Aug 292013
 

oder

das eigentliche Problem

Vorwort

Liebe Leser, wir haben zur Zeit ein kleines zeitliches Problem, sodass unsere Berichterstattung zu Spielen unseres geliebten Vereines ein bisschen dünn ausfällt. Das wird leider noch ein bisschen so bleiben, befürchten wir. Wir hoffen aber bald wieder regelmäßiger aus der Welt des FCSP berichten zu können.

Auch vieles Andere bleibt leider ungesagt auf der Strecke. So manches aus der Welt des passiven und aktiven Sports will mitgeteilt werden, aber es fehlt einfach die Zeit. Trotzdem wollen wir euch mal wieder mit ein, zwei kleinen Blogposts unterhalten. Man verzeihe aber trotzdem, dass es vielleicht nicht ganz so in die Tiefe geht, wie ihr es gewöhnt seid. Auf juristischer Seite wollen wir auch mal allgemein auf den Kollegen Düllberg verweisen, der viele juristische Fragen rund um das Fansein in seinem Blog verwurstet.

Trotzdem beleuchten wir mal den Polizeieinsatz auf Schalke etwas näher.

Sachverhaltsannahme

Es ist immer etwas schwierig, in solchen Fällen eine wirkliche endgültige Beurteilung zu schreiben. Das liegt daran, dass ja niemand den ganzen Sachverhalt wirklich überblickt. Man muss sich aus den unterschiedlichen Quellen eine Wahrheit zusammenreimen. Wir nehmen mal folgende Lage an (!), sagen aber gleich, dass dies nicht die wahre Wahrheit ist:

Im Schalker Block wird eine mazedonische Fahne gezeigt. Und zwar eine inoffizielle, weil es zwischen Griechenland und Mazedonien einen Streit um Namen, Symbole und so etwas gibt. Irgendwelche nationalistische Kackscheiße, die man nur mit „Herr, schmeiß Hirn vom Himmel“ kommentieren kann. Gezeigt wurde diese Fahne, weil die Ultras Gelsenkirchen irgendwie dicke mit einer Gruppe aus Skopje sind. Warum die nun mit einer solchen Gruppe befreundet sind, erschließt sich uns eher gar nicht, wenn an diesen Zeilen auch nur ein Funken Wahrheit ist.

Der Gästeblock war sowieso schon ziemlich am rocken (Pyro, Böller etc. pp) und tickte nun wohl aufgrund dieser Fahne vollkommen aus. Es wurde angeblich Platzsturm und alles Mögliche angedroht. (Hier sagen wir mal, dass da wohl an der Wahrheit herumgeschraubt wurde!)

Die Fahne wird nicht auf Bitten abgenommen und wird dann von der Polizei unter Zurhilfenahme von Pfeffer und Knüppel entfernt.

Später wird davon gesprochen, dass diese Fahne den „Tatbestand der Volksverhetzung“ erfüllt habe. Empörung und Kopfschütteln ist die Folge, Schalke stellt sich hinter seine Fans. Und eigentlich nur der Polizist aus dem Kasperletheater namens Wendt findet den Einsatz voll schnafte.

Aber wie sieht das denn nun rechtlich aus?

Das nun Folgende ist eine rein juristische Betrachtung. Da sind Emotionen mal ganz bewusst außen vor gelassen. UND sie ist nicht abschließend. Sie soll nur mögliche Überlegungen darstellen, um dann zum eigentlichen Problem zu kommen. Nur damit das klar ist.

Das Schalke Unser schreibt in seinem Artikel was von „Ende des Rechtsstaates“ und so müssen sich die Betroffenen gefühlt haben. Ohnmächtig, unschuldig und überfordert.

In einer Juraklausur darf man Dinge, die offensichtlich sind (z.B. bei Mord, dass jemand tot ist) in einem kurzen Satz ohne weitere Begründung abhandeln. Man soll so Platz und Zeit für die eigentlich wichtigen Punkte bekommen. So wollen wir es hier auch halten:

Eine Volksverhetzung im Sinne des § 130 StGB kann man hier nicht einmal andenken. Es fehlt an JEDEM Tatbestandsmerkmal.

Es ist bemerkenswert, dass die Polizei sich auch noch einen Tag später auf diese Begründung zurückzieht. Sie ist absurd, unsinnig und lässt einen mit Kopfschütteln zurück. Okay, in der Strafverfolgung ist es nicht Aufgabe der Polizei, Straftatbestände absolut zu prüfen. Das ist Aufgabe von Staatsanwaltschaft und Gerichten. Die Polizei darf bereits bei einem Verdacht handeln und – so schlimm das klingt – sie darf auch polizeiliche Zwangsmittel einsetzen, um einem Verdacht nachzugehen. Ist auch logisch, wenn man mal folgenden Sachverhalt sieht: Mann steht mit blutigem Messer über Leiche, Polizei kommt, Mann rennt weg. Das die Polizei ihn hier auch mit Gewalt (z.B. Bein stellen) aufhalten darf, leuchtet irgendwie ein. Das der Mann sich später als Unschuldig herausstellt, weil er nur Passant war, der Leiche sah und Messer aufhob, ändert daran nix. Deswegen ist im Bereich der Gewalt halt Verhältnismäßigkeit so wichtig und deswegen ist „erst Schießen, dann fragen“ auch nicht so ohne Weiteres erlaubt.

Aber es geht hier halt nicht um Strafverfolgung. Mag die Polizei sowieso nicht, da ist sie nämlich nur „Hilfsbeamter der Staatsanwaltschaft“. Viel schöner, ehrenhafter und immer mehr der Schwerpunkt der Polizei ist die präventive Gefahrenabwehr. Umso erstaunlicher, dass sie diesen Begründungsweg in der Öffentlichkeit nicht gewählt hat. Vielleicht weil es nicht so griffig ist? Weil es nicht so die schöne Keule ist? Wir wissen es nicht. Aber betrachten wir doch mal diese Eingriffsmöglichkeit:

Was in der Theorie sehr großartig klingt, nämlich Straftaten zu verhindern, bevor sie passieren, ist in der Praxis leider gar nicht großartig. Bevor man sich da überhaupt in Einzelheiten verliert, ist das auch dem letzten klar, denn wir greifen in einem Zeitpunkt ein, in dem noch nichts Verbotenes passiert ist. Und Prognosen sind bekanntlicherweise immer dann schwierig, wenn sie die Zukunft betreffen.

