Dez 212015
 

Und nun ist es vorbei, dieses Fußballjahr. Es hätte einen weitaus schöneren Abschluss finden können, daran besteht kein Zweifel. Doch insgesamt sind wir mit unserem FCSP 2015 ganz zufrieden. Dazu bedurfte es noch nicht einmal ein paar Tage Abstand.

Freitagabend, die übliche Hektik. Letzter Arbeitstag, etwas vorzeitig los, Umweg über daheim, Wegbier, Millerntor. Karten verteilen und los geht’s. Man braucht kein Prophet zu sein, um zu ahnen, dass heute das Thema „Diffidati“ ein wichtiges wird. USP sind deutlich dezimiert dabei, nachdem es jüngst rund 100 Stadionverbote – mindestens bis Ende 2016 – hagelte.

Diffidati con noi? Diffidati con noi!

Vorab: Das System „Stadionverbot“ ist nach wie vor völlig krank, es wird die Unschuldsvermutung ausgesetzt, es wird nicht nach einer individuellen Schuld bestraft und es ist damit ein Mittel der Repression par Excellence. Es wird hier einfach eine Strafe auf Verdacht ausgesprochen und das ist nicht richtig. Wahrscheinlich kann man auch belegen, dass eher eine Radikalisierung als eine Befriedung der betroffenen Personen stattfindet (aus Polizeisicht jetzt formuliert).

Jedoch (ohne jetzt ins Detail gehen zu wollen, auch wenn uns vieles aus Erzählungen bekannt geworden ist): Mit Sicherheit kann man nicht jede Handlung, die begangen wurde, feiern und mit hoher Wahrscheinlichkeit gibt es auch Einzelfälle, wo man auch mal deutlich ein „Digga, selbst Schuld“ aussprechen könnte, wenn das Stadionverbot aufgrund einer individuellen Überführung zustande gekommen wäre. Eine pauschale Heroisierung der Stadionverbotler_innen erscheint uns daher unangebracht. Eine kritische Solidarität im Sinne von „Du gehörst trotzdem immer zu uns, wir unterstützen dich, auch wenn wir etwas kritisch sehen“ ist jedoch richtig. Dazwischen gibt es aus unserer Sicht eine sehr feine Linie.

In diesem Sinne ein lautes „Die Verbannten mit uns“, auch wenn im Einzelfall mal ein „Das war dusselig!“ vorweg gesagt wird. Haltet durch, Loide.

MagischerFC St. Pauli KSC Dezember 2015

Solidarität auch auf anderen Tribünen

Zurück ins Stadion. Ausgedünnt scheint die Süd tatsächlich, die erste Choreo verpufft etwas. Insgesamt wirken die Ränge kraftlos, trotz ausverkauftem Haus. Dass bei unseren Jungs auf dem Rasen ebenfalls die Kräfte zum Ende dieses Jahres allmählich nachlassen, war bereits beim Bielefeld-Spiel zu merken. Nicht nur die Physis, auch die Konzentration leidet. Und so kommt es ziemlich hässlich, dass ein über weite Strecken deutlich unterlegener KSC das Spiel dreht und uns mit einer äußerst ärgerlichen Niederlage in die Winterpause schickt.

Joa, natürlich darf man auch im Nachhinein über das Schiedsrichtergespann meckern. Ein, zwei Mal könnte es Elfmeter für Braunweiß geben und das 1-2 wäre ohne zwei Fehlentscheidungen nicht möglich. Im Großen und Ganzen geben wir dieses Spiel selbst aus der Hand. Bei so einem Chancenplus mit nur einem Zähler vom Platz zu gehen, ist fahrlässig. Unsere Abschlussschwäche schlägt sich in gerade mal 22 Treffern nieder. Jungs, da geht noch was! Verstärkung in der Offensive wäre eine Möglichkeit. Und sicher können die Kerle da in der Winterpause auch noch was lernen.

Und sonst so?

