Mrz 312014
 

Uff. Nun liegen sie hinter uns, die fußballreichen Tage der Englischen Woche. Zwei Punkte von neun möglichen ist die Ausbeute, das sind zu wenig. Aufstiegsambitionen dürften nun wirklich vom Tisch sein. Schade, aber wir hoffen mal, dass die Mannschaft im Sommer einen Reifeprozess erlebt und ihre Nervosität ablegt.

Der Reihe nach:

Ingolstadt. Das wohl schnarchigste Heimspiel der Saison
Niemand mag 0:0-Spiele. Es gibt zwar welche, da fehlen nur die Tore zu einem guten Fußballerlebnis, aber das trifft auf diesen Sonnabend ganz sicher nicht zu. Fehler über Fehler, kaum einer reißt sich den Arsch auf und Schnarch-Stimmung regiert auf den Rängen – dieser Tiefpunkt wird nur noch durch die Pfeifenden zum Abpfiff übertroffen. Bah, legt euch gehackt. Das hat echt nix bei uns zu suchen. Schade, dass man das immer wieder feststellen muss.
Schöner ist hingegen am Abend die Buchpräsentation von Pirates, Punks & Politics. Wir empfehlen noch einmal dringend, sich das Werk von Nick Davidson zuzulegen!

01 Ingolstadt

Ein Perspektivwechsel

Paderborn. Sankt Pauli schießt den Ball nie hängen (sic!)
Dienstagnachmittag. Wir fahren einfach mal raus nach Ostwestfalen. Hässlich ist es. Fast alles! Die Benteler-Arena von außen wie von innen, das alkfreie Bier, unser Spiel. 3:0 ist letztlich etwas zu hoch, aber auch nicht völlig unverdient. Der Paderborner haben nämlich ein Spielsystem, das uns komplett fehlt. Wir fangen jetzt nicht mit Konjunktiven an – Fakt ist, dass nach diesem Spiel klar sein muss, dass man so nicht aufsteigen wird.
Immerhin: Der neue Fangesang auf Tom Odells „Another Love“ macht sich gut. Passt auch prima so in Moll. Allerdings sind die vielen Zeilen gar nicht so einfach zu merken, was auch die Zwischenüberschrift erklärt. Inzwischen haben wir’s drauf.

02 Paderborn

Erhebe dich und lauf ganz weit weg.

Punkte entFürth, die Liebe erneuert
Und dann gibt es diese magischen Abende. Freitag geht es schon wieder los, ein letzter Strohhalm vielleicht? Scheinen die Jungs auf dem Rasen auch so zu sehen. Es wird gekämpft ohne Rücksicht auf Verluste, die gelben Karten wirbeln nur so durch die Luft. Zur Halbzeit denken wir, da gehen bestimmt keine 22 Mann wieder vom Feld. Naja, letztlich erwischt es nur Schulle, der auf die Tribüne muss.
In der zweiten Hälfte geht der Punk ab. Tor, Gegentor, Gegentor, Tor. Alle sind laut und rasten aus. Es bleibt beim mageren Unentschieden, aber an diesem Abend zeigt der FCSP, was geht, wenn der Wille da ist. Scheiß auf individuelle Defizite, wenn gerannt wird und jeder seine Knochen hinhält, dann ist das eine reine Wonne. Am Ende sieht man viele zufriedene Gesichter. Ein Besuch der ganzen Mannschaft in den Fanräumen nach dem Spiel ist ebenfalls ein gutes Zeichen. Danke dafür!

03 Fürth

Darum „Magischer FC“

Wie gesagt, man muss sich verabschieden von dem Traum, allzu bald wieder erstklassig zu spielen. Ist trotz der schwachen anderen Teams da oben in Liga 2 gerade nicht drin, weil unseren Spielern die Konstanz und die Konzentration fehlt. Wer weiß, was sich über den Sommer noch so entwickelt. Wir denken, dass so ein Spiel wie das gegen Fürth unseren Spielern zumindest etwas auf den Weg mitgibt. Und uns Hoschis auf den Rängen natürlich auch. Außerdem darf man noch davon träumen, dass da im Tabellenkeller der Ersten Bundesliga ein ganz anderes Saisonziel erfüllt wird.

