Apr 292013
 

oder

(Mal wieder) Nicht unser Tag

Vorwort

Liebe Leser, Sonntag lief der verlinkte Spot im Stadion. Schönes Ding. Ebenso schönes Ding, dass in unserem Stadion ein FreiWild Cover läuft. Bevor ihr jetzt aufschreit: Gemeint ist natürlich diese schöne Version von Egotronic.

Auch wenn man Texte, die Prince zitieren ja nun so gar nicht kritisieren mag, aber es ist wahrscheinlich nicht zu viel gesagt, dass die Musikauswahl vor dem Spiel am wenigsten für die Niederlage konnte.

Immerhin gab es geliehene Sonnenbrillen

Es war auch nicht der Tag unseres Blogs, denn zwei seiner Mitglieder waren aus privaten Gründen verhindert und das letzte Mitglied gesundheitlich doch etwas angeschlagen. Daher leider auch keine Blog-Präsenz bei der Demo.

Bereits auf der Fahrt zum Fanladen war Hertha vermehrt im Viertel zu sehen. Leider auch wieder diese unauffälligen, keine Farben tragenden Kleingruppen, die eher nicht so guckten, als ob sie nur die nächste Kneipe suchten, sondern eher nach Trouble im Sinne von auf die Nase oder Eigentumswegnahme aussahen. So etwas nervt einfach. Es hat weder mit Fußball, noch mit irgendeiner Fankultur zu tun, wenn man auf der offensiven Suche nach Gewalt und Straftat ist. Wer hier auch nicht begreift, dass er den Sicherheitsfanatikern immer neue Argumente liefert, der hat einfach nix begriffen. Mal ganz davon ab, dass der Wettbewerb zwischen Fans auf den Rängen stattfinden sollte und nicht in irgendwelchen dunklen Seitenstraßen.

Leider meinten auch irgendwelche Vollidioten in der Nacht beim Jolly vorbei schauen zu müssen. Ist wohl nix wirklich schlimmes passiert, aber unnötig und dumm ist es. Und für die Folgen gab es Sonnenbrillen.

Dann darf man sich auch nicht wundern, wenn man das Spiel mit einer behelmten Polizeikette vor dem Block erlebt. Repression ist die eine Sache, sich ständig daneben benehmen eine andere.

Lieber FCSP, es nervt. Es nervt, dass du bei den eigenen Fans Fehlverhalten immer groß an die Glocke hängst, dass du über Blockeinteilungen in der Gegengerade nachdenkst und damit über noch mehr Kontrolle und Ärger. Du auf der anderen Seite aber das ständige Problem der Gästefans im Heimbereich nicht in den Griff bekommst.

Niemand hat etwas dagegen, wenn auf der Gegengerade ein Herthaner steht. Insbesondere dann nicht, wenn er Gast eines FCSPler ist. Aber jeder hat etwas dagegen, wenn sich Gruppen von drei, vier Kanten an den Zaun stellen, das gesamte Spiel über sich wie Arsch benehmen und dann nach dem 3-2 meinen die Heimfans provozieren zu müssen. Wenn die dann im Abgang fangen, dann ist das nicht schön, aber leider eine logische Folge. Dieses Problem muss kurzfristig wirklich angegangen werden, denn sollten wir gegen Braunschweig wieder verlieren und zu diesem Zeitpunkt noch im Abstiegskampf sein, dann sind emotionale Ausbrüche, die weit über das hinaus gehen, was gestern passiert ist (und das war schon unschön) abzusehen.

Die Blockeinteilung in der GG wäre eine riesige Katastrophe. Uns ist auch noch nicht verständlich, warum die GG hier anders als Süd und Nord behandelt werden soll. Die Größe alleine kann kein Argument sein, wenn man bedenkt, dass der gleichgroße Dresdener K-Block ganz ohne Ordner auskommt. Man wird das Gefühl nicht los, dass der GG einfach nur die laute Lobbygruppe fehlt, die deutlich macht, dass so ein Eingriff ignoriert werden würde.

Kein Bier, keine Stimmung galt leider immer noch viel zu lange auf der Gegengerade. Sie ist von ihren Schlafanfällen im alten Stadion zwar auch weit entfernt, aber mehr als solider Durchschnitt war das nicht.

Kommen wir zum Geschehen auf dem Platz. Man las schon wieder von „der schlechteste Spieler“ (wahlweise
sind dann Kalla, oder wer auch immer gemeint) oder von „Viererkette schlecht“ und natürlich stimmt so etwas auch immer ein bisschen. Was aber einfach auffällt ist, dass von 1 bis 11 die gesamte Verteidigungshandlung zu langsam, zu lieb und zu unstrukturiert ablief. Wer mal Verteidigung im modernen Fußball in Perfektion sehen will, der gucke sich 90 Minuten Bayern- Barcelona nur im Hinblick auf das Verteidigungsverhalten an, was zugegeben für die Spieler wahnsinnig laufintensiv ist. Nicht zu Unrecht lief Bayern sechs Kilometer mehr als Barcelona. Wenn man aber „modern“ verteidigen will, dann darf es niemanden geben, der einfach vorne stehen bleibt, der nicht mit die Räume eng macht und verhindert, dass die Messis oder Ronnys dieser Welt Platz ohne Ende haben. Das funktioniert aber bei uns gar nicht.

Einschub: Natürlich ist Laufleistung nicht alles. Wichtig ist, dass alle laufen und alle entsprechend Räume zustellen (da ist ja nicht zu Unrecht das Wort „stehen“ mit drin). Wenn man dies bedenkt, dann zeigt die oben zitierte Statistik eben nur noch mehr, wie intensiv und wie perfekt das Spiel von Bayern war.

Immer wieder ergeben sich bei uns Löcher, weil entweder zu langsam zurück gearbeitet wird bzw. die Aufgaben nicht klar verteilt sind. Sei es, dass bei uns grundsätzlich Platz für den Gegner Außen vorhanden ist, weil der vordere Außenspieler nicht mit verteidigt, sei es, dass in der Mitte viel zu viel Raum vorhanden ist.

Hier wirkt die Mannschaft auch so, als ob ein Trainingsdefizit besteht. Man hat nicht das Gefühl, dass die Jungs wirklich verinnerlicht haben, was „kompakt stehen“ bedeutet. Und so kann eine Mannschaft wie Hertha sehr ungestört Druck auf unsere Vierkette ausüben und damit auch individuelle Fehler erzwingen. Und um uns dann endgültig zu töten, produzieren wir diese regelmäßig und zuverlässig.

Hinzu kommt, dass wir viel zu viele Fehlpässe spielen. Und zwar die falschen Leute. Wenn man mal die Statistik des Spieles sieht, dann haben bei uns Bartels, Bruns, Daube, Tschauner mehr als zehn Fehlpässe. (Man muss wohl davon ausgehen, dass bei Torhütern auch die langen Abschläge zum Gegner gezählt werden). Bei Hertha hatten nur zwei Spieler Ronny und Ramos mehr als zehn Fehlpässe. Bei uns also zwei Spieler aus dem eher hinteren Bereich, bei Hertha nur offensive. Eben diejenigen, die auch mal einen Risikopass spielen sollen und müssen, die daher logischerweise eine höhere Quote haben.

Nun ist dies alles sehr modern gedacht und so spielen unsere Jungs auch. Das Vermeiden von Grätschen ist vielen modernen Spielern ja in die DNA gebrannt. Und das ist ja prinzipiell auch gut so. Aber wenn ich es nicht schaffe die Kreise eines Ronnys modern einzuengen, dann muss ich ihn wissen lassen, dass es auch mal weh tut. Nein, wir wollen der Unfairness kein Wort reden, aber wenn ich in Minute 88 den Ball nicht geklärt bekomme, dann hau ich meinen Gegner um. Oder zieh am Trikot. Das machte Hertha auch ständig, bekam auch nur bedingt gelbe Karten und es gehört in einem Kampfsport wie Fußball einfach dazu. Lieb, brav und körperlos kann man keinen Abstiegskampf spielen. Man bedenke: Bei Hertha bekamen der Torhüter und zwei von vier Abwehrspielern gelb. Bei uns gerade einmal Schachten. Der mit Thy auch der beste Mann war. Oder anders ausgedrückt: Schachten ist von der ersten bis zur letzten Minute immer präsent und überall, selbst wenn er nicht gut drauf ist. Und ein bisschen verlieben wir uns gerade in ihn.

Das man die Misere mit den individuellen Fehlern nicht an einzelnen Spielern festmachen kann, zeigt das Beispiel Schachten, der pennt noch fröhlich in Bochum und ist heute der beste Mann. Insgesamt scheint der Fokus einfach nicht da zu sein in der Mannschaft. Zuviel schwirrt anscheinend im Kopf rum und zu wenig Automatismen existieren. Auch muss trainiert werden.

Negative Zweikampfquoten tun am Millerntor doppelt weh. Und auch das schaffte Hertha. Nun fanden wir keine Laufstatistik, aber gefühlt war Hertha auch in dieser Statistik überlegen. Und dann muss man einfach auch von einem verdienten Sieg des Aufsteigers sprechen. Auch wenn dieser spät und durch zwei klasse Abschlüsse zustande kam.