Was hätte denn hier verbotenes passieren können? Klar, Massenschlägerei, POAK stürmt die Nordkurve, Körperverletzungen etc. pp.

In unserem Rechtssystem darf die Polizei dann präventiv eingreifen, wenn eine konkrete Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung droht. Dieser Begriff ist äußerst problematisch, wenn es um seinen „Ordnungsteil“ geht, das sei hier aber mal ausgeklammert. Er ist sehr unbestimmt und wird dafür auch kritisiert.

Aber hier wollen wir mal annehmen, dass die Gefahr konkret war und dass eine Massenschlägerei die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet.

Nur kurz: Da der Gästeblock in der Schalker Arena hermetisch abgeriegelt ist und zwar durch Beton und feste Türen, kann man hier natürlich daran zweifeln, wie konkret denn ein Sturm der POAK Fans aus dem Gästeblock denn so ist.

Muss die Polizei sich denn nicht zuerst an die POAK-Fans halten? Immerhin wollen die doch Straftaten (konkret: Schalkern auf die Nuss hauen) begehen?

Gute Frage. Und da sind wir bei der Verantwortungsverteilung des Sicherheits- und Ordnungsrecht. Dann wird es wirklich eklig. Vorab: Das Ganze ist vollkommen schuldunabhängig. Ob sich Schalker mit dem Zeigen der Fahne irgendwas strafrechtlich zu Schulden kommen lassen, ist so etwas von egal.

Sie müssen nur eine Gefahr verursacht haben. Haben sie. Haben die POAK Fans auch. Und zwar unmittelbarer, weil sie ja diejenigen waren, die losgehen wollten. Nun ist das Polizeirecht prinzipiell so, dass zuerst gegen diejenigen Vorgegangen werden soll, die unmittelbar die Gefahr verursachen.

Also rein zu den PAOK-Fans? Ganz so einfach ist das nicht, denn das Polizeirecht kennt noch den Zweckveranlasser. Sprich jemanden, der mittelbar die Gefahr verursacht –
durch sein Verhalten und nicht einfach, weil er da ist. Anders als der Rautenfan, der alleine schon durch seine Anwesenheit provoziert und eine Gefahr heraufbeschwört, machen die Schalker das ja doch relativ bewusst. Und wenn es ihnen nicht bewusst war, welche Wirkung diese Fahne hatte, dann hatte man es ihnen ja gesagt. Fahne weg = alles easy im Gästeblock (maßlose Übertreibung, ist jedem klar, oder?). Eine Überlegung, die man nicht von der Hand weisen kann, oder?

Und dann darf die Polizei wählen. Und zwar unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismäßigkeit und der Effektivität der Gefahrenabwehr.

Und böse Menschen denken nun: Klar, geht sehr viel einfacher, so ein paar Schalker Ultras umzuboxen, die man kennt, die sich aufgrund von Totalüberwachung immer zweimal überlegen, ob sie sich wehren (Widerstand gegen Staatsgewalt, Yeah), die Fahne zu holen und alles ist gut, als sich mit so einem griechischem Mob rumzuhauen, den man nicht kennt, der einen Ruf wie Donnerhall hat, der Böller und mehr dabei hat und drüben wird weiterhin mit der Fahne gewedelt. Effektivität ist da ein sehr hässliches Wort. Dieses Tatbestandsmerkmal ist schnell und einfach erfüllt. Effektiv ist die breite Anwendung von Knüppel und Pfeffer immer.

Und dann sind wir wieder in dem, was jeder Jurastudent so hasst. Dem Gesinnungsaufsatz der Verhältnismäßigkeit. Und hier wollen wir euch alleine lassen. Ist das verhältnismäßig, in eine Tribüne mit vielen Ahnungslosen und Unbeteiligten reinzuspazieren und großflächig polizeiliche Zwangsmittel einzusetzen? Man kann hier seine Zweifel haben, man kann aber auch Wendt-mäßig sagen „ist halt kein Kinderspielplatz, da rockt es auch mal“. Und in der Logik der Polizei geht der Unbeteiligte ja auch zur Seite, wenn 200 Behelmte kommen und sagen „Tschuldigung, wir müssen hier mal durch“. Und wenn er eben nicht zur Seite geht, dann behindert er eine polizeiliche Maßnahme und ist damit nicht mehr Unbeteiligter, sondern Störer. Pfeffer Marsch.

Um es kurz zu machen: Man bekommt ohne Weiteres diesen Einsatz über das Polizei- und Ordnungsrecht begründet und als „rechtmäßig“ tituliert.

Und dann ist es eben nicht das Ende des Rechtsstaates (siehe Wikipedia-Definition), auch weil dieser Begriff wenig aussagt. Nein, das Problem liegt ganz woanders.

Und das ist des Pudels Kern

Wir möchten nicht wissen, wieviele Leser nun vollkommen wutentbrannt diesen Artikel weggeklickt haben. Aber liebe Leute, das Problem ist nicht die Polizei und auch ACAB greift eben viel zu kurz. Das Problem ist eine Gesellschaft, welche „Sicherheit“ und „Ruhe“ und „Reibungslosigkeit“ zum Non plus ultra erklärt und gar nicht sieht, dass sie jegliche Schranken überschritten hat.

Wer sich nicht konform zur Mehrheit verhält, gerät immer mehr in den Fokus von Repression und (polizeilichem) Druck. Und dabei sprechen wir nicht einmal von irgendetwas, was strafbar wäre, sondern von ganz normalem menschlichem Verhalten, was als „störend“ oder potentiell sicherheitsgefährdend pauschal verboten wird.

Man blicke nur auf die heutzutage üblichen Verbote, irgendwo Alkohol zu trinken. Natürlich passiert dann auch weniger (effektiv!) und die breite Öffentlichkeit findet das daher super. Ob es verhältnismäßig ist, jedem Menschen das Feierabendbierchen in der Bahn, auf dem Platz zu verbieten? Wen interessiert diese Frage? Hier wird etwas, was grundsätzlich nicht stört (es geht hier nicht um den übermäßigen Alkoholgenuss oder lautes Singen und Grölen im betrunkenen Zustand) und nicht verboten ist, kriminalisiert und für „Sicherheit- und Ordnung“ verboten.

