Okt 272015
 

Sonntag. Zeitumstellung. Daher mal später zum Millerntor. Und doch sind nurzwei Drittel des Kollektives vertreten. Ein Drittel kümmert sich um den Nachwuchs. Muss auch mal sein. Die zwei Drittel sind sich beim Fachsimpeln uneinig. Einmal wird eine hohe Niederlage erwartet, einmal mindestens ein Unentschieden. Aber wir wissen auch: Wenn unser Blogältester negativ ist, dann wird es positiv. Kontraindikator nennt man das wohl.

Es ist irgendwie trotzdem zu früh. Zweite Liga heißt übersetzt „doofe Anstoßzeiten“. Alleine deswegen will niemand ernsthaft nur „die zweite Liga rocken“ Samstag um 15:30 mal Fußball zu spielen, wäre schon schön.

Schnell sind die Hürden des Einlasses überwunden und die traute Runde wird eingenommen. Ein bisschen erstaunt ist man über Christian Streich. Man muss den Jungen im Spiel nicht symbadisch finden, man kann seine ständige Schiedsrichterschelte absolut unpassend finden, aber außerhalb des Platzes ist der Junge Gold wert. Da wird mit Rettig gescherzt und mit Ewald diskutiert. Beide Begegnungen enden in einer herzlichen Umarmung.

Nur das mit dem Scouting hat man da im Badenland nicht so wirklich. Wir zitieren aus der Presekonferenz vor dem Spiel:

“St. Pauli ist auf jeden Fall eine Spitzenmannschaft in der 2. Bundesliga, mit sehr guten Fußballern vor allem im Mittelfeld und in der Offensive, die über ihr technisches Niveau und über ihre Gewandtheit kommen.”

Okay, wer von euch hätte insbesondere auf unsere sehr guten Fußballer in der Offensive explizit hingewiesen? Aber dazu später mehr.

In der ersten Halbzeit passiert nicht wirklich viel. Es ist das, was Fußballtrainer so gerne als Abnutzungskampf beschreiben. Aber beide Torhüter haben nicht wirklich viel zu tun.

In der Halbzeit dann in der Süd eine Pyroshow. Mit 50/50-Reaktion von Gemotze und Geklatsche der Gegengerade. Nun sind die Argumente pro und kontra Pyro mehr als ausgelutscht und sie bewegen sich auch nicht wirklich mehr. Aber sie kochen doch immer mal wieder hoch und werden dann auch noch vom Boulevard befeuert.

Es ist dann immer wieder erstaunlich, wer dann alles seine Liebe zum kapitalistischen Gedankengut wiederfindet („Das kostet doch alles Geld“). Da kann man doch wieder nur leise Kettcars „Money left to burn“ vor sich hin singen. Oder auch immer beliebt: Der Rückfall in Law-and-rder-Forderungen „Alle rausholen und sofortiges Stadionverbot, am besten lebenslang.“ Beides irgendwie kein links-progressiver Lösungsansatz, oder?

Wenn es da mal jemand schafft, den gordischen Knoten der Emotionen und Gegenemotionen zu durchschlagen, vielleicht findet man dann einen gemeinsamen Konsens. Wir haben es jedoch aufgegeben. So richtig schocken tut das Spiel mit dem Feuer irgendwie auch nicht mehr. Zu geplant, zu berechenbar ist sein Erscheinen im Alltag.

Zu dem monetären Aspekt des Ganzen aber noch ein kleiner Hinweis: Wenn ihr so vor den Fanräumen rumlauft, dann findet ihr da auch einen Spendentopf mit „Pyro“ drauf. Schmeisst doch einfach mal einen Euro rein.

Sammeln ist sowieso ein gutes Stichwort: Danke an die 2. und VIII. Damen, die wieder mal eine riesige Sammlung von Hilfsgütern organisierten und durchführten. Ihr seid echt klasse!

Wieder einmal sagen wir danke, diesmal an alle Spender und die 2. Handballdamen für die tolle Sammelaktion vor dem gestrigen Heimsieg!

Posted by VIII. Damen on Montag, 26. Oktober 2015

In der 2. Halbzeit dann ein verändertes Bild. Freiburg findet nicht mehr statt. Und wir bemühen uns, treffen aber – wie beinahe üblich – das Tor nie so, dass es wirklich brandgefährlich wird. Aber gerade als man sich mit einem 0-0 abfindet, zieht Thy ab, der Torhüter pariert knapp und Ratsche steht da, wo ein Sturmtank Mittelfeldspieler stehen muss.

Sowieso Thy. Man muss für den Jungen auch mal eine Lanze brechen. Natürlich ist das kein Lewandowski, der in neun Minuten fünf Tore macht, aber was der ackert, was der für Räume schafft und was der auch in der 90. Minute noch an Selbstbewusstsein hat, den Ball so auf das Tor zu befördern, das ist schon klasse. Und so legt er ein Assist auf.

