Feb 232014
 

oder

Zwei Premieren

Yo Folks,

dies ist, soweit wir wissen, der erste komplette „MagischerFCblog sitzt auf dem Sofa und schreibt dennoch“-Spieltagsbericht. Es ging nicht anders. Kurz vor der geplanten Dresden-Tour warf uns ein mittelschwerer Autounfall aus der Bahn. Keine Angst, wir leben und alle Körperteile sind noch dran. Nur Auswärtsfahren ist halt zurzeit nicht drin. Das allein schmerzt genug.

So wird es vielleicht ungewöhnlich spielbezogen, was wir zu sagen haben. Weil unsere Kompetenz darin nicht so groß ausfällt wie beim Brüllen und Fahnenschwenken, fassen wir uns kürzer.

Der FCSP, Tabellensiebter, zweitbestes Auswärtsteam der Liga, siegt beim Tabellensechzehnten. So weit, so gut. Doch wir haben es immerhin mit Dynamo zu tun, die seit August zu Hause nicht mehr auf die Mütze bekommen haben und wo wir noch nie einen Dreier mitnehmen konnten. Das ist also schon bemerkenswert, auch wenn das Kräfteverhältnis zwischen Aufstiegsaspirant (ja, irgendwie sind wir das ja doch noch) und möglichem Absteiger so klar nicht ist auf dem Platz.

Und sonst? Diesmal ließ sich unsere Elf nicht wieder die Butter vom Brot nehmen und spielt eine Führung einfach mal über die Zeit. Wie das geschieht, darüber ist durchaus mal zu sprechen. In der 84. Minute an der Eckfahne ein Tänzchen mit dem Ball aufzuführen, wenn man gerade mal 2:1 führt, ist uncool. In den letzten zehn Minuten länger den Rasen zu wärmen auch. Bei der Auswechslung dennoch zu laufen, auch wenn die Zeit geschenkt ist, das zeugt allerdings von Sportsgeist. Ratsche, wir finden dich gut. Sowieso!

Das Gegentor war unnötig, keine Frage. Jetzt von einer fortgesetzten Schwäche bei eigenen Standards zu sprechen, halten wir aber für unangebracht. Du siehst einfach selten klug aus, wenn du nicht mit einer kackfrechen flinken Ausführung des Freistoßes rechnest. Es bliebt zu hoffen, dass so ein Anfängerfehler nicht wieder passiert. Insgesamt finden wir aber, dass die gegnerischen Standardsituationen heute nicht ganz so einen Herzinfarkt-Faktor hatten wie sonst. Und richtig zwingend war die Schlussphase von Dynamo nicht, was sich unsere Verteidigung durchaus auf die eigenen Fahnen schreiben darf.

So, danke liebe Jungs für drei Punkte in Dresden, danke fürs Dranbleiben an den Aufstiegsrängen. Ob wir tatsächlich noch die Klasse entwickeln für eine Klasse darüber, daran zweifeln wir nach wie vor. Aber der Kampf um Liga eins macht einfach mehr Spaß als Herumdümpeln im Tabellen-Niemandsland. Isso.

Es grüßt,

ein an die Couch gefesselter MagischerFC

Feb 172014
 

…nur ohne Würfel

Freunde,

ein eigenartiges Wochenende liegt hinter uns. Nach dem Fest in den Fanräumen am Freitag soll eigentlich Bochum am Sonnabend weggeputzt werden. Doch stattdessen erleben wir die dritte Heimpleite in Folge. Und dann am Derbysieger-Jahrestag verkündet Boller auch noch sein Karriereende zum Sommer. Lieber FCSP, was ist denn los?

