Aug 232014
 

oder

Kann das so weitergehen?

Liebe Menschen,

ein Spiel wie das gestrige ist nicht gut für das innere Gleichgewicht. Nach Abpfiff möchte man eine Stunde lang „FUCK YEAH!“ in den verregneten Hamburger Nachthimmel schreien und wird dabei immer wieder unterbrochen von dem Gedanken: „Was haben wir da eigentlich für eine Scheiße zusammengespielt?“ Andauerndes Schwanken zwischen „Einfach mal glücklich sein“ und der geballten Faust in Richtung einer Mannschaft, die irgendwie nicht gern Fußball zu spielen scheint.

Freitagsspiele. Auch die sind wieder so ein zweischneidiges Schwert. Arbeitsbedingte Hetze bis zum Anpfiff auf der einen, (im Idealfall) ausgelassene Stimmung nach hinten hinaus auf der anderen Seite. Mit ein paar unverhofften Gästen weit unten im Block C gibt es an diesem Tag mal einen Perspektivwechsel, der dieses verkrampfte Spiel allerdings auch nicht schöner macht. Das frühe Tor könnte eigentlich Balsam für die Seele sein. Haha, liebe Leser, den Konjunktiv bemerkt ihr selbst.

Das Fußballspielen kurz nach einer eigenen Bude so dermaßen einzustellen und derartig konfus aufzutreten, das können wir uns auch nicht mehr mit dem frühen Zeitpunkt im Saisonverlauf erklären. Es hat schließlich bemerkenswert wenig Ab- und Zugänge in der Mannschaft gegeben, sodass eigentlich ein echtes Team existieren könnte. Ein Spiel gegen den Trainer sehen wir aber auch nicht. Zu solchen Analysen und Urteilen fehlt uns auch das fachliche Verständnis, da sind wir mal ehrlich.

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Es raucht zum Anpfiff ein bisschen hübsch auf der Süd. Foto © Leonie Mainx

Immerhin, man bleibt irgendwie im Spiel, auch als der Ausgleich schon droht, das Spiel kippen zu lassen. Die Sandhäuser spielen den FCSP in manchen Phasen gewaltig an die Wand, aber die Wand steht und trägt die Nummer 13. Oh Tschauni, was wäre das Ding ohne dich in die Büx gegangen! Ist es aber nicht. Und so kommt, wie es eben gelegentlich kommen muss: Ohne weiteres Gegentor geht es in die Schlussphase, die Ränge drehen noch mal richtig auf, dass es eine Ohrenweide ist, und in einem Moment der Verwirrung in der Nachspielzeit nimmt sich Sobiech ein Herz und kriegt die Kugel irgendwie über die Linie. Fett.

Nun macht die Euphorie nach dem Abpfiff doch allzu schnell vergessen, was sich da für Abgründe im Spiel des FC St. Pauli auftun. Müsste aus dem bisher geschriebenen schon klar geworden sein. Klar ist uns auch: Wäre das Siegtor nicht noch gefallen, hätte es irgendwo im Stadion wieder Pfiffe gegeben. Doch mit in einen Blog-Artikel geklatschten Appellen an die Mannschaft oder an die Fans wurden bislang noch wenig Spiele gewonnen. Apropos Klatschen: Schön, dass die Jungs nun auch mal zu Hause an den Zaun kommen. Ein Schulterschluss zwischen Mannschaft und Fans ist immer ein gutes Zeichen, egal ob mit Rücken- oder mit Gegenwind.

Aug 172014
 

oder

Kommt jetzt die Rokal-Runde?

Ladies & Gentlemen,

wir sind tatsächlich eine Runde weiter im DFB-Pokal – nicht zu fassen! Man kann nun nicht sagen, dass das eine knappe Kiste gewesen wäre. Ob das 3:1 gegen einen Oberligisten dem eigentlichen Leistungsgefälle zwischen den Spielklassen entspricht, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Nun gut, einfach mal glücklich sein.

Der Verfasser dieser Zeilen macht sich mit einem der Fanladenbusse gegen 9 Uhr auf den Weg in die brandenburgische Provinz. Mit null Erwartungen im Hinterkopf können wir eigentlich nur gewinnen, so der Gedanke. Wir fahren durch einige heftige Regenschauer, was angesichts des kaum überdachten Stadions in Rathenow und unzureichender Regenbekleidung im Gepäck wenig Gutes erwarten lässt. Doch der Donnergott soll später ein wenig Nachsicht mit uns haben. Er kann sich allerdings nicht entscheiden, ob wir lieber Lungenentzündung oder Sonnenbrand bekommen sollen.

