Nov 302013
 

oder

Mehr lieben gelernt.

Freunde der Sonne, es gibt ihn noch, diesen Geist, der einen mal zum FCSP trieb. Dieser Geist, der alles in die Waagschale wirft, auch wenn man noch so hoffnungslos unterlegen ist. Dieser Geist, der sinnlose Grätschen beim Stand von 0-2 bejubelt und dieser Geist, der eine junge Mannschaft trägt und sie zu einer wirklich guten Leistung treibt.

Ja, wir haben gestern Abend verloren. Köln war einfach besser. Die haben halt diese brutale Qualität, aus irgendwie drei Chancen in der ersten Halbzeit zwei Tore zu machen. Wir machen aus unseren sechs Chancen im Spiel eben gar kein Tor.

Aber wisst ihr was? Es ist egal. Für kein Geld der Welt möchte man mit ihnen tauschen. Möchte den besonderen Geist des FCSP eintauschen gegen diesen Sieg.

Köln. Ja, wie soll man sagen? Schöne Stadt und viele echt coole Leute in diesem Verein. Wenn man sich ein bisschen mit dieser Fanszene beschäftigt, sind da bei weitem nicht alle unpolitische Volltrottel, die ihre Thor Steinar Atzen einfach so hinnehmen. Aber liebe St. Paulianer, gewöhnt euch dran, wenn man so ein paar Boyz in seiner Kurve hat, dann wird man die nicht ganz so einfach los. Die Stichworte „aufs Maul“ „Hausbesuche“ und mal körperlich klar machen, was Phase ist, sollten jedem klar sein. Und in einer relativ kleinen Stadt wie Köln läuft man sich halt häufig genug über den Weg.

Das ist die harte Realität. Umso wichtiger, dass da Leute permanent und stur versuchen gegen zu steuern.

Problemfans ist ein gutes Stichwort, denn wir werden ja wohl nicht drum herum kommen, die ewige Pyrodiskussion zu führen. Ja, das gibt eine DFB Strafe und ja, das ist ärgerlich. Aber nein, es ist trotzdem kein Grund nun vollkommen kritiksteil zu gehen. Geht lieber bei dieser ständigen Bierbecherwerferei (gestern auch wieder) steil. Die hat uns in den letzten Jahren soviel Geld gekostet, da muss unsere Südkurve in nächster Zeit aber ein Pyroinferno starten, um auf die Summen zu kommen.

Zu dem Choreothema musst du zündeln :D. Und seien wir ehrlich: Zu Hause mal zu zündeln ist halt auch konsequent. Wenn du dich um das Verbot ein Dreck scherst und dir der Folgen bewusst bist, dann wäre es irgendwie albern zu Hause nicht auch mal zu zündeln.

Der Funke der Choreo sprang danach auch in den Support und in das Spiel. Unsere Jungs ackerten und rackerten, die Fans sangen sich in einen Rausch. Und so entstand der oben beschriebene Geist, der einem auch heute noch die Gänsehaut auf den Rücken zaubert. Leider war es auch einer dieser Tage, an denen man sich wie Sisyphos fühlt. Man ackert und rackert und doch liegt dieser blöde Stein immer wieder da.

Und Köln schlägst du nur, wenn die einen schlechten Tag erwischt haben und bei dir selber alles passt. Das war halt an diesem Tag nicht der Fall. Bei der ersten Ecke fragt man sich noch „Warum geht Tschauner nicht raus“? Bei der Ecke zum 3-0 weiß man es wieder. Hier fehlt uns noch (!) die Ruhe, die Abgeklärtheit und auch die Erfahrung aller Mannschaftsteile, die Köln eben hat. Dafür haben wir wunderbare Spieler, tolle Antreiber wie Buchtmann, Kampfmaschinen wie Schachten und ganz viele Spieler, denen man Herz und die Liebe zum Verein ansieht. So etwas wird zu Recht auch nach einem 0-3 bedingungslos angefeuert.

Noch ein Wort zur roten Karte: Wahrscheinlich kann man die sehr gut geben. Keine Ahnung. Im Stadion sah es eher nach Ball gespielt aus, Fernsehen haben wir noch nicht geguckt. Gonther hat da halt eine 50/50 Chance und da kommt es auf Millimeter an. Und klar, dann verhindert er den Alleingang und Bumms. Und dann kommt eben auch wieder so ein Moment, wo man gerade nicht tauschen möchte. Ujah wechselt innerhalb kürzester Zeit von „ich bin schwer verletzt“ zu „ich feiere das mal richtig mit dem Gästeblock ab“. Das ist nun nicht gerade die feine englische Art. Zeigt aber auch, wieviel Respekt und Angst Köln in diesem Moment noch vor einem Comeback hatte. Nehmen wir es also positiv: Diese Reaktion auf eine Rote Karte muss man sich auch erstmal verdienen.

Ganz viel(e) Herz(en) für NordSupport gab es auf der Gegengerade und auch an dieser Stelle sei den irren Nordlern zu ihrem fünfjährigen gratuliert.

Doch bei all diesen schönen Details, die uns trotz einer Niederlage verzaubern, gab es auch unschöne Erlebnisse. Als Köln das 3-0 schoss, meinte ein Kölner den Supportblock provozieren zu müssen. Als Ordner daraufhin gebeten wurden ihn aus der Kurve zu bringen langte er einem der Supportblocker ins Gesicht und beschimpfte ihn als Fo….. Doch nicht genug. Daraufhin mussten dann auch noch mit unseren Ordnern Diskussionen geführt werden, ob dieser Kölner das Stadion verlassen muss oder nicht. Natürlich wird das in der kommenden Woche nochmal aufbereitet. Von der grundsätzlichen Diskussion abgesehen, ob Gästefans überhaupt etwas in Heimkurven verloren haben, kann es nicht sein, dass unsere Ordner sich in dieser Form verhalten. Wer gegen die Stadionordnung verstößt, fliegt. Punkt.

Und so bestätigte der Tag am Ende wieder das, was wir schon immer wussten: St. Pauli ist die einzige Möglichkeit.

Es schrieben noch:

Keep Calm über zu große Nummern.

StPaulinu rief Geister

Der Übersteiger will laut Twitter sein Wochenendrückblick ausfallen lassen. Da aber laut der Printausgabe Twitter, Blogs und Internet sowieso per se scheiße sind, gehen wir mal davon aus, dass dieser noch kommt. Btw: Hat jemand eine Steintafel für den fälligen Leserbrief an den Autor?

Gröni interessierte zu Recht das Ergebnis nicht.

USP Stellungnahmt den Pyroeinsatz.

Nov 292013
 

Ihr Guten,

nehmen wir es vorweg: Wahrscheinlich haben die Wenigsten erwartet, dass diese Jahreshauptversammlung des FC St. Pauli von 1910 zu einer Veranstaltung würde, die es in Sachen Nervenkitzel mit einem Hitcock-Streifen aufnehmen könnte. Und das wurde sie auch nicht.

Wir werden dieses Mal nicht in der epischen Breite der letzten Jahre erzählen. Zum einen, weil es schlichtweg nicht so viel Erwähnenswertes gibt, zum anderen, weil unser Mann für die detaillierte Analyse in fünfstelliger Wortanzahl gar nicht kommen konnte. Also beschränken wir uns auf das Wesentliche und schreiben rund ein Zehntel der Menge von 2012.

Relativ pünktlich ging es an diesem Novemberabend los und die Formalia blieben wie im vergangenen Jahr. Vorgezogen wurde die Ehrung von eines langgedienten Mitgliedes, weil die rüstige Dame zeitig ins Bett wollte. Es sei ihr gegönnt. 70 Jahre Mitgliedschaft, das muss man erst einmal schaffen. Nach dem Totengedenken folgte dann der Bericht des Präsidiums respektive Stefan Orth (SO).

Orth ging auf die wesentlichen Punkte des abgelaufenen Jahres ein, darunter der jüngste Verlust von Walter Frosch, vor allem aber auf das sehr positive Bild der Zeit seit der letzten JHV. Stadionauslastung ist top, wir bewegen uns im deutschen Profifußball auf dem sechsten und in ganz Europa (!) auf dem 13. Platz. (Von der Auslastung her! Nicht von der insgesamten Zuschauerzahl.)

