Dez 302013
 

Liebe Leser,

 

da wir am 01.01.2014 besseres zu tun haben, hier schon mal der statistische Jahresrückblick 2013.

Vorab: Wir freuen uns über jeden Leser, jeden Kommentar und jede Interaktion. Danke für das unzählige Lob und danke für viele sachliche Beiträge in den Kommentarspalten. Wir wünschen euch ein schönes 2014 und vielleicht können wir ja den Aufstieg in die erste Liga feiern. So richtig wünschen wollen wir uns das nicht, denn unsere Wünsche für 2013 gingen nicht wirklich in Erfüllung.

 

Kommen wir nun zu der Statistik. Neben dem Vergleich zu 2012  sind auch die Zahlen im Vergleich mit dem Übersteiger-Blog interessant. Ob diese wirklich vergleichbar sind, können wir nicht sagen, weil wir benutzen Piwik, der Übersteiger Google Analytics. Wir sind nicht genug Nerds, um zu beurteilen, ob diese beiden Tools ähnliche Zahlen liefern. Das von uns parallel genutzt Cystats z.B. liefert vollkommen andere Zahlen.

Wir haben im Jahre 2013 120 Beiträge veröffentlicht. Bzw. dieser Beitrag ist der 120ste dieses Jahr. Dieses Blog wird seit dem 10.06.2008 betrieben und insgesamt sind es bisher 645 Beiträge (erneut inklusive dieses Beitrages hier).

 

Insgesamt kamen 90623 Besucher bei uns vorbei. Vorjahr: 204867 Der Unterschied ist ganz einfach zu erklären, denn im Jahre 2012 war der meistgelesene Artikel derjenige über den Schweinske Cup. Alleine dieser hatte 42.000 Besucher.

Die Besucher sorgten für 128188 Seitenaufrufe. Vorjahr: 229288

 

Bei uns kommen so grob 30 % der Besucher mit dem Safari Browser an und grob 29 % mit dem Firefox. Chrome und Internet Explorer sind dann noch mit ca. 15 % vertreten. Den Rest kann man vernachlässigen.

 

Weit über 90 % der User kommen über deutsche Provider. Dann kommen noch ein paar aus den USA. Über 500 Besucher sind sonst nur noch unbekannter Herkunft und aus Österreich.

 

Regionale Daten haben wir nicht erhoben.

 

Wie kommt man auf unsere Seite? Immerhin 38772 Besucher kommen direkt zu uns. 48070 über eine andere Webseite und 3679 über eine Suchmaschine. Am häufigsten gesucht wurde dabei „magischer fc“ oder ähnliches. Der erste Fremdbegriff, der zu den meisten Zugriffen in unser Blog führte, war „Westwall Aachen“.

 

Wenn Menschen von Webseiten kamen, dann kamen sie von Facebook. 31255 Besucher erreichten uns so. Das ist auch 88 % des gesamten Verkehrs aus sozialen Netzwerken. 12 % (4294 Besucher) kamen von Twitter, alle anderen sozialen Netzwerke sind zu vernachlässigen. Und werden von uns auch nicht gepflegt.

 

Wenn nicht soziales Netzwerk, dann Übersteiger (2609), stpauli-forum.de (1639) und Kleiner Tod sein Blögchen (815). Bemerkenswert dabei: Rivva (337) und Fokus Fußball (292) bringen dagegen relativ wenig Besucher. Trotzdem ist Fokus Fußball natürlich eine der wirklich guten Erfindungen des abgelaufenen Jahres. Ja, die gab es auch 2012 schon, aber so richtig zur Geltung kamen die erst im abgelaufenen Jahr. Macht so weiter!

 

Meistgelesener Artikel dieses Jahr war der Offene Brief an die Stadt Hamburg. 7471 Besucher erfreuten sich an diesem Text.  Auf dem zweiten Platz kam der Text über die Südkurve und ihrem Polizisten. Hier erfreuten sich 3243 Besucher.

 

Dies war nebenbei das erste Jahr, welches wir komplett zu Dritt absolviert haben. Ich (@headnutHH) habe daher an dieser Stelle der @Radaula und dem @Radaumanno (alles Twitternicks, ihr findet uns da) für die nicht immer einfache Blogarbeit zu danken. Sei es bei dem Versuch aus meinem Geschreibsel noch Deutsch zu machen, sei es für großartige Blogbeiträge ohne mein Zutun (einer davon ist der Meistgelesene), sei es für ganz viele Ideen und Anregungen oder sei es – last but garantiert not least – für die extrem viele Arbeit im Lampedusa Hamburg Zusammenhang.

 

Wir lesen uns 2014.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dez 232013
 

Vor ein paar Wochen trat ich aus der Haustür und sah, wie die Wohncontainer für die Refugees per Kran auf den Hügel der St.-Pauli-Kirche gehoben wurden. Viel hat sich verändert in diesem Jahr.

Ich erinnere mich an den heißen Sommer, den „African Summer“, den wir gemeinsam auf Sankt Pauli erlebten.

Dort, wo jetzt diese weißen, kalten Blechkästen stehen, saßen wir im Sommer gemeinsam in der „Embassy of Hope“, der Kontaktstelle und Basis auf Sankt Pauli für die Aktionen rund um die Lampedusa-Flüchtlinge. Wir planten, demonstrierten, bastelten, musizierten, stritten, lachten, weinten, lebten dort alle zusammen. Flüchtlinge, Supporter, Pastoren, Nachbarschaft, Kinder, Erwachsene, Menschen, einen Sommer lang.

Nun ist alles anders. Ein erster Blick in die Container lässt mich zusammenzucken. Auf so wenigen Quadratmetern, die alles andere als Wohnlichkeit zeigen, sollen nun Menschen leben, die die meisten Jahre ihres Lebens um dieses bangen mussten? Die nirgendwo willkommen sind? Ja, auch hier sind sie von den Politikern und sicherlich auch einem großen Teil der Bevölkerung nicht willkommen und genau das vermitteln einem auch diese Container. Jedes Krankenhauszimmer wirkt einladener als dieses metall-weiße Gemisch, in das die Männer nun gezwängt wurden, sinnbildlich für die „Politik“, die Scholz und Co. zeigen.