Und zugespitzt wird das Ganze eben im Fußballkontext. Verhalten, welches vor ein paar Jahren noch ein Schulterzucken verursachte (z.B. Plakate, die sich unfreundlich mit dem Gegner beschäftigen) werden nun polizeilich verfolgt. Hinzu kommt, dass „die breite Öffentlichkeit“ eine Hochrüstung der Polizei mitträgt und gutheißt, welche auch der deutschen Polizei so problematische Mittel wie Pfefferspray an die Hand geben.

Es ist eben nicht wie früher, wo die Polizei Feuerwehrtechnik (siehe verlinktes Video) einsetze und ansonsten in Mantel und Hut erschien. Nein, heute haben wir es mit einer perfektionierten, anonymen Kampftruppe zu tun. Und wer einen Kampfhund an die lange Leine lässt, der muss sich nicht wundern, wenn er diese Leine ausnutzt.

Das Ganze geschieht in einem Klima, in denen sich Innenminister mit Law-and-Order-Forderungen überbieten und jede Straftat, jeder Gefängnisausbruch, jede Randale beim Fußball zu der lauten Forderung nach „Konsequenzen“ führt. Wie soll in einem solchen Umfeld ein Einsatzleiter der Polizei handeln? Ruhig? Deeskalierend? Abwartend? Und damit seinen Arsch risikieren? Nein, er wird auf die Verhältnismäßigkeit scheißen und das effektivste Mittel wählen.

Wir müssen eben gesellschaftlich dazu zurück kommen, dass Freiheit nicht nur die des anders Denkenden, sondern auch die des anders Handelnden ist. Und müssen akzeptieren, dass nicht jede Straftat verhinderbar ist und präventive Gefahrenabwehr enge Grenzen hat. Und dies muss gesetzlich mit einer Einschränkung des Sicherheits- und Ordnungsrecht passieren.

Aug 292013
 

oder

Der passte.

Roar! Elfmeter gehalten, Freistoß versenkt – es darf eben auch mal gut ausgehen. Wir könnten uns jetzt an Dingen wie Schwäche bei gegnerischen Standards und Tore nur bei eigenen weiden. Machen wir aber nicht. Das war ein geiler Fußballabend, Punkt.

In Rekord-Unterbesetzung geht euer Lieblingsblog an diesem Abend ins Stadion. Diesmal sind wir persönlich ohne Refugee-Begleitung auf der GG, da sich reichlich Spender gefunden haben, dass die Sankt Paulianer Lampedusa-Gruppe geschlossen auf die Süd kann. Absolut geil, was KIEZHELDEN da bewirkt!

Relativ spät komme ich (seien wir mal ehrlich, was die Personalstärke betrifft) in Block D an. Aber es geht noch mit der Fülle, ist ja hässlicher Montag. Quatsch quatsch hier, sabbel sabbel da, der Anstoß kommt schon bald. Die Dresdner sind erst einmal laut, aber wir kriegen die Schwarzgelben schon in Grund und Boden gesungen. Immer schön, wenn es sangeskräftige Gegner gibt, dann verfällt das Millerntor support-technisch nicht in diese Selbstzufriedenheit. So auch heute.
Drei Dinge verwundern heute etwas. Warum ist der Support-Block auf der GG so weit nach links gerutscht? KeinDiffidati-Gruß von der Süd? Und Dünamo ohne Püro unterwegs? Naja, dafür schöne Scheiß-Montag-Choreo bei den Unsren. Nicht locker lassen!

Das Spiel ist in jedem Fall mitreißend. Die Offensivabteilung gibt Gas, auch wenn mein neuer Liebling Ratsche heute nicht ganz so gut zackig unterwegs ist wie die letzten Spiele. Thy hängt sich auffällig rein und hinten passt das meiste auch, wenn es nicht gerade eine Ecke oder ein unnötiger Elfmeter ist. Aber wir haben ja einen Philipp „Montage scheinen mir zu liegen“ Tschauner zwischen den Pfosten. Yeah! Das völlig unkordinierte „SANKT PAULI!“-Staccato auf den Rängen nach einer solchen Glanztat, genau wie nach knapp vergebenen Chancen, ist einfach Gänsehaut.

Wie eine hässliches Hamburger Schmierblatt als Sinnlos-Information vorab präsentierte, ist es keine gute Idee, in einem Spiel des FCSP gegen Dynamo in Führung zu gehen – für beide. Sollte sich wieder bewahrheiten, für die richtige Seite. Schön ist, dass die Jungs mittlerweile Dinger versenken, die früher in die Wolken geflogen werden. Das gilt sowohl für den „Man of the Match“ Maier mit dem Bomben-Freistoß als auch für Kringe und seine Direktabnahme. Ja ja, Dynamo war angeschlagen und verunsichert. Mir doch egal! Gude Laune!

Noch eine kleine Anmerkung zu der Lied/Stadionsprecher-Diskussion: Nun wollen wir keine eigene Meinung präsentieren, aber das Abfeiern der Mannschaft OHNE Musik war immer ein Alleinstellungsmerkmal am Millerntor. Dabei geht es erstmal nicht darum, ob da nun Vicky, Heidi, Marilyn oder wer auch immer gespielt wird. 28.000 Menschen am Millerntor, 29.000 Lieblingslieder. Mindestens. Da ein bisschen aus seiner eigenen Geschmacksmonokultur zu kommen, tut eigentlich immer gut. Es geht darum, dass Musik in diesem Moment von vielen Zuschauern (!) als störend empfunden wird, von der Mannschaft (!) aber gewünscht wird (Beiträge von Paupi und Klaus). Vielleicht kann man sich ja da auf Kompromissvorschläge des Übersteigers einlassen. Allemal sollte man mal miteinander reden. Damit jeder in seinen persönlichen Millerntorgenuss kommt. Und der Stadionsprecher lernt garantiert. Da der Kollege Erik ihn zu kennen scheint, gibt der ihm garantiert sonst noch ein paar kleine Tipps.