Der Umzug des Fanladens und die Einweihung der Fanräume wurden zu Recht als eines der Highlights der vergangenen zwölf Monate gewürdigt, ebenso das erfolgreiche Festival „Fußball und Liebe“. Im Kampf gegen Homophobie und Sexismus habe der FCSP deutliche Zeichen wie die Regenbogenfahne auf dem Südkurvendach und den Aktionstag gesetzt, so SO.

Einer der wenigen kritischen Punkte der letzten Monate war die Kontroverse um „Bullen aus der Kurve“, der Streit zwischen USP und einem Fanclub um die Frage, wie der Polizeiberuf und das Ultrà-Selbstverständnis zueinander passen. SO sagte, man habe sich als Präsidium nicht eingemischt und sich auf die vorhandenen Moderationsmechanismen verlassen, wohl aber Stellung bezogen. Das Hausrecht liege beim Verein und man dulde keine Ausschlüsse bestimmter Berufsgruppen. Mittelmäßiger Applaus im CCH.

Eine erheblichen Stellenwert nahm in SOs Bericht das soziale Engagement von Fanszene und Verein. Kurz referierte er Kiezhelden und hob auch die Unterstützung von „Lampedusa in Hamburg“ hervor. Mit den geschickten Worten eines Politikers – auf der richtigen Seite! – forderte er dazu auf, den Menschen eine humanitäre Lösung zu bieten. Viel Applaus.

Mitgliederzuwachs, große Erfolge im Amateurbereich, ein wirtschaftlich gesund aufgestellter Verein mit Gewinnen und einer rekordverdächtigen Eigenkapitalquote von 44,8 Prozent – die Brust des Stefan Orth war nicht gerade schmal. Man wisse allerdings, dass das kommende Jahr wirtschaftlich schwieriger werde.

Er sprach über die neuen Sponsoren, die aktuellen Probleme mit der externen Domwache, wo man auf Reaktionen anderer Stellen angewiesen sei. Das verzögere womöglich den Bau der neuen Nordkurve, räumte SO ein. Sieben bis neun Monate müsse man dafür schon veranschlagen. Dafür ist endlich das Trainingszentrum an der Kollaustraße fertig, wovon nicht zuletzt die ohnehin schon erfolgreich Jugendarbeit enorm profitiere.

Was die Profis betrifft betrifft, wurde auch zur Trennung von Michael Frontzeck kurz noch einmal Stellung bezogen – nichts Anderes jedoch gesagt, was sich nicht vorher schon in den Medien lesen ließ. Man habe keinen gemeinsamen Weg trotz vieler guter Gespräche gefunden und sich schließlich nicht die Pistole auf die Brust setzen lassen. Verhaltener Applaus. Doch mit Vrabec und den guten Umstruktuierungen (weniger Leihverträge) sei man auf einem guten Weg, fand Orth. Ende des Berichts des Präsidiums

Es gab nur wenig Rückfragen. Jemand wollte wissen, was aus dem per JHV-Beschluss 2012 festgelegten Rollstuhlfahrer-Plätzen werde, die noch nicht da sind. Michae Meeske dazu: Zunächst wird im VIP-Bereich Ausgleich geschaffen; wenn die neue Nord steht, sollte alles passen. Der Frage nach Stützpfeilern im Sichtbereich der Nordkurve wie auf der Süd wurde noch ausgewichen. Das sei noch nicht entschieden. Unklar sei auch, ob ein möglicher Ausbau des Nachwuchsleistungszentrums an der Kollaustraße erfolge und mit welchen Kosten das verbunden sein könnte. Solange habe man auch noch niemand informiert.

Zwischenzeitlich waren etwas mehr als 500 Mitglieder anwesend. Der scheidende Kassenprüfer gab seinen Bericht ab – Zahlen langweilen uns, das könnt ihr alle irgendwo nachlesen. Unterdessen wurde die bis dahin anwesende Mannschaft entlassen, ääh, freigestellt, ääh, es wurde ihr freigestellt, zu gehen. So oder ähnlich drückte sich SO aus.

Natürlich hatte auch der Aufsichtsrat etwas zu sagen. Dr. Christoph Kröger (CK) sprach über die sportliche Lage mit Auf-und-Ab, über die beeindruckende neue Gegengerade, die Umbenennung des Harald-Stender-Platzes und auch noch einmal über die Personalie Frontzeck. Der Aufsichtsrat sei verwundert über ihn gewesen und bekräftige, dass man sich als Verein nicht unter Druck setzen lasse. Nachtreten werde man aber nicht.

Bei dem Ziel, langfristig in den Top 25 in Deutschland zu landen, sei man derzeit im Soll, so CK. Er lobte die Arbeit von Rachid Azzouzi und das solide Wirtschaften, das man sich so vor zehn Jahren nicht hätte vorstellen können. Doch der Aufsichtsrat wäre nicht der Aufsichtsrat, wenn er nicht auch einmal mahnen müsse. Die wirtschaftliche Lage dürfte in der Zukunft schwieriger werden; Projekte wie die externe Domwache und das Museum seien richtig, aber nicht einfach. Die wirtschaftlichen Grenzen des FCSP müsse man im Auge behalten. Derzeit können die finanziellen Verpflichtungen nur mit weiteren Gewinnen bedient werden. Ein Puffer sei nötig.

Kurz erwähnte CK den Untersuchungsausschuss, der wegen der Mehrkosten bei der Kollaustraße eingesetzt wurde. Dazu später mehr. Die Kommunikation des Vereins sei bezüglich des Neubaus der Nordkurve noch verbesserungswürdig, meint der Aufsichtsrat. Ansonsten könne man sich gar nicht viel beklagen in diesem Jahr. Das Museum sei auf einem guten Weg und bei Kiezhelden mache man einen guten Job, so CK. Apropos Museum: Sehr sehenswert war der Vorgeschmack, den der Museumsverein im Foyer präsentierte. Wir sind sicher, da kommt Großes!

Weiter im Text: CK kam auch auf die Fans zu sprechen. Insgesamt geben die Anhänger ein gutes Bild aus sicht des Aufsichtsrates ab. Kröger kramte Geschehnisse wie den 12:12-Protest gegen das „Sicheres Stadionerlebnis“-Papier der DFL hervor. So etwas wie mahnende Worte gab es der Hinsicht, als dass ein Auseinanderdriften Fans-Verein sowie Fans untereinander zu vermeiden sei. Das Spiel stehe im Mittelpunkt, so CK, einzelne Fangruppen dürften sich wichtiger nehmen, als sie sind.

Der ersten Andeutung folgten konkrete Worte in Bezug auf den USP-„Bullen“-Konflikt. Diesen sieht der Aufsichtsrat auf eine positive Art und Weise als gelöst an. Nicht zu vergessen sei, dass gerade auf Fan-Perspektive die Nicht-Ahndung polizeilichen Fehlverhaltens ein riesiges und auf breiter Basis unterschätztes Problem sei.

CK forderte die Fans auf, immer ein wenig vor der eigenen Haustür zu kehren, auch wenn beim FCSP vieles aus einer sehr glücklichen Umgebung heraus betrachtet wird. Entwicklungen wie in Braunschweig, Aachen und anderswo erfordern die Solidarität mit antifaschistischen Initiativen. Viel Beifall, Ende des Bericht des Aufsichtsrats.

Eingeschoben wurde nun der Bericht des Untersuchsausschusses. Welche Ursachen haben die Steigerungen bei den Kosten des Baus des Trainingszentrums, wie könne man die gemachten Fehler in Zukunft vermeiden? Fazit: Das nächste Mal bitte einen Generalunternehmer. Der schwarze Peter wurde ein bisschen Helmut Schulte und Architekt Uwe Herzberg zugeschrieben. Irgendwann sei man finanziell gesehen im Blindflug gewesen, worauf auch das Präsidium zu spät reagiert habe.

Zuständigkeiten müssten nach Auffassung des Untersuchungsausschuses besser und direkter verteilt werden, sodass individuell Veranwortung übernommen wird. Man solle sich nicht so sehr scheuen, externe Mitarbeiter mit der nötigen Expertise für Großvorhaben ins Boot zu holen. Außerdem wünsche man sich mehr Transparenz. Ende des Bericht des Untersuchungsausschusses.

