Mrz 202013
 

Vorwort

Liebe Leser, dankenswerterweise hat uns Beli vom gestrigen Partizan Minsk Abend einen Gastbericht überlassen, den hier jetzt lesen sollt, könnt, dürft:

wie ich jeglichen Respekt vor Frau Holle verlor

Gegen 15:00 Uhr war es dann amtlich: die im Rahmen der Partizan Minsk Tour geplante Begegnung gegen unsere 4. Herren würde wetterbedingt nicht angepfiffen werden. Schade! Gerade auch vor dem Hintergrund, dass sicherlich noch ein paar Leute mehr zu der Infoveranstaltung im Knust gekommen wären, die aber dennoch recht ordentlich besucht war.

Nach einem Foto auf den gestalteten Treppen begann mit einer leichten Verspätung auf Grund einer verschwundenen Busladung an Leuten oder Material oder Leuten und Material auch die eigentliche Veranstaltung.

USP begrüßte die Gäste und gab dann die Moderation an einen Babelsberger ab, der fließend Deutsch und Weißrussisch sprach. Auf Seiten von Partizan Minsk stellten sich drei Mitglieder, hierunter auch der Präsident(?), nebst Übersetzer den neugierigen Zuhörern.

Einleitend gab es einen kurzen allgemeinen Abriss über die politische Entwicklung des Landes seit der Präsidentschaft von Aljaksandr Lukaschenka (laut Wikipedia korrekt Anmerkung des Onlinestellers) und deren unmittelbare Auswirkung auf den Verein im Speziellen. In diesem Zusammenhang wurde u.a. über die Verhängung von Auflagen, nach deren Erfüllung (durch Fans und Spieler) der Verein entgegen anderslautenden Zusagen trotzdem veräußert werden sollte, staatliche Willkür und die Streichung finanzieller Mittel berichtet.

Der interessanteste Part des Gesprächs war sicherlich der Einblick in das aktive Leben des Vereins. Die Erläuterungen zu der internen Organisation sowie den Beweggründen für die aktive Unterstützung eines antifaschistischen und antirassistischen Vereins trotz der Schwierigkeiten, die diese mit sich bringt, stießen auf offene Ohren. Die Tatsache, dass die Nazis des Lokalrivalen Dynamo Minsk in den letzten Straßenkämpfen immer den Kürzeren gezogen haben, erntete sogar Szenenapplaus.

Selbstverständlich wurde auch das Stadionerlebnis (diese Vokabel, furchtbar!) thematisiert. Choreos und Gesänge sind auf den Rängen sind durch diverse Verbote quasi unmöglich. Um pünktlich ins Stadion zu gelangen, empfiehlt es sich, ca. 2 Stunden vor Spielbeginn am Stadion zu sein, da alle Banner, Schals, Fahnen, etc. genauestens auf politische oder kritische Inhalte hin überprüft werden. Selbst das Singen von „You’ll never walk alone“ war lange Zeit verboten (oder ist es noch?), da es englischsprachig ist. Sämtliche politischen Aktionen, speziell jedoch antifaschistische, sind mit Repression verbunden. Umso höher ist wertzuschätzen, dass nicht längst die Wut der Resignation, der Mut der Angst gewichen ist.

Unter den Spieler selbst befinden sich nach Aussage der Vertreter von Partizan Minsk keine politischen Aktivisten, jedoch spricht die Tatsache, dass die Spieler ohne geregelten finanziellen Ausgleich spielen, natürlich eine eigene Sprache. Ansonsten besteht die Fanszene aus etwa 400-500 Organisierten. Aber auch Nicht-Fußballfans fühlen sich durch dessen antifaschistische und antirassistische Arbeit dem Verein und den Menschen darin verbunden und gruppieren sich entsprechend dazu.

Die Passage über die Finanzierung des Vereins, speziell auch bezogen auf den Einsatz der Gelder der laufenden Soli-Tour kann ich leider nicht mehr richtig wiedergeben. Und auch die Erläuterungen rund um den Wechsel der Sportstätte auf den Kunstrasenplatz einer Sportschule sind mir nur in Fragmenten noch im Ohr.