Diesen Sonntag ging ich mal wieder in meinen Vorgarten und besuchte meine Brüder, Nachbarn, Freunde. Holte sie zu einem Termin ab.
Wie jedes Mal wurde ich herzlichst empfangen und trotz dreckiger Schuhe wurde ich aufgefordert, in den Container zu kommen.

Und alles ist irgendwie anders. Leider nicht in der Politik, aber hier, in einem der Container.
Die drei jungen Männer, die in der Nummer sechs wohnen, haben sich auf engstem Raume ein kleines Zuhause geschaffen. Und die Details stehen alle sinnbildlich für das, was sich die letzten Monate an Hilfe auftat. Denn so prekär und unsicher die Lage ist, so haben die Jungs unglaublich viel Hilfe und Solidarität besonders aus dem Stadtteil und der Fanszene erhalten.

Es sieht hier aus wie in den meisten Wohnungen, nur eben alles auf kleinem Raum.
Sie haben Teppich ausgelegt und an dem Fenster und an der Wand strahlt Weihnachtsbeleuchtung, die ihnen aus der Nachbarschaft geliehen wurde. An der anderen Wand hängen Poster mit FCSP-Motiven, alte Fanräume-Zeitschriften, die aus dem Sankt-Pauli-Umfeld gespendet wurden. Aus kleinen Boxen klingt das heißgeliebte Dancehall-Reggae-Gemisch, auf dem einen Bett liegt ein Kuscheltier. Ich darf mich auf das Sofa setzen, was sie auf der Straße gefunden haben, und mir wird ein Becher Wasser und eine aufgewärmte Portion Couscous angeboten. Ich fühle mich wohl.

Ich schaue sie an und erinnere mich an Sätze, die diese Menschen sagten:

„Seit einem Jahr habe ich meine Mutter nicht angerufen, ich will sie nicht weinen hören.“

„Ich wurde in Libyen zweimal brutal überfallen. Schau, alle diese Narben haben sie mir mit Messern zugefügt. Zweimal haben sie mir alles genommen, was ich hatte, was ich mir monatelang erarbeitet habe. Und die Arbeit in Libyen ist nicht leicht.“

„Sankt Pauli? Wir sind echte Sankt-Pauli-Fans! Die helfen uns, wir helfen ihnen. Ich will kein Spiel mehr verpassen.“

„Wenn ich eine Wohnung bekomme, dann soll sie auf Sankt Pauli sein. Hier ist jetzt unser Zuhause.“

Und dann denke ich an Angst. Ihre Angst, meine Angst, unsere Angst. Angst, Freunde, Brüder, Nachbarn zu verlieren. Angst, dass der Hamburger Senat einen nach dem anderen heimlich still und leise rausschmeißt. (Und seien wir ehrlich, so wie der Senat sich auch gerade wieder jüngst zeigt, ist diese Angst absolut berechtigt.)

Am meisten habe ich aber Angst davor, dass diese Menschen wieder verlieren. Wieder gehen müssen. Wieder riesige Unsicherheit erleben und wieder ein Zuhause, eine Gemeinschaft verlieren.

Weniger Angst habe ich davor, dass, sobald es passiert, die starken Unterstützer nicht mehr da wären. Ich bin mir sicher, wenn dieser Fall eintrifft, werden wir alle wieder eng zusammenrücken, werden einmal mehr laut, deutlich, zahlreich, wie wir es in diesem Jahr schon gezeigt haben.

Und das wünsche ich mir dieses Jahr. Demütig bin ich geworden. Ich wünsche mir nichts mehr, als dass diese Menschen hier bleiben dürfen, ihren Platz in unserer Gesellschaft festigen. Ich wünsche mir, dass wir diesen Kampf weiter kämpfen und gewinnen und dadurch ein Zeichen setzen können.

Mit diesen Worten möchte ich mich und wir uns in die Weihnachtspause verabschieden. Im neuen Jahr melden wir uns dann wieder mit einem frischen Hopping-Bericht im Gepäck.
Passt gut auf euch auf und feiert schön bis dahin.

Dez 232013
 

oder

Der sympathische Heimkomplex

Neuer Coach

Liebe Leser, reden wir nicht um den heißen Brei herum. Die zweite Halbzeit am vergangenen Freitag war die schwächste Halbzeit unter Coach Vrabec. Wo unsere Jungs das Spiel gegen eine eng stehende Deckung breit hätten machen müssen, machten sie es mit kurzen Pässen eng. Und dann ein echt dummer Ballverlust und es war Feierabend. Dazu noch mit den eigenen Waffen (Konter) geschlagen. Diese Halbzeit tat echt weh.

Man kann sich gut fragen, ob sich unser Coach nicht auch ein bisschen verspekuliert hatte, denn die Aufstellung ohne echten Stürmer ging absolut schief. Dafür spielen wir im Ballbesitz einfach nicht schnell und präzise genug. Wie häufig musste sich Schachten Bälle aus seinem Rücken holen, wie häufig gingen Pässe neben das angestrebte Ziel. So gut die Grundidee „schnelle wendige Jungs gegen eine große hölzerne Abwehr“ auf dem Papier ist, so sehr scheitert sie dann, wenn man eben nicht schnell und präzise spielen kann.

Es ist auch noch ein Kopfproblem. Die Jungs verkrampfen und werden nervös, wenn sie ihre eigene Stärke bemerken. Der Blick auf die Tabelle scheint sie zu lähmen. Wieder wurde eine Chance vergeben sich so richtig fett oben reinzuspielen.

Auch sind wir (noch) nicht in der Lage, einen tief- und sicher stehenden Gegner auszuspielen. Und auch die Fähigkeit, bei einem solchen Gammelspiel einfach mal das 0-0 über die Zeit zu kicken, haben wir nicht.

So ist die Niederlage berechtigt, auch wenn wir Coach Vrabec nicht ganz zustimmen wollen, wenn er von schlechtem Fußball von Minute 1 an sprach. Die Jungs versuchen – wie Curi0us es richtig formulierte – gemeinsam eine Spielidee zu entwickeln und das sieht viel strukturierter und planvoller aus als die letzten Jahre. Nur leider ist es noch nicht immer von Erfolg gekrönt. Aber das kann ja noch kommen.