 

Außer den sowieso schon verlinkten schrieben noch:

 

Metalust zitiert Freud und Marx um zur Realität lustvoll zu kommen

 

Kleiner Tod leidet in der Ferne mit

 

Ostblock und Keep Calm können die Wortspiele mit Maier.

 

Pathos sieht gleich Heldenhaftes

 

Bilder bei Gröni

Aug 282013
 

oder

Aktivsportwahnsinn

Vorwort

Liebe Leser, die Fußballseite wird auch bald gefüllt, wir sind dabei. Jetzt erstmal die Aktivsportseite. Leider wird die immer noch alleine von mir beackert, aber ich hoffe ja bald, dass der rennende Blitz auch wieder die Schuhe schnüren kann. So also ein Roundup der Dinge, die waren und die kommen:

Q-Tri

Der zweite Triathlon meiner Karriere fand in Bornhöved statt. Eine kleine dörfliche Veranstaltung inmitten der Schleswig-Holsteinischen Weiten. Wer meint, Norddeutschland sei flach, dem sei diese Veranstaltung empfohlen. Ein äußerst welliger Radkurs, gepaart mit einem welligen Laufkurs warteten bei dieser Veranstaltung auf den geneigten Teilnehmer.

Die Veranstaltung ist dörflich familiär und alleine dadurch sehr zu empfehlen. Von den 3.000 Einwohnern der Gemeinde sind alleine 300 als Helfer am Start. Und der Rest guckt gefühlt zu.

Nach der brühwarmen Binnenalster erwartete einen diesmal ein etwas kälterer See, so dass mein Neo Wettkampfpremiere hatte. Und das Schwimmen war irgendwie gar nicht meines an diesem Tag. Nie hatte ich das Gefühl irgendwie voran zu kommen. Und kurz vor Ende ereilte mich dann auch noch ein fetter Krampf, so dass die letzten Meter sehr langsam waren. Umso erstaunlicher, dass eine Schwimmzeit von 17:19 gemessen wurde und ich angeblich schneller als in Hamburg gewesen sein soll.

Das reichte trotzdem nur für den letzten Platz (und zwar mit gut 2 bis 4 Minuten Rückstand) in meinem Wettkampf und so hatte ich auf den ersten Kilometern der Radstrecke die nette Begleitung eines Motorradfahrers, der ein „Letzter“ Leibchen an hatte. Das wollte ich nicht auf mir sitzen lassen und so gab es Ketterechts und eine furiose Aufholjagd, der auch zwei Teilnehmer zum Opfer fielen. Ein weiterer war kurz vor mir zu sehen. Mit einer 55 Minuten Radzeit inklusive beider Wechsel bin ich ganz zufrieden, da auch 22 Kilometer zu fahren waren.

Fröhlich auf die Laufstrecke gegangen, aber den einen kurz vor mir (auch noch im Union Trikot) den habe ich einfach nicht bekommen. Ich kam ihm nah, aber ich kam nie wirklich ran. Und kurz vor dem Ziel wurde ich auch noch von einem der beiden anderen überholt. Eine 26er Laufzeit machte es möglich. Da half es auch nicht, dass ich ihm 9 Minuten auf dem Rad eingeschenkt hatte.

Und da war auch wieder jemand mit einem „Letzter“ Leibchen. Was? Wo war denn der andere Freak hin? Später stellte sich heraus, dass er aufgegeben hatte.

So war ich elegant Letzter und dies in einer Zeit von 1:44:44. Die Zeit ist für mich gut, da will ich nicht meckern. Eine längere Radstrecke als in Hamburg und ein welliger Lauf machen halt gut 5 Minuten Unterschied zu Hamburg.

Es bleibt aber dabei: Während laufen und Radfahren absolut geht, ist das Schwimmen die Disziplin, die ich üben muss. Aber der Winter ist lang und kalt. Da sind Schwimmbäder doch eine schöne Umgebung. Ich rede mir das langweilige Kachelzählen nun schön.

Und was nun?

Erstmal wird in Berlin und in Frankfurt der Marathon gerockt. Die ersten langen Läufe sind absolviert und zur Zeit sieht es nach einer wirklich ordentlichen Laufform aus. Ob ich das auch noch nach dem Heldenlauf am Sonntag sage, wird sich zeigen. Eine bessere Formüberprüfung gibt es nicht. Der Lauf fordert ordentlich und haut gut rein. Und wird garantiert ein riesiger Spaß.

Und in Frankfurt fällt dann die 5 Stunden Marke. Ich weiß das genau!

Nächstes Jahr werde ich auf einen Frühjahrsmarathon verzichten. Habe ich mir doch in den Kopf gesetzt auf der Mitteldistanz (1,9 Schwimmen, 90 Rad, 21,1 Laufen) zu starten. Und damit das Ganze nicht zu einfach wird, werde ich das bei der Challenge Kraichgau machen. Mein Bauch sagt: That’s my race und mein Kopf sagt „dann machen wir das halt“.

Herausforderungen sind dazu da diese zu meistern und dies ist natürlich eine starke Herausforderung und ich weiß nicht, ob ich das packe. Alleine das Schwimmen übersteigt meine Fähigkeiten, die ich jetzt habe, stark. Da beißt die Maus keinen Faden ab, da bin ich weit von dem geforderten Leistungsvermögen entfernt. Viel weiter, als ich es z.B. beim Marathon je war. Die Herausforderung ist also das schwimmen in der vorgegebenen Maximalzeit von einer Stunde zu packen.

Alles was danach kommt, ist zwar nicht gerade einfach, aber machbar. Letzte Woche habe ich die Radstrecke mal besichtigt und da wird einiges an Hügeltraining nötig sein, um die zu meistern. Die hat grob 1000 Höhenmeter und damit sie nicht zu einfach wird, hat der Veranstalter an ihr Ende den Schindelberg gesetzt. Man kann hier getrost das L gegen ein R tauschen. Es passt. Zu Beginn rollt man den auch schon mal runter, damit man auch weiß, was man hat. Malerische Landschaft und gut zu rollende Abfahrten lassen mich aber hoffen hier einige Teilnehmer einzusammeln. Nebenbei hat es tierisch Spaß gemacht 106 Kilometer mit dem Rad unterwegs zu sein. Und wenn ich am Ende auf flacher Strecke immer noch 35 km/h treten kann, dann sagt mir das, dass ich mit meiner roten Teufelin diese Herausforderung meistern kann.

