Dez 022013
 

 

Unser Vorwort

Liebe Leser, dieses Internetz ist schon eine tolle Sache. Da schnackt man mal so belanglos mit einem Kölner über Fanszenen, Gott, Dom und Dom und dann erzählt der, dass er zu dem Gastspiel seines FC zu uns kommt. Da fragt man doch sofort mal, ob er – da nicht selber Blogger – nicht mal Bock hätte einen Spielbericht zu schreiben. Und siehe da, der Herr Iron Dom hatte.

 

Nun ist die Natur eines Gastberichtes immer, dass er a. nicht unsere Meinung wieder gibt und b. eine andere Sicht auf die Dinge hat. Das macht es ja so interessant und spannend. Daher vielen Dank für diesen Gastbericht und viel Erfolg in der Vorstadt morgen. Wie werden wir da draußen eigentlich gesehen? Lest also, was der Herr Iron Dom am Millerntor erlebte und wie er so über uns denkt:

 

Nun also der Gastbericht:

 

Ich falle direkt mal mit der Tür ins Haus: ich bin Fan der 1. FC Köln und ich bin kein Nazi. Im Gegenteil und deshalb wurde ich auch um einen Gastbeitrag in diesem sehr feinen Blog gebeten.

Am Vortag unseres Gastspiels auf dem Kiez wurden vom Autohof St. Pauli Bilder der Boyz Köln veröffentlicht, die Mitglieder der zweitgrößten kölner Ultragruppe bei einem Fußballturnier russischer Nazischläger zeigten. Ich werde hier jetzt gar nicht erst versuchen zu verteidigen, was gar nicht zu verteidigen ist, aber etwas mehr Differenzierungsfähigkeit hätte den Verfassern gut zu Gesicht gestanden. Zu behaupten, dass „ein Auswärtsblock der Nazis toleriert“ bei euch zu erwarten sei, ist ein Schlag ins Gesicht eines jeden antifaschistischen Fans innerhalb unserer Fanszene und davon gibt es mehr, als scheinbar bis zum Kiez durchgedrungen ist. Wenn man wahrscheinlich noch nie auch nur einen einzigen Nazi im eigenen Block gesehen hat, hat man einfach leicht reden und vergisst, dass man sich auf einer antifaschistischen Trauminsel befindet, die mit anderen Vereinen nicht vergleichbar ist. Da sollte man sich doch eher mit den coolen Leuten im Gästeblock solidarisieren, als diese mit Nazis und deren Verteidigern in einen Topf zu schmeißen. Die Spruchbänder im Stadion waren immerhin deutlich an den Empfänger gerichtet.

Na gut, das soll jetzt dazu reichen. Immerhin fand auch ein Fußballspiel statt, auch wenn man aus dem Gästeblock jetzt nicht den besten Blick darauf hat. Dieser ist leider extrem flach und die unterem Schlammstufen sind eines der besten Argumente für den modernen Fußball, die ich je gesehen habe. Ansonsten kann ich nur ein großes Kompliment für euer neues Schmuckstück aussprechen. Besonders die Gegengerade hat es mir angetan. Als Fan des eher altmodischen Supports ist es schön zu sehen, wie dieser und die Stimmung der Ultras miteinander harmonieren. Dennoch war ich etwas von der Stimmung enttäuscht. Besonders viel kam nicht im Gästeblock an. Dieser hatte allerdings auch nicht seinen besten Tag und die Stimmung lässt sich im unteren Durchschnitt unserer Möglichkeiten ansiedeln.

Auch wenn ich kein Freund von USP bin, haben mir die Choreo und der sehr passende Einsatz von Pyrotechnik sehr gut gefallen. Ob den auf eurer Seite sicherlich zahlreich anwesenden Tierschützer so gut gefallen hat, das ein Tier gequält wurde? Man weiss es nicht.

Zum Spiel selber werde ich nicht viele Worte verlieren. Da habt ihr sicher schon genug und vor alles besseres drüber gelesen, als ich bieten kann. Außerdem war meine Sicht, wie oben schon bemerkt, sehr schlecht. So sah ich auch die rote Karte im Stadion als klare Fehlentscheidung, musste mich aber nach Sichtung der Fernsehbilder eines besseren belehren lassen. Jedenfalls war es ein Spiel auf hohen Niveau, das trotz des kalten Regens Spaß gemacht hat.

Ums rund zu machen, noch zwei Gedanken zu eurer Fanszene. Was mir sehr gut gefällt ist, dass scheinbar alle Facetten der Fankultur irgendwo ihren Platz am Millerntor gefunden haben. Was mir allerdings aufstößt ist, dass oftmals von oben auf andere Szenen und ihre Probleme herabgesehen wird. Dabei läuft auch bei euch nicht alles rund, wenn man sich etwa das Verhalten von USP gegenüber den Millerntor Devils anschaut. Das war einer Szene mit eurem emanzipatorischen Anspruch nicht würdig. Dennoch werde ich auch in Zukunft keine Feindschaft zum FC Sankt Pauli pflegen und weiterhin immer wieder gerne nach Hamburg reisen. Das nächste mal aber bitte in der ersten Liga und ohne Schlammschlacht im Gästeblock.