Karlsruhe war nicht nur auf dem Platz sehr aggressiv, sondern auch neben dem Platz. Bereits morgens begann man FCSPler anzureißen, nach dem Spiel kam es wohl auch noch zu Auseinandersetzungen und der Flurfunk munkelt, dass nach dem Angriff auf die Davidwache sich Karlsruher im Knast wiederfanden. Nebenbei: Die Davidwache anzugreifen ist schon irgendwie nicht so wirklich zielführend, bedenke man doch die sehr besondere Beziehung dieser Wache zu ihrem Stadtteil und den Bewohnern des Viertels. Aber nun gut.

Im Stadion führte ein Böllerwurf der Karlsruher zu einem Aufmarsch der Polizei vor der Nordkurve, der aber irgendwie so ein bisschen an die Hausdurchsuchung beim Leben des Brain erinnert. Alle rein, bis zur Gegengerade aufstellen und dann alle wieder raus. Herr, schmeiß Einsatzleiter mit Überblick vom Himmel. Kurzzeitig hielt das ganze Stadion den Atem an, als sich da Behelmte direkt vor dem Heimbereich in der Nord aufstellten. Aber ist ja alles entspannt und schnell zu Ende gegangen.

Nun war unser Traum ja Heimsieg und danach Verkündung der Verlängerung mit Coach Vrabec. Konnte nun leider nicht so kommen. Aber dass man sich bereits vor dem Spiel einig war, zeigte sich dann am nächsten Morgen, als die Pressemitteilung mit der Vertragsverlängerung kam. Ein Drittel von uns bekommt nun den Prophezeier-Preis des Jahres 2013, schrieb es doch im Cottbusbericht folgendes:

„Ein Drittel von uns vertritt ja die steile These, dass wir bis zur Winterpause (Achtung, dies ist ungleich mit der Hinrunde) noch vier Siege aus sechs Spielen holt, sich dann das Thema “Wer trainiert die Mannschaft nach der Winterpause” von ganz alleine erledigt und unserer jetziger Trainerstab seine zwei Jahre Verlängerung bekommt.“

Nein, unabhängig von den Ergebnissen: Coach Vrabec macht bisher eine gute Figur, so dass es zwar ein Risiko ist, mit einem solch unerfahrenen Coach weiterzuarbeiten, aber es ist ein überschaubares Risiko. In der kurzen Zeit seiner Arbeit hat er die Mannschaft wirklich weiterentwickeln können, Mal sehen, ob nun die Ruhe und Intensität der Vorbereitung die Mannschaft noch ein Level weiterbringt und wir dann die verbleibenden 15 Spiele gut abschließen können. Sollten wir aus diesen zehn Siege holen, wäre ja alles in Butter.

Es schrieben sonst noch…

… der Übersteiger regt sich über den Schiri auf…

USP nimmt Stellung zu dem wirklich mehr als zweifelhaften Transpi der Münchener Südkurve.

Am Rande des Dorfes macht man zufrieden Winterpause.

Dez 212013
 
oder 

eine unsortierte unvollständige Einordnung

Liebe Leser, 

heute war in Hamburg eine Demonstration zum Erhalt der Roten Flora und anderen Themen angemeldet. Das Ganze als „internationale Großdemo“ ausgerufen. Soweit die Fakten. Auch ein Teil von uns war vor Ort und versucht mal so etwas wie eine Einordnung und Verarbeitung. Eine Einordnung, die immer auf subjektiven Eindrücken beruht, die nicht den Anspruch einer Vollständigkeit erhebt und die bewusst keine abschließende politische Diskussion sein soll. 

Wenn man sich so auf der Piazza vor der Roten Flora umsah, dann war da eine Ansammlung von Anwohnern, unserer Fanszene und vieler Menschen, die man wohl als „linksautonome Szene“ bezeichnen würde. versammelt. Machen wir uns auch nix vor: Genügend davon waren garantiert nicht nur für eine Latschdemo mit anschließendem Kaffee trinken gekommen. 

Und aus unserer subjektiven Sicht (ca. 40 Meter hinter der Brücke), sah es auch so aus, dass mit dem Losgehen der vermummten ersten Reihe Böller gezündet wurden und die Polizei dies zum Anlass nahm, da rein zu gehen und es dann alles eskalierte

Aber wenn man dieses Video sieht und insbesondere seine Tonspur hört, dann ist da kein Böller bevor die Polizei da reinmarschiert. Auch TAZ und Publikative  (zur Zeit überlastet) berichten ähnlich. Das Ganze wirkt von der Einheit, die da rein geht, auch komplett planlos (man gucke mal, wie spät die sich die Helme aufsetzen). Also eine „gezielte Eskalation“ sieht für uns irgendwie anders aus. Das sieht eher wie schlecht vorbereitet, schlecht geplant und dann hektisch falsch reagiert aus. 

Vereinzelt wird von Steinwürfen oben von der Brücke berichtet. Das mag sein, wenn man aber bedenkt, dass es sich um eine Brücke mit laufendem ICE Verkehr handelt und trotz Hubschrauber kein Polizist nach oben auf diese Brücke guckt, erscheint das eher unwahrscheinlich. Der ICE Verkehr fuhr selbst noch, als das Ganze schon fröhlich am eskalieren war. Dagegen spricht auch, dass diese Einheit, die da rein geht, keine Helme auf hat. Wenn die vorher Steine bekommen hätten, hätten die Helme auf, oder? 

Dieses ganze Reingehen (aus welchem Grund auch immer) ist dann natürlich der berühmte Funke in ein Pulverfass und danach eskalierte das Ganze innerhalb von wenigen Sekunden zu einer ausgewachsenen Straßenschlacht. Hier gibt es eben keinen Klügeren, der nachgibt. 

Nun ist ein „die haben aber angefangen“ immer etwas albern, aber eine Sache, die man den ganzen Tag beobachten konnte ist eine eben so übermotivierte wie planlose Polizei und dazu ein ordentlicher Straßenkampfmob, der auch Bock hatte sich an dieser Polizei abzuarbeiten. 