Und dann kommt der Lauf. Auch eher wellig angelegt, aber da bin ich in meinem Element und das werde ich schon packen.

Ich werde berichten, es wird allemal lustig und spannend.

PS: Die Kategorie heißt trotzdem weiter „Laufen“. Läuft doch mit dem Sport.

Aug 202013
 

oder

„…schießt jetzt noch ein Toooooor“

Liebe Leser, wir waren Freitag leider verhindert, daher mussten/durften/konnten wir wieder auf unsere bereits letztes Jahr in Cottbus getestete Gastbloggerin zurück greifen. Dankeschön für den Text:

Freitag 13:00 Uhr Abfahrt. Das ist doch eine Zeit, mit der es sich leben lässt. Ich wechsele also kurz nach zwölf anstatt in die Mittagspause zu gehen noch eben die Klamotten und verlasse dann mit bester Laune bei noch besserem Wetter das Büro Richtung Süd Ecke Gegengerade. Nach einer lustigen (Braunschweig) und einer sterbenslangweiligen (Dresden) Bustour mit dem Fanladen, will ich diesmal einer Bustour mit USP die Chance geben. Also noch kurz auf die Bezugsgruppe warten und sich anschließend auf der Rückbank häuslich einrichten.

Mit einem Busfahrer, der wirklich schwer in Ordnung ist, machen wir uns schließlich – musikalisch begleitet von Punkrock – auf den 350km langen Weg nach Bochum. Draußen gibt der Spätsommer nochmal alles und kratzt an der 30°C-Marke, aber da unser Gefährt bestens klimatisiert ist, gibt es nicht einmal hieran was auszusetzen. Zwischendurch ein bißchen nerviges stop-and-go rund um Bremen, was man schon auf der Fahrt nach Münster durchleiden durfte, das obligatorische Zusammentreffen mit den anderen Hoschis auf den Rasten, entspannte Stimmung im Bus und irgendwie steht man dann plötzlich auch schon auf dem Parkplatz, den ich vom letzten Aufeinandertreffen in nicht wirklich guter Erinnerung habe.

Nachdem dann auch der zweite Bus angekommen ist und sich alle entsprechend erleichtert haben, geht’s los gen Stadion. Treppen, enge Wege, bin ich nach wie vor kein Fan von. Bei Bedarf ist es hier leichter zu kesseln, als einem Kind den Lutscher wegzunehmen. Hierzu gibt es allerdings weder einen gerechtfertigten, noch einen vorgeschobenen Grund, so dass auch dieser Weg problemlos vonstatten geht.

Eins vorweg (auch wenn ich mit der Meinung eher allein dastehe): Ich mag das Stadion einfach nicht. Es ist (Obacht: unbeabsichtigter Wortwitz) potthässlich, schlecht konzipiert und der Gästestehblock wirkt, als hätte man ihn noch irgendwie im Stadion unterbringen müssen, nachdem man ihn zunächst bei der Planung vergessen hat. Wenn sich beim Catering Schlangen bilden, stehen diese den Einlassordnern auf den Füßen. Für Zaunfahnen ist im Stehblock so gut wie kein Platz, da er unten ziemlich spitz zuläuft und zu erwarten bzw. zu verlangen, dass die Banner im danebengelegenen Sitzblock aufgehängt werden, ist nun wirklich reichlich naiv. Theoretisch braucht man allerdings eh keine Banner aufzuhängen, da der Gästeblock durch die Lage ohnehin eigentlich unsichtbar ist. Vielleicht also doch ein cleveres Konzept.

Einwurf vom Sofa: Nun ja, da muss ich unserer Gastschreiberin doch hart widersprechen. Der Gästeblock wurde ja erst im Zuge des Versitzplatzungswahns in die Ecke gedrängt. Bis dahin war er hinterm Tor und da gehört er ja auch hin. Die Banner sieht man im Fernsehen nebenbei sehr gut. Und wunderte sich, dass direkt mal nicht das Ultra-Banner als „Hauptbanner“ hing. Aber eng ist es im Bochumer Stadion. Aber das ist doch gerade cool. Okay, Geschmackssache

Die Kontrollen am Einlass sind ziemlich lasch, wobei ich das in 80% der Fälle – so auch in diesem – auf mein Geschlecht schiebe. Kurz noch einen Klönschnack mit den Neunachbarn halten und schließlich bevor’s in den Block geht noch € 7,60 (oder waren’s € 7,40?) für ein Bier und eine Brause gelöhnt. Schweinepreise. Apropos Schwein: die vegetarische „Alternative“ zu Wurst, Schweineschnitzel und Frikadelle sind die obligatorischen Käsestangen, was Veganes ist mir überhaupt nicht über den Weg gelaufen. Das Catering entspricht also – von den neuzeitlichen Preisen mal abgesehen – eher den achtziger Jahren.

Im Block selbst dann gute Stimmung und beim Warmmachen der Mannschaft ein neues (oder reaktiviertes?) Liedchen angestimmt, was von der Kurve gut aufgenommen wird. Zum Spiel selbst will und kann ich gar nicht viel sagen, da möge man für eine Analyse doch einfach selbst nochmal den TV-Sender seines persönlichen Misstrauens oder das Internet konsultieren. Gute Chance gleich zu Beginn, nach 20 Minuten liegt man allerdings trotzdem 1:0 hinten, zum Glück zeigt Verhoek, was er kann und bringt uns noch vor der Halbzeit erst den Ausgleich und dann mit 2:1 in Führung. Großartig! Ebenso großartig: Rzatkowski. Manchmal noch ein bißchen ungestüm, aber mit den richtigen Leuten und ein bißchen Zeit, traue ich dem kleinen Speedhamster einiges zu. Ein Tor vorbereitet, zweimal auf der Linie geklärt, das ist schon eine ganz ordentliche Quote. Und dass der Verhoek was kann am Ball, hat hoffentlich auch vorher niemand in Frage gestellt.

