In Halbzeit 1 gar nicht auf dem Platz, wirft er sich nun rein und kommt immer besser ins Spiel. Wir gewinnen so etwas wie eine Feldüberlegenheit und folgerichtig führt einer der wenigen zu Ende gespielten Angriffe zum 1-0. Was dann folgt, ist nicht wirklich souverän. Abwehrschlacht gegen den Tabellenletzten möchte man wirklich nicht spielen oder auch nur sehen. Und gegen ein Team, was mehr Qualitäten hat, wäre das auch eng geworden. Nur wenn man als Angreifer vollkommen frei im Strafraum den Ball nicht annehmen und verwerten kann, sondern ihn lieber zurück in den Verkehr legt, dann sagt das schon vieles über die Qualität aus.

Man verstehe uns nicht falsch. Duisburg rennt um sein Leben, sodass man als Fan dieser Truppe nahezu nix vorwerfen kann. Außer, dass sie einfach nicht die Qualität für Liga 2 hat. Trotz dieses Dauerdrucks muss Skyman nur einen einzigen Ball entschärfen.

Erst die fünfte Gelbe für Buchti?

Der Schiedsrichter ist nun garantiert keiner, der die Heimmannschaft benachteiligt. Lautes Erstaunen bei uns, als Buchti ohne Scherz erst seine fünte gelbe Karte in dieser Saison abholt. Nicht nur, dass es eher ein Zweikampf der Marke „super harmlos“ ist. Nein, Buchtmann? 23. Spieltag? Fünf gelbe Karten? Wow. Das ist für jemanden, der gefühlt in jedem Spiel eine abholt, wenig. Er wird uns trotzdem gegen Braunschweig fehlen. Vielleicht kann er die Zeit ja nutzen, um mit Meggi eine Vertragsverlängerung klar zu machen.

Womit wir wieder bei Verhoek sind. Ja, auch wir lästern ab und zumal über die eher gebrauchten Auftritte von ihm im braun-weißen Dress. Aber nach all der auch privaten Scheiße, die der Junge in letzter Zeit erlebt hat, sei ihm das Tor von ganzem Herzen gegönnt. Wenn man sieht, wie alle Spieler und Funktionäre den Jungen nach dem Tor herzen, dann zeigt sich auch, dass der kein Unsympath sein kann.

Das bis dahin extremes Nägelkauen angesagt ist, ist ein kleiner Minuspunkt beim Spielerlebnis. Aber gewonnen ist gewonnen und wir bleiben dran an den Plätzen, die dazu berechtigen, nächstes Jahr unverdient in Gelsenkirchen zu gewinnen und anschließend Europa unsicher zu machen. So wird das dann auch.

Kommt doch mal vor den Block!

Schade, dass die Mannschaft sich nach dem Spiel nicht wirklich vor den Gästeblock traut. Jungs, wir beißen nicht. Da kann man auch mal zum Hände abklatschen kommen. Ewald mag wieder nicht gefeiert werden, was wahrscheinlich dazu führt, dass er noch mehr gefeiert wird. Das war nebenbei sein 40. Ligaspiel für den FCSP (der Chefstatistiker hat das wie alle folgenden Statistiken für uns rausgesucht). Auf den meisten seiner Stationen hat er 60 Spiele nicht erreicht.

Nun also Englische Woche. Das letzte Mal neun Punkte in einer englischen Woche? Saison 08/09 an den Spieltagen 9 bis 11. Wiesbaden, Duisburg und Nürnberg waren damals die Gegner. Wird also mal wieder Zeit. Ach ja, 0 Punkte gab es das letzte Mal in der Saison 12/13 an den Spieltagen 6 bis 8. FSV Frankfurt, Aalen, Regensburg standen uns hier gegenüber.

Nun gut, wir sammeln uns an den Bussen und irgendwann geht es dann auch los. In den Stau. Und es dauert und dauert und dauert. Wenn alle zur Autobahn links abbiegen müssen und vier Fahrzeuge pro Ampelphase rüber kommen, dann kann so etwas schon mal richtig Zeit in Anspruch nehmen.

Wir alten Säcke vertrieben uns die Zeit mit den besten Anekdoten aus 30 Jahren FCSP. Aber immer wenn jemand sagt „Du solltest ein Buch schreiben.“ stellen wir fest, dass das sowieso keiner lesen will.

