Mrz 042013
 

oder

11 mal 3 macht 3

Präskriptum

Liebe Leser, man soll ja eigentlich keine unverständlichen Überschriften benutzen und schon gar keine, die ein Insiderwitz sind. Und schon gar nicht, wenn der Witz auf ernsten politischen Themen beruht. Aber ab und zumal muss es doch sein. Mit einem lieben Gruß an einen hochgeschätzten Kollegen, dessen Bericht hier schon mal verlinkt sei. Was war sonst so in Aalen? Das erfahrt ihr jetzt.

Ach ja, wer irgendwas hier ernst nimmt, dem ist sowieso nicht mehr zu helfen…

Pack den Tiger in den Tank

Wenn der Wecker an einem Sonntag um 03:00 klingelt, dann kann man nur den braun-weißen Farben auswärts folgen. Der Blick auf das Handy zeigte, dass es 2/3 des Blogs in ihrem Urlaub gut geht und sie anscheinend ziemlich viel Spaß haben. Wortfetzen wie „kein Schlaf“ „25 Grad“ „Strand“ „es war Wahnsinn“ machen doch neugierig und garantieren für einen guten Blogeintrag, wenn die 2/3 wieder zu Hause sind.

Erstmal die Reisegruppe eingesammelt. Diesmal bestehend aus einem Hopper, einem Veteranen und einem Fanclubmitglied. Alle in den schwarzen Blitz gepackt und ab auf die Autobahn. Die um diese Uhrzeit an einem Sonntagmorgen echt unfassbar leer ist. Teilweise sahen wir für ca. 10 Minuten kein Auto. Zum Glück diesmal auch keinen Hasen, so dass wir problemlos die Meter machten. Unser Veteran war aber fest davon überzeugt, dass um 11 Uhr die Absage des Spieles kommen würde, war ihm das doch letztens auf einer Hoppingtour passiert „für drei vier Krümel auf dem Platz“. Die Alternativpläne waren schon gemacht, so dass die Tour nie umsonst gewesen wäre.

Aber in Aalen empfing uns die Sonne. Keine Spielabsage. Parkplatz gefunden und erstmal die Polizei bewundert. „AHS“ und dann eine Nummer auf dem Rücken. Zyniker übersetzten das „AHS“ ja gleich mit „Adolf Hitler Schwadron“, aber so weit wollen wir natürlich nicht gehen. Auf ein zugehauchtes „Morgen“ reagierten sie auch mit einem freundlichen Lächeln und schon waren wir auf dem Weg in Richtung Stadt. Um vor dem Heimblock unseren Oberhooligan zu treffen, der scheinbar die Sonne genoss, aber eigentlich Ausschau nach Gegnern hielt. Das gefiel unserem Veteranen, der meinte, er brauche keine Lederhandschuhe, er habe das Blut seiner Opfer gerne an den Händen.

Der Hopper wollte unbedingt einen Pin, ich mein Autofahrerbier und das Fanclubmitglied war insgesamt unentschlossen. So ging man getrennte Wege. Ich ging mal nach den Rechten gucken, aber außer drei Jugendlichen, die im Wettbewerb „Deutschland sucht den bösen Blick“ versuchten mitzumachen, traf ich eigentlich keinen einzigen Heimfan. Also auch nicht die sympathischen Jungs aus der Kurve.

Bemerkenswert aber, dass der 1. FC Heidenheim ungefähr 200 m weg vom Stadion Werbung macht. Und diese Werbung unbeschadet war. Das ist Baden-Württemberg. Hier ist die Welt noch in Ordnung.

Da bekommt man mit dem Triahoschi auch noch ein gezapftes Bier im Glas in einem Cafe an einem Spieltag, obwohl man gefährlicher Fußballfan ist. Die Sonne war warm, das Bier kalt. Wenn doch dieses blöde Autofahren nicht wäre, dann wären hier jetzt ein zwei Bier mehr vernichtet worden. Aber so blieb man brav und als die Ufftas kamen, schloss man sich denen an und ging in Richtung Stadion.