Hier eine kleine Sofaergänzung bzw. ein Sofawiderspruch: Was offensiv möglich ist, zeigten Rzatkowski und Verhoek deutlich. Leider zeigt sich bei Ratsche und bei anderen Spielern immer noch ein konditionelles Defizit. Der Junge beginnt ab Minute 60 extrem läuferisch abzubauen. Aber dafür wurde er als lebender Torpfosten umso wichtiger. Insgesamt zeigt er, was für ein riesiges Talent er ist. Was wir dringend üben müssen, ist die Verteidigung gegen Standards. Es kann nicht sein, dass jede Ecke ungehindert bei einem Bochumer landet. Das nur zwei Tore daraus entstanden sind, ist eher der Bochumer Ungeschicklichkeit, als unserer Abwehr zu verdanken. Man kann Tschauner auch kein Vorwurf machen. Wenn die Abwehr nie an den Ball kommt, dann gehe ich als Torhüter natürlich irgendwann Risiko und das kann nun mal leider auch schief gehen.

In der 2. Halbzeit bin ich dann mit der Führung im Rücken und den schönen Flutlichtmasten vor der Abenddämmerung sogar fast mit dem Stadion versöhnt. Diese melancholische Euphorie schwindet allerdings ganz schnell, als ich Tschauner im Strafraum zwar die Faust recken, aber den Ball verfehlen sehe. Ein kommt wie es kommen muss und Bochum netzt zum Ausgleich ein. Können wir den Mann denn nicht einfach mit Gummigurten zwingen, auf der verdammten Linie zu bleiben? Nicht? Schade! (Da werden wir nicht einer Meinung 😉 sagt der Sofasitzer)

Kurz vor Spielende, als ich noch sinniere, ob nebenan wohl tatsächlich Starlight Express und nicht etwa Tanz der Vampire gegeben wird, bei den Schwaden, die da über’s Dach in Stadion wabern, reißt mich der Mann meines Herzens mit der Frage, ob man eigentlich noch einen Platzsturm von uns erwarten würde, aus den Gedanken. Tatsächlich sammelt sich vor den Gästeblöcken eine beträchtliche Anzahl an Ordnern, die brav eine Kette bilden. Komisch.

Objektiv betrachtet, geht die Punkteteilung wohl in Ordnung. Aber verdammt: wäre ich objektiv, wäre ich doch kein Fußballfan! Ich hätte also gern den besungenen Auswärtssieg im Ruhrgebiet gefeiert. Dann halt bei Union. Vorausgesetzt, wir fahren die nicht vorher mit dem knallroten Gummiboot tot.

Ach…eins noch: Die Mannschaft des VfL Bochum wurde beim Auslaufen vom Oberrang unseres Stehblocks beklatscht. Nicht zynisch, sondern ganz ehrlich. Zum Hinsetzen forderte man sie in der zweiten oder dritten Runde dann auch noch auf. Warum, ist mir – genau wie vielen anderen – allerdings verborgen geblieben. Weiß da jemand was Näheres?

Wir für unseren Teil sammeln erst das Material und dann uns und ab geht’s zurück zu den Bussen. Nach einer Stunde Fahrt dann Catering im Münsterland, danach Machete in den DVD-Player geschmissen und parallel ein bißchen vor sich hingedöst. Um 4:00 Uhr sind wir dann schließlich wieder in der Budapester und haben sogar noch die Kraft, kurz am Jolly vorbeizuschauen. Trotzdem bin ich froh, als ich um 05:00 Uhr im Bett liege.

Es schrieben sonst noch…

… der MillernTon, schrieb zwar nicht, sondern laberte, aber wer Podcast mag, der kann sich das sehr gut anhören. Ist aber von vor dem Bochumspiel.

Breitseiten Jens mit einem routinierten Bericht

Metalust sieht das Funktionale und das Unfunktionale und träumt von schönen Beinen

Der Kleine Tod legt seinen Schwerpunkt auf die Lampedusa Demo

Aug 162013
 

Liebe Leser,

ein wirklich guter Mensch sucht ein Wohngemeinschaftszimmer und zwar dringender. Und da wir überzeugt sind, dass er ein wirklich lieber und angenehmer Mitbewohner ist, helfen wir doch gerne. Also falls jemand was hat oder weiß, kann er sich gerne an uns wenden, wir stellen dann den Kontakt her.

Der Suchende ist männlich, Mitte Zwanzig. Hat mit Fußball nicht Hardcore was am Hut, aber stört ihn auch nicht. Er sucht also ein WG-Zimmer und ist bereit und in der Lage so zwischen 300 bis 450 Euro zu zahlen. Die WG sollte ein bisschen gemeinsames Leben bringen, aber eher ruhig sein. Die Lage in der großen weiten Stadt Hamburg ist dabei relativ egal, es muss nicht in den typischen Vierteln sein.

Na Leute, da lässt sich ja wohl was machen, oder? webmaster ät magischerfc pünktchen de

Aug 142013
 

oder

Unser Capitano ist eine Raute

Liebe Leser, unser Capitano Fabio Morena hat bei den Rauten unterschrieben für deren U23. Nun wird das mancher Fußballfan traurig und sehr sehr ärgerlich finden. Aber wenn man mal ganz kurz durchatmet und die Emotionen überdenkt, dann ist das weder ein Beinbruch noch ein Grund, irgendwelche Schimpfwörter unserem Capitano an den Kopf zu werfen.

Sein „Fall“ unterscheidet sich dann doch stark von anderen Wechseln zu den Rauten. Während andere Spieler (Meier, Hollerbach etc. pp) meinten, dass sie sich durch diesen Wechsel sportlich verbessern, ist Fabio bei uns aussortiert worden. Der hätte gerne viel länger bei uns gespielt, hat es – leider – nicht mehr gepackt und wechselte nach Sandhausen, wo er erneut aufs Abstellgleis gestellt wurde. Oder wie das so schön im Fußballdeutsch heißt: „Man plant nicht weiter mit ihm.“ Und seinen Vertrag dort auszusitzen, würde uns zwar nun diesen Artikel ersparen, aber sieht unser Fabio aus wie Albert Streit?

