Mrz 182014
 

oder

die seltsame Geschichte aus Düsseldorf

Verehrte Leserschaft,

wir waren unterwegs am Niederrhein. Das erste Mal in einem dezidierten Supportblock-Bus, auch wenn es gegen Bielefeld schon fast dasselbe war. Es soll sich an diesem Tag eine schöne Fahrt ergeben, bei der Fortuna uns und nicht den Düsseln hold ist.

Noch vor 6 Uhr morgens geht’s los an diesem Sonntag. Vorher schlafen? Kann man, muss man aber nicht. Der Geigerzähler würde noch so ein weeenig Strahlung in dem einen oder anderen Gesicht messen, was sich dann bei manchem in Müdigkeit niederschlägt. Nach ereignisarmer Fahrt erreichen wir zügig die Metropole – oder auch nicht. Die „ESPRIT arena“ (Ist E-Sprit eigentlich so etwas wie eine E-Zigarette?) liegt ja nun nicht gerade im Stadtzentrum, sodass wir von der Schönheit Düsseldorfs rein gar nichts mitbekommen. Als Erstbesucher stellen wir fest: Hat einen Flughafen. Schon mal davon gehört.

DüDo 1

Das Schmuckstück. Etwas mehr Esprit, bitte.

Bemerkenswert finden wir, dass weder von Polizei noch von irgendwelchen Heim-Hoschis viel zu sehen ist; letztere kommen uns im Grunde gar nicht in die Quere. Offenbar nutzen die andere Eingänge in den (Achtung, Euphemismus!) schmucklosen Kasten zwischen Messegelände und Flughafen. Wir haben viel Platz zum Händeschütteln, Pferdeäpfel verzieren und noch ein Pils verzehren, bevor wir uns hinein begeben.

Jo, das kann man eine passable Ordner-Kultur nennen. Freundlich, unaufgeregt, so sollte es öfter sein. Wir nehmen noch einen Happen und anschließend unsere Stehplätze im nicht gerade überfüllten Gästeblock ein und freuen uns aufs Spiel. Das nämlich soll richtig Laune machen heute. Trotz krass vieler Wechsel auf zahlreichen Positionen machen die Boys in Brown bzw. White eine Menge richtig. Besonders gefallen die überwiegend gut stehende Innenverteidigung, die relativ zügigen Konter und vor allem der Einsatz, den die Mannschaft heute zeigt.

DüDo 2

Spektakulär ist anders.

Ratsche fehlt, aber da, wo der sonst immer rumwuselt, ist Schachten zur Stelle. Schachten, überall ist Schachten! Mindestens die gesamte linke Hälfte stakst der lange Kerl in einem zackigen Tempo umher und reißt sich den Allerwertesten auf. Sensationell. Da ist immer noch Luft nach oben bei vielen anderen unserer Spielern, die zu langsam beim Zurücklaufen sind. Aber wenn ein Leitwolf wie Sebastian Schachten einen guten Tag erwischt, dann reißt das mit.

Ungeil: mehrere Liegenbleiber und An-der-Eckfahne-Herumtreiber in den letzten zehn Minuten. Alter, das ist nur ein 1:0 zu diesem Zeitpunkt! Da kann sonst was für eine Scheiße passieren, wenn kein zweites Tor für uns fällt (das zum Glück tatsächlich noch fällt, doch selbst dann…). Wir sind mal ganz stark der Hoffnung, dass so ein Scheißverhalten keine taktische Anweisung ist, sondern eine blöde Profi-Marotte, die einige bei uns noch abzustellen haben. Das will echt keiner sehen. Die Pfiffe der Fortunen erklingen mit Recht.

Apropos Lautstärke: Auch hier bekleckern wir uns nicht mit Ruhm. Erst Mitte der zweiten Halbzeit zieht der Gästeblock etwas an, vorher ist das zu mau. Hätten die Leute von F95 nicht selbst Halskratzen, wäre da unserer Wahrnehmung nach nicht viel zu holen gewesen für uns. Und bequemes Fortsetzen eines langweiligen Fangesangs nach 1:0-Führung ist auch wenig erbaulich. Immerhin, zahlreiche Profis kommen nach dem Abpfiff an den Zaun und klatschen die Mitgereisten ab. Offenbar war der Block doch ein bisschen Unterstützung. Für besten Support sorgen auf jeden Fall unsere beiden Lampedusa-in-Hamburg-Jungs, die sich wie Bolle freuen und alles geben. Schön, dass der Supportblock mitzog und eine Soli-Beitrag leistete, sodass wir die zwei mitnehmen konnten.

DüDo 3

Revier markieren. Oder so.

Wir fahren alsbald zurück, die Rückfahrt ist ebenfalls ruhig und wir sind guter Dinge – auch wenn wir meist in Morpheus‘ Armen durch die Lande trudeln. Ab Bremen kommen wir wieder zu uns. Erschreckenderweise klagen mehrere Menschen auf der Fahrt später über krasse Gedächtnislücken und Übelkeit, die mit übermäßigem Alkoholgenuss gewiss nichts zu tun haben. Warum auch immer jemand so etwas tun sollte, aber mixte da wer im Stadion irgendeine Scheiße ins Altbier? Das beunruhigt uns ernsthaft. Wir bleiben am Ball, was die Angegelenheit betrifft.