Sep 242014
 

oder

Yaaaay!

Liebe braunweißen Leidengenossinnen und -genossen,
das hat doch mal wieder richtig, richtig gutgetan. Ohne große Schnörkel schickt der FCSP die Braunschweiger Löwen punktlos nach Hause und kriecht vorerst wieder aus der Abstiegszone. Einige Spezialitäten können wir an diesem Spiel ausmachen, auch wenn uns ein Vergleich zur vorherigen Leistung in Aue fehlt. Der Wille zählt. Der Wille, so ein Spiel nicht aus der Hand zu geben und bis zum Schluss zu ackern. Schön ist anders, aber das Ergebnis gibt doch recht.

Bemerkenswert dabei ist sicherlich die Aufstellung, die Meggie/Schulle – Ersterer noch einmal strafversetzt auf der Haupttribüne – für diesen unsäglichen Dienstagnachmittag benannt haben. Wie der geschätzte Groeni konstatiert, tritt der FCSP ein bisschen als U23 auf. Das macht nicht nur insofern Mut, weil wir dort noch sehr fähige Reserven haben; sondern auch, weil es womöglich eine rosige Zukunft verspricht. Über die Leistungen der braun-weißen Nachwuchsarbeit wurden ja oft lobende Worte gesprochen – wenn nun auch noch die Durchlässigkeit zunimmt, kann da vielleicht wieder eine Heldengeneration heranwachsen.

Okan Kurt: Teufelskerl! Klar ist ein Hamburger Jung, der auch schon früh als Fan zum FC ging, hoch motiviert, wenn er dann das erste Mal auf dem heiligen Reisen auflaufen darf. Aber abgesehen von einigen hektischen Momenten, die eben dieser (Über-)Motivation geschuldet sind, präsentiert er gegen Braunschweig kaum Schwächen. Für Andrej Startsev auf der rechten Seite gilt das nicht weniger. Ein kluger Zug, so kann man wohl die Nominierung der beiden beschreiben. Das mit der Not und der Tugend habt ihr ja oben gelesen.

Wir dürfen natürlich auch mit Lasse Sobiech sehr zufrieden sein. Der ehemalige erfolgreiche hsv-Manipulator sichert mit seinem zweiten Saisontreffer – bei fünf Spielen keine schlechte Quote für einen Innenverteidiger – den Sieg und ackert auch hinten bislang ohne kapitalen Bock. Wir wünschen uns sehr, dass er noch ein Weilchen bei uns bleibt!

Das Spiel an sich haben wir bereits kurz mit „hoch spielen, flach gewinnen“ umrissen. Da wäre sicherlich etwas mehr Ballsicherheit und kontrolliertes Spiel wünschenswert. Zusätzlich werden an diesem Dienstag wieder viele, viele Szenen vom Schiedsrichtergespann verpfiffen. Es ist inzwischen auch aus einer weniger selbstmitleidigen Perspektive kaum mehr strittig, dass die Boys in Brown allzu häufig die vermeintlich Unparteiischen gegen sich haben oder zumindest auffällig oft unter schlechten Schiris leiden.

2014-09-23 19.24.15

Ein Kreis von Siegertypen und einer von zahnlosen Löwen

Neues (und altes) vom Suppocht: Während man auf der Gegengerade zu Beginn der zweiten Halbzeit eine Stecknadel fallen hören kann, geht es zum Grande Finale wieder zackig nach vorn. Man mag ja von „Dauer-Lalala“ halten, was man möchte: Aber dass es sich in den vergangenen Heimspielen zum guten Ton entwickelt, etwa die letzten zehn Minuten lang „Heeey, FC Sankt Pauli, wir woll’n dich siegen seh’n…“ bis zum Schlusspfiff zu zelebrieren, dafür ist „mächtig“ gar kein Ausdruck. Definitiv gibt so ein Moment, wo immer wieder das ganze verdammte Stadion laut und energisch wird, auch der Mannschaft einen starken Schub. In diesen Augenblicken spüren wir wieder eine viel beschworene Einheit von Fans und Spielern.

