Nov 302015
 

Der Wintereinbruch?

Hochverehrte Leserschaft,

um diesen Artikel riss sich keiner von uns. Ihr habt wahrscheinlich diese Trümmer eines Fußballspiels zumindest im Ansatz selbst gesehen. Was da vonstatten ging, lässt sich nicht allzu leichtfüßig kommentieren. Aber wir kommen unserer selbst auferlegten Pflicht mal nach.

Hamburg im Spätherbst

Hinter uns liegt ein wenig erbauliches Spiel in München, darüber konntet ihr an anderer Stelle schon lesen. Nun also mal wieder zu Hause gegen den Club. Machen wir das Beste daraus, das Unglück in der bayerischen Landeshauptstadt möge Episode geblieben sein. Auf zum Stadion, zum ersten Heimspiel nach dem Pariser Terror. Angst? Sorge? Unbehagen? I wo, davon ist nichts zu spüren. Zwar kündigte der FCSP im Vorfeld an, dass die Sicherheitskontrollen länger dauern könnten, weswegen die Tore früher als sonst geöffnet sind. Doch auch da zeigen sich keine Unannehmlichkeiten. Unangenehm soll’s dennoch werden

Mut zur Lücke

Husch husch in den Block an angestammte Stelle. Die Gegengerade heute mal wieder mit übergreifender Choreo, die von Bildern her sehr amtlich aussieht. USP auf der Süd huldigen NWA als „Ultraz with Attitude“. Das Loch da oben bei „Straight“ kann doch aber keine Absicht gewesen sein, oder? Schön ist anders. Aufklärung erwünscht.

St. Pauli 1. FC Nürnberg November 2015

Alles nach Plan?

Transparente haben die Nürnberger übrigens auch am Start: „Uns die Südstaatenfahne – euch Under Armour“ Ach FCN, ein erkennbarer Versuch, uns einen Stachel ins Fleisch zu bohren. Der Vergleich hinkt dennoch wie so’n alter Pirat mit Holzbein.

Ein bisschen Respekt gebührt den Franken, dass sie in solcher Anzahl erschienen und durchaus laut sind. Letzteres hat aber klar damit zu tun, dass von den braunweißen Rängen ergebnisorientiert wenig kommt und so die Verhältnisse durcheinandergeraten.

Fußball zum Abgewöhnen

Nee nee, über das Spiel zu schreiben, macht einfach keinen Spaß. Sieht es zunächst noch danach aus, als ob unsere Jungs überlegen und Tore nur eine Frage der Zeit seien, rappelt es so strunzdämlich auf der falschen Seite im Karton. Und Schritt für Schritt gibt unsere Mannschaft das Heft aus der Hand, obwohl der Ballbesitz für uns spräche. Viel zu billig fällt bis zur Pause das 0:2, in Halbzeit Zwo geht nicht mehr. Wer nach dem dritten Gegentor noch Hoffnung hat, muss ungeheuer naiv sein.

Und so schenkt der FCN munter noch mal ein und das Spiel ist aus. Individuelle Fehler festzumachen obliegt uns weniger. Da war durch die gesamte Mannschaft kein Biss zu spüren, Bälle werden katastrophal verteilt, mit einer zähen Innenverteidigung weiß man nicht umzugehen und und und. Was ist denn da in der Länderspielpause schiefgelaufen?

Positives

Angesichts der vergangenen beiden Partien verwerten wir den doppelten Dämpfer hoffentlich angemessen, finden wieder etwas Demut und fassen das Fernziel Aufstieg etwas vorsichtiger ins Auge. Noch immer befinden wir uns auf Rang 3, was kurzfristig nicht leistungsgerecht ist. Aber hey, denkt mal daran, mit welcher Perspektive wir in diese Saison gestartet sind! In Sachen Klassenerhalt sind wir nach wie vor auf einem guten Weg.

Dann war da noch: Richtig, die Abstimmung über die Bewerbung Hamburgs für die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2024, um es mal nicht ganz so verkürzt zu formulieren. (Unsere nun obsoleten Argumente Pro und Contra zum Nachlesen) Knappes Höschen, für viele überraschend, aber die mündigen Bürger*innen der Stadt haben sich trotz einer monströsen Marketingkampagne mehrheitlich gegen die Bewerbung entschieden. Vernünftig, finden wir. Spannend sind die Reaktionen: Im Netz türmen sich nun die Jammerlappen, die ein eigenwilliges Demokratieverständis an den Tag legen. Geht nur mal die einschlägigen Hashtags bei Twitter durch, ein Fest für Schadenfrohe!

Die Hallenfrage

Und noch ein Artikel von „St. Pauli braucht Sporthallen“ auf Facebook (leider anscheinend bisher nicht in der Nicht-Zuckerbergwelt vorhanden). Dazu seien uns vorläufig nur ein paar Worte erlaubt. Man kann dieses Bunkerprojekt sehr kritisch sehen. Durch die dazu kommenden Stockwerke kommt das Gebäude auf eine erhebliche Höhe. Ob dies durch die geplante Begrünung rausgerissen wird, darf man sehr gut skeptisch sehen. So weit gehen wir mit den Zweifeln, die da geäußert werden, absolut d’accord.

Anders jedoch mit der Beispielrechnung und der Behauptung, privat finanzierte Sporthallen seien eine Sackgasse. Da kommen wir nicht ganz mit und geben folgendes zur Überlegung:

Erstmal ist es vollkommen normal, dass Vereine Sporthallen finanzieren, mieten, bauen oder verwalten. Sowohl in Hamburg, als auch überall sonst. Es ist sozusagen Kerngeschäft eines Sportvereines, eine Sportstätte zu unterhalten. Und dies nicht nur für den Profisport (da haben wir ja eine vereinseigene Sportsstätte), sondern auch für Amateursport.

Wenn dies für den Preis von 150.000 Euro pro Jahr auf St. Pauli machbar wäre, dann wäre dies ein Schnäppchen. Wie das Gebilde FCSP diese Kosten dann refinanziert, müssen die entsprechenden Abteilungen und der Amateurbereich des FCSP dann diskutieren! Ein einfaches Runterbrechen auf die Teilnehmer von Training, wie es in der Beispielrechnung gemacht wurde, erscheint da ein bisschen einfach. Denn auch jetzt zahlen Abteilungen für Hallenzeiten oder haben Aufwendungen, um Sportstätten zu nutzen. Diese würden ja auch wegfallen.

Und man darf nicht vergessen, dass man durch den zweiten Zuschauersport, den dieser Verein sein eigen nennt, auch Einnahmen hätte. Ebenso durch andere Veranstaltungen. Und die JHV in der eigenen (wenn auch gemieteten Halle) abzuhalten statt im sündhaft teuren CCH, würde auch noch mal ordentlich Geld in diese Rechnung bringen.

Daher sehen wir das nicht ganz so negativ. Auch wenn uns eine Halle im Eigentum, ebenerdig auf St. Pauli, noch sehr viel lieber wäre.

So, mit dem Blick aufs Wesentliche starten wir dann also wieder in einer neue Woche – ganz unberingt und hoffentlich unbeschwert. Bis zum nächsten Mal!

Nov 242015
 

Vorbemerkung

Der FC St. Pauli, der etwas andere Verein. Ein Image, welches sich in den 80er Jahren entwickelt hat, weil Fans etwas damals vollkommen Neues probierten und damit Erfolg hatten. Diese Entwicklung ist Geschichte und sehr viel zehrt der Verein noch heute davon.

Sie begann jedoch vor 30 Jahren und ist wahrscheinlich schon sehr lange nicht weiter gegangen. Dies ändert sich anscheinend nun. Ein kluger Mensch sagte gestern, dass dieses Präsidium für sich einen ganz klaren Gestaltungsanspruch habe und konstruktiv etwas im Fußball verändern wolle.

Damit kann man natürlich auf die Schnauze fliegen, denn in jeder Änderung liegt auch ein Risiko; aber ein Stillhalten wäre für den FCSP nicht mehr machbar gewesen. Zu sehr zehrt man von „früher“ und zu sehr lief man in den letzten Jahren in einen Stillstand. Klar, das war auch damit begründet, dass man ein Stadion zu bauen hatte und dies sowohl Geld als auch Zeit band. Aber dies ist nun vorbei.

Daher ist es sehr zu begrüßen, dass unsere Führungsriege weiterhin versucht, Strukturen zu verändern und Steine zu drehen. Bei allem Risiko, die eine solche Strategie in sich birgt.

Kauffakten

In diesem Kontext muss man auch die heute verkündete Entscheidung, die Firma Upsolut zu kaufen, einbinden. Dankenswerterweise hatten wir wie andere Blogs die Möglichkeit, diese Entscheidung vorab noch mal erläutert zu bekommen. Diese Gleichbehandlung von Presse und Blogs ist auch eine sehr begrüßenswerte Strategie des Präsidiums. Wichtig als Blog ist aus unserer Sicht, dass man dies A) den Lesern dann auch ausdrücklich mitteilt (hiermit geschehen) und B) sich nicht zum Verkündungsorgan des Vereines reduziert. Machen wir nicht, versprochen.

Erstmal die Fakten: Der FCSP kauft seine Merchandising-Rechte vollumfänglich zurück. Er gibt dafür 1,3 Millionen aus und übernimmt von Upsolut auch 80 Mitarbeiter (inklusive Aushilfen, Teilzeit und Auszubildende). Das Ganze soll aus einer Ansparrücklage und der laufenden Liquidität finanziert werden. Es soll dann eine Rückzahlung in die Ansparrücklage erfolgen, 2015 und 2016. Upsolut macht ca. 500.000 Gewinn und 8,5 Millionen Umsatz. Wie man sich zukünftig im Merch-Bereich aufstellen will, ist noch nicht geklärt. Der Verein schreibt so schön: „Teilhabe von Fans, Mitgliedern und/oder Partnern ist zu prüfen.“ Dies habe auch Auswirkungen auf die Internationalisierung des Vereines, schreibt der Verein weiter. Der Anteil des Merch am Gesamterlös war beim FCSP bisher deutlich unter einem Prozent, im Durchschnitt aller Bundesligisten liegt er bei sieben Prozent. Bisher hatte der FCSP zehn Prozent der Einnahmen erhalten. Ein Rechtsstreit lief, liegt vor dem BGH, sodass man nun eine einvernehmliche Lösung gefunden hat.

Bewertung

Erstmal BÄM! Das ist ein sehr guter, preiswerter und absolut notwendiger Deal – gerade jetzt zu dieser Zeit, denn günstiger werden die Rechte wohl nicht mehr. Schon vor Jahren schrieb dieses Blog mal was von „if you can’t beat them, join them“ und genau dies tut der Verein jetzt. Da haben unsere Oberen erstmal die richtige Stellschraube gefunden.

1,3 Millionen sind für eine Gesellschaft mit 500.000 Gewinn ein echter Hammerpreis. Nicht mehr und nicht weniger. Da hat Lagardère wohl doch Angst gehabt, dass man auch vor dem BGH verliert und dann für die Gesellschaft nichts bekommt. Gut, solche Situationen muss man auch als Präsidium clever ausnutzen.

Natürlich bindet sich der FCSP mit dieser Entscheidung auch ein paar Risiken ans Bein. 80 Mitarbeiter mehr sind erstmal eine Verpflichtung, die bei einem finanziellen Problem (Abstieg) ganz schnell zu einem Hebel werden können. Das mag gerade alles in weiter Ferne liegen, aber ihr wisst: Die Fehler werden beim FCSP immer dann gemacht, wenn es dem Verein gerade blendend geht. Trotzdem ist dies natürlich kein Fehler, aber es sei darauf hingewiesen.

Ebenso darf man nie die Anleihe vergessen. „Ansparrücklage auflösen“ klingt erstmal harmlos, aber diese Rücklage ist ja genau für die Bedienung der Anleihe vorgesehen. Und die wird 2018 gnadenlos fällig und dann sollte man am besten 8 Millionen auf der hohen Kante haben. Daher schreibt man auch was von „zurückführen“ des Geldes in die Ansparrücklage. Nun wollen wir das aber nicht überdramatisieren, denn laut der letzten Bilanz hat der Konzern (!) FC St. Pauli immerhin 8,3 Millionen an liquiden Mitteln. Das ist dann doch ein ordentliches Polster, um auch die Anleihe zurückzahlen zu können und damit die Schuldenlast (immerhin noch immer gut 37 Millionen im Konzern) 2018 erheblich zu senken.

