Apr 272014
 

oder

Scheißdreckkackarschmist!

Liebe Leidensgenossen,

Wut! Hass! Ärger! Trauer! Kummer! Auch wenn man es uns beiden während des Spieltags respektive das Nachspiel über nicht anmerkte – wir sind richtig gallig. Man kann schon mal gegen ein Team aus dem unteren Mittelfeld verlieren. Unser FCSP, der nicht zuletzt in dieser Saison immer für negative Überraschungen sportlicher Natur gut ist, kriegt das auch mit einem gepflegten 0:3 zu Hause hin. So weit, so schlecht. Aufstieg ist eh durch, das war so gesehen ziemlich Banane.

Aber.

Da ist dieser Mann. Bald 35 Jahre alt, mehr als ein Drittel seines Lebens hielt er wie kein Zweiter seine Knochen für den FC hin. Wir schreiben hier noch keine Abschiedsrede auf die große #17, denn zumindest einmal soll Fabian Boll noch auflaufen und das Millerntor zum Beben bringen. Nur – und das ist der Grund für unser Grollen – das wird wohl nicht mehr in einem Punktspiel sein.

© Stefan Groenveld

© Stefan Groenveld

Ein Abschiedsspiel soll es im Oktober geben. Ja, das ist eine Ehre, die nicht jedem Spieler zuteil wird. Aber sie ersetzt NIEMALS die Atmosphäre eines Ligaspiels. Das kann uns keiner erzählen. Und so macht es uns fassungslos, dass unsere Vereinsverantwortlichen Fabian Boll die Chance verwehren, am heutigen Spiel gegen den VfR Aalen aktiv teilzunehmen. Wenn es sich bewahrheitet, was heute gemunkelt wurde – dass Boller nämlich auch gegen Aue am letzten Spieltag nicht zu einem Heimspieleinsatz käme –, kann man darüber nur noch fassungslos sein.

Hallo FC St. Pauli, merkt ihr noch was? Unsere #17 hat nicht nur die Mannschaft von der Regionalliga in die Bundesliga geführt, ist nicht allein einer der Pokal-Helden von 2005/2006 geworden, hat nicht bloß einen Hammer im Heim-Derby 2010 erzielt; Fabian Boll ist vielleicht mehr Sankt Pauli als der olle Totenkopf. Müssen wir über diese Figur ernsthaft noch etwas erzählen? Glauben wir nicht.Und so soll Boller es verwehrt bleiben, noch einmal unter Wettbewerbsbedingungen für die Braunweißen aufzulaufen. Das, wo er wieder einigermaßen fit ist, wo es in der Zweiten Bundesliga für uns weder etwas zu gewinnen noch zu verlieren gibt und wo wenigstens 15 verdammte Minuten auch jeder Buchtmann oder Halstenberg gewiss Platz machen würde. Das ist, gelinde gesagt, nicht vermittelbar. Um es etwas deutlicher zu sagen: Haben die sportlich Verantwortlichen in unserem Verein etwa ein Kamillenbad gesoffen?

Erklärungsversuche für die beschämende Strategie laufen völlig ins Leere. Ob das irgendwelche bescheuerten Eitelkeiten zwischen Platzhirschen sein mögen oder eine verkackte „Wir wissen schon, was wir tun“-Haltung – das können wir nicht sagen. Für uns ist klar: Mit Boll auf dem Platz wäre heute auch nicht mehr schief gelaufen. Wer weiß, was sogar zu reißen gewesen wäre, wenn eine charismatische Gestalt wie Herr Oberkommissar noch einmal beim Stand von 0:2 auf den heiligen Rasen gelaufen wäre.

Was positiv bleibt: Fast nichts. Coole Socken auf der Gegengerade haben noch fix eine große „17“-Fahne gebastelt, es waren auffällig viele entsprechend beflockte Trikots unterwegs und jeder aufgerufene Name wurde einfach überbollt. Das nützt dem lieben Fabian herzlich wenig, der uns einfach nur leid tut. So mit einem verdienten Veteranen umzugehen, ist würdelos. Halbgare Mist-Erklärungen in der PK können RV und RA auch gern in den Wind pusten.

Aber nun genug geflucht.

Apr 132014
 

oder

Machen wir doch mal wieder ein bisschen Drama

Liebe Menschen, die auf Bildschirme starren,

fast könnte hier ein Text stehen, der dem Spieltagsbericht über das Fürth-Spiel gleicht. Es hätte nicht viel gefehlt und wir wären zu ähnlichen Schlüssen gekommen wie nach diesem überraschend grandiosen 2:2 vor zwei Wochen. Doch dann war da das „nötige“ Quäntchen Pech. Und schließlich wollen wir uns die Sache auch nicht so einfach machen.