Ob man diese ganzen Baustellen in der restlichen Saison abstellen kann, bezweifeln wir. Da muss fleißig für die neue Saison trainiert werden. Und da helfen auch keine Neuzugänge oder der Austausch einzelner Spieler. Die Mannschaft braucht ein Konzept, läuferische Überlegenheit, eine bessere Raumaufteilung und ein schnelleres Umschaltverhalten. Alles eher das fußballerische kleine Einmaleins.Um nächste Saison nicht noch einmal bis zum Ende zittern zu müssen, müssen wir in diesen ganzen Kategorien einen riesigen Schritt nach vorne machen.

Und das über 90 Minuten und nicht immer nur über Phasen von 10 bis 20 Minuten in denen aufblitzt, was möglich ist, wenn die gesamte Mannschaft arbeitet.

ABER

Wir haben nun noch drei Spiele. Und was nun nicht gilt ist sich in Einzelkritiken oder in Ermüdung ergehen zu lassen. Es ist eine beschissene Saison und es tut weh. Aber wie heißt dieser schöne Machospruch? „when the going get’s tough, the tough get’s going“, daher: Alle nach Duisburg, 90 Minuten die Jungs nach vorne brüllen und das Auswärtsspiel zum Heimspiel machen. Karten bekommt man im Notfall auch für die Heimblöcke.

Und wenn es am Ende 210 Minuten gegen Osnabrück benötigt: Nur gemeinsam können wir den Klassenerhalt schaffen, nur wenn wir in allen Spielen unseren Jungs den Rücken stärken, sie nicht verunsichern, sondern sie nach vorne brüllen.

United we stand, divided wie fall

Es schrieben bisher auch noch…

Kleiner Tod sah Fußball und wichtiges

Moeliw hörte die alte Dame singen…

Freakwave mit einer Analyse der Saison

Gröni sah schon schwarz-weiß aus Frust

Am Rande des Dorfes wünscht man sich mehr Hass.

Der Übersteiger sah andere positive Dinge

Jens hätte sic einen Shitstorm gewünscht und weißt zu Recht auf den Scheiß mit dem Gegenstände werfen hin.

Apr 222013
 

 

 

 

oder

 

 

Der Hamburg Marathon 2013

 

 

Liebe Leser, gestern nun war der große Tag auf den ich (@headnutHH) 12 Wochen akribisch hingearbeitet habe. Der Hamburg Marathon. Das große Ziel war es, das ganze Rennen unter 5 Stunden zu beenden, was für mich die große Schallmauer ist, seitdem ich Marathon laufe.

 

 

Der Trainingsplan war gewissenhaft abgearbeitet. In der letzten Woche dann das übliche bei einem Marathonläufer. Jedes Räuspern führt zu Erkältungsängsten und jeder Muskel fühlt sich schwach und leer an. Ein Marathonläufer, welcher auf die Frage „Bist du fit?“ mit „Ja“ antwortet, den gibt es wohl nicht.

 

 

Bereits Freitagsmorgen die Unterlagen abgeholt und leider zu früh für die Boston Marathongedenkbänder gekommen. Leider, aber das soll jetzt kein Vorwurf an den Veranstalter sein, der die Bänder in der Kürze der Zeit halt erst um 13 Uhr am Start hatte, aber da musste ich ja schon nach Bochum (das schenken wir uns jetzt mal trocken). Ich finde die Erinnerung, die viele Leute durch Band, Plakat und/oder T-Shirt zeigten für vollkommen richtig. Jegliche weitere Diskussion schenk ich mir.

 

 

Was in Hamburg enttäuschend ist, ist der Inhalt des Startbeutels. Goodies wie z.B. das Kölschglas in Köln oder die legendären gekochten Eier in Frankfurt (oder der Rucksack aus Frankfurt, welcher mich bis heute begleitet) vermisst man hier. Das ist bei einem Preis, welcher am oberen Ende der Marathonpreise liegt, einfach zu wenig. Immerhin bekam mal als Haspakunde ein sehr schönes Shirt. Nur einen Geldautomaten auf der Messe stellte die Haspa nicht auf.

 

 

Auf der Marathonmesse wurde der @bluecherHROs belagert und auch bereichert. Mal sehen, was das neue Spielzeug so kann. 😉

 

 

Am Samstag war dann extremes Füße hochlegen angesagt. Ich habe einen unglaublich empfindlichen Magen und kann z.B. Nudeln vor einem Marathon nicht ab. Diesmal habe ich es mit Risotto versucht, was mein Magen gut ab konnte, aber was vielleicht nicht genug Energie liefert, siehe dazu später.

 

 

Sonntagmorgen klingelte dann der Wecker um 6:00 mein Magen ging es gut, das Lauffrühstück wurde eingenommen und es ging in den Startbereich. Insgesamt sollen 21.000 Nasen da rumgestanden haben, was man nicht kontrollieren kann, gefinished sind am Ende um die 12.000 auf der vollen Distanz.Das ist relativ wenig für Hamburg. Der harte Winter und die schlecht organisierten Jahre haben Teilnehmer gekostet. Mal abwarten, ob sich die Zahl nun stabilisiert.

 

 

Der Start an sich war gut organisiert und auch das Läuferdorf war weiträumig, ohne viel Gedrängel und die Helfer zahlreich und freundlich. Das ist alles absolut ein Plus. So ging es schnell mit der Taschenabgabe.

 

 

Schnell noch @notaperecorder und @sielaeuftde im Startblock L (wie lovely) abgegeben und mich mal wieder in den letzten Block bewegt. Wie immer. Auf dem Weg zu den Blöcken stand ein Fischbrötchenstand, aber keiner von uns dreien wollte so richtig jetzt ein Fischbrötchen essen. Da fehlt der Patti, der hätte sich das jetzt lächelnd zwischen die Kiemen geschoben.

 

 

Es gab eine Schweigeminute für Boston und dann war auch schon der Startschuss gefallen. Gut 15 Minuten nachdem die Spitze über die Startlinie ging, war dann auch ich gestartet und die große Hatz konnte beginnen.

 

 

Der Plan war den Kilometer irgendwo zwischen 6:45 und 6:55 zu beginnen und dann irgendwann von diesem Tempo zu zehren. Die Unterstützercrew in Person von @whiff_of_hh, @lollabie und @teubi1910 hatte auch Marschtabellen von mir und den anderen beiden bekommen und ein ausgeklügeltes „Ich stehe da und da“ System mit den Läufern entwickelt.

 

 

Die ersten Kilometer geht es dann in Richtung Altona und man muss sagen, dass extrem wenig Hamburger den Weg an die Strecke gefunden hatten. Bei meinen anderen beiden Teilnahmen gab es bereits hier ordentlich Publikum, diesmal war es wirklich sehr wenig. Erst später in Alsterdorf und in Eppendorf sollte sich dies ändern. Altonesen, was ist los mit euch?

 

 

Mein Tempo pendelte die ersten elf Kilometer gut in den vorgenommenen Bereichen und so ging es gemütlich in Richtung Innenstadt. Kurz noch den Thorsten getroffen, aber der hatte eine etwas langsamere Pace als ich, so dass ich alleine weiter lief.

 

 

Die Verpflegung in HH ist besser geworden. So gab es auf der zweiten Hälfte der Strecke Gels und auch Cola (Ja-Cola von Rewe). Was jedoch echt peinlich war, dass bei Ständen bei denen Bananen angekündigt waren, diese in meinem Zeitbereich bereits aus waren. Erst bei späteren Ständen war dies nicht der Fall. Das ist peinlich, denn darauf verlassen sich Leute (auch wenn man lange diskutieren kann, ob Bananen nun sinnvoll sind). Die meisten Helfer wie immer fröhlich freundlich. Was in Hamburg einzigartig und cool ist, sind die privaten Wasserstände im Bereich Alsterdorf. Da organisieren Leute auf eigene Kosten echt noch kleine Wasserstände und kredenzen Kekse und sonstiges. Das ist einfach toll und reisst vieles aus den frühen Kilometern wieder raus. Wenn die Leute doch nur bloss nicht grillen würden. Jedes mal ist man als Läufer knapp davor Würstchen und Bier zu ordern und den Lauf abzubrechen.

 

 

Bis KM 20 brach nur ein einziger Kilometer ein bisschen nach oben aus und meine Beine fühlten sich gut an. Kurz nach dem Halbmarathon kam dann aber viel zu früh der Mann mit dem Hammer. Ein vorher abgesprochener Klostopp in einer Helferwohnung (jaja, mein Magen) schaffte noch kurz Linderung und das freudige Lächeln meines Trainers @ironmaettz, der noch Durchhalteparolen brüllte trieb mich noch kurz weiter, aber bei KM 30 ging es mir schlichtweg elend und kurze Sehstörungen sagten „Pause machen“. Und während man gegen Schmerzen in den Beinen anlaufen kann, gegen den Kreislauf kann man es nicht. Außer man möchte Bekanntschaft mit den netten Menschen vom Malteserhilfswerk oder anderen Krankenwagen machen. Glücklicherweise hatte ich mir an jeder Helferposition Cola hinterlegt und das ist so meine Marathondroge. Das muntert mich wieder auf.

 

 

Ich muss immer noch zu wenig zu mir nehmen. Zwar nehme ich alle 10 KM ein Gel und eben auch später dann Cola, aber trotzdem scheint dies nicht zu reichen. Und die Sonne scheint bei mir auch irgendwann ein Faktor zu sein. So dauerte Kilometer 32 halt 10 Minuten und auch ein zweiter Kilometer dauerte über 10 Minuten. Nach Kilometer 33 bekam ich aber plötzlich die zweite Luft. Der Kopf war wieder klar, der Kreislauf wieder da und plötzlich ratterte ich die Kilometer wieder unter 7 Minuten runter.