Was leider nicht klar ist, ob von Upsolut nur der Geschäftsbereich „FC St. Pauli“ übernommen wird oder auch die anderen Geschäftsbereiche (Cyclassics!). So wie es formuliert ist, gehen wir mal von dem Ersteren aus. Schade eigentlich. Denn das sind garantiert keine uninteressanten Veranstaltungen, so rein finanziell.

Natürlich geht dieser Kauf auch zu Lasten des kurzfristigen (!) Spieleretats – auch wenn gestern die Rede davon war, der Rückkauf habe darauf keine Auswirkungen. Mittel- bis langfristig wird es dem Spieleretat massiv nutzen, aber in den Jahren 2015 und 2016 wird es ihn ein bisschen belasten („aus der Liquidität“). Das ist in einer Saison mit unzähligen auslaufenden Verträgen natürlich auch ein kleines Risiko – führt aber das bisher sehr erfolgreiche Motto „Steine statt Beine“ weiter. Und es ist allemal besser, diesen Verein für die nächsten 30 Jahre gut aufzustellen, als kurzfristig einen Spieler zu halten.

Zukunft

Gestaltungsanspruch ist das Stichwort. Unser Megaseller „Totenkopf“ ist gut 30 Jahre alt. Und durch die vertrackte Situation, die u. a. ein Veränderungsverbot beinhaltete, gibt es seit gut 15 Jahren nix wirklich neues mehr. Eine Millerntor-Stadion-Kollektion war mal angedacht und wieder verworfen worden, und so ist unser ganzes Merch doch etwas eingestaubt und monothematisch. Totenkopf, Rettershirt und ein paar kleine Abweichungen. Das ist es.

Dies gilt es zu ändern. Wünschenswert wären mehr Freiheiten für die Abteilungen (Verkauf eines Handballtrikots z. B.), aber auch Möglichkeiten, moderne, schöne und andere Sachen zu entwickeln. Hier sollte die Prüfung der Teilhabe von Fans und Mitgliedern sehr schnell zu einem „oh ja, bitte beteiligen“ führen. Denn wie schon der Totenkopf zeigt: Die besten Ideen kommen von Fans. Zeigt nebenbei auch das ständige Kopieren von Ultrà-Ideen. Bei allen Vereinen.

Nutzung von Wort- und Zahlenspielen wie FCSP oder 1910 sind da nur ein naheliegendes Beispiel. Auch eine schöne Stadionkollektion wäre eine Idee.

Eher skeptisch sehen wir ehrlich gesagt eine Beteiligung von „Partnern“. Damit ist man jetzt im ganz großen Stil auf die Nase gefallen, da sollte man sehr vorsichtig sein. Wichtig wird es hier sein, gerade diesen Gestaltungsanspruch zu behalten und ständig und kontinuierlich weiterentwickeln zu können. Und bitte keine Werbe- oder Designagenturen mit ganz tollen hippen Ideen. Das geht schief und wird meistens nur peinlich.

Aber wir haben da auch ein bisschen Vertrauen, dass unsere Oberen viel zu gerne selber gestalten. Hier geht’s in die richtige Richtung.

Nur mal so weiter geträumt: Die nächsten Projekte sind dann bitte eine eigene Sporthalle im Viertel für die Handballer und alle anderen Abteilungen, inklusive vereinseigenem Fitness- und Rehazentrum, um dort auch entsprechende Mitgliedschaften anzubieten, und ein riesiges Trainingsgelände für G-Jugend bis 1. Herren innenstadtnah. Lasst uns das Unrealistische realistisch machen.

Nov 232015
 

Erstmal auf dem Rasen

Freunde des gepflegten Rumstümperns. Wir spielen eigentlich grundsätzlich jede Saison einmal in München. Und so ist auch dieses Jahr wieder die Fahrt in die Weltstadt mit Herz angesagt.

Und schon vorher ist eigentlich klar, dass es einen sehr bescheidenen Tag geben wird. Das ist die selbsterfüllende Prophezeiung pur. Kluge Menschen hatten daher im Vorfeld schon mal ihr Wettkonto mit einem Tipp auf Sieg Heimteam aufgefüllt.

Nun ja, unsere Delegation hat sich immerhin am Abend vorher in Franken amüsiert und geht dementsprechend gut gelaunt und fast ausgeschlafen auf die restlichen Kilometer. Da kommt auch schon via Twitter die erste Meldung von Zugverspätungen. Man denkt sich nur noch „Ah, es ist wieder München“, denn letzlich kommt der gesamte Hamburger Mob reichlich zu spät, weil Oberleitungen, Triebwagen und Schienen defekt oder was auch immer ist. Das ist bei der Bahn schon so berechenbar, dass man gar nicht mehr erstaunt ist.

Unsere Delegation ist wie immer zu früh und steht so in der Fröttmanninger Einöde. Welcher Idiot hat eigentlich verhindert, dass es hier irgendeine Infrastruktur gibt? Wo jedes vernünftige Stadion der Welt von Kiosken, Kneipen oder Tankstellen umgeben ist, ist hier Einöde angesagt. Man lasse sich das mal ganz vorsichtig auf der Zunge zergehen. Hier baut ein Verein, der Geld ohne Ende hat, sein Stadion für die nächsten 50 Jahre und dann so eine Umgebung.

Ach, sowieso diese komische Arena mit Namen eines deutschen Versicherungskonzerns … die Idee der Außenhülle ist ja noch ganz cool, oder zumindest was sehr Individuelles. Und wenn man so wie der Eigentümer dieses Stadions Moos ohne Ende hat, dann kann man so etwas auch mal bauen. Aber wie kann ein Stadion im Innenraum so grau, so kalt und so dunkel werden? Da wäre so viel möglich gewesen. Was auch nicht gegen die Neutralität verstoßen hätte, denn hier spielt ja auch noch der Juniorpartner des FC Bayern.

… bei dem wir heute zu Gast sind. Die Kätzchen sind sowieso Löwen von trauriger Gestalt. Heute haben sich gut 25.000 Heimfans in das weite Rund verirrt, bei normalen Spielen sind es knapp 20.000. Damit ist selbst heute nicht einmal jeder zweite Platz in der Arena besetzt und das Gefühl eines Spieles ohne Zuschauer verstärkt sich noch. Nun stellt euch doch mal vor, die würden in einem Stadion der Marke Millerntor spielen. Rappelvoll wäre es. Jedes Spiel Alarm ohne Ende. Ein eigener Markenkern, ein Alleinstellungsmerkmal wäre geboren. Und dann wisst ihr, warum Bayern alles macht, die in der Arena zu halten: um sie kaputtzukuscheln.

Nun denn. In Paris letzte Woche meinten ein paar Irre, Menschen aus irgendwelchen verqueren Logiken umbringen zu müssen. Nun ist Terror kein neues Phänomen und seit dem Zweiten Weltkrieg sucht der Mensch nach einem Mittel, um diesen zu verhindern. Gefunden hat man es bisher nicht. Wir sind nun keine Experten, aber vielleicht findet ja mal jemand einen neuen anderen Ansatz. Sieht bisher aber nicht so aus. Vielleicht wird der Mensch ja auch endlich mal klug und lässt diesen Blödsinn, Grenzen zwischen Religionen, Hautfarben, Sprachen etc. zu ziehen, und lebt einfach friedlich nebeneinander, ohne verquere Machtfantasien. Man entschuldige uns diese Utopie.

Daher also höhere Sicherheitsvorkehrungen. Wo wir Polizisten in Massen und mit Maschinengewehr erwarten, ist der einzige Unterschied zu sonst, dass zwei Polizisten die Mülleimer durchsuchen und das Abtasten ein bisschen gründlicher ist. Okay, wenn es denn die Sicherheit erhöht. Angesichts der Flaschensammler, die jeden Mülleimer alle zwei Minuten angucken, um Pfandflaschen zu finden, ergibt die Mülleimer-Guck-Maßnahme wohl auch eher psychologisch Sinn. Und dass man bei noch so strengen Abtasten alles ins Stadion bekommt, beweist sich auch jede Woche wieder.

Langsam macht man sich Sorgen. Man steht hier schon eine Stunde und immer noch kein einziges bekanntes Gesicht. Fragt man doch mal den Lieblingsultra, wo die so rumhängen.

Was sich dann in der Folgezeit entwickelt, ist auch wieder typisch München. Hamburger Zivilpolizisten, die einen auf dicke Hose machen und die am Ende selbst dem USK peinlich sind (so die Einschätzung eines Beobachters). Folge ist ein Stop-and-Go bis zum Stadion, was wahrscheinlich auch nur den Zweck hat, irgendwen so zu provozieren, dass er die Nerven verliert und man sich damit einen Grund für die massive polizeiliche Überwachung zusammen baut.

Es wird von Ingewahrsamnahmen berichtet und so hängen dann auch genügend Banner über Kopf.

Was – liebe Medien – etwas ganz anderes ist als eine Festnahme. Ingewahrsamnahme = könnte in der Zukunft eventuell etwas Böses tun; Festnahme = steht im Verdacht, etwas Böses getan zu haben. Und wer es noch nicht gemerkt hat: Das Erste ist sehr spekulativ. Klingt aber sehr viel gefährlicher, wenn man was von „200 Festnahmen“ schreibt.

Kurzer Einschub: Die Pressemitteilung der Polizei München, dass sie ganz böse Straftäter gerade noch an dem In-Schutt-und-Asche-Legen der Münchener Innenstadt gehindert hat, ist garantiert schon auf dem Markt. Und auch Hannover und Bremen konnten mal wieder diese Verzerrung der Wahrheit durch Polizeimitteilungen am eigenen Leib mit erleben. Immerhin stellen die Fanbeauftragten von Hannover doch so einiges klar. Und auch im Bremer Fall gibt es erhebliche Zweifel an der Darstellung der Polizei.

Angesichts eines anderen Falles an diesem Wochenende muss man aber auch folgendes sagen: Wer Stress sucht, der ist selber Schuld, wenn er Kontakt mit der Polizei hat. Vor dem Heimblock rumzuprügeln, ist nicht gerade wirklich cool. Und zwar an jedem Spieltag, sodass dieses mediale „ausgerechnet heute“ einfach lächerlich wirkt.

Und der Freibrief, den die Polizei angesichts von Abschreiben ihrer Berichte hat, ist auch heute und jeden Spieltag unerträglich.

Wie soll denn eine Sicherheitsarchitektur funktionieren, mit der politisch engagierte Jugendliche und Jungerwachsene aus nichtigsten Anlässen nur schlechte Erfahrung gemacht haben? Im Beispiel von Hannover z. B. kommt es zu einer klassischen Täter-Opfer-Umkehr. Wo die Polizei Opfern einer schweren Straftat eigentlich helfen muss, macht die Polizei sie zu Mittätern. Wie soll ich so einem Menschen erklären, dass in viel wichtigeren Situationen auch seine Zusammenarbeit mit der Polizei Gold wert wäre? Und wie glaubt die Polizei, solche Menschen noch erreichen zu können?

Und wie soll eine Polizei gut agieren, die in ihrer eigenen Selbstherrlichkeit gefangen ist und dabei noch von Innenministern unterstützt wird, die ein „Polizei macht immer alles richtig“-Mantra immer wieder aufsagen? Man macht seine Arbeit dann am Besten, wenn man kontrolliert und kritisiert wird. Sonst bräuchten Fußballmannschaften auch keinen Trainer.

Zum Spiel

Womit wir beim Spiel sind. Unsere Jungs haben ein Problem. So sehr sie sich an ihren guten Tagen an sich selbst berauschen können, so sehr fehlt ihnen die Konstanz und die Einsicht in die eigene Schlagbarkeit. Ähnlich wie nach dem Spiel in Leipzig hat man auch heute das Gefühl, dass Mahnungen und Warnungen des Trainerteams nicht ganz in den Köpfen der Jungs angekommen sind. Nach 20 wirklich guten Minuten verfällt man in einer Selbstüberzeugung, die leider diesen kleinen Millimeter in Richtung Selbstzufriedenheit ausschlägt und die dazu führt, dass man zu langsam und zu wenig aggressiv agiert.

