Sep 292013
 

oder

Berlin Marathon 2013

Vorwort

Liebe Leser, ich habe ein gespaltenes Verhältnis zum Berlin Marathon. Sehr nette Helfer und eine prinzipiell gute Organisation stehen einige Unverschämtheiten entgegen und eine Haltung „wir müssen keine Extras bieten, wir sind sowieso immer ausverkauft“.

Daher war relativ schnell klar, dass Berlin „nur“ ein Test für Frankfurt werden sollte und ich nicht zwingend an meine Bestzeiten ran laufen will. Hier also die Zusammenfassung des Berlin Wochenendes.

Chaos und Voll

Die Messe in Berlin ist insofern cool, als dass wirklich viele Hersteller vertreten sind, so dass das Läuferherz alles findet, was es begehrt. Nachteil: Auch die Hersteller wissen, dass sie hier aufgrund der Masse auf ihr Geld kommen und bieten nicht sehr viele Messerabatte an. Anders als z.B. in Hamburg.

Die Startnummernausgabe ist mit einer gewissen Wartezeit verbunden, die so gerade eben noch im Rahmen ist. Der Veranstalter wollte, dass nun wirklich jeder persönlich seine Unterlagen abholt und kennzeichnete auch noch jeden Teilnehmer mit einer Art VIP Bändchen. Was offiziell der Sicherheit dient, hat natürlich nur den Sinn eine inoffizielle Übertragung von Startplätzen zu verhindern. Man kann darüber denken, wie man will, aber im Endeffekt ein Geschäftsmodell zu haben, was auch dadurch funktioniert, dass man von einem gewissen Prozentsatz von Nichtstartern ausgeht, hat etwas bedenkliches. Denn nix anderes ist der Ausschluss von offizielle und inoffizieller Ummeldung. Das mit einer erheblichen Quote von DNS und DNF geplant wird, zeigte sich noch später.

Insgesamt muss sich hier der SCC fragen, ob er noch das richtige Verhältnis zwischen „Profitorientierung“ und „wir machen es, weil wir es lieben“ findet. Wenn ich auch in den mehr als dürftigen Starterbeutel gucke, dann verstärkt sich noch der Eindruck. Ein T-Shirt, ein Goodie zum 40. oder ähnliches vermisst man hier komplett. Auch irgendwas lustiges, wie z.B. die Frankfurter gekochten Eier ist nicht vorhanden. Eine Nudelparty wird auch nicht veranstaltet. Das ist alles sehr dünn. Natürlich kann man sich das leisten, ist man doch immer ausgebucht und verfügt über eine schnelle Strecke. Schön ist es trotzdem nicht.

Am Sonntagmorgen dann also in das Athletendorf, sehr spät für unsere Verhältnisse und erstmal den Laufreund.de Sven aufgegabelt. Sollte mich dieser doch die nächsten 5 Stunden begleiten. Wer Sven nicht kennt, der hat was verpasst. Ein Läufer mit Humor, Herz und einem feinen Humor. Ich hatte zumindest meinen Spaß.

Ein riesiges Plus von Berlin ist ein riesiger Haufen echt knuffeliger Helfer. Alle einfach toll, riesig, nett und herzlich. Das beginnt mit den Schülern an der Kleiderabgabe und endet mit den freundlichen Damen beim Medaillenumhängen. Und wenn dann ein Verpflegungsstand von irgendeinem Schwimmverein gemacht wird und deren Moderator irgendwas von sagt „hier ist das Wasser besonders gut, wir kennen uns damit aus…“ dann ist das super.

Super sind auch die unzähligen Bands an der Strecke, auch wenn diesmal ein bisschen viele atonale Freejazz Bands dabei waren. Vom Publikum ist Berlin okay, kommt aber an Hamburg und Köln nicht ran. Viele echt engagierte Leute, die sich zum Ziel gemacht haben jeden ins Ziel zu prügeln, aber auch weite Strecken an denen keiner steht.

Der persönlichen Unterstützercrew sei an dieser Stelle gedankt. Ihr wisst wer ihr seid und ihr wisst, wie toll ihr seid. Insbesondere sei der Nudelzauberkoch genannt.