Es staut sich ganz gut auf der A24, aber da müssen wir irgendwann sowieso runter, um die Abzweigung ins Havel(niemands)land zu nehmen. Ein Hoch auf unseren Busfahrer in Bus 2, der das System Standstreifen großzügig auslegt und uns damit eine Menge Zeit erspart. Beim Weg über die Landstraßen – kennt ihr eigentlich „Kyritz an der Knatter“ oder Herzsprung“? – machen die vielen NPD-Plakate Lust auf Vandalismus. Doch die Zeit haben wir nicht.

Von Rathenow selbst sehen wir kaum etwas. Es geht direkt zum Stadion Vogelgesang, das in einem abgelegenen Naturpark liegt. Beschaulich ist es mit seinen knapp 5.000 Plätzen, von denen heute rund die Hälfte von Sankt Paulianern eingenommen werden. Viele davon sind aus Berlin und Umgebung gekommen. Der Faktor „bekannte Nasen“ ist gar nicht mal so hoch, wie wir vermutet hätten. Eine kleine, unnötige Provokation gegenüber den spärlich, aber wie so oft zu martialisch auftretenden Polizisten bleibt die einzige Reiberei, von der wir etwas mitbekommen. Gelegentlich hört man noch hie und da einen Böller.

Was schon deutlich vor dem Anpfiff auffällt: Die Rathenower haben den Mund zu voll genommen, was die Ankündigung der Bierversorgung betrifft. Im Ernst: Zwei Stände für mehr als 2.000 durstige Kehlen? „Die trinkfreudigen Hamburger Fans werden keinen Grund zur Beschwerde haben“, hieß es im Vorfeld. Nix da. Manche von uns harren fast eine ganze Halbzeit geduldig in der Schlange, um etwas für die Kehle zu besorgen. Die Toilettensituation ist ähnlich bescheiden, man(n) behilft sich mit dem Zaun als Alternativörtchen.

Ein Provinzclub kann wohl schlecht vorbereitet sein, die Logistik ist für Freizeitkicker und deren Anhang sicherlich eine Herausforderung und auch ein Risiko. Aber dann bitte nicht solche großen Töne spucken. Wir sind nun keine Experten auf dem Gebiet, aber zwei Stände mehr, vier Personen mehr, und die Kasse klingelt doch wie verrückt. Sehr schade, damit haben die Rathenower eine große Chance vertan und Sympathien verspielt.

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Schräges Wetter in Rathenow.

Kommen wir zum Spiel: Noch kurz vorher lässt ein letzter kräftiger Schauer die Zuschauer unter die wenigen Dächer flüchten, doch zum Anpfiff ist es wieder nahezu trocken. Das Geschehen auf dem Rasen ist ganz ansehnlich. Schnell verbeißen sich die Schwarz-Türkisen – ja, wir sprechen vom FCSP – in der gegnerischen Hälfte und haben nicht nur optische (höhö) Vorteile. Nach zweimal Aluminium in kürzester Zeit scheppert es das erste Mal, bald das zweite Mal und nach der Halbzeit dann auch fix das dritte Mal. Nöthe macht ein bemerkenswertes Spiel und auch Budimir darf zum ersten Mal als Sankt Paulianer jubeln. Leute wie Schachter braucht man ja nicht jedes Mal hervorzuheben.

Von Rathenow kommt wenig, aber die Fünftligisten verkaufen sich auch nicht unter Wert. Ein Freistoß wird mal gefährlich, kurz vor Schluss landet ein Sonntagsschuss der Havelländer in den Maschen, sodass Tschauni nächste Woche wieder als Aquaman auflaufen kann. Wie gesagt, ein krasses Leistungsgefälle zwischen beiden Teams sehen wir nicht. Es hätte auch ein Drittligist sein können beziehungsweise unsere Jungs ein Regionalligist. Aber das ist im Rahmen unserer Pokalhistorie bekanntlich schon Jammern auf sehr hohem Niveau.