Es geht in die Englische Woche

Gut ist auch, dass man ja das meiste an Sprüchen und skurrilen Szenen vergisst. Nur, dass der Busfahrer bei einer Pause im Dunklen verschwidnet, macht uns kurz Sorgen. Auch die Erklärung, dass er gleich aus dem Wald mit einem Reh für das Abendessen wieder kommt, beruhigt nur bedingt. Aber ansonsten ein sehr angenehmer Busfahrer, ohne Witze, mit kurzen knappen Ansagen und doch ohne Gefühl, dass er hier der Herrscher über Leben und Tod sei.

Heute Morgen dann aber doch das Gefühl: „Du bist zu alt für den Scheiß.“ Aber irgendwie auch mit dem Gefühl, dass Auswärts doch schon irgendwie großartig ist. Hoffentlich auch nächste Woche in Heidenheim.
Stellen sich nur noch zwei Fragen:

Bleibt Ewald auch diesmal bei „Never chance a winning team“?

und

Wann wird sich die DFL bequemen, mal Spieltage anzusetzen? Im schlechtesten Fall könnte Effe schon in zwölf Tagen im Millerntor einlaufen. Angeblich soll Dienstag terminiert werden, aber wer weiß das schon. Dazu fällt einem wirklich nichts mehr zu ein. (Stand 09:00 am 29.02.)

Feb 222016
 

Ach liebe Leser, das Leben als Fußballfan kann ja ein einziger Rauschzustand sein. Die Mannschaft schlägt einen starken Gegner, es läuft, die Tabelle sieht gut aus und dann kommt der Tabellen-Fünfzehnte. Das müsste doch klappen am Millerntor, dieser Festung. Satz mit X sagen wir nur. Das war gar nix.

Der Tag beginnt eigentlich ganz vielversprechend. Das Millerntor gleicht schon lange vor dem Anpfiff einem Bienenstock und die Spannung und Aufregung ist zu greifen. Der Fanladen mag zwar kein Fanshop sein, aber man bekommt bei und in ihm alles, was das Herz so begehrt. Seien es nun Karten, Aufkleber, Kaffee oder einfach nur warme Worte. Schnell ist es aber auch Zeit, sich auf die Tribüne zu trollen. 

Was bei Ewald auffällt: „Never chance a winning team“ ist bei ihm absolute Prämisse. Wenn er nicht unbedingt muss, wird er nach einem Sieg keine Wechsel vornehmen. Dabei hätte man gegen Frankfurt schon mit anderem Personal spielen können als gegen Leipzig. Denn klar ist: Man wird sich diesmal keine reine Abwehrschlacht leisten können. 

Beim Rundgang von Ewald meint jemand, der sei heute nicht richtig heiß. Das mag nur dahingesagt sein, aber genau diesen Eindruck hat man auf dem Platz. Es fehlt dieser bedingungslose Einsatz, der sonst die Jungs auszeichnet. Ebenso wie nach dem Leipziger Hinspiel hat man auch diesmal das Gefühl, dass die Jungs es nicht schafften, sich nach einer fetten Leistung gegen Leipzig auf den FSV Frankfurt einzustellen. 

Zwar schießt man noch das 1-0, aber bereits vorher ist irgendwie massiv der Wurm drin. Dokumentiert wird das durch diverse gute Chancen der Frankfurter. Und der Gedanke „Naja, vielleicht gibt das 1-0 ja jetzt Sicherheit.ist noch nicht mal zu Ende gedacht, da haben die Jungs schon eine 20sekündige Tiefschlafphase, lassen sich direkt nach dem Anstoss übertölpeln und es steht 1-1. Danach rettet zwar Himmelmann noch ein paar mal, aber im Endeffekt war Frankfurt einfach griffiger, aggressiver und besser. Der rasante Ausgleich ist der Genickbruch des Abends, unsere Jungs stehen irgendwie neben sich. Und so sind auch die beiden anderen Tore nicht einem riesigen Spiel von Frankfurt geschuldet, sondern einfach einem gebrauchten Tag unsererseits. Insgesamt ein Match, was mit seinen vielen Torszenen so kaum zu erwarten war.

MagischerFC St. Pauli FSV Frankfurt Februar 2016 Feuerwerk

Diffidati con noi – Solidarität auch von außen

An den Rängen liegt dies nicht. Oder doch? Zumindest kann man dem Millerntor an diesem Abend nicht nachsagen, dass es die Jungs nicht bedingungslos unterstütze. Von einer Solidaritätschoreo mit Feuerwerk draußen (sehr geiles Timing nebenbei) über wirklich laute Anfeuerungsrufe, ist eigentlich alles dabei. Geholfen hat es jedoch nix. Oder lähmt es die Jungs? 