Nachdem das ganze zu Beginn schon eskaliert war und eine grob 20 minütige Straßenschlacht tobte, kam dann „von hinten“ (Richtung Neuer Pferdemarkt) weitere Polizei und kesselte die gesamte Piazza. Die Staatsmacht ließ erst noch Leute aus der Schanze, was dazu führte, dass alles, was nicht in der ersten Reihe stand und „linksautonom“ aussah erstmal verschwand und sich aus der Schanze zurückzog. Der verbleibende „links-bürgerliche“ Teil der Demo wurde ebenso gekesselt wie Besucher der Restaurants wie z.B. das O-Feuer. Die Polizei zog dann diesen Kessel immer enger, stellte sich in mehreren Reihen auf, wobei eine Reihe Leute mal raus ließ, die andere nicht. Irgendwann wurde dann auf diesen hinteren „bürgerlich-linken“ Teil eingeknüppelt, wobei ein Grund dafür nicht zu erkennen war. (Was ausdrücklich nicht heißt, dass da nun nix passiert ist, aber mitbekommen haben wir nix). 

Das Absurde war, dass in den Cafes und Bars business as usual herrschte. Im O-Feuer lief fröhlich Bundesliga, während draussen direkt vor der Scheibe die Straßenschlacht herrschte. Ob die Polizei irgendwann die Läden geschlossen hat, wissen wir nicht, als wir nach Schallplatten stöberten, hat uns keiner der Polizisten daran gehindert. 

Irgendwann kamen wir mit Glück aus dem Kessel raus und konnten uns in Richtung Heiligengeistfeld bewegen. Dort sammelte sich dann eine Sponti, die mit Bengalos und Rufen in Richtung Innenstadt zog. Erstmal ohne Polizei aber unter dem Bau von Barrikaden. Die Polizei dann irgendwann hinterher und nach einem Gerenne blieben wir ratlos zurück. 

Der Rest des Abends war nur noch unübersichtlich. Gruppen, die irgendwo demonstrierten. Polizei die mehr oder minder wahrlos Leute kontrollierte und wenn es die falsche Einheit war auch gerne mal attakierte. Und nun sitzen wir hier und haben Fragezeichen im Gesicht. 

Wem nutzt das? Wohl eher der Polizei, die nun wieder ihren heldenhaften Kampf gegen die Chaoten durch die Presse blasen kann und damit ggf. vorhandene Sympathien von „bürgerlichen“ Kreisen einschränken kann. Mankönnte nun sagen: „Klar, das hat die Polizei geplant“. Aber seien wir ehrlich: Sieht das wirklich geplant aus? Was nun nicht heißen soll, dass es vielleicht doch diesen Plan gegeben hat. Dann war die Durchführung aber sehr delitantisch. 

Demonstrieren im Sinne eines „Außenstehende aufmerksam machen“ war dies definitiv nicht. Und man kann sich natürlich fragen, ob man denn das planlose Einknüppeln der Polizei nutzen muss, um in die Eskalationspirale einzusteigen. Bei aller verständlichen Wut: Gewinnen kann man diese Steigerungsspirale nicht. Was jetzt nicht Verteidigung in Frage stellen soll und schon gar nicht muss sich jemand von der Polizei entspannt zusammenknüppeln lassen. 

Muss man das Konzept einer Demo überdenken? Eine solch große Gruppe hat nur bedingt einen Aktionskonsens, wie das immer so schön in linken Kreisen heißt. Wir halten nicht wirklich was von Gewalt, aber Gewalt, die kein wirkliches Ziel hat, ist noch unsinniger, als Gewalt überhaupt. Nebenbei kann man keine herrschaftsfreie, gewaltfreie Welt als Utopie haben und durch Gewalt durchsetzen. 

Aber wie schon gesagt: Wir sind keine Politprofis. Und daher nurungeordneten Gedanken zu diesem Tag.

(Zum Fußball dann Morgen oder Montag was)
Dez 172013
 

oder

Wir sind eine Spitzenmannschaft.

Vorwort

Geliebte Gemeinde, kennt ihr das? Einer der schlimmsten Sätze, die man als St.-Pauli-Fan auch nur andenken kann, ist folgender: „Die haben alle für uns gespielt“. Die peinliche Niederlage ist eigentlich schon ausgemachte Sache, wenn man nur „Die haben alle…“ gedacht hat. Aber irgendwie haben Außerirdische unsere Jungs entführt, ihnen Chips eingepflanzt oder die Chemtrails manipulieren so die Grashalme, dass irgendwie was „falsch“ läuft.

Geburtstagspunkte

Unser jüngstes Drittel hatte Geburtstag. Da muss der nach München gereiste Teil gleich mal mit einem Kerz… äh Feuerzeug-Foto gratulieren. Aber damit hat man dann grob eine Minute von ungefähr 660 rum gebracht, die die Hinfahrt so dauert. Während das Geburtstagskind den Tag genoss und das Spiel mit einigen Freunden und refugees sah vergingen in der Begleitung von Flaschenhals J und Osna N auch elf Stunden für das Auswärtsdrittel vorbei wie im Fluge. Und ansonsten hat man ja ein Kissen dabei.

Feststellung des Tages: Rotwein macht Rotweinflecken. Auch dann, wenn er mit irgendeinem Sprudel versetzt ist. Aber außer zwei Kissen und ein bisschen Schnürsenkel hat zum Glück nix was abbekommen, was nicht abwischbar wäre.

Wir hatten nebenbei einen gemeinsamen Bus mit der Ultra-Reisegruppe, aber die Mischung zwischen Kutten und Ultras vertrug sich und chillte fröhlich über die Autobahn. Lag auch nur daran, dass die Ultras uns mit billigen Getränken bestochen hatten. Nee, im Ernst: Super klasse, dass ihr die ganzen Getränke zum Bus schleppt und die für einen Spottpreis verkauft.