Das ist leider menschlich und die Jungs lernen es dann den harten Weg. (Heute gefühlt 20 Stunden Videoschulung mit Ewald? Das ist dann wahrscheinlich nicht wirklich Spaß.) Die Münchener werden ob unserer Schwäche immer stärker und wenn ein Spieler sich nach der Ballannahme noch ein Bier aufmachen kann und gucken kann, wo er den Ball hin haben will, dann trifft er auch mal aus 30 Metern. So viel Zeit wird der sein ganzes Leben nicht mehr haben um abzuschließen.

Ein Fußballfachmann spricht nach dem Spiel von fehlender Ordnung und fehlendem Druck aus der 6er-Position. Mag so sein. Arsch hoch, rauf auf die Leute, zubeißen wollen, das fehlt. So lautet unsere Fehleranalyse.

Das 2-0 fällt ähnlich und danach wird die einzige wirkliche Schwäche der Mannschaft sichtbar. Die Jungs können ein taktisches Korsett gut umsetzen. Sie spielen auch alle brav ihre Aufgabe nach bestem Wissen und Gewissen runter. Aber es fehlt in dieser Mannschaft der Anarchist, der noch mal Aktion auf den Rasen bringt. Oder der angefressene Einwechselspieler, der noch mal zehnmal rauf- und runterrennt, brüllt und alle noch mal anstachelt. Alushi könnte so ein Typ sein, aber seine Aktionen sind dann häufig auch schon zu viel des Guten und er kann Glück sein, dass er für den Versuch eines American-Football-Tackles nicht bestraft wird.

Nein, alle Einwechselspieler machen das, was sie können. Niemand fällt ab. Das war letzte Saison noch anders. Aber auch bringt niemand das neue Feuer, was man sich erhofft. Der ärmste Verhoek bleibt jedoch ein Ritter von trauriger Gestalt. Bei dem Jungen passt zur Zeit gar nichts zusammen. Der wäre beinah ein Kandidat, ihn ein paar mal bei der U23 ran zu lassen, damit er einfach wieder das Vertrauen in sich selber findet.

Egal. Eine andere Fähigkeit hat diese Mannschaft bisher auch bewiesen: Nach Rückschlägen wieder aufzustehen. Und daraus zu lernen. Das werden die Jungs auch diesmal brauchen.

Als würde das Spiel nicht genug nerven, nervt auch der Block. Ohne Ultras ist nahezu kein Gesang drin, aber auch mit Ultras ist die Beteiligungsquote sehr mau. Gibt es eigentlich schon einen 200-Seiten-Thread im Forum, dass die Ultras ganz böse waren, als sie sich in den Block schoben?

Ich mag ja diesen Banda-Brave-Style-Einzug und wer sich direkt oben auf einen Aufgang stellt, wenn unten der Block noch extrem und sichtbar (!) leer ist, soll sich bitte nicht beschweren, wenn er mal freundlich zur Seite gedrückt wird.

Was nervt noch? Leute, die Fehler mit (Achtung das ist noch das harmloseste, was wir aufgeschnappt haben) „Was für ein Pussy-Pass.“ kommentieren. Zwar in Hörweite, aber nicht greifbar. Das alte Dilemma, wenn hinter einem irgendwo was gerufen wird.

Was erfreut? Das früher doch nicht alles besser war. Die Stimmung bei München blau war schon immer Dreck. Aber früher hatten wir Ratten im Block, heute Nashörner. Und sowieso trifft man wieder viele gute Menschen. Das wiegt den Mist dann doch wieder etwas auf.

Die Heimseite ist ja ganz nett engagiert, aber wirklich zünden tut der Stimmungsfunke genau einmal. In der 88. Minute. Und da bleiben viele Zuschauer gleich stehen und verlassen vor Abpfiff das Stadion! Bei einem Sieg! Das sagt viel aus. Und was wäre ein Spiel bei München blau, wenn nicht irgendein Plakat hochgehalten werden würde, welches die Rückkehr in die Hermann-Gerland-Kampfbahn fordern würde? Leute: Ihr habt es verkackt. Ihr hattet die Chance und ihr habt es verkackt.

Vor dem Spiel gibt es eine Schweigeminute. Hier ruhig und die amerikanisch geprägten Menschen nehmen ihre Kopfbedeckung ab. Am nächsten Tag rufen wohl irgendwelche Trottel in die Schweigeminute und auch in Sachsen ist es zu mehr als dämlichen Rufen gekommen. Aber Sachsen. Was willst du da erwarten? Man ist eben gar nicht mehr überrascht. Und das war keine „kleine Minderheit“. Da war ja diese „Politik ist Politik und Fußball ist Fußball“-Haltung noch besser. Und die war schon schlimm.

Die Abreise dann ohne noch mehr Stress und so kommen wir alle schnell weg von diesem Ort des Grauens. Würden wir doch einfach mal eine Saison hier nicht spielen.

Solidarität EINSELF!

Und damit wäre das Wochenende eigentlich erschöpfend abgehandelt, wenn nicht am Sonntag noch eine Kicker-Meldung erschienen wäre.

„St. Pauli kündigt die Solidaritätsgemeinschaft auf“ oder „spaltet den Fußball“ sind die Schlagzeilen heute. Das verwundert erstmal, denn dass der FCSP Solidarität doch häufig genug lebt (und sei es nur, weil man immer wieder Aufbaugegner ist).

So albern dieser Vorwurf aus dem Munde derer ist, die ihn nun erheben, so hat er doch einen kleinen richtigen Kern. Aber dazu später.

Satzungsfoo

Erstmal versuchen wir aus den Informationen, welche die Presse gibt, rauszufinden, was eigentlich beantragt wird.

Es werden in Liga 1 und 2 Dinge zentral vermarktet. Am auffälligsten für den geneigten Fußballfans sind dabei die TV-Rechte (das wird auch der größte Batzen sein) und die Spielbälle, die überall von der gleichen Marke kommen. Das soll für alle am Ende mehr bringen, weil so auch Sandhausen Geld aus einer Vermarktung des Spielballes seines TV-Bildes erhält, die sie alleine ggf. nicht erzielen könnten. So die Theorie. Das diese Theorie nicht ganz von der Hand zu weisen ist, kann man in US-amerikanischen Profiligen sehen. Die haben eine knallharte Zentralvermarktung und knallharte Aufteilung an alle Beteiligten, sodass es in den letzten 20 Jahren zwar zwölf verschiedene Super-Bowl-Sieger zu notieren sind, aber nur sechs verschiedene Deutsche Meister (und da ist schon das Wunder von Kaiserslautern mit drin!). (Spanien 5, England 5, Italien 5; alles per Hand gezählt). Klar, das amerikanische System eines „closed shops“ benötigt so etwas auch, um die Spannung hochzuhalten, und ist mit dem europäischen System nicht wirklich vergleichbar.

Die Erlösverteilung ist nicht in den öffentlich verfügbaren Verträgen festgeschrieben. Vielmehr findet man in § 19 der Ordnung für die Verwertung der kommerziellen Rechte folgenden schönen letzten Satz: „Über die Verteilung der Einnahmen zwischen den lizenzierten Clubs entscheidet der Vorstand des Ligaverbandes auf Vorschlag der DFL.“

Das ist für den Laien erstmal etwas unverständlich. Zur Erklärung: Ligaverband = e. V. = Mitglied sind die 36 Vereine von Liga 1 und 2, hat einen Vorstand, der aus einem Ligapräsidenten (Rauball), zwei Vizes und 6 Beisitzern besteht. DFL = 100-prozentige kommerzielle Tochter dieses e. V., die für die operative Durchführung verantwortlich zeichnet und zwei Geschäftsführer hat. Auf der Internetseite ist da noch ein bekannter Name angegeben. Nämlich Andreas Rettig.

Gemeint ist folgendes: Der Vorstand des Ligaverbandes entscheidet, wie man verteilt, nachdem die DFL als operative Einheit einen Vorschlag gemacht hat.

Wer wird da erstmal nicht beteiligt? Richtig! Die einzelnen Vereine (Gesellschaften). In dem Lizenzstatut wird ihnen eine Beteiligung nur dann zugewiesen, wenn es um wichtige kommerzielle Dinge geht.

Jedoch: Der Ligaverband ist ein e. V. und dieser hat natürlich eine Mitgliederversammlung. Und in der Satzung dieses e. V. findet sich – ähnlich wie beim FCSP selber auch – der typische Satz, dass diese das höchste Organ des Ligaverbandes ist und sie insbesondere zur Erledigung von Anträgen da ist.

Was der FCSP hier also macht, ist einen Antrag in der Mitgliederversammlung zu stellen, dass dieser den Vorstand des Ligaverbandes beauftragt, eine andere Verteilung der Gelder der zentralen Vermarktung herbeizuführen. Und wenn man das richtig liest, dann sollen die Spielgesellschaften ausgeschlossen werden, hinter denen nicht mehr mehrheitlich ein Verein steht. Das sind zur Zeit Hoffenheim, Leverkusen und Wolfsburg. Hannover wird bald hinzukommen und auch Augsburg hat schon eine Konstruktion, die ganz klar in diese Richtung deutet.

Und diese Hunde bellen nun, weil sie getroffen sind. Man kann nicht gerade behaupten, dass diese Vereine diese Gesellschaften sich bisher zu den Rittern der Gleichbehandlung gemacht haben. Daher ist ihre Argumentation schlichtweg absurd. Mal ganz davon ab, dass sie durch ihre Konstruktionen erhebliche Vorteile haben. Und sei dies nur, dass eine Muttergesellschaft VW über einen Gewinn- und Verlustabführungsvertrag steuerliche Vorteile aus der „VfL Wolfsburg Spielbetriebs GmbH“ (fiktiver Name) ziehen kann. Von den finanziellen Möglichkeiten, die eine Tochter eines Weltkonzernes hat, mal ganz abgesehen.

Und natürlich ist die Verteilung der Gewinne schon lange in der Diskussion. Der FCSP springt hier auf einen Zug auf, der schon von anderen gestartet wurde. Beispiel: Verteilung nach Zuschauerzahlen, Einschaltquoten etc. pp. Und noch eines darf man nicht vergessen: Neuer Fernsehvertrag in der Mache, der auch wieder zu absurden Anstoßzeiten führen kann. Das 9-Uhr-Spiel in der zweiten Liga für den asiatischen Markt ist leider nur noch bedingt ein schlechter Witz.

Trotzdem ist da ein klitzekleiner wahrer Kern dran, dass die Solidarität weniger wird. Denn eine Zentralvermarktung, die keine Rücksicht auf die Organisation des Empfängers nimmt und möglichst wenig andere Fakten beachtet, ist erstmal ein Gießkannenprinzip, was allen ermöglicht, mit dem gleichen Geld zu arbeiten und damit den Zufall ermöglicht, dass mal der und mal der andere besser mit dem Geld arbeitet. Nun hält man das ja schon lange nicht mehr durch, denn die Gelder werden neben einem Sockelbetrag nach einem Leistungsprinzip verteilt. Was im Endeffekt dazu führt, dass der Gedanke der Solidargemeinschaft schon lange nicht mehr in seiner Reinform existiert. Leistungsprinzip meint immer, dass auf den größten Haufen geschissen wird und der Stärkste stärker und der Schwächste schwächer wird. Folge => sechs Meister vs. zwölf Meister (dass auch die NFL Leistungsprämien kennt, sei hier mal für das Beispiel ausgeblendet).

Wenn man nun eine Änderung der Verteilung fordert, dann kann es auch immer sein, dass „große Vereine“ sagen: „Wir lassen den Scheiß.“ Gerade vielleicht die oben genannten nicht, denn seien wir ehrlich: Ballsponsor der TSG Hoffenheim zu sein, ist deutlich unattraktiver, als Ballsponsor des FCSP zu sein. Egal wo die spielen. Und auch ein FCSP-Spiel wird mehr Leute vor den Fernseher bannen als der Classico Wolfsburg – Hoffenheim. Gerüchten zufolge würde man nicht mal merken, wenn einer von beiden Meister wird.

