Apr 092013
 

oder

Wenn ein Tag so rundum scheiße ist.

Vorwort

Liebe Leser, wenn man einen Bericht anfängt und das erste Vorwort wieder vollständig löscht, dann weiß man, dass dies kein einfacher Bericht wird. Was soll man auch über eine solche Tour sagen? Der erste Reflex ist, dass man gar nix schreibt, aber da ein Aspekt des Bloggens auch immer das Verarbeiten ist, ist dies natürlich keine wirkliche Option. 2/3 dieses Blogs hatten alles richtig gemacht, als sie die Teilnahme an dieser Fahrt schon frühzeitig sein ließen und den Tag auch noch so vollpackten, dass sie das Grauen nicht einmal am Fernsehen ertragen mussten.

Es wird in diesem Bericht um viele Sachen gehen, die einfach nur zum Kotzen sind. Wichtig dabei ist immer, nicht alles auf eine Stufe zu stellen. Die ständige Aufrechnung von Fehlverhalten ist teilweise äußerst gefährlich. Und es ist eben nicht das Gleiche, ob man einen Hitlergruß zeigt oder als Reaktion darauf „Bomben auf Dynamo“ ruft. Ob man Letzteres nun gelungen findet oder nicht. Extremismustheorie, ich hör dich trapsen.

Was für ein Tag

Liebe Leser, wie üblich trafen wir sehr früh am Bus zusammen und es mag an meiner (@headnutHH) Unruhe vor so einer Fahrt liegen. Da ich aber mit meinem hochgeschätzen Begleiter der letzten Jahrzehnte durchgemacht hatte, verloren wir nicht mal Schlaf. So warteten wir mit der restlichen heutigen Bezugsgruppe auf den Bus, der wie üblich nicht kam. Diesmal auch deswegen nicht, weil der Busfahrer zwar am Stadion vorbeifuhr, es aber nicht fand. Dann zu einem Telefon zu greifen oder die Angaben des Busunternehmens („Ich hatte eine falsche Adresse bekommen“) zu hinterfragen, schien für diesen Busfahrer einfach zu viel verlangt.

Kundenfreundlichkeit und Orientierungssinn muss man in dieser Branche nicht verlangen. Die wenigen positiven Ausnahmen fallen einem immer wieder auf. Als unser heutiger Busfahrer dann noch mit ca. 30 Kilometern durch die Stadt trödelte und erstmal in die falsche Richtung fuhr, da hatten wir schon die argsten Befürchtungen. Aber letztendlich stellte er sich noch als „okay“ heraus.

30 Minuten Verspätung hatten wir bei der Abfahrt aber schon und so malten wir uns in besten Farben aus, wie wir so gegen 17:30 in Dresden ankommen würden. Man überschätzt aber immer die Länge der Tour nach Dresden, sodass wir locker pünktlich ankamen.

Ansonsten kann man nicht viel über die Hinfahrt berichten. Die anderen Busse waren anders gefahren oder weit vor uns und wir alleine in den langweiligen Ebenen des Ostens. Das einzig Bemerkenswerte: Das Bemalen von Autobahnbrücken ist in diesen Gegenden Lebensprojekt mehrerer Fangruppen. Die Häufigkeit von Bemalungen durch Magdeburg und Dresden nötigen ja beinah Fleißpunkte ab. Man fragt sich aber auch manchmal, ob es nicht wichtigere Dinge gibt, als auch die 100ste Autobahnbrücke in 100 KM Entfernung zu bemalen.

Dresden rückte näher und so ein bisschen Anspannung machte sich doch breit. So ganz geheuer wird einem Elbflorenz wahrscheinlich nie. Zwar gibt es viele zarte Pflanzen der positiven Fanarbeit wie z.B. die Leute von 1953 International, die in einem schwierigen Umfeld auch erste leichte Erfolge feiern, aber das schwierige Umfeld besteht eben immer noch. Und Dresden zieht immer noch genügend Leute an, deren Ziel auch die körperliche Auseinandersetzung ist und die politisch weit rechtsaußen stehen.

