Nov 262013
 

oder

alles wie immer

Mein Gott Walter

Liebe Leser, Walter Frosch ist tot. Er hat den Kampf gegen den Krebs endgültig verloren. Schon lange war Walter schwer gezeichnet von seiner Krankheit.

170 Spiele und 22 Tore für unseren FCSP verzeichnet die Statistik, aber wie bei so vielen Spielern, die bei uns in die Jahrhundertelf gewählt wurden, sind die sportlichen Erfolge eher nebensächlich. Bekannt geworden ist Walter Frosch für unzählige gelbe Karten. Und für ein Herz, das er auf der Zunge trug. So werden viele Sprüche von ihm wohl in das ewige Fußballgedächnis eingehen.

Als raubeiniger, aber nie unfairer Verteidiger passte Walter Frosch perfekt auf den Kiez. Zwar spielte er in einer Zeit, in welcher der FC St. Pauli noch kein Mythos war, aber seine Spielweise wird die Legende der angeblich immer kampfstarken FCSP-Mannschaften mit aufgebaut haben. Auch nach seiner aktiven Zeit sah man ihn – teilweise schon schwer gezeichnet – bei jeder wichtigen Veranstaltung unseres Vereines.

Wer das Vergnügen hatte, in seiner Victoria Klause zu bechern, der weiß, dass hier ein Mensch mit Herz, Verstand und einer Geschichte bediente. Während die wenigsten von uns ihn noch in seiner aktiven Zeit spielen sahen, werden ihn viele von uns als Wirt kennengelernt haben. Denn der Besuch des Victoria-Stadions am Freitagabend mit anschließendem Bier bei Walter stand lange auf dem Speiseplan vieler St. Paulianer. Nicht nur, aber insbesondere auch weil dort Walter Frosch bediente.

Leider war Walter Frosch noch für etwas bekannt: Für unzählige Zigaretten. Und auch diese sind höchstwahrscheinlich schuld, dass wir nun viel zu früh ohne Walter Frosch auskommen müssen. Leute, lasst die Finger von diesen verfluchten Glimmstengeln.

Walter, dein Mundwerk wird uns fehlen, deine Vereinstreue und deine Liebe zum FCSP wird uns fehlen. Die braun-weiße Himmelsmannschaft ist um einen beinharten Verteidiger reicher. Mach es gut, Walter!

Siegen im Stil von Walter Frosch

Unter dem Eindruck des Ablebens von Walter Frosch ging es also nun morgens nach Aalen. Unsere Reiseplanung wurde bereits vorab vollkommen durcheinandergewürfelt, fiel doch eine Mitfahrerin krank aus. So machte man sich mit einem anderen Auto als geplant auf den 653 Kilometer (Entfernung nicht vom Millerntor gerechnet) langen Weg.

Und während unsere Vorhut versuchte, auf einem Sofa überhaupt noch ein bisschen Schlaf zu bekommen, rissen wir die Kilometer herunter. Und eigentlich wäre auch alles ganz easy verlaufen, wenn wir nicht bald hätten tanken müssen. Um 5.10 Uhr auf einer Tankstelle kann schon eine zerbrochene Bierflasche eine ganze Fahrt aus dem Gleichgewicht bringen.

Denn nun war der Mitfahrer auf Zinne. Er sah nur den abgebrochenen Flaschenhals und hatte nun derbste Hool-Phantasien. Erstmal wollte er der Eingangstür der Tankstelle eine drücken. Begründung: „Steht doch auf ihr drauf.“ Dann schwebte ihm vor, den Fahrer ständig mit dem abgebrochenen Flaschenhals zu bedrohen. Nur mit der Gegen-Drohung, das Ambientelicht herunterzudrehen, war er überhaupt zu beruhigen. Kurz: Nach müde kommt blöd und wir waren zu früh los gefahren, um nicht müde zu sein.

Bier und müde war auch der andere Auswärtspart des Blogs. Dieser war nämlich in einmaliger Begleitung schon am Samstag per ICE angereist, um den Abend bei der Soli-Party im Aalener „Rock it“ zu genießen. Nachdem die Beiden dank Zugausfall ihr Ziel mit deutlicher Verspätung erreichten, sollte es aber ein ausgelassener, feuchtfröhlicher, pogender Abend werden, der am frühen Morgen irgendwo im schwäbischen Nowhere endete. Ein Chauffeur fuhr sie nämlich direkt ins Château, wo neben schmackhaften Nachtmahl auch eine Unterbringung im Westflügel wartete – natürlich standesgemäß en suite und mit (mindestens) Kingsize-Bett.

