Okt 312013
 

Liebe Leser,

zwei Berichte an einem Tag in der Kategorie „Laufen“, aber da ich heute Morgen was von Kraichgau schrieb und die Worte „Challenge“ „Ironman“ Reizworte im Triathlonbetrieb sind, wie man in sozialen Netzwerken sehen kann, dazu doch ein paar ungeordnete Worte im Blog:

Ich würde das eher erstmal ganz nüchtern sehen. Aufregung ist hier fehl am Platz. Es bleibt das gleiche Rennen, egal unter welchem Label.

Machen wir uns nichts vor. Challenge und Ironman sind kapitalistische Organisationen. Die wollen Gewinn machen. Und das dürfen sie auch erstmal. Wer glaubt, dass Veranstalter nur idealistisch unterwegs sein dürfen, verkennt, dass Sport auch immer einen Businessanteil hat. Das sollte eigentlich jedem, der einem Zweitligisten anhängt klar sein. Nebenbei: Wir leben im Kapitalismus. Das wir es hier nebenbei mit einem typischen Oligopol zu tun haben, sei mal so am Rande erwähnt. Dadurch, dass die beiden Organisationen ihre Finger auf Roth und Hawaii haben, haben sie natürlich einen starken Vorsprung.

Fakt ist auch: Ironman und Challenge Rennen neigen dazu teurer zu sein, als andere Rennen. Die Frage, die man sich jedoch immer stellen sollte: Vergleiche ich Äpfel mit Birnen? Ist z.B. eine 30 KM Radstrecke nicht von der ganzen Organisation her billiger, als z.B. eine 90 KM Radstrecke ohne Runden? Keiner von uns weiß, was so eine Absperrung kostet. Auch ein Vergleich über mehrere Jahre ist dabei immer nur bedingt aussagekräftig, wenn man sieht, wie die allgemeine Preissteigerung bei Massensportveranstaltungen ist. Man vergleiche nur Berlin 2013 und Berlin 2014. Das ist nicht schön, aber Angebot und Nachfrage regeln auch hier den Markt. Dies ist ein leidiges Problem aller Veranstaltungen, ich denke man kann hier die beiden Organisationen nicht ausschließlich als alleinige Schuldige sehen.

Die Frage ist immer: Wie ist die Waage zwischen Business und Idalismus? Bekomm ich als Idealistathlet noch genügend Gegenleistung für mein Geld? Nun wird jeder die Frage „Was ist eine gute Gegenleistung?“ anders beantworten, aber für mich z.B. zählen ein gut organisiertes Rennen, ein paar Goodies und eine herzliche Atmosphäre sehr viel. So finde ich das Kölner Marathon Kölsch-Glas einfach nur cool. Ja, ich stehe auch auf eine hübsche Medaille. Das macht für mich ein sehr guter Teil der Gegenleistung aus.

Ich kann dies für Ironman und Challenge Rennen mangels Erfahrung nicht beurteilen. Ich weiß nur, dass z.B. in Berlin das Pendel langsam in die falsche Richtung ausschlägt. Ich werde es im Kraichgau testen. Dabei ist mir egal, welches Label auf dem Wettkampf steht. Ich finde das Challenge Logo hübscher als das IM Logo und da sind wir bei ganz anderen Argumenten: Das sagt der Bauch. Aber auch ein IM Logo häng ich mir als Medaille gerne ins Zimmer. Wenn ich denn ankomme.

Man kann halt nicht eine als Gut und eine als Böse darstellen. Man käme da nebenbei auch ganz schnell in den Bereich der verkürzten Kapitalismuskritik und des Antiamerikanismus. Und wir wissen ja, wie Scheiße das ist.

Noch etwas ist immer ein Problem: Wir haben es beim Triathlon mit einer boomenden Sportart zu tun. Naturgemäß kann man auch keine 40.000 Personen Triathlonveranstaltungen organisieren, anders als beim Marathon. Daher hat man immer eine gewisse Knappheit und damit auch den Reiz etwas zu reiten, bis es (schneller) tot ist. Dieser Verantwortung sollten sich auch die Veranstalter klar sein, die kapitalistisch unterwegs sind.

Lassen wir uns überraschen. Wenn ich 100 Euro für einen Berlin Marathon zahle, dann finde ich 200 Euro für eine Halbdistanz zwar nicht gerade preiswert, aber ich finde es nun auch nicht überteuert, wenn mir ein stimmungsvolles Rennen mit entsprechender Gegenleistung geboten wird. Aber auch hier gilt: Jeder hat seine eigenen Maßstäbe und jeder seine eigene Bewertung.

Aber egal welche Bewertung: Emotionen würde ich in so etwas nie setzen. Mir doch egal, ob Ironman oder Challenge, Hauptsache Kraichgau.

Ihr werdet es hier lesen.

Okt 312013
 

Liebe Leser,

diese Internetseite ist für alle Fußballfans mit Behinderungen sehr nützlich und daher wollen wir sie gerne mit einem eigenen Blogpost (und nicht nur in sozialen Netzwerken) verbreiten:

Barrierefrei ins Stadion (Verlinkt ist auf den FCSP Beitrag, der so schön unter /pauli abgelegt ist)

Die Seite ist – aus unserer Sicht – gut gemacht, die Daten für den FCSP scheinen richtig zu sein und werden hoffentlich bei Veränderungen auch schnell gepflegt.

Es bleibt aber – wie der Kiezkicker Stefan letztens auf Twitter richtig anmerkte – die entscheidende Barriere erhalten: Die kurzfristige Terminierung der Spiele.

Wie soll z.B. jemand, der auf einen Rollstuhl nutzen muss, der diesen ggf. mit der Bahn transportieren will, der eine Begleitperson benötigt, dies alles innerhalb von 13 Tagen organisieren? Ist dies für jemanden, der z.B.  keinen Rollstuhl braucht, schon schwierig genug, wird es hier beinah unmöglich.

Ja an dieser kurzfristigen Terminierung ändert sich ja nix. Wie steht so schön auf leidmedien.de? Die Menschen sind nicht behindert, sie werden behindert.

Trotzdem hoffen wir, dass diese Internetseite einige Barrieren abbaut und den Besuch am Millerntor einfacher und angenehmer macht.

Okt 312013
 

oder

Der Frankfurt-Marathon

Liebe Leser, vorab möchte ich mich bei der Familie Ramone aus Bingen bedanken, denn ohne euch beide wäre der Frankfurt Marathon nur halb so toll. Vielen Dank für Speis, Trank und Unterkunft.

Auch der Twitterlauftreff ist einfach knuffig. Was Heiko, Gerda und all die anderen auszeichnet, ist eine unfassbare Herzlichkeit über alle gesellschaftlichen Grenzen hinweg. Und die Beiden seien jetzt mal absichtlich namentlich genannt. Ebenso wie Sven, der einfach ein toller Laufpartner ist und mit dem ich hoffentlich noch einige gemeinsame Marathons (Marathone? Wie auch immer…) laufen kann.

Der Twitterlauftreff verleiht Flügel

Der Twitterlauftreff verleiht Flügel

Tja liebe Leser, machen wir es kurz: Leider habe ich den Frankfurt Marathon abbrechen müssen. Das ist ärgerlich, weil es mein 10. zu Ende gelaufener Marathon gewesen wäre. Ich habe immer auch noch eine ziemliche hohe Quote an Abbrüchen, aber gut, dass ändert sich langsam. Während mich sonst gerne mal mein Kreislauf verlässt, war dies diesmal so gar nicht das Problem. Ich fühlte mich frisch und gut und konnte meinen Plan „lauf mal mit dem 5:00:00 Ballon so lange es geht“ für 16 Kilometer sehr gut in die Tat umsetzen. Es lief, Beine und Körper fühlten sich gut und auch die Laune war bestens.

Selbst der zwischenzeitliche Regenguss konnte die Laune nicht verschlechtern. Die Zugläufer waren echt zwei sehr nette Leute. Der eine erzählte, dass seine Bestzeit mal 3:09 im Marathon gewesen ist, er aber schon seit Jahren nur noch Zugläufer mache, weil das ihm viel mehr Spaß mache. Die Leute erzählen, seien gut drauf und er habe keine Lust immer auf eine Minute mehr oder weniger zu trainieren. Bester Spruch: „Wenn es euch gut geht, dann geht es mir auch gut“.

Die beiden Zugläufer liefen auch wie ein Uhrwerk und das immer in 7:00 bis 7:10. Also perfekt gleichmäßig auf 5:00:00. So soll es sein. Bei KM 16 ließ ich die beiden dann aber ziehen, denn ich wollte kurz aufs Klo. Auch das ging super, mein Magen randalierte auch nicht doll und so zog ich weiter. Die Ballons nun aus dem Blick verloren und ein bisschen zu langsam für 5:00:00 aber immer noch guter Dinge. Neben mir eine Familie, die zu viert Marathon lief. Einer schneller und Mama, Tochter und Sohn gemeinsam. Ich hatte die drei schon seit Start gesehen und auch gefragt, wo denn der Vierte (Vater?) sei. Als Antwort bekam man nur ein „ach der ist viel schneller“.

