Mai 302015
 

Es ist Sonntag, der 24. Mai 2015, etwa 18 Uhr. Ich streife über den Rasen des Böllenfalltors und umarme zahllose wildfremde Menschen, Darmstädter wie Sankt Paulianer. Zentnerschwere Steine fallen in diesem Augenblick von den braunweißen Herzen. Die Blauweißen haben nicht weniger Grund zu feiern.
(Freude-)Trunken wandere ich weiter, beglückwünsche die Lilien zu ihrem Aufstieg und wünsche ihnen ein schönes Abenteuer in Liga 1. Besser hätte dieser Spieltag nicht enden können. Einfach mal glücklich sein.

Allmählich kommt die Gewissheit im Oberstübchen an: Der Klassenerhalt ist besiegelt. Wer hätte das noch vor wenigen Wochen oder Monaten für realistisch gehalten. Halle-fucking-luja, die Saison ist vorbei und wir sind mit einem tiefblauen Auge davongekommen. Nun, einige Tage später, lässt sich diese einmalige Geschichte allmählich deuten, in Worte fassen. Es hatte alles seinen Sinn: Kraft tanken aus der Demut.

Es musste einfach gelingen
Was für eine Nervosität lag das Jahr über auf Club und Viertel. Viele Jahre ist jeder von uns in dieser Spielzeit älter geworden. Und dennoch ist aus unserer bescheidenen Perspektive die Stimmung im Sonderzug schon auf der Hinfahrt bemerkenswert gelöst. Als ob wir alle wüssten, dass der magische Ewald am Ende (fast) alles richtig gemacht haben wird. Seit er das Ruder übernahm und seine Gelegenheiten bekam, die Mannschaft zu packen, konnte doch eigentlich nichts mehr schiefgehen. So sieht’s nämlich aus.

Es ist ein kleines Märchen, was wir da erlebt haben. Hatten wir jemals einen FC St. Pauli, wo alles dermaßen gut zusammenpasst? Viel wird es in diesen Tagen noch mal durchgekaut, aber zurecht: Von der lebendigen Fanszene mit hunderten, tausenden tollen Menschen, die sich für so viele wichtige Themen engagieren, über Aufsichtsrat und Präsidium, in denen Menschen aus unserer Mitte sitzen, bis hin zu einer sportlichen Führung, die Sankt Pauli verstanden hat und auch aus zeitweise herzlos agierenden Spielern eine leidenschaftliche Truppe geformt haben. Und nun ist auch der Absturz in die sportliche Bedeutungslosigkeit abgewendet.

Wir glauben!
Der Großteil von uns Fans kann nicht jederzeit in die Kabinen, auf die Trainingsplätze und in die Einzelgespräche hineinlauschen. So bleibt uns nur Spekulation. Doch wir glauben fest, dass das Verdienst des weisen Ewald nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. In den richtigen Momenten ruhig und besonnen, auf der anderen Seite ein Anpeitscher und Feierbiest vor dem Herrn – über einen solchen Menschen auf dem Trainerposten des FC St. Pauli kann, muss man sehr dankbar sein.

Ewald, du hast hoffentlich noch viele weitere Gelegenheiten, deinen guten Ruf bei uns auszubauen. Schon jetzt möchten wir dir ein Denkmal setzen, aber das wäre zu früh. Mach so weiter! Unser Vertrauen in dich und deine Entscheidungen ist fest gezimmert wie dieses tolle neue Stadion, in dem wir unsere Spiele austragen dürfen. Ist nicht das auch ein Grund, noch mal dankbar zu sein, in welchen Zeiten wir Fans des FC St. Pauli sind? Was kann da nicht noch alles Großes auf uns zukommen! Seien wir froh, dass der Abstieg vermieden wurde und wir nach vorn blicken können.

2015-05-24 17.23.17

Augenblicke der Erlösung

Genau das wollen wir, nach vorn blicken. Nach wie vor ist es als Sankt Paulianer wichtig, kritisch hinzusehen und so viel wie möglich zu hinterfragen. Aber nun ist erst einmal die wohlverdiente Sommerpause. Herrlich, ein paar Wochen mal kein Fußball, der an den Nerven zehrt und Freizeit und Geld auffrisst. Das muss auch mal sein. Für die neue Spielzeit sind wir sehr guter Dinge, denn Ewald wird Zeit haben, die Mannschaft von Grund auf weiter aufzubauen. Was den Kader betrifft: Es mag Abgänge (und Zugänge) geben, die das Fanherz nicht versteht. Natürlich wollten wir Schachter weiterhin im braunweißen Trikot sehen und sein Weggang macht uns traurig. Aber da wiederholen wir noch mal: Wir haben Vertrauen in diejenigen, die das entscheiden.