Im Fußball immer wieder zu kurz kommt der zwöflte Mann. Und damit ist hier mal nicht das Publikum gemeint. Sondern der Spieler, der eigentlich überall spielen kann und immer bei Lücken ins Team geworfen wird. Bei uns ist das ein Kalla, der keine Position wirklich fest bekleidet, aber da ist, wenn irgendwo Not am Mann ist. Umso erstaunlicher, dass er dann auch die Kapitänsbinde trägt und nicht Lasse, der ebenso Stellvertreter wäre.

Guckt ihr auch nach diesem Spiel immer noch nach unten? Das ist euer gutes Recht, denn die 2. Liga ist enger als sie in den Jahren zuvor war. Die ersten acht Mannschaften innerhalb von fünf Punkten und selbst zu Tabellenplatz 12 sind es gerade mal neun Punkte.

Man bedenke jedoch, dass es zu den berühmten 40 Punkten (und die werden auch diesmal reichen) gerade mal noch 18 sind. Das erreichen wir selbst dann, wenn wir einen ähnlichen Punkteschnitt fahren wie letzte Hinrunde. Das sollte machbar sein.

St. Pauli SC Freiburg Oktober 2015

Ja ja, redet mal drüber.

Insgesamt haben wir gerade mal ein Tor mehr geschossen als letzte Saison. Aber zehn Punkte mehr. Liegt wohl ganz einfach an den zwöfl Gegentoren weniger diese Saison.

Was auch für unsere Qualitäten spricht ist, dass wir Ausfälle und Abgänge bisher mehr als gut kompensieren. Da verletzt sich ein Alushi, der bis dahin wirklich eine Stütze ist, und es fällt nicht wirklich auf. Da geht ein Halstenberg nach Leipzig und es fällt gar nicht auf. Da verletzt sich der Kapitän und wird mehr als gleichwertig ersetzt. Wer dies vor der Saison prognositiziert hätte, den hätten wohl alle für besoffen erklärt. Plötzlich hat Ewald ein Luxusproblem und einen designierten Kapitän auf der Bank. Es gibt Schlimmeres für einen Trainer.

Wir wollen jetzt gar nicht übermütig werden und der nächste Gegner ist immer der schwerste, aber nach Bochum haben wir in der Hinrunde noch viermal untere Tabellenhälfte als Gegner. Da kann man doch vielleicht noch zehn Punkte holen, oder? Und dann scheint uns in der Rückrunde die Sonne aus dem Arsch. Aber so richtig.

Und so ein bisschen träumen wir von Europapokal. Nach der nächsten Saison. Wer weiß, was alles mit Ewald möglich ist.

Okt 192015
 

Union Berlin ist eines der nervigsten Auswärtsspiele, die man besuchen kann.

Nein, das liegt nicht an den Unioner Fans, die zu 99 Prozent echt knorke sind. In der Bahn vor dem Spiel kommt es zwischen den Fangruppen nicht einmal zu Frotzeleien, sondern man geht sehr korrekt miteinander um, ohne kumpelhaft zu werden.

Und auch an der „Abseitsfalle“ (Unioner Fankneipe) steht man nach unseren Beobachtungen vor dem Spiel bunt gemischt herum. Nach dem Spiel soll es hier noch stressig gewesen sein, aber da sind halt auch diese 1 Prozent, die wir auch gesehen haben und die für uns echt unsympathisch sind.

Um zur „Abseitsfalle“ zu gelangen, muss man aber schon den Nervfaktor Nr. 1 an diesem Tag umgehen, denn die Polizei meint eine gemischte Bahn wirklich am Ausgang trennen zu müssen und die FCSPler via riesigem Umweg und riesiger Zeitverzögerung „gemeinsam“ (also im Kessel) zum Gästeblock zu bringen.

Was dann wieder zu dem Nervfaktor Nr. 2 führte. Der Einlass bei Union ist einfach doof geregelt und der Weg vor dem Gästeeingang viel zu eng. Wir mögen nun wirklich Bäume und Sträuche, aber hier ein paar entfernen und Platz für Menschen zu schaffen, wäre eine gute Idee. Und vielleicht auch ein paar Hinweise, dass man direkt vor dem Eingang steht.

So drängelt alles in letzter Sekunde in den Block, was nicht wirklich schön ist.

Nicht schön ist auch immer wieder die Mischung im Gästeblock bei Union. Letzte Saison erinnern wir uns an die „Fahne runter“-Diskussion im Gästeblock – die diesmal auch deswegen ausbleibt, weil unsere Ultras auf größere Fahnen verzichtet haben.