Fakt ist, dass die letzten vier Heimspiele eher nicht wirklich gut waren. 3-9 Tore und gerade mal drei Punkte sprechen eine deutliche Sprache. Wir haben zu Hause sechs von elf mal zu Null gespielt und trotzdem 14 von 23 Gegentoren bekommen. Heimkomplex, ich hör dich trapsen. Umso bemerkenswerter, dass wir immer noch Anschluss an die Aufstiegsränge haben. Anderseits ist das ja nichts Ungewöhnliches. In Liga 2 tun sich die meisten Vereine schwer, zu Hause wirklich die Spiele entspannt nach Hause zu schaukeln. Diese Klasse haben halt nur die Wenigsten. 

Ärgerlich ist es trotzdem, dass man beachtenswerte 29.000 Zuschauer ohne Sieg nach Hause schickt. These: Kein anderer Zweitligist hat auch nur annähernd ein volles Haus gegen Frankfurt. 

Was das Millerntor aber zur Heimat macht: Nach so einem Spiel nicht ein Pfiff. Ruhige Enttäuschung bei vielen, ja. Danach aber auch schnell aufmunterndes Geklatsche oder Gesinge und so eine „Weiter, immer weiter“Stimmung. So soll es sein. Auf geht es, Jungs. Dann holen wir uns die Punkte halt in Duisburg (Tabellenletzter, Aufbaugegner, das sind in der Woche verbotene Vokabeln). 

Nicht aufsteigen wollen?

Weil es ernsthaft Blogger gibt, die meinen, man wolle ja gar nicht aufsteigen: Ehrlich gesagt können wir das nicht nachvollziehen. Zum einen tut es weh, gegen solche gefühlten Bezirksligisten wie FSV Frankfurt mit 100 Leuten im Gästeblock zu spielen. Zum anderen sieht die zweite Liga nicht gerade einer glorreichen Zukunft entgegen, wenn man die Überlegungen zum Fernsehvertrag betrachtet. Und wir gehen dann doch lieber regelmäßig um 15:30 ins Stadion und nicht um 13:00 Uhr. Und noch etwas: Wenn man eine Profimannschaft sich ansieht und als Verein betreibt, dann kann nur der größtmögliche sportliche Erfolg das Ziel sein. Alles Andere ist dummtüch und kann in der Oberliga Hamburg bewundert werden. Da hat keiner Ambitionen. Führt aber auch dazu, dass das Ganze nahezu ohne Zuschauer und ohne öffentliches Interesse stattfindet. Das kann nicht unser Ziel sein. Und ein „langsam aufbauen“ wird es angesichts der finanziellen Differenzen zwischen Liga 1 und 2 auch nicht mehr geben. 

Nach dem Spiel noch eine Demo für den Pudel. Das Lichterkarussell hatte schon vorab die Bauschmerzen mit dem Demoaufruf in drastische Worte gepackt, die wir uns nun nicht eins zu eins zu eigen machen wollen, die aber auch unsere Bauchweh gut wiedergeben. 

Warum tun sich „Linke“ eigentlich oft so schwer, mit einfachen monothematischen Demoaufrufen? Warum müssen komische Verschwörungstheorien eingebunden werden? Was wäre eigentlich so schwer an einem Aufruf, der ca. folgenden Wortlaut hat: „Der Pudel ist cool, das ist unser Laden, der ist abgebrannt, lass uns solidarisch sein und dafür eine Demo machen!“ Würde uns zumindest eher ansprechen. 

Auf der Auftaktkundgebung ist lange von Refugees und einem bitteren Fall mit Pudelbezug die Rede. Aber warum der Pudel eigentlich ein guter Laden ist und wo gerade das akute Problem liegt (Zwangsversteigerung etc.), das wird nicht wirklich erwähnt. Man verstehe uns nicht falsch: Das Thema „Umgang mit Refugees“ im Allgemeinen und die Lage dieses einen Betroffenen im Besonderen sind derbe wichtige Themen, die viel mehr solidarisches Handeln benötigen. Aber wenn ich zu einer Pudeldemo aufrufe, dann wäre auch eine Pudel-Erläuterung das Richtige. Und ja, so eine Demo kann auch mal rein egoistisch (im Sinne „für unseren Laden“ sein). So wird das ein Mischmasch, was allen Themen nicht wirklich gerecht wird. 