Wie es sich gehört relativ weit hinten mit einem geschätzten Kollegen. Bisschen rumgealbert und festgestellt, dass im Hinblick auf die Besorgung von Karten fordern und faul eine ganz schlechte Kombi ist. Und gerade als man da so seiner Wege ging, erhielt man auch ein Foto geschickt, welches eine grinsende Person vor dem eigenen Auto zeigte. Siehe an, da hatte doch noch ein Teil der Bezugsgruppe spontan den weiten Weg angetreten.

Sowieso ist es immer wieder schön die ganzen bekannten Gesichter zu sehen. Und wenn selbst Ex-Köche, immer noch Elefanten und Paupis den weiten bzw. sehr nahen Weg „45 Minuten, inklusive Parkplatz suchen…“ antreten, dann ist der Tag schon toll bevor das Spiel begonnen hat.

Im Block dann die übliche Mischung aus Allesfahrern und örtlichen Paulis. Sorry Leute, es mag echt viele Exilisten geben, die echt gut drauf sind, die ihr altes „Trulsen“ Trikot inklusive kleiner strahlender Tochter in den Gästeblock bringen, aber Typen, die 90 Minuten nicht den Mund aufbekommen, sich aber über den Vorsänger aufregen, die null Emotionen zeigen und eigentlich nur durch „besoffen“ auffallen, die sollten das Spiel lieber in der Kneipe gucken. Ja beides erlebt und der Nervfaktor des Negativen löscht beinah wieder die Erinnerung an das seelig lächelnde Kind aus. Schade eigentlich.

Ach Vorsänger. Da tun Stadionverbote wirklich weh, denn obwohl der junge Mann sich echt Mühe gibt, muss man sagen, dass unser „normaler“ Vorsänger meinen Ton besser trifft und mich mehr motiviert. Trotzdem: Hohes Lob an jeden, der sich da auf dem Zaun abmüht die Massen in Bewegung zu bringen. In der Sonne nach unendlicher Fahrt gibt es angenehmere Jobs. Nun ja, egal. Heißer brüllen ist Auswärts Pflicht. Schon gerade bei einem solchen Spiel. Dazu sei mal ein morgendlicher SMS Dialog zitiert: „Oh Mann… heute is‘ wichtich!“ „… Ja […] heute ist richtig wichtig. Aber ich befürchte das weiß Aalen auch.“

Unser Einsiedler wusste von früheren Besuchen in Aalen noch zu berichten, dass es auch hinter der Heimkurve Anti-Naziaufkleber gab. Das scheint nun diesem ekligem unpolitischem gewichen zu sein, in dem ein „Reichsstaat Aalen“ natürlich nur ein Bezug auf das Mittelalter ist. Echt sympathisch. Und wer ein „Nazi Schweine“ mit „Scheiß St. Pauli“ beantwortet, der hat mehr gesagt, als er eigentlich sagen will, denn er ist doch unpolitisch.

Aber eigentlich wäre doch so ein „Weltstadt Hamburg – Reichsstadt Aalen“ Freundschaftsschal mit hinten drauf „Wir sind halt so“ ganz schnafte, oder? Unser Padawan beschloss auch schon sein Studium lieber in Aalen als in Hamburg zu beginne und die Fanfreundschaft aufzubauen.

Stadion und Gästeblock ziemlich voll. Es ist interessant zu beobachten, wie viele bekannte Hamburger Leute sich freiwillig direkt an den Zaun stellen. Eine Position in der man Null vom Spiel mitbekommt, aufgrund der Banner und der Werbebanden. Letztendlich 1.300 Kilometer zurück zu legen um nicht wirklich Fußball gesehen zu haben, wäre meines nicht wirklich. Aber gut, jedem seine Art des Fußballgenusses.

