Feb 212013
 

Liebe Leser,

es ist erstmal dankenswert, dass der Brux sich zu den Vorkommnissen von Montag äußert. Bevor man jetzt wieder in den Nörgelmodus schaltet, wollen wir mal herausheben, dass seitens des Sicherheitsbeauftragten interaktive, offensive und möglichst schnelle Kommunikation schon über Jahre gepflegt wird.

Leider ist der Beitrag im Forum gekürzt bzw. aufgeteilt worden. Der volle Text findet sich beim Fanladen auf Fratzenbuch. Da dann auch mit der Südpassage.

Dass es noch besser wäre, wenn so etwas auf der offiziellen HP stattfände (Warum tut es das eigentlich nicht? Müssen es immer nur Hochglanzmeldungen sein? Ist das der Ausfluss des „Premiumproduktes“ Bundesliga?), sei mal so am Rande erwähnt, aber das ist ja nicht Svens Schuld.

Einlass Gegengerade

Schon länger kann man eine Beobachtung machen: Die Leute nutzen beinahe ausschließlich die Eingänge, die nah der Süd sind. Das liegt auch daran, dass die meisten Leute von dieser Seite kommen und sich zur Zeit das Leben vor dem Stadion dort konzentriert. Hier ist bei den Leuten ein bisschen mehr Übersicht gefragt und beim Verein vielleicht jemand mit Megafon auf der Traverse. Mal ganz davon ab, dass sich das Ganze durch Fanräume und dem damit verbundenen Verlagern des Lebens vor die Gegengerade ein bisschen ändern sollte.

Befüllung der Gegengerade

Aus eigener Beobachtung können wir nicht unterschreiben, dass der Außenblock zur Süd hin (Block D; meinen wir) leerer ist. Eine Einteilung in drei Kartenblöcke würde also nicht wirklich etwas bewirken, mal ganz davon ab, dass so etwas immer erhebliches Konfliktpotential birgt und sehr gut unterlaufen werden kann, wie jeder weiß.

Der Block D wird auch über dem Mundloch ordentlich voll. Insgesamt ist das aber auch ein großes Problem des Herdentriebes. Alle wollen nach oben und alle gehen nach rechts, wenn sie durch das Mundloch sind. Wenn hier ein bisschen mehr die Augen aufgemacht werden und die Leute auch einmal akzeptieren, dass man nicht fünf Minuten vor Anpfiff den Sahneplatz ganz oben bekommt, dann rückt sich das auch von alleine zurecht. Beim letzten Spiel haben die Ordner schon mit kurzfristigen Sperrungen gearbeitet. Das ist auch okay, war noch nicht wirklich perfekt, aber wenn man da noch am System feilt und jemanden hat, der die Übersicht behält (Wozu hat man Funk?) dann wird das schon. Es ist eben schon etwas Anderes, 13.000 Leute zu ordnen als 6.600.

Die Ordner vor der Süd

Vorab: Es sollte in der DNA dieses Vereines und bei jedem Zuschauer verwurzelt sein, dass er sexistische, rassistische und homophobe Sprüche nicht hinnimmt. Es gibt eine gute Faniniative dazu und es sind ja auch vollkommen zu Recht Tafeln an den Aufgängen angebracht, die auf die Stadionordnung hinweisen. Der Verein höchstselbst sollte dennoch viel häufiger, deutlicher und konsequenter offiziell darauf hinweisen. Man mag Dynamo Dresdens Anzeigentafelergänzung „Rassismus ist kein Fangesang“ in diesem Zusammenhang mal erwähnen, auch wenn die unserer Meinung nach auch noch nicht weit genug greift. So etwas oder auch ein kleines Video vor jedem Spiel würde uns gut zu Gesichte stehen, um daran zu erinnern, wenn das mit der Selbstkontrolle nicht recht klappt.

Und ja, wir können uns sehr gut vorstellen, dass Leute aus der Süd die aufziehenden Ordner sexistisch und auch homophob beleidigt haben. Das muss man nicht in Frage stellen. So ein Verhalten ist leider auch in der vordergründig antirassistischen Kurve des FCSP zu weit verbreitet.

Wer solche Beleidigungen ständig gebraucht, sich beratungsresistent zeigt und sich nicht ändern will, der hat keinen Platz beim FCSP. Aus unserer Sicht steht so jemand außerhalb jeglichen Grundkonsens. (Da ist eine Verkürzung drin, die wir vielleicht mal gesondert auflösen)

Jedoch: So wie Sven es hier einbringt, passt es einfach nicht. Es bleibt ein blöder Beigeschmack. Das Aufrechnen von Fehlverhalten ist per se schon mal Blödsinn. Eine Ordnerkette vor einer Tribüne kann keine falsche Äußerung verhindern und/oder gegen diese vorgehen. Das Ganze verkommt hier zu einer komischen Rechtfertigung, die einfach nicht passt. Lieber sollten wir das unschöne Verhalten mal unabhängig davon ansprechen, nicht so aufrechnend und insbesondere auch, wenn alles sonst entspannt geblieben ist. Und schlichtweg noch mehr proaktiv tätig werden, wie oben beschrieben.

Hinzu kommt, dass man weiter sieht, als man hört. In einem lauten Stadion werden (leider) nur wenige einzelne Beleidigungen mitbekommen haben, aber viele sahen die Ordner auflaufen. Wenn man nun Svens Schreiben wörtlich nehmen will, dann klingt das so, als ob ein Erstaunen bei ihm vorliegt, dass sich so wenige über das Fanverhalten beschweren. Und man könnte da reindeuten, dass Fans – zu Unrecht – gedeckt werden. Nur lieber Sven: Man sieht mehr, als man hört. Und man kann sich nur über dies beschweren, was man wahrnimmt.

Was uns auch noch nicht so ganz klar ist, ist der Zeitablauf: Wenn die Ordnerkette wirklich Würfe in Richtung Schiedsrichter verhinden sollte, dann war sie viel zu spät aufgestellt. Denn als sie endlich dort stand, hatte Gräfe schon seinen Kaffee nach dem Duschen und sein Feierabendbier getrunken. In dem berühmten Ernstfall muss Ordnerverhalten schon sehr viel schneller geschehen, damit es wirksam ist. Aber wenn man hier Svens Stellungnahme so liest, dann wird daran hoffentlich gearbeitet.

Dass verdammtnochmal kein einziger Gegenstand aufs Feld zu fliegen hat, ist tatsächlich in viel zu vielen Köpfen noch nicht angekommen. Dass haben mehrere Tribünen am Montagabend „eindrucksvoll“ bewiesen, in dieser Hinsicht muss man sich über Repressionen nicht wundern. Mit einer Ordnerkette nur vor der Süd wird allerdings ein Zeichen gesetzt, das nicht deeskalierend wirkt und eine – aufgewühlte, aber überwiegend zivilisierte – Meute unter Generalverdacht stellt. Hoffentlich erleben wir das so bald nicht wieder.