Es gab „Last Christmas“ in der Halbzeitpause!? Ernsthaft nicht gehört, da sofort ausgepfiffen. Insofern darf sich der Verfasser dieser Zeilen noch als ungewhamt bezeichnen. Jupp, das ist und bleibt ein Scheißlied, was keiner mögen muss. Sei jedem selbst überlassen, wie man damit umgeht.

Wenn wir schon so mehr oder weniger beim Thema Weihnachten sind: Das ist ja auch immer die Zeit für Jahresrückblicke. Wir wollen jetzt nicht im umfassender Form 2015 rekapitulieren, aber dennoch noch ein mal abschließend betonen, was das für ein Riesensprung war im Vergleich zu 2014. Während Teile unseres Blogs mitunter die literarischen Werke von Lenin als Nussknacker gebrauchen, hat Fast-Namensvetter Ewald Lienen die harte Nuss FCSP sehr bald geknackt und darf sich in der Nussschale Millerntor zuhause fühlen. Lange nicht mehr hatten wir so ein gutes Gefühl bei einem Trainer – Ewald, bleibe uns noch lange erhalten!

Auch abseits der Trainerfrage ist der Mangel an wildem Gepöbel in diesem Blog ein sicheres Zeichen, dass wir augenblicklich sehr zufrieden mit dem FC St. Pauli sein dürfen. Wir stellen zur Erinnerung nur mal ein paar Stichworte in den Raum: Riesen-Rückrunde – Karriereende Flo Kringe – Darmstadt-Irrsin – hsv-Hähme und dämlicher Dusel – Abschiede von Schachten, Tschauner & Co. – Willkommen, Andreas Rettig – Stadion ist FERTIG! – weg mit fanfeed – Sobiech-Rückkehr – Bye bye, Quote – Bönig geht – #refugeeswelcome – #bildnotwelcome – Miyaichi-Verletzungspech – Thyamo – upsolut-Deal – Nolympia … da hat sicher jeder noch seine eigenen Höhe- und Tiefpunkte.

Wie dem auch sei: Wir wünschen euch hiermit ein paar besinnliche Feiertage und kommt gut ins neue Jahr. 2016 lesen wir uns wieder. Sankt Pauli ist die einzige Möglichkeit!

Dez 152015
 

Liebe Freunde des gepflegten Rasenzertretens, bei Parallelspielen der ersten und zweiten Mannschaft müssen wir mal das Messer durch die Butter unserer Blogbesatzung schneiden lassen und teilten uns auf. Und da wir Freunde der Chronologie sind, beginnen wir mit:

Stellingen

Zunächst also zum kleinen Stadtderby. Der Vorwurf, die notorisch proklamierte Mentalita Ultrà zu verletzen, sei mal dahingestellt. Montagabend nach Bielefeld ist einfach nicht drin bei mittelschweren universitären Verpflichtungen, Altona-Nord ist da doch etwas besser erreichbar. Aufgrund eben dieser kommen wir circa zehn Minuten zu spät in den mit vielleicht 150 Leuten besser als erwartet gefüllten Auswärtsblock der Wolfgang-Meyer-Sportanlage und erwerben glücklicherweise den vorletzten(!) halben Liter Bier, aufgeteilt auf zwei kleine Plastikbecher. Hell yeah. Einer der beiden überforderten Verkäufer verabschiedet sich zeitgleich Richtung Metro. Da soll noch mal jemand sagen, dass die Organisation beim HSV suboptimal sei.

Auf der entgegengesetzten Tribüne stehen und sitzen circa 400 Anhänger der Schwarz-Weiß-Blauen. Wenig weiß, viel blau. Sektion Mallorca lässt grüßen. Was für eine peinliche Vorstellung. Viel schalalala und olé olé, selbst die einfachsten Gesänge der fünfzigköpfigen Kerngruppe im vielstimmigen Kanon und das trotz Trommel und einer Art Megaphon. Die Gesangsauswahl hat ebenfalls etwas Provinzielles. Ein poptheoretische Untersuchung von Chants wie „Eure Eltern gehen zum HSV“ wäre mal interessant. Warum die Distinktion der Nachwuchsgeneration etwas Schlechtes sein soll, weiß man wohl auch nur in Pinneberg. Ansonsten viel ritualisiertes gegenseitiges Gepöbel, nichts Besonderes.