Tjark Woydt dankte dem UA, fand den Bericht aber zu negativ. Details müsse man intern diskutieren. Insgesamt stimme das mit dem Generalunternehmer allerdings, die meisten Botschaften seien angekommen. Seiner Meinung nach bleiben die Mehrkosten zwar ärgerlich, aber kein Beinbruch. Den Eindruck, dass es an der Kollaustraße von dem Moment an besser wurde, als die Verantwortlichkeiten von Bernd-Georg-Spies zu ihm wanderte,  wollte er nicht mit persönlichen Unzulänglichkeiten begründet haben. Schließlich fielen von Woydt noch ein paar Sätze in Sachen Spannungsfeld von Ehrenamt und Beruf. Na denn.

Vom Amateurvorstand gab es die wenig erfreuliche Meldung, dass sich gerade erst tags zuvor die American-Football-Abteilung aufgelöst hatte. Zum einen die bekannten finanziellen Löcher, vor allem aber die fehlende Spielberechtigung ohne Jugend-Team im Nacken, die letzlich ein Herrenteam ohne Ausnahmegenehmigung gar nicht möglich machte, habe der Abteilung das Genick gebrochen. Zudem es gar keine Abteilungsleitung mehr gab. Außerdem wurde unter anderem über das leidige Thema Sporthalle gesprochen.

Es waren mittlerweile 555 Personen im Saal anwesend, als die AFM berichtete. Man blicke auf ein unauffälliges Geschäftsjahr zurück, nicht einmal runde Jubiläumszahlen bei den Mitgliedern gäbe es. Die Eröffnung der Fanräume sei natürlich positiv hervorzuheben. Zuletzt gab es Anfang November den Start einer Werbekampagne, da die AFM mittlerweile über so viele Mitglieder verfüge, dass so viele neue gar nicht mehr zu mobilisieren können. Insgesamt flutscht aber alles.

Wenig zu sagen gab es auch vom Ehrenrat. Dieser musste sich nur ein einziges Mal im vergangenen Jahr einschalten, obwohl es mittlerweile fast 20.000 FCSP-Mitglieder gibt. Eine Arbeit ohne Beanstandung – hach, wie ist das schön.

Soweit, so gut. Wenig überraschend wurde entlastet und das bisschen gewählt, was es zu wählen gab. Christoph Wolff wird Kassenprüfer, die sechs Kandidaten für den Wahlausschuss werden die sechs vorhandenen Plätze einnehmen. Auf die kommt im nächsten Jahr natürlich einiges an Arbeit zu.

Und nachdem der einzige Antrag wegen Hinfälligkeit schon wieder zurückgezogen war, jede Menge erfolgreiche Sportler geehrt wurden und einige finstere Gestalten schon aus Langeweile das Zünden von Pyrotechnik forderten, ging diese Jahreshauptversammlung 2013 des FC St. Pauli schon deutlich vor 23 Uhr zu Ende.

Haben wir uns alle zu sehr lieb? Nein. Dass es so ruhig, ja regelrecht schnarchnasig zuging, darf man auch mal gern positiv hervorheben. Wir haben im Augenblick das Präsidium, die Geschäftsstelle, den Aufsichtsrat und viele weitere Gremium offenbar mit den richtigen Leuten besetzt. Das soll und wird bestimmt nicht heißen, dass „denen da oben“ jetzt widerspruchsfrei aus der Hand gefressen wird. Aber seien wir mal ehrlich: So zufrieden, wie wir in den letzten Monaten mit dem FC St. Pauli als Verein sind – einfach mal glücklich sein. Stürmische Jahre und das Superwahljahr 2014 kommen bestimmt.

Nov 262013
 

oder

alles wie immer

Mein Gott Walter

Liebe Leser, Walter Frosch ist tot. Er hat den Kampf gegen den Krebs endgültig verloren. Schon lange war Walter schwer gezeichnet von seiner Krankheit.

170 Spiele und 22 Tore für unseren FCSP verzeichnet die Statistik, aber wie bei so vielen Spielern, die bei uns in die Jahrhundertelf gewählt wurden, sind die sportlichen Erfolge eher nebensächlich. Bekannt geworden ist Walter Frosch für unzählige gelbe Karten. Und für ein Herz, das er auf der Zunge trug. So werden viele Sprüche von ihm wohl in das ewige Fußballgedächnis eingehen.

Als raubeiniger, aber nie unfairer Verteidiger passte Walter Frosch perfekt auf den Kiez. Zwar spielte er in einer Zeit, in welcher der FC St. Pauli noch kein Mythos war, aber seine Spielweise wird die Legende der angeblich immer kampfstarken FCSP-Mannschaften mit aufgebaut haben. Auch nach seiner aktiven Zeit sah man ihn – teilweise schon schwer gezeichnet – bei jeder wichtigen Veranstaltung unseres Vereines.

Wer das Vergnügen hatte, in seiner Victoria Klause zu bechern, der weiß, dass hier ein Mensch mit Herz, Verstand und einer Geschichte bediente. Während die wenigsten von uns ihn noch in seiner aktiven Zeit spielen sahen, werden ihn viele von uns als Wirt kennengelernt haben. Denn der Besuch des Victoria-Stadions am Freitagabend mit anschließendem Bier bei Walter stand lange auf dem Speiseplan vieler St. Paulianer. Nicht nur, aber insbesondere auch weil dort Walter Frosch bediente.

Leider war Walter Frosch noch für etwas bekannt: Für unzählige Zigaretten. Und auch diese sind höchstwahrscheinlich schuld, dass wir nun viel zu früh ohne Walter Frosch auskommen müssen. Leute, lasst die Finger von diesen verfluchten Glimmstengeln.

Walter, dein Mundwerk wird uns fehlen, deine Vereinstreue und deine Liebe zum FCSP wird uns fehlen. Die braun-weiße Himmelsmannschaft ist um einen beinharten Verteidiger reicher. Mach es gut, Walter!

Siegen im Stil von Walter Frosch

Unter dem Eindruck des Ablebens von Walter Frosch ging es also nun morgens nach Aalen. Unsere Reiseplanung wurde bereits vorab vollkommen durcheinandergewürfelt, fiel doch eine Mitfahrerin krank aus. So machte man sich mit einem anderen Auto als geplant auf den 653 Kilometer (Entfernung nicht vom Millerntor gerechnet) langen Weg.

Und während unsere Vorhut versuchte, auf einem Sofa überhaupt noch ein bisschen Schlaf zu bekommen, rissen wir die Kilometer herunter. Und eigentlich wäre auch alles ganz easy verlaufen, wenn wir nicht bald hätten tanken müssen. Um 5.10 Uhr auf einer Tankstelle kann schon eine zerbrochene Bierflasche eine ganze Fahrt aus dem Gleichgewicht bringen.

Denn nun war der Mitfahrer auf Zinne. Er sah nur den abgebrochenen Flaschenhals und hatte nun derbste Hool-Phantasien. Erstmal wollte er der Eingangstür der Tankstelle eine drücken. Begründung: „Steht doch auf ihr drauf.“ Dann schwebte ihm vor, den Fahrer ständig mit dem abgebrochenen Flaschenhals zu bedrohen. Nur mit der Gegen-Drohung, das Ambientelicht herunterzudrehen, war er überhaupt zu beruhigen. Kurz: Nach müde kommt blöd und wir waren zu früh los gefahren, um nicht müde zu sein.

Bier und müde war auch der andere Auswärtspart des Blogs. Dieser war nämlich in einmaliger Begleitung schon am Samstag per ICE angereist, um den Abend bei der Soli-Party im Aalener „Rock it“ zu genießen. Nachdem die Beiden dank Zugausfall ihr Ziel mit deutlicher Verspätung erreichten, sollte es aber ein ausgelassener, feuchtfröhlicher, pogender Abend werden, der am frühen Morgen irgendwo im schwäbischen Nowhere endete. Ein Chauffeur fuhr sie nämlich direkt ins Château, wo neben schmackhaften Nachtmahl auch eine Unterbringung im Westflügel wartete – natürlich standesgemäß en suite und mit (mindestens) Kingsize-Bett.