97 Minuten sind lang. Fußball ist oft so ungerecht. Der Aufstieg 2014 ist durch für den FC St. Pauli. Machen wir uns nichts vor. Wir hätten uns gewiss nicht geärgert, wenn es dieses Jahr geklappt hätte. Scheiß auf „Wir sind noch nicht so weit“, nix da mit „Wir wollen lieber mehr Siege als Niederlagen sehen“. Einmal hoch, das eine oder andere Spiel für die Ewigkeit und dann halt wieder runter. Das ist das Salz in der Suppe für Zweitligateams wie unseres. Und wenn daraus irgendwann mal eine brauchbare, konstante Erstligamannschaft wird, wer hätte ernsthaft etwas dagegen?

Naja, darum brauchen wir uns jetzt erst mal keine Gedanken mehr zu machen. Zum Aufsteigen braucht es – selbst in dieser komischen Zweiten Liga mit dem Schneckenrennen an der Spitze – eine Truppe, die öfter mal konzentriert und abgewichst spielt. Läuft derzeit nicht mit uns. Kann aber werden.

Denn: Eine Menge Dinge klappen, wenn die Jungs wollen. Und wenn das Millerntor will. Das ist tatsächlich ungefähr die gleiche Erkenntnis wie nach dem Spiel gegen Fürth. Die Qualitäten des FCSP liegen nun einmal im Kampf, das gilt auf dem Rasen wie auf den Rängen. Das Bitterste ist, wenn trotz einer verdammt guten Moral am Ende nichts Zählbares dabei herausspringt. Es gibt so Tage wie an diesem Freitag, da möchte man die Jungs einfach nur in den Arm nehmen und Trost spenden. Die leiden nämlich mit Sicherheit am meisten unter dem Ergebnis.

Lautern1

Unter der Blockfahne…

Heben wir mal hervor, was wirklich gut lief gegen Lautern:
Die Gegengerade hat wieder eine Blockfahne. So skeptisch wir selbst im Vorfeld auch waren, war die Präzision der Arbeit recht beeindruckend. Über das wenig einfallsreiche Black-Flag-Fanladen-Shirt-Logo kann man diskutieren und mehr Lärm, Fahnen und Konfetti danach wünschen wir uns auch für das nächste Mal.
Bemerkenswert ist jedoch, dass die Hände-in-den-Hosentaschen-Fraktion, von der leider viel zu viele auf der Gegengerade stehen, tatsächlich nicht zu blöd oder ignorant war, die Choreo sauber durchzuziehen. Dass selbst bei einer Menge von 3.000 Litern das Konfetti auf der vollen Breite nur ein Strohfeuer bleibt, ist schade. Aber wir finden, das sah schon ganz geil aus. Nachzusehen hier.

Nach dem zweiten Heimspiel in Folge mit diesem Effekt kann nun keiner mehr sagen, es gäbe keine Wechselwirkungen zwischen dem Einsatz auf dem Platz und dem Einsatz auf den Tribünen. Ein Roar kommt eben nicht bei einem Spiel wie gegen Ingolstadt auf. Doch das darf im Umkehrschluss NIEMALS bedeuten, dass sich die Hoschis auf den feinen Plätzen darauf ausruhen dürften, es wäre ja ein lahmer Kick. Dass haben wir alle auch selbst in der Hand – ihr versteht schon, was Wechselwirkung bedeutet!?

Wir glauben, die Mannschaft hat kapiert, dass sich eine körperlich anstrengende Investition in Form von „Arsch aufreißen“ innerhalb der ersten Viertelstunde rentiert. Indem auch die Faulpelze im Stadion aufgeweckt und zu dem einen oder anderen Gesang mitgerissen werden, bekommen die Spieler im Idealfall später eine Menge Kraft zurück. Mut zum Risiko ist in letzter Zeit oft der Schlüssel zum Erfolg gewesen. Verwalten können andere.

Lautern2

…und nach der Blockfahne.