Das Spiel kann man wohl als typischen Regionalliga-Kick bezeichnen. Nicht wirklich sehenswert, trotz der Chancen beider Teams und schnellem Ballwechsel, bedingt durch viele Fehler. Auf braun-weißer Seite spielen u. a. mit Startsev, Deichmann, Kurt und Litka durchaus vielversprechende Jungs. Torschütze zum gut herausgespielten 1:0 in der 43. Minute ist jedoch der neunzehnjährige Dennis Rosin, der im Mittelfeld eine starke Partie spielt.

Halbzeit, zurück zum Verpflegungsstand

Der Nachschub ist noch nicht eingetroffen, auch die warmen Getränke sind ausgegangen. Bei den doch recht kalten Temperaturen ein wenig ärgerlich. (Spoiler: Rund um die 60. Minute gibt es dann wieder was zu trinken, was wiederum fünf Minuten später erneut ausverkauft ist. In der Schlange einigt man sich auf Rationierung. Offenbar ist es dank polizeilicher Maßnahmen nicht möglich, das Stadiongelände mit dem Auto zu verlassen. An der prekären Situation seien natürlich wir latent blutrünstigen Fans schuld, die
diese Maßnahmen nötig machen würden. Missmanagement und Fehlkalkulation ausgerechnet beim HSV zu vermuten, wäre auch wirklich unangebracht. Nun ja, sind ja nicht unsere Einnahmen.)

Die zweite Hälfte liefert sportlich ein nur leicht verändertes Bild. Die Gastgeber werden zunehmend präsenter und können sich mehr Spielanteile und Torchancen sichern. Auch wenn der Gegentreffer durch Daouri in der 71. Minute durchaus vermeidbar wäre, geht der Ausgleich spielerisch absolut in Ordnung. Die Endphase wird hektisch und damit geht der HSV-Nachwuchs eindeutig besser um. Auf braun-weißer Seite schleichen sich gerade gegen Ende der Partie einfach zu viele Fehler ein.

Soll man letztlich mit dem Punkt zufrieden sein? Vielleicht. Sicherlich wäre auch ein Sieg unserer U23 gut denkbar gewesen, aber nach subjektivem Gefühl war der HSV näher am 2:1.

Die Ankündigung der dritten Halbzeit durch die Gegenseite bleibt eine leere und nicht gerade beeindruckende Drohung, wohl auch aufgrund der starken Präsenz von Polizei und privaten Sicherheitskräften. Also #alleswieimmer. Darauf widmen wir unsere volle Aufmerksamkeit dem Geschehen auf der Alm.

Bielefeld

Hinfahrt? Schnell und unproplematisch? Parkplatz? Schnell und unproblematisch. Getränk in der Gaststätte Almblick? Schnell und unproblematisch.

So könnten wir noch weitermachen, aber dann wärt ihr wahrscheinlich schneller im Tiefschlaf, als Skyman Bälle abwehren kann.

Die Polizei hat wieder Riot ausgerufen und so bringt man selbst einen mobilen Flutlichtmast auf die Straße, der wahrscheinlich schon den Schahbesuch beleuchtet hat. Gerade als wir dieses Industriedenkmal bewundern wollen, steigen unsere Ultras aus ihren Bussen und es beginnt eine wilde Hauerei.

Okay, war nur Clickbait, denn natürlich passiert rein gar nix. Man stellt sich am Stadioneingang an und erblickt eine Zaun- und Gitterkonstruktion, die wahrscheinlich jedem Sicherheitsfanatiker sofort ein feuchtes Höschen bescheren wird. Zwei Drehkreuze hintereinander (!) und dazwischen ein eigener Käfig, in dem abgetastet wird. Das Abtasten dann auch der Marke megaheftig. Inklusive Hochklappen der Jeans und gucken in die Geldbörse. Argument: „Da könnten ja Aufkleber drin sein“. Oh mein Gott! Man könnte etwas auf euer Betonklo oder noch schlimmer in eure Betonkurve kleben?! Das muss natürlich mit allen, wir wiederholen mit ALLEN Mitteln verhindert werden.