Mrz 182014
 

oder

die seltsame Geschichte aus Düsseldorf

Verehrte Leserschaft,

wir waren unterwegs am Niederrhein. Das erste Mal in einem dezidierten Supportblock-Bus, auch wenn es gegen Bielefeld schon fast dasselbe war. Es soll sich an diesem Tag eine schöne Fahrt ergeben, bei der Fortuna uns und nicht den Düsseln hold ist.

Noch vor 6 Uhr morgens geht’s los an diesem Sonntag. Vorher schlafen? Kann man, muss man aber nicht. Der Geigerzähler würde noch so ein weeenig Strahlung in dem einen oder anderen Gesicht messen, was sich dann bei manchem in Müdigkeit niederschlägt. Nach ereignisarmer Fahrt erreichen wir zügig die Metropole – oder auch nicht. Die „ESPRIT arena“ (Ist E-Sprit eigentlich so etwas wie eine E-Zigarette?) liegt ja nun nicht gerade im Stadtzentrum, sodass wir von der Schönheit Düsseldorfs rein gar nichts mitbekommen. Als Erstbesucher stellen wir fest: Hat einen Flughafen. Schon mal davon gehört.

DüDo 1

Das Schmuckstück. Etwas mehr Esprit, bitte.

Bemerkenswert finden wir, dass weder von Polizei noch von irgendwelchen Heim-Hoschis viel zu sehen ist; letztere kommen uns im Grunde gar nicht in die Quere. Offenbar nutzen die andere Eingänge in den (Achtung, Euphemismus!) schmucklosen Kasten zwischen Messegelände und Flughafen. Wir haben viel Platz zum Händeschütteln, Pferdeäpfel verzieren und noch ein Pils verzehren, bevor wir uns hinein begeben.

Jo, das kann man eine passable Ordner-Kultur nennen. Freundlich, unaufgeregt, so sollte es öfter sein. Wir nehmen noch einen Happen und anschließend unsere Stehplätze im nicht gerade überfüllten Gästeblock ein und freuen uns aufs Spiel. Das nämlich soll richtig Laune machen heute. Trotz krass vieler Wechsel auf zahlreichen Positionen machen die Boys in Brown bzw. White eine Menge richtig. Besonders gefallen die überwiegend gut stehende Innenverteidigung, die relativ zügigen Konter und vor allem der Einsatz, den die Mannschaft heute zeigt.

DüDo 2

Spektakulär ist anders.

Ratsche fehlt, aber da, wo der sonst immer rumwuselt, ist Schachten zur Stelle. Schachten, überall ist Schachten! Mindestens die gesamte linke Hälfte stakst der lange Kerl in einem zackigen Tempo umher und reißt sich den Allerwertesten auf. Sensationell. Da ist immer noch Luft nach oben bei vielen anderen unserer Spielern, die zu langsam beim Zurücklaufen sind. Aber wenn ein Leitwolf wie Sebastian Schachten einen guten Tag erwischt, dann reißt das mit.

Ungeil: mehrere Liegenbleiber und An-der-Eckfahne-Herumtreiber in den letzten zehn Minuten. Alter, das ist nur ein 1:0 zu diesem Zeitpunkt! Da kann sonst was für eine Scheiße passieren, wenn kein zweites Tor für uns fällt (das zum Glück tatsächlich noch fällt, doch selbst dann…). Wir sind mal ganz stark der Hoffnung, dass so ein Scheißverhalten keine taktische Anweisung ist, sondern eine blöde Profi-Marotte, die einige bei uns noch abzustellen haben. Das will echt keiner sehen. Die Pfiffe der Fortunen erklingen mit Recht.