 

 

Irgendwo zwischen Kilometer 35/36 dann die freudige Überraschung. Hatten doch meine beiden lieben Mitblogger mir verschwiegen, dass sie an die Strecke kommen würden und standen dann dort mit einem selbstgemaltem Schild. Meinem ersten Anfeuerungsschild jemals. Freude, Strahlen (soweit man das noch kann hier) und Cola waren meine Ausbeute. Die @radaula unterhielt mich ein ganzes Stück und so konnte ich die nächsten ganzen KM irgendwo um die 8 Minuten bestreiten. Insgesamt ging nun auch von den Muskeln nicht mehr viel, aber so lockeres traben mit kleinen Gehpausen war noch drin.

 

 

Dammtor verabschiedete sich dann meine Unterstützung und die letzten 3 Kilometer ging ich alleine an. Der Blick auf die Uhr verriet plötzlich: Bestzeit ist noch drin. Also irgendwo aus den untersten Bereichen noch die dritte Luft hervor gekramt und einen Endspurt angezogen. Noch mal eine 7:17 und eine 6:21 (!!!) auf den letzten Kilometern.

 

 

Die Uhr blieb bei 5:14:26 stehen und nach einem kurzen Blick in die Ergebnisliste von Frankfurt 2011 stellte ich fest: Das war eine neue Bestzeit, ich hatte meine Zeit um 8 Sekunden (!!) verbessert.

 

 

Das wurde dann ausgiebig gefeiert und ich habe meiner Helfercrew zu danken, dass sie auch fünf Stunden auf den Beinen war. Als ich ins Ziel kam, waren die Damen bereits geduscht, beide waren locker unter 5 Stunden geblieben und dementsprechend auch zufrieden. Wenn die dann mal gebloggt haben, werde ich es hier noch verlinken.

 

 

Auch in Hamburg haben Staffeln Einzug in das Programm gefunden. Eigentlich sind solche Staffeln ja eine schöne Idee, können Leute doch etwas gemeinsames erleben und einen Marathon geteilt laufen. Nur als Alleinläufer können die ganz schön nerven. Nämlich dann, wenn sie von hinten angeflogen kommen. Und dies kann insbesondere dann passieren, wenn nicht alle Läufer einer Staffel gleich schnell sind oder die Staffeln hinter den Alleinläufern starten. In HH ist das ganz gut gelöst, indem die Staffeln nach ihrer Einschätzung in die Blöcke eingeordnet sind. So kam es nur selten zu vorbeifliegenden Leuten. Unter den Staffeln waren auch meine persönlichen Helden des Tages. Nämlich die Feuerwehrleute, welche die Staffel in voller Montur inklusive der Sauerstoffflaschen liefen. Es war nicht gerade kalt und die Jungs werden sich ganz ordentlich verausgabt haben müssen. Absolut starke Nummer.

 

 

Die Organisation ist immer noch durchwachsen, aber schon sehr viel besser, als in den Vorjahren. Nur mit der Nutzung der Messelogistik hat dieser Marathon eine Zukunft. Kurze Wege, warme Duschen und schnelle Helfer sind ein Plus, fehlendes Publikum an vielen Stellen, zu wenig Bananen sind ein Minus. Insgesamt würde ich sagen, der Lauf hat eine 2- verdient.

 

 

Die etwas geänderte Laufstrecke ist jedoch viel besser. Die elendige Rothenbaumchaussee ist aus dem Profil raus und das kurze Stück an der Alster gibt noch mal Luft. Leider läuft man nun bei der Nazistudentenverbindung vorbei, die natürlich auch wieder schön Wetter mit Bier ausschenken machte. Leider bin ich da nicht zu einem Sprint fähig, sonst wäre ein Tisch umschmeißen da wirklich mal angebracht.

 

 

Bei mir überwiegt die Zufriedenheit. Das Training ist richtig, die Beine können 5 Stunden. Was noch nicht klappt ist anscheinend die Ernährung in den Tagen vorher und am Renntag selber. Und ich bräuchte wahrscheinlich mal einen Tag, der kalt und bewölkt ist. Hatte ich bisher nie bei einem meiner Marathone. Weiter vorsichtig an den Stellschrauben drehen und dann wird das irgendwann auch was mit den 5 Stunden.

 

 

Nun bin ich erstmal Triathlet. Hamburg City Man, ich komme.

Im Netz fanden sich bisher folgende Berichte:

Ein Schweizer merkt, dass Hamburg nicht flach ist und läuft mit voller Blase Bestzeit

Sielaeuft.de hatte kein perfektes Rennen beim verflixten 7. mal

Die Frau ohne Tonbandgerät rechnet ihre Premiere ab.

 

 

Apr 212013
 

Liebe Leser,

nach dem Spiel gegen Hertha gibt es was zu tun. Und zwar auf die Straße gehen. Um für den Erhalt und die soziale Sanierung der Esso-Häuser zu demonstrieren. Wir fordern hiermit ausdrücklich dazu auf, an der Demo teil zu nehmen!

Trotzdem müssen wir noch einige Worte verlieren. Gentrifizierungskritik und Investorenkritik ist immer ein bisschen problematisch, da sie sehr schnell verkürzt wird und eine Änderungskritik ist, denn: Gentrifizierung ist immer Ausfluss eines Systems, welches darauf beruht, dass man alles kaufen kann.

Und man muss immer vorsichtig sein, was von wem kritisiert wird. Der aus mittelständischem weißen Elternhaus stammende Student, der im niedersächsischen Dorf großgeworden ist und nun in der Schanze in seiner WG lebt, der ist auch Teil des Problems, weil er unbedingt „im Viertel“ wohnen wollte und natürlich nicht „uncool“ in Harburg oder in Hamm. Klar zwicken die 500 Euro Miete für das 14 qm Zimmer, aber dank Papi geht das immer noch. Bei der Friseuse oder dem Hartz 4 Empfänger geht es eben nicht mehr. Und da verdrängt er eben fröhlich mit. Selbst der Erhalt des Gängeviertels führte zu einer Verdrängung von anderen Gruppen, die vorher in diesen Häusern illegal lebten.

Man muss auch bei der Symbolik, die Protest immer hat, bedenken, dass nicht ein Abriss der Esso Häuser an sich das Problem ist (und seien wir ehrlich, ein Traum sind die nun wirklich nicht), sondern das konsequente Versagen der Politik, welches sich z.B. darin äußert, dass jahrzehntelang städtisches Wohnungseigentum zu Höchstpreisen veräußert wurde und auf eine Wohnungsentwicklungspolitik nie geachtet wurde. Wohnungspolitik wurde per Markt gemacht und da hilft auch das Mietrecht nicht, welches Mieterhöhungen bremsen soll. In einem kapitalistischen System ist das rumdoktoren an den Symphomen.

Nun sind wir ein Fußballblog und so rufen wir zum demonstrieren und zum nachdenken auf. Alles weitere lest ihr im Demoaufruf.

Apr 152013
 

oder

Wie man St. Pauli 2013/2014 wachsen sieht

Vorwort

Liebe Leser, es ist eine alte Weisheit im Fußball, dass nicht die besten elf einzelnen Spieler gewinnen, sondern die elf Spieler, welche die beste Elf bilden. In diesem Zusammenhang ist bei unserem FCSP etwas so bemerkenswert, dass es selbst der Hamburger Morgenpost aufgefallen ist. Wenn Jan-Philipp Kalla als Kapitän auf den Platz führt, dann haben wir einen unfassbar höheren Punkteschnitt als bei anderen Kapitänen. Nun ist Schnecke ja nun wirklich nicht als Lautsprecher bekannt und seine Leistung als Außenverteidiger eher solide als herausragend, aber bemerkenswert ist dies schon.

Genauso bemerkenswert ist, dass unsere Jungs immer wieder gegen Gegner aus dem oberen Tabellendrittel – insbesondere zu Hause – richtig groß aussehen. Im Alltag und gegen den unteren Bereich der Tabelle hingegen haben sie stets Probleme. An der grauen Alltagstauglichkeit muss Frontzeck noch erheblich arbeiten. Aber wenn das geschieht, dann ist in diesem jungen Kader Potential – sofern man denn von den Leihspielern einige halten kann. Nun muss man an Günni keine Gedanken verschwenden, der wird unseren finanziellen Rahmen sprengen. Aber bekäme man Funk und Avevor unter die Finger, dann wäre schon viel geschafft.

Und wir gehören da in die unteren Bereiche der 2. Liga einfach nicht hin. Wenn sich in einer solchen Situation 28.000 Menschen im Millerntor einfinden und Paderborn und Cottbus froh wären, wenn sie 10.000 Besucher begrüßen könnten, dann müssen wir einfach auch diesen Zuschauerzuspruch in sportlichen Erfolg ummünzen. Und zwar schnell.

Nun denn, wie war es also gegen die Löwen? Lesen sie selbst!

Wir werden ihn vermissen

Der Tag begann im Fanladen, wo man sich noch einmal mit Stefan unterhalten kann, der erstmal einen langen Familienurlaub einschiebt und sich von uns erholen will. Das kann man verstehen und das Überstundenkonto aller Fanladenmitarbeiter gibt gewiss auch längere Auszeiten her. Er kündigte schon an, dass er die ganze Zeit nicht an uns denken wird und genau das wünschen wir dir, Stefan! Erhol dich einfach mal richtig von uns ganzen Chaoten. Aber komm dann bitte frisch gestärkt wieder.