Ups, Bus kaputt? Nicht gut! Fanladenbusse neigen dazu, irgendwie immer anzukommen und wenn sie noch so kaputt sind. Diese Serie wurde heute gebrochen, denn der Fanladenbus gab bei Göttingen komplett seinen Geist auf und es war auch kein rechtzeitiger Ersatz mehr zu organisieren. So mussten wir auf die Bus-Crew zum größten Teil verzichten. Wir nahmen noch kurz Leute vom Bus auf, aber so richtig helfen kann man natürlich nicht.

Dieses Manöver hatte auch erhebliche Auswirkungen auf die vorab angereiste Party-Crew. Während die Zeit in Aalen eher einem Staatsempfang glich, war die An- und Abreise schwerfällig. Wollte die Vorhut eigentlich mit dem Fanladenbus zurück, musste kurzfristig auf die Fanladen-Gruppenfahrt im ICE gewechselt werden, um dann mit allerhand Verspätung in Hamburg zu landen.

Der Rest der Hinfahrt ist schnell erzählt. In Aalen peinlich darauf geachtet, alles so zu machen, wie wir es die Saison vorher gemacht haben. Selbe Tankstelle, selber Parkplatz, wieder in die Stadt gegangen vor dem Spiel. Nein, wir sind überhaupt nicht abergläubisch. In der Stadt konnte dann auch die Vorhut und der örtliche St.-Pauli-Mob eingesammelt werden. Mit diesem ging es dann zu den Ufftas, die im „RambaZamba“ (wie passend) einen hoben. Bemerkenswert: Die örtliche Bevölkerung ließ sich durch einen riesigen Haufen saufender Fußballfans nicht vom gepflegten Sonntagsfrühstück abhalten.

Natürlich ließ man es sich unterdessen auch im Landschloss nicht nehmen, ein üppiges Sonntagsfrühstück aufzutafeln. Während der Kronprinz noch seinem Schönheitsschlaf fröhnte, wurde die Party-Crew am Kaminfeuer hierzu empfangen.

In einem langen Marsch dann den Berg zum Gästeblock erklommen und dort den gleichen Platz wie letzte Saison eingenommen. Konnte los gehen.

Der Wunsch an unsere Jungs war eigentlich nur, dass sich jeder zu Ehren von Walter Frosch eine gelbe Karte abholt. Das hat letztendlich mit fünf gelben Karten nicht ganz geklappt. Aber Buchtmann kann mit seiner 8. Im 14. Einsatz auf eine ordentliche Quote blicken. Ach, dieser Buchtmann wird ja sowieso immer mehr zum stillen Held. Was der an Lücken wegackert, dies ist schon bemerkenswert. Ansonsten wurde doch die ordnende Hand im Mittelfeld immer wieder vermisst. Und so komisch das klingt: Da fehlte Kalla in der Form der letzten Wochen.

Trotzdem spielten unsere Jungs eine bemerkenswert starke erste Halbzeit, die genau einen Schönheitsfehler hatte: Es stand nur 1-0. Weil wir die einfachen Chancen liegen lassen, hatten wir es dann Nöthe. Um mal das schlechte Wortspiel nach dem 1-0 zu wiederholen. Das Schlimme dabei: Das war ungefähr das schwierigste Ding, aber Nöthe zeigte, was für eine Klasse er hat. Und läuft nach dem Tor zu Verhoek, um ihn zu umarmen. Kann man mal machen.

Nach der Pause überboten sich beide Mannschaften in Unvermögen. Aalen schaffte es nicht, aus seinen vielen Chancen wirkliche Gefahr für das Tor zu produzieren, und bei uns wurden Konter einfach mies gespielt. Uns fehlt da komplett ein System der Laufwege und zu häufig bleibt einfach alles stehen und hofft auf die Eingebung der zwei Spieler, die zufällig vorne stehen. Und wenn diese dann versuchen, den Ball achtmal hin- und her zu passen, anstatt mal aus 16 Metern draufzuziehen, dann verzweifelt man im Gästeblock. Die haben sich doch alle Dortmund gegen Bayern angesehen, oder? So wie Götze, so macht man das.

Nun gut, Aalen fiel auch nix mehr ein und so war ein 0-1 wie letztes Mal gesichert.

In dem nicht gerade Support-fördernden Gästeblock war insgesamt eine gute Stimmung, gerade wenn man es mit dem letzten Mal vergleicht. Natürlich geht da in engeren, überdachten Blöcken sehr viel mehr, aber für diesen Block war das gut. Und USP werkelt da an einem neuen Ohrwurm, wo wir ehrlich gesagt noch nicht wirklich textsicher waren. Aber wir arbeiten dran. „….unser Ein und Alles, ja wir lieben dich…“

Auf Aalener Seite konnte man den Ekel des angeblich Unpolitischen bewundern. „Reichsstadt Aalen“ ist da zu lesen. Ja klar, das bezieht sich natürlich komplett auf die über 600 Jahre zurückliegende Gründung und ist dem Heimatpatriotismus geschuldet (der an sich ja schon bedenklich genug ist). Genau. Und das Hakenkreuz ist nur ein indischen Feuersymbol. Näher zu Gesicht bekam man den Ekel nur kurz vor dem Spiel, wo ein paar Jogginghosenträger den Marsch betrachteten. Die sahen aber mehr nach Gefahr für ihre eigene Hose als nach Gefahr für den Marsch aus.

Immerhin weiß man in der Scholz Arena die Hamburger Politik passend zu bewerten:

Scholz ist Schrott

Scholz ist Schrott

Nun denn, wir sind Tabellenvierter und haben nun direkten Kontakt zu den Aufstiegsplätzen. Das ist doch mal eine Situation, mit der man sehr gut leben kann. Und wenn man sich die vier Spiele bis zur Winterpause anguckt (Köln, Aue, 1860, Karlsruhe), dann müssten da doch noch die zwei kleinen Siege drin sein, die wir brauchen, um auch in das Jahr 2014 mit dem Blick nach ganz oben zu starten.

Köln? Freitag? 18:30? Ausverkauftes Millerntor? Flutlicht? Dom? HUCH! Wir sagen es mal so: Wer da kein Bock hat, sich die Seele aus dem Leib zu brüllen und den Geißbock taub nach Hause zu schicken, der sollte seine Karte schnell und direkt an die zahlreichen Interessenten abgeben. Wir können nach dem Spiel jede Support-Diskussion führen, aber wer an diesem Abend nicht jeden Gesang mitbrüllt, egal ob er von links, rechts, oben, unten, Süd, Nord, Haupt oder Gegengerade kommt, der sollte zu Hause bleiben.

Langsam steigt die Vorfreude, die Magie beginnt zu köcheln und der Effzeh geht ohne Punkte nach Hause. Voran S. Pauli.

Vorschau

Morgen ist JHV. Relativ ruhig und doch wichtig. Nur leider wird unser JHV-Schreiber es nicht zu der Veranstaltung schaffen. Daher fällt der übliche ellenlange JHV Bericht dieses Jahr aus. Ob es eine kurze Betrachtung geben wird, müssen wir sehen.

Es schrieben noch:

Kleiner Tod sah eine Raute im Mittelfeld

Jens stellte auf dem Acker fest, dass sich Göttingen nicht stellt. Seine Reaktion ist für seine Verhältnisse beinah schon diplomatisch.

Hmmm… mehr scheint es nicht zu geben, daher mal was von fremden Plätzen:

Uwe guckt sich Bullen aus der Nähe an

Die Wochenendrebellen hingegen gucken sich Eiserne an.

Das Textilvergehen-Podcast mit zwei Stunden großem Bahnhof in Kaiserslautern.

Zuguterletzt der Tweet der Woche. Auf dem Acker ungeschlagen. Gut, dass wir einen englischen Rasen haben.

Nov 152013
 

oder

Kraichgauer Lach- und Sachgeschichten

 

Liebe Freunde des gepflegten Ausdauersports,

wir wissen wohl, wie wir die Welt retten können, schrieb mal ein kluger Mensch auf Twitter. Wir haben diese Lösung nur deswegen bisher nicht gefunden, weil sie in einem EULA versteckt ist. Dem einzigen seitenlangen Machwerk, welches Menschen in 0,1 Sekunden lesen können. Und weil es mit Juristerei zu tun hat, muss ich doch noch ein paar Worte zu der Frage Challenge/Ironman/Kraichgau schreiben.