Die eigentlich solidarische Verteilung scheißt nämlich hier sowieso schon auf den falschen Haufen. Sie verteilt Gelder nicht an einen potentiell finanzschwachen Verein, sondern an einen Verein, der einen Mäzen hat, der sagt: „schenk ein, mach Striche.“ Und genau dies will der FCSP ausschließen.

Ist dies eine Spaltung? Ja natürlich! Was denn sonst? Die gibt es doch aber schon lange! Wäre Harmonie nicht besser? Prinzipiell vielleicht. Aber eben nicht immer und bis zum Verrecken. Und wenn das System eine immanente Unwucht hat, weil man Konstruktionen der Marke Hoffenheim und Hannover zulässt, dann muss man auch mal Streit riskieren.

Und eines darf man nie vergessen. Der FCSP mit seiner nationalen und internationalen Strahlkraft ist garantiert jemand, der besser eine individuelle Vermarktung von allem hinbekommt als z. B. die TSG Hoffenheim. Da muss man auch mal ein bisschen arrogant sein. Und man muss so auch ein „Hallo“ an die ganzen Vereine schicken, die immer mehr in diese Richtung konstruieren und davon träumen, Hoffenheim Nr. 2, 3 oder 4 zu werden. Wie oben schon erwähnt, sei hier Augsburg genannt.

Daher sucht hier unsere Führung Streit in der richtigen Ecke. Und dafür haben wir Oke gewählt, dass wir mal raus aus der Harmoniefalle kommen. Und da ist Andreas natürlich auch genau der richtige Mann, weil er alle Ecken und Hintertüren der DFL/des Ligaverbandes kennt und dies garantiert so rüber bringen kann, dass er nicht als „realitätsferner Träumer“ abgetan wird.

Kurz: Das Ganze ist zu begrüßen. Natürlich wird der Antrag scheitern, aber man bekommt vielleicht eine Diskussion darüber in Gange, ob dies noch eine Solidargemeinschaft ist, oder eben doch ein Haifischbecken mit einer perfiden Tarnung. Gerade auch im Hinblick auf den neuen Fernsehvertrag ist es wichtig, dass man hier andere Lösungen in das Spiel bringt und den bisher auch selbstherrlich in ihrem Saft durchregierenden „Großen“ mal einen vor den Latz knallt. Das ist dann „non established“ in Reinform.

Daher alles richtig gemacht.

Dazu auch (und mit anderen Worten in die gleiche Kerbe hauend): Der Übersteiger

Zum Spiel in München fanden wir bisher nix. Wird ergänzt.

Nov 162015
 

Die Jahreshauptversammlung des FC St. Pauli e.V.

Freunde der Sonne, das ganze Kollektiv verhindert war (Schniefnase, Studentenleben etc. pp), haben wir einen prominenten Gastschreiber gebeten , gezwungen für uns die JHV zusammen zu schreiben. Vielen Dank dafür. Ihr findet seinen eigentlichen Blog hier . Seine große Leidenschaft ist aber Twitter und der Millernton Podcast . Haben wir jetzt nett umschrieben, dass er zu wenig bloggt?

Anyway, Curi ist zwar ein richtig Guter, aber natürlich sind seine nun geäußerten Meinungen seine und das was er gehört hat, hat er mit seinen Ohren gehört. Korrekturen und Anmerkungen trotzdem gerne an uns. In einigen Klammern finden sich einige Anmerkungen des Onlinestellers, der in diesem Fall sich mal als Norbert outet. Sie sind aber ausdrücklich gekennzeichnet.

Los geht es

„Wie jedes Jahr ging er zur FC St. Pauli Jahreshauptversammlung, er ahnte nichts…“

So ungefähr würde die TV-Sendung Aktenzeichen XY (gibt’s die eigentlich noch?) wohl den Beitrag beginnen. Ich saß also bei der JHV auf meinem mäßig gemütlichen CCH-Stuhl, wartete, dass es losgeht, und dann kommt vom Lieblings Ex-ex-Blogger das: „schreib mal fleißig mit. Du musst Bericht machen“.

Tjanun. Die relevanten Internet-Quellen zum FCSP waren alle nicht persönlich vertreten, also den Notfallkuli gegriffen und auf der Tagesordnung eifrig Notizen gemacht. Was nicht so einfach war, weil es schlicht keinen Platz gab.

Der werte Leser sehe mir also nach, dass es weder 11 Seiten werden, noch allzu akkurat den gesamten Verlauf widergibt. Es gilt „Er hat sich Mühe gegeben“.

Gegen 11:15 wird die Jahreshauptversammlung eröffnet. Präsident Oke Göttlich begrüßt die Mitglieder und beginnt im Prinzip mit einer Gedenkminute für die „Opfer von Hass und Krieg“ – natürlich im Bezug auf die Ereignisse in Paris am Freitag. Die Formulierung machte aber gut deutlich, dass es um mehr geht. So es denn mit einer Gedenkminute geht, für mich ein „positiver“ Einstieg. Unprätentiös, gut begründet, und es dauerte wohl auch ca. eine Minute. Das hatten wir bei JHVen ja auch schon kürzer.

Um 11:22 wird die Beschlussfähigkeit der Versammlung vom Versammlungsleiter, der wie gewohnt die Versammlung leitet festgestellt (Wer glaubt, dass ein Versammlungsleiter die Versammlung leitet, der glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten – Anmerkung des Onlinesetzers). Das Protokoll zur JHV 2014 wird ohne Gegenstimmen verabschiedet, und nach dem Totengedenken geht es dann los mit den Berichten.

Bericht des Präsidiums

Nun tritt Präsident Oke Göttlich ans Mikro. In seiner gut halbstündigen Rede fasst er seine Perspektive auf die ersten 12 Monate seiner Präsidentschaft zusammen. Er wirkt dabei etwas nervös, stolpert ab und an über Formulierungen, wirkt aber alles in allem trotzdem deutlich souveräner als Stefan Orth in den Jahren zuvor, und vor allem für meine Ohren inhaltlich bedeutend relevanter. Er lobt das Team rund um die erste Mannschaft inkl. der Mannschaft, freut sich über den Klassenerhalt. Schildert dass sich die Kommunikation im letzten Jahr verändert hätte. AR und Präsidium sich viel austauschten, dass – z.B. beim Thema Under Armour – AR und die relevanten Gremien im Verein, sowie die Abteilungen sehr früh vom Vorgehen informiert wurden. Insgesamt sei der Verein bezüglich des Informationsaustausches zwischen den Beteiligten auf ein „neues Level gehievt“ worden und ich frage mich langsam, ob er nicht etwas dick aufträgt, obwohl ich im glaube. Es wirkt auf mich immer mal wieder etwas zu viel Selbstlob, dass er aus meiner Sicht gar nicht nötig hätte. Generell spricht er sich für eine Kultur im Verein aus, die Fehler zum Lernen nutzt und akzeptiert, dass Fehler gemacht werden. Es wird klar, dass er das Präsidium als Team begreift, das sich wiederrum als Teil des größeren Teams „Verein“ versteht.

Mir gefällt, wie er verschiedene andere Themen als den Profifußball hervorholt – z.B. Freude über die Belebung der Feldstraßenplätze dank des 1. Damenfußballteams, Worte über das Rollerderby, bei dem er selbst den Sport noch nicht ganz verstanden hätte.

Lachen brandet auf, als er sich bei der Boulevardpresse dafür entschuldigt, dass es aus dem Verein so ruhig sei, so dass die Presse sich selbst nach Dissens und Krisen innerhalb des FC St. Pauli umsehen müsse. Oke ist für den kritischen Diskurs, schildert aber auch klar seine Bedenken, wenn es um den „Olympia-Antrag“ geht. Sorge, dass der FC St. Pauli seine Position gegenüber Stadt und Wirtschaft deutlich schwächen könnte, wenn „wir“ uns nicht nur „neutral“ sondern offen dagegen äußern.

Ach so, die Zahlen sprechen ebenfalls für sich. Obwohl das scheidende Präsidium im letzten Jahr davon ausging, dass das kommende – also das jetzt abgelaufene – Geschäftsjahr wohl im Minus enden würde, hat der Verein etwa eine Viertelmillion Euro Gewinn gemacht. Wichtig: Die Transfermillionen aus dem Halstenberg-Deal fallen erst in das laufende Geschäftsjahr, sind da also nicht mit berücksichtigt. Oke lobt in diesem Kontext noch einmal Thomas Meggle für seine hervorragende Budgettreue.

Zum Ende seines Vortrags bittet er Andreas Rettig ans Rednerpult, damit dieser sich kurz vorstellt. Rettigs launige zwei Minuten am Pult enden in großem Raunen, als er sich als Karnevalist outet, das mit vereinzelten Klatschern durchbrochen wird. Bei mir kommt er insgesamt sympathisch an, ohne allzu viel inhaltliches zu sagen, aber das stand ja an sich auch alles schon in sämtlichen Veröffentlichungen im Rahmen seiner Amtsübernahme.
Gefühlt ordentlicher bis lauter Applaus am Ende des Präsidiums-Berichts für Oke, Andreas und das Gesamtpräsidium.
Danach eine Wortmeldung eines Herren, der zwar keinen Namen und keine Abteilung hat, aber zunächst darauf hinweist, dass er die Position des Präsidenten nicht glaube. Die Saisonpakete seien teurer, als die Dauerkarten, und er „habe gehört“, dass die Saisonpakete sogar teurer als normale Tickets wären. Außerdem regt er sich über den Deal mit „Armour“ auf – gemeint ist wohl Under Armour. Er schließt mit der Anmerkung, er würde jedenfalls keine T-Shirts von Armour kaufen.

Bericht der Kassenprüfer

Irritierend in seiner Kürze.

Insgesamt wird umfassendes Lob für das abgelaufene Geschäftsjahr geäußert. Die Kommunikation zwischen den Abteilungen, dem Präsidium, der Geschäftsstelle und den Kassenprüfern -bzw. der Buchhaltung? Mir persönlich unklar. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, inwiefern Kassenprüfer im Alltag eingebunden sind – sei prima, Protokolle ergäben Sinn und enthielten die relevanten Informationen. Absprachen würden eingehalten. Wenige Ausnahmen in den Abteilungen seien nicht der Rede wert.

Einziger „Kritikpunkt“ kommt zum Schluss, die gezahlten Steuern im abgelaufen wie im vor uns liegenden Geschäftsjahr seien zu hoch und er wünsche sich, dass nach Wegen gesucht würde, diese zu reduzieren. (Oh mein Gott, bitte bloss nicht. Der hier kommentierende Onlinesteller erinnert nur an die geplante A-Jugend Auslagerung. Man kann Steuern auch einfach mal bezahlen. Sie sprechen nämlich für nachhaltigen Gewinn. Und das ist toll.)

Wieder: Ich hab nicht allzu viel Ahnung von der Materie, ich interpretiere das sinngemäß als Wunsch Gewinne auszugeben, statt zu versteuern.

Bericht des Aufsichtsrates

Als nächstes tritt Aufsichtsratsvorsitzende Sandra Schwedler ans Pult. Sie schildert die Herausforderungen am Anfang und beschreibt, welche regelmäßigen Kontaktpunkte AR/Präsidium inzwischen eingerichtet wurden (Wöchentliche/Monatliche/3-Monatliche und Jährliche Ebenen mit verschiedener Intensität), dass trotz anfänglicher Probleme (neuer AR, neues Präsidium) gut miteinander gearbeitet würde.

Irgendwie hab ich mir hier nicht mehr aufgeschrieben, spricht wohl dafür, dass auch hier keine weitere Kritik kam. AR und Präsidium scheinen jedenfalls zu harmonisieren.

Bericht des Amateurvorstands

Dass Klaus Rummelhagen seinen Bericht damit anfängt, dass es fast schon zu spät für „Moin“ sei, führt bei mir kurz zu Umsturzgedanken (für die Nichtnorddeutschen: Moin ist ein zeitloser Gruß, der „Guten (Tag/Abend/Morgen)“ bedeutet. Ich sage immer moin.), die ich gerade noch im Zaum halten kann. Sonst ist zumindest der größte Teil des Vortrags die Verabschiedung von Bodo Bodeit – der diese Aufmerksamkeit nach allem, was ich so aus den sporttreibenden Abteilungen mitbekam auch verdiente. Sicherlich ein großer Verlust, auch was seine Vorträge auf den JHVen angeht.