Ups, Bus kaputt? Nicht gut! Fanladenbusse neigen dazu, irgendwie immer anzukommen und wenn sie noch so kaputt sind. Diese Serie wurde heute gebrochen, denn der Fanladenbus gab bei Göttingen komplett seinen Geist auf und es war auch kein rechtzeitiger Ersatz mehr zu organisieren. So mussten wir auf die Bus-Crew zum größten Teil verzichten. Wir nahmen noch kurz Leute vom Bus auf, aber so richtig helfen kann man natürlich nicht.

Dieses Manöver hatte auch erhebliche Auswirkungen auf die vorab angereiste Party-Crew. Während die Zeit in Aalen eher einem Staatsempfang glich, war die An- und Abreise schwerfällig. Wollte die Vorhut eigentlich mit dem Fanladenbus zurück, musste kurzfristig auf die Fanladen-Gruppenfahrt im ICE gewechselt werden, um dann mit allerhand Verspätung in Hamburg zu landen.

Der Rest der Hinfahrt ist schnell erzählt. In Aalen peinlich darauf geachtet, alles so zu machen, wie wir es die Saison vorher gemacht haben. Selbe Tankstelle, selber Parkplatz, wieder in die Stadt gegangen vor dem Spiel. Nein, wir sind überhaupt nicht abergläubisch. In der Stadt konnte dann auch die Vorhut und der örtliche St.-Pauli-Mob eingesammelt werden. Mit diesem ging es dann zu den Ufftas, die im „RambaZamba“ (wie passend) einen hoben. Bemerkenswert: Die örtliche Bevölkerung ließ sich durch einen riesigen Haufen saufender Fußballfans nicht vom gepflegten Sonntagsfrühstück abhalten.

Natürlich ließ man es sich unterdessen auch im Landschloss nicht nehmen, ein üppiges Sonntagsfrühstück aufzutafeln. Während der Kronprinz noch seinem Schönheitsschlaf fröhnte, wurde die Party-Crew am Kaminfeuer hierzu empfangen.

In einem langen Marsch dann den Berg zum Gästeblock erklommen und dort den gleichen Platz wie letzte Saison eingenommen. Konnte los gehen.

Der Wunsch an unsere Jungs war eigentlich nur, dass sich jeder zu Ehren von Walter Frosch eine gelbe Karte abholt. Das hat letztendlich mit fünf gelben Karten nicht ganz geklappt. Aber Buchtmann kann mit seiner 8. Im 14. Einsatz auf eine ordentliche Quote blicken. Ach, dieser Buchtmann wird ja sowieso immer mehr zum stillen Held. Was der an Lücken wegackert, dies ist schon bemerkenswert. Ansonsten wurde doch die ordnende Hand im Mittelfeld immer wieder vermisst. Und so komisch das klingt: Da fehlte Kalla in der Form der letzten Wochen.

Trotzdem spielten unsere Jungs eine bemerkenswert starke erste Halbzeit, die genau einen Schönheitsfehler hatte: Es stand nur 1-0. Weil wir die einfachen Chancen liegen lassen, hatten wir es dann Nöthe. Um mal das schlechte Wortspiel nach dem 1-0 zu wiederholen. Das Schlimme dabei: Das war ungefähr das schwierigste Ding, aber Nöthe zeigte, was für eine Klasse er hat. Und läuft nach dem Tor zu Verhoek, um ihn zu umarmen. Kann man mal machen.

Nach der Pause überboten sich beide Mannschaften in Unvermögen. Aalen schaffte es nicht, aus seinen vielen Chancen wirkliche Gefahr für das Tor zu produzieren, und bei uns wurden Konter einfach mies gespielt. Uns fehlt da komplett ein System der Laufwege und zu häufig bleibt einfach alles stehen und hofft auf die Eingebung der zwei Spieler, die zufällig vorne stehen. Und wenn diese dann versuchen, den Ball achtmal hin- und her zu passen, anstatt mal aus 16 Metern draufzuziehen, dann verzweifelt man im Gästeblock. Die haben sich doch alle Dortmund gegen Bayern angesehen, oder? So wie Götze, so macht man das.