Danach konnten wir mal in die neuen Fanräume luschern. Leute, das wird schön da. Richtig schön. So langsam kommt auch die Inneneinrichtung in die Gänge und nächste Saison schon werden wir uns da sehr wohlfühlen.

Wir sind ein Proficlub, und ein Proficlub lebt im Kapitalismus auch davon, dass er soviel wie möglich zu Geld macht, Umsatz generiert an allen Enden und so auch Gewinne einfährt. Wir haben ein Clubheim, das direkt am Stadion steht, das geräumig ist und welches selbst eine volle Küche zu bieten hat. Im Viertel rennen durstige, hungrige Menschen im dutzend billiger rum. Der Südkurvenvorplatz ist bereits kurz nach 10 knüppelvoll mit Menschen. Und nun ratet mal, wann unser Clubheim aufmacht? Um 11 Uhr. 30 Minuten vor Stadionöffnung.

Hier lässt der Verein richtig hohe Summen liegen. Wenn man bedenkt, dass insbesondere auf Kaffee richtig hohe Aufschläge zum Einkaufspreis in der Gastro möglich sind, dann kann man hier nur mit dem Kopf schütteln. Und dann kommt wieder M. Meeske und jammert rum, dass irgendwas Geld kostet oder der Verein mögliche Einnahmen liegenlässt. Diesen Widerspruch kann man wohl nur mit Delitantismus erklären.

Ein Celt meinte, dass man mit englischem Frühstück im Viertel „a fortune“ machen könne. Gerade an diesem Wochenende. Ein cleverer Verein hätte dieses Geld abgegriffen. Der FC St. Pauli lässt das Clubheim lieber geschlossen.

Celtic war in der Stadt und wenn man denn so sieht, was die so an Euros in Hamburg lassen, dann haben sich viele Kneipen und insbesondere das Jolly und das Knust sich goldene Nasen verdient. Man kann nur hoffen, dass alle Beteiligten ihren Spaß hatten. Davon gehen wir aber erfahrungsgemäß aus.

Rein das geliebte Millerntor, wo es viele Protestplakate gegen die Fangesetze in Schottland gab. Hintergrund ist hier nachlesbar. Dazu in der Nord eine richtig hübsche Choreo. Für mehr Blockfahnen am Millerntor!

Die Stimmung heute irgendwie antizyklisch, immer wenn es bei unseren Jungs lief, wurde es ruhiger, wenn 1860 aufkam, wieder lauter. Den Gästeblock kann man von unseren Plätzen nicht hören, sie sollen sich aber mit häufigem „Scheiß St. Pauli“ hervorgetan haben. Wenn es wichtiger ist, derartiges kund zu tun als die eigene Mannschaft anzufeuern, dann ist schon viel über eine Fanszene gesagt.

Auf dem Platz? Unser Trainer sprach nach dem Spiel von der besten Saisonleistung. Das kann man so sehen, denn einem eigentlich sehr auswärtsstarkem Gegner wurde sehr wenig ermöglicht und gerade in der ersten Halbzeit rollte Angriff auf Angriff auf das Jogginghosentor. Irgendwie wirkten die Löwen allerdings recht zahnlos. Thy spielte wie befreit und war richtig klasse. Ebenso Daube. Wenn die Jungs diese Leistungdichte doch immer abrufen könnten! Auch Funk kann man immer nur wieder loben, gerade wenn es um die unscheinbaren aber wichtigen Meter im Mittelfeld geht.

Die zweite Halbzeit war dann die des Fin B., in letzter Zeit nicht gerade in Bestform, heute aber ein Torgarant. Und dann das Zweite auch noch in bester Horst Hrubesch-Manier. Das war sowieso zum bekannten psychologisch wichtigem Zeitpunkt. Gerade das Gegentor bekommen, stellte sein Tor den alten Abstand wieder her und beendete alle Zitteranfälle.

Nach dem Spiel vor dem Stadion eine so entrückte Stimmung, als wäre man gerade Deutscher Meister geworden. Das ist St. Pauli. Nun ja, sehr wichtig war dieser Sieg, denn nun sollten sich doch drei Mannschaften finden, die nicht mehr auf so viele Punkte kommen. Um ganz sicher zu sein, wäre nun ein Punkt in Bochum gut.

Kurz noch einem sehr lieben Menschen eine Freude gemacht und dann mit dem Marsch zum Fanladen. Und dann lag eurer Lieblingsblog auch schon auf dem Sofa und wärmte sich für neue Taten.

Es schrieben bisher noch…

Der Ostblock erpinkelte Tore.

Kleiner Tod machte all day Party

stpauli.nu sah in zwei Beiträgen die Zukunft. Beitrag 1 Beitrag zwei

Gröni sah wie immer durch die Kamera

Der Hobbitfuß sah ein erfolgreiches Wochenende. Btw: Brüllt den Ringträger nächste Woche beim Marathon ins Ziel. Ihr erkennt ihn an der Hobbitkleidung (oder am Celtic Trikot)

Wieder beinah übersehen: In den Sinn gekommen. Immer sehr lesenswert. Noch ein Geheimtip.

Jens von der Breitseite ging fremd.

Am Rande des Dorfes mit dem Kurztext zum Spiel.

Metalust feiert mit, musiziert und wird kein Rockfan mehr.

Apr 112013
 

oder

Was Fragen alles so auslösen

Liebe Leser, wir Twittern. Alle drei privat und auch gemeinsam als Blog (die privaten Accounts findet ihr hier). Letztens gewannen wir als 792sten Follower einen Account eines Fans von Dynamo Dresden hinzu und behaupteten, dass nach einer groben Schätzung uns nach dem FCSP am meisten aus Dresden gefolgt wird auf Twitter.

@1953international warf daraufhin die beliebte „Wann?Wo?Wieviele?“ Frage in den Raum und nun war auch meine (@headnutHH) Neugier geweckt. Daher nun die vollkommen überflüssige, wie sinnlose Statistik der Follower. Stand 11.04.2013.

Wir haben insgesamt 796 Follower und folgen davon 673 zurück. Normalerweise folgen wir jedem zurück, wenn er denn a. ein Mensch und keine Maschine ist und b. wenigstens ab und zumal mehr als seine Foursquare Logins twittert. Ausnahmen bestätigen diese Regel.

Bei der nun folgenden Auszählung zu welchem Verein der Follower gehört, haben wir uns auf Userbild und -Name, Selbstbeschreibung und eigenes Wissen verlassen. Wir haben nun nicht gefragt und auch nicht Tweets nachgelesen.

Das Ganze ist handgezählt und daher nicht zwingend richtig. Wer keine Angaben gemacht hat oder nur „ich liebe Fußball“ in der Bio hat und auch anders seinen Verein nicht verrät, der blieb außen vor.

Here the results of the FCSP Jury:

Uns folgt 320 mal FC St. Pauli. Das ist mit einem riesigen Abstand der Höchstwert. Erstaunlicherweise 😉

Uns folgen 34 Läufer. Da sage noch jemand, niemanden würde unser Laufcontent interessieren. 😉

Sieben mal folgt uns Dynamo Dresden. Spitzenreiter und eigentlich doch schon beinah Grund für eine Fanfreundschaft ;-).

Es folgen uns auch sieben Journalisten, wobei eine davon in Elternzeit ist (Grüße 😉 ). Bemerkenswert dabei ist, dass uns zwei österreichische Journalisten folgen, aber nur zwei die in Hamburger Zeitungen tätig sind.

Mit jeweils sechs Followern kommen dann Werder Bremen. Angesichts der breiten Sympathien zwischer Werder und uns nicht weiter verwunderlich.

Fünfmal verfolgt uns Union Berlin.

Viermal verfolgen uns die beiden Champions League Halbfinalisten Bayern und Dortmund. Und vier (Ex-) Spieler verfolgen uns. Alle ehemalige FCSPler (Joy, Dinzey, Palikuca, Ralle).

Knapp darauf dann der Rest des Reviers (Schalke und Bochum) und die Chemieproduzenten aus Leverkusen mit jeweils drei Folgenden.

Zweimal folgen uns die Rauten, Celtic, 1860 München, Hertha und Kaiserslautern

Und schlussendlich auf einen Follower bringen es: Eisbären Berlin, First Vienna, Mainz 05, FC Basel, KSC, Arsenal, Hansa, Hannover 96, Bielefeld, Fortuna Düsseldorf, SC Victoria, Sandhausen, Rapid Lienz, Eintracht Frankfurt, Nürnberg, EHC München, 1. FC Köln, Chemie Leipzig, Rasenballsport Leipzig und Unterhaching.

Apr 102013
 

Liebe Leser,

der letzte Trainingsbericht für das Abenteuer Hamburg Marathon 2013, bevor ich am 21.04. auf die 42,195 Kilometer gehen, welche die Läuferwelt bedeuten.

Der letzte Bericht war genau zur Halbzeit der Vorbereitung geschrieben, nun sind vier Wochen vergangen und damit ist das eigentliche Trainingsprogramm auch absolviert, denn die beiden letzten Wochen vor einem Marathon dienen dem sogenannten Tapering.

