Mrz 052013
 

… wie sich die Veranstalter hinter dem Argument verstecken werden, dass beim Echo ja nur nach Verkaufszahlen nominiert wird und das ja alles gar nicht zu verhindern sei, dass nun FreiWild nominiert ist. Doch ist es sehr wohl. Wenn man Mut hätte sich deutsch-nationalistischen, chauvinistische Tendenzen wirklich wirksam entgegen zu stellen, anstatt sie zu dulden, zu verharmlosen und damit gesellschaftsfähig zu machen…


„Als “Die Ärzte”, “Mia” oder “Kraftklub” würde ich der ausrichtenden “Deutschen Phono-Akademie” ein gepflegtes “Go and fuck yourself” zuwerfen.“

Genauso verhalten wir uns allemal nun: Go fuck yourself, liebe „Deutsche Phono-Akademie“. Und liebe Berliner, wenn ihr diese Veranstaltung schon vor Jahren aus HH geklaut habt, dann geht nun hin und protestiert denen die Hölle heiß. Wir Hamburger hätten es gemacht.

Mrz 052013
 

oder

Netter Versuch Cattiva

Liebe Leser, wir leben ja beim FCSP im Scharaffenland und neigen daher auch dazu mit einer sehr hohen Arroganz auf andere Szenen herabzublicken. Dies muss vorab gesagt werden, wenn man sich mit der Stellungnahme der Cattiva zu UB 01 beschäftigen will. Verlinken möchten wir die trotzdem mal nicht, die kann sich jeder selber ergoogeln.

Natürlich – und ich glaube das muss man auch mal sagen – ist nicht jedes Cattiva Mitglied ein Nazi, das können wir auch gar nicht beurteilen. Vielleicht ist ja selbst gar kein Cattiva Mitglied Nazi. Und vielleicht haben sie auch bei allen geschilderten Vorfällen voll Recht? Vielleicht sind UB 01 auch nicht wirklich Engel? Trotzdem lässt die Stellungnahme der Cattiva mehr offen, als sie beantwortet.

Es ist das, was nicht gesagt wird. Cattiva geht inhaltlich nicht auf die Broschüre „Kurvenlage“ ein. Nein, man kann selbst sagen, sie tut aktiv gar nix. Die Broschüre „Kurvenlage“ enthält das Wort Cattiva, das verrät eine einfache Suche im Dokument und zwar zweimal. In dem Reader werden die mehr oder minder offen agierenden Neonazis im Stadion der Braunschweiger aufgezeigt. Geleugnet, dass es diese gibt, wird dies in der Stellungnahme nicht, es wird eigentlich gar nicht drauf eingegangen. Vielmehr versucht Cattiva das, was auch der Staat in seiner Repression gerne macht, die Konflikte als „Disco-Schubserei“ zu entpolitisieren. Das ein gezielter Angriff auf einen Treffpunkt nichts mit einer Discoschubserei gemein hat, sollte eigentlich jedem klar sein. Denn in diesem Zusammenhang taucht der Name Cattiva mal auf.

Überhaupt ist es spannend, dass sich die Gruppe, die folgendes über sich selber sagt (wörtliches Zitat): „selbstverständlich, […] dass wir eine antirassistische Grundhaltung an den Tag legen.“ Das von dieser antirassistischen Grundhaltung wenig übrig bleibt, wenn man anscheinend keine Probleme mit Rechtsradikalen in der eigenen Kurve hat und mit diesen im Notfall auch gemeinsame Sache macht, um die ungeliebten (und natürlich ganz unpolitisch gehassten) UB 01 aus der Kurve zu halten, sollte eigentlich jedem klar sein.

Das folgende Zitat ist so paradox, dass es eigentlich keiner Kommentierung mehr bedarf: „Ja, auch wir sind im Stadion sehr wohl politisch und uns unserer Verantwortung mehr als bewusst! Wir gehen deutlich gegen politische Äußerungen/Gesänge vor, tolerieren auch keinen politischen Extremismus und sehen es als selbstverständlich an, dass wir eine antirassistische Grundhaltung an den Tag legen.“

Ja was denn nun? Wenn man politisch ist, kann man nicht gegen politische Äußerungen vorgehen. Und wie soll es stimmen, dass man keinen politischen Extremismus duldet, wenn doch unwidersprochen von Nazis in der Fankurve seit Jahren die Rede ist? Ist das kein politischer Extremismus? Oder reicht das „der tut hier doch nix“? Müssen wir nicht sagen, wie gefährlich diese Duldung von vermeintlich ruhigen Nazis ist. Was hat Cattiva gegen die Anschuldigungen in der Broschüre zu sagen? Ist das auch alles „Disco-Schubserei“, wenn sich in der Kurve Mitglieder der NPD und freien Kameradschaften tummeln? Und wie kann man sich mit solchen Leuten so solidarisieren, wie es hier geschieht? Mal ganz davon ab, dass da die mehr als überholte Extremismustheorie drin ist.