Anders muss man da wohl bei dem Genuss von Alkohol denken, denn welchen Zustand einige Leute schon wieder (!) an den Tag legten, machte einem wirklich Sorge. Das sieht zu regelmäßig und zu viel aus. Leute: Seid bitte vorsichtig mit dem Zeug. So lecker das Bierchen ist, das ist eine beschissene Droge. Man kann als mehr oder minder Fremder nix unterstellen, aber hinterfragt euch mal selber, ob jedes Spiel komplett breit wirklich so gesund ist. Das gleiche gilt mit den verbreiteten Spielereien mit so weißem Pulver, welches durch die Nase gezogen wird. Leute, das macht ziemlich schnell kaputt. So nun hatten wir also wieder unseren Straight Edge Moment des Tages.

Das der Baden-Württemberger aber doch so ein Revoluzzer im Geiste ist, sieht man ja nicht nur daran, dass die Grüne wählen, sondern auch daran, dass hier im Halbzeitgewinnspiel Platz 13 in Reihe 12 gewinnt. Rein zufällig natürlich. Aber wie so oft, lässt der Revoluzzer im Geiste hier die Faust in der Tasche und gießt lieber seinen Garten.

Wichtig ist auf dem Platz. Und da spielte unsere „Notelf“ doch sehr verhalten. Ja, man kann den Jungs das Bemühen nicht absprechen, aber das Risiko und das schnelle Umschalten vermeiden die Jungs einfach zu häufig. Da fehlt es irgendwo an der Freiheit im Kopf und an der Mut. Angst frisst halt Seelen auf. Im offensiven Mittelfeld fehlt uns einfach ein Spieler, der mal mit ein oder zwei Kontakten den steilen Pass versucht und so Überraschungsmomente schafft. Selbst so technisch eigentlich versierte Spieler wie Gyau oder Gogia versuchen dies viel zu selten, bzw. nie. Gyau ist sowieso so ein Fall für einen riesigen Seufzer. Unheimlich schnell, eigentlich auch technisch versiert, aber immer wieder läuft das Spiel an ihm vorbei und es scheint, als träume er. Gerade im Verteidigen bleibt er zu häufig stehen und noch häufiger als die anderen beiden in der offensiven Dreierkette. Da besteht bei allem Bemühen noch Optimierungsbedarf. Und diesen soll man ja gerade im Sieg ansprechen.

Ein Sieg, der zwei Faktoren geschuldet war. Faktor 1: Tschauner und die Überheblichkeit von Aalen im Torabschluss. Gerade die eine Szene in der Tschauner noch auf der Linie rettet wäre mit einem Torabschluss, der einfach nur „rein in die Maschen“ gewesen wäre, nicht möglich gewesen. Aber der Spieler wollte es schön und lässig machen. Das geht nicht in Liga 2. Faktor 2: Der magische Günni (Streisand-Effekt, kennt ihr, oder?). Ball selber zu Tschauner klären, Ball von Tschauner zurück bekommen, übers Feld spazieren, gefoult werden (vom Block aus gesehen: klarer Elfer, wer guckt schon Fernsehen?), Elfmeter reinhauen. So etwas nennt man im Eishockey „unassisted“. Schade, dass man solche Spieler nicht für die nächsten 10 Jahre verpflichten kann. Der Junge hat Qualitäten, die nur wenige Spieler haben. So blieb das 11. Tor durch die Nummer 11 per 11er einfach nur ein schöner Dreier.

Was einfach gefällt ist Emotion. Spieler, die Emotionen zeigen, die gefallen. Und wenn Schachten nach Schlusspfiff am liebsten in den Block gesprungen wäre und jeden Fan umarmt hätte, dann weiß man, dass der Junge FCSP ist bzw. wird. Da siehst du einen Spieler, der für sich UND den Verein gewinnen wollte. Da kann der noch so Grütze spielen, das will man sehen.

