Okt 062013
 

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„Liebe“ Senatoren der Freien und Hansestadt Hamburg,

erst mussten wir es eine Weile sacken lassen, dann kam noch das grauenvolle Ereignis des 3. Oktober hinzu. Nun ist die Wut ins uns so weit angestiegen, dass wir nicht mehr an uns halten können.

Olaf, Michael, Detlef und Co. – schämt euch!

Vor wenigen Tagen machtet ihr klar, dass es nicht einmal eine Erlaubnis für das Aufstellen von Containern für die Lampedusa-in-Hamburg-Flüchtlinge geben werde. Knallhart. Sollte sich der Bezirk Altona, in dessen Parlament offenbar noch nicht solche Steinklötze sitzen wie in der Bürgerschaft, anders entscheiden, würdet ihr die Sache einfach an euch ziehen und das „Schlupfloch“ schließen. Aha. Da geht es plötzlich, Kompetenzen zu ergreifen, während ihr in Sachen Aufenthaltsgenehmigung für die Lampedusa-Gruppe stets auf die Zuständigkeit von Bund oder Europäischer Union verwiesen hattet. Wenn es um Menschlichkeit und Milde geht, wehrt ihr alles von euch weg. Bei Verboten aber reißt ihr das Anliegen an euch. Ihr seid widerlich!

Die Taktik ist klar: Mit eurer gnadenlosen Politik wollt ihr die Lampedusa-Gruppe aushungern. Scheißegal, wer sich auf dem kalten Kirchenfußboden eine Lungenentzündung holt. Wir wollen gerade den Bildschirm mit der Faust einschlagen und brüllen euch wütend entgegen: Wo ist das verdammte S in der SPD bei euch geblieben? Einen asozialeren Senat hat Hamburg lange nicht mehr gesehen.

„Italien ist ein wunderbares Land“ – Olaf, das mag sein, wenn du dich als Urlauber am Strand von Brindisi in der Sonne aalst oder dich auf der Terrasse eines Toskana-Ferienhäuschens den Wanst mit Köstlichkeiten vollschlägst. Doch als Flüchtling hast du wenig zu lachen, wie hundertfach bestätigt wurde. Dass die Behörden in Italien nun, nach der erneuten Bootskatastrophe vor Lampedusa einmal mehr selbst erklären, dass das Land mit der Aufnahme von Flüchtlingen schlichtweg überfordert ist und die Unterstützung der anderen EU-Länder braucht, das willst du sicher nicht hören.

Merkt ihr noch was? Euer Wegsehen, eure Ignoranz der Tatsachen ist so erbärmlich! Übernehmt endlich Verantwortung für die Menschen in eurer Stadt! Und hört auf, Lügenmärchen zu erzählen. Alle Welt weiß, dass ihr die Möglichkeiten habt, ein Bleiberecht zu erteilen, wenn der politische Wille da wäre.

Ihr spielt in eurer „Not in my backyard“-Haltung mit Menschenleben, aber das sieht man nicht, wenn man nicht ein einziges Mal selbst den Arsch in der Hose hat, sich ein eigenes Bild von der Lage in der St.-Pauli-Kirche oder am Hauptbahnhof zu machen. Und dann dieses scheinheilige „Ja, wir warten auf die Kontaktaufnahme der Flüchtlinge, bei uns hat sich noch niemand gemeldet“. Wie verwunderlich, wenn vorher schon das knallharte Signal „Es gibt keine Zukunft in Hamburg“ ausgesendet wird. Bah, wenn wir weiter darüber nachdenken, fängt der Bildschirm schon wieder vor Angst zu zittern an.

Und es geht noch nicht einmal um Kohle – abgesehen davon, dass sämtliche dieser Argumente bei einer 500-Millionen-Euro-Elbphilharmonie der blanke Hohn wären. Beim Totalversagen des Senats sind bereits die Kirche und nicht zuletzt die Bürger selbst in die Bresche gesprungen und stellen Mittel für eine einigermaßen menschenwürdige Unterbringung der Lampedusa-Flüchtlinge bereit. Aber da ihr Senatoren merkt, dass ihr in diesem Armdrücken derart kräftige Gegner habt, bleibt euch kein anderes Mittel als kaltblütige Erpressung.

Doch so läuft das nicht. Hamburg, das sind wir! Nicht ihr armseligen Sesselfurzer im Senat! Wir geben nicht auf und werden weiter kämpfen. Schaut gern einmal, was sich hier bei der Initiative Wir sind mehr tut.  Kommt endlich zu Vernunft und wendet den Kahn, bevor es zu spät ist. Ansonsten steht euch ein mindestens so eisiger Winter bevor wie denjenigen, die ihr in der Kälte hocken lasst. Macht euch darauf gefasst.

Höchstverächtlich,

eure Hamburger