Gelebter Antirassismus und eine antirassistische Grundhaltung hört eben nicht dort auf, wo man dafür sorgt, dass die ekligsten der ekligsten Gesänge verschwinden, er geht noch sehr viel weiter. Und er besteht insbesondere darin sich stark und deutlich von Rechtsradikalen zu distanzieren und diese in einer Kurve nicht zu tolerieren. All dies versäumt Cattiva in seiner Stellungnahme. Nichts ist gefährlicher, als die soziale Etablierung von Nazis durch Duldung. Er bleibt nämlich nur scheinbar ruhig. Und auch nur so lange, so lange er nicht Oberwasser hat.

Nein, wir verkennen nicht, dass dies nicht immer ganz einfach ist, gerade dort, wo man auf irgendwelche Testosteron Monster trifft. Aber dann hilft schweigen immer noch mehr, als sich solidarisieren. Es ist aber auch nicht weit her mit der Toleranz (was ja nicht mehr oder weniger als „erleiden“ heißt) bei unseren Stellungnehmern.

Cattiva schreibt weiter: „denn schließlich sollte jedem regelmäßigen Stadionbesucher klar sein, dass die Braunschweiger Fanszene ihr Motto „Eintracht in Vielfalt“ auch wirklich lebt. Es spielt im Stadion nämlich keine Rolle, welche Hautfarbe, welcher Nationalität, welchem Geschlecht oder welcher Religion man angehört – noch ob man Kutte, Ultrà, Hool oder einfach Eintracht-Fan ist. Man steht zusammen und unterstützt gemeinsam unsere Eintracht.“

Nun wollen wir ja gar nicht auf die problematische Einbeziehung von Hooligans in diesem Text eingehen. Das ist eine Sache in der sich ungefähr jede Kurve (inklusive unserer eigener) an die Nase fassen kann und das ist mal Thema für einen langen Blogbeitrag. Aber dieses Statement der Toleranz, welches nebenbei ein sehr politisches wäre, wird nicht wirklich ernst genommen. Denn man schreibt bereits vorher: „Es sollte zudem verständlich sein, dass wir alles andere als erfreut darüber sind, dass sich neuerdings rivalisierende Ultras u.a. aus Bremen und Hamburg/St. Pauli in der Nordkurve aufhalten. Hierbei sei der Form halber erwähnt, dass dies auch für alle anderen Ultras-Gruppen der Republik gilt, so sie nicht zu den bekannten Freunden gehören.“

Man könnte das auch verkürzen: Willst du Braunschweiger sein, lass dich nur mit unseren Freunden ein. Wohlgemerkt uns = Cattiva. Das alleine ist schon nicht mehr wirklich „Eintracht in Vielfalt“. Und was dann „alles andere als erfreut“ heißt, bleibt wahrscheinlich bewusst unklar. Deuten wir es mal als Toleranz und natürlich darf jeder seine Freunde haben, wo er möchte und ist trotzdem Braunschweiger und darf in die Kurve, oder Cattiva? Deutungsmacht ist nämlich Herrschaftsmacht und wenn diese Herrschaftsmacht nicht nur nach Freund/Feind Schemata funktioniert, sondern nebenbei zwar Probleme mit dem FCSP hat, aber nicht mit Nazis, dann ist sie alles, aber nicht antirassistisch.

In einem Seitengedanken sei hier mal angemerkt, dass diese Textpassage natürlich auch Ausfluss dessen ist, was man wohl „Ultraparadoxon“ nennen muss. Auf der einen Seite wird immer die „Freiheit für die Kurven“ gefordert und einer Vielfalt das Wort geredet, auf der anderen Seite werden knallharte Regeln für Fahnen, Freundschaften und Verhalten auferlegt und im Notfall auch per archaischem Faustrecht durchgesetzt. Aber das ist kein Braunschweiger Phänomen. Wo bitte ist dies nicht so?

Man könnte das auch alles kürzer fassen und sagen: Dann lasst den Worten doch einfach Taten folgen. Arrangiert euch mit UB 01, ihr müsst ja keine Freunde werden, aber die Kurve ist groß genug. Und schmeißt gemeinsam die Nazibrut vor die Tür. Das wäre gelebter Antirassismus. Viel Erfolg dabei.

(Mit Dank an das Lichterkarussell)

Nachtrag: Zwischenzeitlich haben auch UB 01 Stellung bezogen. Und wenn man das so liest, dann kann man den beiden Gruppen nur folgendes empfehlen: Bierkasten in die Mitte, mal ordentlich anbrüllen, danach Kriegsbeil begraben und gemeinsam Braunschweig ändern.