Beschallt wird mit einer exklusiven Auswahl von Welthits. Z.B. diesem Klassiker (Klicken ausdrücklich auf eigene Gefahr)

Kurz vor München noch München Rot eingesammelt und ab zum Stadion. Ganz ehrlich: Wie kann man ein Stadion bloß an eine so trostlose Stelle stellen und auch noch so trostlos grau gestalten? Da kann auch nicht der Gag mit der Beleuchtung drüber hinwegtäuschen, dieses Stadion ist grau(enhaft).

Kurz noch mit dem Senior unseres Seniors geschnackt und ab in den Block. 2.000 Auswärtsfans sind super. 1.000 davon, die kein Lied mitsingen, sind, hmm, ausbaufähig. Kurz vor Anpfiff noch Hektik in der Ultra-Ecke. Fahnen abhängen, rausgehen, ein bisschen hektisches Gelaufe. Man munkelte von einer Festnahme (wohl wegen einer FCK CPS Mütze…), aber kurze Zeit später erschienen die Mädels und Jungs im Banda-Brava-Style wieder im Block und der Support konnte losgehen. Wenn man jedoch oben nicht hört, was unten angestimmt wird, dann wird das sehr sehr schwierig. Aber dafür war es eigentlich ganz okay.

Was man da auf dem Platz sah, war irgendwie nicht real. Unsere Jungs erneut im 4-4(Raute)-2 und man muss sagen: Das ist ziemlich offensiv, aber schon derbe spannend als Aufstellung. Nachteil: Man hat man Löcher vor dem Außenverteidiger. Vorteil: Viele offensive Waffen im Mittelfeld. Und was Ratsche, Bartels und Nöthe da vorne abziehen, das ist schon gut. Endlich wird schnell umgeschaltet und versucht, aus Ballgewinnen Torabschlüsse zu bekommen. Hinzu kommt, dass unser Coach anscheinend mit den Jungs auch mal was einübt. Da wird bei einer gegnerischen Ecke einfach mal eine Dreierreihe vorne hingestellt, die beim Gegner für Unruhe und beim gegnerischen Torhüter für Alarmstimmung sorgt. Und endlich wird auch mal versucht, dann einen der schnellen Jungs in ein Rennen zu schicken. Und so fiel dann auch das 2-0 durch Bartels, der einfach den Gegner überläuft.

Hinten insgesamt relativ wenig zugelassen, vorne die Chancen herausgespielt und zwomal verwertet. So gewinnt man auch bei einer Mannschaft, die einen Lauf hatte. Und so spielt man um den Aufstieg mit. Seien wir ehrlich: Die Jungs stehen vollkommen zurecht mitten im Rennen um Liga eins. Und wir sollten uns damit anfreunden, dass wir ganz konkret um den Aufstieg mitspielen!

Nach den Jubelarien wollte der Block noch den Trainer sehen, dem das eher peinlich war. Eine Welle wollte er da noch nicht machen, aber das holen wir dann nach, wenn wir bei München Rot gewonnen haben. Oder wie findet ihr die Vorstellung, dass uns Kapitän Kalla in die Arroganz Arena führt, wenn diese rot leuchtet? Wer ist schon Kapitän Lahm, wenn man Kapitän Kalla hat? Diese Träume werden wir jetzt auf der Rückfahrt träumen. Denn wir haben ein Kissen dabei.

Warum diese dann über Leipzig und Magdeburg ging, war im Schlaf nicht herauszufinden. Nach grob 25 Stunden war auch diesen Abenteuer überstanden. Nebenbei ohne einen Halt in Allertal.

Es schrieben bisher noch…

Kleiner Tod sieht uns auf der Erfolgsspur.

„hatten sich die Hamburger als die reifere Mannschaft mit der besseren individuellen Qualität erwiesen.“ sagt nicht irgendein Spinner, sondern die Süddeutsche Zeitung. Was für ein Lob.

USP mit einem Spendenaufruf für Horst

Der Erfolgsfan Gegengeraden Gerd (typisch Gegengerade halt 😉 ) schreibt auch mal wieder.

Der Übersteiger Frodo gibt sich arrogant und elitär.

Jens spricht die örtliche Mundart (unten auch Link zur hochdeutschen Version)

Und die tägliche nichttägliche Presseschau erscheint auch mal wieder. Mal gucken wie lange 😉

Dez 122013
 

oder

Das OLG Urteil in Sachen Upsolut

 

ACHTUNG: Es handelt sich bewusst um eine schnelle vorläufige Bewertung!

Liebe Leser, eben gerade erreichte uns alle die Pressemitteilung des FCSP. Danach ist die Laufzeit des Vertrages mit Upsolut vom OLG als Sittenwidrig eingestuft worden und der Vertrag endet am 30.06.2014. Und zwar laut der Mitteilung des Vereines ohne finanzielle Entschädigung an Upsolut. Das Wettbewerbsverbot soll aber aufrecht erhalten bleiben. Lassen wir das Wettbewerbsverbot mal kurz außen vor und beschäftigen uns nur mit der Vertragslaufzeit:

Ist das nun der vom Verein (hier mal im Sinne der Geschäftsführung gemeint) erhoffte Erfolg?

 

Das wird sich noch zeigen. Denn man muss sich hier auch wieder an den absoluten juristischen Grundsatz halten, dass wenn man die Gründe nicht kennt, man ein Urteil nicht abschließend bewerten kann. Eines ist aber bereits jetzt sicher. Die Geschichte ist wahrscheinlich nicht am 30.06.14 beendet.

 

Man erinnere, dass die Vorinstanz (Urteil vom 06.01.11!) sämtliche Anträge des Vereines abgelehnt hatte.Es ist ganz spannend zumindest den Sachverhalt dieses Urteils zu lesen. Nebenbei: Sehr gelungene Anonymisierung, wir mussten lange raten, welcher „gerichtsbekannter Sportverein“ denn nun gemeint ist. Aber da das Hamburger Landgericht in Sichtweite zum Millerntor sitzt, gehen wir mal davon aus, dass die uns wirklich kennen.