Näy, es ist wirklich der Wurm drin. Da nützen weder die sommerlichen Temperaturen an einem Februartag noch der Perspektivwechsel – wird sind heute mal etwas höher aufgestellt als sonst. Das Bochum-Spiel bleibt Mist, Mist, Mist. Schön sind zwar die Choreos sowohl auf der Süd als auch auf der Nord. Chapeau, Nord-Support – die Idee mit Don Scholz und Sancho Neumann, die gegen Klobürsten kämpfen, gefällt uns ganz vorzüglich. Doch gesangstechnisch bewegen wir an diesem Tag auf einem ähnlichen Niveau wie die Junx auf dem Rasen. Uninspiriert, ziellos, zu wenig Engagement. Dieser Treffer von Hólmar Örn Eyjólfsson (wir mögen ja isländische Namen) fällt wie in Zeitlupe und sieht entsprechend wenig zwingend aus.

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Das Spielfeld, hier ohne Würfel

Dass als einzige Großchance der Ball mit dem Schlusspfiff an die Latte ratscht, lässt uns die Haare raufen. Mist, verdammter. Winterpause vorbei, die Rauten-Pleiten am laufenden Band steigern die Vorfreude auf ein mögliches Wiedersehen mit den Widerlichen, tolles Wetter – doch wer nicht will, der hat schon. Von Aufstieg redet jetzt so schnell keiner mehr. Das kleine Derby geht immerhin richtig herum aus, die Kulisse ist wegen der fanfreundlichen gleichzeitigen Ansetzung winzig. Doch das und die Schadenfreude über die Ersten aus St. Ellingen lassen das Fußball-Wochenende nicht ganz vergebens scheinen.

Und dann das: Es ist Sonntag, der sechzehnte Februar Zweitausendundvierzehn. Drei Jahre Derbysieger und genüssliches Grinsen gegenüber den Pilgern von Mordor. Ein Mann, der maßgeblichen Anteil daran hatte, teilt uns mit, dass seine Jahre im braunweißen Trikot gezählt sind. Nein, es überrascht uns nicht. #17 ist offenbar wirklich nicht mehr in der körperlichen Verfassung, dass er dem regelmäßigen Spielbetrieb erhalten bleiben kann. Aber wie soll man das Ende einer Legende nicht mit einem weinenden Auge betrachten?

Wir sind ja nicht so die FCSP-Urgesteine wie der Vater dieses Blogs und können kaum etwas von Regionalliga-Zeiten erzählen. Aber natürlich haben wir eine innige Beziehung zu Fabian Boll. Ein Spieler, an dem einfach so vieles außergewöhnlich ist, dass er wie nur die wenigen Anderen der großen Heldengeneration in die Geschichte des Vereins eingehen wird. Wir sparen uns die weiteren wehmütigen Worte für den Abgesang auf, wenn Boller – hoffentlich mit einem letzten Einsatz auf dem Platz – aus der ersten Mannschaft verabschiedet wird… um dann bitte alsbald auf einem anderen prächtigen Posten im FC Platz zu nehmen.

Helden treten ab, neue werden derzeit nicht gerade geboren. Der sportliche Teil des Wochenendes lässt keinen optimistischen Blick in die Zukunft zu. Aber wir sind geduldig und nach Regen kommt wieder Sonnenschein.

Feb 112014
 

oder

Wir waren in Bielefeld

Hei Lieblingsleser,

das Jahr 2014 hat nun auch für den cooleren der Hamburger Fußballclubs begonnen – sollen wir an dieser Stelle eigentlich noch Worte über die Öddel in Warz-Schweiß-Blau verlieren? Vielleicht besser nicht. Gelegentlich helfen wir zwar gern noch nach, doch im Moment zerlegt sich St. Ellingen so schön selbst, dass wir uns nicht anmaßen, an diesem Gesamtkunstwerk herumzudoktern.

Kommen wir aber zum echten Fußball. Es geht an diesem Sonntag also nach Ostwestfalen und diesmal ist sogar der auswärtsmuffelige Teil des MagischerFC-Blog mit on the road. Wow, so ein Sonntag, ganz ohne Stress um kurz vor acht Uhr morgens aufn Bus, das geht doch klar. Sieben Fanladen-Vehikel sind heute am Start, wovon unserer Bus Nummer 1 allerdings am längsten auf sich warten lässt. An einem nasskühlen Februarmorgen gar nicht mal so geil, aber wir sind ja nicht zum Spaß hier. Außerdem ist die Gesellschaft schon jetzt ausgezeichnet.