In seiner Lebensplanung stand mit 33 garantiert noch nicht das Karriereende und seien wir ehrlich: Auch wenn wir uns vorstellen können, dass Fabio vernünftig genug ist, Einemarkfünfzig unter das Kopfkissen gelegt zu haben, der wird nicht ausgesorgt haben. Da wird ein Angebot aus einer Region, in der man sich heimisch fühlt, in der nebenbei die junge Familie wohl auch noch wohnt, in der man Freunde hat, gerade recht kommen. Leicht wird es ihm auch nicht gefallen sein. Aber er verdient nun mal sein Geld mit Fußballspielen und zu wählerisch kann man in der oben beschriebenen Situation auch nicht sein.

Daher kann man das auch nüchtern betrachten. Wie bei Andrew Pfennig oder Thorsten Fröhling wird das nur bedingt an seinem Denkmal kratzen. Und ein Grund, dieses einzureißen, ist es schon gar nicht.

Oder um es noch einmal emotionslos auszudrücken: Ihr seid Programmierer, ihr findet Apple voll Bombe, aber die wollen euch nicht haben oder besser noch, feuern euch. Ihr müsst irgendwie euer Geld verdienen. Da kommt ein Angebot von Samsung, bei dem ihr in der gleichen Stadt bleiben könnt. Sagt ihr nein? Wahrscheinlich nur, wenn ihr wirklich ein komplett durchgeknallter Applefanboy seid.

Insofern lieber Fabio: Alles Gute, viel Erfolg (außer bei den Derbys), sabotiere sie am Besten von innen, lerne da irgendwas (und wenn es nur ist, wie man es nicht macht) und komm irgendwann mit dieser Erfahrung zurück zu uns. Zu deiner Herzensangelegenheit.

Aug 062013
 

oder

Frisur egal

Vorwort

Liebe Leser, es ist auch mal möglich, ein Fazit vor einem Bericht zu ziehen. Und da muss man einfach sehen, dass es gestern keine Pokalsensation war. Es war die Normalität. Als Zweitligist bei einem der führenden Drittligisten ist man eher Außenseiter als Favorit. Man gucke sich nur Aue an, die gewinnen in der Liga zweimal und werden dann von Osnabrück mehr oder minder vorgeführt. Dieses Schicksal ist uns erspart geblieben, auch wenn man nicht gerade von einer guten Leistung unserer Mannschaft sprechen kann. Aber vollkommen überdreht von einer Pokalsensation zu sprechen, wie es der Stadionsprecher von Münster machte, ist schlichtweg übertrieben. Dafür ist der Leistungsunterschied zwischen Liga 3 und Liga 2 einfach zu gering.

Trotzdem ist aus diesem Spiel kein Rückschluss auf die Saison zulässig. Es sei hier nur an unzählige mehr als schwache Pokalspiele unter Herrn Stanislawski erinnert.

Ebenso ist es Unsinn, über den Trainer zu diskutieren und schon Wetten abzuschließen, wann denn Stanislawski wieder ans Millerntor kommt. Würde die Hamburger Presse wahrscheinlich freuen, aber seien wir ehrlich: Wir sind ganz gut in die Saison gestartet, haben mit Bielefeld eine lösbare Aufgabe vor der Brust und könnten uns mit einem Sieg gut nach oben orientieren. Natürlich ist auf dem Platz nicht alles Gold, was glänzt, aber nun schon die Untergangssirenen anzustimmen, ist verfrüht.

Same shit, different year

So luxusgeil wie wir nun mal sind, gönnten wir uns einen fetten Mietwagen für die Tour. Da twittert man was von „Porsche abholen“ und die halbe Welt glaubt es auch noch. Und so war es natürlich auch in unseren Träumen (in denen wir ja auch bekanntlich Europacup-Sieger sind): Wir zwängen uns zu dritt in einen Porsche und drücken das Gas durch. Aber dann hätten wir ja die illustre Reisegruppe nicht mitnehmen können und das wäre nun wirklich nicht gegangen. So also doch ein kleiner, aber feiner 7-Sitzer.

Für Unterhaltung war gesorgt, war doch unsere eine Blondine in Wacken gewesen. Fotos von ihr mit einer Metal-Kutte bekamen wir aber nicht zu sehen. Dafür gab es Süßigkeiten „für die Kinder“ (Zitat @clubmateicetea) und Witze, die so flach waren, dass sie sich als Überschriften eigneten. Über die Musikauswahl hüllen wir teilweise den Mantel des Schweigens. Das ging von Punkrock-Monokultur bist zu Klassikern des Fußballrocks.

Wir quälten uns also in Richtung Münster. Man kann das auch Stauhopping nennen. Gibt es das eigentlich als Hobby? Wacken-Rückreise und Ferienende macht eine volle A1. So lieferten wir uns Wettrennen mit einem der G.A.S./Werdaimmerauchnochdrinsaß-Busse und einem Fanladenbus. In dem herrschte Stimmung wie auf einer Beerdigung, auch ein Anruf bei @schatzor konnte da keine Begeisterung bringen.

Begeisternd war dann eher, dass irgendwelche sehr guten Leute vor Ort ein Zentrum aufgetan hatten, welches sich zum Grillen und Trinken zur Verfügung stellte – und welches zum Glück von der Polizei unentdeckt blieb. Danke dafür! Ja, man muss das so hart sagen, denn den ganzen Tag machte die Polizei Aggressivität zu ihrer Taktik. Der Treffpunkt der Ufftas wurde komplett abgeriegelt, deren Marsch behelmt begleitet. Nur dass man vielleicht mal die Tankstelle (Warum sind es eigentlich IMMER Tankstellen?) abriegelt, an der sich die Münsteraner Nasen treffen, auf die Idee kam natürlich kein Taktiker. Wie sagte jemand mit Überblick so schön: „Die stehen da ja auch erst seit einer Stunde“.