 

Nun also die Kehrtwende durch das OLG, wobei wir nicht wissen, ob nun der Hauptantrag oder einer der Hilfsanträge beim OLG zum Erfolg führte. Vermuten würden wir, dass eher einer der Hilfsanträge zum Erfolg führte. Das ganze sieht nicht nach der vom Verein beim Landgericht beantragten Nichtigkeit oder der zuerst hilfsweise beantragten außerordentlichen Kündigungsmöglichkeit (im Volksmund gerne auch mal fristlose Kündigung) aus, denn das OLG hat ja keine sofortige Beendigung ausgeurteilt.
Anscheinend sieht das OLG eher die Möglichkeit einer Kündigung mit 6 Monaten Frist, so dass es nun zu diesem Beendigungsdatum kommt. Das war in der Erstinstanz auch als Hilfsantrag enthalten.

 

Was aber genau vor dem OLG beantragt wurde, ist uns natürlich unbekannt und wird erst mit den Gründen bekannt. Diese werden aber garantiert öffentlich.

 

Viel wichtiger ist aber ein anderer Satz in der Pressemitteilung: „Die Revision ist zugelassen“. Dies ist nach § 543 ZPO dann der Fall, wenn es sich um eine Rechtssache von grundsätzlicher Bedeutung handelt. Dabei ist nun nicht ausschließlich das finanzielle Volumen entscheidend, aber hier kommt natürlich hinzu, dass langfristige Sponsoren- und Merchverträge sich einer großen Beliebtheit erfreuen. Sprich, man könnte sagen, dass hier ein Musterverfahren entschieden wird, auch wenn man das nicht so gerne hört.

 

Sprich: Sowohl der Verein (wegen des Wettbewerbsverbots), als auch Upsolut (Gründe sind klar) können hier mit einer Revision den Bundesgerichtshof (BGH) anrufen.

Es bleibt abzuwarten, ob insbesondere Upsolut den Weg der Revision geht, dafür haben sie eine gewisse Frist, die nach § 548 ZPO einen Monat lautet. Jedoch beginnt diese Frist erst nach Zustellung des vollständigen Urteils in schriftlicher Form. Wann dies geschieht, kann man nur raten, üblich ist eine zeitnahe Zustellung nachdem das Urteil mündlich verkündet ist.

Was passiert aber nun, wenn Upsolut den Weg der Revision geht? Das Urteil des OLG wird nicht rechtskräftig. Geklagt wurde auf die Feststellung, gehen wir mal davon aus, dass weiterhin eine Feststellung verlangt wurde und nun auch ausgeurteilt wurde. Nämlich die Feststellung, dass der Vertrag am 30.06.14 enden wird. Genau wissen wir das nicht, denn wir haben die Gründe nicht

Nun bindet diese Feststellung die Parteien aber erst mit der Rechtskraft. Ist so bei Urteilen und daher auch hier. Wenn man so will hätte eine Revision aufschiebende Wirkung, auch wenn der Jurist hier diesen Terminus Technicus nicht verwenden würde.

Nun wird der eine oder andere schon etwas von der „vorläufigen Vollstreckbarkeit“ gehört haben. Diese bestimmt, dass man Urteile auch schon vor der Rechtskraft auf eigenes Risiko schon mal vollstrecken kann. Dies geht bei aber bei Feststellungsurteilen nicht.

Ist irgendwie auch logisch. Wie soll ich vorläufig so tun, als ob ein Vertrag zwischen zwei Parteien nicht besteht? Und am Ende überlegt der BGH es sich anders? Das ein Chaos die Folge wäre, ist klar.

Ob Upsolut in die Revision gehen wird? Wir können uns ehrlich gesagt das Gegenteil nicht vorstellen. Wir müssen eher davon ausgehen. Dafür hängen an einem sehr erfolgreichen Produkt zuviel wirtschaftliche Interessen.

Nun können wir davon ausgehen, dass beim BGH auch noch mal mindestens zwei Jahre ins Land gehen, bevor wir dort ein Urteil bekommen. So lange werden wir wohl voraussichtlich weiterhin mit Upsolut leben müssen.

Und dies ist – abseits von der juristischen Seite – nicht wirklich gut. Die Marken sind eingefroren, eine Weiterentwicklung oder Neuentwicklung von Marken in diesem Zustand mehr oder minder unmöglich. Wo andere Vereine schon die „echte Liebe“ entdeckt haben, müssen wir unser 90er Jahre Produkt weiterhin ohne Veränderungen oder Neuentwicklungen vermarkten. Wir können froh sein, dass es bei allen Modetrends relativ zeitlos geblieben ist. Aber gut ist diese Vorstellung nicht.

Vielleicht können sich die Parteien ja jetzt endlich mal auf einen gemeinsamen Weg aus diesem Schlamassel einigen. Auf den Verein käme bei einem Rückgewinn der Marketingrechte sowieso eine riesige Verantwortung zu. Die Angst, dass dieser Gewinn nur dazu genutzt wird die Rechte erneut an irgendwen langfristig zu verscheuern, die bleibt. Sinnvoll ist dieses jedoch nicht.

 

Wenn uns das Urteil in schriftlicher Form erreicht hat, dann lest ihr an dieser Stelle mehr.

Dez 092013
 

Moin Hoschis,

viel Wirbel um „Xaver“ hat es die letzten Tage gegeben. Die schlimmste Flut seit ’62, furchtbare Orkanböen, Schneeverwüstungen, den Weltuntergang. Das und noch viel mehr wurde durch die Medien so hochgetrieben, dass auch wir uns letztlich nicht mehr sicher waren, ob wir nach Aue fahren bzw. Aue erreichen werden. In einem Sankt-Pauli-Fanbus zu sitzen und dann komplette 90 Minuten eines Spiels sehen zu können ist in diesen Wochen ja weniger selbstverständlich geworden. Trotzdem sollte sich mutig ein Drittel des Blogs per Auto, das zwei per Fanladenbus und das dritte Drittel gar nicht auf den Weg machen.
Irgendwie ist 9 Uhr eine komische Uhrzeit, um in den Fanladenbus einzusteigen. Es ist hell draußen und man ist nüchtern. Dennoch enterte das weibliche Drittel des Blogs diesen und fand samt Begleitung dann einen Platz in netter Runde. Was man leider nicht von der gesamten Busbesatzung behaupten kann. Aber dazu später mehr.