Die letzten Läufe waren von einer stark ansteigenden Form geprägt und fanden ihren Höhepunkt in einem langen Lauf von 30 Kilometern, der gut unter der angestrebten Zeit blieb. Mit 3:27:50 lief ich die schnellsten 30 Kilometer meines Lebens und konnte auch zum ersten Mal überhaupt eine Pace von unter 7:00 bis zum Ende halten.  Wenn man noch bedenkt, dass ich am Ende so ein paar Orientierungsschwierigkeiten hatten und dadurch mindestens noch zwei Minuten verlor und ich auch zwischendurch ordentlich Ampeln überqueren musste, dann ist das eine klasse Zeit. Und eine Zeit, die auf 5 Stunden hoffen lässt. 90 Minuten für 12 Kilometer müssten doch zu schaffen sein.

Jedoch: Jeder Ausdauerläufer in HH wird es gemerkt haben: Die Trainingsbedingungen diesen Winter waren nicht einfach. Kälte stört nicht, dagegen gibt es Klamotten. Aber Schnee, der immer wieder antaut und dann gefriert, der stört. Und so lief ich gestern zum ersten Mal in der gesamten Vorbereitung meine – nebenbei wunderschöne – Stammstrecke durch das Alstertal.

Dafür kann ich nun an jeder Straße in HH längs laufen. So spannende Strecken, wie z.B. vom AK Eilbek an der Wandse, um die Alster, um das Heiligengeistfeld, dann um die Binnenalster, dann noch mal Außenalster  und zurück zum AK Eilbek prägten den Laufalltag der Vorbereitung.

Letztens fragte mich eine hochgeschätzte Osnabrückerin, wie man sich denn morgens nach einer Dresdenfahrt motivieren kann? Und „innerer Schweinehund“ ist immer ein Thema, wenn man im Winter für einen Marathon trainieren kann. Komischerweise aber genau an diesem Morgen nicht. Ich kam gut aus dem Bett, die Knochen fühlten sich wohl, der Magen rebellierte nur im üblichen Umfang und nach einem langsamen Anfang fand ich gut in den Rhythmus. Und dann läuft man sich irgendwann den Frust von der Seele.

Nun ja, ich trainiere ja nach einem Trainingsplan, den mir der Mättz netterweise gemacht hat. Natürlich habe ich nicht jeden Kilometer wirklich gelaufen, aber die Tempoeinheiten und die langen Läufe sind zu 90 % absolviert worden. Nur eine Tempoeinheit fand gar nicht statt und ein langer Lauf endete viel zu kurz.

Nach einem Trainingsplan fest zu trainieren war für mich Neuland und brachte schon interessante Erkenntnisse. So lief ich nur sehr selten einfach so 10 Kilometer ohne irgendeine Sonderaufgabe. Auch Tempodauerläufe mochte mein Trainingsplanersteller so gar nicht. Dafür umso mehr Intervall und HIIT Einheiten. Letztere in Form des Lauftrainings der Triathlonabteilung. Ich kann euch sagen: Wenn ihr den Stadtpark mal so richtig kennen lernen wollt, dann kommt da hin. Unter fachkundiger Anleitung wird bei bester Laune, mit angenehmen Leuten und flotten Sprüchen trainiert. Vor diesen Läufen hatte ich eigentlich nie Schweinehund.

Nun denn, dreimal locker über 50 Kilometer sind es in den letzten drei Wochen geworden. Nun also die Erholungsphase. Wie man diese gestaltet, da kann man wohl Bücher drüber schreiben und eines der Erfolgsgeheimnisse ist definitiv diese Phase richtig zu gestalten.

Ich habe nun beschlossen mich auch hier blind auf den Trainingsplan zu verlassen. Der sieht für das Wochenende vor dem Marathon noch mal 20 Kilometer vor, was mir relativ viel erscheint und was ich auch so nicht gelaufen wäre von mir aus. Aber wenn der Trainingsplan das sagt, dann wird es gemacht. Immer wohl gesagt, die leichte Erkältung, die ich jetzt gerade habe, geht bis Sonntag weg. Denn dann laufe ich um die sehr hübsche Eisenbahnermedaille. Die Motivation ist allemal da, denn der Insellauf ist nun wirklich einer der schönsten Hamburger Läufe.

Warum dieses blinde Vertrauen? Nun einmal habe ich das Gefühl bisher mit dem Trainingsplan gut gefahren zu sein. Und zum anderen war dies ja auch der Versuchsaufbau für den HH Marathon dieses Jahr: Ich arbeite einen Trainingsplan ab.

Ob es gelungen ist, werdet ihr dann in zwei Wochen lesen.

Es grüßt euer laufender @headnutHH

 

 

 

 

Apr 092013
 

oder

Wenn ein Tag so rundum scheiße ist.

Vorwort

Liebe Leser, wenn man einen Bericht anfängt und das erste Vorwort wieder vollständig löscht, dann weiß man, dass dies kein einfacher Bericht wird. Was soll man auch über eine solche Tour sagen? Der erste Reflex ist, dass man gar nix schreibt, aber da ein Aspekt des Bloggens auch immer das Verarbeiten ist, ist dies natürlich keine wirkliche Option. 2/3 dieses Blogs hatten alles richtig gemacht, als sie die Teilnahme an dieser Fahrt schon frühzeitig sein ließen und den Tag auch noch so vollpackten, dass sie das Grauen nicht einmal am Fernsehen ertragen mussten.

Es wird in diesem Bericht um viele Sachen gehen, die einfach nur zum Kotzen sind. Wichtig dabei ist immer, nicht alles auf eine Stufe zu stellen. Die ständige Aufrechnung von Fehlverhalten ist teilweise äußerst gefährlich. Und es ist eben nicht das Gleiche, ob man einen Hitlergruß zeigt oder als Reaktion darauf „Bomben auf Dynamo“ ruft. Ob man Letzteres nun gelungen findet oder nicht. Extremismustheorie, ich hör dich trapsen.

Was für ein Tag

Liebe Leser, wie üblich trafen wir sehr früh am Bus zusammen und es mag an meiner (@headnutHH) Unruhe vor so einer Fahrt liegen. Da ich aber mit meinem hochgeschätzen Begleiter der letzten Jahrzehnte durchgemacht hatte, verloren wir nicht mal Schlaf. So warteten wir mit der restlichen heutigen Bezugsgruppe auf den Bus, der wie üblich nicht kam. Diesmal auch deswegen nicht, weil der Busfahrer zwar am Stadion vorbeifuhr, es aber nicht fand. Dann zu einem Telefon zu greifen oder die Angaben des Busunternehmens („Ich hatte eine falsche Adresse bekommen“) zu hinterfragen, schien für diesen Busfahrer einfach zu viel verlangt.

Kundenfreundlichkeit und Orientierungssinn muss man in dieser Branche nicht verlangen. Die wenigen positiven Ausnahmen fallen einem immer wieder auf. Als unser heutiger Busfahrer dann noch mit ca. 30 Kilometern durch die Stadt trödelte und erstmal in die falsche Richtung fuhr, da hatten wir schon die argsten Befürchtungen. Aber letztendlich stellte er sich noch als „okay“ heraus.

30 Minuten Verspätung hatten wir bei der Abfahrt aber schon und so malten wir uns in besten Farben aus, wie wir so gegen 17:30 in Dresden ankommen würden. Man überschätzt aber immer die Länge der Tour nach Dresden, sodass wir locker pünktlich ankamen.

Ansonsten kann man nicht viel über die Hinfahrt berichten. Die anderen Busse waren anders gefahren oder weit vor uns und wir alleine in den langweiligen Ebenen des Ostens. Das einzig Bemerkenswerte: Das Bemalen von Autobahnbrücken ist in diesen Gegenden Lebensprojekt mehrerer Fangruppen. Die Häufigkeit von Bemalungen durch Magdeburg und Dresden nötigen ja beinah Fleißpunkte ab. Man fragt sich aber auch manchmal, ob es nicht wichtigere Dinge gibt, als auch die 100ste Autobahnbrücke in 100 KM Entfernung zu bemalen.

Dresden rückte näher und so ein bisschen Anspannung machte sich doch breit. So ganz geheuer wird einem Elbflorenz wahrscheinlich nie. Zwar gibt es viele zarte Pflanzen der positiven Fanarbeit wie z.B. die Leute von 1953 International, die in einem schwierigen Umfeld auch erste leichte Erfolge feiern, aber das schwierige Umfeld besteht eben immer noch. Und Dresden zieht immer noch genügend Leute an, deren Ziel auch die körperliche Auseinandersetzung ist und die politisch weit rechtsaußen stehen.

Unsere Bahnfahrer wussten von unzähligen Kleingruppen von Thor Steinar-Trägern und ähnlichen Unsympathen zu berichten, die nur auf unvorsichtige Auswärtsfans warteten – und dabei auch vor Familien, Normalos oder ähnlichem nicht halt machen.

Aber nicht nur auf den Anfahrtswegen gibt es rechte Hooligans. Im Stadion sammelte sich direkt neben dem Gästeblock auf den Aufgängen eine Gruppe von ca. 50 Hackfressen. Bemerkenswert dabei ist, dass diese fröhlichst mit den dort postierten Ordnern schnackten. Auch so eine Beobachtung, die man leider nicht zum ersten Mal macht. Bei uns am Millerntor darf man keine 30 Sekunden im Aufgang stehen, in Dresden kannst du auf dem Aufgang noch locker abhitlern und wirst von den Ordnern noch freundlich beschnackt.

Das Erstaunliche dabei ist aber, dass im gleichen Block auch reichlich Polizei steht, die aber Scheuklappenmäßig nur auf den Gästeblock guckte. Eigentlich ein echter Skandal, andererseits wohl eher traurige „sächsischer Normalität“. In diesem Bundesland ist es schon lange das schlimmere Verbrechen, gegen Nazis zu demonstrieren, als Nazi zu sein.

