Okt 292014
 

Salvete, lectores!

Okay, sind wir mal ehrlich: Wer hatte im Vorfeld des Pokalspiels gegen Borussia Dortmund ernsthaft daran geglaubt, dass wir ins Achtelfinale einziehen würden? Offensichtlich doch genug Leute. Jedenfalls hat sich unsere Mannschaft nicht allzu schlecht verkauft, darauf kann sie stolz sein und wir auf einen schönen Abend zurückblicken.

Die Anspannung ist im Vorfeld zumindest rum um das Stadion gut spürbar (Ist es voller als sonst?) und auch auf den Tribünen merkt man, dass es hier jetzt eben nicht gegen graue Mäuse, sondern gegen Dortmund geht, die Bereitschaft zum Support scheint viel größer als an einem Samstagmorgen gegen Karlsruhe.

Schöne Anstoßzeit, Flutlichtspiel, drei(!) Choreos zum Spielbeginn, die Südkurve stellt fest, dass man auch über die ganze Tribüne Choreos durchziehen kann (das sah schon wirklich sehr gut aus, vielleicht das Beste auf der „neuen“ Südtribüne bis jetzt), aber auch die Gegengrade wirkt mit den ganzen Fahnen und Kassenrollen beeindruckend, auch wenn die Verteilung noch besser gelingen kann. Die Nordkurve sehen wir in ihrer jetzigen Form dann leider nicht wieder, aber es wurde ihr auf jeden Fall ein würdiger Abschied bereitet.

2014-10-28 20.23.10

Was für ein Riesenlappen. Respekt, USP!

Was das Spiel in der ersten Halbzeit betrifft, ist Kritik angebracht. Jungs, ihr habt da was falsch verstanden: Die Dortmunder hätten sich bei der Kulisse am Millerntor in die Büx kacken sollen und nicht ihr! Das ist über weite Strecken viel zu zahm und verängstigt, was unser Team in Schwarzgrün da abliefert. Schon von der Körpersprache her ist spürbar, wie viel Respekt vor einem mit Nationalspielern durchsetzten Team herrscht. Pokalfight ist anders, hat Meggie ähnlich gesehen.

Dementsprechend laufen die Sankt Paulianer „stets bemüht“ einer mühelos aufspielenden Dortmunder Mannschaft hinterher. Und irgendwann klappt es einfach nicht mehr, die Null zu halten. Nach einer halben Stunde frohlocken wir schon: „Wenn der BVB in der Frequenz weitermacht, wird es schlimmstensfalls ein 0:3.“ So sollen wir Recht behalten. In der zweiten Hälfte es es allerdings um einiges besser. Die feine „Beleuchtung“, die kurz vor Wiederanpfiff auf der Süd gezündet wird, scheint zu beflügeln.

Mit Ausnahme des dritten Tores können die Buden auch so fallen. Ist eben ein Klassenunterschied, der sich nicht wegdiskutieren lässt. Tschauner tut uns wegen seines Patzers vorm 0:3 leid – aber stark, wie die Ränge dem Schlussmann anschließend stimmgewaltig den Rücken stärken. Überhaupt: Was an Lautstärke heute geht, ist nahe an Erstligatauglichkeit. Das war eines Pokalspiels gegen einen ebenfalls klangvoll auftretenden Gegner würdig.

2014-10-28 20.26.10

Auch die Nord gibt zum Abschied noch mal Gas.

Am Ende bleibt der FCSP glücklos und ohne Torerfolg, auch wenn es ein, zwei mal knapp war. Wir gehen erhobenen Hauptes aus dem Stadion, denn es hätte alles viel schlimmer kommen können. Hey, besser als Galatasaray! Auch rund ums Viertel bleibt es unseren Informationen zufolge ruhig; da wurden im Vorfeld ganz andere Dinge erwartet.

Nun macht sich die Nordkurve endgültig vom Acker und die Braunweißen müssen am kommenden Wochenende nach Nürnberg. Hoffen wir mal, dass die zumindest in der zweiten Hälfte ordentliche Leistung mit ins Frankenland genommen wird. Wir müssen uns ja doch leider wieder auf die Liga konzentrieren.

Okt 262014
 

Liebe Gemeinde,

schlechter Fußball wird durch guten Einsatz nicht vollkommen ausgeglichen. Das ist eine Erkenntnis, die wir aus diesem unsäglichen Spiel unserer Zweitligamannschaft mitnehmen.

Aber von vorn.

Ein Ausflug nach Lübeck
Zunächst einmal ist am Freitag die Zwote in Lübeck dran. Der FCSR war so freundlich, einen Bus zu organisieren, und so finden sich letztendlich grob geschätzt rund 200 Leute im Gästeblock am Stadion an der Lohmühle ein. Viele bekannte Gesichter von allen Tribünen sind unterwegs, insbesondere viele Hoschis aus dem Supportblock, die sogar einige (Zaun-)Fahnen dabei haben, sodass der ganze Auftritt optisch sicherlich ganz ansprechend aussieht.

