Mai 062013
 

oder

Eine Fabel über Geschlossenheit

Vorwort

Liebe Leser, man kann die Tabelle der Zweiten Liga drehen und wenden wie man will, es sind nur noch zwei Entscheidungen offen. Und zwar jeweils der dritte Platz. Von oben, wie von unten gerechnet. Und in einer der beiden Entscheidungen ist eine Vorentscheidung gefallen, denn die Region hat zwei Matchbälle und dass sie sich diesen Matchball zu Hause gegen uns entgehen lässt, dies glauben wahrscheinlich nur die kühnsten Optimisten. Natürlich wäre es ein schöner Treppenwitz, wenn wir mit einem Sieg auf dem Betzenberg unserem Ex-Trainer die Relegation ermöglichen würden, aber dies wird nicht passieren.

Bleibt nur der Kampf gegen den 16. Platz. Und wenn man so Form, Tabelle und Restprogramm kombiniert, dann wird aus dem tabellarischem Sechskampf schnell ein Dreikampf. Und zwar Aue, Dresden und wir. Gehen wir mal davon aus, dass Duisburg nur noch rechnerisch mit im Geschäft ist und das auch Paderborn und Ingolstadt nicht mehr von den ganzen Mannschaften unter ihnen überholt werden und auch Bochum den Vorsprung nicht mehr verspielt. Gerade wenn man die aktuelle Form des VfL sieht. Bleiben Aue, Dresden und wir. Dresden erstmal in der schlechtesten Ausgangsposition, denn sie haben zur Zeit den 16. Platz. Sprich: Sie müssen mehr Punkte holen, als die anderen beiden Kandidaten. Dafür hat Dresden ein lächerliches Restprogramm oder wie wollt ihr Aalen Auswärts und Regensburg zu Hause nennen? Der Witz ist: In der Hinrunde holten gegen die gleichen Gegner Aue vier Punkte, wir drei Punkte und Dresden zwei Punkte.

Darin liegt aber die Gefahr, denn viele Leute rechneten gestern schon die SGD raus. Argument: Die werden ihre Punkte gegen diese Gegner schon holen. Wie das aber ist mit Mannschaften, die plötzlich befreit aufspielen können, konnte der VfB Stuttgart am Wochenende erleben. Aber wiegen wir die SGD in dieser Sicherheit und machen einen Zweikampf draus. Aue und wir.

Fakt ist: Aue muss aus zwei Spielen drei Punkte mehr holen als wir. Sie spielen noch zu Hause gegen Ingolstadt und bei Sandhausen. Auch dies ein eher leichtes Restprogramm, aber da sind wir wieder bei „frei aufspielen“. Mal ganz davon ab, dass Aue mit dem Trainerwechsel sich keinen Gefallen getan hat. Warum man einen Trainer entlässt, der aus vier Spielen 7 Punkte holt, wird wohl das ewige Geheimnis der Verantwortlichen im Erzgebirge sein. Was jedoch für Aue spricht: Sie müssen nur 3 Punkte aufholen, denn wenn wir jetzt mal irgendwelche abseitigen Ergebnisse außen vor lassen, haben sie das uns gegenüber bessere Torverhältnis.

Man kann stark bezweifeln, ob wir gegen Braunschweig und in Kaiserslautern noch viel holen. Fakt ist: Wenn es richtig mies läuft, dann reicht uns nicht mal ein Sieg und eine Niederlage. Fakt ist aber auch: Wir haben es in der eigenen Hand und wir haben gegenüber zwei Mannschaften immer noch ein Vorsprung von drei Punkten. Und eine davon muss selbst noch Tore gegen uns aufholen. Daher: Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos.

Und damit kommen wir zur Tour nach Duisburg.

Immer klüger sein.

Früh hatte man sich für die Fanladenbahnfahrt entschieden. Spät musste man den Reisehoschi mimen, aber so etwas macht man ja für den Lieblingsfanladen gerne. Und wenn die Reisegruppe gerade mal aus 16 Leuten besteht, dann ist das eigentlich alles entspannt. Naja, der AFM Containerhoschi war wie immer drauf und die Ex-Fanladenmitarbeiterin wollte immer rauchen, aber das sind ja Kleinigkeiten. Nein, Spaß beiseite, die Gruppe war echt gut.

Man soll uns ja nicht unterstellen, dass wir nicht alles versucht hätten. Und so nutzten wir einen FCB-Kapselheber, um unsere geistigen Getränke zu öffnen. Wir hofften da auf eine Abfärbung durch Öffnung. Sozusagen unsere Abfärbetheorie.

In Duisburg angekommen mussten wir die S-Bahn fahren lassen. Diese war uns als gute Anreisemöglichkeit zum Gästeblock empfohlen worden. Auf dem Schreiben von Duisburg stand etwas von zehn Minuten. Gut, dass sich darauf letztendlich niemand so richtig verlassen hat, denn nach dem Spiel mussten wir feststellen, dass man vom Gästeblock aus gut 25 Minuten durch die Duisburger Naherholungsgebiete latschen muss, um bei der S-Bahn zu sein.