Zum Prozedere gehörte auch die Pflicht, einmal kräftig aufzustampfen. Warum das? Wir konnten uns keinen Reim drauf machen.

Im Block

Nun gut, nachdem wieder keine Cruise Missile gefunden wurde, dürfen wir dann auch in den Stehblock, der zu beiden Seiten natürlich mit ganz vielen Pufferblocks abgegrenzt ist. Ihr müsst das verstehen, die S I C H E R H E I T!! Denn eigentlich sind ja nur wir bösen Fans schuld, die hier schon mal gezündelt haben. Oder noch schlimmer A U F K L E B E R verklebt haben. Schön, dass das Klo nach dem Besuch von uns ordentlich braun-weiß ist.

Nebenbei ist das dann alles ein bisschen albern, wenn man einen direkten Außenzaun im Gästebereich hat, der von einem Ordner bewacht wird, der mehr auf sein Handy guckt oder sich mit Kameramenschen unterhält, als da irgendwie zu sichern. Wenn man hier also eine Pyroshow machen will, dann gibt es da einfachste Mittel und Wege.

Nun gut, der Block fülle sich und wir haben einen netten Platz ganz oben. Warum Leute aber sich in Gästeblöcke stellen, die 90 Minuten nichts Besseres zu tun haben, als sich über Ultrà-Gesänge aufzuregen und sich demonstrativ die Ohren zuzuhalten, wird sich uns nicht mehr erschließen. Das ist echt eine klasse Supportdiskussion. Immerhin ist die Mitmachquote deutlich höher als bei den letzten beiden Spielen.

Spiel? Da war ein Spiel? Schwammdrüber-Blues. Die einzig sehenswerte Szene macht ein Robin H. kaputt. Sonst stümpern beide Seiten vor sich hin und der üble Acker tut sein übriges. Das ist halt auch mal zweite Liga. Punkt mitnehmen, eintüten und fertig.

Chef, Pause!

Langsam merkt man den Jungs auch die Intensität ihres eigenen Spieles an. Die sind ganz gut durch. Wird Zeit für Weihnachten und ein bisschen Pause. Umso mehr gilt es auch für den zwölften Mann, am Freitag noch mal alle Stimmbandreserven zu mobilisieren und die Jungs zum verdienten Heimsieg zu brüllen.

Rückfahrt? Schwertransport mit Überbreite ist das Stichwort. Immerhin ist das spritsparend.

Dez 072015
 

Kaiserslautern. Gibt es die immer noch? Wir hatten ja mal die Chance diese Tour ein paar Jahre nicht zu machen, aber das haben wir damals elegant vergeigt. Und so müssen wir mal wieder in die Region.

Der ICE 71 hält pünktlich in Altona und nimmt die Reisegruppe „Fanladen“ freudig in seinen Bauch auf. Sitze gesucht und sich hingesetzt. Aber was ist das? Das sind nicht unsere Reservierungen, die da angezeigt werden! Kurz überprüft … nein, wir sitzen richtig.

Doppelbuchung? Wilde Gedanken werden ausgesprochen. „Jetzt stell dir vor, dass dies der Platz einer 88-jährigen Nonne ist, die in Hannover zusteigt, und dann ist kein Platz für sie da!“ „Und stell dir vor, sie ist schwanger!“ Ihr merkt, das Niveau lag sofort auf der Schiene und einer guten Fahrt stand nix mehr im Wege. In Hannover steigt dann eine Dame passenden Alters zu. Die wird sich wahrscheinlich immer noch fragen, warum ihr Einstieg so viel Lächeln und Lachen verursachte. Einen Platz findet sie aber ohne Probleme.