Unsere Bahnfahrer wussten von unzähligen Kleingruppen von Thor Steinar-Trägern und ähnlichen Unsympathen zu berichten, die nur auf unvorsichtige Auswärtsfans warteten – und dabei auch vor Familien, Normalos oder ähnlichem nicht halt machen.

Aber nicht nur auf den Anfahrtswegen gibt es rechte Hooligans. Im Stadion sammelte sich direkt neben dem Gästeblock auf den Aufgängen eine Gruppe von ca. 50 Hackfressen. Bemerkenswert dabei ist, dass diese fröhlichst mit den dort postierten Ordnern schnackten. Auch so eine Beobachtung, die man leider nicht zum ersten Mal macht. Bei uns am Millerntor darf man keine 30 Sekunden im Aufgang stehen, in Dresden kannst du auf dem Aufgang noch locker abhitlern und wirst von den Ordnern noch freundlich beschnackt.

Das Erstaunliche dabei ist aber, dass im gleichen Block auch reichlich Polizei steht, die aber Scheuklappenmäßig nur auf den Gästeblock guckte. Eigentlich ein echter Skandal, andererseits wohl eher traurige „sächsischer Normalität“. In diesem Bundesland ist es schon lange das schlimmere Verbrechen, gegen Nazis zu demonstrieren, als Nazi zu sein.

Sowieso komisch, dass man von diesen Typen dann noch per Handzeichen ein 10 gegen 10 angeboten bekommt und wohl auch eine Telefonnummer dazu übermittelt wird. Unsere Gewaltfantasien erzeugten dann kurzzeitig die Vorstellung, dort mit Schwertern aufzulaufen und beim nächsten Spiel dann zehn abgehackte rechte Arme zu präsentieren. Was für Schwachmaten.

Nebenbei: In diesen Gruppen gibt es ja immer mindestens einen, der mit der Fresse derbe vorne weg ist, aber so seine 1,70 und 55 Kilo hat. Ob das nicht der Erste ist, der wegrennt, wenn es mal wirklich hart auf hart kommt?

Wenn wir schon bei Schwachsinn sind. Der K-Block will also hinter den USP-Damen stehen? *Gähn* Sexismus ist kein Fangesang, möchte man da in Richtung Ultrablock brüllen. Und Mackertum keine sinnvolle Verhaltensweise. Aber ich denke unsere Mädels können sehr zielgenau nach hinten austreten und werden voll in das abgebildete Ding treffen.

Nun gut. Warum halten wir uns auch mit soviel geballter Dummheit auf!? Stimmung im Gästeblock war insgesamt jedenfalls ganz ordentlich. Um dazu auch einen Satz zu schreiben.

Was man vom Spiel auf dem Platz nicht behaupten kann. Wir sind einfach zu langsam. Zu langsam in allen Belangen. Bei Ballgewinnen (und die gab es durch Dynamos schlampiges Aufbauspiel in Massen) brauchen wir einfach viel zu lange, bis sich mal ein Spieler nach vorne bewegt. Und im Abwehrspiel kann niemand mal hochschalten um vor einen Gegner zu kommen. Beispielhaft sei hier Gyaus Verhalten bei dem einen Gegentor genannt. Da läuft er nur hinterher, anstatt mal Gas zu geben und so das ganze enger zu machen und den Zweikampf des anderen Abwehrspielers zu ermöglichen. „Kompakt stehen“ ist bei uns ein Fremdwort. Alles wird in einem Trabtempo erledigt und ein System wie man spielen will, ist nicht ansatzweise erkennbar. Die zwei Ausnahmen in 90 Minuten führten dann gleich zu einer 2-0 Führung.

