Jan 132014
 
Liebe Leser, 
14 Jahre habe ich nun Texte ins Internet gestellt. Zuerst bei meinem ehemaligem Fanclub, nun seit über fünf Jahren hier. Mehrfach schon habe ich mal Pausen gemacht. Nun jedoch möchte ich das Projekt magischerfc.de für mich endgültig beenden. 
Das heißt nicht, dass magischerfc.de damit Geschichte ist, denn immerhin gibt es ja hier noch zwei andere sehr talentierte und gute Macher. In welcher Form das ganze weitergeführt wird, ist also deren Sache. Es wird aber weitergeführt werden.
Natürlich hat so ein Abschied Gründe. Viele Gründe, auf die ich nicht alle eingehen mag. Trotzdem seien mir ein paar Worte zum Abschied erlaubt.
Es bleibt nicht aus, dass man sich Feinde macht, und es bleibt auch nicht aus, dass man mal Fehler macht. Man lese nur die ersten Kolumnen durch, die ich so 2000 geschrieben habe. Da sind Texte bei, die würde ich heutzutage niemals mehr so schreiben. Nicht mal die Texte von 2008 gefallen mir wirklich noch. Man ändert sich halt. 
Diese Feststellung tut jedem Menschen weh. Und Selbstreflektion ist sowieso nicht die Stärke des Homo Sapiens. Jeder sollte sie aber machen. Und noch etwas sollten viele Menschen endlich mal begreifen: Es ist nur das Internet, es ist nur Fußball. „No wisdom, just football“ haben wir mal als Spruch gebracht. Das hat schon Sinn. Nehmen wir uns und insbesondere unsere Meinung doch deutlich weniger wichtig. Ich kann mich leidenschaftlich über Pyro, Politik oder Ultras streiten, aber fünf Minuten später trinken wir gemeinsam ein Getränk, liegen uns in den Armen und sage „Hey, das ist St. Pauli.“
Ja, solche Menschen habe ich kennen gelernt und ich möchte sie auch nie wieder missen. Menschen, mit denen man streiten und lachen kann. Innerhalb von fünf Minuten. 
Namen möchte ich nicht nennen. Es sind viele. Es sind diese, die den besonderen Geist von St. Pauli ausmachen. Wir müssen uns nicht immer grün sein, aber wir müssen uns zuhören und wir müssen voneinander lernen. Und wenn ich Menschen sehe, die sich weiterentwickeln, dann bin ich stolz. Stolz auf das, was der FCSP aus ihnen gemacht hat. Oder glaubt, ihr ein Junge aus Poppenbüttel hätte diesen Erfahrungs- und Wissenshorizont, wenn er nicht zum FCSP ginge
Ich habe aber leider auch die andere Seite kennengelernt. Menschen, die eine Halbsatz nicht lesen können, die andere Meinungen nicht akzeptieren wollen und die nur mit dem Herz und nie mit dem Verstand argumentieren oder auch andersherum. Nicht meine Welt, und es wäre alles noch in Ordnung, wenn man einfach feststellt, dass es nicht geht. Man geht dieser Person in Diskussionen aus dem Weg und gut ist. Passiert. 
Belastend wird es aber dann, wenn man mitbekommt, dass dies Kreise zieht und Menschen kategorisiert werden. So nach dem Prinzip. „Du hast mal was gut gefunden bei dem, deswegen spreche ich nicht mehr mit dir.“ Da ist meines Erachtens ein gehöriges Maß an Überschätzung meines Geschreibsels drin und eine zu große Fraktionierung der Welt. 
Niemand sollte das hier 100 Prozent gut finden. Es war meine Meinung. Im schlechtesten Fall sagte man:Ich bin anderer Meinung, Norbert ist doof.Im besten Fall sagte man:Oh, ich denke da noch mal drüber nach und bilde mir meine Meinung.“ Ich bin nicht die Bildzeitung. Ich bilde keine Meinung. Das BadReligionZitat ist schon bewusst da vorne auf der Startseite abgedruckt. Aber vielleicht hätte ich es über jeden Bericht, über jeden Tweet und über jeden Facebook-Eintrag drucken sollen. 