Ja an die Truppe von Kapitän Kalla kann man glauben. Man hat wieder das Gefühl dort eine Mannschaft zu sehen. Eine Mannschaft, die jung, unerfahren und ungeschliffen ist. Aber an der man so langsam Struktur erkennen kann. Und die mit Kalla, Funk (könne wir den bitte verlängern?), Tschauner, Schachten, Thorandt eine Führungsgruppe bekommt. Wir wollen dem Kollegen Metalust ja gar nicht widersprechen: Aber junge Spieler ohne Gesicht sind das auch nicht. Vielleicht sind sie einfach nur still und heimlicher.

Feiern am Zaun und schön, dass nicht nur Schachten, sondern auch einige andere ihr Trikot gaben. Liebe Spieler: Das bedeutet so vielen Leuten wirklich etwas. Und ist in einer solchen Situation genau richtig. Ebenso das Abklatschen am Zaun. Traut euch, Jungs. Wir Fans beißen nicht.

Nach dem Auswärtssieg hat Gott ja noch die Rückfahrt gelegt. Auf dieser hatte dann Dr. (Namen von der Redaktion geändert) noch einen kleinen physikalischen Test versucht. Kann man bis nach Hause mit heißer Luft im Tank fahren. Kann man nicht, aber da das ganze schnell behoben war, bleibt das eine lustige Anekdote. Und wie immer gilt: Wer den Schaden hat, muss für den Spott nicht sorgen. Wir haben ja aber ihren Mitfahrer im Verdacht, dass der das Zeug aus dem Tank direkt gesoffen hat.

Der Rest sind Stories vom Hoppen, falsches Mitpfeifen von Musik und ein Fanclubmitglied, welches schläft, während sein Zweitverein gewinnt. Nur die Frage ob nun Charleroi oder Sinsheim, die konnte bis zuletzt nicht geklärt werden.

Nun also Regensburg. Tabellenletzer. Wir haben da ja so unsere Erfahrungen. Dazu der nächste Dialog: „Klar. Es wäre ein typisches magisches Spiel, das wir verlieren. Aber das wird einfach nicht passieren.“ „Das ist endlich mal eine klare Ansage.“ „Klar. Larifari bringt uns nicht weiter.“

In diesem Sinne: Roaren wir Regensburg am Freitagabend weg. Aux Armes!

Es schrieben bisher noch…

Metalust will sich nicht mehr schämen.

Stpauli.nu zieht schon Vergleiche zu „Fachfragen“ Rehagel.

Der Kleine Tod gewinnt auch in Wedel

FCUMad sieht endlich wieder Fußball (english)

  3 Responses to “Hinterhergehen ist strukturell antisemitisch”

  1. […] Während die rund 500 Demonstranten in Wedel gegen den im Netz angekündigten, aber weder angemeldeten noch stattgefundenen Naziaufmarsch glücklicherweise keinen Nazi zu Gesicht bekamen, konnten die FCSP Fans in Aalen nicht ganz so schöne Geschichten erzählen: http://fcumad.tumblr.com/post/44538014615/vfr-aalen-0-v-1-fc-sankt-pauli-finally-football#_=_. Schön auch: http://indensinngekommen.wordpress.com/2013/03/03/mein-verein-ist-die-antifa-zum-spiel-in-aalen-aalen-fcsp-01/ sowie https://www.magischerfc.de/?p=6874. […]

  2. „Stadion und Gästeblock ziemlich voll. Es ist interessant zu beobachten, wie viele bekannte Hamburger Leute sich freiwillig direkt an den Zaun stellen. Eine Position in der man Null vom Spiel mitbekommt, aufgrund der Banner und der Werbebanden. Letztendlich 1.300 Kilometer zurück zu legen um nicht wirklich Fußball gesehen zu haben, wäre meines nicht wirklich. Aber gut, jedem seine Art des Fußballgenusses.“

    Wenn die Rollifahrer mal in den Gästestehplatzbereich dürfen stellt man sich gerne direkt vorne an den Zaun um zusammen zu singen. Dickes Lob an die Ordner die das ermöglicht haben!

  3. Cool. Habe ich vor Ort gar nicht mitbekommen. Danke für die Info.

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