Bei KM 19 wusste ich aber nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Tochter zu Mama „Ach ja, ich bin mit XYZ nicht mehr zusammen“ „Seit wann?“ „Seit letzten Samstag“. Dinge die man seiner Mutter nach zwei Stunden gemeinsamen Laufens erzählt. Die Stimmung zwischen Tochter und Mutter war kurz etwas angespannt, aber dann liefen sie weiter.

Nur ich lief leider nicht mehr. Irgendwie eine Windböe und plötzlich machte der Oberschenkel dicht. Und zwar so richtig dicht. Kurze Gehpause, ausschütteln, dann der Versuch weiter zu laufen. Ne, will nicht. Noch eine Gehpause, dehnen, weiterlaufen. Ne, es ging nicht. Ich konnte das rechte Bein nur noch in kleinen Trippelschritten nach vorne bewegen und damit meinen ganzen Bewegungsablauf so verdrehen, dass mir sofort alles weh tat.

Mist! Wenn einem das bei KM 30 passiert, dann schleppt man sich irgendwie noch ins Ziel, aber wenn man die Hälfte noch vor sich hat, dann gibt es diese Möglichkeit nicht. Also den nächsten Streckenposten gefragt, wo denn die nächste S-Bahn sei und wie es in so einem Moment natürlich kommen muss, war diese unendlich entfernt. So blieb nur langsames weitergehen und warten bis einen der Besenwagen aufsammelt. Bei KM 25 fand ich dann einen Besenbus in dem nicht nur ich, sondern viele sehr trainierte Leute Platz gefunden hatten. Viele hatte der Wind und das Wetter geschlagen.

Die Stimmung im Bus war aber schon von Sarkasmus und fröhlichen Sprüchen geprägt. So what? Niederlagen gehören auch dazu. Insgesamt muss man sagen, dass eine Organisation ihre Qualität dann beweisen kann, wenn es um Probleme geht. Und hier war die Orga gut. Alle Helfer mit aufmunternden Worten und mit den richtigen Hinweisen. Okay, der eine wusste nicht ganz genau, wo der Bus steht, aber das ist nun ein Detail, er wusste wo ungefähr der Bus steht. Wärmefolie war auch ausreichend vorhanden.

Ich bin nicht einmal sauer, eine lange und tolle Saison geht leider etwas doof zu Ende, aber Frankfurt mag ich immer noch. Tolle Organisation, tolle Menschen und ein toller Lauf. Den schaffe ich dann nächstes Jahr.

Und ja ab und zumal ist auch aufgeben eine Option. Wenn ich sehe, dass sich aus dem sonntäglichen Oberschenkelproblem ein montägliches Rückenproblem ergab, dann war das die richtige Entscheidung. Ein Besuch beim Arzt erbrachte dann auch eine Verklemmung im Rücken als Diagnose. Ob die nun zuerst da war und sich zuerst im Oberschenkel zeigte oder ob sie Folge eines anderen Problemes im Oberschenkel war? Ich weiß es nicht, das ist wohl Henne und Ei. Fakt ist: Es ist alles auf dem Weg zur Besserung.

Und das ist hoffentlich auch der Fall für den Läufer, der bei Kilometer 5 eine Herzmassage von den Sanis bekam. Oh man, Leute, passt bloss auf euch auf. Wenn es nicht geht, dann geht es nicht. Lieber mal im Bus sitzen, als auf dem Fußboden liegen und Herzmassage bekommen.

Vielleicht sollte ich zum Ende der Saison ein Fazit ziehen. Ich habe meine Marathonbestzeit verbessert. Zwar nicht viel, aber auf einer Strecke wie Hamburg ist diese Zeit für mich deutlich mehr wert, als die vorherige Bestzeit in Frankfurt. Ich habe meinen ersten Triathlon geschafft und bin angefixt. Ich habe meine alte Liebe das Radfahren wieder entdeckt und freue mich auf ganz viele Kilometer auf dem Rad. Das liegt natürlich auch daran, dass ich das perfekte Fahrrad für mich im Sommer gefunden habe. Jedes Mal, wenn ich es sehe, will ich mich draufsetzen und 100 Kilometer fahren.

Hinzu kommt noch ein Marathon in Berlin, der einfach riesig Spaß gemacht hat. Das war zwar weg von jeder Bestzeit, aber mir ist der Spaß wichtiger als die Uhr.

Nun kommt eine Pause, die ich mit sehr wenig Training und viel Erholung bestreiten werde. Ziel im Winter ist es die Grundlagen zu legen und mein Schwimmen auf ein neues Level zu heben. Ich bin da guter Hoffnung, dass mir das sehr gut gelingen wird. Und ab Februar steige ich in einen Trainingsplan ein, der theoretisch in einer Mitteldistanz endet. Ob das auch praktisch wird? Wir werden sehen, dazu muss ich definitiv noch mein Schwimmen verbessern. Aber wenn dies klappt und der Test am 01.06.14 positiv ausfällt, dann rocke ich am 15.06. das Kraichgau. Zeit ist wie immer egal, Hauptsache ich komme an.

Bis dahin schwimmt, rennt, radelt sicher, legt euch nicht auf die Nase und habt Spaß!

Es liefen auch…

Schwesterherz hatte Hamburger Wetter

Peters Laufblog wird garantiert noch was schreiben…

Lauffreund.de Nils hat schon geschrieben. Und Lauffreund-Gerd litt richtig.

Mike läuft in Demut eine magische Bestzeit

Okt 282013
 

Ihr Lieben,

nein, Zählbares kam am Freitagabend auf dem Rasen nicht zustande. Dafür konnten wir an anderer Stelle an diesem Wochenende enorme Zahlen präsentieren. Fußball ist zwar immer noch wichtig, rückte jedoch spätestens mit dem Abpfiff am Freitag weit in den Hintergrund.

Tjoa, Sandhausen. Das mit dem Entlausen klappte nicht ganz so, wie wir uns das vorgenommen hatten. Es gibt immer so Spiele, wo der bekloppte Ball nicht ins Tor will; das war so eines. Am Ende wogen die Enttäuschung über den unzureichenden Abschluss und die Erleichterung, dass wir uns nicht wie so oft früher noch ein Ding in der 92. einfangen, etwa gleich.

Unsere Jungs wollen, aber sie verkrampfen bei solchen Spielen. Und dann sieht man richtig die Nervösität und das Zu-viel-auf-einmal-Wollen. Als ob der Blick auf die Tabelle lähmt. Vielleicht sollte unser Trainer den Blick auf die Tabelle verbieten. Aber von dem grandiosen Tempofußball, den unsere Mannen in Fürth teilweise entwickelten, waren wir diesmal meilenweit entfernt. Und so holst du gegen einen Gegner, der gefühlt in 90 Minuten keine Torchance hat, eben nur einen Punkt.

Aber will man sich wirklich ärgern? Akut am Wochenende schon, aber wenn man sich das Ganze heute am Montag ansieht, dann ist es wieder ein Schritt in der Entwicklung dieser jungen, hungrigen und auch guten Mannschaft.

Ein paar Ärgernisse blieben jedoch auch am Freitag. So ist die Südkurve an der Ecke Richtung Gegengerade einfach ein echter Schlafwagen. Wenn man schon mehr oder weniger dafür belächelt wird, in der Fankurve laut zu singen, sagt das genug. Sei es die hohe Touri-Dichte dort oder was auch immer, der Roar – so er denn durchs Stadion geht – versandet im östlichen Block B ganz schön.

Sowieso ist die Koordination Süd-GG ein leidiges Thema. Wenn – wie am Freitag – ständig elegant aneinander vorbei gesungen wird, dann ist das dem Roar nicht förderlich. Wir von unserer Perspektive mögen da niemandem eine „Schuld“ geben oder Absicht unterstellen, wie es viele Leute taten (und dann natürlich sofort auf USP zeigten). Wir denken, hier müssen alle Seiten am Zuhören und Aufnehmen arbeiten. Gut, wildes Durcheinandersingen ist ja schon ein Fortschritt gegenüber einem „einer singt, der Rest schweigt“, aber perfekt ist es noch lange nicht.

Unschön auch, dass vor unseren Augen wieder zwei Becher flogen. Welcher Satan die Werfer diesmal geritten hat, wissen wir nicht. Zwei durchnässte Vereinsmitarbeiter an der Bande und wahrscheinlich deutliche Worte in den Block waren die Folge. Leute, lasst es einfach, das kann doch nicht so schwer sein!
Drehen wir mal die Perspektive. Pure Begeisterung hinterließ am Freitagabend die Masse an Choreos, Transpis und Bannern anlässlich des Geburtstages des Aktionsbündnisses gegen Homophobie und Sexismus. Wenn die Mannschaft dann mit der „Wie kann man nur hassen, dass Menschen sich lieben“-Tapete über den Platz läuft und Tschauner Regenbogen-Handschuhe trägt, dann wissen wir einfach noch einmal so gut, warum wir hier stehen. Gänsehaut, ganz groß!

