Nov 012015
 

Bochum an einem Freitag. Eine Kombination, die es in der näheren Historie des FCSP doch schon häufiger gab. Trotzdem machten sich ca. 2.500 Hamburger auf den Weg tief in den Westen.

Das auch aus vielen guten Gründen. Der Stressfaktor ist in Bochum von Seiten der gegnerischen Fans sehr niedrig und das Stadion an der Castroper Straße ist einfach ein Fußballtempel vergangener Zeiten, der Tradition, Bier, Currywurst und Kampf um jeden Grashalm atmet.

Sowieso der VfL. Eingeklemmt zwischen Riesen des Fußballgeschäftes spielt er doch wahlweise als „graue Maus“ oder „unabsteigbar“ immer in den oberen 25 bis 30 des Bundesliga-Geschäftes mit. Auch das ist eine Leistung für einen Klub, der schon aufgrund der Konkurrenzsituation in der direkten Nachbarschaft nun nicht das unendliche finanzielle Potenzial hat.

Und so ist auch dies ein Spitzenspiel, theoretisch hätten beide „bis Sonntag“ die Spitze erklimmen müssen. Jetzt ist diese Pseudodramatik der Blitztabellen sowieso nicht so unseres, denn eine Tabelle hat nur dann einen Wert, wenn alle ihren Spieltag gespielt haben. Trotzdem: Ein Spitzenspiel ist es.

Was in Bochum immer nicht so spitze ist, ist die Polizei, die wieder für einen Bürgerkrieg aufgefahren hatte und auch nach dem Spiel FCSP-Fans nur mit riesigen Umwegen in Richtung Straßenbahn (U-Bahn?) lies. Wie oben schon geschrieben: Der Stressfaktor ist hier nahezu null.

Vor dem Eingang haben die Ordner ein Labyrinth aufgebaut und nur wenn man dies erfolgreich bezwingt, kommt man auch ins Stadion. Komischerweise fällt das Abtasten eher albern aus. Ist ja schön, wenn man sich stundenlang mit der Kaputze beschäftigt. Aber die Hosentaschen zu ignorieren ist schon sehr stark.

Der Gästeblock in Bochum ist jedoch gelinde gesagt eine Frechheit. Der Stehplatzblock hat durch Versitzplatzung nur noch einen Eingang. Für Gästesitz werden ordentliche Preise aufgerufen. Warum man den Stehplatzblock nicht wenigstens so erweitert, dass er zwei Eingänge hat, wird wahrscheinlich immer das Geheimnis der Kapitalisten bleiben.

VfL Bochum St. Pauli Oktober 2015

Block rockt.

Gut, wir finden uns zu einer schönen Pöbelgang ein. Die vor uns schwanken 90 Minuten zwischen Belustigung und Entsetzen, aber der Fanclub unseres Seniors heißt ja nicht zu Unrecht Pöbelmob. Aber wie sagt M. so schön nach dem Spiel? „Ich pöbel nicht, ich gebe Fachkommentare ab.“ Meistens zum Schiedsrichter.

Zwar sind die Vorsänger auf dem Zaun nicht immer zufrieden mit der Leistung des Blocks, aber insgesamt rockt der Support ordentlich.

Die Heimfans wünschen sich per riesiger Folie den alten Namen ihres Stadions zurück. Erstaunlich dabei ist aber, dass sie die Silhouette des Stadions wirklich so abbilden, dass man die Flutlichtmasten nicht sieht. Dabei sind doch Flutlichtmasten, die mitten in einer Stadt stehen und den Weg zum Stadion weisen, ungefähr das Geilste, was es gibt.

Sagen wir was zum Spiel? Schnelle Führung: Langer Hafer, Lenny gewinnt das Kopfballduell, Ratsche mit Sahneflanke, Kalla als Kopfballungeheuer und drin ist er. Wollte er den so? Fakt ist, die guten Kopfbälle sind immer jene, die vom Kopf so halb abglitschen und dann am verdutzten Torhüter vorbei ins Tor kullern. Hat man bis dahin das Spiel im Griff, holt man in einer Fehlerkette zwei Minuten später den Gegner zurück ins Spiel. Kollektives Träumen und die Unfähigkeit von technisch und taktisch gut ausgebildeten Fußballern der heutigen Zeit, einen Ball einfach mal auf die Tribüne zu dreschen.