Zu wenig Lärm

Die Mitmachquote ist trotzdem teilweise erschreckend. Union hat eigentlich einen perfekten Gästeblock, um Lärm zu machen, hier verhallt aber auch deswegen vieles, weil gut 40 Prozent der Gäste (subjektive Einschätzung) nicht bereit sind, mitzumachen. Schade.

Unsere Gang ist da schon stimmgewaltiger und gut drauf. Aber wir sind auch die Einzigen in unserer Umgebung.

Spiel läuft. Und die erste Halbzeit gefällt irgendwie nicht. Klar, die Räume sind eng und Union ohne Torchance. Aber eben auch mit gefühlt 101 Prozent Ballbesitz. Trotzdem fällt das Tor auf der richtigen Seite. Jubel, Trubel, Heiterkeit.

Bis Robin wieder seinen Union-Fluch hat. Nun gut, wenn ihn jede Saison nur der Maulwurf an der Alten Försterei irritiert, dann ist das eine verdammt perfekte Fehlerquote für einen Torhüter. Und in Halbzeit zwei rettet er uns zweimal noch den Arsch, sodass es insgesamt nicht ganz so tragisch ist.

Was soll man eigentlich zu Picault sagen? Der Junge ist hochmotiviert, er ist schnell, er kann auch was am Ball. Aber irgendwie fehlt das Fußballtaktische doch sehr. Nicht nur in der Szene vor dem 2-1. Nein, einmal läuft er auch schnell mit dem Ball auf zwei Gegenspieler zu, die aber beide einen Geschwindkeitsnachteil hätten, wenn er den Ball in die Mitte legt. Stattdessen rennt er in Richtung Eckfahne und die Auslinien werden Verteidiger 3 und 4. Da muss er dran arbeiten. So ist das für Liga 2 noch zu verspielt und zu wenig taktisch. Wird er aber von Ewald beigebracht bekommen.

Wer uns überrascht, ist der Hornschuh. Es ist ja so, dass viele Leute Zweifel an der Zweitligatauglichkeit dieses Jungen geäußert haben. Kann man ja auch haben, wenn ein Spieler aus der FSV-Frankfurt-Resterampe kommt. Aber nachdem er als solider Verteidiger bei uns begann, wird er von Spiel zu Spiel stärker. Und zeigt heute eine richtige starke Leistung. Er belohnt sich auch noch mit dem Tor, sozusagen die Sahne auf dem Kaffee. Wer war noch mal dieser Halstenberg?

Überhaupt sind die ersten 25 Minuten der zweiten Halbzeit ein klasse Spiel. Von beiden Mannschaften. Wir haben aber das glücklichere Ende und es steht 3-2. Schön, dass Dudziak trifft. Der Junge wird auch immer effektiver.

Und dann fast mit Ansage

Aber irgendwas liegt über diesem Tag. Und zwar das Verschenken von Toren in unserem Abwehrverband. Und so ist auch das 3-3 ein großzügiges Geschenk. Nachdem man viele 100-Prozent-Chancen von Union überstanden hat, muss man auch bei diesem letzten Ball konsequent unterbinden. Und genau dies unterbleibt in allen Zweikämpfen. Schon im Mittelfeld mach Verhoek eine unglückliche Figur und so geht es dann auch weiter. Leider.

Gut, daraus müssen und werden die Jungs auch lernen. Und ganz unverdient ist das 3-3 ob eines wirklich engagierten Spieles der Hausherren nun auch nicht. Der neutrale Zuschauer sah eine wirklich gute Zweitligapartie mit diversen Höhepunkten. Fußballherz, was willst du mehr?

Noch ein Wort zur Nachspielzeit: Zum einen liegt es nun klar im Ermessen des Schiedsrichters, wann genau er abpfeift. Zum anderen waren im Stadion deutlich drei Minuten angezeigt worden und das Tor fiel ziemlich genau auf dem Wechsel von Minute 3 zu Minute 4. Da es noch eine längere Unterbrechung in der Nachspielzeit gegeben hatte, war das vollkommen korrekt und in Ordnung. Hier den Schiedsrichter zu kritisieren, geht am Thema vorbei.

Müssen wir eigentlich etwas zu dem plötzlich hochkochenden Thema Under Amour schrieben? Eigentlich nicht, denn Erik hat dazu schon sehr viel Sinnvolles geschrieben. Nur soviel: In einer Branche, in der aber nun wirklich kein Player auch nur annähernd so etwas wie „best practice“ einhält, ist der Player, der wirklich zuhören will, vielleicht auch dann eine gute Wahl, wenn er definitiv Kritikwürdiges macht. Warten wir es ab.