Wie an diesem unbedeutenden Ort schon ausgeführt, sind Label nur Label und ob nun Ironman oder Challenge ist erstmal vollkommen egal.

Für einige Menschen wird das ganze aber ein Rührstück aus der Reihe „verzockt“.

Die Auswirkungen für den durchschnittlichen Hobbytriathleten scheinen eher gering, da im Gegensatz zu einigen Vermutungen eine Absage wohl nicht im Raume steht, denn die Organisation im Kraichgau geht davon aus, dass das Rennen stattfindet und wohl unter dem Challenge Label. Kleiner Hinweis zum verlinkten Blog: Wenn man so einen Artikel schreibt, dann kann man als Fußnotenquelle sich selbst angeben, aber das wäre zumindest unter meiner eigenen Bloggerehre. Ob und wieweit da Informationen vorhanden sind, kann und ich will ich nicht beurteilen.

So hoffen wir mal für alle angemeldeten Athleten, dass die Auswirkung für sie gering bleibt und man sich auf die hübsche Strecke freuen kann. (Für die es ziemlich egal ist, welches Zeichen am Rand klebt.) Aber die Kraichgau-Organisatoren mussten wohl etwas sehr schmerzhaftes lernen, was meine Wenigkeit als Jurist euch alle auf den Weg geben will:

Lies verdammt noch mal deinen Vertrag! Und lasse von einem Juristen prüfen, bevor du glaubst, dass er ausgelaufen ist und du frei bist zu agieren.

Hüte dich dabei vor juristischen Gefälligkeitsgutachten! Juristen sind sehr geschult darin dir zu erzählen, dass alles toll ist und du ganz einfach aus diesem Vertrag kommst. Leider! Gute Juristen erzählen dir überzeugend, dass an einem 30 Grad Juni Tag noch Schnee fallen kann. Das ist Teil ihres Berufes. Hinterfrage das!

Und ganz im Notfall: Frage deinen Vertragspartner, wie er eine Klausel sieht. Er wird dir die ehrlichste Antwort geben.

Denn: Nichts ist blöder, als wenn du meinst da raus zu kommen, dich an die Öffentlichkeit (oder auch nur deinen neuen Arbeitgeber) wendest und dann kommt raus: Oh Mist, ich komm gar nicht raus. Haben die Kraichgauer gerade ganz doof gelernt und dafür ganz viel einstecken müssen. Mehr, als nur einen unfreundlichen Anruf eines Rother Anwaltes. Am Ende steht man nämlich sehr schnell ohne alten und ohne neuen Vertragspartner dar. Und das ist richtig Scheiße.

Und noch etwas lehrt das Leben: Eine einzigartige Chance, die nur dadurch genutzt werden kann, dass du einen gültigen Vertrag brichst, ist keine Chance.

 

 

 

 

Nov 132013
 

oder

Auch eine Frage des Vertrauens

Das Lied zur Überschrift müssen wir jetzt einfach mal verlinken.

Liebe Leser, eigentlich sollte nach so einem Heimsieg alles in bester Butter sein und man sollte sich nur freuen. Und doch gab es ein Ärgernis. Ein sehr starkes Ärgernis. Und das hat mal wieder was mit Ultras zu tun. Auch wenn ihr das alle langsam nicht mehr hören mögt.

Nun haben ja andere Blogger schon ganz viel zu dem Thema gesagt. Links findet ihr unten. Und damit wir jetzt nicht auch einfach nur unserem Unverständnis Ausdruck verleihen und uns aufregen, nähern wir uns dem Ganzen mal etwas anders:

Erstmal vorab der Sachverhalt.

Die Südkurve hat den Gästeblock mit „Nazischweine“ belegt. Und zwar planvoll und ohne konkreten beziehungsweise aktuellen Anlass. Man kann sich gerne darüber streiten, ob man so seine Abneigung gegen Nazis kundtun sollte, oder ob das nicht auch „eleganter“ geht. Das ist definitiv eine Geschmacksfrage, die man auch diskutieren kann. Nur entscheidend ist folgendes: Bevor man in seinem Differenzierungswahn gar nix mehr macht, sollte man lieber mal in das Pauschalisierungskästchen greifen. Insbesondere weil Fußballchants insgesamt ja nicht gerade ein Quell der Differenzierung sind. Seien wir auch ehrlich „FC St Pauli, du bist mein Verein und wirst es auch immer bleiben“ singt sich etwas besser als „Ich finde die erste Herren-Fußballmannschaft des FC St. Pauli von 1910 e.V. ganz toll und ich denke, dass wird auch noch eine unbestimmte Zeit so bleiben.“ Und das Gleiche gilt auch für fußballerische Beleidigungen. Nun gut, wie auch immer, die Südkurve wurde dafür breit ausgepfiffen. Was natürlich auch ’sehr‘ differenziert ist.

Und da kommen wir eigentlich zu einigen Fragen, die man eigentlich jeden Pfeiffenden mal fragen sollte:

1. Informierst du dich eigentlich über gegnerische Fanszenen? Nur mal so zur Erinnerung: Letztes Jahr heilte im Gästeblock noch ein Sieg alle Wunden. Und die WK 13 Boys konnten ihr Banner minutenlang zeigen. Wer ein bisschen googelt, der wird sehen, dass diese Vorfälle bei weitem keine Einzelfälle waren von Leuten, die sonst nie da sind. Ganz im Gegenteil. Cottbus hat eine lange Tradition von rassistischen und rechtsradikalen Ausfällen. Und tut sehr wenig dagegen.

„Aber diesmal haben die ja nix getan“. Erstmal kann man dies nach vielen Berichten bezweifeln. Nazis sitzen halt nicht mehr mit Hitlergruß auf dem Zaun. Die sind auch cleverer geworden. Und dazu kommt, dass die wegen Pyroshow und Randale in Dresden auch gerade Strafen ihres Vereines absitzen und deswegen schmollen. Aber ihr glaubt doch nicht ernsthaft, dass da diesmal die Antifa Cottbus im Gästeblock stand und die ganzen Faschos zu Hause geblieben sind?

Natürlich sind nicht alle Cottbusser Nazis und Rassisten. Aber sorry, liebe Leute, in dieser Szene, in der es null Gegenbewegung gibt und seit Jahren, nein seit Jahrzehnten dieses Problem herrscht, da mache ich mich irgendwann auch durch daneben stehen mitschuldig und muss sich mal eine Pauschalisierung gefallen lassen.

Mal ganz davon ab, Nazis tun niemals nix. Nazis sind in ihrer bloßen Anwesenheit zu viel und am Millerntor nicht zu dulden. Alles andere ist ein Schritt in Richtung Braunschweiger oder Aachener Verhältnisse. Der geduldete „nichts machende“ Nazi bringt nämlich irgendwann seinen Kumpel mit und der noch einen Kumpel und irgendwann sind sie genug, um etwas zu machen. Siehe z.B. Duisburg.

2. Was hast du gegen Nazis gemacht? Trägst du mehr als ein „St. Pauli Fans gegen rechts“ Aufnäher spazieren? Nebenbei sieht man selbst die immer seltener am Millerntor. Ja, Antifaschismus ist eben mehr als ein bloßes Lippenbekenntnis.

3. Hast du dir mal überlegt, welcher Außeneindruck entsteht, wenn am Millerntor (!!!) die Rufe „Nazischweine“ ausgepfiffen werden? Man mag gar nicht bei uffta.ws gucken, aber wahrscheinlich wird da schon abgefeiert, dass die „Scheiß Zecken“ auch bei St. Pauli nicht mehr den Rückhalt haben und dort endlich auch „Politik bleibt Politik und Fußball bleibt Fußball“ gilt. Ist dies der Eindruck, den du vermitteln willst? Und das auch noch am Alerta Action Day? (Der nebenbei zeigt, dass „gegen Rechts“ viel mehr sein muss, als „gegen Nazis“ zu sein.) Man kann nur hoffen, dass alle Pfeiffenden wissen, was für Bockmist sie da angerichtet haben. Ein unpolitisches Millerntor ist eine Horrorvorstellung, die wir gar nicht erst andenken möchten. Aber ein Pfeiffen gegen Antinazisprüche ist ein riesiger Schritt dahin. Ich muss am Millerntor Anti-Nazi-Sprüche erstmal begründen, um nicht ausgepfiffen zu werden? Selbst wenn man das ein zweites Mal schreibt: Es bleibt unfassbar und unbegreiflich!