Sowieso komisch, dass man von diesen Typen dann noch per Handzeichen ein 10 gegen 10 angeboten bekommt und wohl auch eine Telefonnummer dazu übermittelt wird. Unsere Gewaltfantasien erzeugten dann kurzzeitig die Vorstellung, dort mit Schwertern aufzulaufen und beim nächsten Spiel dann zehn abgehackte rechte Arme zu präsentieren. Was für Schwachmaten.

Nebenbei: In diesen Gruppen gibt es ja immer mindestens einen, der mit der Fresse derbe vorne weg ist, aber so seine 1,70 und 55 Kilo hat. Ob das nicht der Erste ist, der wegrennt, wenn es mal wirklich hart auf hart kommt?

Wenn wir schon bei Schwachsinn sind. Der K-Block will also hinter den USP-Damen stehen? *Gähn* Sexismus ist kein Fangesang, möchte man da in Richtung Ultrablock brüllen. Und Mackertum keine sinnvolle Verhaltensweise. Aber ich denke unsere Mädels können sehr zielgenau nach hinten austreten und werden voll in das abgebildete Ding treffen.

Nun gut. Warum halten wir uns auch mit soviel geballter Dummheit auf!? Stimmung im Gästeblock war insgesamt jedenfalls ganz ordentlich. Um dazu auch einen Satz zu schreiben.

Was man vom Spiel auf dem Platz nicht behaupten kann. Wir sind einfach zu langsam. Zu langsam in allen Belangen. Bei Ballgewinnen (und die gab es durch Dynamos schlampiges Aufbauspiel in Massen) brauchen wir einfach viel zu lange, bis sich mal ein Spieler nach vorne bewegt. Und im Abwehrspiel kann niemand mal hochschalten um vor einen Gegner zu kommen. Beispielhaft sei hier Gyaus Verhalten bei dem einen Gegentor genannt. Da läuft er nur hinterher, anstatt mal Gas zu geben und so das ganze enger zu machen und den Zweikampf des anderen Abwehrspielers zu ermöglichen. „Kompakt stehen“ ist bei uns ein Fremdwort. Alles wird in einem Trabtempo erledigt und ein System wie man spielen will, ist nicht ansatzweise erkennbar. Die zwei Ausnahmen in 90 Minuten führten dann gleich zu einer 2-0 Führung.

Der hochgeschätzte Auswärtsmitfahrer kommentierte die „Absteiger“-Rufe des Gästeblocks nach dem 2-0 schon sehr treffend mit einem „wenn wir das mal nicht fressen“. Und Dynamo hatte uns insbesondere eines voraus: Leidenschaft. Klar kann man sich über Trojan und das ständige Getexte aufregen, aber nur brav reicht halt in Liga 2 nicht für den Klassenerhalt. Man wünscht unserer Mannschaft ständig mehr Gift in allen Aktionen.

Und natürlich kann man der „bigger fool“-Theorie anhängen, wie es der Frodo macht. Aber man sollte sich auf so etwas nicht zu viel verlassen. Auch sollte man sich nie darauf verlassen, dass 36 Punkte zur Vermeidung der Relegation reichen. Und viel mehr Punkte holen wir mit den gezeigten Leistungen auch nicht.

Viel ist über die Jugend der Mannschaft gesprochen worden in diesem Zusammenhang. Aber das kann man nicht als Ausrede nehmen. Denn insbesondere auch erfahrenere Spieler zeigen nicht ihr komplettes Leistungsvermögen in dieser Rückrunde. Hinzu kommt, dass auf keiner Position jemand Druck macht und sich von der Bank empfiehlt. Man vergleiche das mal mit der Aufstiegssaison 2010, da kam von der Bank immer jemand und brachte frischen Wind. Dies ist zur Zeit eher die Ausnahme als die Regel. Und das macht im modernen Fußball schon ein Unterschied.

Vielleicht ist das aber auch alles Teil eines perfiden Plans um Tabellen-15. zu werden und damit ein Heimspiel in der 1. Runde des DFB Pokal zu bekommen. Aber wie formulierte es so schön eine Mitfahrerin: „In Sachen perfide Pläne sind wir allerdings nicht so die Frontsäue.“

Angesichts unseres nicht gerade schönen Restprogrammes wäre es schon sinnvollnun einen Heimsieg gegen 1860 und mindestens einen Auswärtspunkt in Bochum zu holen. Dann wären wenigstens die größten Bauchweh weg. Aber wahrscheinlich holen wir 1860 zurück in das Rennen um Platz 3, versüßen Neururer in Bochum seinen Einstand, lassen dann Berlin und Braunschweig bei uns aufsteigen, Duisburg gegen uns die Klasse halten und haben dann ein Endspiel auf dem Betzenberg. Keine gute Vorstellung, oder?

Die Rückfahrt war wie ein langer Todeskampf. Schlechte Musik, schlechte Filme, schlechte Laune. Nun eigentlich auf jeder Raststätte mit allen Bussen gleichzeitig, was wieder eine sehr beschissene Seite mancher FCSP-Fans zu Tage brachte, nämlich das systematische Beklauen von Raststätten.

Leute, das ist kein Spaß, nicht einmal, wenn man das Konzept „Eigentum“ außen vor lässt. So etwas wird auf kurz oder lang die Polizei auf den Plan rufen und entweder wir können nur noch irgendwo auf Parkplätzen halten oder gar nicht mehr mit dem Bus fahren. Meckert dann nicht über Repressionen und so, wenn es sich hier nicht um ein Fehlverhalten weniger handelt. Mal ganz davon ab, dass so etwas immer auf den ganzen Bus zurück fällt. Wird dieser nämlich angehalten und kontrolliert, dann haben erstmal alle Leute im Bus ein Ermittlungsverfahren wegen Diebstahl am Hals. Und das macht sich bei Arbeitgebern (und so etwas kommt raus) niemals wirklich gut. Wir Spießer! Bitte Leute: Überlegt doch mal, ob es wirklich notwendig ist, insbesondere weil ihr nicht nur euch, sondern alle in Gefahr bringt.

Und dann hatte uns Hamburg wieder. War auch gut so.

Es schrieben ansonsten bisher…

Kleiner Tod, der eine Demo besuchte und anscheinend ein anderes Spiel sah.

Jens, der ungefähr das gleiche erlebte… Man hat beim lesen beinah ein Déjà-vu

Apr 042013
 

oder

Kein guter Deal

Vorwort

Vieles hat schon der Frodo geschrieben, der das „Vergnügen“ hatte, gestern auch bei dem angesetzten Hintergrundgespräch dabei zu sein. Das kann man lesen und dann unseren Text vergessen. Oder ihn als zweite Sicht lesen, denn nähern wir uns dem Ganzen etwas anders. Und zwar, indem wir einfach mal Fragen stellen, Rechtsquellen wälzen und uns dann fragen, wer hier eigentlich über den Tisch gezogen wurde.

Vorbemerkung / Man kann es eigentlich auch sein lassen…

Der Bericht der Arbeitsgruppe liegt uns vor, sollte auch öffentlich sein (wenn er dies zum Zeitpunkt des Onlinestellens ist, dann findet ihr hier den Link). Und mit einem solchen Zitat wollen wir die Betrachtungen auch beginnen:

„Es war in der AG unstrittig, dass die polizeilichen Maßnahmen für die Einhaltung eines geordneten Veranstaltungsablaufs auf rechtsstaatlicher Grundlage erfolgen und für Fußballveranstaltungen dieser Art und Größe unverzichtbar sind. In Anerkennung der oft schwierigen Handlungsbedingungen war es deshalb auch nicht Ziel der AG-Arbeit, einzelne polizeitaktische Maßnahmen und Einsatzverhalten zu bewerten.“

Es ist schon harter Tobak, wenn so etwas in einem Bericht steht, bei dem (Zitat laut Übersteiger) „jeder hinter jedem Komma“ steht. Da kann man schon nicht mal mehr von einem kleinsten gemeinsamen Nenner sprechen, denn was dann in dem Bericht folgt, ist ein Persilschein für sämtliche einzelnen Polizeimaßnahmen, obwohl diese doch nicht bewertet werden sollten.

Formulierungen wie „Durch den aus Sicht der Polizei notwendigen Einsatz von Pfefferspray…“ finden sich zuhauf in dem Abschlussbericht und werden unkommentiert und unwidersprochen (denn man wollte ja nicht darüber reden) aufgenommen – und damit schlichtweg zur Wahrheit für den Leser erhoben.

Eigentlich könnte man hier auch die Beschäftigung mit dem Bericht abbrechen. Wenn ich (laut Überschrift) ein Geschehen aufarbeiten und analysieren möchte, wenn ich (laut Einleitung) daraus Folgerungen für die Zukunft ziehen will, dann kann ich nicht einfach das Verhalten einer Konfliktpartei unkommentiert und unreflektiert in einen solchen Bericht einfließen lassen.

Warum hier Fanladen und Verein nicht einfach aufgestanden sind und ein fröhliches „Fickt euch, macht eure Lügenscheiße doch alleine!“ in die Runde geworfen haben, kann man wohl nur mit den alltäglichen Sachzwängen erklären. Weh tut es trotzdem, und zwar nicht zu knapp.

