Dez 222014
 

oder

Hurra, wir leben noch!

Der Regen hat Hamburg fest im Griff. Trübe-Tassen-Wettesr allerorten, Weihnachtsstimmung will da sicher nicht aufkommen. Doch immerhin haben uns unsere braunweißen Jungs ein feines Präsent zum Abschluss des Fußballjahres 2014 bereitet, das uns versöhnlich stimmt.

Wer will bei dem Mist so früh an einem Sonnabend vor die Tür … was gibt es da für uns zu holen? Zuletzt sahen wir einen Auftritt der Mannschaft in Ingolstadt, der nicht völlig verzweifelt wirkte, aber trotz eines Gegners mit angezogener Handbremse mal wieder ohne Zählbares für uns ausging.

Tschüß und moin moin
Nun rotierte es in der vergangenen Woche bekanntlich gewaltig in der Schaltzentrale des FC St. Pauli. Ein Kapitel für sich, wie sinnvoll so ein Personalgeschiebe ist. Ging es primär darum, einen neuen Trainer zu holen? Oder wollte man unbedingt Azzouzi loswerden? Wir sehen es ähnlich wie der Übersteiger – die Lösung, dass jetzt im laufenden Betrieb der Sportchef geschasst wird, ist uns zu billig. Azzouzi hat einen guten Job gemacht, seine Personalpolitik ist gewiss nicht für die jetzige Misere verantwortlich. Alles Gute für die Zukunft, Rachid!

Natürlich sind wir froh, dass Meggie erhalten bleibt. Aber am Montag erst das Vertrauen aussprechen, am Dienstag den Sportchef vor die Tür setzen – was soll das denn bitte? Hoffen wir mal, dass das Präsidium nicht vor den vielen dämlichen „Azzouzi raus“-Rufen der Panikpaulis eingeknickt ist. Nützt nun nix mehr, wir schauen nach vorne. Über Ewald Lienen freuen wir uns, dazu gaben die ersten beiden Spiele unter seine Regie durchaus Anlass.

Kehren wir also zurück zum 19. Spieltag gegen den VfR Aalen: Nieselpiesel mit Wind, das können wir. Die Süd mit einer fetten YNWA-Choreo, ein bisschen die Antithese zum vorwurfsvollen „Ist das euer Ernst?“ vom Kaiserslautern-Spiel. Auf dem Rasen läuft’s zunächst eigentlich wie immer, nur dass das obligatorische Gegentor Mitte der ersten Hälfte ausbleibt. Stattdessen flutscht es beim FCSP immer besser, nach zwei mal Aluminium scheppert es durch Verhoek. Die schwachen Aalener wissen nichts gegen ein durchaus passables Offensivverhalten unserer Jungs auszurichten.

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„Walk on through the wind, walk on through the rain
Though your dreams be tossed and blown“

In der Pause schallt wohltuend demonstrativ Captain Gips aus den Lautsprechern. Während in Halbzeit zwei bald alles klargemacht wird und Aalen nur in der absoluten Schlussphase aufdreht (dann aber so, dass wir zittern könnten, stünden nicht bereits drei Tore für die Guten auf der Anzeigetafel), dampft das Millerntor. Die Stimmung erleben wir als großartig, es ist laut, alle sind zurecht gut gelaunt und liegen einander in den Armen. Strahlende Gesichter auch im Anschluss in den Fanräumen, wo selbst Stunden später noch keiner nach Hause möchte.

So steigen wir nicht ab
Es ist wahrer Befreiungsschlag, wenn auch noch nicht auf die Tabellensituation bezogen. Aber womöglich platzt der Knoten, denn mit Lienen steht, nein, läuft da jemand an der Seitenlinie herum, der Bock auf Sankt Pauli hat und das alle spüren lässt. Zettel-Ewald reißt mit, bringt Schwung in die Bude und lässt uns schnell die vielen kläglichen Versuche der Hinrunde vergessen, aus dem Scheiß-Keller herauszukommen.

Eine Schwalbe macht noch keinen Elfmeter. Das ist völlig klar. Ihr kennt uns, wir sind manchmal zögerlich, urteilen nicht vorschnell und harren der Dinge, die da kommen. Die Winterpause wird Wahrheiten bringen. Dass wir jetzt doch jemanden von außen auf der Trainerbank sitzen haben, kann eine große Chance sein, auch was die Neubewertung des Kaders anbelangt. Wo kommt denn Tom Trybull plötzlich wieder her? Und dann liefert der eine Sahne-Vorlage zum 3:0!

So, da legen wir uns fest: Wie diese Mannschaft – und das Stadion! – an jenem Sonnabend auftreten, muss sich das Abstiegsgespenst einen anderen Ort für seinen Spuk suchen. Frohe Feiertage, ihr Lieben.