Wir stellen fest, Kaiserslautern hat in dieser Reisegruppe keine Freunde. Zitat: „Kaiserslautern? Da ist ja Celle hübscher!“ Nein, liebe Celler oder liebe Lauterer, wir würden so etwas nie behaupten. Wir kommen hier nur unserer Dokumentationspflicht nach.

Neben uns hatte es sich der Mann mit DEM Koffer bequem gemacht. Mit DEM Koffer des AFM-Radio. Und der zückte den Zettel zum Spiel aus der Tasche.

Statistisches und anderer Wahnsinn

Habt ihr euch jemals gefragt, woher Sky-Reporter diese unsinnigen Statistiken haben, so der Marke „Wenn Vollmond und Ostwind ist, dann hat St. Pauli seit 20 Jahren nicht verloren, wenn ein Stürmer getroffen hat.“? Genau von dem Opta-Fakten-Zettel zum Spiel. Und den zückte unser Mann vom Radio nun.

Details möchten wir euch an dieser Stelle ersparen. Opta bekommt Geld dafür, solche unsinnigen Statistiken auf Papier zu drucken. Unser Fazit zum heutigen Spiel ist letztendlich: „Wenn wir bis zur 30. Minute von Kaiserslautern kein Tor durch Fernschuss kassiert haben, dann gewinnen wir.“ (Soll wohl so auch „On-Air“ von der AFM Radio Crew gebracht worden, der Witz.)

MagischerFC Kaiserlautern St. Pauli Dezember 2015

Noch keine Monster in Sicht

Ab Mannheim dann die S-Bahn. Fragt nicht, Leute. Es ist eine Freakshow. Und nach Frankenstein (Pfalz) kann eigentlich nur noch Kaiserslautern kommen.

Kommt dann auch. Und wenn am Betze nichts beeindruckend ist, dann ist es doch die Lage über der Stadt. Das Stadion dominiert und prägt die Sicht und ist direkt neben Wohnungen. Wenn ein Stadion in Deutschland an England erinnert, dann dieses (und das in Bochum),

Wir klettern also hoch und oben ist die Luft dünn. Oder warum keuchen wir so? Stammplatz eingenommen und die soziale Bezugsgruppe gefunden. Man ist zu häufig in einem bestimmten Gästeblock, wenn man einen Stammplatz hat.

Der Trainer stellt auf

Aufstellung ist da und wieder spielen wir ohne Ratsche. Verschwörungstheorien, Unverständnis und Beschimpfungen von Ewald sind die Folge in diesen komischen sozialen Netzwerken. Loide, macht mal halblang. Steht ihr auf dem Trainingsplatz? Wisst ihr, was die taktische Idee des Trainers ist? „Ohne Ratsche reißen wir nix“, ist das Absurdeste, was unsere Augen lesen müssen. Als wäre gerade dieses Kollektiv von einem Spieler abhängig.

Womit wir gleich mittendrin sind. Ewald sprach davon, dass man zu seiner „grundsätzlichen Ausrichtung“ zurückkehren müsse. Er meint natürlich defensiv stabiler stehen und weniger zulassen. Klappt auch heute nicht ganz, aber doch deutlich besser. Allerdings hat Kaiserslautern einige Chancen in den 90 Minuten. Aber während Sechzig und Club die Effektivität schlechthin waren, versemmelt Lautern heute einen nach dem anderen.

Ganz anders unsere Jungs. Erste Ecke, Kopfball, Latte, Gestocher und am Ende ein Eigentor. Sagt die Statistik (andere Quellen rechnen das Tor Thy zu). Wahrscheinlich nur, damit die Fangirl-Statistik nicht zu schlimm wird! Am Ende haben wir ganze zwei Ecken. Die zweite in der 90. Minute. Das nennt man dann wohl effektiv.

Danach wüstes Anrennen der Roten Teufel. Aber wir sind heute mit Gott im Bunde und so hält entweder Himmelmann, ein Bein ist dazwischen oder die Teufel zielen auf die Engel über dem Stadion. Kampf top bei uns. Bisschen mehr Ordnung und Gelassenheit und man hätte das Ding schneller im Sack gehabt.