Mannschaft mit Plakat <3 Mannschaft mit Plakat <3[/caption]

Gleiches gilt für die Solidaritätsaktionen für Lampedusa in Hamburg und die deutliche Front gegen den unbarmherzigen Senat. Angefangen bei mehreren Zaunfahnen, weiter mit Sprechchören und zahlreichen Transpis und schließlich der Gipfel in der größten Nach-Abpfiff-Demonstration seit den Hafenstraßenprotesten vor mehr als 20 Jahren. Danke, Sankt Pauli, danke, Hamburg! Rund 10.000 Menschen machten deutlich, dass die Politik der Stadtväter fehlgeleitet ist. Das gibt wirklich Auftrieb. Es blieb dabei bemerkenswert friedlich, wohl auch, weil die Cops die Masse unterschätzt hatten uns sich dementsprechend kleinlaut zurückhielten. Warum nicht öfter so eine Taktik der Unsichtbarkeit? Kommt doch gut an.

Der Sonnabend stand dann ganz im Zeichen des Internationalen Flüchtlingsgipfels St. Pauli in den Fanräumen. Im geselligen Rahmen tauschten sich die anwesenden Gruppen von USP Antirazzista, Yorkshire St. Pauli und Pafras (Positive Action for Refugees and Asylum Seekers) aus England, der United Glasgow FC, Lampedusa in Hamburg und Lampedusa in Glinde aus. Neben den interessanten Vorträgen über die Arbeit der verschiedenen Gruppen war das Highlight ein Spiel der Schotten gegen den FC Lampedusa an der Feldstraße, das der United Glasgow FC für sich entscheiden konnte.

Im Anschluss zogen wir nach kurzer Stärkung in den Fanräumen weiter zum FC St. Pauli Handball, der sein Heimspiel in der Hölle an der Budapester Straße gegen Alt-Duvenstedt bestritt. Wow, im Trikot mit dem Aufdruck „Lampedusa ist überall“ aufzulaufen, zeigt einmal mehr, was für eine arschcoole Handballabteilung wir haben. Dass das Spiel dann auch noch 27:22 für die Braunweißen ausging, gefiel natürlich. Wir hatten mächtig Spaß mit den „8. Damen (ungeschlagen)“, die im feinsten Zwirn in der Halle Präsenz zeigten: Quatschköppe! Die Weinmesse hat euch einfach nicht gutgetan.

Der Abend klang dann im Jolly aus, wo wir uns weiter prächtig mit den Gästen aus Glasgow und Yorkshire amüsierten. Cheers to you great guys from the island! Unbezahlbar waren die Gesichter all jener, die sich vom brandgefährlichen Ostblock eine Essacher Luft aufschwatzen ließen. Man munkelt, mancher würde lieber sein primäres Geschlechtsteil opfern, als noch einen von diesem vorzüglichen Schnaps zu trinken. Wir blieben lieber bei Bier und „Gehängtem“ aus dem Otzentreff, alt wurden wir aber an diesem Abend nicht mehr.

So amüsant und inspirierend das Wochenende zumindest für die Nicht-Marathon-Fraktion von uns war, so sehr müssen wir weiter wachsam bleiben, was die Lage der Lampedusa-Gruppe anbelangt. Vorübergehend ausgesetzte Polizeikontrollen und fortgesetzte Verhandlungen mit dem Signal sind kein Grund zur Beruhigung, es bleibt eine vertrackte Lage. Daher noch einmal der Aufruf: Seid aufmerksam, informiert euch über Solidaritäts- und Protestaktionen und geht zu den angekündigten Demos. Weiter geht es am Mittwoch um 16.30 Uhr am Steindamm und, sofern ihr nicht auf dem Betzenberg seid, vor allem am kommenden Sonnabend um 14 Uhr am Hauptbahnhof. Da sein, viele sein, laut sein!

Es schrieben bisher noch…

Gröni knipste ein buntes Millerntor

Bilder auch bei der Mafia.

Beim Ostblock grüßt man die Hippies ohne Deo

Carpe Diem Sandhausen berichtet von der schwarz-weißen Seite (der junge Mann der für die twittert ist ein sehr netter, nebenbei)

Metalust verliebt sich in seine alte Liebe neu…

Im Handball herrscht noch der gepflegte Hass auf uns… (heult doch!)

Der Übersteiger fasst das Wochenende zusammen.

Mut*Herz*Verstand* fragt sich angesichts der Lampedusa HH Geschichte, wer den Scheiß erfunden hat.

Okt 212013
 

oder

Warum Schindler eingewechselt wurde…

Vorwort

Liebe Leser, es wird nicht besser werden in diesem Land. Eine Koalition mit Erika Steinbach kann nicht gut sein für die Republik. Man wendet sich ab mit Grausen und muss immer mehr feststellen, dass sich die politische Klasse in diesem Lande vollkommen verrannt hat. Verrannt im Nichtstun und im Fehlen jeglichen politischen Mutes und jeglichen politischen Anspruchs.

So ist man nur froh, wenn man dieses Thema mal kurz verlassen kann und sich dem Fußball zuwendet. Auch wenn dieser ebenso politisch ist. Schon lustig, dass die taz dies in ihren Anfangstagen anders sah. Querfront zwischen taz-Gründern und Trottelfans? Man muss schon irgendwie lachen, wenn man die verlinkten Zeilen liest. Hier aber erstmal unsere Worte zu Fürth und den anderen Aufregern des Wochenendes.

Paradies

Fürth lädt immer zu einer längeren Reise ein. Nicht weil Fürth so spannend ist, aber Nürnberg ist es. Und so machte sich die Crew (ihr wart toll) am Freitag schon auf den Weg nach Fürth. Diverse Staus und der typische Freitagabendverkehr sorgten dafür, dass wir letztendlich über die A14/A9 nach Nürnberg fuhren. Und da wir dieses Kunststück auf dem Rückweg noch einmal vollführten, brachten wir es am Ende fertig, in den Süden zu fahren ohne einmal Hessen zu berühren. Das ist auch eher ungewöhnlich.

Freitagabend und Samstag wurde dann hauptsächlich dem Bier und nebensächlich dem Shoppen bei einer bekannten deutschen Sportmarke gewidmet. Und so war dann auch ganz schnell Sonntag. Nach dem gewohnt großartigem Frühstücksbüffet ging es also nach Fürth. Ein Parkplatz war schnell gefunden und so chillten wir in einer Bushaltestelle gegenüber des Stadions. Und Leute, wir können euch sagen: Fürth ist irgendwie einschläfernd langweilig. Dieses Kribbeln, diese Aufregung, welche ein Fußballstadion normalerweise umgibt, die gibt es in Fürth nicht. Immerhin ist die Überdachung der Gästeseite sehr hübsch geworden, hat sie doch englischen Wellblech-Style.

So vergingen die nächsten 120 Minuten echt zäh wie Kaugummi. Man sah viele Bekannte, aber Stimmung wollte nicht so richtig aufkommen. Leider muss man ja heutzutage schon notieren, dass sich die Polizei komplett entspannt verhielt und mit relativ wenig Kräften unterwegs war. Nun gut, so ein Spiel kannst du auch mit zwei Polizisten fahren.

Durch die Hamburger Informationslage geisterte ein „Ausverkauft“, aber dies stimmte weder für Heim noch für Gästeseite. Warum es im Gästeblock aber immer Trottel gibt, die nicht einen Schritt weiter als den Eingang gehen und sich dann auch noch aggressiv meckernd verhalten, wenn mal jemand rein oder raus will, wird sich uns nie erschließen. Wäre man ein bisschen nach oben gegangen, hätte man da mehr als genügend Platz gefunden.

Die Musikbeschallung im Fürther Stadion ist jedoch Folter im Sinne der UN-Menschenrechtskonvention. Und auch wenn USP ein Einsingen versuchte, gegen diesen Musikschrott anzusingen, das geht nicht. Bemerkenswert war, dass die Fürther Ultras sich beim eigenen Vereinslied nicht nur – wie in anderen Stadien – passiv verhielten, sondern sich demonstrativ umdrehten. Warum dieser Protest erfolgt, können wir nicht sagen. Vielleicht haben die Mädels und Jungs einfach einen vernünftigeren Musikgeschmack?

Insgesamt gibt es garantiert unsympathischere Szenen als die von Fürth. Ein „gegen Rassismus“ Plakat im Block und trotz der kleinen Anzahl von Leuten kommt ihr Support auch mal im Gästeblock an. Dafür ist der Rest des Stadions Totentanz.

Irgendwie verläuft Support in einem Gästeblock beim FCSP immer gleich. Es beginnt bei Anpfiff mit dem Gedanken: „Komm, wir verlieren hier zwar, aber so lange es geht Mannschaft tragen.“ Man singt also, pöbelt wenig, versucht alles mitzumachen, was der Vorsänger so anstimmt. Unsere Jungs spielen gut, man singt lauter mit, man ist noch entspannt, aber so langsam kommt die Anspannung. Ist vielleicht doch ein Punkt drin? Das Singen bleibt, das Pöbeln wird mehr. Unsere Jungs führen, schenken die Führung ab, der Gesang setzt aus, man pöbelt nur noch. Wieder gehen wir in Führung, aber nun ist das Wort „Union“ im Hirn. Der Vorsänger findet immer seltener den Weg zu dem eigenen Stimmband, das Gepöbel dafür umso häufiger. Hauptziel wie immer Bartels. Aber dazu kommen wir gleich. Es wird noch einmal spannend, man schüttelt nur noch den Kopf, nicht mal mehr pöbeln kann man. Die Jungs wie gelähmt, man selber wie gelähmt. Doch mal wieder im Willen, die Jungs anzufeuern, und in der Hoffnung, dass der Vorsänger etwas Aggressives bringt. Tut er aber nicht. Ist halt Ultra. Nun gut, dann halt singen. Letztendlich Erlösung, Freude und der komplette körperliche Zusammenbruch. Solche 90 Minuten sind anstrengender als ein Marathon.