Diese Unfähigkeit, lange Befreiungsschläge zu spielen, ist eigentlich allen Spielern heutzutage in die DNA geschrieben. Dabei ist das in vielleicht 95 Prozent der Situationen gut. In fünf Prozent halt nicht. Und diese Situationen zu erkennen macht halt den richtig guten Verteidiger aus. Egal.

Was jetzt folgt, sind 20 Minuten, die unsere Jungs wahrscheinlich Montag noch mal komplett im Videostudium sehen werden. Wir laufen nur noch hinterher, du siehst ständig auch die Sechser und die Abwehrkette (teilweise nebenbei als Fünferkette organisiert) ihren Gegenspielern hinterherlaufen. Das darf eigentlich so nicht passieren und führt dazu, dass Bochum sehr viel Druck macht. Aber nicht viel draus gewinnt.

Danach wird es von uns wieder kontrollierter und wir kommen auch zu Chancen.

Halbzeit. In der Halbzeit dann wohl etwas Generve. Ordner wollen einen von uns von seinem Platz entfernen, der eben noch vollkommen okay war. Es kommt zu einer kurzen Diskussion. Er kann mit seinem Rollstuhl bleiben. Unten kann Zusammenhalt spontan gezeigt werden, oben bekommt man nicht mal die spätere erläuternde Megafonansage akustisch mit. Ach, wenn hier doch die Stille-Post-Kette besser funktionierte!

Zweite Halbzeit kann man als Beispiel für einen offenen Schlagabtausch heranziehen. Beide Mannschaften haben hier noch Chancen auf drei Punkte. Nur der Schiedsrichter nervt. Bewertungen von Zweikämpfen mal so, mal so. Viele unsichere Momente, viel zu viel Gerede und für klare taktische Fouls nicht einmal eine Ermahnung.

Und als Höhepunkt ein Elferpfiff, der zumindest naja war. Egal. Für uns. Lasse tritt an. Und befördert den Ball in die Wolken. Okay. Lasse sah sich wohl als Kapitän verpflichtet, den Elfer zu schießen. Und uns fehlt natürlich ein designierter Elferschütze. Aber schon der gegen Duisburg war eher so lala. Da muss sich mal einer der Jungs, die technisch was drauf haben, mehr zutrauen. Aber das ist so einfach gesagt. Lasse versucht es, versucht es auf die Art, die er kann und das geht ab und zumal halt auch drüber. Leider auch hier. Kein Vorwurf an ihn.

Was uns zu diesem „Kapitän wechsel dich“-Spiel führt: Sonntag in gleicher Besetzung ist Kalla Kapitän, heute wieder Lasse. Macht ihr beiden euch da einen Spaß draus? Oder wird das ausgeknobelt? Hätte Schnecke geschossen, wenn er Kapitän gewesen wäre? Vielleicht wäre der drin gewesen, war ja irgendwie Schneckes Abend. Aber das ist „Hätte, wenn und aber“. Wie gesagt, kein Vorwurf an Lasse …

… der kurze Zeit später zum Mörder-Alleingang ansetzt und dann leider nicht einfach drauf pickt. Denn so wie der Abend lief, wäre der wahrscheinlich in den Winkel geflattert und wir hätten gewonnen.

Egal. Der Rest ist von beiden Seiten der Kampf um jeden Grashalm und in einem wirklich sehr guten Spiel ist die Punkteteilung letztendlich gerecht.

Die Mannschaft wird dementsprechend auch noch lange vom Gästeblock gefeiert. Zu Recht. Sozusagen ihr verdienter Lohn.

Nun aber raus hier. Die Ordner lassen den gesamten Gästeblock nur durch ein klitzekleines Tor ganz rechts raus. Nicht dort, wo alle reingekommen sind. Wenn es hier zu einem Geschiebe kommt, ist diese – wie oben schon beschrieben – unsinnige Maßnahme zur Fantrennung absurd. Insbesondere, weil sich Ordner nach dem Ausgang noch in den Weg stellen, um die Leute nur nach rechts gehen zu lassen. Es kommt einem vor, als ob hier nur Aggressionen geschürt werden sollen, und man hofft, dass noch was geht. Nervig und überflüssig ist das alles.

Danach noch ein Fiege in netter Begleitung und schon geht es ab in Richtung Heimat. Danke Bochum. War nett mit dir.

  One Response to “Verdienter Lohn”

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