Rummelhagen geht sonst noch etwas auf die Bedingungen und die Amateurabteilungen ein, aber auch hier passiert nicht viel. (Keine Notizen)

Bericht des AFM-Vorstands

Wenn man dem AFM-Vorstand in den letzten Jahren zuhörte, hatte man unweigerlich irgendwann dieses „Die Rede hab ich doch schon gehört!“-Gefühl. Von daher war es etwas überraschend, dass er dieses Mal zunächst auf die Änderung des AFM-Abteilungszweckes einging, und anschließend noch ein wenig über die zur Verfügung stehenden Gelder (Etat ca. 1,5 Mio €) sowie die stetig um ca. 1.000 Mitglieder im Jahr wachsende Abteilung sprach.

Er fand kurz Worte zum Thema Kollau II – bzw. zum Ex-Thema – das wohl ein „Luftschloss“ (Zitat) des alten Präsidiums (meine Interpretation) gewesen wäre.

Erst danach ging es an den erwarteten Kommentar zum Präsidium. Hier zeigte er sich etwas irritiert, weil die AFM gewissermaßen gewohnt sei, als Opposition die Gegenposition zum Präsidium einzunehmen, und sie sich im vergangenen Jahr daran gewöhnen mussten, mitzugestalten. Also auch hier wieder (zu?) viel Harmonie mit dem Präsidium.

Am Rande bemerkt: Es würde Alex Gunkel sicherlich nicht schaden, wenn er beim Reden zwischendurch den Mund auch öffnen würde, dann könnte man ihn wohl auch besser verstehen.

Bericht des Ehrenrates

Auch der Ehrenrat fasst sich kurz. Es gab nur zwei Anrufungen (glaube ich, meine Notizen sind äh… unklar), sonst wohl alles fein.

Entlastungen

Präsidium und Amateurvorstand werden ohne Gegenstimmen entlastet. Die Mannschaft darf nun den Saal verlassen. Mir fällt äußerst positiv auf, dass Ewald Lienen bis zum Schluss bleibt. Ich weiß nicht, inwiefern dies in den letzten Jahren mit den anderen Trainern ebenfalls so war, aber es passt sicherlich in das Bild, das ich von ihm habe. Interessiert auch an dem, was im Verein passiert. Es ist jetzt 13:15.

Wahl eines Kassenprüfers

Nächster TOP ist die Wahl eines Kassenprüfers. Zur Wahl stehen der bisherige Kassenprüfer Jan Görbitz, Frau Hannelore Ille (nicht anwesend) und eine weitere Kandidatin, Sabine Kraxner. Frau Kraxner ist seit 2015 im Verein – wo ich dann immer etwas zucke, weil ich mich frage, ob Mensch nur wegen der Hoffnung auf ein Amt in den Verein eintrat. Andererseits sind qualifizierte Kandidaten für Ehrenämter natürlich auch rar genug, so dass man hier vielleicht auch einfach umgekehrt herangehen kann und sich freuen, dass Menschen eben für eine Ehrenamtskandidatur bereitstehen und bereit sind, sich einzubringen.

Anyway, die Vorstellungen von Jan und Sabine finde ich eher unspektakulär. Sabine macht den „Fehler“ von „Pauli“ zu sprechen, was zu vereinzelten Zwischenrufen führt. Am Ende gewinnt Jan die Abstimmung knapp mit 243 vs. 209 Stimmen. Frau Ille erhält 17 Stimmen und ist immer noch nicht im Raum.

Stimmabgabe und kurze Pause.

Ich bin hochgradig irritiert. Die letzten Jahre hatten zumindest etwas Dissens und Kontroverse zwischen den Vereinsgremien hervorgebracht. Alles äußerst harmonisch dieses Mal. Kritische Stimmen mögen bemängeln, dass das natürlich auch Gemauschel sein kann, ich neige aber deutlich dazu, diese harmonische Zusammenarbeit positiv zu bewerten. Alles, was ich bisher las, hörte, miterlebte und die bisher gefällten Entscheidungen sprechen in meinen Augen jedenfalls deutlich für AR und Präsidium.

Ehrungen und Anträge

Nach den routiniert durchgeführten Ehrungen (unter anderem für Stellvertreter des Museumsvereins, die Blindenfußball-Nationalspieler, Rugby-Frauen, Rollerderby, Tischtennis, Bowling A-Jugendliche) folgen die Anträge.
Es sind inzwischen 580 stimmberechtigte Mitglieder vor Ort. Ich hatte mit weniger gerechnet.

Vier Anträge zur Satzungsänderung liegen vor.

Die Ergänzung des Abteilungszweckes der AFM wird ohne Gegenstimmen angenommen.

Die Amtsperiode des Präsidiums (bei gleichzeitiger Wahl des AR) wird auf zwei Jahre verkürzt, um der Situation, dass ein AR ein Präsidium zur Wahl vorschlägt, mit dem der AR dann aber nicht mehr arbeiten kann entgegenzuwirken. Erneut ohne Gegenstimmen.

Der Vereinszweck des FC St. Pauli wird ebenfalls ohne Gegenstimmen ergänzt („Jugendhilfe, mildtätige Zwecke, Mittel für ‚1910-Museum für den FC St. Pauli e.V.‘“).

Die Form der Wahl des Präsidiums (bzw. der Vizepräsidenten) wird von Akklamation auf schriftlich geändert. Die Begründung, dass das gerade bei Mitarbeitern und Ehrenamtlichen sonst zu Interessenskonflikten führen könnte, finde ich persönlich ausreichend.

Natürlich ist der Aufwand so etwas größer, aber da müssen wir dann durch. Auch dieser Antrag wird – mit wenigen Gegenstimmen – angenommen. (Den finde ich ja absolut überfällig. Personenwahlen per Akklamation sind ein Grauen. Anmerkung des Onlinestellers)

Zwei weitere „Sonstiges“-Anträge liegen noch vor uns. Es ist jetzt etwa 15:00 Uhr.

Zuerst wird über den Antrag zur Bereitstellung von (bewachten) Fahrradstellplätzen während des Spiels abgestimmt. Erneut überwiegende Zustimmung.

Finale – der Antrag „Nein zu Olympia 2024“.

Let the Games begin.

Kurz ausgeholt: Es geht darum, dass die JHV beschließen möge, dass das Präsidium des FC St. Pauli sich klar gegen die Bewerbung positioniert und den Mitgliedern gegenüber die Empfehlung ausspricht, gegen die Spiele zu stimmen.
Ich gebe zu, dass ich vorher schon gegen den Antrag war. Ich habe mich sehr darüber geärgert, dass die JHV dem Präsidium vorschreiben soll, den Mitgliedern gegenüber eine Wahlempfehlung auszusprechen. Entschuldigung, wir sind selber groß. Zudem finde ich die Vorstellung, wie ich abstimme, damit das Präsidium auf Basis meiner Abstimmung mir sagt, dass bzw. wie ich abzustimmen habe etwas seltsam.

Und auch sonst fand ich das Vorgehen des Vereins mit Bezug zu Olympia bisher herausragend klug, und von daher den Antrag irgendwie völlig sinnlos. Tjanun.

Die Antragsteller erläutern ihren Antrag und sind die ersten, die meinen es sei zielführend ihn noch einmal vollständig vorzulesen. Danke. Ich hab den zwar schon gelesen, aber nun (Und ja, wenn der Vortragende auch noch anstrengend vorträgt, werde ich missgünstiger, als ich es eh schon bin).

Darauf anschließend folgt eine offene und teilweise etwas ermüdende Diskussion. Zunächst wird angemerkt, dass man das Thema Olympia ja weder in diesem Rahmen diskutieren wolle oder könne, um dann doch zu diskutieren, bzw. artikulieren, warum man denn unbedingt dagegen sein müsse. Einzelne outen sich als satzungsfern und versuchen Anträge und Eilanträge und Änderungen an Anträgen mit Argumenten wie „In meinem Diskurshandbuch steht…“ oder „Es ist normal, dass…“ ohne Abstimmung oder in der Satzung vorgeschriebene notwendige Mehrheiten durchzudiskutieren. Was natürlich scheitert. Dann kommt ein Antrag darauf, die Abstimmung schriftlich durchzuführen, damit keiner sich öffentlich positionieren müsse. Dann wird diskutiert. Ein (Eil-)Antrag der keiner sein soll wird artikuliert, dass die Formulierung des Antrages dahingehend geändert wird, dass die „Empfehlung an die Mitglieder“ rausfliegt. Die Antragsteller würden dem zustimmen (und ich frage mich, ob die JHV die besagte Antragsteller eben noch zu Recht, als höchstes Vereinsgremium betrachteten nicht auch über diesen Antragstellern steht, und es der JHV nicht egal sein könnte, ob die nun zustimmen oder nicht).

Ich warte aufs Handgemenge um dem ganzen wenigstens etwas Unterhaltung abzugewinnen, bis Daniela Wurbs ans Mikrofon tritt. Ihr Vorschlag, den gesamten Antrag umzuformulieren in „Die Mitgliederversammlung des FC St. Pauli lehnt die Olympiabewerbung Hamburgs ab. Das Präsidium wird beauftragt, die Entscheidung öffentlich zu kommunizieren und sich nicht an Pro-Olympia-Kampagnen und – Veranstaltungen zu beteiligen.“. Das scheint konsensfähig.

Ich persönlich bin etwas hin- und hergerissen, weil ich eigentlich lieber eine Ablehnung des ersten Antrags gesehen hätte, als eine Annahme des „optimierten“ Antrages, aber nun. Nach noch etwas Diskussion und Satzungshin und -her wird der Eilantrag auf Umformulierung des Antrags mit der notwendigen Zweidrittelmehrheit angenommen und im Anschluss der umformulierte Antrag mit der notwendigen einfachen Mehrheit.

Falls der werte Leser hier etwas den Faden verloren hat: So fühlt sich das halt an, wenn JHV ist.

Verschiedenes

Zum Abschluss der Veranstaltung der offene Tagesordnungspunkt verschiedenes. Als es eigentlich schon vorbei ist, fällt unserem Freund von nach der Präsidentenrede auf, dass er sich vorher eigentlich zum unpassenden Zeitpunkt gemeldet hat, und meldet sich jetzt sicherheitshalber erneut. Diesmal hat er sogar Name und Abteilung parat und fordert eine Erklärung vom Präsidium, für die Under-Armour-Thematik, die ihm dann auch gegeben wird. Sinngemäß wird entgegnet, dass man rein theoretisch die „Auswahl“ aus wohl 10 Ausrüstern hätte. Von denen wollten fünf nicht mit dem FC St. Pauli reden, und von den übriggebliebenen 5 wäre das Gesamtpaket der Partnerschaft mit Under Armour eben trotz der Bedenken was Teile der Außendarstellung betrifft das beste gewesen. Zumal Zweitligisten in der Regel schon froh seien, wenn sie überhaupt Gratisware bekämen.

Zudem wurde wohl bei bestimmten Themen auch nachgefragt, wie UA dazu stünde und die Antworten von UA (Keine Geschäftsbeziehung mit der NRA & Co) wurden der JHV auch genannt.

Um 16:20 sind wir durch.

Fazit

Eigentlich eine äußerst harmonische Veranstaltung. Ohne das externe Olympia-Thema wäre sie wohl auch völlig geräuschlos abgelaufen. So halt mit etwas Diskussion. Aber auch so empfand ich das als eine sehr angenehme JHV.
Ich ärgere mich immer etwas darüber, dass den Ehrungen von einigen so viel Abneigung entgegengebracht wird. Wir sind nun mal ein Sportverein, und da gehört das sowieso dazu. Das sind für einige unserer Sportler die einzigen Minuten, in denen mal nicht nur über die Fußballprofis geschrieben wird. Von daher nehmt das doch mal als Teil des lebendigen Vereins an bitte. (Wer bringt dem Abneigung gegenüber? Curi, wir brauchen Namen! Der empörte Onlinesteller! Ne, mal im Ernst. Einen gemeinnützigen Sportverein machen seine sporttreibenden Abteilungen aus. Wer dies nicht begreift, der ist in einem gemeinnützigen Sportverein ggf. fehl am Platze. Die Ehrungen gehören dazu und es ist schlimm genug, dass sie nicht mehr zu Beginn vorgenommen werden, sondern „optimiert“ nach Abstimmungen. Der Onlinesteller.)