Vielleicht nicht klug, aber schön
Eine Prognose, was aus dem FCSP in der Saison 2015/2016 wird, werden wir nicht abgeben. Wir tippen ja noch nicht mal einzelne Spiele. Auch hier die Wiederholung: Wir sind guter Dinge. Noch eine Weile müssen wir die vergangene Spielzeit verdauen. Was für ein Durcheinander. Und was für eine fantastische Unvernunft, Fan dieses Fußballvereins zu sein.

Es ist Sonntag, der 24. Mai 2015, etwa 23.30 Uhr. Ich bin in einem mir völlig unbekannten Abteil aus dem Schlaf erwacht, der mich im Sonderzug übermannte. Kinder, streckte mich dieser Tag nieder. Die erlösende Feier in den Partywagen konnte ich noch eine Weile mitmachen, dann brauchte ich einfach Ruhe.
Ewald, Oke, Meggie, Skyman und Schnecke habe ich nicht mehr getroffen. Ich steige am Hauptbahnhof aus und taumel nach kurzen Umwegen nach Hause. Was fühle ich mich schmutzig, äußerlich wie innerlich. Erschöpft. Beseelt. Zufrieden.

Sankt Pauli ist und bleibt die einzige Möglichkeit!

Mai 262015
 

Freunde der Sonne. Es ist Sommerpause. Ja wirklich!

Viele von euch werden wahrscheinlich sich immer noch kneifen, aber wir sind immer noch Zweite Liga. Im Leben will man eigentlich immer nur Erstklassiges für sich, aber wer von uns kann nicht gerade mit zweitklassigem Fußball sehr gut umgehen?

Unser Verein ist ja sowieso in so vielen Dingen erstklassig, dass er mit einer zweitklassigen Fußballmannschaft sowieso gut umgehen kann. Aber bevor das hier zu einem heillosen Selbstlob wird, widmen wir uns der Tour nach Darmstadt, gepaart mit vielen Gedanken zum Verein im Allgemeinen.

BTW: Es gibt ja immer diese Nörgler, die immer – gemessen an ihrem Ideal – was zu meckern finden. Kann man sich selber gar nicht ausschließen. Selbstkritik ist wichtig. Treibt man sie jedoch nur und ausschließlich, dann ist die Welt irgendwann grau. Und nicht Regenbogenfarben bunt. Und letzteres ist viel schöner.

Darmstadt. Als „sympathisch“ beschrieben und wahrscheinlich der nächste Verein, der nun durch Medien ein Klischee an den Hals gedrückt bekommt. Aber bevor man sich vor Ort ein Bild machen kann, legte der liebe Gott eine Reise. Denn der Heisenberg-Kompensator ist immer noch nicht erfunden, sodass man Bahn fahren muss.

Sonderzug um genau zu sein. Sonderzüge haben in der FCSP-Fanszene etwas Mythisches. Sie sind sozusagen der heilige Gral der Fanszene. Und das erste Gesetz des Sonderzuges ist? Genau! Sprich nicht über das, was im Sonderzug passiert ist. Und so fand sich auch dies mal ein riesiger Haufen in Altona ein um gen Darmstadt zu fahren.

Die Nervösität war in vielen Gesichtern deutlich spürbar. So blieb die sonst übliche ausgelassene Party aus. Trotzdem entspricht es nicht dem Naturell eines Fußballfans, dass er da nun sechs Stunden nägelkauend und schweigend durch die Welt fährt. Vielmehr werden einige Kaltgetränke vernichtet, Storys ausgetauscht und es wird sich wilden Phantasien vorgesponnen.