4. Oder ist es etwa das komplett fehlende Grundvertrauen in unsere Südkurve? Warum kommt eigentlich niemandem der Pfeiffenden folgender Gedankengang in den Sinn: „Hmmm… ich sehe gerade kein Grund, warum die Nazischweine brüllen, aber hey, die haben viel mehr Quellen als ich, vielleicht hat es irgendwo geknallt oder ich habe etwas nicht mitbekommen… ich sing jetzt mal nicht mit, aber ich informier mich später“. Man kann USP in ganz vielen Sachen kritisieren, aber wenn wir in unserer Szene es nicht endlich ein Grundvertrauen, eine Grundinformiertheit und eine gewisse Solidarität hinzubekommen, dann sind wir dem Untergang geweiht. Langsam muss man auch wirklich fragen: Was hat euch USP eigentlich getan? Und nun kommt nicht wieder mit dem „Dauersingsang“ und so einem Blödsinn. Praxistest: Die Gegengerade kann die Südkurve lässig übersingen, wenn sie will. Wenn dich der Dauersingsang am Singen und Supporten hindert, dann liegt es nicht an USP, sondern an dir. Support ist eben auch „hingehen wo es weh tut“.

Ihr doofen Kritiker: Lernt endlich mal Ultras und ihre Denkweisen kennen. Trinkt mit denen mal ein Bier, redet mit denen. Und zwar in Ruhe und ohne Vorurteile. Dann werdet ihr merken: Das sind auch nur Sankt Paulianer. Vielleicht für euch die doofe Schwiegermutter, aber eben doch Familie.

5. Komisch, dass nun Leute pfeiffen und meckern, die auch mal gerne vertreten, dass bei Hansa oder Dynamo sowieso alles Nazis sind. Noch mal: Beschäftigt ihr euch mit Fanszenen?

Nun gut, lassen wir das. Hoffen wir mal, dass nie wieder Rufe gegen Nazis am Millerntor ausgepfiffen werden. Sonst sollten wir uns ernsthaft Gedanken machen, ob dies noch der FCSP ist, der – zurecht – stolz darauf ist, anders zu sein.

Kommen wir zum restlichen Spiel. Ein Drittel von uns vertritt ja die steile These, dass wir bis zur Winterpause (Achtung, dies ist ungleich mit der Hinrunde) noch vier Siege aus sechs Spielen holt, sich dann das Thema „Wer trainiert die Mannschaft nach der Winterpause“ von ganz alleine erledigt und unserer jetziger Trainerstab seine zwei Jahre Verlängerung bekommt. Das ist nämlich ganz einfach. Erfolg macht Sexy. Und Erfolg war am Montag Abend schon mal vorhanden. Die Jungs spielten endlich nach einem 1-0 mal weiter.

Bemerkenswert dabei: Zwei Tore fielen direkt aus einem schnellen Umschalten nach Ballgewinn. Beim 2-0 achte man nur mal auf Schachten und wie viele Meter der nach seinem eigenen Ballgewinn überbrückt. So spielt man Fußball. Was haben wir uns in den letzten Monaten geärgert, dass nach einem Ballgewinn erstmal alles stehenbleibt und traurig aus der Wäsche guckt. So wie gestern muss das laufen!

Und das kann man sehr gut genau an Schachten fest machen. Was der ackert, das geht auf keine Kuhhaut. Auch sonst waren beinah alle Spieler richtig stark. Nöthe wird zwar kein Vollstrecker mehr, aber wo er wertvoll ist, zeigte er bei seinem Pass zum 1-0. Zu hoffen bleibt, dass Kalla sich nicht schlimmer verletzt hat, denn in der ersten Halbzeit zeigte er, dass er immer mehr zum Angelpunkt unseres Spieles wird.

Der Übersteiger wies vollkommen zu Recht darauf hin, dass dieses Spiel auch richtungsweisend war. Bei einer Niederlage hätte man sich doch deutlich Sorgen nach unten machen müssen. So gucken wir wieder nach oben. Und sind sozusagen die Besten vom Rest, wenn man so mal das sehr breite Mittelfeld der zweiten Liga nennen will.

Es schrieben noch…

Frodo seine Emotionen

Gröni zeigt Schachten, Schachten zeigt die Richtung. Nach oben.

Keep calm sah ein Comeback

Metalust ist anderer Meinung. (Die ich (headnutHH) auch komplett nicht nachvollziehen kann, aber lesen sollte man sie trotzdem.

Und neu in dieser Liste. St. Pauli Streets.

Nov 112013
 

oder

Klausmaria und das Grundgesetz

Liebe Leser, so komisch das jetzt klingt, aber die Idee, sich an geltende Gesetze zu halten, hat was für sich. Gesetze sind mit ihrem Ordnungscharakter bei der Bestie Mensch wohl immer noch unverzichtbar. Die Utopie, ohne Gesetze, ohne Macht, ohne Geld und ohne Besitz einfach so zu leben, ist eine sehr schöne, aber bisher scheint der Mensch dazu noch nicht bereit. Dazu müssen wir wohl den Warp-Antrieb erst mal erfinden.

Und so könnte man diesen ganzen Artikel schon beenden und erklären, dass Herr Kretschmer das Recht hat, auf sein Eigentum zuzugreifen und es zu nutzen. Aber selbst unter geltendem Recht wäre diese Ansicht so einfach, wie sie falsch ist. Denn es gibt diesen schönen Satz im Grundgesetz, der da lautet „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“

Exkurs: Wenn man diesen Satz offensiv politisch vertritt, wird man heutzutage vom Verfassungsschutz (sic!) beobachtet.

Und an diesen Satz müssen sich auch Kretschmer und sein Pausenclown und Allgemeinheitsunterhalter Baer halten. Denn die Rote Flora dient der Allgemeinheit. Sie dient der Stadt mehr, als es irgendwelche Business Improvement Districts oder irgendwelche Bürgermeistertechnokraten jemals tun könnten.

Diese auf den ersten Blick steile These bedarf vielleicht der Begründung.

Was ist die Flora denn? Ein Veranstaltungszentrum! Das ist richtig und zu den Veranstaltungen gehören auch Events, die man gepflegt als „unpolitische Party“ qualifizieren könnte. Aber was sind diese Partys? Preiswert und offen für (beinah) jedermann. „Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit.“ sagt das Grundgesetz. In einer Zeit, in der diese freie Entfaltung immer mehr an den Besitz von ausreichend Geld geknüpft wird, ich in einer Einkaufspassage schon lange kein Bier mehr trinken oder an den Weihnachtsfeiertagen in der Innenstadt demonstrieren darf, ist dies eine bemerkenswerte Ausnahme. Die angeblichen Verfassungsfeinde sind hier näher am Grundgesetz, als viele Politiker.

Oder wie die Flora so schön schreibt: „Was in der Flora stattfindet, hängt nicht davon ab, wie viel Geld es einbringt […]“. Wo in unserer Gesellschaft haben wir noch diese Möglichkeit des Rechtes auf freie Entfaltung ohne (viel) Geld? Das ist Grundgesetz pur!