Okay, es sind jetzt doch immerhin sechs Seiten geworden. Dann zum Abschluss noch etwas Eigenwerbung: Gerade das Thema UA behandelt der letzte MillernTon-Podcast „Wohlfühloase St. Pauli“ mit Oke Göttlich als Gast recht ausführlich.

Das wars

Sebastian/@Curi0us

Und wir als magischerfc.de haben zu Danken

Nov 102015
 

Liebe Freundinnen und Freunde, verehrte Freaks,

Disclaimer.

vorab möchten wir festhalten, dass dieser Post ganz ohne Thy-Wortwitze auskommen wird. was dem wortspiel-affinen Redaktionskollektiv durchaus schwer gefallen ist. Aber zu schlimm waren teilweise die Schmerzen beim Verfolgen der Timelines. Ihr könnt also beruhigt weiterlesen.

Prolog.

Im Millerntor erklingen The Boomtown Rats („I don’t linke Mondays“), auch wenn heute kein Amoklauf zu erwarten ist. Die beiden Nordkurvenblöcke werben in farblicher Eintracht für fangerechte Anstoßzeiten, leichter Regen, kaum Fahnen, es ist Montag.

Alles wie immer? Fast. Die Südkurve darf keinen Alkohol trinken. Das wurde im Vorfeld der Partie von der Hamburger Polizei so festgelegt und die wissen schließlich, was sie tun. Gut, man könnte jetzt einwenden, dass auf der Südkurve andere Drogen ohnehin höher im Kurs stehen. Oder dass der Zusammenhang von Alkoholkonsum und Pyrotechnik mehr als fragwürdig erscheint. Oder vielleicht auch moralische Einwände haben, weil Kollektivstrafen scheiße sind. Oder dass diese Ultras jetzt einfach vor ihrer Kurve Freibier ausschenken. Ganz ehrlich, ein großartiger Konter, eine super Reaktion auf diese sinnlose Maßnahme! Ein paar Rauchtöpfe auf der Gegengerade wären zwar auch nett, aber ein paar Flaschen Freibier tun es auch.

Das Spiel.

Eines der Besten der letzten Jahre vielleicht? Über weite Strecken spielen nur die Boys in Brown und tauchen daher auch bestimmt acht oder neun Mal völlig frei vor dem Tor Michael Rensings auf, der als einziger Düsseldorfer Schlimmeres verhindern kann und die Schüsse von Choi oder Ratsche solide abwehrt. Lediglich Lennart Thy ist er nicht gewachsen, der den Ball vier Mal (!!!) versenken kann! Unglaublich!

St. Pauli Fortuna Düsseldorf November 2015

Kurz bevor der Sturm losbricht


Das ist über zehn Jahre beim FCSP niemanden geglückt, wie der Übersteiger herausgestellt hat. Aber nicht nur Thys Torhunger ist schön anzusehen, die Mannschaftsleistung generell lässt sich als sehr positiv wahrnehmen. Hinten stehen wir absolut kompakt, das Spiel nach vorne funktioniert, wir sehen richtige Offensivspielzüge. Ein toller Fußballabend! Die These der Redaktionskollektives lautet ja: Über die Defensive in die Offensive kommen. So wirkt es. Erst hat Ewald den Jungs Defensive beigebracht, nun arbeitet er an der Offensive. Seine Worte nach dem Spiel sind vorsichtig. Aber wie schreibt ein kluger Mann in einem Kommentar in einem sozialen Netzwerk (!)? „der steckt deutlich tiefer drin in seinen Vorstellungen von Fußball, als wir alle.“ Mal sehen, was der Kopf noch so ausheckt.

Glückseligkeit zum Abpfiff bei uns. Hässliche Szenen am Gästeblock, aus dem die geprügelten Düsseldorfer Hunde noch reichlich Pöbeleien einstecken müssen. So baut man seine Mannschaft nicht auf, wenn sie am Boden liegt.

Aphoristischer Epilog.

14 Spiele, 26 Punkte, 11 Gegentore (bei 19 geschossenen definitiv eines zu viel).
Ja, es scheint legitim, diese Saison weniger Angst zu haben.

Es schrieben noch (darf man ja auch mal wieder aufleben lassen):

Groeni
LeWi
das Fangirl (muss jeder lesen nach diesem Spiel)
– das Aktionsbündnis zu einem äußerst wichtigem Thema: (Facebook Link)

Nov 092015
 

Die Macher dieses Geschreibsels hier haben ja komische Hobbys. Aber Groundhopping gehört nicht dazu. Das überlassen wir anderen echt coolen Freaks. Ein Freak davon ist Mitglied bei unseren Veteranen. Und guckte sich am Sonntag nachmittag das Spiel in der Landesliga Hansa Dersimspor Harburg gegen den FC Bergedorf 85.

Bergedorf 85 hat eine ziemliche Tradition in Hamburg und die Älteren unter uns werden Spiele gegen den FC Bayern genauso erinnern, wie der Versuch eines durchgeknallten Versicherungsfuzzis mit der Marke Auxilia (oder so ähnlich) Bergedorf im Profifußball zu verankern. Hat alles nicht geklappt und so verließen die Fußballer 2009 den Hauptverein und heißen nun nicht mehr ASV, sondern FC. Und mit den „Elstern“, wie man sie früher kannte, hatte die heutige Trikotfarbe wenig gemein. Spielte da doch der FC Barcelona. Zumindest von den Trikots her. Dersimspor in Argentinienoutfit machte die Illusion von Spitzenfußball perfekt.

Auf einer netten, neugestalteten Anlage mit Kunstrasenplatz waren vielleicht 100 Zuschauer anwesend, um diesen Kick zu bewundern. Der ein erstaunliches Tempo für Liga 5 hatte.

Schönes Schild. Und leider immer noch notwendig.

Schönes Schild. Und leider immer noch notwendig.

Wenn man so die Internetseite des Vereines Dersimspor bewundert, scheinen die ein ziemlich cooles Konzept zu haben.

Und ihren Leitspruch mit „Fairplay und Respekt“ setzten sie auch auf dem Platz absolut in die Tat um. Trotz einer sehr harten roten Karte (Ball aus Frust weggekickt und dabei Gegenspieler am Bein getroffen), trotz zweier Verweise von der Bank (da konnte ich nicht mitbekommen, was da gesagt wurde), blieben die Spieler und Offiziellen extrem ruhig und höflich. Häufig wurden Mitspieler zurückgepfiffen, wenn sie am Meckern waren. Da ist man auf Profi- und Amateurplätzen bei viel weniger Hektik viel größeres Gemeckere und Gepöbel gewohnt.

Das Spiel an sich schnell und unterhaltsam. In der 1. Halbzeit reichten zwei Konter für ein 0-2 und direkt nach Wiederanpfiff folgte das 0-3. Dann die erwähnte rote Karte und durch ein Elfmeter das 1-3. Nun warfen die Gastgeber alles nach Vorne, hatten noch Chancen, aber dann der berühmte tödliche Konter zum 1-4.

Der Veteran versprach schon Freibier wenn es noch 4-4 ausging und kam nach einem 2-4 und einigen richtig guten Chancen noch mal ins Schwitzen, aber letztendlich blieb es bei einem 2-4. Angesichts der eiskalten Konter der Gäste kein unverdienter Sieg.

Und so endete ein sonniger Ausflug nach Harburg.

Nov 022015
 

Ein (letzter) Debattenbeitrag

Es ist ja nicht so, dass wir bei magischerfc.de immer sofort einer Meinung wären. Bei der Vorhersage von Fußballergebnissen passiert dies selbst häufiger, ist doch ein Teil von uns mit einem (un)gesunden Pessimismus gesegnet.

Und auch bei der Frage nach den olympischen Spielen sind wir nicht wirklich einer hunderprozentig gleichen Meinung. Insgesamt sind wir wohl skeptisch, aber aus unterschiedlichen Gründen und mit einer unterschiedlichen Gewichtung.

Nun sollt ihr aber über Olympia entscheiden. Und da wollen auch wir euch noch ein paar Gedankenstränge an die Hand geben. Wichtig dabei ist, dass die jetzt folgenden Argumente objektiv unterschiedliche Gewichtungen haben, die dann auch noch jeder subjektiv ein bisschen anders gewichtet. Alles klar? Los geht es.

Vorab jedoch noch dieses: Man kann bei dieser Diskussion sachlich unterschiedlicher Meinung sein. Das ist aus unserer Sicht absolut vertretbar und hier kann man auch seine eigene Meinungspluraritätsfähigkeit (was für ein Wort) mal üben. Hier nämlich nicht mit „bist du dumm“ zu reagieren, ist schon viel wert. Vieles kommt nämlich auf die eben erwähnte persönliche Gewichtung an.

Wie verhält sich der Verein?

Unser Verein macht das großartig. Er verhält sich neutral. Dieser „von unten nach oben“-Ansatz ist sehr viel besser, als irgendein Fähnchengewinke der Marke Rauten. Denn auch dort sind eben nicht 100 Prozent pro Olympia, wie dieses Fahnengewinke implizieren soll.

Die Haltung unserer Oberen wird diesen gerne auch mal als Ablehnung ausgelegt. Ein Stilmittel, was als „wer nicht für uns ist, ist gegen uns“ schon seit langem bekannt ist, und genauso unlauter wie falsch ist.

Soweit wir das beobachten ist unser Verein in der Frage „Olympia“ schlichtweg nicht einer Meinung. „Unser Verein“ meint hiermit die Mitglieder. In den Abteilungen wird diskutiert, abgewägt, mal gibt es eine Mehrheit dagegen, mal nicht und mal weiß man es halt nicht so genau. Und das ist auch gut so. Für oder gegen Olympia zu sein, ist nichts, was sich mit dem Geist des FCSP nicht vereinbaren lässt.

Insofern macht das unser Präsidium genau richtig. Natürlich könnte die JHV (als höchstes Gremium) eine Position beschließen und das Präsidium würde diese dann wahrscheinlich auch mehr oder minder überzeugend nach außen vertreten, aber so lange dies nicht der Fall ist, muss das Präsidium den Mitgliedern auch keine Seite vorgeben. Das ist etwas sehr Demokratisches und das ist gut so. In unseren post-demokratischen Zeiten haben wir diese offene Diskussionsgestaltung nur verlernt. Und sie wird auch immer schnell gerne als Führungsschwäche oder Chaos interpretiert, dabei ist sie genau das Gegenteil.

So gibt es auch beim Verein reichlich Lesestoff zur Findung der eigenen Position. Und auch der Zeckensalon hat sich positioniert und einen Aufruf zum Düsseldorf-Spiel veröffentlicht.

Das es zumindest Ex-Funktionäre gibt, die Olympia ganz toll finden, konnte man letztens auf dem Trikot des Clubs bewundern.

Was für Argumente gibt es denn nun?

Die klassischen Pro-Argumente

– die Party

Machen wir uns nix vor. Die WM 2006 hatte tolle Aspekte. Das „Sommermärchen“ war nicht der – überraschende – Erfolg einer DFB-Auswahl, sondern der Besuch von Fankulturen aus allen Herren Länder und die Party, die diese Menschen teilweise mit einem gefeiert haben. Vielen FCSP-Fans wird z.B. ein stundenlanges Sangesduell zwischen Skins und Südkorea mitten am Tag am Jolly im Kopf geblieben sein.

So eine Party ist natürlich auch Olympia. Und wenn man den vorherigen Kater vergisst und den Ärger mit den Nachbarn wegen der lauten Musik vorher verdrängt und nachher verklärt, dann kann man diese Party sehr geil finden und sie auch haben wollen. Ist dies naiv? Kommt Leute, als hättet ihr nicht mindestens einmal ein Studentenwohnheim oder die elterliche Wohnung so richtig im Suff zerlegt. Das der Kater und der Ärger kommen würde, wusstet ihr auch. Habt ihr es deswegen nicht gemacht? Nein!