Apropos Lautstärke: Auch hier bekleckern wir uns nicht mit Ruhm. Erst Mitte der zweiten Halbzeit zieht der Gästeblock etwas an, vorher ist das zu mau. Hätten die Leute von F95 nicht selbst Halskratzen, wäre da unserer Wahrnehmung nach nicht viel zu holen gewesen für uns. Und bequemes Fortsetzen eines langweiligen Fangesangs nach 1:0-Führung ist auch wenig erbaulich. Immerhin, zahlreiche Profis kommen nach dem Abpfiff an den Zaun und klatschen die Mitgereisten ab. Offenbar war der Block doch ein bisschen Unterstützung. Für besten Support sorgen auf jeden Fall unsere beiden Lampedusa-in-Hamburg-Jungs, die sich wie Bolle freuen und alles geben. Schön, dass der Supportblock mitzog und eine Soli-Beitrag leistete, sodass wir die zwei mitnehmen konnten.

DüDo 3

Revier markieren. Oder so.

Wir fahren alsbald zurück, die Rückfahrt ist ebenfalls ruhig und wir sind guter Dinge – auch wenn wir meist in Morpheus‘ Armen durch die Lande trudeln. Ab Bremen kommen wir wieder zu uns. Erschreckenderweise klagen mehrere Menschen auf der Fahrt später über krasse Gedächtnislücken und Übelkeit, die mit übermäßigem Alkoholgenuss gewiss nichts zu tun haben. Warum auch immer jemand so etwas tun sollte, aber mixte da wer im Stadion irgendeine Scheiße ins Altbier? Das beunruhigt uns ernsthaft. Wir bleiben am Ball, was die Angegelenheit betrifft.

Mrz 112014
 

oder

anstelle eines Spielberichts

Gute Menschen,

wir glauben, uns allen ist mehr geholfen, hüllen wir über das Gekicke in Frankfurt den Mantel des Schweigens. Letztlich waren wir doch nicht selbst vor Ort, was zumindest hinsichtlich des Spielverlaufs nicht viel Kummer nach sich zieht. Ein bisschen Sonne hätten wir getankt. Hätte, hätte.

Aber wir möchten euch, unsere Leser, dennoch mit einem erfreulichen Ereignis des vergangenen Wochenendes beglücken. Die Rede ist vom Hallenfußball-Turnier der Handballabteilung des FC St. Pauli. Anlass – und Stargast – des Events war die Gruppe Lampedusa in Hamburg, die sich auf diese Weise noch einmal eindrucksvoll in die öffentliche Wahrnehmung spielte. Klar, die Halle an der Budapester Straße platzte nicht unbedingt aus allen Nähten. War ja auch unverschämt gutes Wetter draußen. Aber die Solidarität für die Refugees war spürbar und sicherlich auch zählbar.

In zwei Teams traten die Lampedusa-Jungs an, holten dabei souverän den Sieg sowie den vierten Platz. Doch das Fußballerische geriet einmal mehr zur Nebensache, denn viel zu schön war es, die noch immer in zermürbendem Abwarten lebenden Flüchtlinge fröhlich kicken, feiern und lachen zu sehen. Die vielen bekannten Gesichter schienen zumindest an diesem Tag (wieder) guter Dinge zu sein und zeigten, dass es noch immer weiter geht im Kampf um ein dauerhaftes Bleiberecht.

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So sehen Sieger aus.

Ja, es mag ruhiger geworden sein um Lampedusa in Hamburg. Allzu sehr rückte das Thema in letzter Zeit aus der medialen und öffentlichen Wahrnehmung heraus oder wurde durch die mitunter hässlichen Folgeerscheinungen des Protestes für die Gruppe überlagert. Doch die Männer und Frauen sind noch da. Und sie sind gekommen, um zu bleiben. Nach wie vor ist die Unterstützung für die Flüchtlinge aus den verschiedensten afrikanischen Ländern groß, wie auch schon eine Woche zuvor auf der Großdemonstration mit mehreren tausend Teilnehmern zu sehen war. Nein, Lampedusa in Hamburg lassen sich nicht kleinreden, lassen sich nicht von einem kaltherzigen Senat zerreiben. Der Kampf ist noch nicht zu Ende. Dafür ist gesorgt.