Trotzdem wäre es natürlich schön, wenn sich für den Pudel und all die Ideen, die an ihm hängen, eine Lösung findet. Noch mehr loftähnliche Büros oder KasemattenRestaurants braucht St. Pauli nun definitiv nicht. 

Bleiben nur noch zwei Dinge zu sagen

1. Haben die bei der DFL eigentlich Lack gesoffen? Irgendwann um den 13. März sollen wir Effe aus dem Stadion ballern. Aber wann? Das verheimlicht die DFL noch ein bisschen. Es ist einfach zum Kotzen, dass vier Vereine (denn nur die Europa League hat durch ihren absurden Donnerstagsspieltag Einfluss auf die Terminierungen) die Ansetzungen der anderen 52 Vereine der ersten drei Ligen blockieren. 

Das kann es nun echt nicht sein, liebe DFL. Merkt endlich, dass diese „internationale Wettbewerbsfähigkeit“ nicht den ganzen anderen nationalen Betrieb vollkommen lähmen kann. Und so etwas wie „Sicherheitsbedenken“ anzuführen, um St. Pauli – Paderborn (!!!!) nicht anzusetzen, ist nun wirklich dummer Bullshit. Man möchte eigentlich diese Bonzen aus ihren Glaspalästen ziehen und ihnen mal zeigen, was der normale Fußballfan auf sich nimmt, um bei solchen Nichtterminierungen sein Team zu unterstützen. 

Mal sehen, wie lange Sky leere Ränge und fehlende Stimmung noch Milliarden wert sind. Wir hoffen nicht mehr so lange. 

2. Mal solidarische Grüße an allen vernünftigen Menschen in Sachsen, die sich gegen diesen rassistischen Wahnsinn der Mehrheitsgesellschaft dort stemmen. Wir in unserem Wohlfühlviertel St. Pauli können uns wahrscheinlich gar nicht vorstellen, wie es ist, da irgendwo auf dem Land als halbwegs denkender Mensch zu leben. 

Es schrieben auch noch

Das Prinzip Hoffnung / Millerntor

War was? / Gröni

The many faces of St. Pauli / Outside left

Unerwartet genauso wie erwartet / Couchgepöbel

Feb 152016
 

FCSP – RBL 1:0

Liebe Leserinnen und Leser,

Am Freitagabend in einem spannenden Spiel das beste Team der Liga geschlagen! War das nicht geil? Wir beginnen kurz mit der Rekapitulation des Spiels, lassen ein paar Worte zur Stimmung fallen und abschließend (weil das immer noch nötig scheint) ein paar Zeilen zum Gegner aus Leipzig.

Zum Abschluss der Veranstaltungen des FCSPs rund um den Gedenktag an die Schoah konnte der Verein in Kooperation mit dem Fanladen es einrichten, dass anstatt des Hauptsponsors der Schriftzug „Kein Fußball den Faschisten“ auf den Trikots zu lesen war. Das ist ein verdammt wichtiges und gutes Statement! Vielen von uns scheint es vielleicht gar nicht so sehr außergewöhnlich gewesen zu sein, da wir den Spruch regelmäßig in riesiger Ausführung auf der Gegengeraden sehen können, aber auch auf unzähligen Schals, Pullovern und Buttons. Allerdings hat diese prominente Platzierung durchaus dafür sorgen können, dass es auch Leuten aufgefallen ist, die in der Regel nicht beim FCSP oder in sonstigen linken Kreisen unterwegs sind. 

Dass unser Verein seine Reichweite nun auch für solche politischen Botschaften nutzt, entspricht genau unserer Wunschvorstellung. Vielen Dank dafür! Auch die verlesene Positionierung vor dem Spiel zählt natürlich dazu. Aber hey, USP: Müsst ihr währenddessen schon anfangen zu singen? Hättet ihr die 30 Sekunden nicht noch warten können? Das sind doch auch eure Inhalte, die da vertreten und kommuniziert werden.
MagischerFC St. Pauli RB Leipzig Februar 2016 Diffidati con noi

Immer wieder ein Thema

Es sei jedoch angemerkt, dass viele Leute aus der Süd auf Nachfrage sagten, dass man die Durchsage gar nicht gehört hatte angesichts der traditionell eher leisen und schlecht zu verstehenden Lautsprecherdurchsagen bei uns nicht allzu verwunderlich. Was wir uns jetzt ersparen ist, den verlesenen Text in Einzelheiten zu zerlegen. Natürlich sind da einige Formulierungen nicht perfekt unserer Meinung nach, aber wie hieß es so schön: Das war mit Leipzig zu machen.Und solche gemeinsamen Aktionen sind gut.