Wir sicherten uns ein Schließfach, sammelten das Vorauskommando ein und machten uns im Pendelbus auf zum Stadion. In den Bussen zwischen beiden Vereinsanhängern eine komplett entspannte Stimmung, so wie es eigentlich sein soll. Es soll wohl in der S-Bahn ein bisschen Stress gegeben haben, aber da wir nix Genaues wissen, erwähnen wir es nur kurz.

Der Stehplatz-Gästeblock ist nicht wirklich einladend. Aber ein Platz in der Gegend der Ufftas und direkt neben der Ostblock, Alte Schule etc. Mischung versprach wenigstens sangfreudige 90 Minuten. Bemerkenswerter Unsinn war dann wieder, dass es auf den Sitzplätzen im Gästebereich normales Bier gab, auf den Stehplätzen aber nur alkoholfreies Bier. Handfläche -> Stirn.

Über den Sinn und Unsinn von Stadionverboten haben wir uns schon mehrfach in diesem Blog ausgelassen und wir haben immer noch Leute mit Stadionverbot. Aber immerhin sind zwei sehr prominente Stadionverbote ausgelaufen. Und so konnte man DEN Vorsänger wieder auf dem Zaun begrüßen und auch einen bekannten Zopf wieder in unseren Reihen begrüßen. Schön, dass ihr wieder da seid!

So war der Gänsehautmoment auch bereits vor dem Anpfiff, als die beiden auf den Zaun stiegen und mit Anpfiff das „Aux Armes“ anstimmten. Und unser Vorsänger stand dann 90 Minuten auf dem Zaun, als hätte er nie ausgesetzt – sofort wieder in seinem Element und mit all dieser positiven Energie, die ihn so besonders macht.

In unserem Bereich gute Stimmung, Leute, die mitmachten, auch wenn sie die Texte nicht wirklich kannten und viele bekannte Gesichter. Wäre alles wirklich vollkommen toll gewesen, hätten sich nicht wieder zwei punkige Typen gefunden, die vollbetrunken jeglichen Anstand vermissen ließen und in einem vollen Block rumtorkelten und Leute wegdrängelten. Dass die natürlich null mitgesungen haben, versteht sich von selbst.

So stand man schnell im T-Shirt hrum, denn das Gehüpfe und Gesinge ist Sport. Wie den Ostblockern unter ihren Pudelmützen das Gehirn kocht, kann man nur erahnen. Aber wer schön sein will, muss leiden.

Kommen wir zu dem Geschehen auf dem Rasen. Vor dem Anpfiff entwickelte sich auf Twitter eine Diskussion um Kalla. Und seien wir ehrlich: Auch wir haben hier schon häufig genug geschrieben, dass er kein Außenverteidiger mehr wird. Nun wäre die absolute Flexibilität von Spielern ein Traum, aber so etwas ist eher die Ausnahme im Fußball und wirklich flexibel einsetzbare Spieler sind daher heiß begehrt. Niemand käme bei uns auf die Idee, Boller oder Thorandt auf außen zu stellen. Kalla kann den Außenverteidiger an guten Tagen solide spielen, an schlechten Tagen ist er überfordert. Stellt man ihn jedoch in die Mitte, wird seine Leistung sofort besser. Gegen Frankfurt reichte es für die Kicker-Elf des Tages, gegen Duisburg sah ihn die MoPo als „Idealbesetzung gegen Exslager“ und gab ihm eine 2.

Hier muss sich das Trainerteam wirklich fragen, ob Stanislawskis Entscheidung, ihn damals zum Außenverteidiger zu machen, wirklich diejenige ist, die dem Verein und dem Spieler richtig weiterbringt. Man kann das wohl stark bezweifeln. Ob dann für ihn in der Mitte Platz ist, sei es nun als Innenverteidiger, sei es als Sechser, das steht dann auf dem anderen Blatt. Das müssen dann die Verantwortlichen zusammen mit dem Spieler entscheiden. Ihn aber bewusst auf einer Position im Kader zu haben, auf der er seine Leistungsstärke nicht abrufen kann, ist ein Trainerfehler – nicht mehr und nicht weniger. Und man schwächt den Kader insofern, als dass dort kein anderer Außenverteidiger entwickelt, gekauft oder geschult werden kann.

Nun denn, wenn man nach der Winterpause außer in Aalen in jedem Auswärtsspiel mindestens drei Gegentore
bekommt, dann muss „Kompaktheit“ und „zu null spielen“ erste Bürgerpflicht sein. Letzteres gelang, Ersteres noch nicht wirklich. Immer noch sind bei uns im Mittelfeld viel zu große Lücken und haben Gegenspieler viel zu viel Zeit, Bälle zu verarbeiten. Das sah bei Duisburg im Verteidigungsverhalten schon sehr viel besser aus. Daran muss weiter gearbeitet werden. Immerhin zeigte sich die Viererkette sehr solide und ohne einen individuellen Fehler, so dass Duisburg nur zu sehr wenigen guten Chancen kam.