Das führt uns zu unserem größten Kritikpunkt in Bezug auf diesen Abend: Boller fehlt. Ja, die Auswechslung von Tschauner (Gute Güte, der Junge sah echt übel aus) dürfte die Wechselplanung durcheinander gebracht haben. Respekt an dieser Stelle an Robin Himmelmann, der einen Riesenjob machte. Aber welch ein Jammer, dass #17 an diesem Abend kein Kurz-Comeback-kurz-vor-Schluss gegönnt wurde. Sämtliche Risiken wären wir einzugehen bereit gewesen. Wir verlieren uns da nicht in kontrafaktischer Geschichtsschreibung, aber wir hätten zu gern gesehen, was aus dem Millerntor wird, wenn Freitagabend unter Flutlicht knapp dreißigtausend Kehlen ein „BOLL“ erdonnern ließen, während noch eine gewisse Aussicht auf Aufstieg bestand… das wird es so nun nicht mehr geben.

Nun haben wir doch wieder viel zu viel gesabbelt. Hinter uns liegt eine schöne, tragische Niederlage. Wir wissen, warum wir dort stehen. Allmählich können wir uns auf die Nachbereitung der ganzen Saison konzentrieren, Dinge wie Buchbesprechungen angehen und eine aufregende Sommerpause mit einem gespannten Blick in die Zukunft auf uns zukommen lassen. Nächster Stopp für einen von uns ist Cottbus auswärts inklusive Kultur und Groundhopping in Polen.

Apr 072014
 

Liebe Leser,

gerne würden wir endlich mal wieder richtig meckern, aber momentan reiht sich ein Spieltagsbericht an den anderen. Irgendwie ist selbst uns das zu langweilig, aber vielleicht ist es auch nur die Ruhe vor einem neuen Sturm. Oder vielleicht ist man besser einfach mal zufrieden damit, dass der Verein und die Fanszene gerade keine offensichtlichen größeren Baustellen bieten.

Trotzdem hier nun ein kurzer Bericht von dem Auswärtsspiel in Sandhausen.

Während sich einerseits fünf Busse aus Hamburg auf den Weg machen, gibt es vereinzelte Reisegruppen, die per Bahn nach Sandhausen fahren. Auch der eine Teil von uns gehört zu letzteren. Das erste Mal eine Auswärtsfahrt per ICE 1. Klasse und dann das erste Mal nach Sandhausen? Nee, richtig, heute ist uns aufgefallen, da waren wir ja doch schon. Danke an den Ostblock, der den Beweis nochmal lieferte. Und wir wundern uns schon, warum so vieles bekannt vorkam.

Ein ausgiebiges Frühstück, kurzweiliges Quatschen und die ausführliche Suche nach der richtigen Schlafposition machen die Fahrt zu einer gefühlt sehr kurzen.
In Heidelberg entern wir dann einen regulären Bus, der uns zum Stadion bringen soll. Warum man Anfang April allerdings noch die Heizung auf Hochtouren laufen lassen muss, erschließt sich nicht.

Im Stadion gibt es dann mittelprächtigen Support, dessen Highlight schicker bunter Rauch bleibt. Schade, dass man immer noch in der eigenen Kurve mit Menschen zusammentrifft, die so wirklich keinerlei Verständnis für Pyrotechnik haben.
Dazu bekommen wir ein kurioses Spiel, bei dem zurecht am Ende statt der „Elf des Tages“ beim Kicker der „Schachten des Tages“ bleibt.
Genossen haben wir das falsch angeschlossene Fass am Bierstand, das für Vollbier statt Leichtbier sorgte.

Nach dem Spiel dann mit der Reisegruppe noch in Heidelberg gewesen. Ein wenig Sightseeing im Rahmen eines Auswärtsspiels hat echt was für sich. Dafür müsste man aber immer alternativ zu Bussen anreisen, was meistens zu teuer ist und irgendwie auch ruhiger. Wir sind ja sonst eher so für Radau.

Heidelberg

Nicht sonnig, aber einen Abstecher wert: Heidelberg

Der krönende Abschluss der Fahrt war eine kleine Geburtstagsfeier im Zug und dann gute Nacht.

Was wir noch loswerden wollen:

Beigeistert sind wir von unseren Freunden den Province Fanatics, für die Politik auch nicht nur auf dem T-Shirt stattfindet.

Wir freuen uns nächste Saison U-Need statt contro als Sicherheitsdienst begrüßen zu dürfen. Unsere Erfahrungen in den letzten Monaten waren doch reichlich unschön.

Und ein wenig Angst, ein wenig zitternde Vorfreude bereiten uns die Aussicht, dass die Relegation gegen die Vorstadt doch gar nicht mehr so unwahrscheinlich ist.

Das war’s von uns. Auf dass es mal wieder etwas mehr Bewegung gibt!