In die Startaufstellung und noch ein bisschen mit der sielaeuft.de geschnackt. Sven kam auf gute Ideen: Ihr seid so ein 3 Stunden Läufer… langsam loslaufen, irgendwo so im vier Stunden Bereich und dann in Kreuzberg zu der Gruppe mit der ihr lauft sagen „ich hab Hunger“ und kurz ein Döner holen, auf die wieder aufschließen und herzhaft reinbeissen. Die Gesichter möchte ich sehen.

Egal, wir liefen los und schnell waren wir nicht. Auch weil wir irgendwie Pennälerblasen am Start hatten. Passiert mir sonst auch nicht, aber wir haben irgendwie halb Berlin gewässert. Dafür war der Magen und Kreislauf diesmal einfach Bombe. Null Probleme, auch als es später wärmer wurde. Der Lauf ging flüssig von der Hand, aber auf das richtige Tempo komm ich zur Zeit einfach nicht. Ich laufe locker, bei gutem Puls, fühle mich super, bin aber so 10 Sekunden pro KM zu langsam. Egal, sollte ja nur ein LongJogg für Frankfurt werden und so genoss ich einfach jeden Meter, klatschte Kinder ab, flachste mit Läufern, unterhielt mich mit Sven und lief einfach fröhlich. Bei KM 22 dann das Unglück. Sven mit Rückenproblemen und daher mit einer notwendigen Pause. Ich lief ihm erstmal weg und bis KM 30 war alles super. Nun die Frage: Noch irgendwas versuchen oder einfach austrudeln? Kurz gerechnet und eine 5:20 wäre vielleicht noch möglich gewesen. Aber hey, Bestzeit wird das heute nicht, also lieber Körner für Frankfurt sparen und das ganze entspannt zu Ende machen. Daher also beim Getränkestand ein bisschen gechillt und dann langsam und entspannt weiter. Bei KM 35 dann mal einen klitzekleinen Hänger, aber alles Bestens. Kurz danach eine Läuferin aufgegabelt, geschnackt und ihrem Tempo angepasst. Dadurch natürlich noch Minute um Minute verloren, aber egal.

Sven kam wieder von hinten und wollte unbedingt einen Endspurt. Den wollte ich nicht, ich wollte das Brandenburger Tor in vollen Zügen genießen. So ging ich den letzten Kilometer, obwohl ich auch hätte laufen können. Aber hey, egal. Ich wollte Spaß haben. Publikum beklatscht, noch kurz mit der Abteilungsunterstützung geschnackt und ins Ziel gewackelt. 5:48:07 ist mein langsamster Marathon ever, aber dafür hatte ich noch nie soviel Spaß und habe mich so wenig gequält. Und seien wir ehrlich: Wir alle machen das als Hobby und zum Spaß!

Im Ziel dann die große Enttäuschung. Es gab keine Medaillen mehr. Das ist einfach schwach. Und wenn man irgendwo im Bereich von 25.XXX ins Ziel kommt, dann muss man den SCC doch mal ganz stark hinterfragen: Mit wie vielen DNF/DNS rechnen die? Um es mal deutlich zu sagen: Da hilft es nicht, wenn der Moderator was von „Lieblingsblock“ und „Leute, die ihr Tempo laufen“ faselt, wenn die langsamen los laufen, wenn man denen im Ziel dann mit Anlauf in die Fresse haut. Ich weiß, morgen kommt dann das Facebookposting, dass man sich das gar nicht erklären könne und man doch 45.000 Medaillen geprägt habe. Wer es glaubt…

Und nein, das Umhängen einer Kindermedaille und das Versprechen eine richtige Medaille nachzuliefern ist einfach nicht das Gleiche. Jeder Läufer hat das gleiche Recht auf eine Finishermedaille und sollte die SOFORT bekommen. Er zahlt immerhin dafür. Und es wird ihm als Leistung versprochen. Das dann noch die entsprechende Durchsage nur auf Deutsch gemacht wird, zeigt auch eine gewisse Unprofessionalität.

Die beiden irren Österreicher @alpinextrem und @triathlondog haben ihre Wunschzeit nicht erreicht (2:29), aber die Zeiten sind trotzdem unfassbar. Ebenso auch die anderen Zeiten, die so im #twitterlauftreff gelaufen werden. Entsprechende Berichte verlinke ich noch später.

Trotzdem danke Berlin, es war mir eine Ehre. Ob ich noch mal zurückkehre steht in den Sternen, denn an einer Verlosung nehme ich nicht teil.