Jan 012013
 

oder

05.10.1940 bis 01.01.2003

Liebe Rosi,

leider hast Du 2/3 der Menschen, die dieses Blog heutzutage schreiben nie kennen gelernt. Und doch hast Du einen entscheidenden Anteil an diesem Geschreibsel, denn Du warst die erste Person, welche die Texte korrigieren durfte/sollte/musste. Und so hast Du den über die Jahre entstehenden Stil des früheren Alleinschreibers geprägt. Daher möchte ich Dich auch hier würdigen.

Nun bist Du schon 10 Jahre tot. Und doch kommt es mir wie gestern vor. Und immer noch fehlst Du mir ständig. Auf den Treppen des Millerntors, als Inspiration und als Erdung, als kluge Begleitung im Alltag. Du fehlst mir dann, wenn es die abstrusesten Sportarten im Fernsehen gibt und ich mir denke, dass wir sie früher gemeinsam geguckt hätten. Du fehlst mir als politisches Gewissen, welches meine Einstellung über die Jahre mitgeprägt hat.

Ich weiß nicht, wie Dir die neue Gegengerade gefallen hätte. Wahrscheinlich wärst Du zu Beginn so skeptisch gewesen wie ich. Und am Ende begeistert von Klos und Dach. Und doch hätte Dir das Dreckige, was Deinen Stadtteil, Deinen Geburtsort so liebenswert gemacht hat, gefehlt.

Letztens fragte mich jemand, ob ich eigentlich auch Negatives an Dir erinnere. Es mag die Zeit sein, es mag die Verklärung sein, aber mir fällt nix Negatives mehr ein. Bilderbuchkindheit in einer heilen Vorstadtwelt, fasst es wohl passend zusammen.

Viel zu früh bist Du von uns gegangen. Hast die wilden Jahre in der Regionalliga ebenso verpasst, wie den Aufstieg unseres FCSP bis in die Bundesliga. Dir hätte ich den ersten Derbysieg gegönnt. Natürlich wärst du aus Prinzip nicht ins Volksparkstadion gegangen, aber ich weiß, dass wir nachts wahrscheinlich eine Party gefeiert hätten, die ganz Poppenbüttel wach gehalten hätte.

Ich hoffe es geht Dir gut, dort wo Du nun bist. Und ich hoffe, ich sehe Dich dort irgendwann wieder.

Tiocfaidh ár lá dein Sohn