Und letztendlich kann man mal meiner Meinung sein und mal nicht. Man kann mich nett finden, obwohl man nie meiner Meinung ist, oder mich doof finden, obwohl man immer meiner Meinung ist. Man sollte sich sowieso davor hüten, Menschen mit Ettiketen wie „aktiver Fan“ in Schubladen zu packen. Oder in Teams. 
Sowieso: Twitter und Facebook sind gute Erfindungen. Man kann sich kaum besser vernetzen und auch über diese Medien sehr viel lernen und hinterfragen. Sie sind aber auch Geißeln unserer Zeit. Anscheinend meinen Leute wirklich, dass Twitter das Leben ist. 140 Zeichen sind nix. Und daher ist auch Twitter nix. Außer einem netten Zeitvertreib und manchmal ein nützliches Werkzeug. Aber vergesst nie, das Leben da draußen. Lernt Freunde über Twitter kennen, aber verliert keine Freunde wegen Twitter. 
Allgemein sollten sich viele Leute überlegen, ob es Sinn des Lebens ist, alles vor dem Rechner zu kommentieren. Immer wieder hat man das Gefühl, dass es Leute gibt, die zwar gegen die Gesamtscheiße sind, aber anstatt auf der Straße (im Plenum, wo auch immer) gegen diese Gesamtscheiße zu kämpfen, lieber kritisieren, auf welche Weise andere gegen die Gesamtscheiße sind. Und zwar nicht mehr auf eine konstruktivkritische Art, sondern mit einer Emotion, die ich nicht nachvollziehen kann. Leben und Handeln heißt Fehler machen. Nur wer nix macht, macht nix verkehrt. Und Menschen sind nun mal nicht perfekt. Keiner von uns. 
Ich habe darüber hinaus immer weniger Lust, mir Abende in irgendwelchen Gremien, Vereinen, Tresen oder Gruppen um die Ohren zu schlagen. Das mache ich den ganzen Tag beruflich. Die eigene sportliche Betätigung bringt da mehr Spaß und ich ziehe sie immer häufiger vor. Dementsprechend ist man auch nicht mehr so drin im Viertel. Hat da jemand was von „alt werden“ gesagt?
Und darunter leiden natürlich auch die Qualität und Anzahl meiner Berichte. So schweigt dieses Blog zum Gefahrengebiet auch deswegen, weil einfach die Zeit fehlt. Und die Lust, sich durch ein 34seitiges Urteil zu kämpfen. Früher (TM) hätte ich mich da sofort drauf gestürzt und stundenlang das verarbeitet. Heute sind andere Blogs einfach schneller und besser als ich. 
Und so höre ich nach 14 Jahren auf, ein Blog oder Tagebuch oder ähnliches zu schreiben. Es war eine superschöne Zeit und ich werde sie missen. Werde die ganzen Touren mit lieben Menschen missen und den immer mitschwingenden Gedanken: Was kannst du daraus Lustiges machen? 
Aber das hier ist ein Hobby. Und Hobby soll laut Wikipedia dem Lustgewinn und der Entspannung dienen (warum noch mal gehen wir eigentlich zum Fußball?). Und wenn dies nicht mehr da ist, sollte man ein Hobby beenden. 
Und für das InsInternetschreiben gilt sowieso: Lieber beenden, wenn man noch vermisst wird. Nicht weitermachen, wenn einen Leute schon mit Steinen bewerfen. 
Ich wünsche euch weiterhin viel Spaß und ich bin mir sicher, dass ihr viele gute Dinge hier an dieser Stelle lesen werdet. Nur eben nicht mehr von mir. Vielen Dank an euch alle, liebe Leser.
Möge uns der Himmel nicht auf den Kopf fallen. 
Norbert