Insgesamt war der Gästeblock ganz ordentlich aufgelegt. Schöne Choreo, viel Gesang, ein bisschen Rauch und nette Plakate. Was will man eigentlich mehr?

Aber kommen wir zu dem Geschehen auf dem Rasen. Unsere Jungs begannen – mal wieder – wie die Feuerwehr und führten dementsprechend auch relativ schnell 1-0. Und diesmal gab man das Spiel nicht vollkommen aus der Hand, sondern spielte weiterhin gut mit. Man darf ja nicht vergessen: Fürth ist schon eine der besten Mannschaften in Liga 2. In den ersten Minuten fiel auf, wie hoch und aggressiv unsere Jungs verteidigten. Und es wurde auch ersichtlich, wie Kalla die Unsrigen dirigierte und auch mal mit dem Schiedsrichter argumentierte. Anscheinend tut Frontzek dem Kleinen gut.

Überhaupt ist es bemerkenswert, dass sich Spieler unter Frontzek weiterentwickeln. Nun mag er Schwächen im taktischen Konzept der Gesamtmannschaft haben, aber wenn man sieht, welche Wandlung Buchtmann gemacht hat, dann spricht das auch für einen Trainer. Von einem kreativem Bruder Leichtfuß zu einer Stütze im Spiel. Wenn er nun noch abstellt, dass er gefühlt jedes Spiel eine gelbe Karte bekommt, dann kann er auf dieser Position absolut gut werden. Und wer hätte vor ein paar Wochen gedacht, dass eine Doppelsechs Kalla/Buchtmann sehr gut funktioniert? Klar, da ist noch nicht alles perfekt, aber das sah schon sehr ordentlich aus.

Was bei uns einfach fehlt ist ein 08/15-Konter, wenn man selber unter Druck steht. Da wird der Ball noch viel zu häufig planlos nach vorne gedroschen und damit wieder verloren. Wir haben doch eigentlich viele schnelle Spieler, warum klappt das nicht, diese mit einer einstudierten Ballstaffette aus der Bedrängung in Szene zu setzen? Oder ist das einfach zu viel verlangt? Man sah bei den Jungs, dass nach dem 1-3 auch bei ihnen das Wort „Union“ im Kopf geisterte und sie lähmte. Gut, dass es nicht wieder schiefgegangen ist.

In der Halbzeit fragten Leute, warum er denn nun Schindler eingewechselt habe. Kurze Zeit später wusste man warum. Klar, das war Zufall, denn es war ja eine Verletzung Schuld, aber man kann halt auch mal richtig Glück mit seinem Joker haben.

Und damit sind wir bei Bartels. Nicht, dass uns jemand falsch versteht; dass der junge Mann hier ständig Mecker abbekommt, ist eher ein Ausdruck unendlicher Liebe. Einer der technisch besten und schnellsten Spieler, der seit langem beim FCSP gespielt hat, dem eigentlich zur Champions League nur die Fähigkeit fehlt, aus dem Lauf heraus mal eine vernünftige Flanke oder einen Killerpass zu spielen. Aber vielleicht lernt er das ja irgendwann. Beziehungsweise bekommt das Vertrauen in seine Fähigkeiten und macht es einfach. So wie beim 4-2. Das einfach häufiger, dann wird das noch richtig was.

Trotzdem kann man dem Abendblatt nicht zustimmen, wenn sie Bartels und Thorandt als beste Spieler sehen. Ne, da kommt bei Thorandt dieser Aussetzer dazwischen. Und so agil, wie z.B. Buchtmann agiert, wäre es falsch, ihm Bartels vorzuziehen. Was nun nicht heißt, dass wir hier von „schlechten“ Leistungen spielen, denn immerhin betrachten wir hier ein wirklich klasse Spiel unserer Mannschaft.

Wenn nun noch der Herzfaktor etwas sinken würde, dann wäre alles Bestens. Einige Aktionen von Tschauner und die Flatterei nach dem 3-1 ließen einen dann doch rapide altern.

Nach dem Spiel kurze Feier mit der Mannschaft und es ist irgendwie traurig, dass die Jungs anscheinend Angst haben, die letzten Meter an den Zaun zu machen. Nach so einem Spiel kann man auch mal abklatschen kommen. Das Schachten natürlich an den Zaun ging, ist ja wohl klar.

Nun werden wir wahrscheinlich das Heimspiel gegen Sandhausen verkacken, aber bis dahin kann man mal nach oben schielen und von Aufstiegsplätzen träumen. Und egal, wie man nun zum Aufstieg steht, das wäre wichtig, denn nix ist weniger attraktiv, als die graue Tabellenmaus von Liga 2 zu sein. Und so ein paar Plätze haben wir ja noch zu verkaufen.

Und dann war da noch…

… Duisburg, wo das alte Spiel beginnt. Junge Ultras emanzipieren sich, wandeln sich auch in Richtung zartem linken Pflänzchen und den Testosteron-Nazihools gefällt das nicht. Und es kommt, wie es kommen muss, die Ultras bekommen eins aufs Maul und am Ende noch einen von der Polizei eingeschenkt.

Was dabei nervt, ist nicht, dass es irgendwelche Nazis gibt. Das ist leider auf dieser Welt so. Okay, es nervt natürlich doch. Aber noch ätzender ist, wie wenige Leute sich klar mit den Ultras solidarisieren. Denn eigentlich müsste die Kohorte doch nun beim nächsten Spiel mit mindestens 2000 Mann Begleitung auflaufen. Und dann können 50 Testosteron-Monster auch nix mehr machen. Das nennt man Ameisenprinzip. Aber leider passiert so etwas nicht.

Nein, im Gegenteil, es finden sich immer irgendwelche Trottel, die das ganze umdrehen. (Die Stellungnahme kann man nur lesen und mit dem Kopf an die Wand hauen)

… Hoffenheim. Nun wollen wir das gar nicht juristisch betrachten, ob es da nun ein Wiederholungsspiel geben kann oder nicht. Was man aber nicht vergessen darf, ist, dass Hoffenheim eine gewisse Mitschuld trifft. Nein, nicht weil die Spieler nicht protestieren. Wer in realer Geschwindigkeit wirklich sicher sieht, ob ein Ball nun neben dem Pfosten oder im Tor gelandet ist, wenn er danach im Netz zappelt, der werfe bitte jetzt den ersten Stein. Betonung liegt hierbei auf „wirklich sicher“. Der kann dann auch einen Stein auf Kiesling werfen. Denn wirklich sicher konnte der das auch nicht sagen. Er meinte halt daneben gesemmelt zu haben und sah dann den Ball im Netz. Und nun wird ein Stürmer ein gutes Gefühl haben, ob er getroffen hat oder nicht, aber 100 Prozent? Sicher? So sicher, dass man zum Schiedsrichter geht und sagt: „Ne, komm Schiri, Abstoss.“? Man stelle sich vor, man täuscht sich doch und der Schiri gibt nach einem regulärem Tor auf Anraten des Stürmers Abstoss.

Nein, eine gewisse Mitschuld hat Hoffenheim, weil es ihr Netz ist, was sie da fehlerhaft montieren. Und danach ganz viele dumme Umstände. U.a. dass das Loch nicht unten, sondern auf halber Höhe ist. Und die Linienrichter immer mehr darauf achten, dass das Netz unten dicht hält, weil da erfahrungsgemäß Bälle reinschlupfen. Und das Kiesling den Ball dann auch noch so trifft, dass er ziemlich perfekt in Richtung Loch fliegt, ist eigentlich schon ganz alleine ein Torpunkt wert.

… der Kicker, der über ein Urteil des BFH berichtet und dieser Bericht von ungefähr allen Medien abgeschrieben wird. Was jedoch mal wieder allen Medien fehlt ist, dass sie das Urteil mal wirklich gelesen haben bzw. mit jemandem gesprochen haben, der ein bisschen Steuerrecht versteht. Laut Kicker drohen nun Steuernachzahlungen von 70 Millionen und Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Vereinsfunktionäre wegen Veruntreuung, weil Gelder ohne Leistung bezahlt worden seien. Bevor nun unser ärmster Präsident sich schlaflos im Bett wälzt, sei ihm versichert, dass es so nicht kommen wird. Dazu müssen wir euch jetzt aber mal mit ein bisschen Steuerrecht nerven.

Vorab: Natürlich ist das lukrativ, dass der Verein Vorsteuern gelten machen kann. Die Leistung des Beraters ist erstmal umsatzsteuerpflichtig und sein Mandant der Spieler ist kein Unternehmer und kann damit die Vorsteuern nicht geltend machen. Dies können halt nur Unternehmen. Bei dem Verbraucher/Arbeitnehmer soll ja die Belastung der Umsatzsteuer nach der Idee des Systems hängen bleiben. (Wir sparen uns die Erläuterung, okay?)