Unser Lieblingsveteran neben uns hat zugehört und zählt die Minuten bis zur 30. runter. Feststellung dann: Kein Fernschussgegentor, wir gewinnen hier heute. Der Druck der Lauterer wird aber auch nach 30 Minuten nicht geringer.

Ein erfülltes Omen

Puh Halbzeit, durchatmen. Auch nach Wiederanpfiff drücken die Hausherren. Aber wisst ihr, was komisch ist? Die Stimmung. Offiziell 30.000 Zuschauer lassen nur selten die gefürchtete Betzenberg-Stimmung aufkommen. Was ist hier früher gepfiffen und gegen den Schiri gepöbelt worden. Es bleibt auffällig ruhig.

Es sei nur an die Schwalben-Entscheidung erinnert. Früher hätte nach so einer Entscheidung die halbe Kurve zumindest verbal direkt vor dem Schiedsrichter gestanden, um ihn zu würgen. Heute gibt es ein paar Anstandspfiffe und das ist es. Nicht mal die Aufstellung des Gegners wird verpfiffen. Selbst Alushi wird nach seinem Geschubse (puh, Junge, besorg dir mal eine längere Zündschnur) nicht bei jeder Ballannäherung bepöbelt. Da sind wir anderes vom Betzenberg gewohnt.

Zweite Halbzeit. Lautern drückt, wir mit vielen Beinen dazwischen und wenig Entlastung. Aber dann macht der Stürmer, was der Stürmer machen muss. Zack, bumm, bang. Thyamo!

Der Betze brennt nicht

Irgendwann muss das Drücken zu einem Tor führen. Nur so FCSP-Style bekommen wir nicht eine tolle Kombination zum 1-2, sondern eine richtig üble Gurke. Nun ja, passiert. Nach dem 1-2 denkt man ja, dass der Betze brennt und man nun in der 97. Minute 3-2 verliert, aber außer einmal annehmen und den Ball in die Wolken befördern passiert nix mehr.

Unsere Jungs funktionieren nach zwei Ausfällen endlich wieder als Kollektiv, die Laufleistung ist wieder da und ein bisschen hilft auch das Glück der Tüchtigen. Schlusspfiff

Der Gästeblock nun natürlich am Feiern, aber auf die 90 Minuten gesehen ist die Mitmachquote echt zu dünn. Leute so geht es nicht! Gerade wo der Stimmungsmotor Ultrà mal wieder ein paar Stadionverbote hat, muss der Rest in die Bresche springen. Ein paar ist in diesem Zusammenhang untertrieben. Wir sprechen hier eher von einer Zahl im hohen zweistelligen Bereich. Allen Betroffenen ein gutes Durchhaltevermögen. Und falls es was zu lernen gibt, dann lernt draus.

MagischerFC Kaiserlautern St. Pauli Dezember 2015-1

Spielt sich ganz gut hier

Nach dem Feiern der Mannschaft und des Trainers war Abstieg angesagt. Abstieg vom Berg und freuen, dass unser Dreamteam wieder gewonnen hat. Das auf dem Platz und das beim Radio. Die beiden Moderatoren hatten nämlich auch unseren Sieg letzte Saison moderiert. Auf der Rückfahrt hat der Kollege noch die Fantasie, dass man jetzt gleich noch ein Spiel am Betze haben müsste. So Pokal oder so. Und dann läuft man da mit richtig dicker Hose auf.

Am Bahnhof kann man dann noch das fehlende Glied zwischen Mensch und Affe in seinem Thor-Steinar-Fell bewundern und dann geht es zurück.

Bis Lüneburg auch ohne nennenswerte Verspätung. Aber gerade als man sich auf sein Bett freut, kommt die Durchsage, dass die Strecke wegen „Suizidankündigung“ gesperrt sei. Zum Glück hatte man den Kandidaten wohl schnell gefunden und führt ihn nun entsprechender Hilfe zu. Und wir kommen nur mit geringer Verspätung ins Bett.