Apr 192015
 

oder

90 Minuten sind lang

Liebe Haudegen und Haudeginnen,
kam euch das Düsseldorf-Spiel schon unwirklich vor? Was nun aber am Freitag passierte, schlug den vorherigen Heimsieg noch um ein Stück – wenn auch in einer ganz anderen Richtung. Es ist, als ob sich das viele Pech, die sprichwörtliche Scheiße am Schuh, einfach mal von den braunweißen Tretern gelöst hätte und dafür den Nürnbergern ins Gesicht klatsche. Recht so.

Mit sehr gemischten Gefühlen gehen wir an diesem Tag ins Stadion. Wie kann man auch anders, wenn auf einen 4:0-Heimtriumph ein 0:3-Auswärtsdebakel folgt? Einiges kann man dem Team in dieser Saison vorwerfen; dass sie uns langweilten, sicher nicht.

Hinein. Feine Süd-Choreo mit großer Blockfahne, Diskussionen über die seltsame Südstaaten-Flagge im Nürnberger Block (der erneut in Haupttribüne und Behelfstribüne in der östlichen Nordkurve unterteilt ist). Die Fans aus Franggn, die in der Halbzeitpause putzig von USP gedisst werden, sind trotz der gespaltenen Blöcke recht laut, scheint uns – auch schon vor dem Spiel. Wir vertreiben uns ausnahmsweise die Zeit bis zum Anpfiff mit dämlichen Wortwitzen.

Gibt’s Fußball?
Los geht es. Und so stehen wir auf den heiligen Stufen und es fällt nicht leicht, sich zu konzentrieren. Mehr als einmal sind die Nürnberger dicht daran, uns vorzeitig die Lichter auszuschießen. Das macht nervös. Unsere Jungs bleiben harmlos, der Support auf allen Tribünen wirkt leise wie lange nicht mehr, es sieht so gar nicht gut aus. Der Gedanke ist da, dass das anschließende Konzert von Social Distortion in der Sporthalle in besserer Erinnerung bleiben würde als das Spiel.

2015-04-17 18.27.24

Sonnenbrille vergessen.

Doch Nürnberg schießt einfach kein Tor. Der Dank gebührt vor allem Himmelmann, der einige gefährliche Bälle vom Kasten wegwischt. Einer der besten heute! Die Rückkehr von Schachter enttäuscht hingegen ein wenig, aber klar, nach so einer Pause läufst du nicht unbedingt gleich wieder rund. Auch die weiteren Hoffnungsträger der letzten Spiele glänzen eher durch Fehlpässe und mangelnde Übersicht. .

Aber die Minuten laufen weiter ab. Sollen wir etwa Glück haben mit diesem torlosen Remis, das zu wenig im Abstiegskampf ist, aber angesichts des einseitigen Spielverlaufs mit Kusshand genommen werden müsste? Große Rechenkünste bemühen wir nicht einmal außerhalb des Stadions, also ist der Gedanke überflüssig. Ohjeohje, was nehmen wir denn nun heute mit?

Per aspera ad jede Menge Astra
Dann geschieht das Unfassbare. Kurz vor Schluss die Ecke von Daube, irgendwie segelt Sobiech mit seinem Edelschädel zum Ball und pustet den an den Nürnberger Innenpfosten und damit ins Tor. ERUPTION! Liebes Millerntor, wann hast du es das letzte Mal erlebt, dass innerhalb von fünf Sekunden deine Stufen mit einer derartig kolossalen Menge Gerstensaft getränkt wurden? Von den ungläubig krakelenden Zwanzigtausend darinnen ganz zu schweigen. WIE. GEIL. IST. DAS. DENN?

Die Nachspielzeit überstehen wir ohne das, was sonst so gern kommt. Den Gästen bleibt keine Zeit mehr, wir juckeln den Sieg nach Hause. Wahnsinn! Leider müssen wir fix raus, Social Distortion warten nicht auf uns. Das Konzert übrigens wird nicht als Musterbeispiel energiegeladenden Punkrocks in die Weltgeschichte eingehen. Die letzten fünf Spielminuten umso mehr.

Nun, wenige Tage nach dem rauschhaften Dumm-und-glücklich-Sieg gegen den FCN sieht die Realität schon wieder ernüchternder aus. Da denkste, die anderen Teams da unten im Grubenwasser der Liga würden schön durch den vorgelegten Sankt Paulianer Erfolg unter Druck gesetzt und hielten dem nicht stand, da gewinnen die plötzlich alle. Relegationsplatz, Status quo ante bellum. Was den Sieg natürlich nicht weniger wichtig macht!