Erstmal hat der Kicker und die restliche Presse den entscheidenden Satz in dem Urteil XI R 4/11 übersehen. Der lautet nämlich:

„Der Senat kann mangels Spruchreife nicht durcherkennen.“

Sprich: Das Ganze ist noch nicht abschließend entschieden. Und dann lohnt es sich mal die Urteilsgründe genauer zu studieren. Der BFH weist in diesen darauf hin, dass sehr wohl eine umsatzsteuerrechtliche Beziehung zwischen Verein und Berater vorliegen KANN, er sagt aber eben, dass dies besondere Umstände haben MUSS, weil prinzipiell nach Fifa Regeln der Berater nur für eine Partei (den Spieler) tätig sein darf und man erstmal davon ausgehen muss, dass ein Berater auch nur für eine Partei Leistungen erbringt. Und nur die Gegenleistung zu einer Leistung ist Umsatzsteuerpflichtig.

Und diesen Leistungsaustausch im umsatzsteuerlichen Sinn sieht der BFH zwischen Verein und Berater nicht zwingend. Was dies aber nicht heißt ist, dass eine Zahlung an den Berater damit illegal ist und eine Veruntreuung darstellt. Denn nicht jede vertraglich vereinbarte Zahlung ist umsatzsteuerpflichtig bzw. die Gegenleistung für eine umsteuerliche Leistung und der BFH meint, dass hier gewichtige Gründe vorlägen, dass zumindest AUCH an den Spieler geleistet werde. Der BFH selbst verweist auf ein Urteil von 2011 und in diesem sieht er die Zahlung des Vereines an den Berater so, dass der Verein mit dem Spieler vereinbart, dass er die Kosten für den Berater übernimmt. Warum dies eine Veruntreuung sein soll, wenn so etwas vereinbart wird, muss uns erstmal jemand erklären. „Ich übernehme deine Kosten, die du mit diesem Vertrag hast“ ist eine relativ übliche Abrede und im Mietrecht ist diese Kostenübernahme selbst mehr oder minder gesetzlich vorgeschrieben. Trotzdem leistet der Berater dann immer noch an den Spieler. Das hier natürlich Handgelder bzw. Bestechungsgelder versteckt sein können, ist eine andere Geschichte und dies ist dann auch eine Grauzone, aber der kommt man halt nicht so bei.

Und selbst wenn man von einer objektiven Veruntreuung ausginge, können Vereinspräsidenten ruhig schlafen. Der BFH hebt hier eine Vorinstanz auf, die Zahlungen als vollkommen unproblematisch ansah. Und seien wir ehrlich: Da fehlt dann jeglicher Vorsatz. Wenn ein deutsches Finanzgericht Zahlungen als unproblematisch ansieht, dann kann man von einem Vereinspräsidenten nicht verlangen, dass er klüger ist.

Wie der Kicker auf die Zahl von 70 Millionen kommt, ist auch schleierhaft. Denn es geht um die Jahre 2000 und 2001. Die werden in den meisten Vereinen verjährt sein, so dass kein Finanzamt mehr nervt. Auch „einzelne Vereine“ mit 26 Millionen Mehrbelastung in den Jahren 2009 bis 2013 erscheint eher zweifelhaft. Vorsteuern sind 19 Prozent der Vertragssumme. Diese Vereine hätten also in diesen vier Jahren insgesamt gut 100 Millionen an Spielerberater zahlen müssen. Das ist ungleich Ablösesummen! Felix Magath hat in dieser Zeit nebenbei Schalke und Wolfsburg trainiert.

Wahrscheinlich wird sich auch in der Zukunft wenig ändern, denn der BFH skizziert in seinem Urteil schon, wie man die Verträge gestalten muss, damit man am Ende eben doch die Vorsteuer gelten machen kann.

Es schrieben bisher noch…

Kleiner Tod fasst die Woche zusammen.

Gröni war beim Blindenfussballhallenmasters (ein Wort für das Galgenrätsel)

Und zuguter Letzt wie immer der Hinweis auf die tägliche Presseschau

Der Ostblock sucht einen schmissigen Titel. Wir haben ihn. (Wer den letzten Link zu dem Youtubevideo klickt, tut dies auf eigene Gefahr. Wir übernehmen keine Haftung für bleibende Schäden.)

Die Breitseite fand das Paradies. Und zahlte beinah 6,66

Okt 152013
 

oder

Der ZIS-Bericht 2012/2013

Vorwort

Liebe Leser, vorab haben wir dem Michael Wollny für diese schöne Überschrift zu danken, so betitelte er nämlich den ZIS-Bericht auf Twitter. Viel ist in den letzten Jahren schon über diesen Bericht geschrieben worden und zum Glück sieht auch die Presse ihn immer kritischer – dämliche Ausnahmen gibt es trotzdem noch, siehe gleich. Letztes Jahr hat der Rafael Buschmann sehr gut zerlegt, warum die statistischen Ansätze mehr als fraglich sind.

Das können wir deswegen außen vor lassen und uns mal auf einige Details stürzen, die diesen Bericht einfach zu einem Klassiker machen. Wäre dies nicht alles so traurig, könnten wir wirklich gut darüber lachen.

Ach ja, wer unsere Ausführungen von vor zwei Jahren gelesen hat, der wird nicht umhin kommen, einige Wiederholungen zu entdecken.

Gleich der erste Satz…

„Im Vergleich zur vorhergehenden Saison 2011/12 ist sicherheitsgefährdendes und gewalttätiges Verhalten so genannter Fußballfans im Bereich der beiden Bundesligen insgesamt zurückgegangen.“

Da ist schon klar, was dieser Bericht soll. Er soll die Stammtische bedienen. Man darf Folgendes nicht vergessen: Wir haben es hier mit dem Tätigkeitsbericht einer Behörde zu tun! Da ist es eigentlich Ehrensache, sich an Fakten zu halten. „so genannte Fußballfans“ ist aber schon eine Wertung.

Die Zusammenfassung kann man sich gepflegt sparen. Da wird ein signifikanter Rückgang der Verletztenzahlen genannt und dann gesagt, dass dieses auf dem Abstieg eines ehemaligen Zweitligisten beruhen würde. Ihr könnt euch nun ausrechnen, wer nach Ansicht der Polizei „Schuld“ ist. Ob das nun Hansa, KSC oder Aachen ist. Allemal ist es nicht Dynamo Dresden, liebe WAZ!

Die Datenbasis

755 Spiele erfasst die ZIS. Davon 612 in Liga 1 und 2 mit insgesamt 18,0 Millionen Zuschauern. Bemerkenswert: Die Zuschauerzahl der anderen 143 Spiele wird nicht erfasst! Wenn man die Zahl der Zuschauer mal vorsichtig mit 30.000 schätzt (immerhin sind da ja auch ordentlich Champions-League-Spiele drin), dann käme man insgesamt auf 22 Millionen Zuschauer aller Spiele. Wir nehmen das jetzt mal als Schätzung an.

Wieder bemerkenswert: Während die ZIS zwar JEDES Spiel der ersten und zweiten Bundesliga als berichtenswert empfindet, sind nur 30 DFB-Pokal-Spiele in den Bericht eingeflossen (wohlgemerkt: alleine die erste Runde hat 32 Spiele). Schon damit kann man theoretisch diese Statistik in die Tonne treten, denn uns ist nicht bekannt, dass ein DFB-Pokal-Spiel wirklich mal ohne Polizei gefahren würde.

Die Ultras aus Sicht der ZIS

Vieles schreibt die ZIS zum Thema Ultras wortgleich seit Jahren. Trotzdem gibt es ein paar interessante Aussagen:

„Der überwiegende Teil der Ultras kann nach wie vor der Kategorie A zugerechnet werden.“

Hat schon jemand Herrn Wendt angerufen, der dann bitte die ZIS der Verharmlosung bezichtigt? Es ist dann sowieso spannend, warum Ultras bei dieser vorangestellten Feststellung einem Generalverdacht unterzogen werden. Wenn ein überwiegender Teil (was heißt das nebenbei? 50 % 70 % 90%?) von ihnen selbst aus Sicht der ZIS (!!!) als harmlos erscheint, wie rechtfertige ich dann eine extrem repressive Taktik gegenüber dieser Personengruppe? Und wie rechtfertige ich die nun folgende Diffamierung?