Auch die Supportleistung ist für die Umstände zumindest teilweise ganz in Ordnung. Besonders schön, dass neben klarer politischer Positionierung auch ein kleines Banner „Fußballfans gegen Homophobie“ dabei ist, waren die Gastgeber doch im Vorfeld durch einen besonders dämlichen homophoben Aufruf aufgefallen.

Ansonsten ist von gegnerischer Seite nicht viel zu vernehmen. Das notorische „Scheiß St. Pauli“ zu Beginn, eine kleine, aber durchaus sehr ansehnliche Pyroshow und eine Gruppe Hooligans, die sich auffällig nah am Gästeblock positionierten, aber auch das wirkt eher halbherzig und harmlos.

Ein Anpfiff um 19:30 Uhr (dieser sogar noch leicht verspätet) ist toll, in der zweiten Liga kommt man leider viel zu selten in den Genuss von Fluchtlichtspielen. Besonders erfreulich ist, dass Schachten nach seiner Verletzungspause wieder auf dem Platz stehen kann und von Anfang auch zeigt, dass er das Fußballspielen nicht verlernt hat.

Über den ganzen Spielverlauf merkt man, dass der VfB besser ist und sie spielen sich demnach auch einige gute Chancen heraus. Das heißt allerdings nicht, dass es für unsere Jungs keine Möglichkeit gäbe, den Ball hinter die Linie zu bringen, so zum Beispiel Schachten, ca. 20 Minuten nach Wiederanpfiff. Im Grunde ginge aber auch eine Niederlage in Ordnung, so gesehen sollte das torlose Spiel als Gewinn eines Punktes betrachtet werden. Gut gefällt auch, dass das Team sich nach dem Spiel am Zaun motiviert und zuversichtlich zeigt, das macht doch Hoffnung für den weiteren Saisonverlauf.

Es wäre wünschenswert, wenn die U23 auch beim FCSP ein wenig mehr in das öffentliche Interesse rückt und sich vielleicht eine regelmäßigere Support-Kultur auch auswärts entwickeln würde. Ein schlechter Ausflug war es ganz sicher nicht.

Zur Ersten
So folgt der Sonnabend. Die Zeichen stehen gar nicht mal schlecht: Es ist Hamburger Schmuddemuddelwetter, die letzten Spiele unserer Elf waren ganz vielversprechend und der KSC müsste eigentlich auch zu schlagen sein. Noch dazu soll der alten Nordkurve bei ihrem letzten Ligaspiel ein würdevoller Abschied gewährt werden. Naja, es kommt dann doch ganz anders.

2014-10-25 12.58.16

Die Nord verabschiedet sich im Fahnenmeer.

Nach zehn, fünfzehn ordentlichen Minuten gelingt den Boys in Brown kaum mehr etwas. Der Rückstand folgt und bald steht es schon 0:2. Das sieht zu einfach aus. Karlsruhe hat im Wesentlichen zwei Chancen in der ersten Hälfte und die werden eiskalt genutzt. Die Badener mit der schrägen Hymne machen das ziemlich clever, ganz im Gegensatz zu unserer Truppe, die an diesem Tag einfach nichts gebacken bekommt.

Immerhin, auch im weiteren Verlauf des Spiels, als noch mehr Gegentore fallen, gibt sich der FCSP nicht völlig auf. Ein Jammer, dass Verhoek schon wieder im Abseits steht, bevor er per Fallrückzieher einnetzt. Das wäre mal was gewesen. Ach, es macht keinen Spaß, diesen Text zu schreiben! Es war schlicht und ergreifend ein Scheißspiel. Das finden auch zahlreiche Besucher auf der Haupttribüne und verlassen nach dem 3:0 in Scharen das Stadion. Das nächste Mal kommt ihr am besten gar nicht wieder, ihr blöden Erfolgsfans!

Bye bye, Nordkurve
Liebe gute Nordkurve, einmal sehen wir dich noch am Dienstag und dann rollen die Bagger. Unsereins erlebte sein erstes Spiel vor vielen Jahren auf deinen schiefen Stufen. Dennoch sind wir nicht besonders traurig, dass jetzt der letzte Teil des alten Stadions abgerissen wird. Denn das Millerntor ist schließlich weniger durch seine Architektur sondern vielmehr durch sein Innenleben das, was es zu einem besonderen Stadion macht. Wir sind nun sehr gespannt, wie schnell die neue Tribüne tatsächlich hochgezogen wird und wie sich das ganze Stadion im neuen Gewand anfühlt.