Relegation ist so eine Phantasie, die für Manchen der persönliche Traum, für den Anderen der persönliche Albtraum ist. Und da ist es wieder, dieses Nörgeln. Die Digitalisierung der Welt schreitet voran und Tickets im Schwerpunkt online zu verkaufen, ist garantiert eine bequeme und kostensparende Art, diese an den zahlenden Kunden zu bringen. Wenn man sich da aber eines Dienstleisters mit einem eher bescheidenen Ruf bedient, dann ist das auch problematisch. Gerade wenn man dann noch irgendwelche Leistungen nur digital anbieten will, wie z. B. Relegations- und Pokalkarten. Eine Wahlfreiheit, ob ich etwas machen möchte, ist ein hohes Gut. Und irgendwie 17 % der Bevölkerung können gar nicht digital. Weil sie digital aus unterschiedlichsten Gründen nicht nutzen. Will ich die schon einfach mal pauschal ausschließen? Ich nicht. Und ich als Kunde möchte Eventim auch nicht nutzen. Der Verein rief dann dazu auf, doch bitte für eine eventuelle Relegation Eventim zu nutzen, oder über Freunde nutzen zu lassen. Aber er ermöglichte immerhin den „analogen“ Kauf. Wir stellen uns gerade vor, wie man da so als Mitdreißiger mit Smartphone steht und erklärt, dass man digital leider keine Karten kaufen kann und auch niemanden kennt, der es kann. Okay. Müssen wir nicht. Keine Relegation.

Ansonsten rechnete jeder seine Lieblingskonstellation aus. Großer Favorit war bei vielen, dass wir 0-3 verlieren und Frankfurt 2-2 spielt. Ja, das wäre die Punkt- und Torgleichheit gewesen. Im Sonderzug zumindest wusste keiner, wie es dann so wirklich weiter geht mit dem Tie-Break.

Ansonsten tanzte man in zwei Partywagen, trank teilweise einen über den Durst (warum 90 Euro ausgeben, wenn man definitiv nix vom Spiel mitbekommt? Im Gästeblock schliefen wirklich Leute 90 Minuten ihren Rausch aus!) und rollte so dahin.

Und huch. Schon in Darmstadt. Man saß doch gerade erst bequem. Die Polizei fuhr die große Sicherheitsschiene, hatte den Supermarkt im Bahnhof geschlossen gelassen, ließ einen nur in Shuttlebusse einsteigen und zeigte sich massiv präsent. Auch wenn man dann sehr freundlich und höflich behandelt wird, so ist das doch Knast-Feeling. Und selbst wenn es im Knast gutes Essen gäbe, draußen ist irgendwie schöner. Und wenn man dann die Shuttlebusse erstmal zu lässt und die Leute dumm rumstehen lässt, dann helfen auch nette Musikbeschallung und freundliche Worte nur bedingt.

Bei einigen FCSP-Menschen muss man auch ein bisschen am Verstand zweifeln. Glas ist brüchig. Da haut man nicht drauf. Auch wenn man betrunken ist. Irgendwann ist die Scheibe kaputt. Muss echt nicht sein.

„Justus zum Trinken“ erhoffte man sich dann in einem Biergarten der Uni. Der mit dem Ansturm von ca. 2000 durstigen Kehlen aber leicht überfordert war. Meckern wir hier mal nicht rum. So eine Mensa hat nun ja auch nicht Mensch und Material ohne Ende und es ist ja schon super, dass die öffnen und versuchen den durstigen Kehlen Herr zu werden. Danke dafür. Dass es Leute gibt, die da dann noch Süßigkeiten klauen, übersteigt unseren Verstand.

Ab ins Stadion. Ja, solche Bruchbuden haben heutzutage schon Charme. Ein richtiger alter Stehwall, offene Architektur und eine kleine alte Haupttribüne. Schon weit vor Beginn war die Euphorie mit Händen zu greifen. Außer vielleicht im Gästeblock.

2015-05-24 15.34.06

Die Spannung steigt.

Sympathisch macht die Bruchbude alleine nicht. Und das Auftreten der Mannschaft war eher unsympathisch (Schauspieler und Meckerer vor den Herren, bekamen dann ihren unverdienten Freistoß und verwandelten diesen). Sympathisch sind aber allemal diejenigen, die einen Verein ausmachen. Die Fans. Was da so an subkulturellen Lappen am Zaun hängt, spricht für eine sehr angenehme Fanszene. Genießt eure Zeit in Liga 1.