Rund neun Stunden sollte die Fahrt nach Aue am Ende dauern. Autobahn runter, Landstraße, Autobahn rauf, Raucherpause hier, Pinkelpause da. Ihr kennt das ja.
Eine staubedingte Durchfahrt der saalischen Hölle – und da waren wir schon sehr positiv verwundert – ließ uns auf ein riesiges „Refugees welcome“-Tag entlang einer Mauer blicken. Das war aber auch schon das Schönste an dieser Stadt, in der man am Straßenrand übrigens „Bockwurst im Brötchen“ für 70 Cent erhalten kann.

Als Autoanreisender hat man in Aue Spaß. Der „Parkplatz Gäste“ ist irgendwo im nirgendwo, zu finden über eine Schnitzeljagd, wobei die „Schnitzel“ geparkte Polizeiwannen sind. Der Parkplatz an sich ist dann eine Wiese in einem Gewerbegebiet. Geparkt und dann schnell zum Shuttlebus, wo man dann auch ganz viele bekannte Nasen traf und sich gemeinsam in Richtung Stadion bewegte.
Hier die Busfahrer eingesammelt und festgestellt, dass es bitterlich kalt ist. So kalt, dass gekaufte Nudeln, die eben noch in einem Topf dampften, innerhalb von fünf Minuten eiskalt waren. Immerhin gab es Glühwein, aber auch der glühte leider nicht.

Es fehlten: unsere Ultras. Ohne jetzt auf Details eingehen zu wollen, da wir sowieso nur die „Hörensagen“-Fraktion sind, hatten die wohl ein längeres Tête-à-Tête mit der sächsischen Polizei. Nein, keine Randale in Sachsen, eher so eine „Personenkontrolle“, wie man sie halt macht, wenn man einen kompletten Polizeibetriebsausflug rechtfertigen muss. Man muss sich das mal reinziehen: Am gleichen Tag beschließen die Innenminister, dass der Fußball mit weniger Polizei auskommen soll, und hier laufen für 8.000 Zuschauer gefühlt 9.000 Polizisten herum. 100 hätten auch gereicht.
Nun denn. Im Block also ein bisschen Verwirrung, denn so ohne alle Ufftas ist ein koordinierter Support nicht möglich. Die meisten Leute gaben ihr Bestes, aber das ist dann ein vierstimmiger Kanon mit sechs Stimmen oder so ähnlich. Entsprechend wenig hörte unser Mann vor der Kneipenglotze aus dem Sankt-Pauli-Block.
Auf dem Platz dafür umso mehr Koordination. Ein Elfmeter für Aue wird gehalten – wobei sich Tschauner auch schon echt Mühe geben müsste, um den nicht zu halten. Das war schon ein bemerkenswert schlecht geschossener Elfmeter. Rückblickend wird man hier wohl von einer Schlüsselszene sprechen müssen, denn nach einem 1-0-Rückstand wäre das entscheidend schwieriger geworden. So spielten wir unseren ersten Angriff klug durch und hatten dann auch das Glück, dass Bartels den Ball ins Netz haut. Gerade als sich Aue so halbwegs wieder zu berappeln begann, machten wir das 2-0. Da kann man nebenbei sehr gut über „passives Abseits“ diskutieren. Aber nun gut, so sind die Regeln.

Und in Halbzeit zwei hatte man eigentlich nie das Gefühl, dass hier noch wirklich was anbrennt. Aue zwar mit gefühlt 99 % Ballbesitz, aber die zwei guten Chancen retteten Tschauner eher vor dem Kältetot, als dass sie uns noch wirklich in Probleme brachten.
Bartels definitiv der Mann des Spieles. Zwei großartige Szenen, zwei Torbeteiligungen. Ansonsten spricht man wohl von einer „geschlossenen Mannschaftsleistung“ und „den Kampf angenommen“.
Wenn man etwas kritisieren möchte, dann dass wir immer noch bei Eckbällen echt zittern müssen und auch diesmal freie Kopfbälle für Aue dabei waren. Da fehlt uns echt was und das sollte im Winter noch mal komplett neu geübt werden.

Zwar ist noch nicht Winterpause, aber die Hinrunde ist vorbei. 28 Punkte aus der Hinrunde sind erstmal nach unten ein gutes Polster, aber noch keine absolute Sicherheit, wenn man bedenkt, dass da unten Mannschaften mit 19 Punkten stehen. Nach oben haben wir ca. drei bis vier Punkte zu wenig. Ganz ehrlich: Mit ein bisschen mehr Glück hätten wir die haben können. Die Punktverluste gegen Bielefeld, Paderborn und Sandhausen seien nur mal als Beispiel genannt. Und jetzt würden wir ein 2-0 bei Union Berlin auch durchbringen, denn unsere Jungs sind definitiv auf dem aufsteigenden Ast. In den nächsten beiden Spielen lauern nun unsere beiden direkten Verfolger: dummerweise als eine Montag-Freitag-Kombination. Aber wenn man hier so vier Punkte holen würde, dann würden wir wohl auf einem Aufstiegsplatz (bzw. Relegationsplatz) überwintern. Und dann kann ja mal träumen erlaubt sein. Das wird aber trotz unserer neu gewonnenen Stärke schwierig.
Zum Abfeiern kam USP dann doch noch in den Block und so hatten die Mädels und Jungs wenigstens noch ein bisschen Spaß an diesem Tag.

Für die Autofahrerfraktion hatte der liebe Gott dann noch den Shuttlebus aus der Hölle vor das Auto gelegt. Man muss sich echt fragen, was man in all den Jahren falsch gemacht hat, wenn unser Verein immer noch Leute anzieht, die meinen Polizisten mit „schwul“ beleidigen zu können und die auch meinen, es sei lustig, wenn dort der „assoziale Widerstand“ regiere.
Nun gut, der Rest der Rückfahrt war dann langsam (wegen Schnee) und warm (wegen Heizung im Auto) und unerzählenswert.

Die Busfahrt zurück war lange leise, weil nahezu alles schlief; einmal peinlich, als nämlich auf einer Raste der Mannschaftsbus stand und mancher unser Businsassen Fremdscham auslöste; und leider sogar rauchig, als ein paar Assis trotz mehrmaligen Aufforderungen das Rauchen im Bus immernoch nicht sein lassen wollten. Ey Loide, echt nicht.