Der sensationell besetzte Bus erlebt (trotz Ostblock!) eine gemütliche und unspektakuläre Fahrt, wir vergnügen uns mit Sekt, Kirschlikör und der einen oder anderen frischen Pilsette. Zeitig erreichen wir Bielefeld, von dessen tatsächlicher Existenz wir uns zum ersten Mal heute vergewissern dürfen. Hätten wir hässlicher erwartet, darum haben wir ja die Pudelmützen mitgebracht, um da etwas nachzuhelfen.

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Unser Dorf soll schöner werden.

Nee, im Ernst, Bielefeld, das war ein verhältnismäßig freundlicher Empfang. Die Ordnungshüter sind in NRW offenbar noch ganz grün hinter den Oh gekleidet, haben aber trotz militärischer Kopfbedeckungen eine friedlichere Ausstrahlung als anderswo. Von irgendwelchen unschönen Vorkommnissen haben wir keine Kenntnis. Was wie so oft störte, war allerdings die Quantität. Wann Team Green/Blue-Silver/Wasauchimmer mal begreift, dass weniger mehr wäre, steht in den Sternen.

Die Minuten bis zum Einlass verbringen wir rund um die Kneipe des angrenzenden Kleingartenvereins. Die ist überfordert und schnell leergesoffen, eine große Gruppe war ja auch schon sehr zeitig da. Wenig später stehen wir schon auf den Stufen, alles ganz unkompliziert aus unserer Perspektive mit dem Einlass. Da hatten wir ebenfalls Schlimmeres befürchtet.

Nun, wir sind spätestens seit dem Ausstieg des Vaters dieses publizistischen Organs ein Support-Blog. Das Spiel verbringen wir lieber mit lauten Singen und Klatschen als mit feingeistiger Beobachtung. Dementsprechend können wir keine akkurate Analyse des Geschehens auf dem Rasen abgeben. Wir halten so viel fest: Spitze, wie die Mannschaft einen Fast-Gegentreffer in einen eigenen Angriff umwandelt und den auch noch gut abschließt. Scheiße, wie sie heute wieder in 2011er-Zeiten zurückfällt und sich in der letzten Minute die Butter vom Brot nehmen lässt. Irgendwo war das 2:2 leistungsgerecht, aber wie soll man das denn okay finden? Hätte schick werden können, wo die Konkurrenz doch ebenfalls patzte. Naja, dann gibt’s vielleicht weniger Aufstiegs-Traumtänzerei.

Zufrieden können wir mit der Stimmung im Block sein. Es roart ganz gut, die Fahnen wehen und von Arminia hört man wenig. Nicht so geil sind die vielen Anti-Gesänge, das können wir besser. Das – und vereinzelt wahrgenommene homophobe Kommentare – schieben wir mal ein bisschen auf das übliche Phänomen, dass ein FCSP-Spiel auch immer regionale Sympathisanten anzieht. Immerhin, was die letztgenannte Unannehmlichkeit betrifft, so erkennt der Junge neben uns seinen Fehler an. Die Frage, ob er denn wisse, bei welchem Verein gerade im Block stehe, bewirkt Einsicht.

Die Rückfahrt, die wir sehr bald nach Abpfiff antreten, bleibt ähnlich arm an besonderen Ereignissen wie die Hinfahrt. Das ist jetzt gar nicht unbedingt negativ gemeint; wir vergnügen uns sehr zivilisiert im Bus 1, schlürfen, schmausen und schlummern auch ein bisschen. Wir fühlen uns sicher wie in Abrahams Schoß – der FCSP-Konvoi wird auch einfach mal von einem Dutzend grüner Sixpacks aus der Stadt geleitet. Am frühen Abend sind wir dann wieder in der Heimat, alles entspannt. Nicht ganz so gut für die montägliche Arbeitskraft ist es wohl, noch bis elf in der freundlichen Gaststätte an der Budapester Straße zu versacken. „Das ganze Jolly singt und trinkt für dich.“ Word. Und gute Nacht.