So war nach Abpfiff und Platzsturm die Aggression gegen den Gästeblock auch auf drei Typen beschränkt, die einfach nur albern waren, so vermummt. so aggressiv, so alleine. Und als dann endlich die Bestätigung da war, dass Aue wirklich nur 2-2 gespielt hatte (die Anzeigentafel zeigte nebenbei da noch ein 2-0 für Heidenheim an), konnte auch der Gästeblock den Platz stürmen und kurze Zeit später merkte auch die Polizei, dass es albern ist, da behelmt rumzustehen und Leute zu trennen, die sich gerade in den Arm fielen und freiwillig Schals tauschten. Zwar meinte sie noch zweimal da irgendwelche Stunts zu fahren, aber insgesamt war es eine entspannte Party.

Haben wir jetzt was über das Spiel gesagt? Müssen wir was über das Spiel sagen? Nein!

Die Rückfahrt mit den Shuttlebussen war wieder mehr als blödsinnig organisiert, denn anstatt schon mal einen Haufen wegzufahren, wartete man auf Godot, den Weltfrieden und die Sendung des heiligen Geistes. Das dies nach einem Abstieg und dem entsprechenden genervt sein Level sehr problematisch hätte werden können, sei nur mal angemerkt. Das man unserem Organisationsleiter von Seiten des Haupteinsatzleiter ein anderes Prozedere versprochen hatte, ebenso nur angemerkt.

Wir kamen zum Bahnhof und mit Kalla, Himmelmann, Ewald, Meggie und Oke ging es zurück nach Hamburg. Es mag beim FCSP eine Meldung sein, dass Präsidium, Trainer, Sportdirektor und zwei Spieler (Danke dafür Jungs, das ist ja nicht immer ganz einfach, mit so einer freudetrunkenen Meute zu fahren) sich in den Sonderzug schwingen. Dass bei uns jedes Mal die Aufsichtsratsvorsitzende den Partywagen schmeisst, geht da gerne mal unter. Danke dafür. Und frag mal den Hopfner, ob er das schon mal gemacht hat.

Das war es die Saison 2014/2015. Wir spielen nächste Saison in einem neuen, fertigen Stadion. Wir spielen zweitklassig. In einem erstklassigen Zuhause. Das alte Millerntor ist dann ganz Geschichte. Und viele Konstanten des FCSP sind Geschichte. Eine davon, dass wir nach vier Jahren immer die Liga wechseln. Guckt mal nach, wann dies das letzte Mal nicht der Fall war. Da hat Heinz Spundflasche noch gekickt.

So gilt es nun eine neue Geschichte zu schreiben. Mit Ewald, mit euch, mit uns. 24 Punkte sind elf mehr als in der Hinrunde und die beste Rückrunde seit 2011/2012. Da kann und muss man drauf aufbauen. Mit alten Spielern und neuen Spielern. Es wird schmerzhafte Abgänge geben (Lasse? Daube! Schachten? Da jetzt irgendwelche MoPo-Meldungen zu kommentieren, ist unter unserer Würde.) und es wird neue Helden geben. Neue Spieler, die irgendwann woanders Torschützenkönig werden (Glückwunsch Alex und Rouwen). So ist der Lauf des Profigeschäftes.

Und doch ist der FC St. Pauli eben mehr als 90 Minuten, wie es so schon in wilden Punkmitgrölern heißt. Und deswegen haben wir St. Pauli in unserm Herzen tätowiert.

Über die Party beim Knust werden fürchterlichste Dinge aus Spielerkreisen berichtet. Aber das lest bitte hier nach. Einige Spieler spielen einfach bei St. Pauli. Bei anderen kommt etwas im Hirn an. So einfach, so bitter.

Ach ja: Relegation. „Die nördlichste Zweite Liga aller Zeiten“, wäre doch ein geiler Claim für Sport 1, oder? Ach ja: Eine Serie kann gerne brechen. Beide bisherigen Bundesligajahre der Lilien hatte nämlich eine Konstante: beim Meister.

Mai 192015
 

oder

Bald ist es vorbei.

Liebe KlassenkämpferInnen,
Schützenfeste zum letzten Heimspiel bekommen bei uns allmählich Tradition. Nach der Erstliga-Saison wurden das eher angenehme Erfahrungen, die für mitunter verkorkste Spielzeiten ein wenig entschädigen. Doch nun ist alles doch noch etwas anders.