Doch das Gequarze im Fahrzeug wirft kein schwarzes Licht über die beherzerte Tour ins Erzgebirge.

Es schrieben auch…

Der Übersteiger fasst das Wochenende zusammen

Der Jens sah auch mal wieder ein Spiel

 

Kleiner Tod vernaschte Angstgegner

 

Ab vom freitäglichen Spiel:

 

Feiert Pathos FCSP Geburtstag. Mögen es noch 60 mehr Jahre werden. Das Blog führt immer so ein bisschen ein Schattendasein, aber lest ihn. Wandelndes Lexikon, feiner Mensch und super Blog. Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum.

 

Auch Mut*Herz*Verstand erinnert sich an ihre FCSP Anfänge.

 

Der @ColliniSue von den Wochenendrebellen berichtet bei Fokus Fußball über einen Besuch beim Blindenfußball.

 

Das Lichterkarussell erinnert an Mandela

 

Dez 022013
 

 

Unser Vorwort

Liebe Leser, dieses Internetz ist schon eine tolle Sache. Da schnackt man mal so belanglos mit einem Kölner über Fanszenen, Gott, Dom und Dom und dann erzählt der, dass er zu dem Gastspiel seines FC zu uns kommt. Da fragt man doch sofort mal, ob er – da nicht selber Blogger – nicht mal Bock hätte einen Spielbericht zu schreiben. Und siehe da, der Herr Iron Dom hatte.

 

Nun ist die Natur eines Gastberichtes immer, dass er a. nicht unsere Meinung wieder gibt und b. eine andere Sicht auf die Dinge hat. Das macht es ja so interessant und spannend. Daher vielen Dank für diesen Gastbericht und viel Erfolg in der Vorstadt morgen. Wie werden wir da draußen eigentlich gesehen? Lest also, was der Herr Iron Dom am Millerntor erlebte und wie er so über uns denkt:

 

Nun also der Gastbericht:

 

Ich falle direkt mal mit der Tür ins Haus: ich bin Fan der 1. FC Köln und ich bin kein Nazi. Im Gegenteil und deshalb wurde ich auch um einen Gastbeitrag in diesem sehr feinen Blog gebeten.

Am Vortag unseres Gastspiels auf dem Kiez wurden vom Autohof St. Pauli Bilder der Boyz Köln veröffentlicht, die Mitglieder der zweitgrößten kölner Ultragruppe bei einem Fußballturnier russischer Nazischläger zeigten. Ich werde hier jetzt gar nicht erst versuchen zu verteidigen, was gar nicht zu verteidigen ist, aber etwas mehr Differenzierungsfähigkeit hätte den Verfassern gut zu Gesicht gestanden. Zu behaupten, dass „ein Auswärtsblock der Nazis toleriert“ bei euch zu erwarten sei, ist ein Schlag ins Gesicht eines jeden antifaschistischen Fans innerhalb unserer Fanszene und davon gibt es mehr, als scheinbar bis zum Kiez durchgedrungen ist. Wenn man wahrscheinlich noch nie auch nur einen einzigen Nazi im eigenen Block gesehen hat, hat man einfach leicht reden und vergisst, dass man sich auf einer antifaschistischen Trauminsel befindet, die mit anderen Vereinen nicht vergleichbar ist. Da sollte man sich doch eher mit den coolen Leuten im Gästeblock solidarisieren, als diese mit Nazis und deren Verteidigern in einen Topf zu schmeißen. Die Spruchbänder im Stadion waren immerhin deutlich an den Empfänger gerichtet.

Na gut, das soll jetzt dazu reichen. Immerhin fand auch ein Fußballspiel statt, auch wenn man aus dem Gästeblock jetzt nicht den besten Blick darauf hat. Dieser ist leider extrem flach und die unterem Schlammstufen sind eines der besten Argumente für den modernen Fußball, die ich je gesehen habe. Ansonsten kann ich nur ein großes Kompliment für euer neues Schmuckstück aussprechen. Besonders die Gegengerade hat es mir angetan. Als Fan des eher altmodischen Supports ist es schön zu sehen, wie dieser und die Stimmung der Ultras miteinander harmonieren. Dennoch war ich etwas von der Stimmung enttäuscht. Besonders viel kam nicht im Gästeblock an. Dieser hatte allerdings auch nicht seinen besten Tag und die Stimmung lässt sich im unteren Durchschnitt unserer Möglichkeiten ansiedeln.

Auch wenn ich kein Freund von USP bin, haben mir die Choreo und der sehr passende Einsatz von Pyrotechnik sehr gut gefallen. Ob den auf eurer Seite sicherlich zahlreich anwesenden Tierschützer so gut gefallen hat, das ein Tier gequält wurde? Man weiss es nicht.

Zum Spiel selber werde ich nicht viele Worte verlieren. Da habt ihr sicher schon genug und vor alles besseres drüber gelesen, als ich bieten kann. Außerdem war meine Sicht, wie oben schon bemerkt, sehr schlecht. So sah ich auch die rote Karte im Stadion als klare Fehlentscheidung, musste mich aber nach Sichtung der Fernsehbilder eines besseren belehren lassen. Jedenfalls war es ein Spiel auf hohen Niveau, das trotz des kalten Regens Spaß gemacht hat.

Ums rund zu machen, noch zwei Gedanken zu eurer Fanszene. Was mir sehr gut gefällt ist, dass scheinbar alle Facetten der Fankultur irgendwo ihren Platz am Millerntor gefunden haben. Was mir allerdings aufstößt ist, dass oftmals von oben auf andere Szenen und ihre Probleme herabgesehen wird. Dabei läuft auch bei euch nicht alles rund, wenn man sich etwa das Verhalten von USP gegenüber den Millerntor Devils anschaut. Das war einer Szene mit eurem emanzipatorischen Anspruch nicht würdig. Dennoch werde ich auch in Zukunft keine Feindschaft zum FC Sankt Pauli pflegen und weiterhin immer wieder gerne nach Hamburg reisen. Das nächste mal aber bitte in der ersten Liga und ohne Schlammschlacht im Gästeblock.