So führt der Bericht dann weiter aus:

„Das Selbstverständnis der Ultras entspricht dem von „wahren“ Fans, die ihren Verein bedingungslos unterstützen, hierzu auch weite und aufwändige Reisen in Kauf nehmen und deshalb von den Vereinen auch Freiräume und Unterstützung erwarten. Es liegen Hinweise auf einen zunehmenden Einfluss von Angehörigen der Ultraszenen in offiziellen Gremien der jeweiligen Heimvereine vor. Auch dies ist ein Indiz dafür, dass sich Teile der deutschen Ultraszenen ihren erklärten Vorbildern in Italien immer mehr annähern, die durch organisiertes Auftreten gegenüber den Stadioneignern, den -betreibern, den Vereinen, dem Verband und auch Teilen der lokalen Politik den „Druck der Straße“ erhöht haben, um sich möglichst unreglementierte Räume zu schaffen.“

Es mag der ZIS komisch vorkommen, aber was sie hier beschreibt, ist der Sinn einer Bürgergesellschaft. Menschen sollen sich für ihre Interessen in demokratischen Gremien engagieren und für ihre Interessen in einem demokratischen Diskurs streiten. Ob Ultras wirklich „möglichst unreglementierte Räume“ haben wollen, sei mal dahingestellt, aber man sieht, wie sehr sich das Unbehagen der Kontrollwütigen regt.

„Ein Dialog mit der Polizei wird ganz überwiegend kategorisch abgelehnt. Dies gilt auch für das Aussageverhalten gegenüber der Polizei nach Auseinandersetzungen, selbst dann, wenn Ultraangehörige Opfer geworden sind.“

Noch ein spannendes Phänomen im ZIS Bericht. Es wird nicht hinterfragt. Jedem normalen Menschen liegt doch nach diesen Sätzen die Frage „Warum ist das denn so?“ auf der Zunge.

Den Rest lassen wir jetzt mal unkommentiert.

B- und C-Fans

Die ZIS schreibt hier: „Die geschätzten Angaben der Polizeibehörden über Personen der Kategorie B […] und der Kategorie C […] summiert sich auf 10.417 Personen […]“ (Fettung auch im Original)

Die Hervorhebung der „geschätzten“ Anhaben lässt eigentlich jeden verständigen Leser nun den Kopf an die Wand hauen. Eine geschätzte Zahl, die bei 10.000 plus X auch die erste Vorkommastelle auswirft? Man kann nur hoffen, dass sich keine Polizeibehörde verschätzt hat und in Wahrheit 10.418 B- und C-Fans rumlaufen. Man kann diese Einteilung in B und C nebenbei sehr gut kritisieren, weil sie z.B. die Motivlage vollkommen außer Acht lässt. Aber selbst wenn man diese Schätzung mal als gegeben annimmt, dann muss man feststellen, dass es in der Bundesliga auf 22 Millionen Besucher gerade einmal 2.600 gewaltsuchende und 7.800 gewaltgeneigte Fans gibt.

Man könnte hier beinah schon fragen: Wo ist eigentlich das Problem? Oder anders ausgedrückt: Im Schnitt (!) hat jeder Erst- und Zweitligist 72 C-Fans und 216 B-Fans. Bei durchschnittlich 41.000 Zuschauern in der Bundesliga sind im Schnitt gerade einmal 0,70 Prozent der Fans aus Sicht der ZIS (!!!) irgendwie mit Gewalt in Verbindung zu bringen, in Liga zwo 1,8 %. Natürlich ist das eine Milchmädchenrechnung, denn bei mehr Zuschauern ist das Potential für mehr gewaltbereite natürlich größer und Durchschnitte glätten immer die Extreme weg, aber insgesamt darf man folgendes nicht vergessen: Es handelt sich schlichtweg um einen extrem kleinen Personenkreis. Und dies selbst nach Ansicht der ZIS, die ja eher einen Menschen zu viel, als einen Menschen zu wenig in diese Kategorie packt. (Und klar ist: Auch sonst ist das eher eine nicht zu ernst zu nehmende Zahl, weil sie davon ausgeht, dass immer alle 288 da sind und die 41.000 Zuschauer immer die gleichen 41.000 sind.)

Politische Motivation

„In 16 Standorten (Vorjahr 13) der beiden Bundesligen ist nach Einschätzung der zuständigen Polizeibehörden von einer teilweisen personellen Überschneidung der jeweiligen Fußballszenen mit den rechten Szenen auszugehen. Hierbei handelt es sich um 5 (Vorjahr 5) Bundesligastandorte“

Wenn man diese Feststellung ernst nimmt, dann heißt dies, dass 44 % aller Bundesligisten insbesondere die zweite Liga (11 von 18 Vereinen; 61%) ein Naziproblem hätten. Umso erstaunlicher, dass dies nicht Hauptzielrichtung einer jeden Gewaltvermeidung ist. Die ZIS zählt insgesamt 432 Personen in diesem Kreis. Das ist dann relativ wenig, aber bemerkenswert ist es schon, dass Rechtsradikale anscheinend immer noch die Fußballkurve als Agitations- und Andockungsraum benutzen. Wie schon gesagt: Wenn man denn diese Zahlen ernst nimmt.

103 Verfahren nach §86a StGB (Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen) findet die ZIS eine „sehr geringe Anzahl“. Kann man gerne drüber streiten, wenn man bedenkt, dass es insgesamt nur 6.502 Strafverfahren gab und man auch bedenken muss, dass Nazis ja sehr clever geworden sind.

Und dann kommt ein Absatz, bei dem man nur Herzchen in Richtung ZIS schicken kann:

„Überschneidungen mit linksmotivierten Szenen wurden lediglich von einer Zweitligabehörde berichtet. Dort ist die überwiegende Mehrzahl der den Ultras bzw. Skinheads nahestehenden Problemfans der linksmotivierten Szene zuzurechnen und beteiligt sich auch an Aktionen anlässlich von Demonstrationen dieser Szene.“

Hier müssen aber andere Standorte mal an ihrem Image feilen. Das kann ja wohl nicht angehen.

Sicherheitslage

Verletzte

Insgesamt gab es 788 Verletzte, davon 242 Polizeibeamte, 201 Störer und 345 Unbeteiligte. Wenn man von 22 Millionen Besuchern ausgeht, dann wurden genau 0,002 % aller Besucher verletzt (546 durch 22 Millionen, die Polizisten sind ja nicht in der Besucherstatistik enthalten!).

Erneut muss man sich fragen: Gibt es wirklich ein Gewaltproblem?

Auch wenn er abgelutscht ist und natürlich auch ein bisschen hinkt. Der Vergleich mit dem Oktoberfest 2013 drängt sich auf. Auch hier haben wir es mit einer Massenveranstaltung zu tun, bei der sich Menschen ganz ordentlich betrinken. Merkmale, die wahrscheinlich auch auf jedes Fußballspiel zutreffen. Die Bilanz der Polizei gibt keine Verletztenzahl an, spricht aber von 449 Körperverletzungsdelikten auf 6,9 Millionen Besuchern. Wenn wir mal davon ausgehen, dass jedes Delikt auch einen Verletzten zur Folge hat, dann kommt man auf mindestens 450 Verletzte. Sprich auf dem Oktoberfest wird mindestens jeder 0,006 Besucher verletzt. Die Polizei spricht – wahrscheinlich selbst zu Recht – von einem ruhigen Oktoberfest.

Noch eine sehr frappierende Schwäche des ZIS-Berichtes: Sie sagt nicht, wie und wie stark sich die Leute verletzt haben. Zwar werden Unfälle ausdrücklich ausgeschlossen, aber was Unfälle sind, ist nicht definiert. Der Verletzte per Pfefferspray in die Masse ist ebenso ein Verletzter wie der von 20 Leuten zusammengedroschene und schwerverletzte Familienvater. Auch dies entwertet natürlich die Statistik extrem.

Strafverfahren

Insgesamt gab es 6.502 eingeleitete Strafverfahren. Das ist ein deutlicher Rückgang und dies insbesondere im Bereich Pyro und die ZIS schreibt unter anderem:

„So berichteten zahlreiche Polizeibehörden mit Vereinen beider Bundesligen über einen erheblichen Rückgang des Abbrennens pyrotechnischer Gegenstände und damit einhergehend auch über eine entsprechende Reduzierung der eingeleiteten Strafverfahren nach Verstößen gegen das SprengstoffG.“

Das kann man mal zur Kenntnis nehmen, egal wie man zu Pyro steht.

Auch hier muss man die Statistik natürlich hinterfragen. Eingeleitete Strafverfahren sind nicht gleichzusetzen mit Straftaten! Die ZIS selbst gibt den Durchschnitt pro Spiel der 1. Liga mit 9,2 Verfahren und für jedes Spiel der 2. Liga mit 4,3 Verfahren an. Wohlgemerkt bei 41.000 bzw. 16.000 Zuschauern pro Spiel im Schnitt. Auf einen Zuschauer in der 1. Liga kommen also 0,0002 Strafverfahren (bzw. anders herum: auf 5.000 Besucher kommt eines).

Erneut: Haben wir hier wirklich ein Problem beim Fußball?

Immerhin 47,6 % aller Strafverfahren entfallen auf Körperverletzung, Widerstand, Landfriedensbruch und Sachbeschädigung. Warum der ZIS-Bericht es dieses Jahr nicht wirklich in die Schlagzeilen schafft? Bei diesen genannten Delikten gibt es Rückgänge zwischen 7,3 % bis 21,0 %. „Es ist alles ganz schlimm“ lässt sich wohl nicht ableiten.

Erneut ist der Vergleich zum Oktoberfest spannend. Hier berichtet die Polizei von 1.522 Strafanzeigen. Rechnet man dieses hoch, dann ist das weniger (4.500 vs. 6.500). Das war schon mal anders.