Verdammtnocheins!
Platz fünf in der Rückrundentabelle! Drei Siege in Folge! Fünf Spiele in Serie zu Hause gesiegt! Und dennoch ist das zum Ausgang dieser verrückten Saison nicht genug, um vorzeitig den Klassenerhalt zu sichern. Mag denn niemand Rücksicht auf die braunweißen Nervenkostüme nehmen? Die Ausgangssituation, derart angespannt in den Sonderzug nach Darmstadt („Wir ham‘ dort unten was vor … am alten Böllenfalltor“) zu steigen, das überfordert uns. Das kann doch niemand wollen.

2015-05-17 15.30.02

Vorher …

Versuchen wir mal mit letzter Kraft, dieses Bochum-Spiel in elegante Worte zu kleiden: BOAH GEIL! Einen unnötigen Rückstand gedreht, ordentlich noch mal was fürs Torverhältnis getan, spielerische Leichtigkeit, schicke Buden – Fußballherz, was willst du mehr. Nehmen wir die Partie mal so ganz für sich, was noch auf den heiligen Stufen ganz gut gelang, darf man sehr zufrieden sein. Die Mannschaftsleistung ließ jedenfalls wenig Grund zu meckern. Humorvolle Bochumer Fans, die mit den Unsrigen in Wechselgesänge einstimmten, verdienen auch einen kleinen Applaus.

Wenn dann nur nicht die anderen Teams da am unteren Ende der Liga wären, die in den vergangenen Wochen ebenfalls unverschämt viel punkten. Nee nee, Tabellenherumrechengeeier gibt’s hier nicht. Der FCSP hat es ja selbst in der Hand, auch wenn das nicht einfach wird am kommenden Sonntag. Darmstadt hat schließlich auch noch eine Menge zu gewinnen. Aber irgendwie wird das für uns doch zu schaffen sein, ihr Lieben. Oder? ODER???

2015-05-17 17.13.53-1

… nachher


Was sonst noch so lief

Saisons, die sich dem Ende nähern, sind immer auch mit Abschieden verbunden. So sagen wir Lebewohl zu Dennis Daube, den es zu den Eisernen zieht. Ein Jammer, dieses treffliche Eigengewächs ziehen zu lassen. Doch der Typus Fußballer, der seine Karriere über immer nur an einer Wirkungsstätte auflief, ist so gut wie ausgestorben. Daher alles Gute, Dennis, danke für elf Jahre und bitte nicht zu viele Tore gegen uns.

Ebenfalls die Biege macht Philipp Tschauner, dem sicherlich die Nummer zwei bei uns zu wenig ist und deswegen künftig bei Hangover 96 im Kasten stehen wird – wenn er da mal auf mehr Einsätze kommt. Danke also an das „Kopfballungetschauner„. Vielleicht ist es klimatisch ja das beste für alle Beteiligten.

Schließlich ist der Zeitpunkt gekommen, da Florian Kringe die Buffer an den Nagel hängt. Der Bursche tut uns echt leid, so wenig Einsätze zum Ende seiner Karriere. Die zahlreichen Scheiß-Verletzungen waren irgendwann halt zu viel. So sagen wir schließlich danke, Flo, für drei Jahre in Braunweiß!

Außerdem: Am Vortag des Spiels fand die zweite Auflage von „Fußball & Liebe“ statt. Wir waren nicht allzu lang vor Ort, aber die Veranstaltung machte einen recht guten Eindruck. Trotz des mittelmäßigen Wetters geben die Besucherzahlen wohl Anlass zur Zufriedenheit. Hut ab vor dem unermüdlichen Einsatz als der Ehrenamtlichen, das Ding auf die Beine zu stellen.
Wie wir wohl wissen, ist die ständige Suche nach einer besseren Gesellschaft gerade auch in einer scheinbaren Komfortzone wie dem FCSP absolut notwendig und verlangt danach, immer wieder dorthin zu gehen, wo es wehtut. Noch immer haben wir einen harten Weg vor uns. Das so als Schlusswort.

NÄCHSTEN SONNTAG KLASSE HALTEN, DIGGER!*

*Sonnabend wiederum darf das für so ’nen komischen anderen Hamburger Verein gern anders aussehen.