Exkurs: Es ist dazu sehr schlimm, dass die Presse mit Schlagzeilen wie „Demowahnsinn“ diese Thesen vollkommen unkritisch übernimmt. Die Ausübung des Demonstrationsrechtes ist sehr viel wichtiger als das „ungestörte“ (was genau stört überhaupt an einer Demonstration?) Einkaufserlebnis. Exkurs Ende

Die Rote Flora ist aber mehr. Viel mehr. Sie selbst nennt sich politisch-kulturelles Zentrum. Sie ist politisch. Und sie ist ein wichtiger politischer Faktor. Ideen werden hier geboren, Kampagnen unterstützt (wie z.B. aktuell die Lampedusa-in-Hamburg-Kampagne). „Alle Deutschen haben das Recht Vereine und Gesellschaften zu gründen“ heißt es im Grundgesetz. Und die Flora ist der Nukleus, der Inkubator für viele dieser Gesellschaften und Vereine. Der deutsche Michel denkt bei diesem Artikel immer an seinen Taubenzüchterverein, aber der ist damit eben nicht exklusiv genannt, sondern es ist eben insbesondere auch das gemeint, was man so schön falsch mit „bürgerlichem Engagement“ bezeichnet. Eine freie Gesellschaft lebt davon, dass auch abseitige Ideen ihren Platz auf dem Markt der politischen Diskussion haben und in die Meinungsbildung einfließen. Nur so kann das demokratische Von-unten-nach-oben funktionieren. Auch dies haben die meisten Menschen vergessen, wenn jegliche politische Diskussion als „Streit“ abgekanzelt wird und Parteien durch „Basta“ und Machtworte geleitet werden. Nach dem Grundgesetz müssen Parteien, die an der politischen Willensbildung mitwirken, demokratisch aufgebaut sein. Wie demokratisch ist es denn, wenn Positionen in Hinterzimmern ausgeklüngelt werden und die „Wahl“ im Sinne einer Auswahl eher die innerparteiliche Ausnahme denn die Regel ist? Da ist ein Plenum von Delegierten, wie es die Flora unterhält, mindestens ebenso demokratisch, wenn nicht demokratischer und damit erneut dem Grundgesetz näher als viele Parteien.

„Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden“, schrieben die Väter des Grundgesetzes und diejenigen, die das ganze danach noch modifizierten. „Darüber hinaus achten wir gemeinsam darauf, dass rassistisches, nationalistisches, sexistisches, homophobes oder antisemitisches Verhalten im Haus thematisiert, kritisiert und unterbunden wird. All diese Ansprüche werden ständig und mit wechselndem Erfolg dem Praxistest unterzogen“, schreibt die Flora über sich selbst. Das Interessante ist doch der letzte Satz. Der Praxistest! Wer macht diesen schon? Die Parteien garantiert nicht, die Presse ebenso wenig. Nein, diese Organisationen diskriminieren ständig und weisen doch jede Diskriminierung empört von sich. Wer hier wohl der Verfassungsfeind ist?

Ja, man kann sich fragen, warum das nun Verfassungsfeinde sein sollen? Weil sie mit Eigentum nichts anfangen können? Weil sie am liebsten aus dem Grundbuch gelöscht werden wollen? Weil sie „unverträglich“ bleiben wollen? Es ist immer wieder unfassbar, aber selbst das Grundgesetz sieht eine „Vergesellschaftung“ von Eigentum vor. Warum ist man dann also Verfassungsfeind, wenn man dies für ein solches Kleinod der Grundgesetztreue im Kleinen fordert?

Worum es nicht geht, sind die politischen Positionen, die im Einzelnen aus der Roten Flora vertreten werden. Die Idee des Grundgesetzes ist ja, genau die Position am meisten zu schützen, die eben nicht die eigene ist. Daher ist es vollkommen egal, dass aus der Flora auch Positionen vertreten werden, die wir nicht gut finden, die wir nicht unterstützen. Trotzdem bleibt die Flora an sich unverzichtbar.

Auf der Gegenseite zu diesem Projekt nun also die Herren Baer und Kretschmer. Diese deuten die beiden Sätze des Grundgesetzes natürlich etwas anders, denn sie lesen da: „Eigentum verpflichtet. Es ist verpflichtet, mich reich zu machen.“

Das sei ihnen ja auch ein wenig gegönnt. Und wenn sie mal ganz ehrlich sind, dann hat sich die Investition von 370.000 DM in die Rote Flora doch schon mehr als einmal ausgezahlt. Man bedenke nur welchen Werbewert der Erwerb der Flora für Herrn Kretschmer gehabt hat. Ständige Erwähnungen in der Zeitung, unfassbar viel Platz, seine Sicht der Dinge zu erzählen und ganz viel Ruhm. Hätte er dies alles als Anzeigen buchen müssen, wäre er Millionen los gewesen. Aber in Euro. So jedoch kann er nicht nur in der MoPo, sondern in allen anderen Hamburger Zeitungen seinen Lakaien umsonst reden lassen. Dumm nur, dass diese nahezu unbezahlbare Eigenwerbung vollkommen verbockt wird.

Kretschmer wurde immer wieder nachgesagt, dass er am Rande des Ruins stehe. Man muss sich auch nicht wundern, wenn man sich auf solche Berater wie Baer verlässt, der anscheinend nicht über eine kaufmännische Ausbildung oder was auch immer verfügt. Oder aber er las lieber den FAZ-Sportteil, als das Fach Betriebswirtschaftslehre dran war:

„Pro Veranstaltung mit schätzungsweise acht Euro Eintritt und einem vollen Haus mit 1000 Personen ergäben sich 8000 Euro Einnahmen. Dazu kämen 2000 Euro für Getränke-Verkäufe. Abzüglich der Kosten für die Veranstaltung von etwa 20 Prozent ergäbe dies 8000 Euro pro Abend. Bei nur vier Events im Monat würden sich laut dieser Rechnung über die vergangenen 24 Jahre Einnahmen von 9.216.000 Euro (!) ergeben.“ (Zitiert nach der MoPo)

Wir rufen jetzt nicht den Schölermann an, aber wenn wir ihm fragen „Ey Karsten, du hast im Knust nur 20 Prozent Kosten bei jeder Veranstaltung?“, dann würde Karsten wahrscheinlich in hysterisches Lachen, Weinen und Zucken geraten. Veranstaltungsclubs müssten bei der Gewinnmarge das nächste große Ding werden. Aber keine Angst, dass weiß die GEMA schon zu verhindern. Und die zahlt die Flora laut eigener Darstellung. Die Unterstellung von Herrn Baer, dass keine Steuern gezahlt würden, könnte man in diesem Zusammenhang schon beinah als üble Nachrede werten.

Aber selbst wenn seine Rechnung stimmen würde, wären das gerade einmal 400.000 Euro pro Jahr, aus der die Bausubstanz erhalten werden muss. Herr Baer sollte eigentlich wissen, was dieses kostet. Er würde sich mit so wenig Gewinn garantiert nicht zufrieden geben, wenn er davon die Hütte noch instandhalten sollte.

Letztendlich ist aber das Wichtigste: Jeder Gewinn der jetzigen Roten Flora ist dem Wohle der Allgemeinheit gewidmet. Er wird für politische Arbeit und Grass-roots-Bewegung ausgegeben. Für demokratische Teilhabe. Das ist Grundgesetz pur, Herr Kretschmer. Machen Sie das auch nur mit 10 Prozent ihres Gewinnes? Man kann es bezweifeln.

Und daher muss die Rote Flora bleiben. Und muss durchgesetzt werden.

Nov 062013
 

Nun stehen wir also ohne Trainer da. Und gucken uns ratlos an. Was die Spatzen von gestern an vom Dach trällerten, ist nun also offiziell. Und es bleibt das „Warum?“ Interne Differenzen wird man angeben. Weil man sich nach einem Vertragsgespräch gestritten habe und der Trainer ausfallend geworden sei, schreibt die Presse. (Beginnen nicht alle guten Vertragspoker mit einem Verlangen, dessen Ablehnung und der späteren Einigung?) Vielleicht wird auch noch eine Partei später in der Öffentlichkeit genüsslich dreckige Wäsche waschen, aber beschädigt sind alle.

Alle, weil anscheinend persönliche Interessen über den Erfolg des FCSP gestellt wurden. Denn bei aller Detailkritik an unserem Trainer, es ist eine Entwicklung der Spieler, eine Entwicklung des Vereines zu sehen. Und zwar sowohl auf wie auch neben dem Feld. Professionalität ist ein abgedroschenes Wort, aber man hatte das Gefühl, dass ruhig, sachlich und zielgerichtet gearbeitet wird. Vom Trainer ebenso wie vom Manager. Gewinn im Konzern, ruhige Vertragsabschlüsse und insgesamt eine Grabesruhe sprechen Bände.

Nun merkt man: Man hat sich getäuscht. Und alle bleiben beschädigt zurück. Der Verein und sein Manager ebenso wie der Trainer. Denn wenn es nicht mehr langfristig geht, dann fragt man sich, warum man sich dann nicht in Ruhe nach der Saison trennen kann (Vertrag läuft aus). Frontzeck hätte sich selbst einen Namen machen können und offiziell aufgrund eines besseren Angebotes gehen können. Rachid hätte sich ebenso einen Namen machen können, als ruhiger weitsichtiger Manager. Und wir hätten eine gute Adresse für einen Trainer sein können. Weil wir nicht gleich beim ersten Streit feuern.