Und wenn man euch heute fragt, dann war es doch eigentlich eine geile Party. Also hüte man sich, diese Meinung als naiv anzusehen.

Das sie in FCSP-Kreisen trotzdem auf Widerspruch treffen wird, liegt auch an unserer DNA. Standen wir doch immer dafür, Party zu machen, ohne das Hirn komplett abzugeben. Ob man Olympia auch als Party mit eingeschaltetem Hirn feiern kann? Das sei jedem selbst überlassen. Man kann so einem Menschenauflauf als von oben herab organisierte Party zumindest skeptisch gegenüberstehen. Denn seien wir auch ehrlich: Die besten Partys sind immer die, die niemand organisiert hat und die kein Geld kosten.

Olympia hat auch was Völkerverstä (Völkerverständigung ist ein fürchterliches Wort, da steckt Volk drin!) Menschenverständigendes. Die Jugend der Welt wird zu olympischen Spielen eingeladen und der Gedanke, dass sich Sportler und Fans aus allen Ecken der Welt in der Stadt tummeln, man mit ihnen säuft und ihnen seine schöne Stadt zeigt, der hat schon was. Und man seine persönlichen Sportvorbilder vielleicht mal ganz nah an sich vorbei rennen sehen kann, wäre auch toll. Aber es ist auch immer eine Party der Reichen. Tickets werden teuer und knapp sein und auch Reisen in unsere Stadt werden ein Luxusgut in diesem Moment sein.

Feuer und Flamme? Oder doch...

Feuer und Flamme? Oder doch…

– die Strahlkraft
„Hamburg wird an internationalem Prestige gewinnen, alleine durch die Bewerbung“, wird man immer wieder als Argument hören. Nun seien wir mal ehrlich: Was ist das denn für ein Argument? Leute, wir sind die geilste Stadt auf Erden, das habe wir gar nicht nötig. Um mal die lokalpatriotische Erwiderung anzubringen. Auch muss nun nicht wirklich jeder Hans und Franz sehen, wie geil Hamburg ist. Können doch alle in das angeblich so geile Berlin. Okay, das ist euch zu arrogant? Dann mal vielleicht etwas realistischer: Hamburg ist ein internationales Nichts. Kennt ihr die 49 (Zahl laut Wikipedia) chinesischen Millionenstädte? Wir auch nicht. Sorry Leute, wenn man nicht gerade mit Schiffen zu tun hat, dann ist Hamburg unbekannt und eine Stadt unter vielen. Und das wird sich auch nicht durch die Bewerbung ändern. Oder kennt nun jeder Leipzig? Oder kennt noch jemand Squaw Valley?

– die Stadtentwicklung
„Sprung über die Elbe“, hieß das in der ersten Bewerbung. Und das klingt auch alles ganz toll. Aber geplante Stadtentwicklung hat immer Risiken und Nebenwirkungen. Und ein wirklich gelungenes Beispiel findet sich zumindest in Hamburg nur schwerlich. Stadtentwicklung funktioniert meistens besser, wenn man nicht von oben entwickelt, sondern die Umstände und die Menschen von sich aus entwickeln. Siehe Sternschanze. Das diese Entwicklung erst ihre Kinder und dann auch noch ihre Enkel frisst (Stichwort Gentrifizierung), ist auch menschlich.

Hinzu kommt: Hier wird ja keine grüne Wiese überplant. Der kleine Grasbrook ist zur Zeit Teil des Hafens und wer sich ein bisschen mit Hamburger Wirtschaft beschäftigt wird, feststellen, wie stark diese vom Hafen geprägt und auch abhängig ist. Hier Flächen aufzugeben, nachdem man jahrzehntelang Menschen umgesiedelt hat, um diesen Hafen zu erweitern. Das ist zumindest ein fragwürdiger Schnellschluss der Stadtentwicklung.

Die offenen Fragen

– Hat so eine Bewerbung überhaupt international eine Chance? Die Strahlkraftfrage
Hier objektive Kritieren anzusetzen fällt schwer. Man darf eines nicht vergessen: Viele der Bewerbungen um internationale sportliche Großereignisse sind garantiert nicht in einer Abwägung von Vor- und Nachteilen des jeweiligen Standortes vergeben worden. Sonst wäre Sochi nie Standort einer Winterolympiade geworden, Katar würde nie eine WM ausrichten und auch eine Leichtathletik-WM in Eugene (Hauptsitz von Nike, wurde die WM 2021 ohne ein Bewerbungsverfahren zugesprochen) wäre schwer vorstellbar. Haben wir jetzt das unschöne Wort „Bestechung“ in den Mund genommen? Nein! Aber zumindest ein „eine Hand wäscht die andere“ und knallharte politische und wirtschaftliche Interessen waren immer Teil des Deals. Dieses Geschäft ist schmutzig!

Klar ist: Hamburgs Konzept hat sich national einmal schon nicht gegen Leipzig durchsetzen können. Und das Leipziger Konzept ist dann mit Pauken und Trompeten international gescheitert. Das spricht natürlich dagegen, dass das Hamburger Konzept nun so wirklich der Knaller ist. Auch wird sich Deutschland mit Bestechungen Aufmerksamkeiten auch angesichts der gerade hochkochenden Vergabe der WM 2006 etwas schwer tun.

Klar ist aber auch: Deutschland ist ein riesiger Markt, Deutschland hatte seit anno dazumal keine olympischen Spiele mehr und wenn ich diese olympischen Spiele nicht nach Deutschland vergebe, dann kann es sein, dass ich auch auf Jahrzehnte keine weitere deutsche Bewerbung bekomme. Wenn dann einer meiner größten Sponsoren (auch persönlich) eine deutsche Firma ist, dann könnte ich ins Überlegen kommen. Und noch etwas könnte vielleicht für Hamburg sprechen. Ich vergebe die nun sauber nach Hamburg, tue so, als ob alles andere hinter mir liegt und kann dann 2028 wieder zu dem alten Geschäft zurückkehren. Und habe viele Kritiker mundtod gemacht.

Ihr seht: Alles reine Spekulation und wir könnten nicht abschließend beurteilen, ob Hamburg eine Chance hat. Denn eines ist klar: Wir sollten so arrogant sein, uns nur dann zu bewerben, wenn wir realistisch gewinnen können. Und hier spielt der nächste Aspekt eine SEHR große Rolle.

– Die Finanzierung / Olympia als nationale Aufgabe
Mal rein fiktiv: Unser aller Innenminister de Mazière hätte sich letzten Sommer mit Schäuble und Merkel vor die Kamera gestellt und folgendes gesagt: „Wir als Bund verstehen Olympia als nationale Aufgabe.“ Oh wait, so weit hat er es gesagt. Was er aber nicht sagte, ist folgendes: „Wir als Bund werden die Kosten dafür zu einem großen Teil übernehmen. Die Kanzlerin und der Finanzminister sind sich einig, dass das ganze 20 Mrd. kosten wird und die haben wir über, denn wir sind reich und Wolle hat immer wie eine schwäbische Hausfrau gespart und das geht ab.“ Seit diesem Tag beendet Merkel jede Rede mit „Ceterum censeo Carthaginem esse delendam Hammaburgensem habere Olympiam“ (man verzeihe uns unser schlechtes Latein). Und zwar egal, ob sie bei Erdogan (lupenreiner Demokrat und so …) oder bei Obama ist. Das Gleiche tun von Niersbach bis Beckenbauer alle Sportnamen, die Deutschland so zu bieten hat.

Seien wir ehrlich, wir würden über die Frage nach der Strahlkraft kein Wort verlieren. Auch wenn alle Genannten mehr als genug Dreck am Stecken haben.

So ist es aber in der Realität nicht. Der DFB bewirbt sich lieber um die EM 2024, de Maziere versteht es als nationale Aufgabe, so lange es nichts kostet. Sprich: Hält Sonntagsreden ohne Gehalt und von Schäuble liest man das übliche „wir zahlen nix“. So etwas liest auch das IOC und wird – nebenbei zu Recht – hinterfragen, ob „die Deutschen“ es eigentlich ernst meinen.

Es erschrickt, wie schlecht hier die Kampagne auch vorbereitet ist. Vieles sieht aus, als ob man es über das Knie gebrochen habe und das stärkt nicht gerade das Vertrauen in die Kampagne. Da stellt sich ein Bürgermeister vor die Kameras und spricht von super toll gerechneten 7,4 Mrd. netto Kosten, die zu 6,2 Mrd. der Bund und zu 1,2 Mrd. die Stadt zahlen will. Wie super toll gerechnet ist dies aber, wenn der Bund einen Tag später anmerkt, dass er 6,2 Mrd. nun garantiert nicht zahlen will? Da kann man schon erhebliche Zweifel bekommen. Ein ordentlicher Hamburger Kaufmann würde so nie rechnen. Ist das auch bei allen anderen Kalkulationen so blauäugig? Der geneigte Wähler könnte sich dies fragen.

Und auch dies hat man beim IOC bemerkt und dies schwächt die Hamburger Bewerbung erheblich. Das ganze hätte mit viel mehr Einigkeit und vorheriger Absprache mit einem Knall los gehen müssen, wenn man denn gewinnen will.

Auch andere Aspekte der Finanzierung können einen zweifeln lassen. Um diese Zahlen zu erreichen, muss man die Überbleibsel meistbietend nach den olympischen Spielen verkaufen. Das birgt nicht nur das Risiko, dass Immobilienpreise mal fallen; es setzt auch zwingend voraus, dass man irgendwelchen Immobilienhaien diese Flächen überlässt. Eine soziale Stadtentwicklung sieht anders aus. Siehe dazu oben.

Auch sonst sind Kostensteigerungen bei einem solchen Projekt eher die Regel als die Ausnahme. Etwas schön zu rechnen macht es einfach nicht glaubwürdiger und besser. Eine ehrliche Aussage wie „Wir planen mit 12 Mrd., haben aber Raum bis 20 Mrd.“ ist da schon glaubwürdiger. So wie es jetzt verkauft wird, kann man damit rechnen, dass direkt nach der Abstimmung das „OOOHHH“ kommt, die Zahlen massiv nach oben korrigiert werden und auch von den „keine neuen Schulden, keine Kürzungen“ plötzlich niemand mehr was wissen will.

Und etwas muss einem auch klar sein: Das Ganze ist eine sehr teure Party. Das spricht nicht zwingend gegen sie, denn ihr seid jetzt noch mal ehrlich: Wer von euch hat noch nie eine rauschende Ballnacht gefeiert und sich einen Scheißdreck um die Rechnung gekümmert? Gehört auch dazu. Und das Hamburg nun direkt vor dem finanziellen Kollaps steht, wäre als reichste Stadt Europas auch irgendwie eine Lüge. Aber es ist eine teure Party. Dem muss man sich klar werden.

Kann man das Geld besser ausgeben? Natürlich! Man kann jedes Geld besser ausgeben. Tut man aber ehrlich gesagt als Mensch auch nicht. Partymachen ist dem Menschen irgendwie auch in die DNA gelegt.

Nur muss es wirklich diese sein? Muss die so teuer sein? Ja, das sind Fragen, die muss und die kann man stellen. Gerade weil es viel Geld ist, was keine weitere Wirkung hat. Anders als ein Stadionneubau zur Fußball-WM werden ihr ganz viele Projekte entstehen, die keine gleiche Nachnutzung haben werden bzw. haben können. Niemand braucht ein riesiges Olympiastadion in Hamburg. Insbesondere weil die beiden Hamburger Fußballvereine bestens versorgt sind.

Was spricht gegen Olympia?

Wir haben hier mal auf einige Ausführungen verzichtet, weil das auch klar ist. Soll jetzt bitte das Gewicht der Argumente nicht mindern.

– das IOC
Ist ein verknöcherter korrupter Haufen. Punkt. Mit denen Geschäfte zu machen, ist einfach nicht moralisch gut. Punkt.