Gucken wir jetzt erst einmal mit kurzem Blick nach vorn: Am Dienstag kommt der BVB. Sackzement, das wäre ein geiles Ding, die Dortmunder aus dem Pokal zu kegeln. Aber besonders viel erwarten werden wir nicht.

Okt 122014
 

oder

Familientreffen am Millerntor

Liebe Menschen,

nun ist die #17 endgültig in den Kreis der Ehemaligen des FC St. Pauli eingezogen. Schon vor seinem De-Facto-Abschiedsspiel gegen Aue zum Schluss der vergangenen Saison war klar, dass es ein erneutes Event zu Ehren von Fabian Boll geben werde. Und so laufen an diesem spielfreien Sonnabend die Höllenhunde gegen das aktuelle Team der Braunweißen auf, um es – leicht abgekartet – mit 5:1 zu deklassieren.

Was bleibt es zu diesem Spiel und dem Drumherum zu sagen? Uns war bewusst, dass es für dieses künstlich erzeugte Ereignis schwer sein würde, die noch echteren Emotionen rund um das Aue-Spiel im Mai zu toppen. Und, seien wir ehrlich, das gelingt auch nicht beim Bollzen. Zumindest nicht bei uns.

Freundschaftsspielen fehlt immer das gewisse Etwas, und so wird uns der Fußball auch schnell langweilig. Wären nicht einige Gag-Einlagen wir Ralle Gunesch, der Freistoßspray auf dem Rasen verteilt und damit sogar einen Smiley malt, oder Meggle, der in einer Szene mir nichts, dir nichts selbst aufs Spielfeld läuft und kurz mitkickt, erginge das sicherlich dem Gros der Millerntorbesucher an diesem Tag ebenso.

Immerhin, die Gegengerade ist sogar relativ laut und initiiert sogar ein „Aux Armes“. Dort ist man in Sachen unkoordiniertem Support schließlich geübter, während eine Süd ohne Vorsänger kopflos bleibt. Fan des Tages ist jedoch eine einsame Gestalt, die es auf die sonst leere Nordkurve geschafft hat. Man hört von uns aus nix von der Dame, aber den sichtbaren Bewegungen zufolge macht sie Alarm für eine ganze Tribüne.

Nun, es geht aber auch nicht ausschließlich um das Entertainment der zahlenden Besucher, da sind wir mal ehrlich. Boller wird die Ehre erwiesen, in einer Runde alter Veteranen noch mal auf dem heiligen Rasen aufzulaufen. Und ihm, das lässt sich ja vielfach belegen, gefällt es ganz offensichtlich großartig. Das ist freilich ganz schöner Selbstzweck, aber betrachten wir es einfach mal als eine Art Gala und Schaulaufen am Millerntor. Gelegentlich ist das okay.

2014-10-11 17.29.43

Alte und neue Helden stehen Spalier für die #17.

Schöne Szenen und Gänsehaut gibt es in jedem Fall. Als Paul Sheridan nach Abpfiff für die Ehrenrunde ein ergreifendes „You’ll Never Walk Alone“ anstimmt, da werden rundherum die Augen feucht. Und Deniz Naki ist in Hamburg noch immer willkommen, wie Sprechchöre und Jubelarien bezeugen, während er die Fahne in den Boden rammt. Ja, wir mögen den Burschen und der soll wirklich gern zurückkommen. Fußballerischer Wert hin und her. Auch wenn er sich vielleicht ein wenig zu viel selbst in den Vordergrund drängt.

Fabian Boll. Wahnsinn, was für ein Typ. Er fehlt jetzt schon auf dem Rasen. Und wir hoffen sehr, dass seine Worte Gehör finden, wenn er den jungen Spielern mitgibt, sie mögen sich verinnerlichen, dass St. Pauli etwas Besonderes sei. Aber mit Meggle als Trainer und jungen Köpfen im Team sind wir durchaus zuversichtlich, dass wieder Spieler mit dem Verein verwachsen werden und wir in Zukunft ein paar neue echte Typen erleben werden.

Okt 052014
 

Hoi Hoschis,

zweiter Heimsieg in Folge, zum zweiten Mal in dieser Saison zu null, ein verwandelter Elfmeter für die Richtigen am Millerntor, drei Tore insgesamt – wow, da sind schon eine ganze Menge guter Dinge, die sich aus dem Union-Spiel mitnehmen lassen. Punkt. Punkt?

Wir wären nicht wir, wenn wir nix zu meckern hätten – auch wenn es diesmal nur wenig und auf vergleichsweise hohem Niveau ist. Jedenfalls: Nach der zeitigen Führung und der im selben Zuge entstandenen Überzahlsituation sieht es an diesem Tag lange Zeit so aus, als ob sich der FCSP noch mit großer Freude die Butter vom Brot nehmen lassen möchte. Gegen derartig zahme Unioner nicht bald mal einen Treffer nachzulegen, das darf als fahrlässig gelten.