Apr 082015
 

oder

Habt ihr das gehört?

Ein ohrenbetäubender Knall. Trümmer fliegen förmlich durch die gespannte Luft an diesem Montagabend, pfeifen den Zigtausend um die Ohren. Es sind die Überreste der Fesseln, die mithilfe eines jungen Goldfußes aus dem Fernen Osten und der anderen Tapferen auf dem Platz in tausend Stücke zerspringen.

Be-gei-ste-rung, meine Damen und Herren!

Genug der schwulstigen Prosa. Ihr Lieben, das war ein wirklich magischer Abend. Das beste Spiel dieser Saison liegt hinter uns, bei denen die Braunweißen mal so gar nichts anbrennen lassen. Gerade mal zwei Chancen für die Fortuna, rund das Fünffache für uns und eine absolut respektable Ausbeute mit vier Buden.

Da hat wohl jemand einen Schalter umgelegt. Choines Ding bisher!

Posted by magischerfcblog on Montag, 6. April 2015


Man verzeihe uns unseren Contenance-Verlust.

Insert random joke with names here
Am Spieltagabend ging bei uns noch der Wortwahnwitz durch, das sparen wir uns jetzt. Festzuhalten bleibt, dass Choi genau der sensationell leichtfüßige und unkomplizierte Stürmer ist, der uns die ganze Saison über fehlte. Hoffen wir mal, dass er als Vorbild für unsere anderen, durchaus kompetenten Sollten-eigentlich-Knipser wirkt. (Kurzer Einwurf: 50 Prozent dieses Blogs sind froh, dass Choi keinen Hattrick erzielte, weil sonst raue Mengen „Essacher Luft“ zu exen gewesen wären.)


Ebenfalls hervorzuheben, nicht zuletzt, weil er Zählbares mitbrachte: ein enorm aktiver Buballa, der neben seinem großartigen Tor tüchtig nach hinten ackert, läuft wie ein Blöder und scheinbar überall auf dem Feld unterwegs ist. Über Sobotas Rückkehr mit krönendem Abschluss freuen wir uns natürlich auch sehr.

Zu null, hell yeah!
Und, liebe Leser, unterschlagen wir mal nicht, wie gut die Abwehr funktioniert in diesen Tagen! Ja, Fortuna hat nicht mehr viel zu gewinnen jetzt in Liga 2, aber es ist ja nicht das erste Spiel, in dem die Boys in Brown hinten wenig zulassen. Das mit dem „Sturm gewinnt Spiele, Abwehr gewinnt Meisterschaften“ mag zwar statistisch gesehen Unsinn sein, aber definitiv hatten wir vor Ewald Lienen da hinten größere Sorgen als jetzt. Sollte das nun auch noch mit dem Toreschießen klappen? Was wäre das fein!

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Läuft bei uns.

So, aber bei aller berechtigten Euphorie: Eine Schwalbe macht weder Sommer noch Elfmeter. Sieben Spiele stehen mindestens noch an und derzeit befinden wir uns dem Relegationsplatz. Nun ja nicht in Sicherheit wiegen! Weitermachen! Der Roar ist ja auf den Rängen gebührend unterwegs in dieser kritischen Phase. An „uns“ liegt es also nicht. Das ist das Wichtigste: Niemand soll sich nachher einen Vorwurf machen können, sie oder er hätte nicht alles gegeben.

Dann wären da noch …
… Fortunen, die die Sitzschalen der provisorischen Nordkurve herausreißen und allen möglichen Scheiß aufs Spielfeld werfen: Geht doch woanders spielen, ihr Dummbatzen.
… ein feiner Aktionstag zugunsten der Sommerbaustelle der Roten Flora. Toll, eine so breite Solidarität für diese wichtige Einrichtung in unserer Stadt zu spüren.
… Fanräume auf einen Montagabend: gefährlich, gefährlich! Mehr als einmal verwandelte sich ein eigentlich zurückzugebender Pfandbecher wieder in ein volles Bier. Ouhauahauaha.
… und schließlich Menschen, die das Prinzip „Sportlicher Erfolg und ‚Leistung‘ sind beim FC St. Pauli nicht das oberste Gut.“ nicht verstehen. Wir finden, auf diese Haltung können wir verdammt stolz sein.

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Noch mal zum Genießen