Dez 162014
 

Warnung: Dieser Blogartikel enthält massiv satirische Züge, die uns bitte nicht als völliger Gehirnpudding ausgelegt werden. Er sei gern als Seitenhieb auf die ohnehin mitunter militaristische Sprache des Fußballsportes verstanden.

Der Lagebericht

Aaachtung!

Sapperlott, zuweilen überschlagen sich die Ereignisse. Dennoch, die Nachrichtenkompanie meldet Neuigkeiten von der kräftezehrenden Verteidigung des Millerntors. Bekanntlich erschütterte am heutigen Morgen ein Paukenschlag den FC St. Pauli, als die Regierung umfangreiche Veränderungen im Generalstab verkündete. Hoffentlich beweist sie damit ein gutes Händchen. Wir lassen diese Geschehnisse noch etwas sacken und wünschen unserem scheidenden Personaloffizier sowie dem neuen Befehlshaber der Streitkräfte alles Gute!

Doch hier vorrangig zum Hauptkriegsschauplatz: In der vergangenen Abwehrschlacht gegen die hessischen Invasoren warfen unsere Truppen aus Sicht unserer Beobachter selten ihre gesamten Reserven in die Waagschale, um den Feind zurückzudrängen und selbst strategisch wichtige Gebietsgewinne zu verbuchen. Letzten Endes gelang es trotz vergleichsweise defensiver Grundhaltung dem Korps Braun-Weiß nicht, in der militärischen Gesamtlage einen weiteren Rückzug zu vermeiden.

Von Beginn an war klar, dass es nach den letzten, überwiegend verlorenen Gefechten ein schwieriger Kampf für unsere Verbände werden würde, selbst wenn auf fremdem Territorium immerhin einige Pattsituationen erreicht werden konnten. Die Unterstützung der Heimatfront wird in diesen belastenden Tagen auf eine harte Probe gestellt, entsprechend ließ die Tapferkeit auf den Rängen manches Mal zu Wünschen übrig.

Dem nun frisch versetzten General Meggle und seinem Oberkommando konnte man im Vorfeld bereits entnehmen, dass seine Divisionen vor allem darauf achten sollten, die gegnerischen Stoßtrupps vom eigenen Stützpunkt fernzuhalten. Über weite Strecken gelang dies ganz passabel, wobei es den Attacken der Darmstädter Artillerie und Bomberverbände auch an Präzision fehlte. So bissen sich diese im wahrsten Sinne die Zähne an unseren Befestigungen aus.

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Das Schlachtfeld in der Feuerpause

Im Gegenzug gelang es leider weder dem Langstreckenbomber B14, der noch immer keine erfolgreichen Einsätze fliegen konnte, noch den anderen verfügbaren Einheiten, dem Gegner ernsthafte Verluste beizubringen. Auch die Mobilmachung der erstaunlich schnell aus dem Lazarett entlassenen schnellen Infanterie R11 nach der Feuerpause hatte keine ernsthaft positiven Auswirkungen. Flankenangriffe mit geringer Luftunterstützung verpufften wie auch keilförmige Attacken ins Zentrum der Darmstädter, sodass es über weite Strecken beim Stellungskrieg blieb.

Das offenbar ausgegebene Ziel, es wenigstens auf einen torlosen Waffenstillstand hinauslaufen zu lassen, musste nach einer bedauerlichen Fehleinschätzung der langen Kerls in der Defensive wieder aufgegeben werden. Einem glücklichen hessischen Vorstoß gelang es, unsere überforderten Stellungen zu überwinden – da war auch unsere Luftabwehr machtlos, die zuvor wenige sehenswerte Himmelmann-Manöver abgeliefert hatte. Immerhin beklagten wir nach diesem Gefecht keine weiteren Verwundeten.

So müssen wir ein weiteres Mal eine Niederlage hinnehmen, die allmählich ratlos macht. Bis zum Wintereinbruch, wo die kriegführenden Parteien die Waffen ruhen lassen, rechnen wir mit keiner erfolgreichen Gegenoffensive mehr. Gern darf uns der neu zusammengesetzte Generalstab bei der anstehenden Ingolstadt-Expedition überraschen.

Es bleibt ansonsten wohl nur noch Frontbegradigung und die Hoffnung, dass sich unsere Truppen während des Rückzugs hinter die Demarkationslinie neu formieren können, vielleicht hier und da aufgefrischt werden und es uns dann im neuen Jahr gelingt, die feindlichen Armeen durch geschickte Feldzüge zu überraschen. Wunderwaffen werden aus guten Gründen nicht kommen. Liebe KameradInnen, jetzt nicht in Defätismus verfallen!

Wegtreten.

Dez 022014
 

oder

Wie sagen wir’s dem Kinde?