Freiheitsentziehende Maßnahmen

Immer noch ein Phänomen des Fußball sind, die 6.837 freiheitsentziehenden Maßnahmen. Bemerkenswert ist, dass dies mehr sind, als überhaupt Strafverfahren eingeleitet wurden. Beim Oktoberfest gab es 759 freiheitsentziehende Maßnahmen. Sprich: Auf jede zweite Anzeige eine. Da kann man schon mal ins Grübeln kommen, ob hier nicht eine bewusst restriktivere Taktik gegen Fußballfans gezogen wird. Insbesondere wenn man bedenkt, dass 2.480 dieser Maßnahmen von der ZIS in den Bereich „Gefahrenabwehr“ gepackt werden. Sprich: 1/3 aller freiheitsentziehenden Maßnahmen erfolgen im schwammigen Bereich des Polizei- und Ordungsrechtes. Wir hatten das schon mehrfach als Thema.

Und dann kommt wieder so ein Absatz

Der Bericht erwähnt dann bei dem Punkt „Sicherheitsstörungen auf Reisewegen“ einen „aufgrund der konspirativen Vorgehensweise und kriminellen Energie herausragenden Sachverhalt“. Aber lest selbst:

„[…] Sachverhalt ereignete sich in den späten Abendstunden des 02.02.2013, als gegen 23:40 Uhr vier Busse mit Anhängern der SpVgg Greuther Fürth im Rahmen der Rückreise vom am Nachmittag stattgefundenen Spiel beim FC Schalke 04 die Rastanlage Steigerwald-Süd (BAB 3, zwischen Würzburg und Fürth, Fahrtrichtung Nürnberg) anfuhren, um dort eine Pause einzulegen. Dort kam es zu einem planmäßig vorbereiteten und zielgerichtet durchgeführten Überraschungsangriff durch eine Gruppe von ca. 50 bis 60 vermummten Personen auf einzelne bereits ausgestiegene Fürther Fans und die vier Busse. Die Angreifer setzten Leitpfosten, Äste, Steine und Flaschen ein und führten zudem brennende Bengalische Fackeln mit. Nachdem die angegriffenen Fürther Reisenden in die Busse geflüchtet waren, attackierten die Gewalttäter die Busse, wodurch erheblicher Sachschaden entstand (ca. 34.000 €). Eine zuerst eingetroffene Streifenwagenbesatzung musste zunächst auf Verstärkungskräfte warten, da ein Großteil der Störergruppe mit Leitpfosten in der Hand auf das Dienstfahrzeug zugelaufen war. In dieser Phase gelang der überwiegenden Mehrzahl der Angreifer die Flucht mit auf der Raststätte bzw. längs des dahinter liegenden Wirtschaftsweges geparkten PKW. Lediglich ein mutmaßlicher Tatverdächtiger konnte im Anschluss noch auf der Raststätte angetroffen werden. Allerdings konnte am Tatort umfangreiches Spurenmaterial sichergestellt werden. Zur Aufklärung dieser Straftat, die als „Besonders Schwerer Fall des Landfriedensbruchs“ bewertet wurde, wurde eine Ermittlungskommission eingerichtet, die in den folgenden Monaten nach Auswertung umfangreicher Beweismittel und Erwirken zahlreicher richterlicher Beschlüsse und staatsanwaltlicher Anordnungen (u.a. zur Entnahme von DNA-Material, Durchsuchung von Wohnungen sowie zur Auswertung von Telefondaten) insgesamt ca. 30 Personen als am Tatort anwesende Beteiligte identifizierte. Mit Stand: September 2013 wurden die eingeleiteten Ermittlungsverfahren zwischenzeitlich durch die zuständige Staatsanwaltschaft nach § 170 II StPO eingestellt.“

Jetzt mal davon ab, dass man sich schon fragen muss, was für absolute Volltrottel sich für Fürth in den Graben legen, erstaunt dieser Absatz. Denn die Kenner werden wissen, was in § 170 Abs. 2 steht. Das ist die berühmte Einstellung aus Mangel an Beweisen. Noch mal zum auf der Zunge zergehen lassen: Die Polizei ermittelt 30 vermeintliche Täter durch Durchsuchung von Wohnungen, Auswertung von Telefondaten, Entnahme von DNA-Material, sprich durch derbe Eingriffe in Grundrechte, die nur bei dringendem Tatverdacht möglich sind. Und am Ende kommt dabei raus, dass man keinen einzigen Täter eines Tatbeitrages überführen kann? Irgendwas stimmt hier nicht. Und zwar so ganz und gar nicht. Gerade wenn man bedenkt, dass der Landfriedensbruch ein Zurechnungstatbestand ist, bei dem es ausreicht Teil einer Gruppe zu sein, aus der agiert wird.

Ihr merkt: In diesem Absatz stimmt irgendetwas aber so gar nicht. Insbesondere, da die ZIS von anwesenden Beteiligten spricht, welche identifiziert wurden. Da ist kein Konjunktiv, keine Verdächtigung, kein „mutmaßlich“! Das ist umso bemerkenswerter, als dass die Rot-Schwarze-Hilfe ja zu dem letztjährigen Bericht gerichtlich eine Richtigstellung durchgesetzt hat. Und das die Maßnahmen sich gegen Nürnberger gerichtet haben, liegt wahrscheinlich nahe. Mal sehen, ob die Rot-Schwarze-Hilfe noch einmal vor Gericht zieht.

Abgesprochene Hauereien

Die ZIS merkt an, dass es eine deutliche Dunkelziffer in diesem Bereich gibt. Seien wir ehrlich: Wen jucken diese Sachen eigentlich wirklich, wenn die Leute Bock drauf haben, dann sollen sie das doch machen. Selber Schuld, wenn du dann auf die Nase bekommst. Was aber aufhören lässt, ist folgender Absatz:

„Die konspirative Vorgehensweise macht deutlich, dass die immer wieder insbesondere von Medienvertretern behauptete Aussage, Absprachen zu Auseinandersetzungen zwischen verfeindeten “Hooligangruppen” würden im öffentlich zugänglichen Bereich des Internets getroffen, nicht begründet ist. Nach Erkenntnissen der berichtenden Polizeibehörden konnte bislang in keinem Fall der Nachweis erbracht werden, dass es dort konkrete Absprachen zu Auseinandersetzungen gegeben hat.“

Das ist insofern bemerkenswert, dass zwar Medienvertreter diese Behauptung gerne mal reproduzieren, sie aber u.a. von Vertretern der Polizeigewerkschaft aufgestellt wurde. Und zwar schon 2005. Da steckte Facebook noch in den Kinderschuhen, aber Hools verabredeten sich schon drüber. Den wahren Urheber dieser Behauptung erwähnt die ZIS lieber nicht.

Sichergestellte Gegenstände

In diesem Bereich wurde ja vor Jahren mal eine „Oh mein Gott, wie viele Messer wurden denn da gefunden!“-Schlagzeile gemacht. Letztes Jahr insgesam 25.920 sichergestellte Gegenstände, welche die ZIS aber nicht aufschlüsseln will. Bemerkenswert dabei: Über 10.000 dieser Gegenstände wurden in Bremen und Mainz vom Ordnungsdienst abgenommen. Man kann diese Statistik wohl ungesehen in die Tonne treten, wenn zwei Vereine bereits die Hälfte der Gegenstände melden. Hier ist schlichtweg nicht einheitlich, wie gemeldet wird. Oder Bremen und Mainz haben voll die krasse Messerstecherszene. Bei Mainz und einer Ultragruppe, die sich Metzger nennt, können wir das ja noch verstehen.

Personelle Belastung der Polizei

Insgesamt 1.274.302 Arbeitsstunden leistete die Polizei im Bezug auf den Fußball. Umgerechnet bedeutet dies, dass 1.351 Polizisten das ganze Jahr nix anderes machen, als Fußball zu begleiten (Zahlen laut der ZIS). Das ist der zweithöchste Wert in den letzten zwölf Jahren laut ZIS.

Wir nehmen das jetzt einfach mal so hin. Viel kann man aus diesen Zahlen nicht machen.

Langfristige Betrachtung

Von 2001/2002 bis 2012/2013 haben sich die Strafverfahren verdoppelt. Ohne dies nun werten zu wollen (z.B. wird zu Beginn garantiert die Meldepflicht nicht wirklich ernst genommen worden sein), so ist es schon bemerkenswert, dass sich gleichzeitig die polizeilichen Arbeitsstunden verdreifacht haben. Wenn man gemein sein will, dann kann man daraus nur schließen, dass das Konzept „viel hilft viel“ absolut und vollständig gescheitert ist.

Okt 152013
 

oder

Fußball?

Vorwort

Liebe Leser, wir gehen davon aus, dass ihr auf dieser Seite nicht nur Fußball erwartet. Unsere Stärke war ja nie die taktische Betrachtung und die Diskussion, ob Philip Lahm nun auf der 6, 7 oder 8 spielen soll. Können andere Leute viel besser als wir.