Man könnte natürlich meinen, dass sich die altbekannte These, dass die Boys in brown mit einer Führung nicht umgehen können, bewahrheitet. Trotzdem sind da – grade gegen Ende der ersten Hälfte – einige Aktionen dabei, die durchaus das Gegenteil nahelegen. Kämpferischer Einsatz, fast so etwas wie Übersicht im Angriff, mutiges Spiel nach vorne.

Gegen Anfang der zweiten Hälfte sieht es zunächst so aus, als wollten die Gastgeber aufgrund ihrer Überzahl das Spiel lediglich verwalten, und lassen den Ball konsequent nur durch die hinteren eigenen Reihen gehen. Ist zwar nicht sonderlich spannend, sorgt aber für unwahrscheinliche Ballbesitz-Statistiken von teilweise 70 zu 30%. Ob dies tatsächlich Intention von Thomas Meggle ist, den man an dieser Stelle noch mal beglückwünschen darf, oder auf Ideenlosigkeit im Angriffsspiel und die Schwäche im Aufbau zurückzuführen ist, sei einfach auch mal egal. Problematisch wird dies natürlich genau dann, wenn Union zu Chancen kommt, was durchaus ein-zwei mal passiert. Dann kann so ein Spiel auch noch kippen.

Glücklicherweise klappt das ja dann doch noch mit dem Nachlegen. Ein unermüdlicher Ratsche, der sensationell kaputt den Ball ins Tor stolpert, und ein Sahneschuss von Verhoek, den wir grundsätzlich für einen ganz schönen Fehleinkauf halten, verwandeln das Übergewicht von Braunweiß noch in Zählbares. Weitere personelle Highlights sind erneut die beiden Youngsters Kurt und Startsev. Insgesamt sehen wir eine wohltuende Mannschaftsleistung.

Kurz zum Support. Auch am Fernseher (wo ein Teil der Redaktion das Spiel sehen musste) wirkt das unwahrscheinlich laut, wenn Gegengerade und Südkurve zusammen oder im Wechselgesang miteinander krakelen. Die Supportleistung ist über weite Strecken ohnehin mindestens solide. Wenn wir es hinbekommen sollten, diese tribünenübergreifenden Gesänge öfter zu starten, dürfte das bei den Gästen (Union sind durchaus auch laut an diesem Tag) mächtig Eindruck schinden und dem Team vielleicht grade in schweren Spielphasen ein wenig zu helfen. Könnte man nicht mal darüber nachdenken, sowas zu institutionalisieren?

2014-10-04 12.58.13

Ruhe in Frieden, OZ.

Was noch so abseits des Platzes geschieht: Es war im Vorfeld abzusehen, dass der Tod von OZ sich in Choreos und Co. niederschlagen würde. Und so wird die Südkurve kurz vor Anpfiff zu einem bunten Meer aus Luftballons, Smileys, Tags und Spruchbändern, die in wahrhaft anarchischer Art und Weise den stadtbekannten Sprayer würdigen.

Und es bleibt nicht bei der altbekannten USP-OZ-Connection! Nach dem Spiel ist es sogar die Mannschaft, die ein Foto mit „R.I.P OZ“-Transpi veröffentlicht. Wahnsinn. Schon zum Abpfiff fällt uns mit Freude auf, dass die Jungs wie eine echte Einheit wirken, als sie freudetrunken zum Geklatsche der Ränge einander anpogen. Das ist wirklich schön zu sehen und macht wirklich Hoffnung für die Zukunft.


Weniger schön sind manche Reaktionen in sozialen Netzwerken zum OZ-Bild des Teams. Tut euch das bitte nicht an, liebe LeserInnen. Kartoffelalarm! Außerdem kommt uns nach Abpfiff übers Netz zu Ohren, dass es ganz schön Ärger mit Stadionverbotlern der Unioner gegeben haben soll, weswegen sich deren Ultras noch während des Spiels unter unschönen Umständen aus dem Stadion zurückgezogen hätten. Hierzu möchten wir nichts sagen, weil wir eben nur durch Hörensagen darauf aufmerksam wurden.

Sodenn, wir hatten auf jeden Fall unser Vergnügen mit diesem Spieltag. Besonders schön, wenn man Gäste zu so einem Spiel mitnimmt, die sonst noch nie das Millerntor von innen gesehen haben. Das war ein Einstand nach Maß – die verhaften wir sicher noch mal wieder.
Nun ist erst mal Länderspielpause, während der Boller in den verdienten Ruhestand geschickt wird. Eine Menge alter Nasen gibt es dann auf dem heiligen Rasen zu sehen. Wir sind gespannt!