Ach Leute,

wieder ist ein Spiel vergangen, nun schon ein paar Tage her. Das Ergebnis gegen Lautern sieht aus, wie wir es mittlerweile gewohnt sind. Und dennoch sehen wir keinen Grund, nun den tiefsten Kummer zu schieben. Irgendwie, irgendwo, irgendwann wird es bergauf gehen mit unserem FC St. Pauli.

Es ist ein mieser, kalter Novembersonntag. Erster Advent. Es wird kaum Grund zum Feiern geben, das sehen wir realistisch schon weit vor dem Anstoß. Große Vorkommnisse sind rund um das Spiel nicht zu erwarten. Auf dem Südkurvenvorplatz ist es zugig und ungemütlich, also besser zügig hinein in die goldenen Hallen.

Come on, Heißgetränke-Hoschis – wer hat euch denn gebrieft? Allzu lang ist die Schlange vor Kaffee, Kakao und Glühwein, womit der Spieltag doch erträglicher werden sollte. Kaltes Bier schmeckt bei diesen Temperaturen nicht besonders. Was soll’s, wir sind ja nicht zum Spaß hier. Putzig ist die Ersatztribüne in der Nord. Wartet mal, hatten wir nicht schon das eine oder andere Mal ein Provisorium von erstaunlicher Lebensdauer in diesem Stadion?

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Lautern auf der Baby-Nord

Irgendwann geht der Kick los, wie zu erwarten ohne erwähnenswerte Ereignisse im Vorfeld. Es fühlt sich an wie immer: Unsere Elf in einer Aufstellung, die wir als „verzweifelt“ bezeichnen würden, schlägt sich die ersten Minuten recht gut – bis dann der obligatorische Nackenschlag in der 22. Spielminute einsetzt.

Entsteht das erste Gegentor noch unglücklich, lädt man die Lauterer zum 0:2 nur wenige Minuten später förmlich ein. Billige Psychologie: Es verwundert wenig, dass die Abstimmung einer derartig angeschlagenen Mannschaft in die Hose geht. So etwas darf EIGENTLICH nicht passieren, es passiert aber. Frust, Resignation, Galgenhumor auf den Rängen.

Die zweite Hälfte bringt Besserung. Nicht nur, dass die Braunweißen über weite Strecken Spiel bestimmend werden, zumindest auf kämpferischer Ebene. Es zahlt sich doch tatsächlich auch mal wieder aus, Halstenberg nimmt sich ein Herz und versenkt Sippels schlechte Faustabwehr in die Maschen zum ersten Heim-Treffer seit Wochen. Allerorten wird es laut, die Stimmung steigt, der Glaube an den FCSP ist wieder da.

Doch die aktuellen Drehbücher des Zweitligafußballs haben für uns weiterhin nur die Rolle als Prügelknabe vorgesehen. Ein geschickter Konter und die Hoffnung zerspringt in der Schlussphase. Abpfiff, lange Gesichter. Einmal mehr hat es nicht sollen sein mit Punkten für Sankt Pauli.

Wir haben uns schon einmal Gedanken darum gemacht, was den Umgang mit dieser Misere seitens der Fanszene betrifft. Das kommt erneut zum Tragen, als die Süd ein frisch fertiggestelltes langes Spruchband entrollt, auf dem die Niederlagen der letzten Wochen mitsamt der Frage „Ist das euer Ernst?“ zu lesen ist. Hui, das scheint wenig fair, wo sich die Mannschaft doch heute wenigstens nicht wie die Schafe zur Schlachtbank führen ließ.

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„Ist DAS euer Ernst? F95 1:0 FC, FC 0:4 KSC…“

Klar, bei anderen Vereinen steht dann dort: „Ihr habt eine Stunde, um die Stadt zu verlassen.“ Es gibt immer einen schlimmeren Kriegsschauplatz. Aber ein Transpi wie an diesem Tag finden wir irgendwie nicht dem Geiste angemessen, den wir mit dem Support eines FC St. Pauli verbinden.

Wir werden das gewiss nicht überbewerten und billigen jedem Fan zu, seine eigene Art der Trauerbewältigung zu haben. Aber das Spruchband suggeriert, eine ganze Kurve würde nur noch den Kopf schütteln über die Jungs auf dem Rasen. Ist das denn so? Überhaupt: Wessen Ernst soll das denn sein? Spieler, Trainer, Sportchef…? Und sucht ihr wirklich nach Sündenböcken?

Ein bisschen hängen die Köpfe, ein bisschen frohen Mutes sind wir aber doch. Geduld, liebe LeserInnen, die Winterpause kommt. Gebt dem Team noch etwas Zeit, sich zu finden, Stabilität herzustellen und nach vorne zu schauen. Floskel hin oder her: Abgerechnet wird am 34. Spieltag.