Irgendwann muss man sich auch als FCSP fragen, ob diese Sachzwänge einen Tritt in den Arsch der eigenen Fans wirklich rechtfertigen. Und hier muss man den Verein mehr ansprechen, als das Fanprojekt. Denn der Verein hat kommerziell (z.B. Erlaubnis zum Bierverkauf) etwas zu verlieren. Wann ist mir also das Bier näher als die Moral? Und wann nicht mehr?

Stadionverbote?

Aus dem ganzen Komplex resultieren insbesondere zwei Stadionverbote, die man doch als kritisch ansehen kann, um das mal so neutral wie möglich zu formulieren. Man kann ohne weiteres spekulieren, dass diesem white washing ein Deal im Sinne von Stadionverbot weg gegen netten Bericht zugrunde lag. In diese Richtung wird von Publikative spekuliert und ohne jetzt den Wahrheitsgehalt dieser Spekulation bewerten zu wollen, kann man auf dieser Grundlage ja weiter gehen.

Vielleicht war dies ja der „Sachzwang“, der die Unterschrift unter einen solchen Bericht rechtfertigt? Man kann sich auch da fragen, ob dies nicht ein äußerst zweifelhafter Deal wäre, so nach dem Prinzip „Lieber ehrenvolles Stadionverbot, als schäbiger Stadiongang“, aber nun ja. Immerhin wäre hier mal zugunsten von Fans gedealt worden. Das ist ja selten genug bei diesem Verein.

Nur wenn man den Sachverhalt mal wie folgt festhält (ohne zu wissen, ob dies nun stimmt): Es laufen Ermittlungsverfahren gegen die beiden und zwar wegen Landfriedensbruch und Körperverletzung. Diese sind noch in der Schwebe, es gab aufgrund der Ermittlungsverfahren auf Anregung der Hamburger Polizei Stadionverbote, nun gibt es die gemeinsame Bitte des Vereines und der Polizei an den DFB, diese Stadionverbote aufzuheben, dieser tut dies nicht.

Erste Reaktion, auch von uns: „F**k dich DFB“. Vielleicht gab es selbst „Signale“, dass man als DFB die Verbote aufhebt? Man kann das nur spekulieren, was wir hier nicht wirklich tun wollen. Ziehen wir uns also auf das zurück, was wir können, nämlich Richtlinien uns angucken und auf den oben genannten Sachverhalt anwenden. Und da ist es bemerkenswert: Der DFB verhält sich vollkommen richtig und absolut im Einklang mit seiner Stadionverbotsrichtlinie! „vollkommen richtig“ zumindest in der Anwendung seiner eigenen Normen, das ist jetzt mal rein juristisch verwandt. Sehen wir uns mal die Normen an:

“§ 6 Aufhebung oder Reduzierung des Stadionverbotes bei Änderung der Tatsachengrundlage

Das Stadionverbot ist von der festsetzenden Stelle aufzuheben, wenn der Betroffene nachweist, dass

– das dem Stadionverbot ausschließlich zugrunde liegende Ermittlungsverfahren nach § 170 Abs. 2 StPO oder nach einer entsprechenden Regelung des JGG eingestellt worden ist;

– er in einem Strafverfahren rechtskräftig freigesprochen worden ist;

– sonst die Voraussetzungen der in § 4 genannten Fälle nicht erfüllt sind.

Im Falle einer Einstellung des zugrunde liegenden Ermittlungsverfahrens

– nach § 153 StPO soll die festsetzende Stelle das Stadionverbot auf Antrag des Betroffenen noch einmal im Hinblick auf Bestand und Dau-er überprüfen;

– nach § 153a StPO kann die festsetzende Stelle das Stadionverbot auf Antrag des Betroffenen noch einmal im Hinblick auf die Dauer überprüfen.“

und

„§ 7 Reduzierung, Aussetzung oder Aufhebung des Stadionverbotes in anderen Fällen

( 1 ) Das Stadionverbot kann

– bereits bei Erlass auch ohne Antrag des Betroffenen gegen Auflagen ausgesetzt werden oder

– zu einem späteren Zeitpunkt auf Antrag des Betroffenen gegen Aufla- gen ausgesetzt, in seiner Dauer reduziert oder ganz aufgehoben werden, wenn dies beispielsweise

– nach Art und Umständen der Tat,

– aufgrund der Einsicht des vom Stadionverbot Betroffenen,

– des jugendlichen Alters oder

– aus anderen vergleichbaren Gründen unter Beachtung der Zielsetzung des
Stadionverbotes zweckmäßig erscheint.

[…]

( 3 ) Die Maßnahmen nach Abs. 1 sind nur zulässig, wenn der Betroffene:

– bisher nicht als „Wiederholungstäter“ auffiel

– bei Begehung der Tat keine erkennbar kriminelle Einstellung zeigte und die Folgen seiner Tat gering waren

– einsichtig ist und

– die hohe Wahrscheinlichkeit bietet, dass er sich zukünftig sicherheitskonform verhalten wird.

Bei Stadionverboten der Kategorien B und C (§ 5 Abs. 2) kommen diese Maßnahmen in der Regel jedoch frühestens nach Ablauf der Hälfte der Stadionverbotsdauer in Betracht.

Ohne ihn jetzt ganz kopieren zu wollen, muss man wissen, dass wir hier über ein Stadionverbot der Kategorie B sprechen, weil damit u.a. Stadionverbote gemeint sind, die u.a. auf Ermittlungsverfahren basieren, die eine Straftat gegen „Leib und Leben“ als Grundlage haben. Und das ist z.B. eine Körperverletzung.

Wenn man sich das so ansieht, dann kann man § 6 gleich in die Tonne treten, weil das Ermittlungsverfahren noch läuft. Gehen wir auch mal davon aus, dass die sonstigen Voraussetzungen des § 4 erfüllt sind.

Bleibt noch der § 7 und da kommen wir in das schöne Gewässer der unbestimmten Rechtsbegriffe und der „kann“ Vorschriften. Man kann hier lange über die Frage diskutieren, ob man denn einsichtig ist, wenn man vorbringt nur Notwehr begangen zu haben. Man kann lange diskutieren, ob ein Ultra die hohe Wahrscheinlichkeit bietet, sich zukünftig sicherheitskonform zu verhalten (wir hoffen inständig, dass er dies nicht tut), aber man muss das alles nicht. Denn was steht da so schön? „frühstens nach Hälfte der Dauer des Stadionverbotes“. Und wenn uns nicht alles täuscht, dann sind die Stadionverbote bis Ende der nächsten Saison (2013/2014) und zwar zum Ende der letzten, bzw. zum Beginn dieser Saison. Sprich: Wie man es auch dreht und wendet: Die Hälfte der Zeit ist frühstens am Ende dieser Saison erreicht.

Und nun müssen wir mal uns in die Situation des DFB versetzen. Natürlich macht sich dieser Verband sein Recht selbst und hält sich gerne auch mal dran, wie wir an dieser Stelle schon erwähnten. Aber in dem Spannungsfeld zwischen Politik und Fans kann man verstehen, dass man die Wendts und Schünemanns dieser Welt nicht wecken will, indem man seine eigene Richtlinie missachtet. Denn dann liegt vielleicht wirklich mal ein „lascher Umgang“ mit Stadionverboten vor, der ansonsten nur von den Hardlinern behauptet wird. Und auch ein anderer Aspekt spielt da rein: Wenn der DFB will, dass die Vereine diese Richtlinie beachten, dann muss er durch Vorbild führen. Sprich: Das nicht durch eigenes Handeln aufweichen.

Bevor hier jemand uns nun zuviel Verständnis für den DFB vorwirft, sei direkt eingeworfen, dass dies natürlich eine isolierte Betrachtung ist, die etwas ganz entscheidendes ausklammert: Stadionverbote an sich sind Unrecht. Sie beruhen auf Ermittlungsverfahren und damit auf ungeklärten Sachverhalten und sind damit nichts anderes als eine Strafe ohne Verurteilung. Mit den Aufhebungsvorschriften, wie auch mit den Anhörungsvorschriften des § 5a wird eine Rechtsstaatlichkeit vorgegaukelt, die eben nicht vorhanden sein kann, weil das System an sich bereits die Unschuldsvermutung aushebelt. Und nur in diesem Unrechtskonstrukt verhält sich der DFB richtig. Im wahrsten Sinne also folgerichtig. Gerecht oder moralisch richtig macht es dieses Verhalten nicht.

Dazu nebenbei auch ein sehr lesenswerter Artikel aus Kaiserslautern.

Bleibt also abzuwarten, ob und wann unsere Jungs wieder ins Stadion gehen können. Man kann sich immer fragen, ob verhandeln hier der richtige Weg ist und ob nicht eine Revolution richtiger gewesen wäre. Entweder in dem man von Anfang an als FCSP die Stadionverbote ignoriert hätte oder dieses Ignorieren aufgenommen hätte, nach dem die Hamburger Polizei um eine Aufhebung gebeten hat.

Und nun der politische Skandal

Innere Sicherheit ist ein wichtiges Thema in Deutschland, es wird meistens von Hardlinern dominiert, jedoch der Schutz der Bürger vor Gefahren ist die wichtigste Aufgabe von staatlichen Konstrukten. Die Gewährung eines angstfreien und geregelten Lebens ist DIE Hauptlegitimation für das Konstrukt „Staat“.