Wie wichtig solche Trikots leider immer noch sind, merkt man auch an den Kommentaren in diesem Internet. Was für eine Ansammlung von Hirnbrei sich da auf der offiziellen Seite ansammelte, teilweise von Leuten, die nach Userpic wirklich FCSPFan sind, das ging auf keine Kuhhaut. Noch schlimmer war es auf Seiten anderer Medien wie dem Kicker. Wer um seine mentale Gesundheit fürchtet, sollte sich die Lektüre solcher Kommentare sparen. Aber bitte, liebe Leser_innen, zeigt weiter klare Kante! Den schlechten Menschen möchten wir nicht das Feld überlassen, auch nicht im Internet.

Das Spiel

Gefiel. Ratsches Tor nach gerade mal acht Minuten bringt die Boys in Brown in die Situation, nun 82 Minuten die Führung verteidigen zu müssen. Dass dies klappt, haben wir wohl in erster Linie dem verdammt starken Einsatz vieler Spieler zu verdanken (exemplarisch seien mal Buballa und Ratsche genannt), sowie der stabilen Abwehr und natürlich auch Robin Himmelmann, der hinten eine gute Figur macht. Die Körpersprache, die stimmt an diesem Tag auf jeden Fall. Da hängt sich jeder rein.

Diese Leistung erkennen wir absolut an, müssen uns aber auch Ewald Lienen anschließen, wenn er sagt, dass man nach so einen Sieg nicht automatisch als Spitzenteam geführt werden sollte, wie das einige Journalisten und Forum-Schreiber tun. Leute, das Match hätte auch ganz anders ausgehen können. Ein Spitzenteam kontrolliert auch in Führung das Spiel, wir kontrollierten phasenweise den Ball keine 30 Sekunden lang. 

Vielleicht funktioniert vieles in der Mannschafft mittlerweile besser und vielleicht ist Rzatkowski auch sehr bescheiden, wenn er im Interview sagt, dass das primäre Ziel der Nicht-Abstieg sei. Trotzdem steht wohl auch Freitag gegen den FSV kein Team auf dem Feld, das am Ende der Saison mindestens auf dem vierten Rang stehen wird. Bemerkenswert ist die historische Bilanz gegen Leipzig. Vier Spiele, Torverhältnis 4-4, aber drei Siege des FCSP und eine Niederlage. Im ersten Spiel semmeln die Ratsche um, seitdem verlieren sie immer 1-0 gegen uns. Wer sagte nochmal, dass es keinen Fußballgott gäbe? Leipzig hat bisher dreimal verloren diese Saison. Zweimal gegen uns. Die dritte Niederlage gab es gegen die Region. 

Die Stimmung

Mit der kreativen Realisierung der Blockfahne durch USP beginnt der Abend, der stimmungstechnisch wohl als durchwachsen beschrieben werden kann. Sicherlich ist es nicht leise, aber an einem Freitagabend mit früher Führung? Da wäre doch mehr drin, oder? Diesen Gedanken hat auch der Übersteiger, der außerdem das geringe kreative Potenzial auf der Gegengerade herausstellt. Ja, leider wahr. Glaubt man so manchem Hardliner im Support-Diskurs, so müsste doch eigentlich die spontane und hierachiefreie Gegengerade ein wahrer Quell kreativer Unterstützung des Teams sein. Macht was draus!

Positiv zu bemerken hingegen sind die Solidaritätsbekundungen nach Kurdistan (schaut euch zum Beispiel mal an, wie aktuell mit Deniz Naki und seinem Verein umgegangen wird) und nach Connewitz aus beiden Fanlagern. Vom Gästeblock nahm man sonst eher weniger wahr, nette Choreo zu Beginn. Das ist tatsächlich eine dankbare Überleitung. Der Leipziger Anhang positionierte sich Freitag mehrfach deutlich gegen Rassismus und Nazis, trotzdem schlägt ihm auch am Millerntor eine Woge der Abneigung entgegen. Ist das eigentlich gerechtfertigt?