Das nun die Sport Bild über Moral und Anstand schreiben will, ist dann aber auch ein Treppenwitz, den der FCSR richtig beantwortet hat (Facebook-Link).

Okt 052015
 

Ein gebrauchter Feiertag

Da guckt man nach dem Spiel Rugby. Der Sport für Hooligans, der von Gentlemen betrieben wird. Da wird ein Spieler nach einem Kick angegangen. Foul? Dem Regelunkundigen nicht ganz klar. Für Fußballverhältnisse rollt sich der getroffene Spieler ganz normal ab.

Nicht so beim Rugby. Da gibt es gleich eine Ermahnung und den deutlichen Hinweis, dass man das nächste Mal dafür fliegt. Guckt es euch selber an:

Nigel Owens Warns Stuart Hogg Over Diving

Nigel Owens: "Dive like that again & come back here in two weeks and play, not today"#NigelOwenLAD

Posted by RugbyLAD on Samstag, 3. Oktober 2015

Da bleibt einem als Fußballfan dann doch der Mund offen stehen, oder? Hatte man doch eben noch die 13 von Sandhausen gesehen, bei dem man nach einem Foul direkt den Leichenbestatter rufen wollte, der aber 20 Sekunden (und nach der gelben Karte für unseren Spieler) eine Wunderheilung hat und fröhlich wieder über den Platz läuft. Reaktion des Schiedsrichters? Null!

Man muss sich nicht wundern, wenn Spieler im Fußball immer mehr auf die Karte „Wälzen und Showsterben“ setzen, wenn die Schiedsrichter das gar nicht interessiert. Da loben wir uns Rugby.

St. Pauli Sandhausen Oktober 2015

Choreografiert wird sehr ansehnlich.

Aber nun kommt eine Floskel, die auch hier wieder stimmt: Am Schiedsrichter liegt es nicht, dass wir verlieren.

Zwar ist der Elfmeter zum 1:3 auch nach Betrachtung der 200sten Zeitlupe eher zweifelhaft, fällt der Spieler von Sandhausen doch, schon bevor unser Spieler überhaupt die Chance hat, ihn zu foulen. Unser Spieler hält ihn dann eher fest, weil der so plötzlich in seine Bahn springt. Aber selbst nach diesem 1:3 hätte man mit einer normalen Leistung noch die Chance auf ein 3:3. Erinnern wir nur an das Verhoek-Ding. Sorry Junge, wenn man die Beschreibung „Stürmer“ in seinen Papieren hat, dann muss man das Ding machen.

Das Gift der Müdigkeit

Überhaupt haben unsere Jungs irgendwie Blei in den Beinen. Sie kämpfen gegen die Schwere an, aber es läuft einfach nicht. Solche Tage gibt es, das weiß jeder, der schon mal Aktivsport betrieben hat. So ein bisschen wie das Rennen von Hase und Igel. Man läuft und läuft und läuft, doch der Igel ist immer schon da.

Ob nach einem 2:3 noch was möglich gewesen wäre? In einem dann glühenden Millerntor allemal. Aber es soll an diesem Tag nicht sein. Und so finden wir mal wieder ein bisschen auf den Boden der Tatsachen. Wir haben noch Wege zu gehen.

Sandhausen: Unsympathisch? Ja, wie sich die Spieler darstellen, schon. Mehrere Nahtoderfahrungen mit anschließender Wunderheilung. Jubeln in den Heimblock. Das ist alles nicht wirklich die freundliche Art. Anscheinend müssen diese Mannschaften immer den sympathischen Auftritt ihrer Fans ausgleichen. Wenn aus einer 15.000-Seelen-Gemeinde knapp 800 Leute am Start sind, dann ist das schon eine gute Quote.

Was passierte sonst so?

Die AFM hat neu gewählt, viel mehr können wir dazu aufgrund von Abwesenheit nicht sagen. Viel Glück und ein gutes Händchen allen neuen und alten Vorständen.

Unser Verein ist eine Partnerschaft mit einer RTL-Tochter eingegangen. Die Pressemitteilung liest sich mehr als merkwürdig, sodass sehr viel Platz für Spekulationen bleibt. Der Curi spekuliert deswegen sehr sachlich und intelligent, was hinter dieser Partnerschaft stehen könnte (!).

Dazu noch eine kleine Ergänzung: Es ist absolut sinnvoll, sich Partner zu suchen. Vieles kann man nicht „in House“ leisten und sollte es auch nicht leisten wollen. Man muss sich immer nur überlegen, was für einen Partner ich mir da suche und was der für einen übernimmt. Hier sollte man in der Auswahl und den Rechten, die ich an den Partner abgebe, sehr vorsichtig sein. Auch aus der eigenen Historie sollte man da lernen (wir sagen nur: Upsolut-Vertrag).