Mrz 062014
 

Schnuggis,

hell yeah. Der Bann ist gebrochen, Sankt Pauli kann zu Hause doch noch ’nen Dreier einsacken – auch wenn fast die ganze Faschingszeit der Glaube daran fehlte. Nee, souverän ist das nicht. Buchtis Abwesenheit und eine etwas unkoordiniert-überforderte Innenverteidigung lässt den Berlinern manchmal zu viel Platz. Vorne ärgern wir uns über ein offensives Mittelfeld, was zu selten in der Lage scheint, Verhoek zu bedienen. Der Junge kann zwar aus unmöglichen Bällen noch etwas machen, aber auch die muss er erst einmal bekommen.

Schiet druff! Wenig überzeugend zu spielen und doch irgendwie dreckig zu gewinnen, das macht besonders Spaß. Tore fallen ja doch gerade noch genug, und mit dem von Schachter zappelt auch noch ein echter Leckerbissen in den Maschen. Vor allem fallen auf der Gegenseite weniger, weswegen zwei der drei Punkte Tschauner gehören.
Zwar ist es immer noch kaum angebracht, voller Überzeugung von Aufstieg zu sprechen. Doch fast alle da oben in Liga 2 spielen in letzter Zeit mal Rotz zusammen! Warum sollte der FCSP nicht einer von zwei, drei Vereinen sein, die am wenigsten beschissen spielen? Bevor wir uns hauen lassen…

2014-03-03 22.05.58

Ein erlösender Abpfiff

Arg, so ein Abend wie heute nimmt den Kritikern von Montagsspielen viel zu sehr den Wind aus den Segeln. Da glimmt das Flutlicht, halb Köpenick ist angereist und macht Lärm, die Hütte ist komplett voll. Andererseits herrscht auf der Gegengerade über weite Strecken Grabesstimmung. Erst beim Führungstor kommt wieder der Ansatz eines Roar auf. Zu wenig, meine Damen und Herren, bei so einem Spiel. Im Supportblock (war der eigentlich anwesend?) muss man sich Gedanken machen, wie man die Zombies auf den Rängen (wieder) zum Leben erweckt, so ist das eines FCSP unwürdig.

Würdiger geht es dann noch am Tresen zu. Kinders, es ist Montag! In den Fanräumen glüht der Zapfhahn, das Bier fließt, als ob es kein Morgen gäbe. Leider gibt es den Morgen doch, und im Bad begegnet uns ein alter Mann. Ach nee, ist ja nur das Spiegelbild. Arbeiten fiel mal leichter. Aber ein rundum gelungenes Fußballwochenende liegt hinter uns.

Und dann war da noch…

…sicherlich wird es die/der eine oder andere von euch gesehen haben: (hochwertig angefertigte) Schilder mit „Hamburg ist erstklassig. Wir wollen Derbys in Liga 1!!!“, dazu die Raute neben dem FCSP-Logo. Sagen wir nix zu, außer: Haut ab.

Und dann war da auch noch…

…das Großstadtrevier. Im Jolly Roger (immer noch ohne „s“, auch wenn Jan Fedder alias Dirk Matthies das nicht ganz kapiert hat). Ein bisschen zum Totlachen! „Da verkehren sowieso nur Typen, die abends mit der Sturmhaube unterwegs sind.“ Werden die Loide in der Lieblingskneipe bestimmt häufiger zu hören bekommen. Die Folge „Auf den Barrikaden“ ist noch ein paar Tage in der ARD-Mediathek zu sehen.

Zur Story: Ja nun, das Thema Gentrifizierung und Widerstand ist wichtig und richtig, aber so im Vorabendserienformat mit einem krass glattgebügelten und wenig authentischen „Schurken“ wirkt das natürlich etwas lächerlich. Als Sankt Paulianer steckt man zwangsläufig tiefer drin als 90 Prozent der Zuschauer vom „Großstadtrevier“, da werden Drehbuchschwächen noch einmal so offensichtlich. Allzu große Ansprüche an die Sendung wären aber eh fehl am Platze. Unterhaltsam. Das war’s.