Und dann war da ja noch etwas Politik im Stadion. In der Halbzeitpause gibt es auf der Süd Spruchbänder gegen Cattiva Brunsviga mit einem sehr deutlichen Statement: „Cattivisten – Dummbeutel – Faschisten. Auf’s Maul!!“ Ernsthafte Reaktionen aus der Braunschweiger Kurve waren für uns nicht erkennbar.
Dass es gewisse Tendenzen in unserer Fanszene gibt, für die die Prämisse „Wir schlagen höchstens zurück“ an Aktualität verloren hat, war in der jüngeren Vergangenheit verschiedenen Postillen zu entnehmen. Weiß jemand, ob es da rund um das Spiel am Dienstag noch zu Reibereien kam?

Wie dem auch sei. Wir freuen uns über drei Punkte, wir freuen uns über einen beherzten, wenn auch nicht gerade filigranen Auftritt. Und wir freuen uns über Tschauner, der mal wieder die Null halten durfte. Auch wenn er jetzt erneut in einer der denkbar hässlichsten Trikot-Kombinationen (gelb/weiß) auflaufen wird.

Sep 182014
 

Liebe Fanszene,

wir wenden uns diesmal in einer sehr wichtigen Angelegenheit an euch.
Heute ist im Internet wieder ein Bild eines Writings aufgetaucht, welches die Ultragruppen des HSV in einer sexistischen und homophoben Art diffamiert. (Link führt zur Abbildung des Writings)

Selbst wenn ihr die Prämisse nicht akzeptiert, dass dieses aus dem Umfeld des FCSP stammt (was ja durchaus möglich ist), kann nicht geleugnet werden, dass es immer wieder mal zu diskriminierenden Kommentaren, Ausrufen am Millerntor oder eben auch solchen Beleidigungen kommt.
Solche Aktionen und Äußerungen stehen im krassen Gegensatz zu einem gemeinsamem politischen Wertekonsens im Umfeld des FC Sankt Pauli, der jede Form von Rassismus, Antisemitismus, Sexismus,
Homophobie, Transphobie, Antiziganismus, Ableismus und alle andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit konsequent ausschließt.

Natürlich ist es uns bewusst, dass genannte Formen der Diskriminierung ein gesamtgesellschaftliches Problem sind. Vom rechten Rand über die bürgerliche Mitte bis weit hinein in alternative und linke Subkulturen bestehen diskriminierende und menschenverachtende Klischees und Bilder, die es zu dekonstruieren und bekämpfen gilt.

Selbst wenn wir in unseren Strukturen vergleichsweise viele engagierte Menschen haben, die dieses auch tun, ist jede einzelne verdammte Äußerung mit diskriminierendem Inhalt eine zu viel. Wir fordern alle Fans und Mitglieder der Fanszene auf, sich solchen Betätigungen kompromisslos und noch konsequenter entgegenzustellen, immer, egal ob am Millerntor oder sonst wo. Nur wenn wir alle darauf achten, dass solchem Gedankengut kein Raum geboten wird, können wir effektiv verhindern, dass Menschen sich aufgrund irgendwelcher Eigenschaften oder Vorlieben in unseren Zusammenhängen wegen ein paar Idioten unwohl oder sogar unerwünscht fühlen müssen.

Sollten also beispielsweise die Urheber oben benannten Writings, aber auch alle anderen Arschlöcher, dieses hier lesen, wovon wir mal nicht ausgehen, denn allzu sehr scheinen sie sich ja nicht mit der Fanszene auseinandergesetzt zu haben, möchten wir Euch jetzt raten, diese Scheiße mal ganz grundlegend zu reflektieren oder damit anfangen, Abstand zu gewinnen. Ihr seid hier nicht willkommen! Alle anderen sind es sehr wohl.

Sep 152014
 

oder

Die Wut steht uns gut.

Bums. Das war also Meggies erstes Pflichtspiel als Cheftrainer. Das Ergebnis lässt zu wünschen übrig, und dennoch können wir ein bisschen Signalwirkung ausmachen. Es ist freilich noch zu früh, um wirklich Wegweisendes auszumachen. Und definitiv bleiben noch einige dicke Baustellen, die in anderthalb Wochen einfach nicht abzuarbeiten waren.

Los geht es für uns am Sonnabend mit dem ersten Heimspiel der ersten Handball-Herren in der pickepackevollen Halle an der Budapester Straße. Einen ganz komischen Beigeschmack bekommt es, da, wie viele wissen, einer nicht mehr zuschauen kann, der so oft mit Handballsachverstand dabei war. An dieser Stelle noch einmal: Michel, wir vermissen dich und werden dich nie vergessen.