Mai 052015
 

oder

Zehn Jahre älter

Sonntag, 15.22 Uhr, Abpfiff und die Anzeigetafel am Millerntor zeigt noch immer 1:0 für die Guten. Oh wow. Wer hätte denn damit gerechnet? Die Gesichter auf den Rängen sind gezeichnet vom Hoffen und Bangen. Nerven liegen blank und erholen sich nur langsam, als das „You’ll Never Walk Alone“ in Richtung Rasen geschmettert wird. Danke, Jungs. Danke, danke!

Ein ganz eigenartig guter Spieltag liegt hinter uns. Er fängt damit an, dass der Verfasser dieser Zeilen mit einem dümmlich selbstverschuldeten Riesenschädel anradelt und die Stimme am Vortag bei Blind Guardian liegengelassen hat. Es nützt ja nix! Und wenn wir den Roten Bullen nicht wenigstens einmal zeigen, zu was eine gewachsene Fanszene imstande ist, dann … vorerst genug der Abarbeitung des Themas RB. Die sollen uns noch überraschen.

Lasst sie doch mitspielen
Glücklicherweise schenken die meisten anderen Besucher im Stadion dem komischen Marketing-Gebilde aus Sachsen auch nicht mehr Beachtung als nötig. Bunte Rauchschwaden über der Süd demonstrieren Leidenschaft, das gefällt – selbst da bleibt das reflexartige Gehate seitens derjenigen, die sich die Hose mit der Kneifzange anziehen, relativ verhalten. Schön ist das.

2015-05-03 13.28.48

Brennende Liebe

Also, Fußball. Viel Hoffnung haben zu Beginn die Wenigsten, so hier die Einschätzung. Doch Schachter macht gleich Alarm – es soll nicht das letzte Ausrufezeichen bleiben. Was unser FCSP da zusammenkickt, ist nicht immer schön und auch nicht durchgehend souverän. Es ist aber leidenschaftlich, es ist druckvoll und satt, von Anfang bis Ende. Das Tor des Tages: ein Traumpass vom großartigen Kalla, den Thy tatsächlich nicht fatal verstolpert, sondern irgendwie halbwegs gekonnt im Leipziger Tor unterbringt. Irre, so was geht doch sonst nie rein bei uns!?

In vergleichbarem Maße wie zwei Wochen zuvor gegen Nürnberg explodiert die Bude kurz vor der Halbzeit, in der alle mal wieder herunterkommen können. Was wohl die zweite Hälfte bringt? Das kann doch nicht recht gutgehen, oder? ODER? ODER???
Ja, RB sind ebenso wenig zwingend in Halbzeit zwo. Die Braunweißen machen es den wohlfinanzierten Brausebuffern nicht leicht, sodass es mit Ausnahme eines Nahezu-Herzinfarkt-Knallers (Himmelmann <3) in der Nachspielzeit kaum zu Nervosität bei uns und der restlichen Bagage kommen müsste. Doch wir glauben, unsere Pappenheimer zu kennen ...
Ist das Pech jetzt aufgebraucht?

Wie schön, hier eines Besseren belehrt zu werden. Ein erlösender Schlusspfiff beendet unfassbar lange Minuten und wir dürfen uns über einen äußerst wichtigen Dreier freuen. Zwei von vier Konkurrenten im Tabellenkeller punkten nicht, wir setzen uns hauchdünn über die Abstiegsplätze ab. Sackzement, das hört nicht auf, spannend zu sein in dieser Saison. Möge sie doch wirklich bald vorbei sein!

2015-05-03 15.32.26

Erlösung für den Augenblick

Was noch so auffiel: Der RB-Anhang macht es an diesem Sonntag alles andere als leicht, ihn zu verabscheuen. „Rasenball gegen Rassismus“-Banner, Abfeiern unserer Mannschaft – das ist so unsympathisch wirklich nicht. Anerkennende Sprechchöre soll es auch noch gegeben haben. Dass weder eine Gästehymne zu hören ist (die gibt es offenbar einfach noch nicht), noch das Wappen oder der „RB“-Zusatz irgendwo in offiziellen Stadiondurchsagen oder auf der Anzeigetafel auftaucht, spricht für einen unaufgeregten und dennoch leicht bissigen Umgang unserer Verantwortlichen mit dem leidigen Thema Red Bull. Gefällt.

Mal wieder auf den Boden der Tatsachen: Nun sind es noch drei verdammte Spiele, zwei davon auswärts bei Aufstiegsaspiranten. Wir fangen besser nicht an, zu rechnen. Stattdessen: hoffen und bangen.