Nun gut, Aalen fiel auch nix mehr ein und so war ein 0-1 wie letztes Mal gesichert.

In dem nicht gerade Support-fördernden Gästeblock war insgesamt eine gute Stimmung, gerade wenn man es mit dem letzten Mal vergleicht. Natürlich geht da in engeren, überdachten Blöcken sehr viel mehr, aber für diesen Block war das gut. Und USP werkelt da an einem neuen Ohrwurm, wo wir ehrlich gesagt noch nicht wirklich textsicher waren. Aber wir arbeiten dran. „….unser Ein und Alles, ja wir lieben dich…“

Auf Aalener Seite konnte man den Ekel des angeblich Unpolitischen bewundern. „Reichsstadt Aalen“ ist da zu lesen. Ja klar, das bezieht sich natürlich komplett auf die über 600 Jahre zurückliegende Gründung und ist dem Heimatpatriotismus geschuldet (der an sich ja schon bedenklich genug ist). Genau. Und das Hakenkreuz ist nur ein indischen Feuersymbol. Näher zu Gesicht bekam man den Ekel nur kurz vor dem Spiel, wo ein paar Jogginghosenträger den Marsch betrachteten. Die sahen aber mehr nach Gefahr für ihre eigene Hose als nach Gefahr für den Marsch aus.

Immerhin weiß man in der Scholz Arena die Hamburger Politik passend zu bewerten:

Scholz ist Schrott

Scholz ist Schrott

Nun denn, wir sind Tabellenvierter und haben nun direkten Kontakt zu den Aufstiegsplätzen. Das ist doch mal eine Situation, mit der man sehr gut leben kann. Und wenn man sich die vier Spiele bis zur Winterpause anguckt (Köln, Aue, 1860, Karlsruhe), dann müssten da doch noch die zwei kleinen Siege drin sein, die wir brauchen, um auch in das Jahr 2014 mit dem Blick nach ganz oben zu starten.

Köln? Freitag? 18:30? Ausverkauftes Millerntor? Flutlicht? Dom? HUCH! Wir sagen es mal so: Wer da kein Bock hat, sich die Seele aus dem Leib zu brüllen und den Geißbock taub nach Hause zu schicken, der sollte seine Karte schnell und direkt an die zahlreichen Interessenten abgeben. Wir können nach dem Spiel jede Support-Diskussion führen, aber wer an diesem Abend nicht jeden Gesang mitbrüllt, egal ob er von links, rechts, oben, unten, Süd, Nord, Haupt oder Gegengerade kommt, der sollte zu Hause bleiben.

Langsam steigt die Vorfreude, die Magie beginnt zu köcheln und der Effzeh geht ohne Punkte nach Hause. Voran S. Pauli.

Vorschau

Morgen ist JHV. Relativ ruhig und doch wichtig. Nur leider wird unser JHV-Schreiber es nicht zu der Veranstaltung schaffen. Daher fällt der übliche ellenlange JHV Bericht dieses Jahr aus. Ob es eine kurze Betrachtung geben wird, müssen wir sehen.

Es schrieben noch:

Kleiner Tod sah eine Raute im Mittelfeld

Jens stellte auf dem Acker fest, dass sich Göttingen nicht stellt. Seine Reaktion ist für seine Verhältnisse beinah schon diplomatisch.

Hmmm… mehr scheint es nicht zu geben, daher mal was von fremden Plätzen:

Uwe guckt sich Bullen aus der Nähe an

Die Wochenendrebellen hingegen gucken sich Eiserne an.

Das Textilvergehen-Podcast mit zwei Stunden großem Bahnhof in Kaiserslautern.

Zuguterletzt der Tweet der Woche. Auf dem Acker ungeschlagen. Gut, dass wir einen englischen Rasen haben.

  2 Responses to “Flaschenhals!”

  1. „Jens stellte auf dem Acker fest, dass sich Göttingen nicht stellt. Seine Reaktion ist für seine Verhältnisse beinah schon diplomatisch.“. scheinbar noch immer im urlaubsmodus :-P.

    jens 😀

  2. Hey magischerFC,

    hier unser neuer Blog mit einem Post über das Spiel und alles drumherum =)

    provincefanatics.blogsport.de

    Beste Grüße aus Aalen
    Flo

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