Generell gilt: Sollten hier Sachverhalte nicht oder nicht richtig wiedergegeben worden sein, bitten wir um Nachsicht. Die Akustik abseits der Bühne ist leider nicht optimal und dadurch, dass Fragen aus dem Publikum auf der Bühne nicht wiederholt, sondern direkt beantwortet wurden, erschloss sich manches nur aus dem Kontext…oder eben gar nicht. Und so sympathisch und bemüht der Übersetzer auf der Bühne auch war, so ging doch wahrscheinlich einiges an Inhalten durch die Grenzen des verfügbaren Vokabulars verloren. Schade, dass der oben bereits erwähnte Moderator erst bei den letzten Fragen bzw. Antworten als Übersetzer fungierte, aber auch so gab es durchaus interessante Einblicke in ein ganz anderes (Vereins)Leben als es die meisten von uns wahrscheinlich kennen.

Das eigentlich anstelle des Soli-Spiels anberaumte Kickerturnier fand dann auch nicht mehr statt (zumindest war das, was da am Tisch so zusammengekickert wurde, nicht wirklich als Turnier erkennbar), aber ein bisschen Merch gab es dann noch, so dass man letztlich mit neuem Kaffeebecher zufrieden den Weg nach Hause antrat.

Mrz 202013
 

Liebe Leser,

wir sind von USP Antirazzista gebeten worden für Ihre Veranstaltung im Fanladen am nächsten Dienstag, 19:30 Werbung zu machen und dies tun wir natürlich gerne. Es geht um den Tod von Oury Jalloh und dessen (Nicht-) Aufklärung.

Aber lest selber den Ankündigungstext von USP Antirazzista:

Infoveranstaltung Break the Silence- 26.03.13 – 19:30 Uhr – Fanladen

Vor über acht Jahren, am 7.1.2005, verbrannte der Asylbewerber Oury Jalloh in einer Gewahrsamzelle der Polizeiwache in Dessau / Sachsen-Anhalt.
Bis heute ist ungeklärt, warum der damals 21-Jähirge aus Sierra Leone, der sich in einem gesundheitlich desolaten Zustand befand, zur Identitätsfeststellung inhaftiert wurde, wie es zu dem Brand in der Zelle kam und was in dieser Zelle wirklich geschah: Oury Jalloh war bei seinem Tod an Händen und Füßen gefesselt. Auch wurde erst zwei Tage nach dem Brand ein nahezu unbeschädigtes Feuerzeug gefunden, welches bei der Leibesvisitation nicht gefunden worden sei. Viele Indizien sprechen dafür, dass Oury Jalloh Opfer rassistischer Polizeigewalt wurde, so verschwanden die Videoaufzeichnungen der Zelle und die beteiligten Polizisten verwickelten sich immer wieder in Widersprüche.

In mehreren Prozessen wurden Polizisten, die zu Jallohs Tod Dienst hatten, der „Körperverletzung mit Todesfolge“ und „fahrlässigen Tötung“ angeklagt, aber erst im letzten Prozess 2012 wurde ein Polizist zu einer Geldstrafe (!) verurteilt.

Verteter_innen der Initiative Break the Silence – Initiative in Gedenken an Oury Jalloh  erläutern bei der Veranstaltung die erschreckenden Details der bereits gelaufenen Gerichtsverfahren und stellen ihre Arbeit und ihre Kampagne zur Finanzierung eines unabhängigen Brandgutachtens vor. Dieses Brandgutachten ist von großer Bedeutung für eine neues Verfahren und für die Klärung der Vorgänge in der Zelle. Nur so besteht Hoffnung, den Tod von Oury Jalloh in einer deutschen Polizeiwache aufzuklären.

Die Forderung kann nur lauten: Aufklärung – Gerechtigkeit – Entschädigung!

Kommt in euren Fanladen und beteilligt euch an der Diskussion! Break the Silence!

Ende des Textes.

 

Unterstützt sowieso allgemein die Arbeit von USP Antirazzista, welche u.a. großartige Flüchtlingsarbeit leisten.