Feb 042013
 

oder

Fußball mit kleinen Fragezeichen

Vorwort

Liebe Leser, es ist vollbracht. 26.000 Zuschauer sind ein (vorläufiger?) offizieller Rekord am Millerntor und es gibt einiges zu berichten. Leider keine Cottbuser Niederlage, sonst hätten wir uns jetzt an Dantes Göttlicher Komödie langgehangelt und Inferno Cottbus in die tiefste Hölle verbannt.

Was vom Tage übrig blieb…

War schon mal jemand von euch im Jolly, wenn dort die Frankfurter zu Gast sind und ihre Bembelbar feiern? Nicht? Nun sind die Ausrichter absolut schnafte, aber Frankfurt zieht halt auch ein Publikum an, was – wie sollen wir es ausdrücken? – nun so gar nicht zu uns passt. So durfte ein Freund des Blogs seinen Samstagabend noch mit einer fröhlichen Extremismustheorie-Diskussion verbringen. Noch Fragen? Wir nicht. Den Weg zur Tür wurde dem Gegenüber deutlich gezeigt.

Sonntag dann unser Heimspiel. Wer die Basch nicht mitgenommen hat, die auf jedem Platz auslag, bekommt hiermit schon mal einen zwischen die Hörner. Es ist in diesem Zusammenhang unfassbar, wie viele Leute sich auf ihren Sitz setzen, anscheinend nicht annähernd gucken, was auf diesem Sitz klebt und nach dem Spiel nach Hause gehen, ohne die angeklebte Basch auch nur eines Blickes zu würdigen. Sagt mal Leute, geht es noch? Aber dann wieder über „die Ultras“ motzen.

Allerdings darf man auch etwas an der Basch-Sonderausgabe kritisieren. Denn der eine oder andere versuchte es wirklich, sich die Worte zu Gemüte zu führen – allerdings schreckt so viel Text mit so wenig Auflockerung einfach ab. Da fehlten nur noch Fußnoten, um die seitenlangen Ausführungen noch unattraktiver zu machen. So sehr es auch zu begrüßen ist, wenn Ultrà Sankt Pauli mal aus der Deckung kommt und sich einer breiteren Öffentlichkeit stellt, ist hier wohl eine Chance vertan worden.

Und um gleich alle Aufreger auf einmal abzuhandeln: Die Stadionordnung ist wieder auf deutlichen Tafeln am Eingang präsent. Insbesondere die Diskriminierungsparagraphen. Dazu verteilte das 6 (2) Bündnis auch Flyer und die (weiblichen) Verteiler durften sich noch unterirdische Sprüche anhören. Link auf stpauli.nu mit Beispielen. Man muss in solchen Fällen immer wieder bedauern, dass man für ein gebrochenes Nasenbein eines Sexisten leider keinen Freispruch bekommt. Die Faust sitzt in solchen Fällen doch sehr locker in der Tasche.

Die Gegengerade erstrahlte in neuem Glanz und sieht wirklich gut aus. Kleinere Bauarbeiten sind noch zu erledigen, aber das Gesamtpaket rockt. Und wenn die Tribüne mal in Wallung kommt, dann ist sie auch unglaublich laut und überbrüllt die Süd gnadenlos. Ein ums andere Mal sahen die Capos doch etwas ratlos aus, als die Gesänge von der Gegengerade herüberschwappten und den organisierten Support in die Knie zwangen. Ich weiß nicht, ob man sich bei USP nun fragt, ob der Gang auf die Süd der richtige war. Man stelle sich nun einen Mittelblock mit 1000 Ultras unter diesem Dach vor – und darüber keine leeren Business Seats.

Womit wir doch noch einen Aufreger haben. Man sieht jetzt, dass der Business Bereich komplett überdimensioniert ist und uns wahrscheinlich auch langsam Geld kostet. Beide Business-Bereiche waren – wohlwollend geschätzt – zu 60 Prozent gefüllt und woher die angeblich verkauften 80 Prozent der Plätze kommen, das weiß wohl nur die Vermarktung.

Aber zurück zur Gegengerade. Nein, ein Furz war das nicht, lieber Breitseite-Schreiberling. Es war nicht das, was möglich ist, aber es hat Potential. Und es wurde doch weite Strecken auf das Spiel reagiert. Und da passt die Schauspielertruppe und das Bepöbeln schon sehr gut. Mal ganz davon ab, dass St. Pauli auch immer solche Gesänge ausgemacht haben. Irgendwo beleidigend, aber eben mit Niveau. Was der GG schnell fehlen wird, ist die Koordination. Das wird wahrscheinlich die Zauberaufgabe werden, alle Tribünen zu koordinieren. Gleichwohl bleibt zu hoffen, dass der ordentliche Auftakt nicht zu einem Strohfeuer wird und sich sedierte GG-Besucher bald wieder zu einer weitgehend stummen Masse entwickeln.

Auf dem Rasen fehlte uns etwas. Nein, die Jungs haben geackert, sie haben Tugenden (arg, was für ein Wort) gezeigt, die mit dem FCSP verbunden werden. Was jedoch fehlte, ist das Ausbrechen aus dem Korsett. Das „Vintage“-Instrument war nicht da, wie der Kollege Metalust so schön schreibt. In einer solchen Situation wünscht man sich einen Bruns in alter Form, der fünf üble Fehlpässe spielt und dann den einen genialen Pass, der plötzlich vier Spieler blank stehen lässt. Die Gefahr des Systemfußballs ist einfach, dass sich alle Spieler an das System halten und das Spiel 0-0 ausgeht. Buchtmann emsig wie eine Biene, Fin auch, Mohr und Torre eine herausragende Performance, alle im Team. Aber es werden zu viele Kontakte für die Weitergabe benötigt, zu selten das absolute Risiko gesucht, zu häufig die Sicherheit gewählt. Und wenn dann Cottbus als Tabellenvierter (!!!) mit elf Mann im eigenen Strafraum ab der 55. Minute versucht, das 0-0 zu halten, dann wird das nichts mit dem Traum: Dem 1-0 kurz vor Schluss durch den – zu Recht – gefeierten Marius Ebbers.

Noch ein Wort zu Sanogo. Solche Spieler lassen einem das Herz bluten. Der Junge kann doch alles, was einen Fußballer ausmacht, dazu ist er seine 1,90 m groß und kantig. Und anstatt diesen Körper und diese Technik einzusetzen, sprichwörtlich dahin zu gehen, wo es weh tut, liegt er ständig auf dem Rasen. Was für ein verschleudertes Talent. Traurig. Apropos verschleudertes Talent. Alex Ludwig muss sich doch nur scheiße vorgekommen sein. Größter Fehler seines jungen Lebens? Der Wechsel von uns weg!

Genug für heute, wir sehen uns in Sandhausen.

Es schrieben bisher sonst noch…

(Wir versuchen mal alle Blogs, die sich zum gleichen Spiel äußern zu verlinken. Aber Achtung, wir werden Schreiberlinge immer wieder vergessen. Das ist dann keine böse Absicht. Die im Text verlinkten wiederholen wir dabei nicht. Und auch Pingbacks wiederholen wir nicht, daher auch dort gucken bitte. )

Keep calm and follow St. Pauli sieht uns ungeschlagen.

stpauli.nu sah ein Patt

Und der Übersteiger sah den 20. Spieltag

Gröni machte sich ein Bild und ein Video

GGG hatte einen Wunschzettel

Pathos kam in der Neuzeit an.

Ja was denn sieht Potential

Der Hanseator war zu Gast bei „Feinden“