Gedanken zum Gegner

RB Leipzig. Red Bull Lepizig, Rasenballsport Leipzig. Wie auch immer. Der Verein spielt nun schon seit einigen Jahren in den oberen deutschen Ligen und man sollte doch irgendwie meinen, die Diskussionen um diesen Club seien ausgetragen, die Argumente ausgetauscht.

Die Kritik an RBL äußert sich trotzdem jede Woche mit jedem Gegner der Bullen neu, egal ob in Leipzig oder auswärts. Mal durchaus angebracht, mal auf unterem Niveau und mal in Denkfiguren, die wir äußerst bedenklich finden. Und das auch in Szenen, die sich eigentlich Progressivität auf die Fahnen geschrieben haben.

Vorab, ja man darf das Engagement des Getränkeproduzenten im Sport scheiße finden und ja, natürlich darf man auch das Vereinskonstrukt Rasenball ablehnen. Das steht überhaupt nicht zur Debatte. Die folgenden Zeilen zielen auf so manche Kritik ab, die gegen diesen Verein vorgebracht wird.

Wenn über RBL gesprochen wird, fallen ganz oft Begriffe wie „Kultur“, „Authentizität“, „Tradition“ und so weiter. Die Argumentation mit diesen Vokabeln geht in der Regel ziemlich doll schief. Das fängt bei Facebook-Kommentaren und hört auch bei Chefredakteuren großer deutscher Fußbalmagazine leider nicht auf. Natürlich kann ich nicht verlangen, dass jeder Stadionbesucher sich durch die postmoderne Begriffsgeschichte dieser Worte gekämpft hat, aber wir verlangen ein wenig Reflektionsvermögen, gerade wenn man mit diesen Bezeichnungen und Ideen dazu benutzt, die RBL-Fans dafür zu beschuldigen, den Fußball zu zerstören oder ihnen noch lieber direkt auf die Fresse hauen würde.

Um es ganz kurz zu machen: Kultur, Traditionen und erst recht die Zusammensetzung der Fußball-Bundesliga sind keine ontologischen Realitäten, sondern immer durch Menschen konstruiert und auch durch Menschen mit Bedeutung aufgeladen. Trotzdem denken wir in solchen Kategorien, teilen in „authentisch“ und „unauthentisch“ und ordnen dies hierarchisch ein. Das halten wir für bedenklich. Und das Aufteilen in solche Kategorien mit entsprechenden Konnotationen aufgrund der damit einhergehenden Auf- und Abwertungen übrigens auch anschlussfähig an rechte Denkmuster.

MagischerFC St. Pauli RB Leipzig Februar 2016 1-0

Einbahnstraßenfußball

Nehmen wir als Beispiel den FC Bayern. Wir fragen euch, liebe Leser und Leserinnen, was macht dieses Geklüngel aus Adidas, Telekom, Allianz, Audi und der CSU besser als Red Bull? Da geht es genauso um wirtschaftliche, vielleicht auch um machtpolitische Interessen. Und trotzdem gehört Bayern München zum Kanon der authentischen, „echten“ Clubs (wie z. B. auch ein anderer prominenter Leipziger Verein, dessen offizielle Vertreter gerne rassistische und rechte Umtriebe in der Anhängerschaft relativieren). Hier Tradition als entscheidenen Faktor in die Debatte einzubringen, ist ehrlich gesagt Argumentieren auf Stammtischniveau. Diese vermeintliche Komplemantarität von Tradition bzw. Authentizität und Kommerz ist naiv und hat mit den realen Verhältnissen nichts zu tun.  

Bleiben wir beim FCB: Wenn wir mit Leuten von USP oder aus der Südkurve über die Rot-Weißen sprechen, die ja bekanntlich regelmäßig die Schickeria zu Gast haben oder teilweise sogar mit denen zusammen durch Europa und darüber hinaus auswärts fahren, hören wir manchmal Aussagen wie: „Die Leute von der Schickeria sind halt sehr cool (das sind sie ohne Zweifel!), aber viele Dinge im Verein können wir auch nicht gutheißen.“

Und warum sollte das jetzt bei RBL anders sein?  
Eine gewisse Anerkennung für eine Szene, die sich offen gegen Rassismus und Nazis positioniert, forderen wir einfach ein. Gerade im stramm-konservativen Sachsen und gerade in Zeiten des Aufblühens eines rechtsradikalen Milieus in Form von AfD, Pegida und Co.

Kein Fußball den Faschisten!