Nov 132013
 

oder

Auch eine Frage des Vertrauens

Das Lied zur Überschrift müssen wir jetzt einfach mal verlinken.

Liebe Leser, eigentlich sollte nach so einem Heimsieg alles in bester Butter sein und man sollte sich nur freuen. Und doch gab es ein Ärgernis. Ein sehr starkes Ärgernis. Und das hat mal wieder was mit Ultras zu tun. Auch wenn ihr das alle langsam nicht mehr hören mögt.

Nun haben ja andere Blogger schon ganz viel zu dem Thema gesagt. Links findet ihr unten. Und damit wir jetzt nicht auch einfach nur unserem Unverständnis Ausdruck verleihen und uns aufregen, nähern wir uns dem Ganzen mal etwas anders:

Erstmal vorab der Sachverhalt.

Die Südkurve hat den Gästeblock mit „Nazischweine“ belegt. Und zwar planvoll und ohne konkreten beziehungsweise aktuellen Anlass. Man kann sich gerne darüber streiten, ob man so seine Abneigung gegen Nazis kundtun sollte, oder ob das nicht auch „eleganter“ geht. Das ist definitiv eine Geschmacksfrage, die man auch diskutieren kann. Nur entscheidend ist folgendes: Bevor man in seinem Differenzierungswahn gar nix mehr macht, sollte man lieber mal in das Pauschalisierungskästchen greifen. Insbesondere weil Fußballchants insgesamt ja nicht gerade ein Quell der Differenzierung sind. Seien wir auch ehrlich „FC St Pauli, du bist mein Verein und wirst es auch immer bleiben“ singt sich etwas besser als „Ich finde die erste Herren-Fußballmannschaft des FC St. Pauli von 1910 e.V. ganz toll und ich denke, dass wird auch noch eine unbestimmte Zeit so bleiben.“ Und das Gleiche gilt auch für fußballerische Beleidigungen. Nun gut, wie auch immer, die Südkurve wurde dafür breit ausgepfiffen. Was natürlich auch ’sehr‘ differenziert ist.

Und da kommen wir eigentlich zu einigen Fragen, die man eigentlich jeden Pfeiffenden mal fragen sollte:

1. Informierst du dich eigentlich über gegnerische Fanszenen? Nur mal so zur Erinnerung: Letztes Jahr heilte im Gästeblock noch ein Sieg alle Wunden. Und die WK 13 Boys konnten ihr Banner minutenlang zeigen. Wer ein bisschen googelt, der wird sehen, dass diese Vorfälle bei weitem keine Einzelfälle waren von Leuten, die sonst nie da sind. Ganz im Gegenteil. Cottbus hat eine lange Tradition von rassistischen und rechtsradikalen Ausfällen. Und tut sehr wenig dagegen.

„Aber diesmal haben die ja nix getan“. Erstmal kann man dies nach vielen Berichten bezweifeln. Nazis sitzen halt nicht mehr mit Hitlergruß auf dem Zaun. Die sind auch cleverer geworden. Und dazu kommt, dass die wegen Pyroshow und Randale in Dresden auch gerade Strafen ihres Vereines absitzen und deswegen schmollen. Aber ihr glaubt doch nicht ernsthaft, dass da diesmal die Antifa Cottbus im Gästeblock stand und die ganzen Faschos zu Hause geblieben sind?

Natürlich sind nicht alle Cottbusser Nazis und Rassisten. Aber sorry, liebe Leute, in dieser Szene, in der es null Gegenbewegung gibt und seit Jahren, nein seit Jahrzehnten dieses Problem herrscht, da mache ich mich irgendwann auch durch daneben stehen mitschuldig und muss sich mal eine Pauschalisierung gefallen lassen.

Mal ganz davon ab, Nazis tun niemals nix. Nazis sind in ihrer bloßen Anwesenheit zu viel und am Millerntor nicht zu dulden. Alles andere ist ein Schritt in Richtung Braunschweiger oder Aachener Verhältnisse. Der geduldete „nichts machende“ Nazi bringt nämlich irgendwann seinen Kumpel mit und der noch einen Kumpel und irgendwann sind sie genug, um etwas zu machen. Siehe z.B. Duisburg.

2. Was hast du gegen Nazis gemacht? Trägst du mehr als ein „St. Pauli Fans gegen rechts“ Aufnäher spazieren? Nebenbei sieht man selbst die immer seltener am Millerntor. Ja, Antifaschismus ist eben mehr als ein bloßes Lippenbekenntnis.

3. Hast du dir mal überlegt, welcher Außeneindruck entsteht, wenn am Millerntor (!!!) die Rufe „Nazischweine“ ausgepfiffen werden? Man mag gar nicht bei uffta.ws gucken, aber wahrscheinlich wird da schon abgefeiert, dass die „Scheiß Zecken“ auch bei St. Pauli nicht mehr den Rückhalt haben und dort endlich auch „Politik bleibt Politik und Fußball bleibt Fußball“ gilt. Ist dies der Eindruck, den du vermitteln willst? Und das auch noch am Alerta Action Day? (Der nebenbei zeigt, dass „gegen Rechts“ viel mehr sein muss, als „gegen Nazis“ zu sein.) Man kann nur hoffen, dass alle Pfeiffenden wissen, was für Bockmist sie da angerichtet haben. Ein unpolitisches Millerntor ist eine Horrorvorstellung, die wir gar nicht erst andenken möchten. Aber ein Pfeiffen gegen Antinazisprüche ist ein riesiger Schritt dahin. Ich muss am Millerntor Anti-Nazi-Sprüche erstmal begründen, um nicht ausgepfiffen zu werden? Selbst wenn man das ein zweites Mal schreibt: Es bleibt unfassbar und unbegreiflich!