Was bei uns jedoch grauenhaft ist, ist die Vorwärtsbewegung. Konter können wir gar nicht, vernünftige durchdachte Pässe auch nicht. Wenn wir mal etwas produzieren, dann entweder durch Zufall, durch Einzelleistungen oder weil ein Verteidiger (in 99% der Fälle Schachten, der wieder unfassbare Wege ging) seine Position mal verlässt und mit Druck macht. Letzteres schafft aber zwangsweise Lücken, die immer eine Gefahr sind.

Hinzu kommen unfassbar schlechte Standards. Exemplarisch sei hier nur ein Freistoß aus zentraler Position genannt, der mehr oder minder simpel in die Mauer gehämmert wird. Und dabei haben wir mit Bruns und in der Theorie auch mit Daube Leute, die einen Ball stilvoll um eine Mauer herum bekommen. Ecken sind bei uns eher eine Einladung zum Konter, wenn da nicht gerade ein Kopfballungetschauner mit nach vorn gekommen ist.

Das alles wird nur noch schwierig abzustellen sein in dieser Saison. Wir werden uns nun über die verbleibenden beiden Spiele hangeln müssen und dann hoffen, dass es irgendwie reicht. Nein, Rechnungen wie „wir holen keinen Punkt mehr“ verbieten sich einfach. Achtung, Floskel-Alarm: Spiele müssen immer erst gespielt werden und fangen immer bei 0-0 an. Und sollten beide Spiele so enden, dann reichen Aue und Dresden nicht mal ein Sieg und ein Unentschieden. Hier in Rechnungen klüger sein zu wollen als alle anderen, verbietet sich. Es kommt sowieso anders, als man es vorher sieht.

Unsere Jungs müssen einfach ganz klar erkennen, dass sie nur über Einsatz und über Kompaktheit zum Erfolg kommen können. Und über äußerste Konzentration. Und wenn dann Frontzeck noch lernt, dass man einen Mittelstürmer auch nach 75 Minuten mal wechseln kann, dann steht einem dreckigen 1-0 gegen Braunschweig eigentlich nichts mehr im Wege.

Nehmen wir also das Positive aus diesem Kick mit. Vergessen wir, dass teilweise eine räumliche Ordnung wie bei einer F-Jugend vorherrschte, und vergessen wir das spielerische Kreisliganiveau. Unsere Jungs haben sich kompakt ein 0-0 erkämpft und müssen in den beiden verbleibenden Spielen genau dort weitermachen.

So verließen wir die Schauinsland-Reisen-Arena (ja, diesen Sponsorennamen müssen wir einfach mal nennen) und machten uns auf den Rückweg. Das mit der S-Bahn klappte ja noch ganz gut und auch aus Duisburg war man relativ pünktlich weg. Nur kurz nach der Abfahrt war klar: Der Zug nach Hamburg fällt aus. Was hier nervt, sind die Leute, die immer meinen, klüger zu sein als Derjenige, der das Ticket hat. Glaubt ihr eigentlich nicht, dass man nicht sofort alle verfügbaren Quellen auf Alternativen geprüft hat? Meint ihr wirklich, dass ihr etwas auf dem Fahrplan entdeckt, wenn ihr da lautstark brüllend draufguckt, was alle anderen nicht entdeckt haben? Vielleicht solltet ihr noch das Personal bepöbeln, das kann im Notfall auch noch richtig viel dafür.

Nun denn. So mussten wir halt eine Stunde in Dortmund herumsitzen, was man mit der besten Crew, die heute möglich war, tat. Ein Kamps wurde auseinandergenommen und die vorbeiziehenden Manga/Fantasy/wasdasauchimmerist-verkleideten Kinder bewundert. Nun sollte man ja als Angehöriger einer sehr eigenen Subkultur immer sehr vorsichtig sein mit dem Belächeln anderer Szenen, aber freakig sahen die schon aus.

Der Rest der Fahrt ist dann schnell erzählt. Abteil, keine Klimaanlage, aber genügend Getränke am Start. Gepflegtes Chillen ohne generve und mit 65 Minuten Verspätung hatte uns Hamburg wieder. Dort noch kurz der Blick auf die dort stehenden Rauten und die Feststellung, dass man weiß, warum man dort nicht steht.

Es schrieben bisher noch…

… Johnny fuhr Bus

Tödchen fuhr gar nicht…

Der Übersteiger wochenendet

In den Sinn gekommen steigt in Barcelon äh Paderborn um und träumt von Antithesen

  2 Responses to “Bahnfahren macht Laune”

  1. […] Kleiner Tod von zu Hause aus Der Übersteiger Bilder von Aux Armes USP Bilder ..in den Sinn gekommen der magische FC fährt gern Bahn […]

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