Der hochgeschätzte Auswärtsmitfahrer kommentierte die „Absteiger“-Rufe des Gästeblocks nach dem 2-0 schon sehr treffend mit einem „wenn wir das mal nicht fressen“. Und Dynamo hatte uns insbesondere eines voraus: Leidenschaft. Klar kann man sich über Trojan und das ständige Getexte aufregen, aber nur brav reicht halt in Liga 2 nicht für den Klassenerhalt. Man wünscht unserer Mannschaft ständig mehr Gift in allen Aktionen.

Und natürlich kann man der „bigger fool“-Theorie anhängen, wie es der Frodo macht. Aber man sollte sich auf so etwas nicht zu viel verlassen. Auch sollte man sich nie darauf verlassen, dass 36 Punkte zur Vermeidung der Relegation reichen. Und viel mehr Punkte holen wir mit den gezeigten Leistungen auch nicht.

Viel ist über die Jugend der Mannschaft gesprochen worden in diesem Zusammenhang. Aber das kann man nicht als Ausrede nehmen. Denn insbesondere auch erfahrenere Spieler zeigen nicht ihr komplettes Leistungsvermögen in dieser Rückrunde. Hinzu kommt, dass auf keiner Position jemand Druck macht und sich von der Bank empfiehlt. Man vergleiche das mal mit der Aufstiegssaison 2010, da kam von der Bank immer jemand und brachte frischen Wind. Dies ist zur Zeit eher die Ausnahme als die Regel. Und das macht im modernen Fußball schon ein Unterschied.

Vielleicht ist das aber auch alles Teil eines perfiden Plans um Tabellen-15. zu werden und damit ein Heimspiel in der 1. Runde des DFB Pokal zu bekommen. Aber wie formulierte es so schön eine Mitfahrerin: „In Sachen perfide Pläne sind wir allerdings nicht so die Frontsäue.“

Angesichts unseres nicht gerade schönen Restprogrammes wäre es schon sinnvollnun einen Heimsieg gegen 1860 und mindestens einen Auswärtspunkt in Bochum zu holen. Dann wären wenigstens die größten Bauchweh weg. Aber wahrscheinlich holen wir 1860 zurück in das Rennen um Platz 3, versüßen Neururer in Bochum seinen Einstand, lassen dann Berlin und Braunschweig bei uns aufsteigen, Duisburg gegen uns die Klasse halten und haben dann ein Endspiel auf dem Betzenberg. Keine gute Vorstellung, oder?

Die Rückfahrt war wie ein langer Todeskampf. Schlechte Musik, schlechte Filme, schlechte Laune. Nun eigentlich auf jeder Raststätte mit allen Bussen gleichzeitig, was wieder eine sehr beschissene Seite mancher FCSP-Fans zu Tage brachte, nämlich das systematische Beklauen von Raststätten.

Leute, das ist kein Spaß, nicht einmal, wenn man das Konzept „Eigentum“ außen vor lässt. So etwas wird auf kurz oder lang die Polizei auf den Plan rufen und entweder wir können nur noch irgendwo auf Parkplätzen halten oder gar nicht mehr mit dem Bus fahren. Meckert dann nicht über Repressionen und so, wenn es sich hier nicht um ein Fehlverhalten weniger handelt. Mal ganz davon ab, dass so etwas immer auf den ganzen Bus zurück fällt. Wird dieser nämlich angehalten und kontrolliert, dann haben erstmal alle Leute im Bus ein Ermittlungsverfahren wegen Diebstahl am Hals. Und das macht sich bei Arbeitgebern (und so etwas kommt raus) niemals wirklich gut. Wir Spießer! Bitte Leute: Überlegt doch mal, ob es wirklich notwendig ist, insbesondere weil ihr nicht nur euch, sondern alle in Gefahr bringt.

Und dann hatte uns Hamburg wieder. War auch gut so.

Es schrieben ansonsten bisher…

Kleiner Tod, der eine Demo besuchte und anscheinend ein anderes Spiel sah.

Jens, der ungefähr das gleiche erlebte… Man hat beim lesen beinah ein Déjà-vu