Kurz vor Abpfiff scheinen sich die Geister des Himmels wieder einen Spaß zu erlauben und fahren finstere Wolken auf. Es bleibt allerdings bei einigen wenigen Tropfen und auch eine nasse Verlängerung sparen wir uns ja zum Glück. Die Pokalhelden kommen zum Abklatschen an den Zaun, wir machen uns bald darauf auf die Heimreise durch eine malerische, spätsommerliche Landschaft. Seien wir mal gespannt, wo uns die nächste Runde hinführt oder ob wir das erste Mal seit sieben Jahren wieder ein DFB-Pokal-Heimspiel erleben werden.

Aug 032014
 

oder

Wenn Bahn Achter spielt, ist dann Achterbahn?

Ja ja, no jokes with names. Wir wissen es eigentlich besser. Doch so ganz kann man nicht aus seiner Haut.

Egal, Saisonauftakt 2014/2015, wie so oft gegen Ingolstadt. Nach einer eher mauen Vorstellung gegen Celtic am Wochenende davor – Testspiele sind ja auch irgendwie zum Abgewöhnen, selbst bei so einem Gegner – sind die Hoffnungen groß, dass diese Mannschaft jetzt ordentlich was reißt. Unsere Wenigkeit erreicht relativ kurzfristig die heiligen Stufen, ein Stau machte zuvor die Rückkehr aus dem Urlaub zur Geduldsprobe.

Was gibt es Großes zu sagen zu diesem Spiel(tag)? Wer umwälzende Veränderung erwartet hat, wird enttäuscht. Irgendwie fühlt sich das tatsächlich an wie der 35. Spieltag der Vorsaison. Einige Dinge sind natürlich nicht schlecht daran; nehmen wir exemplarisch Schachters unermüdlichen Willen dorthin zu gehen, wo es wehtut. Anderes, wie die Angst vor dem Abschluss, nervt nach wie vor. Manchmal denkt man, die haben im Trainingslager Sackhüpfen gespielt. Und beim Gegentor sieht das echt viel zu einfach aus. Der vielgefeierte Ralle Gunesch bleibt am Spielfeldrand sitzen und jubelt nicht mit seinen Schanzerkollegen.

Die Neuzugänge machen indes keinen schlechten Eindruck auf uns. Klar, beim ersten Heimspiel der Saison solltest du als Grünschnabel besonders motiviert sein. Das kann man überwiegend schon erkennen an diesem Tag. Auch Kalla ist dankbar für das Vertrauen und läuft sich einen Wolf, wenngleich der Spielaufbau nach wie vor nicht seine Stärke ist. Schade finden wir die Entscheidung, Thorandt auf der Bank zu lassen. Wir halten die #16 für einen prima Kerl, auch wenn er gern im Hintergrund bleibt. Aber da spielen wir uns nicht als besserer Trainer auf.

Es herrscht der Sommerfußball an diesem heißen Tag, wobei durchaus der Wille zum Laufen da ist. Aber unkonzentriert gehen Bälle verloren und es wird mitunter unbeholfen gestochert, sodass das da auf dem Rasen kein Augenschmaus entsteht. Das 1:1 als Endergebnis ist letztlich voll in Ordnung, hätte auch andersherum ausgehen können.

2014-08-02 15.30.08

Auf der Südkurve bitte wenden

Supportmäßig spürt man die Hitze ebenfalls. Die Wende-Choreo auf der Süd ist sehr schick und mit durchaus feinem Überraschungsmoment. Aber unter Hamburgs heißer Sonne verbringen das Spiel über weite Teile des Stadions die Zeit lieber mit Trinken als mit Klatschen und Singen. Kann ja auch an den fan-unfreundlichen Anstoßzeiten liegen. Ironie Ende. Feine Sache übrigens der Feuerwehr, die in der Halbzeit für Abkühlung auf den sonnenbeschienenen Rängen sorgt. Leider bekommt man oben auf der Gegengerade fast nix davon ab.

In der warmen Nachmittagssonne gibt es im Anschluss noch das eine oder andere Bierchen und fröhliches Wiedersehen mit all den Nasen, die die Sommerpause über in ihren Löchern geblieben waren. Hut ab jetzt schon vor den Harten, die nach Aalen gurken. Und ganz nebenbei ein „Welcome to the hell of Sankt Pauli“ an Ante Budimir, der laut Lokomotiva Zagreb von ebenjenem krotatischen Club ans Millerntor wechselt. Wir sind gespannt!