Vor dem Gästeblock noch eine Aktion der Marke „wir wollen jetzt genau den verhaften, der ganz hinten in der Mitte steht“, die natürlich auch wieder in Hektik und Gerangel endete. Und nach dem Spiel baut man eine Kette im Abmarschweg auf, hindert erst Leute am Durchgehen, dann doch nicht und wundert sich, dass Leute mal nicht so freundlich fragen. Da hätte es beinah mit einem Menschen Typ „Familienvater“ richtig gekracht. Der war auf 360.

Mal so eine andere Frage, was macht man eigentlich als Polizei mit den ca. 200 Stunden Videomaterial, die an einem solchen Spieltag entstehen? Spielt man Memory? Regel: Wer jemanden zweimal entdeckt hat gewonnen? Wirklich sinnig ist dieses Dauergefilme doch nun wirklich nicht. 200 Stunden Fußballfans, die Bier trinken, singen, in der Nase bohren oder gelangweilt auf den Rasen gucken.

Nun gut. Man muss ja Hooligans nicht wirklich toll finden. Vielleicht sollte man aber akzeptieren, dass das dieses Phänomen beim Fußball relativ normal ist. Begeisterung kommt trotzdem nicht auf, wenn sich auch bei uns Leute tummeln, die ihren Nachmittag damit verbringen, ihre Muskeln, ihre Kampfbereitschaft und ihr Testosteron zur Schau zu stellen. So wirklich verstehen können wir nicht, dass es Leute gibt, die nach Münster fahren und sich dann mit dem – zugegebenermaßen unsympathischen – Ordnungsdienst einen 90-minütigen „böse durch den Zaun gucken“ Wettbewerb liefern.

Schauen wir doch mal in die Heimkurve. Diese ist schon seit längerem gespalten, grob in eine vernünftige Gruppe und eine, die mehr oder minder durch Trotteligkeit auffällt. Warum immer die Trottelgruppe in solchen Fällen größer ist, kann uns wahrscheinlich auch niemand sagen. Dieser Block glänzte durch Tapeten, die schon in den 80er Jahren alt waren, und durch das Präsentieren des letzten Einkaufs in unserem Onlinefanshop. Liebe Trottel dieser Republik: Diese Fahne aus dem Fanshop mehr oder minder fabrikneu über den Zaun zu hängen, tangiert uns ungefähr so stark wie ein Unentschieden von Concordia Suurhusen. Lasst es doch einfach.

Soweit wir wissen, hat die „gute“ Gruppe auch FCSP-Kontakte und die Trennung des Supports ist doch schon auffällig. Der Trottelblock feierte selbst das weiterkommen noch mit „Scheiß St. Pauli“-Rufen. Na, das ist ja mal richtige Feierlaune.

Wenn man das Spiel so in die Erinnerung ruft, dann kippte das Ganze nach ca. 20 Minuten. Tschauner will einen Freistoß schnell ausführen, dieser wird von Münster abgefangen und beim Gegenzug steigt Buchtmann sehr hart ein. Bis dahin war das Spiel ein lauer Sommerkick, nun kam Hektik rein. Und Hektik spielt in Pokalspielen immer dem gastgebenden Außenseiter in die Hände. Nein, kein Vorwurf an die beiden genannten Spieler, es zeigt nur, wie Kleinigkeiten ein Spiel komplett verschieben. Unser Trainer sprach später von fehlender Galligkeit und das trifft es auf den Punkt. Der Wille, auch jeden Extrameter zu machen, der war einfach nicht da. Gerade was die Truppe gegen 1860 auszeichnete, fehlte hier vollkommen.

Wer einem Sorgen machen muss, ist unser Herr Nöthe. Der hat doch erhebliche … (Wortspiel lassen wir mal aus), in das Spiel zu finden. Auch in Münster wirkte er komplett wie ein Fremdkörper. Man kann sich nur wundern, warum der Stammplatz in vorderster Front nicht bereits an Verhoek gewandert ist, aber vielleicht ist der noch nicht ganz fit. Allemal bringt der junge Mann sofort Belebung ins Spiel und schafft es im Gegensatz zu Nöthe, auch mal einen Ball zu verarbeiten. Nun ist die Saison noch jung und schon ganz andere Spieler hatten Anlaufprobleme, aber zur Zeit ist Nöthe kein Kandidat für die erste Mannschaft.

Nun wollen wir es definitiv nicht an einem Spieler festmachen, das wäre in einer Truppe, die einfach nicht auf dem Platz stand, ungerecht. Aber es fällt auf, dass der junge Mann noch keine Ansätze zeigt.

Auf den Rängen war ein Block sehr bemüht, der andere eher damit beschäftigt, an dem Fernsehkamera-Turm vorbeizuschauen. Was für eine Frechheit, so etwas im Blickfeld der Zuschauer aufzubauen!

Können wir uns nebenbei mal darauf einigen, dass in unseren Blöcken das Wort mit „F“ am Anfang, welches die Münsteraner auf jede Tapete malen, keinen Platz hat? Das Beschimpfen gegnerischer Fans mit „Komm doch rüber, du F.“ ist ein ekelhafter Rückschritt. Wir können das besser, auch als auswärtiger FCSP-Fan.

Leider waren dies aber nicht die einzigen Ausfälle in unserem Block. Noch ein Beispiel gefällig? Frau verschüttet Bier, Mann findet es unheimlich lustig und schüttet ihr Bier aufs (weiße Shirt), weil ist ja so „Wet T-Shirt“ und so. Findet es noch komisch, dass er dazu was zu hören bekommt. Und das ist nur ein Beispiel.

Da sagt doch ein Freund dieses Blogs nicht ganz zu Unrecht, dass wir uns gar nicht über die unterirdischen Tapeten der Münsteraner aufregen müssen, wenn wir unseren eigenen Block nicht im Griff haben. Stimmt so zwar nicht ganz, zeigt aber, dass wir auch noch ganz ordentlich vor der eigenen Tür kehren dürfen.

Nach einer schnellen Rückfahrt kamen wir am Stadion unserer Träume an. Auf ein Pokalspiel wartete es jetzt auch schon sechs Jahre. Damals stand noch die alte Haupttribüne.

Es schrieben auch…

Der Übersteiger wartet auf Rauten, den Europapokal und bessere Verkehrsführung.

Keep calm bläst in unser Horn

Jens sah Schweine und Ziegen