Und nun steht in dem Abschlussbericht folgendes:

„Im Zusammenhang mit dem „Bannerklau“ waren polizeiliche Maßnahmen nicht zulässig.“

„Der „Tatbestand“ des sog. „Bannerklau“ ist für die Polizei kein Grund zur Ergreifung von
Maßnahmen im Sinne der Gefahrenabwehr. “

Der Bericht stellt fest, dass so ein Bannerklau ziemlich eskalierend aufgrund der damit verbundenen Demütigung ist. Das mal in einem Satz zusammengefasst.

Umso erstaunlicher sind dann die die oben zitierten Sätze. Nein, sie sind nicht erstaunlich, sondern eine Leugnung der wichtigsten polizeilichen Aufgabe. Diese hat laut Polizeigesetz dann einzugreifen, wenn es konkrete Gefahren für die Sicherheit- und Ordnung abgewehrt oder beseitigt werden müssen. Und zwar sowohl für die Allgemeinheit, wie auch für einen Einzelnen (§ 3 SOG HH).

Man lese nun die Definition für die öffentliche Sicherheit: „Die öffentliche Sicherheit umfasst nach allgemein anerkannter Definition die Unversehrtheit der objektiven Rechtsordnung, der subjektiven Rechte und Rechtsgüter des Einzelnen und die Funktionsfähigkeit von Einrichtungen und Veranstaltungen des Staates.“

Subjektive Rechte, wie das Eigentumsrecht (Art. 14 GG) sind da nun ausdrücklich genannt. Und sehr konkret war die Gefahr ja nun definitiv.

Kurz: Die Polizei erklärt, dass sie sich an ihre eigenen Gesetze nicht halten will. Man stelle sich mal den Aufschrei bei folgendem Sachverhalt vor. Kai Diekmann ruft bei der Polizei an: „Ja Diekmann hier, hier malen gerade Leute mein Auto mit Anarchiezeichen voll.“ Polizei: „Lassen sie mich kurz überlegen. Der „Tatbestand“ der „Schmiererei“ ist für die Polizei kein Grund zur Ergreifung von Maßnahmen im Sinne der Gefahrenabwehr. Tschüüüüüsssss.“

Undenkbar oder? Und genau das passiert hier. (Das die Polizei auch Strafverfolgung machen muss, sei hier mal kurz ausgeblendet.)

Mal ganz davon ab, dass der Bericht selber davon ausgeht, dass ein Bannerklau zu einer Massenschlägerei führt, sprich auch eine weitere konkrete Gefahr für weitere Rechtsgüter der öffentlichen Sicherheit droht.

Sprich: Die Polizei verhindert hier laut ihrem eigenen Bericht bewusst keine Straftaten, obwohl sie es könnte. Ob dies ein „pflichtgemäßes Ermessen“ ist, sei mal sehr stark angezweifelt. Klar ist allemal folgendes: Ginge es hier nicht um Fußballfans (sind sowieso alle Verbrecher), würde die Springer-Presse nicht zu gehen.

Und den Rest schenken wir uns einfach.

Der Frodo hat ja die Kunst immer noch irgendwo das Gute zu sehen und auf eine Besserung zu hoffen, aber in einer Zeit in der die Polizei anscheinend nur noch tätig wird, wenn sie gerade Bock drauf hat und wie sie Bock hat und sich dagegen kein Widerstand erhebt, blieben wir sehr pessimistisch. „Alle Macht geht vom Volke aus.“ steht im Grundgesetz. Man mag das immer mehr bezweifeln und es durch „Alle Macht geht von den Staatsorganen selber aus.“ ersetzen. Keine gute Entwicklung, wenn uns jemand fragt.

Apr 032013
 

oder

Kerzen + Kopf = Happy Ende

Vorwort

Liebe Leser, was sollen wir von einem solchen Spiel berichten? Es ist wohl eine der Besonderheiten des Millerntors und der Art des Fußballs, die in diesem zelebriert wurde. Immernoch bemerkenswert, dass das 2-2 nach einem grottigen Spiel in einem Duell zweier Mannschaften, die im unteren Mittelfeld der 2. Liga herumkrebsen, mehr gefeiert wird, als das legendäre 2-1 des Ole Gunnar Solskjær 1999.

Wir gönnen einem Spieler wie Tschauner das Spektakel von tiefstem Herzen, man kann seiner St. Pauli-Werdung richtig folgen. Und so sei auch hier auf das tolle Foto des Blogkollegen verwiesen, welcher die Minute dieses Wahnsinns einfängt. Als Fußballfan wird man diesen Moment wahrscheinlich nur ein einziges Mal in seinem Leben erleben. Schön, dass wir dabei sein durften.

Stadionverbot für alle!

Könnt ihr euch vorstellen, dass Menschen, die im Umfeld des FCSP arbeiten, gestern übel gelaunt waren? Wir schon. Zwei verbitterte Menschen, die als sogenannte szenekundige Beamte tätig sind, haben sich wahrscheinlich gleich gestern morgen beim DFB ausgeheult, wie böse die FCSP-Fans sind. Haben diese doch massenweise und unter „Hooligans, Hooligans“-Rufen verbotene Pyrotechnik gezündet. Mal sehen, was nun auf unseren Verein zukommt. Sollte er eine Strafe bekommen und/oder unsere verbitterten Menschen Stadionverbote fordern, dann hoffen wir auf Rückgrat. Und wenn man schon nicht juristisch gegen den DFB vorgehen will,, dann empfehlen wir die fällige Strafe bar und in Centstücken zu bezahlen. Nachzählen können die aber selber da in Frankfurt.

Ein dickes Lob an alle, die auf „Das ist aber verboten!“ scheißen und einfach das gemacht haben, worauf sie Bock hatten. Dieses ganze „Das könnte den sportlichen Etat belasten!“-Argument ist für die Katz. Denn, wer will schon sportlichen Erfolg haben, wenn man ihn nur in Plastik bekommt? Hoffentlich niemand, der den FCSP in seinem Herzen tätowiert hat. Ja, es gibt keinen richtigen Fußball im falschen DFB, aber ein bisschen Widerstand, ein bisschen Demokratie von unten, ein bisschen „non established“ müssen wir als Fans uns erhalten, wenn es nicht mal mehr die Vereinsführung schafft.

Aber es gibt wichtigere Dinge, als Wunderkerzen. Die vollständige gesellschaftliche Gleichberechtigung von Menschen, die gleichgeschlechtlich lieben. In der alltäglichen Diskriminierung dieser Gruppe ist der Fußball ein schlechtes Vorbild und ein gesellschaftliches Brennglas zugleich. Umso besser, dass sich eine Choreo (organisiert vom Alerta Network und der Organisation „Fußballfans gegen Homophobie“) und viele einzelne Plakate dieses Themas annahmen. Und das war überaus gelungen. Wichtig ist nun dieses Zeichen in alltäglichen Einsatz, alltägliche Politik und alltägliche Selbstkritik umzumünzen. Und da gibt es auch am Millerntor noch einiges zu tun.

Mehr Politik, mehr Ungehorsam möchte man dem Millerntor zurufen. Nicht nur auf den Rängen, auch auf dem Rasen. Es ist fußballerisch ja alles okay, wenn man sich als Techniker den Ball noch elegant zurechtlegt, wie es Gyau in der ersten Halbzeit tat, aber besser wäre es wahrscheinlich gewesen, wenn er Lehrbuch Lehrbuch hätte sein lassen und den Ball einfach mit dem falschen Fuß und der Pike in Richtung Tor befördert hätte. Hätte, hätte, Fahrradkette. Ein erstmaliger Gast am Millerntor neben der einen Abordnung von uns stellte zu Recht den Wert von Funk heraus. Er war ganz enttäuscht, dass der Spieler uns nicht gehört. Und man kann ja über Schachten sagen, was man will, aber wenn jemand Fleißpunkte sich erarbeitete, dann er.

Was unsere Jungs aber bitte ganz schnell wieder verlernen, ist die Fähigkeit sich durch eigene Tore aus dem Konzept zu bringen. Wie Union profitierte auch nur Paderborn vom Gegentor. Das kann doch nicht sein.

Und dann begann man zu überlegen, ob das 2-1 nun doch vielleicht auch ein Torwartfehler ist und sich das Millerntor in Agonie begeben wollte. Sicherlich haben viele bemerkt, wie sich die Paderborner 31 weit weg von der jubelnden Menschentraube bewegte – Junge, komm bald wieder! Und just im nächsten Moment schlich sich der knalltürkise Kopfballtorpedo in den Strafraum und verwandelte in bester Horst Hrubesch (jaja, aber ist nun mal so)-Manier. Es gibt diese berühmte Floskel mit dem „Kopf stehen“ und hier stimmte sie umso mehr.

Und so war es wieder einer dieser Abende, wo man nach einem Grottenkick zufrieden nach Hause ging.

Es schrieben bisher noch…

Moeliw huldigt der Nr. 13 und der Magie der späten Tore

Der Übersteiger denkt in historischen Dimensionen. Lustiges Geburtstagsgeschenk war dieses Spiel für den Frodo.

Pathos meint auch, dass man so etwas nur einmal im Leben erlebt.

Die restlichen Fotos des Gröni

Der Buci <3 schreibt gleich einen Leitartikel.

Metalust freut sich, nörgelt ein bisschen, freut sich und ist am Ende glücklich. Wie immer sehr lesenswert.

Am Rande des Dorfes sah verhaltenen Jubel bei unseren Exspielern.

Die Breitseite bereitet sich gewissenhaft auf so ein Spiel vor. Schöner Einblick, was eigentlich alles so drum herum passiert.