Nur seien wir ehrlich. Ist die Fifa auch. Trotzdem gehen wir ständig zum Fußball. Wir alle haben da so eine „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass“-Haltung. Nebenbei nicht nur beim Sport. Ich sage nur Produktion von Kleidung und Elektronik.

Und trotzdem freuen wir uns ohne diese Gedanken über ein FCSP-Tor oder einen Arne Gabius, der als Hamburger nächstes Jahr olympischen Marathon läuft. Und ihn gewinnt. So.

lieber etwas besseres?

Lieber etwas Besseres?

Trotzdem bleibt das ein riesiger Scheißhaufen und diesen Scheißhaufen als Quasi-Bürgermeister für 14 Tage zu sehen, tut zumindest derbe weh. Nun ja, also das gleiche Gefühl, wie wenn man unseren jetzigen Bürgermeister sieht.

– die Hostverträge sind Knebelverträge
Jo, sind sie. Vielleicht sind einige Details nicht ganz so krass, wie sie sich zu Beginn lesen, aber trotzdem es bleibt ein Knebelvertrag, welcher vor einem Gericht nie Bestand haben würde. Das ist ein bisschen wie in der närrischen Zeit. Man gibt für eine gewisse Zeit die Schlüssel der Stadt an den Karnevalsprinzen den jeweiligen Vorsitzenden des IOC. Und wir Hamburger haben es aus guten Gründen nicht so mit dem Karneval und den Narren.

Trotzdem sei man bei der Auslegung etwas vorsichtig. Da steht z. B. nicht zwingend ein Demonstrationsverbot drin. Englische Rechtssprache immer erweiternd ins Deutsche zu übersetzen und die möglichst weiteste Auslegung zu nehmen, ist ein bisschen fragwürdig.

Im englischen Original steht: “no major public or private event (…) which could have an impact on the successful planning, organicing, financing and staging of the Games or their public and media exposure, shall take place in the host city (…)“. Klar, kann man das weit auslegen, aber man sollte schon wissen, dass Demonstration im Englischen kein public event, sondern eine demonstration oder rallye ist. Davon ist nicht die Rede. Mal ganz davon ab: Das BVerfG würde der Stadt Hamburg aber richtig einen husten, wenn diese mit der Begründung „geht nicht, ist Olympia“ eine Demo verbieten würde. Wenn das aber genauer interessiert: Der Benjamin Laufer (toller Typ nebenbei) hat das auseinandergepflückt.

Viel näher liegt z. B., dass dies ein Fußballspiel in der Stadt mehr oder minder verhindert. Das ist major public event und impacted aber so etwas von die Spiele. Womit wir gleich beim nächsten Punkt wären:

– die fehlenden Absprachen
Unser Stadion soll auch Spielort werden. Grob wird dies heißen, dass wir ca. vier bis fünf Wochen minimum auf unser Stadion nicht zurückgreifen werden können. Ist dies mit dem DFB/der DFL abgesprochen? Können wir dann unsere Heimspiele nachholen? Dies ist unklar, scheint nicht geklärt und der parallele Versuch, eine EM zu bekommen, lässt da auch wenig Lösungswille auf der DFB/DFL Seite erkennen. Am Ende haben wir nämlich plötzlich in der Zeit englische Wochen und Doppelheimspiele und müssen viermal in Bremen oder noch schlimmer in Bahrenfeld spielen.

Das passt zu der schon oben beschriebenen übereiligen, mit der heißen Nadel gestrickten und dadurch auch weniger überzeugenden Bewerbung.

Wahlempfehlung

Wir werden euch hüten, euch eine endgültige Wahlempfehlung zu geben. Wir denken, ihr könnt alle selber denken und braucht uns nicht dafür. Macht es mit bestem Wissen und Gewissen. Achtet bitte nur darauf, dass ihr gültig stimmt.

Nov 012015
 

Bochum an einem Freitag. Eine Kombination, die es in der näheren Historie des FCSP doch schon häufiger gab. Trotzdem machten sich ca. 2.500 Hamburger auf den Weg tief in den Westen.

Das auch aus vielen guten Gründen. Der Stressfaktor ist in Bochum von Seiten der gegnerischen Fans sehr niedrig und das Stadion an der Castroper Straße ist einfach ein Fußballtempel vergangener Zeiten, der Tradition, Bier, Currywurst und Kampf um jeden Grashalm atmet.

Sowieso der VfL. Eingeklemmt zwischen Riesen des Fußballgeschäftes spielt er doch wahlweise als „graue Maus“ oder „unabsteigbar“ immer in den oberen 25 bis 30 des Bundesliga-Geschäftes mit. Auch das ist eine Leistung für einen Klub, der schon aufgrund der Konkurrenzsituation in der direkten Nachbarschaft nun nicht das unendliche finanzielle Potenzial hat.

Und so ist auch dies ein Spitzenspiel, theoretisch hätten beide „bis Sonntag“ die Spitze erklimmen müssen. Jetzt ist diese Pseudodramatik der Blitztabellen sowieso nicht so unseres, denn eine Tabelle hat nur dann einen Wert, wenn alle ihren Spieltag gespielt haben. Trotzdem: Ein Spitzenspiel ist es.

Was in Bochum immer nicht so spitze ist, ist die Polizei, die wieder für einen Bürgerkrieg aufgefahren hatte und auch nach dem Spiel FCSP-Fans nur mit riesigen Umwegen in Richtung Straßenbahn (U-Bahn?) lies. Wie oben schon geschrieben: Der Stressfaktor ist hier nahezu null.

Vor dem Eingang haben die Ordner ein Labyrinth aufgebaut und nur wenn man dies erfolgreich bezwingt, kommt man auch ins Stadion. Komischerweise fällt das Abtasten eher albern aus. Ist ja schön, wenn man sich stundenlang mit der Kaputze beschäftigt. Aber die Hosentaschen zu ignorieren ist schon sehr stark.

Der Gästeblock in Bochum ist jedoch gelinde gesagt eine Frechheit. Der Stehplatzblock hat durch Versitzplatzung nur noch einen Eingang. Für Gästesitz werden ordentliche Preise aufgerufen. Warum man den Stehplatzblock nicht wenigstens so erweitert, dass er zwei Eingänge hat, wird wahrscheinlich immer das Geheimnis der Kapitalisten bleiben.

VfL Bochum St. Pauli Oktober 2015

Block rockt.

Gut, wir finden uns zu einer schönen Pöbelgang ein. Die vor uns schwanken 90 Minuten zwischen Belustigung und Entsetzen, aber der Fanclub unseres Seniors heißt ja nicht zu Unrecht Pöbelmob. Aber wie sagt M. so schön nach dem Spiel? „Ich pöbel nicht, ich gebe Fachkommentare ab.“ Meistens zum Schiedsrichter.

Zwar sind die Vorsänger auf dem Zaun nicht immer zufrieden mit der Leistung des Blocks, aber insgesamt rockt der Support ordentlich.

Die Heimfans wünschen sich per riesiger Folie den alten Namen ihres Stadions zurück. Erstaunlich dabei ist aber, dass sie die Silhouette des Stadions wirklich so abbilden, dass man die Flutlichtmasten nicht sieht. Dabei sind doch Flutlichtmasten, die mitten in einer Stadt stehen und den Weg zum Stadion weisen, ungefähr das Geilste, was es gibt.

Sagen wir was zum Spiel? Schnelle Führung: Langer Hafer, Lenny gewinnt das Kopfballduell, Ratsche mit Sahneflanke, Kalla als Kopfballungeheuer und drin ist er. Wollte er den so? Fakt ist, die guten Kopfbälle sind immer jene, die vom Kopf so halb abglitschen und dann am verdutzten Torhüter vorbei ins Tor kullern. Hat man bis dahin das Spiel im Griff, holt man in einer Fehlerkette zwei Minuten später den Gegner zurück ins Spiel. Kollektives Träumen und die Unfähigkeit von technisch und taktisch gut ausgebildeten Fußballern der heutigen Zeit, einen Ball einfach mal auf die Tribüne zu dreschen.

Diese Unfähigkeit, lange Befreiungsschläge zu spielen, ist eigentlich allen Spielern heutzutage in die DNA geschrieben. Dabei ist das in vielleicht 95 Prozent der Situationen gut. In fünf Prozent halt nicht. Und diese Situationen zu erkennen macht halt den richtig guten Verteidiger aus. Egal.

Was jetzt folgt, sind 20 Minuten, die unsere Jungs wahrscheinlich Montag noch mal komplett im Videostudium sehen werden. Wir laufen nur noch hinterher, du siehst ständig auch die Sechser und die Abwehrkette (teilweise nebenbei als Fünferkette organisiert) ihren Gegenspielern hinterherlaufen. Das darf eigentlich so nicht passieren und führt dazu, dass Bochum sehr viel Druck macht. Aber nicht viel draus gewinnt.

Danach wird es von uns wieder kontrollierter und wir kommen auch zu Chancen.

Halbzeit. In der Halbzeit dann wohl etwas Generve. Ordner wollen einen von uns von seinem Platz entfernen, der eben noch vollkommen okay war. Es kommt zu einer kurzen Diskussion. Er kann mit seinem Rollstuhl bleiben. Unten kann Zusammenhalt spontan gezeigt werden, oben bekommt man nicht mal die spätere erläuternde Megafonansage akustisch mit. Ach, wenn hier doch die Stille-Post-Kette besser funktionierte!

Zweite Halbzeit kann man als Beispiel für einen offenen Schlagabtausch heranziehen. Beide Mannschaften haben hier noch Chancen auf drei Punkte. Nur der Schiedsrichter nervt. Bewertungen von Zweikämpfen mal so, mal so. Viele unsichere Momente, viel zu viel Gerede und für klare taktische Fouls nicht einmal eine Ermahnung.

Und als Höhepunkt ein Elferpfiff, der zumindest naja war. Egal. Für uns. Lasse tritt an. Und befördert den Ball in die Wolken. Okay. Lasse sah sich wohl als Kapitän verpflichtet, den Elfer zu schießen. Und uns fehlt natürlich ein designierter Elferschütze. Aber schon der gegen Duisburg war eher so lala. Da muss sich mal einer der Jungs, die technisch was drauf haben, mehr zutrauen. Aber das ist so einfach gesagt. Lasse versucht es, versucht es auf die Art, die er kann und das geht ab und zumal halt auch drüber. Leider auch hier. Kein Vorwurf an ihn.

Was uns zu diesem „Kapitän wechsel dich“-Spiel führt: Sonntag in gleicher Besetzung ist Kalla Kapitän, heute wieder Lasse. Macht ihr beiden euch da einen Spaß draus? Oder wird das ausgeknobelt? Hätte Schnecke geschossen, wenn er Kapitän gewesen wäre? Vielleicht wäre der drin gewesen, war ja irgendwie Schneckes Abend. Aber das ist „Hätte, wenn und aber“. Wie gesagt, kein Vorwurf an Lasse …

… der kurze Zeit später zum Mörder-Alleingang ansetzt und dann leider nicht einfach drauf pickt. Denn so wie der Abend lief, wäre der wahrscheinlich in den Winkel geflattert und wir hätten gewonnen.

Egal. Der Rest ist von beiden Seiten der Kampf um jeden Grashalm und in einem wirklich sehr guten Spiel ist die Punkteteilung letztendlich gerecht.

Die Mannschaft wird dementsprechend auch noch lange vom Gästeblock gefeiert. Zu Recht. Sozusagen ihr verdienter Lohn.

Nun aber raus hier. Die Ordner lassen den gesamten Gästeblock nur durch ein klitzekleines Tor ganz rechts raus. Nicht dort, wo alle reingekommen sind. Wenn es hier zu einem Geschiebe kommt, ist diese – wie oben schon beschrieben – unsinnige Maßnahme zur Fantrennung absurd. Insbesondere, weil sich Ordner nach dem Ausgang noch in den Weg stellen, um die Leute nur nach rechts gehen zu lassen. Es kommt einem vor, als ob hier nur Aggressionen geschürt werden sollen, und man hofft, dass noch was geht. Nervig und überflüssig ist das alles.

Danach noch ein Fiege in netter Begleitung und schon geht es ab in Richtung Heimat. Danke Bochum. War nett mit dir.