4. Oder ist es etwa das komplett fehlende Grundvertrauen in unsere Südkurve? Warum kommt eigentlich niemandem der Pfeiffenden folgender Gedankengang in den Sinn: „Hmmm… ich sehe gerade kein Grund, warum die Nazischweine brüllen, aber hey, die haben viel mehr Quellen als ich, vielleicht hat es irgendwo geknallt oder ich habe etwas nicht mitbekommen… ich sing jetzt mal nicht mit, aber ich informier mich später“. Man kann USP in ganz vielen Sachen kritisieren, aber wenn wir in unserer Szene es nicht endlich ein Grundvertrauen, eine Grundinformiertheit und eine gewisse Solidarität hinzubekommen, dann sind wir dem Untergang geweiht. Langsam muss man auch wirklich fragen: Was hat euch USP eigentlich getan? Und nun kommt nicht wieder mit dem „Dauersingsang“ und so einem Blödsinn. Praxistest: Die Gegengerade kann die Südkurve lässig übersingen, wenn sie will. Wenn dich der Dauersingsang am Singen und Supporten hindert, dann liegt es nicht an USP, sondern an dir. Support ist eben auch „hingehen wo es weh tut“.

Ihr doofen Kritiker: Lernt endlich mal Ultras und ihre Denkweisen kennen. Trinkt mit denen mal ein Bier, redet mit denen. Und zwar in Ruhe und ohne Vorurteile. Dann werdet ihr merken: Das sind auch nur Sankt Paulianer. Vielleicht für euch die doofe Schwiegermutter, aber eben doch Familie.

5. Komisch, dass nun Leute pfeiffen und meckern, die auch mal gerne vertreten, dass bei Hansa oder Dynamo sowieso alles Nazis sind. Noch mal: Beschäftigt ihr euch mit Fanszenen?

Nun gut, lassen wir das. Hoffen wir mal, dass nie wieder Rufe gegen Nazis am Millerntor ausgepfiffen werden. Sonst sollten wir uns ernsthaft Gedanken machen, ob dies noch der FCSP ist, der – zurecht – stolz darauf ist, anders zu sein.

Kommen wir zum restlichen Spiel. Ein Drittel von uns vertritt ja die steile These, dass wir bis zur Winterpause (Achtung, dies ist ungleich mit der Hinrunde) noch vier Siege aus sechs Spielen holt, sich dann das Thema „Wer trainiert die Mannschaft nach der Winterpause“ von ganz alleine erledigt und unserer jetziger Trainerstab seine zwei Jahre Verlängerung bekommt. Das ist nämlich ganz einfach. Erfolg macht Sexy. Und Erfolg war am Montag Abend schon mal vorhanden. Die Jungs spielten endlich nach einem 1-0 mal weiter.

Bemerkenswert dabei: Zwei Tore fielen direkt aus einem schnellen Umschalten nach Ballgewinn. Beim 2-0 achte man nur mal auf Schachten und wie viele Meter der nach seinem eigenen Ballgewinn überbrückt. So spielt man Fußball. Was haben wir uns in den letzten Monaten geärgert, dass nach einem Ballgewinn erstmal alles stehenbleibt und traurig aus der Wäsche guckt. So wie gestern muss das laufen!

Und das kann man sehr gut genau an Schachten fest machen. Was der ackert, das geht auf keine Kuhhaut. Auch sonst waren beinah alle Spieler richtig stark. Nöthe wird zwar kein Vollstrecker mehr, aber wo er wertvoll ist, zeigte er bei seinem Pass zum 1-0. Zu hoffen bleibt, dass Kalla sich nicht schlimmer verletzt hat, denn in der ersten Halbzeit zeigte er, dass er immer mehr zum Angelpunkt unseres Spieles wird.

Der Übersteiger wies vollkommen zu Recht darauf hin, dass dieses Spiel auch richtungsweisend war. Bei einer Niederlage hätte man sich doch deutlich Sorgen nach unten machen müssen. So gucken wir wieder nach oben. Und sind sozusagen die Besten vom Rest, wenn man so mal das sehr breite Mittelfeld der zweiten Liga nennen will.

Es schrieben noch…

Frodo seine Emotionen

Gröni zeigt Schachten, Schachten zeigt die Richtung. Nach oben.

Keep calm sah ein Comeback

Metalust ist anderer Meinung. (Die ich (headnutHH) auch komplett nicht nachvollziehen kann, aber lesen sollte man sie trotzdem.

Und neu in dieser Liste. St. Pauli Streets.