Gegen den TSV Ellerbek müssen sich die Braunweißen in einem hitzigen Spiel am Ende doch knapp geschlagen geben, obwohl es lange Zeit nach einer deutlicheren Heimpleite aussah. Die Mannschaft muss sich sicherlich noch finden. Wenn kleinere Probleme wie eine zu passive Verteidigung oder ein teilweise sehr harmloser Angriff behoben werden können, wird das Rückspiel garantiert anders ausgehen. Spaß machte es dennoch in jedem Fall.

Die Nacht war kurz und das Heimspiel der Fußballgötter donnert mit unerbittlicher Wucht in den Sonntag hinein. So denn, denken wir uns, und sind guter Dinge: Man hörte ja schon Gutes von der Leistung im Testspiel gegen Bayer, sodass die Boys in Brown doch heute mal ganz gepflegt die Löwen zähmen könnten… oder?

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Unvergessen

So weit soll es nicht kommen. Zunächst geht es noch einmal richtig an die Nieren, als die Südkurve eine Gedenk-Choreo abhält und Wulff per Durchsage auf das tragische Ableben von Michel und die darauf aufbauende Spendenaktion der VIII. Damen aufmerksam macht. Eine spontane Schweigeminute wird nur von einigen ätzenden Sechzigern unterbrochen, die ihre Fresse nicht halten können. Dennoch, wir sind überwältigt. In solchen Momenten wird einem erst mal wieder bewusst, wie zerbrechlich unser Dasein ist. Puh. Der Wunsch, dass Michel von irgendwoher auf uns heruntersehen konnte, dürfte vielen in den Sinn kommen.

Ein großes Kompliment sei noch denen gemacht, die sich dazu entschieden haben, Marcus Wiebuschs „Der Tag wir kommen“ in voller Länge auf der Leinwand zu zeigen. Der Song und das Video sind großartig geworden, auf Youtube hat es nach ungefähr einer Woche eine halbe Millionen Klicks. Das weckt die Hoffnung, dass es einen wirklichen Diskurs über Diskriminierung in den Stadien geben wird und keine bloßen „Plattitüden gegen rechts“, wie Spiegel Online letzte Woche eine antirassistische Ausstellung des DFB betitelte. Notwendig wäre dieser zweifellos.

Dann ist da ja auch noch Fußball: Zwar juckelt die gravierend durcheinandergewirbelte Mannschaft in einer Weise über den Platz, die ein paar gute Ansätze erkennen lässt. Vor allem bekamen wir vergleichsweise viele Strafraumszenen zu sehen. Doch dann gibt es verschiedene Faktoren, die das wieder kaputt machen. Ein Schiedsrichtergespann aus der Vorhölle wäre einer davon, aber besser fasse man sich an die eigene Nase und schiebe die Schuld nicht von sich. Außerdem hätte der uns gut und gern noch einen Handelfmeter einschenken können. Was da jetzt wirklich fehlt, das haben wir gar nicht so konkret auf dem Schirm. Muss die Zeit zeigen.

Highlight: Eine mindestens in der zweiten Halbzeit ordentliche Support-Leistung bei uns auf der Gegengerade wurde gewürzt mit gepflegter Pöbelei in Richtung der (Un-)Parteiischen und der Schauspielertruppe aus Bavaria. Da wurde geschimpft, wie wir es lange nicht erlebt haben. Das dachte sich auch unser verehrter Chef-Rohrspatz, der in seinem Heim-Debüt direkt mal auf die Tribüne musste. Bombe, riesig, Respekt, Meggie! Muss man erst mal schaffen.

Das soll auch gar nicht als Kritik verstanden werden, genau dieses Feuer brauchen wir. Es ist der Kontrast zur streckenweise scheintoten späten Vrabec-Ära. Wenn ein Trainer mit so viel Herzblut und Begeisterung dabei ist, dass er sich mehrmals bis weit hinauf aufs Spielfeld bewegt, dann macht das Hoffnung, dass diese Leidenschaft sich auf die Spieler überträgt und wir am Millerntor wieder emotionalen, kämpferischen Fußball zu sehen bekommen.

Hoffen wir also, dass sich dieser wütende Geist über die weiteren Spiele fortsetzt und dann die Saat des Zorns ein paar fette Früchte trägt. Wäre ja gelacht, wenn der FCSP weiterhin da unten im Tabellenkeller verschimmeln müsste. Das überlassen wir eine Liga höher lieber den St. Ellingern.