Hätten.

Nov 042013
 

oder

Trainingspause

Ouvertüre

Liebe Leser, in der langen dunklen Tee-Zeit des Fußballfans (im Volksmund auch „Rückfahrt nach Auswärtsniederlage“ genannt) kommen einem die absurdesten Ideen. Der soziale Kontakt mit „normalen“ Mitmenschen ist bereits auf ein Minimum reduziert, riecht man doch, als ob man eben gerade mit einem ganzen Schweinestall gekuschelt hat. Da hat man zwar Zeit, aber alkoholbedingt nicht die Kapazitäten zum Nachdenken. Und irgendwann durchschießt es einen, dass so eine Auswärtsfahrt auch nix anderes ist als eine Oper. Mal eine italienische mit fröhlichen Gesängen und Happy End und mal eine düstere von Wagner. Es ist nebenbei eins der traurigsten Kapitel der Kunst, dass gerade dieser unfassbare eklige Antisemit so unfassbar wahnsinnige Musik geschrieben hat und so leider nie Vergessenheit geraten wird.

Und gerade die Ouvertüren des Richard W. beinhalten eine Energie, die einen häufig genug durch die dann folgenden quälend langen Teile seiner Opern tragen. Verglichen mit so einer Auswärtsfahrt ist dies die Hinfahrt. Es liegt ein Kribbeln in der Luft, man hat noch Spannung und Energie und dies obwohl man weiß, dass die Arie mit dem Sterben (der Niederlage) der Hauptperson enden wird.

Das Libretto sieht entspannte Gespräche zwischen Freunden vor, welcher der Regisseur mit der Aufnahme von Alkohol unterlegt hat. „Heute zählt nur der Suff“ ist genauso alkoholverherrlichend wie wahr. Und wenn man dann mal wie unser Tenor eine Trainingspause hat, dann macht man bei diesem Suff fröhlich mit.

Entr’acte

In Mannheim verließ man dann den Fernverkehr der Deutschen Bahn und lies sich in einer S-Bahn nieder. Hier trat nur der Chor der Behelmten auf und setzte eine Trennung der Waggons in FCSP und FCK durch. Wo kämen wir auch dahin, wenn es noch eine Vermischung in FCKFCSP gäbe? Dann würden der Chor von der Müllverbrennungsanlage irgendwann noch seine liebevoll produzierten Freundschaftsshirts los werden. Seien wir ehrlich: Eine Vermischung hätte hier zu keinem Stress geführt, denn die FCKler waren alles eher treu saufende Familienväter und auch für unsere Gruppe zählte eben nur der Suff.

Völkerverständigend wie sie denn sind, hatten sich die Dottores (schön, dass dies auch eine Figur in der Commedia dell’arte bezeichnet) und unser Fanbe… ach ne, unser Leiter Fanprojekt sich auf die FCK-Seite geschlagen.

Im Wald standen dann noch ein paar schwarzgekleidete Teufel und führten irgendwelche Balletbewegungen mit den Armen auf, aber da hätte der Zug sowieso nicht gehalten und was sie damit nun meinten, bleibt wohl auf immer ihr Geheimnis.

So erreichte man also Kaiserslautern und machte sich auf den Weg zum Opernhaus.

Die Arie

Jeder, der sich schon länger für den Opernbetrieb in der Bundesliga interessiert, wird uns wahrscheinlich Recht geben: Das Teatro alla Betzenberg ist als Festspielhaus der besonderen Sorte bekannt. Große Melodramen sind hier aufgeführt worden und unter „Kuriositäten“ ist bei Wikipedia aufgeführt, dass die besten Aufführungen bei Fritz sein Wetter stattgefunden haben. Ein Wetter, welches Besucher der Metropolitan-Oper am Millerntor als „Hamburger Wetter“ bezeichnen würden.

Aber das Spielhaus ist in die Jahre gekommen. Die Vorführungen nur noch zweitklassig und das Haus lebt mehr schlecht als Recht von seiner Tradition. Die Zuschauer sind deswegen auch unzufrieden geworden. Wo früher die Tenore bedingungslos zum zweifach gestrichenen F geschrien wurde, herrscht heute schon Unzufriedenheit und Tumult, wenn der Tenor seine Arie nur handwerklich sauber abliefert. Und so pfiff das Publikum, als der Vorhang zur ersten Pause fiel, und musste sich später zu Recht anhören, dass es nur noch im Chor mitsingt, wenn sich die Sopranistin und der Tenor in einem romantischen Happy End in den Armen liegen.

Unser Ensemble wurde auf dieser Gastspieltour lange umjubelt. Es kam durch einen Stich in das Herz des Teufels, brilliant geführt von unserem jungen Heldentenor Kalla auch zum zwischenzeitlichen Gleichstand, musste sich dann aber doch geschlagen geben. Zu viele Töne wurden versungen. Zwar klappte das Vortragen des Vaudeville hervorragend, aber wenn es in die schwierigen Passagen der Da-Capo-Arie ging, waren unsere Sänger dem Gegner nicht mehr gewachsen und versangen sich bei einzelnen Noten.

Trotzdem konnte man sich erhobenen Hauptes beim fallenden Vorhang verabschieden. Und so brachte der Chor noch ein markerschütterndes Finale. Hatte man dem FCK doch eben gezeigt, dass man in Würde verlieren und auch singen kann, wenn man verliert.

Unser Ensemble ist noch jung und noch entwicklungsfähig. In die Weltliga der Interpreten wird es dieses Jahr wohl noch nicht aufsteigen, was angesichts des Potentials einzelner Sänger enttäuschend ist, aber was Hoffnung für die Zukunft macht. Ein bisschen mehr Konzentration beim Einüben der einzelnen Teile und aus dieser Gruppe hochtalentierter Sänger wird noch richtig was. Denn sie hat die Weltklasse im Repertoire und muss sich damit in dieser Liga absolut nicht verstecken.

Divertissement

Die Deutsche Bahn hatte sich für uns müde Helden noch etwas besonderes ausgedacht:: das E vom ICE gestrichen und lieber kein Bordrestaurant geschickt. Uns war das prinzipiell egal, denn eigentlich haben wir die Rückfahrt nur verpennt. Kurz wurde dem jungen A. noch Asyl gewährt (jaja, unbürokratisch, liebe Hamburger Politik), der dann aber weiterzog und sonst lag man da und schlief. Und kam irgendwann wieder in Altona an, wo man sich selber nicht mehr riechen konnte. Eine Dusche war ein guter Schlusspunkt für diese Gastspielreise.

Was sonst noch war

Während sich die wackeren Auswärtssänger des Magischen FC dort tummelten, wo man „Pfahlzwerge“ nicht zu schreiben weiß, oblag den Daheimgeblieben erneut eine wichtige Mission: die von langer Hand angekündigte Großdemonstration für das Bleiberecht der Lampedusa-Flüchtlinge. Dass sie mit einem Auswärtsspiel zusammenfiel, dass das Wetter eher ungut aussah, dass schon viele Tage voller Demonstrationen hinter uns lagen und dass die Sprengkraft der Thema durch das Aussetzen der Polizeikontrollen etwas eingebrochen war, ließ eine mäßige Beteiligung vermuten.

Es sollte ganz anders kommen. Ob es nun 9.000, 15.000, 20.000 oder 25.000 Menschen waren, die sich am Sonnabendnachmittag vom Hauptbahnhof, durch die Mönckebergstraße, am Rathaus vorbei und rund um die Binnenalster schlängelten, wer weiß das schon genau. Jedenfalls ein großer Erfolg. Alt und jung, links und bürgerlich, alle gingen einmal für eine Sache auf die Straße, die kaum jemanden individuell betrifft. Diese gelebte Solidarität sorgt dafür, dass wir uns inmitten dieser Stadt immer noch pudelwohl fühlen, auch wenn die Obrigkeit tatkräftig daran arbeitet, es immer ungemütlicher zu machen.

Danke, Hamburg. Wir sind mehr!

Es schrieben sonst noch…

Wird morgen nachgereicht