Trotzdem verschreibt sich dieses Blog nicht jedem Unrecht dieser Welt, sondern ist primär erst mal ein Fußballblog mit politischen und stadtteilbezogenen Einwürfen. Und da kommt nun die aktuelle Situation ins Spiel. Wenn die St.-Pauli-Kirche im Mittelpunkt eines lokalen Konfliktes über ein globales Thema steht, dann verschiebt sich halt der Schwerpunkt dieses Blogs mal massiv in eine andere Richtung.

Daher nun ein aktueller Überblick und eine aktuelle Bewertung der neuesten Ereignisse vom Wochenende. Wir wollen aber trotzdem mit Verein und Fußball beginnen:

Stadionverbot durch Becherwurf

Puh, was für ein schwieriges Thema. Becherwürfe sind ein lediges Thema und sind eine Dummheit, die aus FCSPlern anscheinend nicht heraus zu bekommen ist. Bereits seit Jahren wurde erst von Fanseite, dann irgendwann auch von Vereinsseite immer wieder gemahnt, den Scheiß zu lassen. Wir wollen die Diskussion gar nicht wieder aufwärmen, halten aber daran fest, dass zwar jedem mal der Becher aus der Hand rutschen kann, aber ein gezielter Wurf niemals gerechtfertigt oder entschuldbar ist.

Nun hat der Verein konkret einem überführten Werfer Stadionverbot erteilt und ihm weitere Auflagen erteilt. Details lässt der Verein offen, sodass wir nicht wissen, welche Länge das Stadionverbot hat und welche Auflagen gemeint sind.

Auf der einen Seite kann man nur „Selbst schuld, du Trottel“ brüllen. Wer die unzähligen Flyer, Aufrufe und Ereignisse (Schalke-Spiel 2011) ignoriert hat, der kann keine Milde erwarten. Und damit sind wir bei dem einen extremen Gedanken.

Auf der anderen Seite steht das allgemeine Unbehagen gegenüber Stadionverboten. Gerade, wenn sie wie hier definitiv als Ersatzstrafe eingesetzt werden. Denn seien wir ehrlich: Von einem präventivem Charakter bleibt hier nix übrig.

Man kann eben nicht auf der einen Seite sagen, dass Stadionverbote scheiße sind und sie dann in so einem Fall vorbehaltlos abfeiern. Sie sind auch in einem solchen Fall eher nicht rechtstaatlich und deswegen problematisch. Wie problematisch, wissen wir nicht, denn ein Stadionverbot von zwei Spielen gegen ein Stadionverbot von drei Jahren sind halt doch zwei Paar Schuhe. Unbequem sind aber beide Paar.

Olaf und Michael, die Rechts-Überholer

Oh ja, man kann sich sehr gut fragen, was man von der SPD eigentlich erwartet. Viel zu häufig waren die Hoffnungen auf einen demokratischen Sozialismus bzw. auf eine bessere Welt von dieser Partei historisch schon enttäuscht worden. Und dies nicht erst seit Schröder. Jedoch: Selbst in ihrem heutigen Programm hat die Partei allgemein noch etwas von „Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität“ stehen.

Wir wollen gar nicht verheimlichen, dass es sie noch gibt, die aufrechten Sozialdemokraten, die sich in ihrem praktischen Handeln von genau diesen drei Worten leiten lassen, aber insgesamt sind sie eine aussterbende Art. Ersetzt wurden sie durch Politiker, deren Handlung von den Prinzipien des Machterhalts und der Hilfe für die Großindustrie geleitet sind. Viel zu viele Sozialdemokraten der Schröder-Generation hängen der Pferdeäpfeltheorie (danke Momo, dass du das in deinem auch sonst sehr lesenswerten Bericht hast) an. Man füttert das Pferd Großindustrie und die breite arme Masse soll sich von deren Pferdemist ernähren. Das Firmen wie Vattenfall nie Arbeitsplätze schaffen und/oder erhalten, ist auch in einer globalisierten Welt eine zu deutliche Wahrheit. Trotzdem singt man lieber mit viel Geld deren Lied, anstatt die HEW gar nicht erst zu verkaufen.

Und daher ist es nicht verwunderlich, dass die Hamburger SPD mal wieder versagt, wenn „Solidarität“ und „Freiheit“ und „Gerechtigkeit“ wirklich praktisch gelebt werden könnte. Oh mein Gott, das wäre ja auch „links“ und seitdem alle Parteien ihr Heil in der „Mitte“ suchen, geht ja schon der Anschein einer Solidarität nicht mehr. Man meint, damit ja den Zeitgeist zu treffen, welcher Solidarität ja immer nur dann einfordert, wenn es um einen selber geht.

Und hier geht es ja nur um ein paar Ausländer und dann auch noch „Afrikaner“. Da kann man auch noch gleich den Stammtisch bedienen. Da wittert der Machterhalter ja gleich eine Win-Win-Situation. Und hat doch seine Rechnung ohne wirklich solidarische Menschen gemacht, die das Thema plötzlich öffentlich und laut machen. Und plötzlich merkt die Öffentlichkeit, dass vor Lampedusa seit Jahren unzählige Menschen elendig verrecken, dass Menschen in Italien unwürdig in Abschiebegefängnissen gehalten werden und dass die europäische Flüchtlingshilfe versagt hat.

Gerade in dieser Situation und dieser Öffentlichkeit, wäre es ein Leichtes gewesen, still und heimlich eine menschliche Lösung über §23 Aufenthaltsgesetz herzustellen. Aber doch nicht Michael und Olaf. Auch nur den Hauch einer „linken“ Politik wollen diese Menschen vermeiden, halten lieber den deutschen Volkskörper rein und verweisen – selektiv – auf Gesetze. Da wird dann mal die NPD rechts überholt.

Seit Freitag nun also auch ganz praktisch per Polizeikontrollen und Ingewahrsamnahmen. Da werden dann nebenbei nicht „Migranten“ kontrolliert, lieber NDR. Kein Polizist hat Einwanderer mit Namen Svenson oder McArthur kontrolliert. Nein, es wird rassistisch nach Hautfarbe selektiert, egal ob man Einwanderer ist oder schon in der x-ten Generation einen deutschen Pass besitzt. Das sind die „zufälligen Kontrollen“, die immer POC treffen.

Dagegen gab es am Wochenende eigentlich jeden Tag Aktionen. Freitag und Samstag wurden spontane Demonstrationen durchgeführt, die irgendwas zwischen 500 (Polizei) und 1000 (Veranstalter) Teilnehmer hatten. Sie verliefen friedlich und ohne weitere Zwischenfälle.

Sonntag besetzten ca. 50 Leute vorübergehend den Eingang vom Rathaus. Das ganze verlief friedlich und auch die Polizei hielt sich eher zurück. Die Aktion wurde nach ca. zwei Stunden beendet. Was nun folgte, lässt sich nur als Katz-und-Maus-Spiel bezeichnen. Die Leute liefen los, die Polizei hinterher, in der Spaldingstraße und am HBF kam es dann noch zu einer Abkesselung der Spaldingstraße, ohne dass dort wirklich Demonstranten drin waren. Danach lief alles hin und her und die Polizei nahm Leute recht rüde in Gewahrsam. Warum und wieso, konnte niemand so richtig erkennen. Nur seien wir ehrlich: Keine BFE und dementsprechend auch kein „wir sitzen mal zu dritt auf dem Typen und hauen auf den Liegenden noch zehn Mal mit dem Knüppel ein“ und auch kein Pfefferspray für alle, die da zufällig herum stehen. Da ist man – leider – schon schlimmeres gewöhnt.

Weitere Demonstrationen und Solidaritätsbekundungen werden folgen. Wir werden den Druck nicht nachlassen, bis der Senat sich in die richtige Richtung bewegt. Und sollten sie der Meinung sein, die Gäste der St.-Pauli-Kirche mit Gewalt holen zu wollen – dafür wurde offensichtlich schon der Befehl erteilt, trotz aller Heuchelei von geheiligten Räumen -, dann sollten sie wissen: Uns und noch sehr viele Menschen mehr werden sie dann mit aus dem Gotteshaus ziehen müssen.

Nächste Veranstaltung:

Dienstag 15.10

Spontandemo 20 Uhr, Rote Flora

Mittwoch, 16.10.

Mittwochsdemonstration von Lampedusa in Hamburg 16:30 Infozelt Steindamm

Samstag 2.11.

Bundesweite Solidaritätsdemonstration für Lampedusa in Hamburg 14:00

Okt 102013
 

 

 

Wie eben auf der offiziellen HP  verkündet, findet die JHV am 27.11.2013 ab 18:30 im CCH Saal 2 an. Warum eigentlich nicht bei uns im Stadion? Das der Standort mehr als unglücklich ist und nach 0:00 Uhr an einem Wochentag von dort selbst eine Reise ins Viertel (!) mit dem HVV beinah unmöglich ist, sei zum wiederholten Male erwähnt.

 

Auch wenn im Personalbereich nur randseitige Ämter (Kassenprüfer und Wahlausschuss) zu wählen sind, ist eine Teilnahme sehr wichtig. Wenn wir ein „anderer“ Verein sein wollen, dann ist unsere innervereinliche Demokratie unser höchstes Gut. Kommt also zahlreich, informiert euch vorher und sorgt für eine ruhige und angenehme Diskussionskultur.